www.bargain-magazine.com, 1.6.2014: “Meistens irrt man sich, wenn man später denkt, man hätte sich geirrt”

Interview mit Buchautor Thomas Claer im Bargain Magazine

„Meistens irrt man sich, wenn man später denkt, man hätte sich geirrt“

am Juni 1, 2014 von Daniel

Bargain-Interview mit Börsen-Buchautor Thomas Claer

Dr. Thomas Claer ist Jurist und Publizist in Berlin, Chefredakteur der Zeitschrift Justament (www.justament.de), Autor des Buches „Auf eigene Faust: Aktiensparen für Kleinanleger“ sowie selbst leidenschaftlicher Anleger. Dem bargain-Magazine steht er nun für ein Interview über sein Buch und seinen langjährigen Erfahrungsschatz zur Verfügung, wofür wir ihm sehr dankbar sind.

b.m.

Thomas, Du beginnst Dein Werk mit der einleitenden Bemerkung, Aktien seien in den Augen von vielen Deutschen „Teufelszeug“ und weist zurecht auf viele Problemfälle wie den „Neuen Markt“ hin, die dazu führen, dass Neulinge sich regelmäßig die Finger verbrennen und anschließend der Börse gezeichnet fernbleiben. Wie beurteilst Du momentan die Lage? Hält sich der Deutsche nach wie vor von dem teuflischen Anlagevehikel fern oder entdeckt er angesichts eines von Höchststand zu Höchststand eilenden Leitindex langsam die Aktie wieder?

T.C.

Es gibt leider unverändert, und längst nicht nur bei uns in Deutschland, eine große Zahl an Kleinanlegern, die mit ihren Geldanlagen auf die Nase fallen. Diese Leute gehen häufig ohne grundlegende Kenntnisse der Kapitalmärkte in wenig lukrative oder zweifelhafte Anlagen, oft genug noch ermuntert von ihren provisionsgetriebenen Bankberatern.

Auf der anderen Seite steht die – glücklicherweise immer weiter wachsende – qualifizierte Minderheit der „aufgeklärten Kleinanleger“, die sich selbst um ihre Geldanlagen kümmert. Und die profitiert natürlich derzeit ganz stark von den Höchstständen in den Aktienindizes.

b.m.

Wie ließe sich dieser Mechanismus verändern – sprich: was kann man als Anleger machen, um sich nicht die Finger zu verbrennen?

T.C.

Wer zu dieser qualifizierten Minderheit der eigenverantwortlichen Selbstanleger gehören will, sollte sich zunächst aus unabhängigen Quellen über die grundlegenden Zusammenhänge informieren und sich dann schrittweise eine „Technik“ des überlegten Anlegens aneignen. Dazu gehört unbedingt eine wirksame Methode der Risikobegrenzung, womit ich aber gerade nicht das Setzen von Stopp Loss-Marken meine, sondern vielmehr eine breite Streuung durch Diversifizierung. Außerdem hat in meinen Augen das Liquiditätsmanagement eine überragende Bedeutung, d.h. wie gut sich ein Wertpapierdepot entwickelt, hängt entscheidend davon ab, nie voll investiert zu sein, sondern immer auch eine angemessene Cash-Reserve zurückzubehalten.

b.m.

Wieviel Zeit (auf Tages-, Wochen- oder Monatsbasis) ist Deiner Meinung nach mindestens erforderlich um sich sinnvollerweise selbst um seine Anlagen zu kümmern? Wie viel Zeit verwendest Du selbst dafür?

T.C.

Wenn man ganz neu anfängt, dann kostet es sicherlich eine Menge Zeit und Kraft, sich nach und nach ein ausgewogenes und vernünftiges Wertpapierdepot zusammenzustellen. Aber um es mal ganz krass zu sagen: Wer sich einmal mit Bedacht ein solches Depot aufgebaut hat, der braucht danach eigentlich nur noch alle paar Monate kurz nach dem Rechten zu sehen und sich gelegentlich über den Newsflow aus den Unternehmen auf dem Laufenden zu halten. Und einmal im Jahr, am besten im September, weil da oft ein temporäres Tief an den Märkten ausgebildet wird, kann man dann die Dividendeneinnahmen des laufenden Jahres sowie etwaige zusätzliche Mittel, die man dem Depot zugeführt hat, für Nachkäufe verwenden. Also sagen wir durchschnittlich einmal im Monat zehn Minuten zum Nachsehen im Depot, ein paar Stunden Recherche im September, welche Positionen aufgestockt werden sollten. Das würde theoretisch reichen, sofern man sich für solide Werte mit nachhaltigem Geschäftsmodell entschieden hat. Sollte es aber zwischenzeitlich an der Börse zu so heftigen Turbulenzen kommen, dass in den Fernsehnachrichten ausführlich darüber berichtet wird oder die Schlagzeilen auf den ersten Seiten der Zeitungen das Thema aufgreifen, dann könnte es sich lohnen, aktiv zu werden – natürlich auf der Kaufseite. Also in solchen Phasen noch ein paar Stunden Recherche für günstige Nachkäufe – das war’s. Umgekehrt darf man natürlich in Phasen irrationalen Überschwangs, wo sich die Märkte in absurden Höhen bewegen, auch mal an teilweise Gewinnmitnahmen denken. (Solche krassen Überbewertungen hatten wir aber zuletzt im Jahr 2000, heute kann davon – zumindest mit Blick auf den Gesamtmarkt – noch absolut keine Rede sein, wie übrigens auch nicht 2008 und 2011.) Dagegen macht alles Hin und Her, was über das Beschriebene hinausgeht, langfristig meistens doch nur die Taschen leer. Klar, man kann sich auch mal irren mit einem Investment, aber wenn man bei seinen Entscheidungen gründlich und überlegt vorgeht, dann kommt das nur selten vor. Meistens irrt man sich nämlich dann, wenn man später denkt, dass man sich beim Kauf geirrt habe. Aber wenn eine gute Aktie billiger wird, dann sollte man sie nicht verkaufen, sondern abwarten oder sogar nachkaufen.

Ich selbst mache es aber beim Zeitaufwand etwas anders. Ich verwende jeden Tag mindestens 15 Minuten, meistens etwas länger, um die Neuigkeiten der Unternehmen, in denen ich investiert bin, zu verfolgen und manchmal auch um die Meinungen bekannter Börsengurus über den Gesamtmarkt und über bestimmte Hintergründe zu lesen, zu hören oder anzusehen, die es ja alle frei im Internet gibt. Das mache ich aber in erster Linie, weil es mir Spaß macht, und nicht, weil es unbedingt nötig wäre.

b.m.

Du legst in Deinem Buch auch Kritikpunkte an aktiv gemanagten Fonds dar. Was hältst Du von Indexfonds und ETF`s, also von einer Anlagephilosophie a la John Bogle?

T.C.

Wer das will, kann das durchaus machen. Nur mit Indexfonds und ETF ist man zwar wegen der Gebühren immer ein wenig schlechter als der Gesamtmarkt, aber doch besser als 80 Prozent der aktiv gemanagten Fonds. Wer sich allerdings ein wenig mehr Arbeit macht und auf Einzeltitel setzt, hat gute Chancen, besser als der Markt abzuschneiden, schon weil man als Kleinanleger – anders als die Profis – völlig frei in seinen Entscheidungen ist und keinen Zwängen unterliegt.

b.m.

Freilich gehören Kostolanys 4 G`s (Geld, Gedanken, Geduld und Glück), die in Deinem Buch als Kapitelüberschriften dienen, untrennbar zusammen. Wenn Du einem Leser aber ein Kapitel aus Deinem Buch besonders ans Herz legen möchtest, welches wäre es dann? Und warum?

T.C.

Ich würde zwei Kapitel besonders hervorheben wollen, nämlich „Geld“ und „Geduld“. Die werden am meisten unterschätzt. Dass zum Börsenerfolg auch viel Glück gehört, wird niemanden überraschen. Dass man sich gleichwohl eine Menge Gedanken machen sollte, leuchtet auch jedem ein. (Manche Marktteilnehmer laufen sogar Gefahr, sich zu viele Gedanken über ihre Investments zu machen.) Mindestens die Hälfte des Börsenerfolgs hat aber mit Geld und Geduld zu tun.

Mit Geld meine ich ausdrücklich nicht, dass man an der Börse von vornherein über eine große Menge Geld verfügen sollte, die dann auf einen Schlag angelegt wird. Viel effektiver ist ein kontinuierliches Ansparen notfalls auch kleinerer Beträge und deren nur teilweise Investition. Vor allem ist wichtig, nie sein ganzes Pulver zu früh zu verschießen! Das nächste Schnäppchen kommt bestimmt.

Und schließlich kann man die wichtige Rolle der Geduld, des langen Atems gar nicht genug betonen. Wer stets zu schnell und voreilig entscheidet, dem nutzen auch die besten Gedanken nicht viel, der wird am Ende auch noch sein Glück verlieren.

b.m.

Stichwort Liquiditätsmanagement: mit welcher Cashquote bezogen auf das Gesamtportfolio fühlst Du Dich wohl?

T.C.

Es kommt immer auf die Marktsituation und die persönliche Situation an. Unmittelbar nach den Crashs 2000-2002, 2008/09 und 2011 waren die Märkte so billig, dass es ausnahmsweise angebracht war, zu annähernd 100 Prozent investiert zu sein. Inzwischen haben wir nach dem steilen Anstieg der letzten Jahre schon wieder so hohe Bewertungen, dass ein Viertel oder sogar ein Drittel Cash womöglich keine schlechte Idee wäre.

Ein junger Mensch, der ja noch viel Lebenszeit vor sich hat, sollte immer auf genug Cash in der Hinterhand achten, denn manche Chancen – so wie die genannten Crashs – kommen nur wenige Male im Leben. Wer da knapp bei Kasse ist, weil er schon voll investiert ist, hat wirklich etwas verpasst. Wer im mittleren Alter ist und idealerweise schon einiges Vermögen akkumuliert hat, kann es sich eher erlauben, die Liquidität niedrig und die Investitionsquote hoch zu halten, denn ihm bleiben ja immerhin die regelmäßigen stattlichen Dividendeneinnahmen, während sich die Kursschwankungen noch mühelos aussitzen lassen. Im noch weiter fortgeschrittenen Alter schließlich, wo man nicht mehr weiß, ob sich die Börsenschwankungen überhaupt noch aussitzen lassen und die Aufregung über Kursverluste auch zum gesundheitlichen Risiko werden kann, ist dann wieder eine höhere Liquiditätsquote angemessen.

Eine starre Regel für die Cashquote kann es also nicht geben. Es ist immer auch eine Frage der Situation und des Fingerspitzengefühls. Ich selbst habe im Moment nur zehn Prozent Liquidität im Depot, aber das hat vor allem persönliche Gründe.

b.m.

Stichwort Aktiensuche: Welche Methoden gefallen Dir besonders gut, um potenzielle Investmentkandidaten aus der schier endlosen Menge an börsennotierten Gesellschaften herauszufiltern?

T.C.

Man hört oder liest irgendwo von einem Unternehmen, z.B. in einem Börsenblog oder sogar im Wirtschaftsteil der Tageszeitung, dessen Geschäftsmodell man plausibel und vielversprechend findet. Dann sieht man sich im Internet die Kennzahlen näher an, um herauszufinden, ob es noch günstig bewertet ist. Aus der Entwicklung der Unternehmensgewinne der letzten zehn Jahre sieht man auch gleich, wohin der Trend geht. Besonders wichtig ist aber der Gesamteindruck hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Seriosität der Firma. Wenn da irgendwann früher schon mal unschöne oder intransparente Sachen gelaufen sind, lässt man besser die Finger davon. Ebenso bedenklich ist es, wenn ständig Gewinnwarnungen kommen, also das Management regelmäßig die selbstgesetzten Ziele verfehlt. Oft sehr wertvoll sind Börsenforen im Internet wie Wallstreet Online. Wenn da zu einem Wert schon zig Diskussionen parallel ablaufen, sollte man dort lieber nicht mehr einsteigen. Wenn es aber nur etwa fünf bis zehn qualifizierte Kommentare pro Monat gibt, könnte das auf eine gute Aktie hindeuten, die noch nicht von der breiten Masse entdeckt worden ist.

So habe ich bis vor etwa acht Jahren meine Investmentkandidaten ausgesucht. Seitdem beschränke ich mich im wesentlichen auf die Beobachtung der Unternehmen, die ich schon kenne und in denen ich früher mal investiert war oder es noch bin.

b.m.

Ideen „klauen“ ist ja grundsätzlich nicht verboten… welche in der Finanzwelt bekannten Investoren beeinflussen Dich besonders stark? Die Antwort „Warren Buffett“ zählt übrigens nicht… J

T.C.

Ich höre mir gerne an, was Heiko Thieme immer so erzählt. Ähnlich wie der alte Kostolany hat er ja auch etwas von einem Komiker und ist immer sehr unterhaltsam. Auch was Jens Ehrhard und Max Otte in ihren Kolumnen schreiben, ist immer sehr lesenswert. Ein ganz großer Börsendenker ist für mich Robert Rethfeld von http://www.wellenreiter.de. Der hat ein paar Jahre lang mit seiner Zyklentheorie und seinem Korrelationsansatz den Börsenverlauf ganz großartig vorausgesagt. Aber im vorigen Jahr lag er dann katastrophal daneben, so wie alle anderen, sofern sie Prognosen abgeben, sich ja auch recht häufig irren. Vorigen Sommer hat mich ein Freund, als der DAX bei über 8.000 Punkten stand, gefragt, ob man noch einsteigen könnte. Ich riet ihm, eine Korrektur auf 7.200 Punkte abzuwarten. Die ist aber nie gekommen. Jetzt stehen wir fast bei 10.000. Bei kurz- und mittelfristigen Vorhersagen ist der Glücksfaktor eben immer ziemlich hoch. Langfristig wird sich die Börse aber – unter heftigen Schwankungen – wahrscheinlich immer etwas besser als das Wirtschaftswachstum entwickeln. Du weißt ja, dass Kostolany das Verhältnis von Börse und Konjunktur mit dem zwischen einem Hund und seinem Herrchen beim Spaziergang verglichen hat. Mal läuft der Hund weit voraus, mal deutlich hinterher, aber er kommt irgendwann immer wieder zum Herrchen zurück. Und wenn man auf Unternehmen setzt, die auf lange Sicht kontinuierlich ihre Gewinne steigern können und deren Geschäftsmodell das auch für die Zukunft erwarten lässt, dann wird man dafür langfristig sehr wahrscheinlich auch durch steigende Aktienkurse und Dividendenausschüttungen belohnt.

b.m.

Du beziehst Dich im Hinblick auf die Problemstellung der Diversifizierung in Deinem Buch auf eine Untersuchung, wonach die Streuung bis zu ca. 15 Einzeltitel eine Verbesserung des Risikoprofiles bringen kann. Wieviele Titel hältst Du momentan?

T.C.

Ich kann mich genau daran erinnern, dass ich vor ein paar Jahren mal in einem Börsenblog von einer solchen Untersuchung gelesen habe, kann die Quelle aber jetzt leider nicht mehr finden. Man kann es sich aber auch denken: Je breiter man streut, desto weniger fällt ein Totalausfall, den man ja an der Börse nie ganz ausschließen kann, ins Gewicht. Aber wenn man so viele Einzelwerte hat, dass man kaum noch mit ihrer Beobachtung hinterher kommt, oder viel schlimmer: dass darunter die Sorgfalt bei ihrer Auswahl leidet, dann bringt die Streuung natürlich nichts.

Ich halte derzeit 11 Titel. Gottfried Heller, der mir auch immer sehr gefallen hat, sagt gerne: Ein gutes Depot muss aufgestellt sein wie eine Fußballmannschaft. Mit starker Defensive, die für Stabilität sorgt, einem breiten Mittelfeld und zwei bis drei Sturmspitzen. Die letzteren können viele Tore schießen, aber auch mal ein Totalausfall sein. 😉 Bei größeren Depotsummen halte ich etwa 20 Werte für perfekt, das wäre dann eine Fußballmannschaft mit allen Reservespielern.

b.m.

Als Jurist befragt: welche Implikationen hat Deiner Meinung nach die jüngste Kehrtwende des BGH in seiner Entscheidung am 8.10.2013 betreffend Delisting und Downlisting (Geschäftszahl II ZB 26/12)?

T.C.

Darauf bin ich auch erst durch Deinen Artikel aufmerksam geworden. Im Wertpapierrecht kenne ich mich aber zu wenig aus, um das fachjuristisch kommentieren zu können. Verfassungsrechtlich kann man das sicherlich als Eingriff in das Grundrecht auf Eigentum bedenklich finden. Andererseits sollte einem als Anleger schon klar sein, dass unseriöse Unternehmen immer einen Weg finden werden, wie sie ihre gutgläubigen Investoren über den Tisch ziehen können, ohne dass einen der Rechtsstaat vollständig davor schützen könnte. Deswegen sollte man besser nur in Firmen investieren, denen man vertraut, weil sie sich in der Vergangenheit auch immer als vertrauenswürdig erwiesen haben. Ein Restrisiko bleibt sicherlich immer, aber damit lässt sich leben.

b.m.

Schonungslose Ehrlichkeit erbeten: Wie oft gibst Du dem Impuls nach, auf Dein Portfolio zu schauen und seine Wertänderung zu verfolgen?

T.C.

Normalerweise einmal am Tag, immer abends. In Marktphasen, in denen die Kurse rasant steigen, gucke ich aber auch gerne mehrmals am Tag ins Depot und gönne mir die Freude. Es spricht ja nichts dagegen, sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Und was gibt es Angenehmeres als angenehme Gedanken? Im Gegensatz zu anderen angenehmen Dingen im Leben kosten die ja nichts!

In Marktphasen, in denen es rasant abwärts geht, sehe ich mir das Depot dafür manchmal tage- oder wochenlang nicht an. Warum sollte man sich auch über die schlechten Kurse ärgern? Wenn schon, dann sondiere ich in solchen Phasen intensiv die Märkte und suche nach Schnäppchen. Wenn man dafür aber keine Liqidität mehr hat, dann muss man die Schwächephase eben aussitzen.

b.m.

Wann hat für Dich das Interesse an Aktien begonnen? Was war die erste Aktie, die Du gekauft hast?

T.C.

Es ist immer ein großer Vorteil an der Börse, wenn man ein sparsamer Mensch ist, denn nur dann kann immer frisches Geld ins Depot fließen, auch wenn die Beträge noch so klein sind. Auf einer Klassenfahrt in der Schule habe ich mal als einziger mehr Geld wieder mit nach Hause gebracht, als ich mitgenommen hatte, weil ich nicht nur nichts ausgegeben, sondern zwischenzeitlich noch zwei unterwegs gefundene Pfandflaschen abgegeben hatte. Später im Zivildienst und im Studium habe ich immer einen Teil meiner Einkünfte zur Seite gelegt. Damals bekam man für Festgelder noch vier Prozent. Allerdings hab ich mich damals nie für Wirtschaft oder Börse interessiert. Dann kam der Börsenboom der späten 90er. Immer wieder hörte man von Kommilitonen, die mit kleinem Einsatz riesige Summen an der Börse verdient hatten. Und das waren oft gar nicht so die Hellsten… Ich ärgerte mich über mich selbst, dass ich so wenig Ahnung hatte und mit meinen vergleichsweise mickrigen Festgeldern Vorlieb nehmen musste. So begann ich, die Börse einige Monate lang zu beobachten. Auf einer Party prahlte ein Kommilitone, er habe gerade seine Telekom-Aktien für das Fünffache seines Einstandswertes verkauft. Da meinte eine Bekannte: „Mann, bist du blöd. Die hätte ich dir zu dem Preis aber sofort abgekauft.“ (Die Telekom-Aktie stand damals bei etwa 90 Euro.) Diese Bekannte riet mir auch, Deutsche Bank-Aktien zu kaufen. Die standen damals bei etwa 65 Euro. Mit denen könne man nun absolut nichts verkehrt machen. Und darüber hinaus sei die Commerzbank besonders zu empfehlen… Ich ließ mich bei meiner Bank beraten und investierte im April 2000 knapp ein Drittel meines damaligen Vermögens in verschiedene Aktien, darunter auch in solche der Deutschen Bank und des Neuen Marktes. Ein paar Monate später hatten sich die Kurse halbiert – und das sollte erst der Anfang sein.

Aus heutiger Sicht war das für mich eine sehr heilsame Erfahrung. Ein Soziologie-Professor in Speyer, wo ich Ende 2000 ein Semester an der Hochschule für Verwaltungswissenschaft verbrachte, erklärte uns sinngemäß, dass die Börse nur dazu gemacht sei, den kleinen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich hörte dort aber auch eine Einführungs-Vorlesung in Volkswirtschaft, wo der Professor sehr anschaulich erklärte, wie Märkte funktionieren und warum es immer Überinvestitionskrisen gibt u.s.w. Ich beschloss, mich näher mit Wirtschaft und Börse zu beschäftigen, um mir das in so kurzer Zeit verlorene Geld vielleicht irgendwann wieder zurückzuverdienen. Im Internet las ich auf einer Seite, die bald darauf eingestellt wurde, sehr viel über Value Investing und Unternehmensbewertung. Im Frühling 2001 verkaufte ich alle meine Positionen mit großem Verlust und kaufte stattdessen Werte, die ich mir selbst mit Verstand ausgesucht hatte: kleine aussichtsreiche deutsche Nebenwerte mit niedriger Bewertung. Als es dann bis März 2003 noch immer weiter abwärts ging, hielt ich durch (immerhin!), aber leider fehlte mir der Mut, auf diesem Niveau noch einmal richtig nachzukaufen. So dauerte es noch bis Ende 2004, bis ich meine Verluste wieder aufgeholt hatte. Erst dann kaufte ich wieder nach (natürlich schon wieder etwas zu teuer, aber langfristig gesehen war es noch in Ordnung). Beim nächsten Crash 2008/09 rutschte ich noch einmal vorübergehend ins Minus, aber da erkannte ich glücklicherweise, welche großartige Chance sich nun bot, und investierte alle Rücklagen, die ich hatte, in Qualitätsaktien zu Spottpreisen. Wahrscheinlich werden wir eine solche Gelegenheit wie Anfang 2009, als der DAX bei 3.300 Punkten notierte, in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr bekommen. Aber Rücksetzer und Korrekturen, in denen es sich lohnt, beherzt zuzugreifen, wird es immer geben.

b.m.

Zum Schluss noch: Welche Ziele hast Du Dir für Deine finanzielle Zukunft gesetzt?

T.C.

Ich bin ja nur ein kleiner, bescheidener Freiberufler mit niedriger Rentenerwartung. Daher ist mein erklärtes Ziel als Anleger die Sicherung meiner Unabhängigkeit von staatlichen Transferzahlungen bis ins hohe Alter. Kostolany hat immer gesagt: Nicht reich muss man sein, sondern unabhängig. Das finde ich auch. Er hat aber auch noch gesagt, er habe als Aktionär immer ein gutes Leben führen können, und er meine damit nicht „das gute Leben eines Schotten“. Doch genau dieses „gute Leben eines Schotten“ gefällt mir eigentlich ganz gut. Denn wie sagte Seneca: „Reich nenne ich den, der arm ist an Begierden.“

 

 

 

 

 

 

Börsen-Buchautor Thomas Claer

 

www.justament.de, 12.5.2014: Rückkehr der Giganten

Nach 23 Jahren wieder ein Album von den Pixies

Thomas Claer

Cover PixiesMan glaubt es kaum, aber nach einer Pause von fast einem Vierteljahrhundert haben die Bostoner Lärm-Virtuosen doch noch ihr sechstes Studio-Album aufgenommen – kein geringes Risiko für eine Band von solchem Format und mit solcher Reputation: Kenner zählen die Pixies zu den einflussreichsten Musikgruppen aller Zeiten.
Ein Jahrzehnt nach ihrer gefeierten Wiedervereinigung (die sich allerdings auf häufige Konzertauftritte beschränkt hat) haben sie es nun also gewagt – und wären um ein Haar gescheitert. Während der Aufnahmen kehrte Bassistin und Co-Leadsängerin Kim Deal, deren erbitterte Richtungskämpfe mit Band-Boss Black Francis schon seinerzeit das Ende ihrer ersten Schaffensperiode (1986-1993) eingeleitet hatten, abermals der Band den Rücken – und diesmal wohl für immer. Doch die verbliebenen drei (männlichen) Bandmitglieder, Gitarrist Joey Santiago, Drummer David Lovering und der besagte Black Francis, zogen die Sache eben allein durch. Das Ergebnis ist durchaus respektabel. Sehr wild und hardrockig und wie in alten Zeiten klingt der Opener „What Goes Boom“, der einen auf der Stelle in Entzücken versetzt. Da fühlt man sich doch gleich um mindestens 20 Jahre verjüngt! Nur leider geht es dann nicht mehr ganz so weiter. Die trotz mancher stimmlichen und instrumentalen Temperamentsausbrüche vergleichsweile ruhige Gangart der darauffolgenden Lieder der Platte lässt ahnen, dass die menschliche Körperchemie mit um die fünfzig wohl doch anders als mit Mitte zwanzig funktioniert. Einige der Songs wären auf einem der unzählbaren Frank-Black-Alben (für Nichteingeweihte: so heißt das weniger ambitionierte Solo-Projekt von Black Francis) vielleicht doch besser aufgehoben. Und doch gibt es ein paar Perlen auf dem Album, die für den einen oder anderen Hänger zwischendurch mehr als entschädigen. Zuallererst ist hier „Bagboy“ zu nennen, das einzige Stück, auf dem die abtrünnige Kim Deal noch stimmlich vertreten ist. (Um so schmerzlicher vermisst man sie in den anderen Liedern.) Zweifellos ist „Bagboy“ der stärkste Song der ganzen CD: Glaubt man anfangs noch, sich versehentlich in einen Rapsong verirrt zu haben, so explodiert bald darauf der Über-Refrain – ungeheuer poppig, ohne banal zu sein. Genau dafür haben wir die Pixies immer geliebt! Auch „Magdalena 318“ und „Snakes“ sind ziemlich toll. Besonders gelungen ist ferner – wie auch schon damals in den 80ern – die aufwendige Cover-Gestaltung. Insgesamt also eine Platte, die völlig in Ordnung geht. Das Urteil lautet: voll befriedigend (12 Punkte).

Pixies
Indie Cindy
Pixies Music 2014-05-10
ASIN: B00J4SP83S

Justament April 2014: Berlin Praktikant. Ein Brettspiel

Die Justament-Redaktion präsentiert: Das etwas andere Karriere-Spiel aus der Hauptstadt

Thomas Claer

DIGITAL CAMERAHundert Jahre nach „Mensch ärgere dich nicht!“ (über das sich schon Generationen schwarzgeärgert haben) und achtzig Jahre nach „Monopoly“ (das schon unzählige Wirtschaftskrisen überdauert hat) ist die Zeit reif für ein neues Brettspiel auf der Höhe des Zeitgeistes: Berlin Praktikant.

Und so funktioniert es:

Du bist Praktikant bei einer IT-Start-up-Firma in Friedrichshain und hast zunächst nur ein kümmerliches Einkommen. Du wohnst bei Freunden und frisst dich bei denen durch. Bald entdeckst du aber, dass es in dieser Stadt eine Menge Möglichkeiten gibt, sich noch etwas hinzuzuverdienen, doch auch so einige Gefahren lauern auf dich. Durch Zufalls-Karten kannst du zum Projektleiter in deiner Firma oder sogar zum Firmenchef aufsteigen, eine Erbschaft machen oder nachts als Barkeeper im „Berghain“ arbeiten. Wenn du Pech hast, wird dir aber im Wedding dein Smartphone geraubt, in Kreuzberg dein Auto angezündet oder du wirst beim Schwarzfahren in der S-Bahn erwischt.
Kommst du auf deinem Weg durch Berlin auf die entsprechenden Felder, kannst du mehrere Wohnungen, WG-Zimmer oder Schlafplätze mieten und sie mit Gewinn an Neu-Berliner untervermieten. Mit den richtigen Zufalls-Karten kannst du deine gemieteten Wohnungen sogar noch deutlich lukrativer an reiche Russen oder als Ferienwohnung für Touristen untervermieten. Es kann aber auch passieren, dass deine Freundin Geburtstag hat und du ihr, um sie bei Laune zu halten, ein teures Geschenk machen musst. Oder du machst mit ihr einen kostspieligen Urlaub. Womöglich wirst du sogar zu einer Geldstrafe verurteilt, weil du in deinem Wohnungsinserat die Schwaben diskriminiert hast. Oder aber Mark Zuckerberg macht ein milliardenschweres Übernahmeangebot für deine IT-Firma. Ziel des Spieles ist es, Runde für Runde so viel Geld anzuhäufen, dass du als erster die einzige Eigentumswohnung auf dem Spielfeld kaufen kannst, ein 20 qm großes 1 Zi-Appartment mit Kochnische in Mitte für 100.000 Euro. Wer genug Geld zusammen hat, läuft den Umweg “Unter den Linden”, um auf das Feld mit der Wohnung zu kommen. Sobald einer der Spieler die Wohnung erworben hat, ist das Spiel zu Ende und alle zählen ihr Geld.

Zubehör:

1 Spielplan, 1 Würfel, 6 Spielfiguren, 168 Spielgeld-Scheine: 24 mal 10.000 Euro (Motiv: Angela Merkel), 24 mal 5.000 Euro (Motiv: Joachim Gauck), 48 mal 1.000 Euro (Motiv: Klaus Wowereit), 72 mal 500 Euro (Motiv: Bushido), 15 Zufallskarten, 30 Wohnungs- bzw. Schlafplatz- bzw. WG-Zimmer-Karten

Spielanleitung:

Zu Beginn des Spiels versammeln sich alle Spieler mit ihren Figuren auf dem Feld „Start“. Die Runde betraut den vertrauenswürdigsten Mitspieler damit, ehrenamtlich und nebenher als Direktor der Berliner Sparkasse zu fungieren. Der Sparkassendirektor verwaltet und betreut sämtliche Geldscheine, Zufallskarten sowie die Wohnungs-, WG-Zimmer- und Schlafplatzkarten und gibt diese, wenn es der Spielverlauf erfordert, an die Mitspieler oder an sich selbst aus. Er mischt die Zufallskarten gut durch und legt sie gestapelt mit der Schrift nach unten auf den Tisch. Später nimmt er, sobald ein Spieler auf ein Zufallsfeld (rot) kommt, jeweils die oberste Karte vom Stapel und liest sie der Runde vor. Anschließend kommt die Karte wieder unter den Stapel.
Einmalig erhält jeder Spieler vom Sparkassendirektor ein Startkapital von 500 Euro ausgehändigt. Der älteste Mitspieler in der Runde beginnt mit dem Würfeln und setzt seine Figur auf dem Spielfeld in Pfeilrichtung entsprechend der geworfenen Augenzahl nach vorne. Die anderen Mitspieler folgen im Uhrzeigersinn mit dem Würfeln und verfahren ebenso. Immer, wenn ein Spieler über (nicht nur auf) das Feld „IT-Firma“ kommt, erhält er seinen jährlichen Praktikantenlohn von zunächst 6.000 Euro (entspricht zwölf Mal 500 Euro pro Monat) ausbezahlt. Wer auf ein Wohnungs-/ WG-Zimmer-/ Schlafplatz-Feld (grün mit Hausnummer) kommt, kann diese Wohnung/ dieses WG-Zimmer/ diesen Schlafplatz mieten und erhält dauerhaft die entsprechende Spielkarte. Auf dieser ist die Höhe des jährlichen Gewinns vermerkt, der durch Untervermietung der Wohnung/ des WG-Zimmers/ des Schlafplatzes an Neu-Berliner erzielt wird. Immer, wenn ein Spieler über (nicht nur auf) das Feld „Berliner Sparkasse“ kommt, wird ihm der aus allen seinen gemieteten Wohnungen zusammen erzielte Jahresgewinn ausgezahlt.
Wer die erforderlichen 100.000 Euro angespart hat, darf die begehrte Eigentumswohnung in Mitte kaufen, wenn er auf das Feld „Unter den Linden 10“ oder auf das Feld „Unter den Linden 11“ kommt. Um die Wohnung schneller erwerben zu können, dürfen die Spieler sich zu diesem Zweck auch gegenseitig Geld leihen und untereinander strategische Partnerschaften eingehen.

Berlin Praktikant. Das etwas andere Karriere-Spiel aus der Hauptstadt
Idee, Konzept und Vertrieb: Redaktion Justament (www.justament.de)
Design und Herstellung (handgezeichnet, handgeschnitten, handgeklebt): Joachim Claer
© Thomas Claer 2014
Preis: 15 Euro (inkl. Versandkosten und Verpackung) per Vorkasse
Zu bestellen nur direkt bei der Justament-Redaktion per E-Mail an: justament@lexxion.de. Bitte Lieferadresse angeben!

Justament April 2014: Schräge Verwandtschaft

Justament-Autor Thomas Claer über den Boxer, Schriftsteller und Sexfilm-Darsteller Hans Henning Claer (1931-2002)

Im Rahmen der Ahnenforschung war ich natürlich schon vor etlichen Jahren im Internet auf Hans Henning Claer gestoßen, hielt aber eine Verbindung zu unserer allgemein sehr sittenstrengen Familie damals für völlig ausgeschlossen. Doch als ich vor einiger Zeit einen direkten Hinweis auf einen ostpreußischen Hintergrund bei ihm entdeckte, konnte ich nicht mehr länger die Augen vor diesem etwas brisanten Verwandtschaftsverhältnis verschließen. Ich kam zu dem Schluss, dass er der Sohn des Berliner Kaufmanns Erich Claer sein musste, der ein Cousin meines ostpreußischen Großvaters Gerhard Claer war. Zur Überprüfung dieser Annahme besorgte ich mir bei Ebay die Autobiographie von Hans Henning “Moppel” Claer, “Bulle, Schläger, Nuttenjäger” (Kostenpunkt: ein Euro plus Porto) und fand meine Vermutung voll bestätigt.
24 Foto Hans-Henning-ClaerDie Lektüre dieses Buches kostet zunächst etwas Überwindung, denn auf der Rückseite steht geschrieben: “Was ist noch schärfer als Hans Henning Claers aufgeregt diskutierte Ruhrpott-Romane ‚Lass jucken, Kumpel’ und ‚Bei Oma brennt noch Licht’? Seine unverblümt erzählte Lebensgeschichte!” Auch durch die Abbildung auf der Vorderseite macht das Buch einen eher zweifelhaften Eindruck, so dass man es sich eigentlich nicht unbedingt ins Regal stellen möchte. Doch glücklicherweise schildert der Autor darin nicht nur sehr ausführlich und detailliert sein ungeheuer opulentes Liebesleben, sondern auch ebenso ausgiebig seinen familiären und biographischen Hintergrund.
Auch wenn “Moppel” Claer wohl überwiegend als “schwarzes Schaf” der Familie angesehen worden sein dürfte, so handelt es sich bei ihm doch um einen echten Prominenten, denn er ist immerhin der Einzige aus der preußisch-hugenottischen Linie unserer Familie, über den es einen Wikipedia-Eintrag gibt. Sein Vater Erich Claer war vor dem Krieg Treuhandrevisor (eine Art Wirtschaftsprüfer) bei der Deutschen Bank und fuhr einen “Steyer Super 200” mit roten Ledersitzen. Noch zu Lebzeiten seines Vaters, der ihn begeistert zu allen Wettkämpfen begleitete, hatte Hans Henning Claer eine steile Karriere als Boxer hingelegt. Im damaligen West-Berlin erreichte er eine große regionale Popularität und sollte es später bis zum Deutschen Polizeimeister im Halbweltergewicht bringen.
Er legte sein Abitur auf einem Steglitzer Oberrealgymnasium ab, ließ sich das aber, ähnlich wie heute etwa Dieter Bohlen, künftig nicht mehr anmerken. Schon als junger Mann entwickelte er eine starke Neigung zum Alkohol, heute würde man sagen: zum Komasaufen. Nach eigener Auskunft verkehrte er fortan bevorzugt in Kneipen und “Bumslokalen”. Das Nachtleben im damaligen Westen Berlins in den frühen 50er Jahren schildert er in den buntesten Farben.
Seine besondere Vorliebe galt den Frauen. Minutiös berichtet er von unzähligen erotischen Abenteuern, die er damals in Berlin erlebt habe. Seine bevorzugte Masche, mit den Damen ins Gespräch zu kommen, sei ein Spruch gewesen, den er sich aus einem seinerzeit populären Film geborgt habe: “Entschuldigen Sie, meine Dame, darf ich Sie auf etwas Wichtiges aufmerksam machen?” “Wieso, worauf denn?” “Auf mich.” Mehrfach betont “Moppel” Claer den unbedingten Wahrheitsgehalt seiner Geschichten. Er sei nun einmal kein Aufschneider. Beispielsweise habe er die Länge seines Zeugungsorgans immer und überall korrekt mit 16 cm angegeben. “Andere hätten 20 gesagt.” Aber er bleibe eben immer bei der Wahrheit.
24 Foto Hans-Henning-Claer-rechtsNach dem Abitur tritt er in den Dienst bei der Polizei ein, bekommt dort aber immer wieder Schwierigkeiten sowohl wegen seiner Frauengeschichten (u.a. auch Anzeigen wegen Verführung Minderjähriger) als auch wegen seines Alkoholkonsums. Im November 1956 verlässt er sein “heißgeliebtes Berlin” nach seiner “Entlassung aus der Polente” (Grund soll der Alkohol gewesen sein), wird Boxtrainer, später Bergmann im Ruhrgebiet und kommt schließlich nach Bergkamen. In den 60er Jahren gibt es auch in Westdeutschland politische Kampagnen, die Arbeiter zum Schreiben von Literatur anregen wollen. Hans Henning Claer fühlt sich sogleich davon angesprochen, schreibt einen Roman über das angeblich bumsfidele erotische Leben der Bergkamener Bergleute und landet mit “Laß jucken, Kumpel” (1971) einen Riesenerfolg.
Nach der anschließenden Verfilmung, die mit über 4 Millionen Besuchern ein gewaltiger Kassenschlager wird und in der er selbst als Darsteller mitwirkt, posiert “Moppel” Claer gemeinsam mit seiner Frau Brigitte, die angeblich “immer scharf” ist, nackt in Boulevardzeitungen. “Die Claers” werden vorübergehend zum Skandalpaar der deutschen Filmbranche. Die Kumpel-Filme (es folgen noch mehrere Fortsetzungen) werden sogar bei den Filmfestspielen in Cannes aufgeführt, allerdings außer Konkurrenz. Dass von diesen umwerfend harmlosen Klamaukfilmen jemals eine Jugendgefährdung ausgehen konnte, mag man heute kaum glauben, aber damals wurde es offensichtlich so gesehen.
24 claer und biggiWie die inzwischen beträchtlich angewachsene literatur- und filmwissenschaftliche Sekundärliteratur beweist, lassen sich die Werke des Hans Henning Claer in erster Linie als Zeitgeistphänomen verstehen, als typische Produkte der 70er Jahre. “Moppel” Claer gehörte zu den wichtigsten Protagonisten der damaligen sexuellen Revolution.

 

Justament April 2014: Von Kirchhof bis Sloterdijk

Wie unsere Intellektuellen von einem gerechteren Steuerstaat träumen

Thomas Claer

Für unsereinen spielt sie ja praktisch keine große Rolle, aber für viele Besserverdiener und sogar für große Teile der sogenannten Mittelschicht ist sie offenbar ein existenzielles Problem: die immense Steuerlast, die die eigenen Brutto-Einkünfte regelmäßig zusammenschmelzen lässt wie den Schnee in der Sonne. Hinzu kommt noch, dass es aufgrund der “kalten Progression”, manche nennen sie auch “kalte Enteignung”, Jahr für Jahr schlimmer wird: Bei unveränderten Grenzwerten zwischen den Steuersätzen unterliegen mit jeder nominalen Einkommenserhöhung (die doch eigentlich nur ein Inflationsausgleich ist) immer größere Anteile der Einnahmen immer höheren Steuersätzen. Und niemand tut etwas dagegen! Ganz zu schweigen von der wuchernden Steuerbürokratie: Da verbringt man unzählige Stunden kostbarer Lebenszeit mit der zentimeterdicken jährlichen Steuererklärung und lässt sich von Heerscharen raffgieriger Steuerberater ausnehmen, nur um letztlich ein paar kümmerliche Euro vom Staat zurückzubekommen.

Der Professor aus Heidelberg

08 SPEZIAL Paul Kirchhof (Foto Wikipedia)

Paul Kirchhof (Foto: Wikipedia)

Da denkt sich dann manch einer: Muss das wirklich so sein? Ließe sich das nicht auch irgendwie anders, vernünftiger, gerechter organisieren? Es gibt Leute, die haben schon fast ihr ganzes Leben darüber gegrübelt – wie den Steuerrechtler und Ex-Verfassungsrichter Paul Kirchhof, der vor neun Jahren beinahe Bundesfinanzminister geworden wäre, wenn das nicht der damalige Kanzler Schröder mit einer nicht ganz demagogiefreien Kampagne gegen den “Professor aus Heidelberg” verhindert hätte. Sein Modell eines schlanken Steuer-Staates ist bestechend einfach: Nur drei abgestufte Steuersätze von 15, 20 und 25 Prozent für alle Einkommensgruppen, dazu großzügige Freibeträge und ein Sozialausgleich bei Wegfall aller Ausnahmen und Vergünstigungen. Was das schon mit einem Schlag für Bürokratie einsparen würde! Und die Steuerberater-Lobby hat damals, als all das noch wirklich ernsthaft diskutiert wurde,  sogar ein wenig gezittert. Heute ist das Thema aber längst wieder vom Tisch. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es in unserer Gesellschaft einfach zu viele Profiteure von all den Ausnahmen und Schlupflöchern, Zuschlägen, Pauschalen und Sondertatbeständen für bestimmte Berufs-, Rand- und sonstige Gruppen gibt, die ja jede für sich auch alle irgendwie ihre Berechtigung haben, zumindest in den Augen derer, die von ihnen begünstigt werden. Dabei ist etwa die Pendlerpauschale, die besonders weite Wege zwischen Wohn- und Arbeitsort prämiert, nun wirklich ein ökologisches Desaster (da steckt wahrscheinlich die erfolgreiche Lobbyarbeit des ADAC dahinter). Aber der Übungsleiterfreibetrag, von dem auch die armen Volkshochschullehrer profitieren, der sollte schon bleiben. Und die Steuervergünstigung für den Nachtarbeiterzuschlag der mies bezahlten Krankenschwestern natürlich auch. Und so kann man es drehen und wenden, wie man will, da mag Paul Kirchhof auch noch so unverdrossen weiter für sein Modell trommeln (was er bis heute tut), die Beharrungskräfte des Status quo werden bis auf weiteres dafür sorgen, dass alles im Wesentlichen so bleibt, wie es ist.

Der Wirbelwind aus Karlsruhe

08 SPEZIAL Foto Peter_Sloterdijk, Foto Wikipedia

Peter Sloterdijk (Foto: Wikipedia)

Vielleicht müsste man aber einfach viel grundsätzlicher an die Sache herangehen, so dachte sich schon vor einigen Jahren der Karlsruher Philosoph und Bestsellerautor Peter Sloterdijk (“Kritik der zynischen Vernunft”, “Du musst dein Leben ändern”), der sich offensichtlich manchmal über die hohen Abzüge von seinen Buchhonoraren geärgert hat. Da doch bei so vielen Superreichen genug Geld vorhanden ist, das sie mit allen erdenklichen Tricks dem Fiskus vorenthalten, das sie aber andererseits nie im Leben alles ausgeben können und über dessen sinnvoller Verwendung sie womöglich schlaflose Nächte verbringen:  Warum nicht den Spieß umdrehen und das ganze Steuersystem auf Freiwilligkeit umstellen? Statt die Vermögenden und die Steuerberatungsindustrie mit strengen Steuergesetzen und Kontrollen nur zu immer neuen Steuervermeidungsstrategien anzustacheln, lieber alle bei der Ehre packen und jeden nur das an Steuern zahlen lassen, was er möchte. Denn wenn sich auch nur einige der Superreichen und ein Teil der Besserverdiener darauf einlassen, sei es aus Scham ob ihres obszön großen Vermögens oder aus dem Wunsch heraus, doch noch einmal etwas Gutes im Leben zu tun, dann sollte das doch dem Staate spielend leicht das nötige Steuereinkommen einbringen und viele andere, die das Geld doch eigentlich dringender für sich selbst benötigen, von ihrer bedrückenden Steuerlast befreien. Was aber wäre, wenn sich gar nicht genug freiwillige Steuerspender fänden? Dann hätten wir zweifellos ein Problem. Doch immerhin lehrt die Erfahrung, dass tatsächlich viele Reiche gerne und großzügig Geld für Bedürftige spenden – und besonders gerne auch öffentlich darüber reden. Warren Buffet tut es, Bill Gates tut es. Auch unser Uli Hoeneß hat bekanntlich 5 Millionen Euro gespendet, wie er in den letzten Monaten immer wieder betont hat. Dummerweise ist aber inzwischen herausgekommen, dass er noch ein wenig mehr als 5 Millionen, nämlich insgesamt sogar 28,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen hat. Böse Zungen behaupten, er habe Millionen gespendet, die ihm gar nicht gehörten. Kurz gesagt: Man möchte lieber doch nicht seine Hand dafür ins Feuer legen, dass das mit dem Steuersystem auf freiwilliger Basis irgendwann einmal funktionieren wird.
Und was folgt daraus? Liebe junge Juristen, spezialisiert euch auf Steuerrecht oder werdet gleich Steuerberater! Dann habt ihr nach allem menschlichen Ermessen einen langfristig krisensicheren Job.

www.justament.de, 24.3.2014: Soundtrack eines Lebensgefühls

Das siebte Notwist-Album „Close to he Glass“

Thomas Claer

cover-notwistWelch ein Glück, die begnadeten Soundtüftler aus Oberbayern sind wieder da – mit einem Album, das durchaus mehr zu bieten hat als bloße Ruhmesverwaltung. Viel muss man heute wohl nicht mehr sagen zum traurig-schönen Notwist-Sound, zum universellen Soundtrack eines verloren-urbanen Lebensgefühls. Kaum zu glauben, dass die Brüder Markus und Micha Acher in den frühen Neunzigern mit zwei Heavy-Rock-Platten angefangen haben. Davon war später aber nicht mehr viel zu hören. Zwischen 1995 und 2002 erschienen dann ihre großen Pop-Meisterwerke, an denen man sich nicht satthören konnte: das bunte Album „12“, das blaue Album „Shrink“ und das rote Album „Neon Golden“. Teil der Kernbesetzung neben den Acher-Brüdern ist seit 1997 auch Martin „Konsole“ Gretschmann, der für die elektronische Komponente sorgt. Und ganz nebenbei begründeten die Musiker durch zahlreiche verwandte Nebenprojekte wie Lali Puna und Ms. John Soda mit der „Weilheimer Schule“ der notwistesken Pop-Musik eine Art südliches Pendant zur „Hamburger Schule“ des nördlicheren Indie-Pop.
Das letzte Jahrzehnt ließen The Notwist allerdings etwas geruhsamer angehen. Ihre vorige Platte „The Devil You + Me“ von 2008 war eher zwiespältig: Genau fünf exzellente Songs standen sechs reichlich misslungenen gegenüber, auf denen sie sich, man muss es so hart sagen, ein wenig im Bombast verirrt hatten. Jetzt sind sie aber glücklicherweise wieder voll und ganz bei sich angekommen. Der Einstieg in „Close tot he Glas“ ist betont elektronisch. Es frickelt, knarzt und loopt nicht mehr nur wie bisher, nein, neuerdings piept und tutet es sogar bei ihnen. Doch das gibt sich dann im weiteren Verlauf der Platte. Der große Kracher ist natürlich die Single „Kong“. Beim anfänglichen Hören klingt Markus Achers hohe Stimme zu Beginn zwar noch etwas befremdlich, doch dann hat man flugs diesen Ohrwurm in sich und wird ihn nicht mehr los. In der Mitte des Albums folgen ein paar sehr schöne und sehr reduzierte Gitarren-Songs. Und am Ende gibt es plötzlich noch ein paar regelrechte Ambient-Tracks, die an die frühen Pink Floyd und die Anfänge von YELLO erinnern. Mit etwas Gewöhnung lässt sich auch denen etwas abgewinnen. So ließe sich allenfalls einwenden, dass es auf dieser Platte hin und wieder eine Spur zu poppig zugeht. Aber na wenn schon… Alles in allem also wieder eine rundum erfreuliche und dabei überraschend vielfältige Scheibe der Weilheimer. Nicht umsonst haben sie jahrelang dran gefeilt. Das Urteil lautet: gut (13 Punkte).

The Notwist
Close to the Glass
City Slang (Universal) 2014
Ca. € 16,-
ASIN: B00GRHBEAA

www.justament.de, 10.3.2014: Treffend und zitierfähig

Das Creifelds Rechtswörterbuch in 21. Auflage

Thomas Claer

creifelds-coverAls bekennender Creifelds-Fan steht man natürlich bei einer Neuauflage immer gleich auf der Matte. In nun schon 21. Auflage liegt unser liebstes Rechtswörterbuch also inzwischen vor und ist natürlich wieder einmal ein Spiegel seiner Zeit geworden. Nicht nur die verkürzten Intervalle zwischen den Auflagen (die vorige erschien erst 2011), die obligatorische Steigerung von Seitenzahl (1573 statt 1500) und Preis (53 statt 46 Euro), sondern auch manche inhaltliche Modifikation zeigen, dass das Werk mittlerweile voll und ganz in den  Zehnerjahren angekommen ist. Sein Anspruch ist es auch diesmal, „seiner Tradition entsprechend einen vollständigen und aktuellen Überblick über das gesamte in Deutschland geltende Recht“ zu bieten, wie es im Vorwort der Herausgeber heißt.
Man erinnert sich als, sagen wir, nun nicht mehr so ganz taufrischer Jurist ja noch sehr genau daran, wie oft der Creifelds einem damals in der Juristenausbildung aus der Patsche geholfen hat, wenn man mal wieder irgendwo nur Bahnhof verstanden oder die Zusammenhänge so gar nicht durchschaut hatte. Wie letztlich doch alles im Recht mit allem anderen zusammenhängt, dafür hat mir jedenfalls der Creifelds weitaus besser als irgendein anderes Buch die Augen geöffnet. Fairerweise muss man aber auch sagen: In den Neunzigern gab es noch kein Wikipedia. Den Begriff mal eben googlen, das ging seinerzeit noch nicht. Und so muss man heute im Zeitalter der aussterbenden Lexika notwendigerweise fragen: Was kann ein solches Wörterbuch, was Wikipedia oder ganz allgemein das Internet nicht viel besser (und gratis!) kann?
Testen wir es also einmal. Greifen wir einfach irgendwo in die Mitte des Buches. Unter M steht dort „Mäklervertrag“. Das ist ja lustig. Kein Mensch sagt „Mäkler“, alle sagen Makler. Nur im BGB (immerhin von 1900) heißt es „Mäkler“. Und Creifelds folgt dem BGB. Da steht dann unter 1. etwas zur Begriffsdefinition mit Verweis aufs BGB und anschließend unter 2. einiges über die praktisch sehr bedeutsame Frage, wann die Verpflichtung des Auftraggebers zur Zahlung entsteht. So weit so gut. Und bei Wikipedia? Da heißt es „Maklervertrag“ und darunter steht – viel, viel mehr. Klar, die haben ja auch mehr Platz im Netz. Besser und richtiger als bei Wikipedia ist das, was im Creifelds steht, nun aber auch nicht unbedingt. Ist also der Creifelds, unter uns gesagt, nicht gewissermaßen überflüssig geworden?
Nein, soweit darf man nun auch nicht gehen. Denn gerade diese Beschränkung auf das Wesentliche ist es doch, die ein solches Wörterbuch auszeichnet. Noch deutlicher wird es vier Stichworte über dem „Mäklervertrag“ bei „Machiavelli“. Dass der überhaupt im Creifelds auftaucht, ist allein schon ein Statement! „Florentinischer Historiker, Politiker und Literat, der in seinen Werken das Idealbild des durch keine moralischen Rücksichten gehemmten Alleinherrschers zeichnete“, steht dort. Und: „Als Machiavellismus wird seither eine ausschließlich vom Gebot der Klugheit getragene, von moralischen Bedenken freie Staatskunst bezeichnet, bei der allein der alle Mittel rechtfertigende Erfolg entscheidet.“
Treffer. Versenkt. Genau so viel sollte man als Jurist wissen. So auf den Punkt bringt es Wikipedia nicht! Und noch einen Vorteil hat der von einer ganzen Richter- und Professorenriege verfasste Creifelds: Man darf ihn getrost auch in wissenschaftlichen Arbeiten zitieren, Wikipedia dagegen eher nicht, zumindest nicht zu oft.
Ob diese unbestreitbaren Vorzüge allerdings ausreichen, um dem Creifelds noch zu vielen weiteren Auflagen zu verhelfen, wird die Zukunft zeigen.

Creifelds Rechtswörterbuch
21. neu bearbeitete Auflage 2014
Verlag C.H. Beck
1573 Seiten, EUR 53,00
ISBN 978-3-406-63871-8

www.justament.de, 10.2.2014: Zuckendes Fleisch war früher

Vor 35 Jahren entstanden die ersten Musikaufnahmen der Einstürzenden Neubauten

Thomas Claer

zuckendes-fleischNach offizieller Geschichtsschreibung gründeten sich die Einstürzenden Neubauten, die bedeutendste und berühmteste aller Kreuzberger Szenebands, am 1.April 1980, als Sänger Blixa Bargeld gefragt wurde, ob er nicht im Berliner Moon-Club spielen wolle und einfach ein paar Freunde anrief. Doch gab es durchaus schon frühere Tonaufnahmen von Blixa Bargeld und „seinen Freunden“ aus dem Jahr 1979, die später als Stücke der Einstürzenden Neubauten auf einem Sampler und einer raren Bootleg-Pressung namens „Zuckendes Fleisch“ erschienen, weshalb man den Beginn der Band-Historie mit Fug und Recht auch schon einige Monate eher ansetzen darf. Und genau das wollen wir hiermit tun und daher bereits jetzt an 35 Jahre Einstürzende Neubauten erinnern.

Aus heutiger Sicht erscheint es als nahezu unglaublich, dass eine so radikale, so atonale, so sperrige Musik, wie sie von den frühen Neubauten damals gespielt wurde, jemals ein größeres Publikum finden konnte. Und der eigentliche Mythos wurde ja erst 1981 geboren, als die Musiker aus verzweifelter wirtschaftlicher Not einen Großteil ihrer Instrumente verkaufen mussten und auf der Suche nach Ersatz auf dem Schrottplatz fündig wurden. Fortan traten sie mit Schlagbohrmaschine auf und trommelten auf Teilen von ausgedienten Autowracks herum. Das war so einmalig, dass bald die Musikkritik auf die seltsame Untergrund-Combo aufmerksam wurde, und die neuen Szene-Stars waren geboren. Einige Jahre und Platten lang blieben die Kreuzberger Industrial-Rebellen dann ihrem durch und durch expressionistischen Stil treu und sonderten zur mit existentiellem Ernst herausgebrüllten Lyrik Blixa Bargelds fortwährend die infernalischsten Klänge ab, wie z.B. hier. Dabei begründeten sie eine völlig neue Ästhetik des Anti-Establishmets und wurden bald schon für Theater-Inszenierungen gebucht. Dass sich der zur Erschaffung und Präsentation einer solchen Musik erforderliche, alle menschlichen Ressourcen aufs Äußerste strapazierende Lebensstil der Bandmitglieder nicht unbegrenzt fortsetzen lassen würde, war klar. Irgendwann jenseits der 30 wurden die Neubauten ruhiger und manchmal sogar eingängiger, ohne jedoch ins Kommerzielle oder Beliebige abzudriften. Seit gut zehn Jahren vermarkten sie ihre Musik nur noch direkt über das Internet. Unerreicht bleibt das ihren gewaltigen Ruhm begründende Frühwerk. Das Urteil für Letzteres lautet: sehr gut (16 Punkte).

Einstürzende Neubauten
Kollaps
Some Bizarre 1981
ZZ 65

Einstürzende Neubauten
Zeichnungen des Patienten O.T.
Some Bizarre 1983
RTD 18

Einstürzende Neubauten
½ Mensch
Some Bizarre 1985
EFA 026014

Einstürzende Neubauten
Kalte Sterne / Early Recordings
Mute Recordings Ltd. 2004
CDStumm 137

www.justament.de, 3.2.2014: Szene schlägt gutbürgerlich

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Gründerzeithäuser in Berlin (Foto: TC)

Im Berliner Wohnungsmarkt spiegelt sich, was gerade in der Stadt passiert

Thomas Claer

Wenn man nach ein paar Jahren der Abwesenheit in eine asiatische Großstadt kommt, dann erkennt man dort vieles nicht mehr wieder, weil sich alles so rasend schnell verändert. Hier in Europa dagegen verläuft der Wandel, wenn er denn überhaupt mal stattfindet, eher langsam und geordnet. Doch in unserer fröhlich-verrückten deutschen Hauptstadt ticken die Uhren bekanntlich anders. Und so springt dem Leser des brandneuen GSW-Wohnmarktreports nicht nur die allgemeine Explosion der Miet- und Immobilienpreise seit etwa fünf Jahren, insbesondere in zentralen Citylagen, ins Auge, sondern auch die vollständige Verwandlung früherer Problemgebiete in Hochpreislagen in kürzester Zeit. Die Rede soll ausdrücklich nicht von Prenzlauer Berg und Friedrichshain sein, wo diese Entwicklung schon gleich nach der Wende eingesetzt hat und nach langen Jahren des Szenekiez-Daseins inzwischen wohl fast an ihrem finalen neubürgerlichen Endpunkt angekommen ist. In Kreuzberg, dem Bezirk der sprichwörtlich langen Nächte,  war dieser Prozess sogar noch langwieriger und von ernsthaften Brüchen begleitet, man denke nur an die vorübergehende Abwanderung relevanter Teile der dortigen „Szene“ in die hipperen Ostbezirke nach dem Mauerfall. Aber dass es eine Gegend innerhalb weniger Jahre vom hinterletzten Igitt-Bezirk zum absoluten Hotspot bringt, das macht Berlin so schnell keiner nach: Gestern noch Rütli-Schule, Intensivtäter-Jugendbanden und vermüllte Gehwege, heute Szene-Bars, Luxus-Wohnungen und bepflanzte Baumscheiben – das ist der Norden von Neukölln!

Das ganze Ausmaß dieser Metamorphose wird aber erst deutlich, wenn man die Zahlen des aktuellen GSW-Reports für 2013 mit denen von 2008 vergleicht und von den etwas irreführenden Neubezirksgrenzen auf die wesentlich  kleinteiligeren Altbezirksgrenzen von vor der Gebietsreform von 2002 zurückrechnet. Und genau das habe ich getan. Hier das Ergebnis:

Wohnkosten in Berliner Bezirken (Angebotskaltmiete pro qm) gem. GSW-Wohnreport 2013 (2008) nach Alt-Bezirken und ihre Sozialstruktur

1. Mitte (Alt): 11,96 (9,54) +25,4% (alternativ/repräsentativ)
2. Prenzlauer Berg: 10,18 (7,32) +39,1% (alternativ/neubürgerlich)
3. Kreuzberg: 10,14 (6,37) +59,2% (alternativ/lebendig)
4. Friedrichshain: 9,67 (6,60) +46,5% (alternativ/lebendig)
5. Wilmersdorf: 9,55 (8,06) +18,5% (großbürgerlich/bürgerlich)
6. Schöneberg: 9,18 (7,24) +26,8% (bürgerlich/lebendig)
7. Charlottenburg: 9,12 (7,24) +26,0% (großbürgerlich/lebendig)
8. Zehlendorf: 9,02 (7,94) +13,6% (großbürgerlich/bürgerlich)
9. Tiergarten: 8,80 (6,33) +39,0% (gemischt/lebendig)
10. Steglitz: 8,05 (6,45) +24,8% (bürgerlich/kleinbürgerlich)
11. Lichtenberg: 7,55 (5,50) +37,3% (proletarisch/kleinbürgerlich)
12. Weißensee: 7,54 (5,65) +33,5% (bürgerlich)
13. Neukölln*: 7,47 (5,23) +42,8% (alternativ/proletarisch)
14. Pankow: 7,47 (5,99) +24,7% (bürgerlich/lebendig)
15. Wedding: 7,26 (5,26) +38,0% (proletarisch/lebendig)
16. Köpenick: 7,19 (6,11) +17,7% (bürgerlich/proletarisch)
17. Tempelhof: 7,05 (5,82) +21,1% (kleinbürgerlich/bürgerlich)
18. Treptow: 7,01 (5,47) +28,2% (proletarisch/lebendig)
19. Reinickendorf: 6,73 (5,76) +16,9% (kleinbürgerlich/bürgerlich)
20. Hohenschönhausen: 6,69 (5,96) +12,3% (proletarisch/gemischt)
21. Spandau: 6,32 (5,43) +16,4% (kleinbürgerlich/lebendig)
22. Hellersdorf: 6,29 (5,30) +18,7% (proletarisch/gemischt)
23. Marzahn: 5,57 (4,85) +14,8% (proletarisch/gemischt)

* Neukölln-Nord: 8,26 (5,08) +62,6% (alternativ/proletarisch)
Neukölln-Süd: 6,67 (5,41) +23,3% (kleinbürgerl./proletarisch)

Top 20 der Postleitzahlbezirke nach Höhe der Angebotskaltmiete pro qm 2013 (2008)

1.   10117 Unter den Linden (Mitte): 13,11 (12,60) + 4,1%
2.   10178 Hackescher Markt/ Alexanderplatz (Mitte): 13,00 (10,30) +26,3%
3.   10119 Rosenthaler Platz (Mitte): 12,21 (9,00) +35,7%
4.   10435 Kollwitzplatz (Prenzlauer Berg): 11,93 (8,60 ) +38,7%
5.   10115 Chausseestraße (Mitte): 11,50 (8,40) +36,9%
6.   10623 Savignyplatz (Charlottenburg): 11,50 (9,00) +27,8%
7.   10719 Ludwigkirchplatz/ Kurfürstendamm (Wilmersdorf): 11,28 (9,70) +16,3 %
8.   10785 Potsdamer Platz (Tiergarten): 11,23 (7,80) +44,0%
9 .  10967 Graefestraße (Kreuzberg): 10,99 (6,30) +74,4%
10. 10707 Olivaer Platz / Kurfürstendamm (Wilmersdorf): 10,87 (8,40) +29,4%
11.  10405 Prenzlauer Allee (Prenzlauer Berg): 10,56 (7,80) +35,4%
12. 10629 Sybelstraße/ Kurfürstendamm (Charlottenburg): 10,56 (9,00) +17,3%
13. 10965 Mehringdamm / Bergmannstraße (Kreuzberg): 10,55 (6,30) +67,5%
14. 10961 Gneisenaustraße (Kreuzberg): 10,52 (6,80) +54,7%
15. 10437 Helmholtzplatz (Prenzlauer Berg): 10,51 (7,70) +36,5%
16. 10999 Görlitzer Park (Kreuzberg): 10,50 (6,20) +69,4%
17. 14195 Dahlem (Zehlendorf): 10,50 (9,40) +11,7%
18. 14193 Grunewald (Wilmersdorf): 10,48 (10,60) – 1,1%
19. 10997 Wrangelstraße / Paul-Lincke-Ufer (Kreuzberg): 10,42 (6,30) +65,4%
20. 12047 Maybachufer („Kreuzkölln“) (Neukölln): 10,03 (5,50) +82,4%

Gebiete mit dem stärksten Anstieg der Angebotskaltmieten im Fünfjahreszeitraum

1. 12047 Maybachufer („Kreuzkölln“) (Neukölln): 10,03 (5,50) +82,4%
2. 12043 Rathaus Neukölln (Neukölln): 8,95 (5,00) +79,0%
3. 12053 Rollbergstraße (Neukölln): 8,76 (4,90) +78,8%
4. 12045 Sonnenallee Nord (Neukölln): 9,21 (5,20) +77,1%
5. 10967 Graefestraße (Kreuzberg): 10,99 (6,30) +74,4%
6. 12049 Hermannstraße West /Reuterkiez (Neukölln): 8,86 (5,10) +73,7%
7. 10367 Am Stadtpark /Frankfurter Allee (Lichtenberg): 9,21 (5,40) +70,6%
8. 12059 Weigandufer (Neukölln): 8,50 (5,00) +70,0%
9. 10999 Görlitzer Park (Kreuzberg): 10,50 (6,20) +69,4%
10. 10965 Mehringdamm / Bergmannstraße (Kreuzberg): 10,55 (6,30) +67,5%
11. 12051 Hermannstraße Süd (Neukölln): 8,33 (5,00) +66,6%
12. 10997 Wrangelstraße / Paul-Lincke-Ufer (Kreuzberg): 10,42 (6,30) +65,4%
13. 12055 Richardplatz (Neukölln): 8,00 (5,00) +60,0%
14. 13051 Malchow (Hohenschönhausen): 7,24 (4,60) +57,4%
15. 10783 Bülowbogen/Bülowstraße (Schöneberg): 8,77 (5,60) +56,6%
16. 10553 Beusselstraße (Moabit): 7,96 (5,10) +56,1%
17. 10961 Gneisenaustraße (Kreuzberg): 10,52 (6,80) +54,7%
18. 13359 Soldiner Straße (Wedding): 7,24 (4,70) +54,0%
19. 10823 Alt-Schöneberg /Eisenacher Str. (Schöneberg): 9,63 (6,30) +52,9%
20. 10827 Crellestraße/Kleistpark (Schöneberg): 9,00 (5,90) +52,5%
21. 10439 Arnimplatz (Prenzlauer Berg): 9,75 (6,50) +50,0%
22. 13351 Rehberge (Wedding): 7,50 (5,00) +50,0%
23. 10963 Kreuzberg-West / Möckernbrücke (Kreuzberg): 10,00 (6,70) +49,3%
24. 12435 Treptower Park (Treptow): 8,51 (5,70) +49,3%
25. 10249 Volkspark Friedrichshain (Friedrichshain): 9,75 (6,60) +47,7%

Die Zahlen sprechen für sich, meine ich. Wenn sie sich auch durch den Umstand relativieren lassen, dass die durchschnittliche Größe der Wohnungen in den Szenekiezen meist sehr niedrig ist und die absolute Wohnkostenbelastung daher trotz Spitzenmieten nicht weit über der in durchschnittlichen Lagen liegt, so ist es doch bemerkenswert, wie viele Menschen das relativ teure Leben auf engem Raum in den angesagten Innenstadtlagen goutieren. Wohl nirgendwo sonst gilt so sehr wie auf dem Wohnungsmarkt, dass sich einmal etablierte Trends meist sehr viel länger fortsetzen als gedacht. Doch hat der aktuelle GSW-Report noch eine andere auffällige Tendenz ans Licht gebracht: Während die Neu-Berliner (natürlich!) bevorzugt in die zentralen Szene-Kieze ziehen, weichen die alteingesessenen Berliner zunehmend in weniger zentrale Lagen aus. Daraus mag jeder seine eigenen Schlüsse ziehen..

www.justament.de, 20.1.2014: Unter Geistern

Recht cineastisch Spezial: Vor 35 Jahren erschien die DDR-Fernsehserie „Spuk unterm Riesenrad“

Thomas Claer

Spuk-unterm-RiesenradEnde der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre verbrachte ich im Sommer manchmal ein oder zwei Ferienwochen bei meinen Großeltern in einer ostmecklenburgischen Kleinstadt ohne Farb- und – was viel schlimmer war! – ohne Westfernsehen. Es war schon starker Tobak für ein fernsehverwöhntes Kind wie mich, ausgerechnet in den Schulferien mit nur zwei Programmen auskommen zu müssen, wie man sie sich langweiliger und eintöniger nicht vorstellen kann: DDR 1 und DDR 2! Manchmal fing auch noch das Bild zu flackern an. Dann stand mein Opa auf, ging bedächtig zu jenem großen Holzkasten mit Röhre, den man damals Fernsehapparat nannte, und klopfte einmal kräftig mit der Faust drauf. Das Bild wurde davon zwar meistens auch nicht besser, aber mein Opa konnte wenigstens mal so richtig seinen Ärger rauslassen.
Doch hatte es eine glückliche Fügung mit sich gebracht, dass gerade als ich in diesem „Tal der Ahnungslosen“ weilte (so nannte man damals die Gebiete des Ostens ohne Westfernsehempfang), im Ferienprogramm zum wiederholten Male die wirklich unübertreffliche Kinder-Serie „Spuk unterm Riesenrad“ ausgestrahlt wurde: eine Folge täglich. Was konnte es Schöneres geben? Ich kann mich auch nicht erinnern, dass überhaupt jemals irgendeine DDR-Filmproduktion bei uns westfernsehverdorbenen Ost-Kindern so gut angekommen wäre wie diese schaurig-schöne Spukgeschichte, von der es wegen ihres großen Erfolgs später auch noch eine zweiteilige Kino-Version gab. Drei Kinder im Grundschulalter verbringen die Ferien (so ähnlich wie ich in der Wirklichkeit) bei ihren Großeltern – allerdings nicht in irgendeinem Kaff, sondern auf einem Rummel, genau genommen im größten Freizeitpark der DDR in Berlin-Plänterwald. Ihr Großvater betreibt dort die Gespensterbahn, und auf mysteriöse Weise werden seine drei furchterregendsten lebensgroßen Figuren, nämlich Hexe, Riese und Rumpelstilzchen, zum Leben erweckt. Die drei Geister machen sich aus dem Staub und werden von den Kindern im Auftrag ihres Opas und bald auch von der Volkspolizei gejagt. Sie, die letztmalig irgendwann im Mittelalter lebendig waren, irren durch Ost-Berlin, wundern sich über dieses und jenes, fahren U-Bahn (man erkennt den U-Bahnhof Samariterstraße, heute absolute Friedrichshainer Szenelage) und besuchen das HO-Centrum-Warenhaus am Alexanderplatz (heute Galeria Kaufhof). Zwischendurch warten sie mit allerhand Zauberkunststücken auf.
Wie sehr dabei eigentlich unentwegt der triste DDR-Alltag mit seinen heiter-tragischen Momenten auf die Schippe genommen wird, ist mir so richtig erst jetzt beim Ansehen der DVD klar geworden. Und die bürokratisch-vertrottelten Volkspolizisten! Und die nachgestellten stocksteifen Nachrichten der „Aktuellen Kamera“, die am Anfang jeder Folge über die Flucht der Gespenster berichten! Das ist mitunter von atemberaubender Komik. Überhaupt entdeckt man so viele kleine Nebensächlichkeiten. Wie schlecht zum Beispiel die Kinder zu jener Zeit behandelt wurden! Damals im Osten durfte man fremde Kinder einfach so anbrüllen oder ihnen Schläge androhen, da fand niemand etwas dabei. Es hat schon seinen Grund, wenn wir Ostdeutschen unserer Generation, jedenfalls verglichen mit gleichaltrigen Westdeutschen, immer etwas gehemmt und vorsichtig sind. Bei manchen Klassentreffen ist das schon ziemlich auffällig.
Es geht dann so weiter, dass die Hexe im Warenhaus keinen Besen finden kann und stattdessen einen Staubsauger erwirbt. (Da die Geister völlig mittellos sind, muss sie ihn stehlen, so wie der stets hungrige Riese allerhand Würstchen aus der Fleischabteilung und Rumpelstilzchen kostbaren Schmuck erbeutet.) Auf dem Staubsauger – die Stromversorgung gelingt, indem sie den Stecker dem stets wütenden Rumpelstilzchen kurzerhand in die Nase stecken – fliegen die Drei dann in den Harz und verschanzen sich schließlich in der Burg Falkenstein, wo die Hexe in besseren Tagen einmal ein edles Burgfräulein gewesen ist, das erst durch einen bösen Zauber zur Hexe mutierte. Am Ende werden Hexe und Riese, zwischen denen sich eine zunehmende erotische Spannung entwickelt („Ach, lieber Gevatter!“) durch gezielten Gegenzauber zu guten Menschen und anständigen DDR-Bürgern (ihnen werden feierlich die blauen Personalausweise ausgehändigt), während das unverbesserlich böse Rumpelstilzchen, das zwischenzeitlich ein kleines Mädchen entführt und um ein Haar die Burg angezündet hätte, zur Strafe wieder in eine Geisterbahn-Puppe zurückverwandelt wird.
Das namengebende Riesenrad ist im Plänterwald noch heute als Ruine zu bewundern. Überhaupt ist der Spreepark, wie er seit der Wende heißt, inzwischen ein verwunschener Ort geworden, seit der letzte Investor aus dem Westen bei seinem Versuch einer Wiederbelebung der Fuhr- und sonstigen Geschäfte vor zwölf Jahren Pleite ging. Es gab seitdem schon die verrücktesten Ideen, wie man das Gelände in bester Wasserlage, gleich hinter dem Treptower Park mit seinem kolossalen sowjetischen Ehrenmal, künftig nutzen könnte. (Erich von Däniken wollte dort sogar einmal einen Erlebnispark für Außerirdische errichten.) Bis heute wurden aber alle potentiellen Investoren von dem noch vom letzten Spreepark-Betreiber herrührenden immensen Schuldenberg abgeschreckt, der auf dem Pachtvertrag für das Grundstück lastet, in den jeder neue Investor einzutreten hätte. Als Zwischennutzung finden dort manchmal Popkonzerte statt, wie jenes legendäre im Mai 2013, als die Gruppe „The XX“ dort vor über 12.000 Berliner Hipstern spielte. Ach, wäre man da doch nur dabei gewesen!

Spuk unterm Riesenrad
DDR 1979
Länge: 200 Minuten (in 7 Teilen)
Regie/Drehbuch: C.U. Wiesner, Günter Meyer
Musik: Thomas Natschinski
Darsteller: Katja Paryla (Hexe), Stefan Lisewski (Riese), Siegfried Seibt (Rumpelstilzchen), Kurt Radeke (Opa), Käthe Reichel (Oma), Katrin Raukopf, Dima Gratschow, Henning Lehmbäcker (Kinder), Harry Pirtzsch (Leutnant Märzenbecher)