Category Archives: Über Börse

www.bargain-magazine.com, 1.6.2014: “Meistens irrt man sich, wenn man später denkt, man hätte sich geirrt”

Interview mit Buchautor Thomas Claer im Bargain Magazine

Justament Sept. 2013: Die Börse ist unser Schicksal

Von den unterschätzten Möglichkeiten des Aktiensparens

Thomas Claer

Im Jahr 1784 beklagte der Philosoph Immanuel Kant die Unaufgeklärtheit seiner Mitmenschen: “Es ist so bequem unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen” (aus: I. Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?). Gewiss, in jenen finsteren Zeiten vor der Französischen Revolution war die breite Masse (darunter, so Kant, “das ganze schöne Geschlecht”), noch ziemlich unemanzipiert. Aber sind wir heute wirklich so viel weiter?
Geht es um die Anlage des eigenen Geldes, so folgen gegenwärtig die meisten von uns der Maxime: Habe ich eine Bank, bei der ich ein Sparkonto unterhalten und die mir ein “Finanzprodukt” verkaufen kann, muss ich mir ja selbst keine weiteren Gedanken darüber machen. Gleichzeitig halten viele (nach einer jüngeren Umfrage waren es stolze 42 Prozent) Aktienbesitzer für “gewissenlose Spekulanten”. Was die Banken dann aber ihrerseits mit unserem oft sauer verdienten und mühsam vom Munde abgesparten Geld so anstellen, wird gerne ausgeblendet. Die Antwort ist: Sie investieren es (wenn es gut geht), spekulieren damit (hier wird es schon bedenklicher)  oder verzocken es sogar (dann muss eben der Staat einspringen und der Steuerzahler dafür aufkommen).

Weltwunder Zinseszins

Natürlich geht es auch anders: Man kann sein Geld in Scheinen oder in Form von Goldbarren unter die Matratze legen und sich dadurch auch noch des – wenn es hoch kommt – kleinen Inflationsausgleichs  berauben, den uns die Banken gönnerhaft in Form von Zinsen im mikroskopischen Bereich gewähren. Oder man nimmt die Sache selbst in die Hand und legt sich ein Wertpapierdepot an. Das immerhin gibt es bei vielen Online-Banken kostenlos! Und dann gilt es, sich mit Umsicht und Bedacht ein langfristig ausgerichtetes Portfolio aus mehreren exzellenten und gerade günstig bewerteten Einzelwerten zusammenzustellen und dabei immer auf ausreichend Liquidität zu achten, also niemals alles auf eine Karte und niemals alles auf einmal einzusetzen. Dabei sollte man heftige Schwankungen aushalten können, aber immer dann beherzt zugreifen, wenn sich an den Märkten wieder einmal Weltuntergangsstimmung ausbreitet. Es geht um Teilhabe am nachhaltigen Wachstum der Weltwirtschaft und an außergewöhnlich gut arbeitenden und wirtschaftenden Unternehmen in zukunftsträchtigen Branchen. Mit Casino-Mentalität hat das wenig zu tun, auch nicht mit dem Traum vom schnellen und leicht verdienten Reichtum. Auch wenn manche Trader anderes behaupten: Viel Hin und Her macht am Ende meistens doch die Taschen leer, zumal die Depotbank bei jedem Trade die Hand aufhält.
Was man beim langfristigen Aktiensparen so verdienen kann? Durchschnittliche Renditen zwischen 8 und 10 Prozent pro Jahr sind auf lange Sicht (also in Zeiträumen von mindestens zehn Jahren) absolut realistisch. Klingt nicht schlecht, wird mancher denken, aber doch keineswegs überwältigend. Aber wer wenig anzulegen hat, kann doch auf diese Weise niemals zu viel Geld kommen, oder doch? Und hier kommt nun der Zinseszins-Effekt ins Spiel, der mitunter auch als das “achte Weltwunder” bezeichnet wird: Die untenstehende Grafik zeigt, wo der DAX (der seit 1988 bestehende deutsche Aktienindex, der die 30 wichtigsten Standardwerte umfasst) am Ende unseres Jahrhunderts stehen könnte, wenn er künftig in etwa so weiter zulegt wie in seinen bisherigen 25 Jahren, also jährlich im Schnitt um gut 8 Prozent, was keine sonderlich abenteuerliche Annahme ist. Und geht man davon aus, dass die heute 20-Jährigen deutlich über 90 Jahre alt werden dürften, ist das ein für uns durchaus relevanter Zeitraum. Wir sehen also, dass die Zeit (der “Anlagehorizont”) der alles entscheidende Faktor ist.

Auch für Geringverdiener

Jetzt werden viele einwenden: “Das hat doch nichts mit mir zu tun. Ich hab doch gar nicht genug Geld, das ich anlegen könnte.” Dieser verbreiteten Auffassung liegt ein fundamentales Missverständnis zu Grunde. Gerade für Geringverdiener kann ein langfristig ausgerichtetes Aktiendepot – anders als etwa die renditearmen, aber kostenreichen Riester-Produkte – ein ganz erhebliches Zubrot bei der eigenen Altersvorsorge sein und zur Unabhängigkeit von staatlichen Transferleistungen bis ins hohe Alter führen. Wer auch nur fünfzig oder hundert Euro monatlich zur Seite legt, hat schon nach wenigen Jahren das nötige Startkapital fürs eigene Depot beisammen. Leitet man dann auch weiterhin regelmäßig Summen dieser Größenordnung ins Depot, so lässt sich diese Liquidität später zu günstigen Nachkäufen in Krisenzeiten nutzen.
Zugegeben, ganz so einfach, wie es jetzt vielleicht klingen mag, ist das Geldanlegen an der Börse zwar nicht. Aber wer es systematisch angeht und sich ausgiebig mit den Hintergründen beschäftigt, auf seine eigene Urteilskraft vertraut, diszipliniert und geduldig ist und schließlich auch noch das notwendige Quäntchen Glück mitbringt, kann es an der Börse auch mit niedrigem Kapitaleinsatz ziemlich weit bringen.

DAX-Stand bei durchschnittlichem Zuwachs von ca. 8 % p.a.:
Jahr: Punktestand
1988: 1.000
2013: 8.000
2023: 17.271
2033: 37.286
2063: 375.202
2100: 6.470.593

Justament-Autor Thomas Claer ist Autor des Buches “Auf eigene Faust. Aktiensparen für Kleinanleger (Verlag BOD, Norderstedt 2012, 10,00 €, ISBN-10: 3844818146 / E-Book 8,49 €).

www.justament.de, 14.1.2013: Die wundersame Welt des Wellenreiters

„Börsenguru“ Robert Rethfeld gibt einen skeptischen Ausblick 2013

Thomas Claer

Als Kleinanleger ist man beständig auf der Suche nach Selbstvergewisserung und findet sie beispielsweise auf http://www.boerse.de, wo sich täglich die aktuelle Markteinschätzung diverser Experten nachlesen lässt. Man kennt sie bald alle genau, die Börsenprofis und ihre jeweils unterschiedlichen Strategien: die Value-Investoren, Charttechniker, Trendfolger, ETF- und Turnaround-Propagandisten. Aber dann ist da auch noch Robert Rethfeld, der Betreiber des Online-Portals „Wellenreiter-Invest“, dessen brillante wöchentliche Kolumnen in fast jeder Hinsicht aus dem Rahmen fallen. Klar, auch er will wie die anderen Geld verdienen und neue Kunden für seinen täglichen kostenpflichtigen Börsenbrief anlocken. Doch wird man bei Rethfeld, dem Zyklentheoretiker, Saisonalitätsfreak und Zahlenakrobaten, immer wieder auf so ansprechende und anregende Weise belehrt, dass man selbst dann voll auf seine Kosten käme, wenn die Märkte einmal nicht den von ihm prognostizierten Verlauf nehmen sollten. Allerdings kommt das selten vor. In den letzten Jahren hatte das „Orakel von Oberursel“ sogar eine Trefferquote im annähernd dreistelligen Bereich: Der Einbruch im Sommer 2011, das schwache zweite Quartal 2012, die starke zweite Jahreshälfte. Wer hat das alles zutreffend vorausgesagt? Natürlich Robert Rethfeld, nachzulesen in seinen Jahresausblicken für 2011 und 2012 auf der Wellenreiter-Homepage.

Aber wie ist er darauf gekommen? Seine Methode lässt sich als eine Art angewandte Chaostheorie beschreiben. Die ganze Welt neigt dazu, Muster der Selbstähnlichkeit auszubilden, und die Aktienmärkte (wie natürlich auch die Renten-, Währungs-, und Rohstoffmärkte) tun das ebenfalls. Hierzu gehört auch die Tendenz zur Wiederholung bestimmter Verlaufsmuster in regelmäßigen Zeitabständen, in Zyklen. Daneben hat aber auch die Korrelation unterschiedlicher Größen miteinander eine besondere Bedeutung. Oft gibt es überraschende Zusammenhänge, wo niemand sie vermutet. Rethfeld sucht nach ihnen überall, und längst nicht nur in den gängigen Wirtschaftsdaten, sondern auch in der Natur und der Geschichte. Dass der US-Präsidentschaftszyklus der zuverlässigste von allen ist, dass also Nachwahljahre an den Börsen tendenziell schwächer und Vorwahl- und Wahljahre eher stärker ausfallen, das lässt sich ja noch leicht einsehen, denn die unpopulären konsumenten- und damit wirtschaftsfeindlichen Maßnahmen der Politik erfolgen selbstverständlich nach einer Wahl und die wirtschaftsstimulierenden Wahlgeschenke gibt es dann erst wieder vor der nächsten. Auch die durchschnittlich starke Börsenperformance im Schlussquartal eines Jahres lässt sich vielleicht noch mit dem „Windowdressing“, also den Nachkäufen bisher gut gelaufener Einzelwerte durch große institutionelle Investoren erklären. Aber warum korreliert der Zyklus der Sonnenaktivität mit dem Auftreten von US-Rezessionen (wonach auch 2013 eine solche zu erwarten wäre)? Warum erfolgten große epochale Veränderungen in Europa wiederholt in 14er Jahren eines Jahrhunderts (Ende des spanischen Erbfolgekriegs 1714, Beginn des Wiener Kongresses 1814, Erster Weltkrieg 1914), und lässt das womöglich eine endgültige Lösung der Euro-Krise 2014 erwarten? Der Wellenreiter kennt keine Denkverbote und Tabus. Er jongliert munter mit seinem immensen Zahlenwerk, seinen unendlich vielen Grafiken und Diagrammen, die er in immer neuen Variationen kombiniert und übereinanderlegt. Alles lässt er in seine Gesamtbetrachtungen einfließen, und heraus kommen auf wundersame Weise Prognosen an der Grenze zur Unfehlbarkeit.

Aber was sagt nun der von Robert Rethfeld und seinem Compagnon Alexander Hirsekorn gerade frisch erstellte ausführliche Jahresausblick 2013? Nicht allzu viel Gutes für die Finanzmärkte. Während die große Mehrzahl der Experten angesichts der anhaltend lockeren Geldpolitik der Notenbanken hervorragende Aussichten für weiter steigende Aktienkurse in 2013 sieht, rechnet Rethfeld mit einem durchwachsenen bis schwachen Börsenjahr. Schon seit geraumer Zeit hat er in seinen Kolumnen darauf hingewiesen, dass mehrere Indikatoren (etwa das Verhältnis von Realzins zum US-BIP sowie die Zinsdifferenz zwischen kurz- und langfristigen Renditen) für eine Rezession in den USA im Jahr 2013 sprechen. Der Solarzyklus ist hier nur ein Puzzlestück in der Gesamtbetrachtung. (Andere Indikatoren stehen allerdings einer solchen Annahme entgegen.) Entsprechend sagt der Wellenreiter für 2013 zumindest eine deutliche konjunkturelle Abkühlung in den USA voraus. Skeptisch ist Rethfeld vor allem für die zweite Jahreshälfte, in der er sogar massive Rücksetzer an den Märkten für möglich hält. Nach dem vom Wellenreiter favorisierten Szenario käme es erst ab Ende 2014 wieder zu einem nachhaltigen Aufwärtstrend, der dann aber auch das Ende des seit dem Jahr 2000 bestehenden übergeordneten Bärenmarktes und neue Höchststände in den wichtigen Indizes bedeuten sollte. Für den Kleinanleger heißt das: In jedem Fall liquide bleiben and buy the dip! Denn auf lange Sicht hat sich das an der Börse noch immer gelohnt.

Robert Rethfeld / Alexander Hirsekorn
Wellenreiter-Invest Studie: Ausblick 2013. Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffe
Oberursel, Dezember 2012
PDF zu beziehen über www.wellenreiter-invest.de
142 Seiten mit 167 Abbildungen, EUR 39,00

Justament-Rezensent Thomas Claer ist Autor des Buches „Auf eigene Faust. Aktiensparen für Kleinanleger“, BoD 2012, 132 Seiten, EUR 10,00, ISBN 978-3844818147.

P.S. (Februar 2014): Anders als es der Wellenreiter vorausgesagt hat, verlief das Börsenjahr 2013 ganz ausgezeichnet mit Zuwächsen von über 25 Prozent beim DAX und DOW JONES. Auch eine US-Rezession oder auch nur deutliche konjunkturelle Eintrübung ist ausgeblieben. Alle anderen Experten hatten diesmal Recht behalten, nur der Wellenreiter lag völlig daneben. Auch die besten und ausgefeiltesten Prognose-Methoden stoßen also irgendwann an ihre Grenzen…

Justament April 2009: Gefährlich lebt der, der spekuliert

Anlagestrategien in der Finanz- und Wirtschaftskrise

Thomas Claer

Alles in allem, so befand schon Michel de Montaigne (1532-1592), kostet es mehr Mühe, ein Vermögen zu erhalten, als eines zu erwerben. Ein Lied davon singen können Anleger in aller Welt, deren Wertpapierdepots im zurückliegenden Horrorjahr 2008 auf dramatische Weise zusammengeschmolzen sind (siehe Grafik). Kalt erwischt wurden auch alle jene Kleinsparer, die zwecks Aufbesserung der künftigen eigenen Altersvorsorge ihr sauer Verdientes und mühsam vom Munde Abgespartes in Teilen an der Börse investiert hatten. Nach der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende ließ sich nun schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrzehnts ein waschechter Crash der Aktienmärkte erleben. Doch allen Verschwörungstheorien zum Trotz, die hier finstere Mächte am Werk sehen, die mit raffinierten Tricks den kleinen Leuten das Geld aus der Tasche ziehen, haben wir es doch tatsächlich nur mit einer fatalen Verkettung individueller und institutioneller Fehler zum einen sowie massenpsychologischer Phänomene zum anderen zu tun. Der Verdacht, dass unser Wirtschaftssystem solche Krisen begünstigt oder gar mit Notwendigkeit hervorbringt, ist zwar alt und keineswegs unbegründet. Doch machte vielleicht gerade das auch die Stärke des modernen Kapitalismus in seiner 200-jährigen Geschichte aus, denn bisher gelang ihm nach jeder Krise – wie Phönix aus der Asche – eine noch glanzvollere Wiederauferstehung. Und bis die Globalisierung den letzten Flecken Erde erreicht hat, wird die Party vermutlich noch nicht zu Ende gehen.

Die Risiken
“Wer in den nächsten zehn Jahren Aktien kauft, muss ein Rad ab haben”, sprach Stern-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges auf dem Bundespresseball, das Sektglass in der Hand, ins TV-Berlin-Mikrophon. In der Tat gibt es gute Gründe für eine skeptische Beurteilung der künftigen Performance-Aussichten. Pessimisten rechnen sogar damit, dass sich die derzeitige Rezession zu einer anhaltenden Weltwirtschaftskrise wie in den 1930er Jahren entwickeln könnte. Damals wurden die alten Höchststände von 1929 schließlich auch erst 1955 wieder  erreicht. (In Deutschland gab es ein ähnliches Szenario schon nach 1873 mit dem großen “Gründerkrach”.) Manche Ökonomen sehen mit den aktuellen Exzessen der Finanzkrise bereits den Zyklus des Neoliberalismus zu Ende gehen, der Anfang der achtziger Jahre mit Maggie Thatcher und Ronald Reagan begonnen hatte. Zunehmende staatliche Interventionen könnten dauerhaft die Unternehmensgewinne drücken und dadurch auch Aktionären die Freude an ihren Investments vergällen. Und niemand vermag mit letzter Sicherheit zu sagen, ob eine Aktie hoch oder niedrig bewertet ist. Denn nicht immer verwandelt die Zeit die Verluste in Gewinne: Wer sich vor zehn Jahren am Neuen Markt oder bei der Deutschen Telekom engagierte oder vor knapp dreißig Jahren in Japan, wird mutmaßlich noch für alle Ewigkeit auf Verlusten sitzen. Ein ähnliches Schicksal droht nun möglicherweise auch jenen, die vor anderthalb Jahren Bank- oder Automobilaktien erwarben.

Die Chancen
Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Ein Blick in die Historie zeigt, dass Vermögen vielfach in der Krise gemacht wurden. Investment-Legende Warren Buffett, zur Zeit der reichste Mann der Welt neben Bill Gates, schrieb schon im letzten November in einer Kolumne für die Washington Post: “Kauft Aktien, Leute! Wann, wenn nicht jetzt?” Sein Motto war stets: “Sei vorsichtig, wenn alle gierig sind, aber sei gierig, wenn alle Angst haben!” Zwar habe er keine Ahnung, wie die Kurse in einem oder zwei Jahren stünden, doch wisse er, dass Aktien derzeit einfach sehr billig seien. Er gilt als Fundamentalanalytiker und bewertet die Unternehmensanteile aufgrund von Kennziffern wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), Verschuldungsgrad des Unternehmens und Dividenden-Rendite. Wer diesem Ansatz folgt, muss derzeit verwundert feststellen, dass gemäß Bloomberg global betrachtet über 2000 Unternehmen im Börsenwert unter den Barmitteln der jeweiligen Gesellschaft liegen. “Das ist der achtfache Wert wie gegen Ende des letzten Bärenmarktes im Jahre 2002”, staunt auch der Frankfurter Börsenbrief und ergänzt: “Bei den Gesellschaften aus dem MSCI World Index wurde per Ende November jeder Dollar Nettovermögen nur mit 1,17 Dollar Börsenwert bezahlt. Seit mindestens 1995 gab es nie einen niedrigeren Bewertungsstand. Bei etwa vier von 10 Werten sind die liquiden Mittel größer als der Börsenwert und die Schulden zusammengerechnet.”
Ein unter Wirtschaftswissenschaftlern hochgeschätzter Indikator ergibt sich ferner aus der KGV 10-Methode. Sie berücksichtigt nicht die weit verbreiteten KGV-Schätzungen auf der unsicheren Basis künftiger Unternehmensgewinne, sondern misst für ein Unternehmen (oder für ganze Indizes) das durchschnittliche KGV der vergangenen 10 Jahre aufgrund der aktuellen Börsenbewertung und der in diesem Zeitraum tatsächlich erzielten Nettogewinne der Unternehmen (näheres unter http://www.antizyklisch-investieren.de). Demnach müsste der DAX derzeit entsprechend seiner langjährigen Durchschnittsbewertung bei ca. 6300 Punkten stehen. Zum Jahreswechsel notierte er aber bei nur 4800 Punkten (und Anfang März  sogar nur noch bei 3600), was eine signifikante Unterbewertung anzeigt – oder aber die Einpreisung einer langjährigen Weltwirtschaftskrise!
Zumindest in der vergleichsweise jungen bundesrepublikanischen Wirtschaftsgeschichte  waren aber Rezessionsjahre besonders gute Börsenjahre: Im Verlauf von 1967 stieg der DAX um 49%, 1975 um 40%, 1982 um 14%, 1993 um 47% und 2003 um 37%. Zuvor waren die Kurse – genau wie jetzt – jeweils in Erwartung der Rezession empfindlich eingebrochen.

Grafik:

FTSE (England)                             -31 %
Dow Jones (USA)                          -34 %
Kospi (Südkorea)                           -38 %
DAX (Deutschland)                         -40 %
Bovespa (Brasilien)                       -41 %
Nikkei (Japan)                                -42 %
Hang Seng (Hongkong)                  -48 %
Sensex (Indien)                               -52%
ATX (Österreich)                            -60 %
Shanghai Composite (China)          -65 %
RTS (Russland)                               -72 %

Wertentwicklung wichtiger internationales Indizes 2008 (Quelle: Süddeutsche Zeitung)

Justament Dez. 2007: Nicht nur für Geldsäcke

Wie sich unsereins auf den Finanzmärkten verhalten sollte

Thomas Claer

Geldanlage auf den Finanzmärkten – das ist, so denkt man, etwas für Profis oder allenfalls noch für Kleinanleger. Und was sich Kleinanleger nennt, das sind in den Augen des gemeinhin nahezu mittellosen jungen Juristen schon fast Geldsäcke. Erst irgendwann später wird das große Geld kommen, jedenfalls für einige von uns. So sieht es aus. Aber es geht auch anders. Zum Beispiel so: Erst einmal jeden Monat hundert Euro – oder auch mehr – beiseite legen. Das ist oft schon dadurch zu schaffen, dass man nur noch beim Discounter einkauft, sich Bücher auf dem Flohmarkt und CDs bei Ebay beschafft, Restaurants und Cafes zu Tabuzonen erklärt und den Urlaub auf dem Campingplatz verbringt. Wenn man das auch noch seiner Freundin vermitteln kann, ist die größte Hürde schon genommen. Ein paar Jahre sollte man es aber schon durchhalten. Natürlich wird das Geld inzwischen auf hochverzinsten Tages- oder Festgeldkonten geparkt, was auch noch ein wenig abwirft. Und am Ende dieser ersten Phase steht ein Grundkapital von einigen tausend Euro. Mindestens. Nun wird es interessant. Was also weiter mit der Kohle tun?

Private Equity Fonds und Hedgefonds zu heiß
Vor allem sollte man wissen, was man um Himmels willen nicht tun sollte: Alles auf eine Karte setzen! Das macht – ähnlich wie das desaströs kapitalvernichtende Lottospielen – zwar gelegentlich jemanden reich, zumeist aber viele arm. Auch kommen bestimmte Anlageformen schon aus strukturellen Gründen nicht in Betracht: Private Equity Fonds, neuerdings kann man sich da manchmal schon ab 2000 Euro beteiligen, sind so risikobehaftet, dass ihr Anteil zehn Prozent der Anlagesumme niemals überschreiten sollte. Noch viel heißer sind Hedgefonds oder gar Derivate wie Hebel-Zertifikate. Wer sich aber auch nicht mit Lebensversicherungen, Bausparverträgen und Bundesschatzbriefen abspeisen lassen will, deren Verzinsung nur geringfügig über der Inflationsrate liegt, der wird am Ende auf die gute alte Aktie kommen. Nun kann man natürlich, um das Risiko zu streuen, in einen Aktienfonds investieren, doch bekanntlich erreichen zwei Drittel dieser Fonds regelmäßig nicht einmal die Wertentwicklung des Vergleichsindexes. Das spricht für ein simples und kostengünstigeres Investment in Indexzertifikate. Kann man machen, wobei man durch den Spread zwischen Ein- und Verkaufspreis und die Bankgebühren letztlich doch wieder unter der Index-Performance liegt, aber nur ein wenig. Mehr als das Sparbuch bringt es im langjährigen Durchschnitt allemal. Doch lautet ein latent chauvinistischer Börsen-Spruch, dass Indexzertifikate etwa so sexy sind, wie seine eigene Schwester zu küssen. Das heißt, und da ist was dran: Es macht keinen Spaß. Wer sich ein paar Einzelwerte ins Depot legt, bekommt nach Jahren wahrscheinlich Ähnliches heraus, investiert aber viel mehr Kraft und Zeit und Nerven – und genau hierin liegt der Reiz. Denn es bleibt immer die Hoffnung, dass man doch besser abschneiden könnte als der Markt. Es kann aber auch schlechter laufen.

Depot Marke Eigenbau 
Wer nun also nach reiflicher Überlegung sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt und sich selbst ein Depot zusammenstellt, muss wissen: Eine echte Diversifizierung gibt es erst bei mindestens fünf Einzelwerten. Ideal sind zwanzig, dann liegt der Anteil jeder Position an der Gesamtsumme bei gerade fünf Prozent. Doch die dazu nötige Liquidität will erst einmal verdient sein. Andere Stimmen raten hingegen von zu großer Diversifizierung ab, denn – wieder so ein Chauvi-Spruch – man(n) könne sich auch nicht um mehr als fünf Frauen gleichzeitig kümmern. (Doch das ist alles Imponier-Gehabe der männlichen Börsianer. Untersuchungen zeigen, dass Frauen die signifikant besseren Anleger sind.)
Und welche Werte gehören nun in ein gutes Depot? Vor allem sollte da niemand auf seinen Bankberater hören (sondern dann schon lieber selbst in eine Bankaktie investieren) und auch nicht auf gute Tipps von Bekannten. Ständig bieten Tageszeitungen allgemeine Einführungen in das nötige Börsen-Know how. Und alle wesentlichen Informationen gibt es frei verfügbar im Internet, zum Beispiel auf den unten angeführten Seiten. Entscheidend ist zum einen die Mischung: Man decke viele verschiedene Branchen ab, die der eigene gesunde Menschenverstand als aussichtsreich ansieht und die nicht zuviel miteinander zu tun haben sollten. Müssen es auch viele verschiedene Länder sein, wie immer wieder gesagt wird? Nicht unbedingt, denn durch die zunehmende globale Verflechtung sind auch einheimische Unternehmen auf verschiedensten Märkten präsent und das mit geringerem Risiko. Und man versteht auch wirklich alle Unternehmensmeldungen. Zum anderen sollten es Top-Unternehmen sein, mit kontinuierlicher Gewinnentwicklung und zuverlässiger Informationspolitik, die zudem gerade eine günstige Bewertung aufweisen (also z.B. niedriges KGV und hohe Dividendenrendite). Wer hier Kompromisse macht, wird es oft bitter bereuen.

Erkenne dich selbst!
Letztlich muss jede und jeder selbst herausfinden, welcher Anlegertyp sie oder er ist: offensiv oder defensiv, Zocker oder kühler Rechner. Wichtiger als alle Sachkenntnis (sofern man sich keinen Schrott ins Depot legt) ist die Geduld, denn die Börsianer wissen: Hin und her macht Taschen leer. Wem plötzlich nach einigen Monaten einfällt, dass er das Geld eigentlich doch für etwas anderes braucht, ist an der Börse fehl am Platze. Und keiner sollte sich jemals dazu hinreißen lassen, vor anderen mit seinen Gewinnen zu prahlen, auch nicht nach dem dritten Bier. Das rächt sich immer, wissen die abergläubischen Spekulanten.

Informationen:
http://www.finanznachrichten.de
www. wallstreet-online.de
www. boerse.de
http://www.insiderdaten.de

Justament März 2007: Weltwirtschaft im Übernahmefieber

Der Boom bei Fusionen und Übernahmen hält an

Thomas Claer

Der in Finanzfragen damals noch ziemlich unbedarfte Jurastudent Harry F. (Name von der Redaktion geändert) erbte im Sommer 2001 von seiner Großmutter die stolze Summe von immerhin 4.500,- DM. Was sollte er mit dem Geld anfangen? Noch vor kurzem war der Diskurs über die Wertentwicklung von Aktien, bevorzugt denen der Deutschen Telekom und des Neuen Marktes, unter angehenden Juristen das Partythema Nummer eins gewesen. Von exorbitanten Zuwächsen war die Rede, von Schwindel erregenden Summen, dass einem Hören und Sehen verging. Doch Harry F. stand außen vor und blieb äußerlich gelassen. Nur insgeheim ärgerte er sich, dass Kommilitonen, von deren geistigen Kapazitäten er nicht die allerhöchste Meinung hatte, so spielend leicht ihr Geld verdienten und ihm dagegen solches verwehrt blieb. Doch auch Harry F. war nicht entgangen, dass nun, im Sommer 2001, die Partygespräche dieser Art plötzlich verstummt waren. Nicht ohne eine gewisse Schadenfreude sah er im Wirtschaftsteil seiner Tageszeitung die dramatisch abfallenden Kurven des DAX und des Neuen Marktes. Wäre es jetzt nicht an der Zeit, so fragte er sich, die Rückschläge zum Einstieg zu nutzen und mit dem Erbe von der Oma selbst zum großen Finanz-Coup anzusetzen? Bei den Online-Recherchen auf seinem frisch erworbenen ersten internettauglichen Computer mit minutengenauer Abrechnung der Surfzeiten landete er bald auf einer der damals zahlreichen Anlagespezi-Diskussionsseiten  – heute gibt es sie längst nicht mehr. Dort also fand er eine sehr ausführliche Abhandlung über substanzhaltige und günstig bewertete Unternehmen, deren Aktien vor Rückschlägen der gerade erlebten Art zuverlässig geschützt seien. Als besondere Perle zum Schnäppchenpreis wurde der deutsche Wert “Stinnes Logistics” angepriesen, der auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von gerade einmal acht komme und eine Dividendenrendite von über drei Prozent aufweise. Und schließlich, so hieß es dort weiter, sei die Logistik einer der großen künftigen Wachstumsmärkte. Als Harry F., dem das alles einleuchtete, noch in seine Überlegungen über das Für und Wider eines solchen Investments vertieft war, erreichte ihn jene Nachricht, die die Welt erschütterte. Es war der 11. September 2001. Sein erster Gedanke war ein Zitat des berühmten Börsengurus André Kostolany: “Kaufen”, solle man, “wenn die Kanonen donnern!”. Tatsächlich ging die Börse an diesem Tag nochmals ein paar Prozente abwärts, auch Stinnes konnte sich dem nicht entziehen. Harry F. kaufte anderntags bei seiner Hausbank 120 Stinnes-Aktien zum Kurs von 18,35 € für genau 4306,74 DM.

Freude bei den Aktionären
Das erwies sich als gutes Timing, denn schon zum Jahreswechsel 2002, als man erstmals die frisch gedruckten Euro-Scheine in den Händen halten durfte, hatte sich die Börse etwas erholt. Die Stinnes-Aktie war sogar überproportional auf 23,50 € gestiegen. Wenn Harry F. beim Spazierengehen mit seiner Freundin einen der riesigen Lkws mit der Aufschrift “Schenker. Stinnes Logistics” vorbeibrausen sah, erklärte er ihr: “Siehst du, da arbeitet unser Geld für uns.” Doch bald schon wendete sich für den Gesamtmarkt das Blatt. Wirtschaftskrise und Kriegsängste wegen des bevorstehenden Irak-Feldzugs der Amerikaner drückten den DAX bis auf ein Viertel seiner Höchststände von 2000. Der Neue Markt löste sich gar in heiße Luft auf. Nun erst erkannte Harry F. den wahren Wert seiner Stinnes-Anteile, denn ihr Kursverlauf hatte sich längst vom Gesamtmarkt abgekoppelt. Großen Anteil daran hatte allerdings die Crew um den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn. Als Teil ihrer Strategie, die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn im Hinblick auf ihren künftigen Börsengang (der bis heute noch nicht realisiert wurde) zu erhöhen, hatte sie ein Auge auf Stinnes geworfen. Und Übernahmefantasien helfen regelmäßig dem Aktienkurs, denn im Falle des Kaufs einer Aktiengesellschaft müssen die Altaktionäre von den Erwerbern abgefunden werden. Regelmäßig bedeutet das einen erheblichen Aufschlag auf den Aktienkurs. Anders als mitunter zu beobachten erwiesen sich die Gerüchte in diesem Fall als substantiiert: Im Sommer 2002 unterbreitete die Deutsche Bahn AG mit halbseitigen Zeitungsanzeigen allen Stinnes-Aktionären das Angebot, ihre Anteile für 32,75 € je Aktie an die Bahn zu veräußern. Harry F. frohlockte, denn noch vor Ablauf der ihm von der Bahn eingeräumten Veräußerungsfrist hatte er seine Stinnes-Papiere länger als ein Jahr gehalten. Seine Gewinne, die er alsbald mit großer Genugtuung realisierte, waren somit steuerfrei. Besonders abgebrühte Stinnes-Aktionäre, zu denen Harry F. aber nicht zählte, gingen auf das Angebot der Bahn nicht ein und ließen es auf einen sogenannten Squeeze Out ankommen, wurden also nach einigen weiteren Monaten für eine noch höhere Abfindung gegen ihren Willen von den Papieren getrennt. Ungeachtet dessen hatte Harry F. mit der Transformation seiner angelegten 4306,74 DM in 3930 € ganz nebenbei sogar der zumindest gefühlten Teuro-Inflation ein Schnippchen geschlagen.

Altes Rekordjahr übertroffen 
Nun war die besagte Übernahme von Stinnes durch die Bahn zu jener Zeit bekanntlich kein Einzel- und auch nicht einmal ein besonders spektakulärer Fall: Daimler fusionierte mit Chrysler, die Allianz kaufte die Dresdner Bank, Mannesmann wurde von Vodafone übernommen und so fort. Im bisherigen Rekordjahr 2000 schlossen sich weltweit Firmen im Wert von 3,17 Billionen Dollar zusammen. Dann brach die Fusionswelle in der Folge des Börsencrashs regelrecht in sich zusammen. Seitdem haben die Unternehmen aber ihre Hausaufgaben gemacht: Weil sie sich in den vergangenen Jahren spürbar entschulden und im zurückliegenden Jahr sogar Rekordgewinne erzielen konnten, ist nun mittlerweile auch wieder reichlich Geld vorhanden. So kletterten nach Angaben des Datenanbieters Thomson Financial die versuchten oder bereits vollzogenen Fusionen und Übernahmen im Jahre 2006 weltweit auf den neuen Rekordwert von 3,3 Billionen Dollar. Die meisten Fusionen und Übernahmen hat es demnach es in Europa gegeben (1,2 Billionen Euro), die zweitmeisten in den USA (1,1 Billionen Euro). Im asiatisch-pazifischen Raum ohne Japan hatten Übernahmen und Fusionen ein Volumen von knapp 290 Milliarden Euro. In Deutschland stieg das Übernahmevolumen um 63 Prozent auf 236 Milliarden Euro. Dabei haben deutsche Unternehmen ihre Zukäufe im Ausland sogar verdoppelt. Doch ob der größte Coup, die Übernahme der spanischen Endesa durch den Eon-Konzern am Ende gelingen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Umgekehrt waren aber auch deutsche Unternehmen verstärkt das Ziel von – teils auch erfolgreichen – Übernahmeversuchen aus dem Ausland: Der Verkauf der Handysparte von Siemens an die taiwanesische BenQ AG wurde in Deutschland als regelrechter Schock wahrgenommen. Zum hässlichen Kulturkampf gar entwickelte sich die feindliche Übernahme des französischen Stahlriesen Arcelor durch den indischen Konkurrenten Mittal. Die Globalisierung, so musste das alte Europa lernen, ist nun einmal keine Einbahnstraße. Wie das letztgenannte Beispiel, aber auch die beabsichtigte Endesa-Übernahme durch Eon zeigen, erfolgen Firmenübernahmen nicht immer im gegenseitigen Einvernehmen. Insgesamt hat es im vergangenen Jahr 355 feindliche Übernahmeangebote gegeben, was 94 Prozent mehr als im Jahr 2005 waren. Der bisherige Rekord lag bei 272 feindlichen Übernahmeangeboten im Jahr 1999.

Profiteure und Verlierer
Doch nicht nur für die Aktionäre der Übernahmekandidaten war der jüngste Übernahmeboom einträglich. Am meisten profitierten die Investmentbanken von den Geschäften: Sie kassierten rund 14,2 Milliarden Euro allein an Gebühren, sodass auch die Gehälter der Investmentbanker entsprechend hoch ausfielen. Allein das amerikanische Investmenthaus Goldman Sachs wickelte Übernahmen und Fusionen im Wert von knapp 760 Milliarden Euro ab. Sein Gewinn stieg damit auf den Rekordwert von 9,5 Milliarden Dollar. Damit ist die Investmentbank die Nummer eins auf diesem Gebiet. Das Salär ihres Chefs Lloyd Blankfein soll 2006 bei insgesamt 54 Millionen Dollar gelegen haben. Da aber jeder Deal und jede Due Dilligance auch rechtlich betreut sein musste, hatten auch die auf M&A spezialisierten Anwälte der Topkanzleien ein gutes Auskommen. Doch wo viel Licht ist, da ist bekanntermaßen immer auch viel Schatten. Die Verlierer der Fusionswelle waren die bisherigen Inhaber jener Arbeitsplätze, die durch Rationalisierungen, Restrukturierungen und betriebliche Optimierungen infolge der neuen Konstellationen abgebaut wurden. In der Summe jedoch ging die Arbeitslosigkeit im Vorjahr dank robustem Wirtschaftswachstum und dem Aufschwung flexibler Arbeitsformen wie der Zeitarbeit sogar deutlich zurück.

Gründe für den Boom
Vor allem vier Gründe für den anhaltenden Übernahmeboom werden von Experten ins Feld geführt: Das kräftige Wachstum der Weltwirtschaft, die gute Performance an den Aktienmärkten, die niedrigen Zinsen und die hohe Liquidität der Märkte. Letzteres bedeutet vor allem, dass den Firmenkäufern reichlich Geld zur Verfügung stand. Dies galt aber nicht nur für Unternehmen, die zur Stärkung ihrer eigenen operativen Geschäftstätigkeit zukauften, sondern auch für Finanzinvestoren wie Blackstone, KKR und Permira, deren Kaufkraft von der Investmentbank Morgan Stanley auf 1,6 Billionen Euro geschätzt wird. Solche Private-Equity-Firmen, die auf Beteiligungen spezialisiert sind, übernehmen Firmen meist für einige Jahre, nehmen sie dann von der Börse, um sie dann möglichst mit Gewinn wieder zu veräußern. Hier orten Experten ein Risiko für ein Anhalten der Übernahme-Welle in der Zukunft, denn die von den Rendite-Erwartungen ihrer Investoren getriebenen Private-Equity-Fonds neigten gerade in einem extrem guten gesamtwirtschaftlichen Umfeld dazu, den Bogen zu überspannen. Nach Einschätzung der Investmentbanken sind die Übernahmen aber breiter über alle Branchen gestreut und solider finanziert als im Jahr 2000. Anders als damals seien sie heute fast durchweg strategisch sinnvoll und die Preise “noch vernünftig”. Bezahlten Käufer um die Jahrhundertwende häufig mit eigenen Aktien, finanzieren sie Zukäufe jetzt überwiegend bar oder durch Kredit.
Nicht von der aktuellen Hochkonjunktur der Übernahmen wie auch der jüngsten Börsenhausse profitieren konnte allerdings Harry F. Nachdem er seine juristische Ausbildung abgeschlossen hatte, kehrte er der Börse den Rücken und zählte somit auch nicht zu den glücklichen Schering-Aktionären, denen ihre Papiere mit sattem Aufschlag von Bayer abgekauft wurden. Vielmehr baute er sich mit den Gewinnen aus seinen Transaktionen eine kleine Existenz als freier Anwalt auf. Seine Tätigkeitsfelder: Zivilrecht querbeet, aber kein Wertpapierrecht und keine Mergers & Acquisitions.

Justament Okt. 2005: Sorgen in der Zeit

Ein drängendes Thema: private Altersvorsorge für junge Juristen

Thomas Claer

Einst, in fernen Zeiten, glaubte man noch den treuherzigen Worten eines kleinwüchsigen Arbeitsministers, die Renten seien sicher. Heute müssen die Beitragszahler der staatlichen Rentenversicherung befürchten, eines Tages nicht einmal mehr das zurückzuerhalten, was sie nach langen Jahren in die Kasse eingezahlt haben werden. Schuld ist die Demographie. Kinder kriegen die Leute, anders als der erste deutsche Bundeskanzler glaubte, eben nicht immer. Zur Vermeidung eines in Bälde zu befürchtenden Kollabierens des Rentensystems wird daher von Experten ein Mix aus der Anhebung des Renteneintrittsalters, einer Erhöhung der Beitragssätze sowie vor allem dem weiteren Ausbau der privaten Altersvorsorge favorisiert. Das alles würde natürlich schrittweise und über Jahre hin in zahllosen Stufen geschehen, ohne dass ein Ende abzusehen wäre. Früher oder später, so ist anzunehmen, wird auch die Politik ihren Bürgern die ebenso unpopulären wie unausweichlichen Maßnahmen, auf die es letztlich hinauslaufen wird, nicht mehr verheimlichen können.

Trend zur privaten Absicherung
Bereits seit Jahren erheben sich dementsprechend in den Wirtschafts- und Kulturteilen der Qualitätspresse die Kassandrastimmen, dass alle, die im Alter nicht hoffnungslos verarmen wollten, gut daran täten, jetzt den Gürtel enger zu schnallen und sich bitteschön privat abzusichern. Tatsächlich wird das, was wir heute Alter nennen – den Fortschritten der Medizin sei es gedankt – bald schon ein ansehnlich langer Lebensabschnitt sein: Wer heute 35 ist, hat einschlägigen Projektionen zufolge eine durchschnittliche Lebenserwartung von 91 Jahren. Kein Weg wird daher für die meisten an einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge vorbeiführen. Für junge Juristen folgt daraus zweierlei: Zum einen können sich aus diesem Trend interessante berufliche Tätigkeitsfelder ergeben: Wem es liegt, seine Klientel von den Vorzügen von Lebensversicherungen, Fondsparplänen und dergleichen zu überzeugen, der kann z. B. auf Provisionsbasis bei einem Finanzdienstleister einsteigen. Manche Kollegen sollen schon jetzt davon leben können. Zum anderen macht sich der junge Jurist aber auch Gedanken über die Absicherung der eigenen Zukunft.

Als Anwalt auf der sicheren Seite?
Noch bis vor kurzem galt als bombensicherer Geheimtipp zur sicheren Rente die Zulassung als Rechtsanwalt. Raus aus der staatlichen Rentenversicherung, rein ins Rechtsanwaltsversorgungswerk – und die Zukunft schien in trockenen Tüchern: Die alten Anwälte, hieß es, seien oft bis ins hohe Alter im Geschäft und nähmen das Versorgungswerk daher nicht in Anspruch, genug junge Kollegen strömten nach und zahlten ein. Ergo: volle Kassen und sichere Altersbezüge. Inzwischen hat sich aber Skepsis breitgemacht. Diskutiert wird nämlich eine jährliche Nachweispflicht aller Rechtsanwälte hinsichtlich ihrer beruflichen Weiterbildung. Die dadurch drohende Kostenlawine, die die Vorteile bei der Altersvorsorge rasch konterkarieren würde, lässt bereits viele “Nebenheranwälte” erzittern. Darüber hinaus ist für die Zukunft eine strikte Zulassungsbeschränkung für junge Anwälte im Gespräch. Das aber würde bedeuten: Wenn die quantitativ riesige Gruppe der in den letzten zwanzig Jahren neu zugelassenen Anwälte ins Rentenalter kommt, aus ihr dann nur die wenigsten ihre berufliche Tätigkeit im Alter fortsetzen und die Lebenserwartung weiter steigt, steht diesen Leistungsbeziehern eine zahlenmäßig recht beschränkte Gruppe an Beitragszahlern gegenüber. Die Überschüsse im Anwaltsversorgungswerk wären schnell verbraucht und die sichere Rente nur noch eine Fata Morgana.

Renditen rar gesät
Es hilft also alles nichts. Auch die jungen Juristen müssen, sofern sie sich nicht auf die Hartz IV-Schiene begeben wollen (dort lohnt sich alles Sparen nur noch begrenzt) Geld beiseite legen und attraktive Renditen suchen, auf dass sich das Kapital munter vermehre – so wenig es anfangs auch sein mag. Wohlan denn, beim Finanzberater des Vertrauens warten “Finanzprodukte” für jeden Anlegertyp, die nur eines gemeinsam haben: ihre äußerst magere Rendite knapp über der Inflationsrate. Der jährliche Garantiezins für Lebensversicherungen, der zuletzt Anfang 2004 auf 2,75 % gesenkt worden war, soll wegen niedriger Erträge auf dem Anleihenmarkt ab 2007 noch einmal auf 2,25 oder gar 2,00 % reduziert werden (SZ vom 16.9.05, S.34). Die Sparpläne der Banken sind meist noch jämmerlicher. Und die so genannten Mischfonds aus Sparzinsen, Renten, Immobilienanteilen und/oder Aktien, auf deren Auswahl der Kunde keinen Einfluss hat, kombinieren einen nach Abzug der Fondmanagementgebühren bestenfalls bescheidenen Gewinn mit dem zum Teil beachtlichen Risiko, gar keinen solchen zu erzielen. Wer hingegen ein Fondprodukt erwirbt, bei dem er am Ende garantiert seinen Einsatz zurückerhält, begibt sich bei der Rendite rasch wieder auf Sparbuchniveau. Wirklich geholfen ist mit all dem nur den Vermittlern, die damit ihre Provision verdienen. Doch genau diese Anlageformen sind es, die mit einem heute noch moderaten, bald aber schon ganz ansehnlichen jährlichen staatlichen Zuschuss (“Riester-Rente”) gefördert werden. Das freut die Finanzbranche und dämpft ein wenig den Verdruss der Vorsorgewilligen.

Wer nicht wagt …
Auf deutlich höhere Erträge kann im Zeitalter historisch niedriger Zinsen nur hoffen, wer den Mut aufbringt (und den Kraft- und Zeitaufwand nicht scheut), ein zumindest scheinbar höheres Risiko einzugehen und sich getreu dem Motto Immanuel Kants seines eigenen Verstandes zu bedienen. Die Weltwirtschaft wächst kontinuierlich und mit ihr die international aufgestellten heimischen Unternehmen längst nicht nur der ersten Reihe. Untersuchungen unabhängiger Institute zeigen, dass Aktien in den vergangenen Jahrzehnten, ja Jahrhunderten jährliche Zuwachsraten von durchschnittlich über 10 %  erzielten, was keine andere Anlageform erreicht hat. Zwar muss dies nicht bis in alle Ewigkeit gelten, doch verspricht der Prozess der fortschreitenden Globalisierung genug Wachstum und Unternehmensgewinne, um auch in absehbarer Zeit die Kurse beflügeln zu können. Und ein Crash, der Schrecken jedes Anlegers, wie er alle paar Jahrzehnte einmal eintreten und im Extremfall zu Totalverlusten führen kann (häufig nach Phasen heftiger Übertreibungen), liegt gerade erst einige Jahre hinter uns. Kurzfristig birgt das ständige Auf und Ab für den Anleger also immense Risiken. Über längere Zeit betrachtet, zumal bei einem Anlagehorizont von 20 Jahren oder länger, überwiegen die Chancen die Risiken beträchtlich. Auch lässt sich – wenn es die Not gebietet – ein Einzelwert aus einem Aktien-Depot leichter zu Bargeld machen als sich ein Ausstieg aus komplizierten Sparplänen oder Lebensversicherungen bewerkstelligen ließe, ganz zu schweigen von der Veräußerung einer kreditfinanzierten Immobilie.

Aber Vorsicht!
Unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass ein Aktienportfolio zur soliden Altersvorsorge und nicht zur unseriösen Zockerei wird, ist allerdings eine konsequente Streuung der Risiken durch die stetige Diversifizierung der Bestände. Als Einstieg eignen sich beispielsweise Indexzertifikate, die einem bestimmten Börsenindex nachgebildet sind, jedoch den Nachteil haben, dass dem Anleger die jährlichen Gewinnausschüttungen der gelisteten Unternehmen, d. h. die mitunter recht attraktiven Dividenden, durch die Lappen gehen. Mit den meisten der aktiv gemanagten Aktienfonds, für die regelmäßig hohe Gebühren fällig werden, können die deutlich kostengünstigeren Indexpapiere in der “Performance”, also der Wertentwicklung, allerdings ohne weiteres mithalten.
Schließlich sollte jeder, der seine Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen will, noch bestimmte charakterliche Voraussetzungen mitbringen; zumindest aber sollte er bereit sein, sich diese mit der Zeit anzueignen. Ein notorischer Spielertyp, der zum “Alles oder nichts” tendiert, wird nur selten den langen Atem mitbringen, den es braucht, um an der Börse nachhaltig Gewinne zu erwirtschaften. Es dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, mit welchem Körperteil dort das meiste Geld verdient wird. Was in Amerika oder England, wo die Mehrheit der Bevölkerung an den Kapitalmärkten investiert ist, als selbstverständlich gilt, muss im Shareholder-Entwicklungsland Deutschland erst noch gelernt werden: Mit äußerster Vorsicht und strenger Disziplin bei der Auswahl der Werte und dazu der nötigen Geduld lässt es sich – auch für junge Juristen – auf dem glatten Börsenparkett recht gut aushalten und sogar ganz ordentlich vorsorgen. Darüber hinaus haben Investments an der Börse noch einen interessanten Nebenaspekt: Sie sind der Bildung förderlich, denn der Anleger muss, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können, über alle Belange der Weltwirtschaft und -politik nebst ihren kulturellen Hintergründen stets gut unterrichtet, d. h. im Bilde sein.

Okt. 2002: Die Zukunft ist schon beendet

Ein Nachruf auf den neuen Markt

Thomas Claer

Als die Deutsche Börse am 26. September die Auflösung des Börsensegments „Neuer Markt” zum Jahresende 2003 bekannt gab, wirkte dies wie der letzte Abgesang auf ein nur wenige Jahre währendes Zeitalter. Mit der Hoffnung auf unbegrenzte Börsengewinne und dem blinden Vertrauen in die Segnungen des technischen Fortschritts wurde wieder einmal vergeblich der Traum von einer lichten Zukunft geträumt.

Auch unter Jurastudenten und Rechtsreferendaren gab es sie noch vor ein paar Jahren: die Typen mit dem Handy und dem luxuriösen Lebensstil, die lauthals verkündeten, pro Monat einen halben Tausender (damals waren noch Mark gemeint) an Börsengewinnen einzustreichen. Um diese Leute ist es inzwischen ruhiger geworden. Auf Partys und im Fitnesscenter haben andere Themen die Oberhand gewonnen. Nur zu vorgerückter Stunde beklagen sentimentalere Naturen in bierseliger Stimmung ihre Verluste und schwören sich, nie wieder auch nur einen Cent an der Börse zu investieren.

Dabei hatte der Neue Markt seinen Namen redlich verdient, denn alle bislang geltenden ökonomischen Gesetzmäßigkeiten schienen seit seiner Geburtsstunde am 10. März 1997 außer Kraft gesetzt worden zu sein. Nur drei Jahre später notierte der Index seiner Hauptwerte, der NEMAX 50, bereits bei über 8000 Punkten, dem Vierzehnfachen seines Ausgangswertes. Wer zu den Erstzeichnern von EM.TV gehört hatte, den machte ein Startinvestment von 10 000 DM in einigen Monaten zum Millionär. Und da auch praktisch alle übrigen Werte zunächst nur eine Richtung kannten: steil nach oben, zudem immer mehr ökonomisch gänzlich unbeleckte Menschen mit ihren schier unglaublichen Gewinnen protzten, mussten sich die übrigen bald wie Narren fühlen, die das auf der Strasse liegende Geld nicht einsammelten.

So kam es, dass sich in Deutschland innerhalb weniger Jahre (seit der „Volksaktie” Telekom) nicht nur die Zahl der Aktionäre vervielfachte. Scheinbar verwandelten sich die oft als autoritäts- und obrigkeitsliebend, risiko- und verantwortungsscheu charakterisierten Deutschen über Nacht in ein Volk ausgesprochener Waghälse, das beachtliche Teile des verfügbaren Kapitals in den Neuen Markt pumpte. Kennern der Finanzmärkte muss das Szenario von Beginn an suspekt gewesen sein, denn im besagten Börsensegment waren und sind ganz überwiegend kleinere Unternehmen gelistet, welche die Schwelle zum Gewinn im besten Falle erst heute erreicht haben, in anderen Fällen wohl nie erreichen werden. Doch der Mythos vom schnellen Geld, der kurzzeitig zur Realität wurde, der Zauber von Biotechnologie, Internet und Co. infizierte auch die, die es eigentlich besser wissen mussten.

Der von einer zunächst nur „technischen” Abwertung eingeleitete, später durch eine fast weltweite Rezession und die Ereignisse des 11. September 2001 sich beschleunigende sowie schließlich in einer Kette von Verfehlungen der Akteure (verfehlte Prognosen, Bilanzfälschungen, Pleiten) kulminierende Absturz war eigentlich nur eine Art Wiederherstellung der ökonomischen Vernunft. Der Börsenwert aller am Neuen Markt gelisteten Unternehmen betrug in der Spitze 231 Milliarden Euro, heute – da der NEMAX bei nur noch gut 300 Punkten steht – weniger als 30 Milliarden, was dem von den einzelnen Analysten sehr unterschiedlich angesetzten „fairen Wert” entschieden näher kommen dürfte.

Zwangsläufig hat das Auf und Ab (und vor allem letzteres) einen beachtlichen Teil der Privatanleger wohl dauerhaft verprellt. Eine „deutsche Börsenkultur”, die Optimisten bereits voreilig ausgemacht hatten, scheint nun in weite Ferne gerückt zu sein. Dabei wird den Deutschen, wie auch fast allen anderen Europäern, langfristig keine andere Wahl bleiben, als privat – und dadurch direkt oder indirekt auch über die Finanzmärkte – vorzusorgen. Schon aus demographischen Gründen werden sich die staatlichen Rentensysteme als mittelfristig unfinanzierbar erweisen. Schon wird das Schreckensbild des zukünftigen Europas als einer großen Ex-DDR beschworen, die mit drastischen Steuern und Sozialabgaben ihrer gealterten Bevölkerung die Mindestrenten erhält während die Jungen, Begabten und Qualifizierten dem Kontinent den Rücken kehren.

Angesichts der gewaltigen Herausforderungen an eine zukünftige Börsenkultur sollte die maßgebliche Lehre aus dem Ende des Neuen Marktes – neben der Konsequenz der Eigenverantwortlichkeit jedes Einzelnen – die Forderung nach mehr Transparenz sein, zu welcher die geplante Neueinteilung der verbliebenen 264 Firmen am Neuen Markt in einen insofern strengeren „Prime Standard” und in einen spekulativeren „Domestic Standard” nur ein erster Schritt sein kann.

Vermutlich wird der Neue Markt mit seinen kuriosen Versprechungen als gerade so ein Luftschloss in die Finanzgeschichte eingehen, wie es der kommunistische „neue Mensch” in der Sozialgeschichte darstellt. Er war ein kurzzeitiger Trendbegriff wie die „Neue Mitte”, aber man wird ihn seiner Schrecken wegen wohl mindestens so lange in Erinnerung behalten wie die inzwischen nostalgisch überhöhte „Neue Deutsche Welle”.

Der Beitrag wurde für Justament 5/ 2002 geschrieben und nicht veröffentlicht.