Tag Archives: Thomas Claer

Oktober 2019: In eigener Sache

“Auf eigene Faust. Aktiensparen für Kleinanleger” von Thomas Claer demnächst nicht mehr als Buch erhältlich – aber dafür bald auf dieser Seite!

Am 30. November 2019 wird das Buch “Auf eigene Faust. Aktiensparen für Kleinanleger” (BoD 2012) vom Markt genommen und ist dann nicht mehr in gedruckter Form und als E-Book erhältlich. Wer sich also zum Preis von 10,00 Euro noch ein Print-Exemplar sichern möchte, zum Beispiel hier, hat dazu letztmalig bis Ende November die Gelegenheit. Wer aber nur am Inhalt interessiert ist, sollte sich noch etwas gedulden und dann gelegentlich diese Seite besuchen, denn ab Anfang 2020 wird das Buch mit aktuellen Kommentierungen versehen nach und nach auf thomas-claer.de erscheinen. Eine spätere Neuauflage als gedrucktes Buch ist nicht unbedingt beabsichtigt, aber auch nicht völlig ausgeschlossen.

Das im Sommer 2011 entstandene Buch konnte sich ohne besondere Werbeaktionen (außer einer kleinen Anzeigenserie in der Zeitschrift Justament, siehe Abbildung) bis heute immerhin 652-mal verkaufen, was bei Kleinauflagen dieser Art beinahe schon als “kleiner Bestseller” gilt. Allen, die es erworben haben, sei hiermit herzlich gedankt! Möglicherweise kann es künftig ohne “Bezahlschranke” ja sogar noch mehr Interessenten erreichen.

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JURA-Juristische Ausbildung, Dezember 2014: Wenn aus Lust Frust wird

Der Sammelband „Wem gehört der Mond? Texte rund um die Juristenausbildung aus 14 Jahren Justament“

Katharina Mohr

MondAlle Volljuristen teilen eine Gemeinsamkeit: Sie haben zwei Staatsexamina bestanden. Wie sich Studium und Referendariat gestaltet haben und auf welche Weise sie schließlich durch die Prüfungen gekommen sind, ist hingegen bei jedem individuell verschieden. Oder – halt! – könnte es sein, dass es auch hierbei für viele eine fast unheimlich anmutende Ähnlichkeit in den Erlebnissen und Erkenntnissen gegeben hat?

Wer das vor kurzem erschiene hellblaue Büchlein „Wem gehört der Mond? Texte rund um die Juristenausbildung aus 14 Jahren Justament“ zur Hand nimmt, den beschleicht das Gefühl, dass es noch eine weitere Gemeinsamkeit gibt: Alle Mitautoren des Buches haben auf dem Weg in die Befähigung zum Richteramt einige skurrile, häufig ernüchternde und manchmal sogar erschreckende Erfahrungen gemacht. Zwar lässt sich die Juristenwerdung in Deutschland nicht mit den Initiationsriten der Grandes Ecoles – den besten Hochschulen in Frankreich – vergleichen, die unter dem Begriff „Bizutage“ bekannt wurden und nichts anderes sind als brutale Misshandlungen und Demütigungen junger Studenten durch ihre älteren Mitstudenten. Doch eine gewisse Form der Demütigung und Unterdrückung durch Professoren, Prüfer im Examen, Ausbilder im Referendariat und durch Kommilitonen und Mitreferendare scheint der juristischen Ausbildung nicht fremd zu sein.

Die wahren Geschichten in den Kapiteln „Best of Jurastudium“ und „Tagebücher anonymer Rechtsreferendare“ zeugen von Diensten wie Einkäufe erledigen und Kaffeekochen, die Referendare in Anwaltskanzleien oder bei der Staatsanwaltschaft verrichten müssen, von ausgerissenen Seiten in den Kommentaren der Uni-Bibliothek, um es dem Mitstudenten schier unmöglich zu machen, die entscheidende Frage in seiner Hausarbeit zu lösen, von der gegenseitigen Panikmache in den Repetitorien und von cholerischen Prüfern, die den Prüfling nicht ausreden lassen, sondern ihn beim ersten falschen Wort laut anschnauzen.

Was in den einzelnen Texten des Bändchens auf wunderbar erleuchtende und zugleich äußerst humorvolle Weise beschrieben wird, ist die Erklärung für die „déformation professionelle“, die allen Juristen unterstellt wird und die sich bei einigen Exemplaren schön beobachten lässt. Die Neigung, die berufsbedingte Perspektive unbewusst auch auf andere Lebenssituationen anzuwenden, kann sich zum Beispiel dergestalt zeigen, dass – man verzeihe das derbe Beispiel, das sich aber im entfernten Bekanntenkreis so zugetragen hat – der Ehemann (ein Jurist) seine Ehefrau, die er als Fremdgeherin im Verdacht hat, mit den Worten zur Rede stellt: „Hast Du den Geschlechtsverkehr vollzogen?“.

Aber, mal ehrlich, wer wundert sich über diese Deformierung der Persönlichkeit, wenn schon dem jungen Jurastudenten nahegelegt wird, bloß niemandem von seinen schlechten Ergebnissen in Klausuren oder Hausarbeiten zu berichten, um nicht aus der Lerngruppe ausgeschlossen zu werden, und wenn man ihm gleich vermittelt, dass er keine Ahnung von gar nichts hat und nicht damit rechnen kann, auf dem hart umkämpften Anwaltsmarkt auch nur eine halbe Stufe der Karriereleiter zu erklimmen. Stattdessen soll er sich gefälligst an den Kopierer stellen und dankbar sein, dass er bedeutsame Schriftsätze aus der Feder bedeutsamer Juristen vervielfältigen darf. Ansonsten hat er den Mund zu halten, es sei denn, der Professor drangsaliert ihn in der Vorlesung vor dem versammelten Semester mit Fragen wie „Wem gehört der Mond?“. Wenn er darauf aber die juristisch korrekte Antwort nicht weiß, dann gnade ihm der liebe Gott, damit er nicht am gebügelten Hemdkragen mitsamt seinem noch knickfreien Schönfelder, den seine Eltern stolz in der heimischen juristischen Fachbuchhandlung erworben und ihm bei ihrem ersten Besuch im Studentenwohnheim überreicht haben, aus dem Hörsaal geworfen wird.

Was für Persönlichkeiten sollen bei dieser Art der „Behandlung“ am Ende herauskommen? Es ist kein Wunder, dass in der juristischen Ausbildung – wie in den Texten beschrieben – aus Jura-Lust schnell Jura-Frust wird und der Glaube an das Schlechte im Juristen sich tief verfestigt, was zu entsprechenden Schlussfolgerungen und Konsequenzen für das eigene Verhalten führt.

Denjenigen Juristen, die vor 1970 geboren sind und die Kinder der Generation Golf und erst Recht diejenigen der Generation Y allesamt für verweichlichte Mimosen halten, da sie keinerlei Belastung mehr ertragen könnten und deshalb naturgemäß auch nicht für den juristischen Beruf geeignet seien, empfehle ich das letzte Kapitel des Buches mit dem Titel „Drum herum“. Es hält einige schöne Texte bereit, die zeigen, dass auch junge Juristen in der Lage sind, intelligente und feine Überlegungen zur juristischen Sprache und zur Rechtsgeschichte anzustellen.

Die vielfältigen Geschichten von der Lust und vom Frust bei der Juristerei sind in der Textsammlung „Wem gehört der Mond?“ zusammengestellt, die das Beste aus 14 Jahren Justament in sich vereint. Ende der 90er Jahre haben zwei Referendarinnen die Zeitschrift Justament aus der Taufe gehoben, seit 2000 erscheint sie im Berliner Lexxion Verlag. Die Justament hat in den letzten 14 Jahren jungen Juristen Anregungen für ihre eigene Ausbildung gegeben und die vielen verschiedenen Möglichkeiten der Gestaltung von Studium und Referendariat aufgezeigt. Sie hat immer wieder den Blick in die Praxis gerichtet und gestandene Richter, Rechtsanwälte, Staatsanwälte und Verwaltungsjuristen zu Wort kommen lassen, um Berufsbilder zu beschreiben und junge Juristen dadurch bei der eigene Berufswahl zu unterstützen. Bei alledem ist in der Justament der Humor nie zu kurz gekommen – auch um der oben beschriebenen „déformation professionelle“ entgegenzuwirken. Die Redaktion und das Online-Portal der Justament werden seit vielen Jahren von Dr. iur. Thomas Claer geleitet, der den Textband herausgegeben hat.

Allen angehenden Juristen, den schon examinierten jungen Juristen und den gestandenen älteren Juristen sei zum Abschluss der ultimative Selbsttest ans Herz gelegt: die Lektüre von „Alex prüft die Liebe im Examen“. Wer sich beim ersten Satz fragt: „Was soll daran lustig sein? Es ist doch selbstverständlich, dass ich mich nicht durch die Liebe von der Examensvorbereitung ablenken lasse!“, dem ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine glänzende Karriere als Anwalt in einer anglo-amerikanischen Großkanzlei beschieden. Allerdings muss er oder sie eventuell damit leben, dass sich der Lebenspartner eines Tages dem Klavierlehrer oder der Nachbarin zuwendet. Wer hingegen bei diesem Satz schallend lachen muss, kann zumindest von sich behaupten, das Herz am rechten Fleck zu haben. Ob er oder sie allerdings jemals aus der „Feld-Wald-und-Wiesen-Ecke“ herauskommen und halbwegs gewinnbringende Mandate akquirieren wird, ist eine andere Frage. Auf die Generation des perfekten Volljuristen, der beides kann – korrekt subsummieren und herzlich über sich lachen – warten wir noch!

Thomas Claer (Hrsg.)
Wem gehört der Mond? Texte rund um die Juristenausbildung aus 14 Jahren justament
BoD 2014
186 Seiten, 12,00 €
ISBN: 9-783735-737366

Die Rezensentin Dr. Katharina Mohr ist Rechtsanwältin in Berlin.

www.justament.de, 20.10.2014: JUSTAMENT als Buch

NEU: “Wem gehört der Mond?” Höhepunkte aus 14 Jahren justament

img_1569So eine Juristenausbildung ist kein Lebensabschnitt wie jeder andere. Wer sie durchlaufen hat, der hat schon einiges erlebt. Die Zeitschrift justament hat sich neben ihrer fachlichen Seite auch immer wieder der „Juristenausbildung als innerem Erlebnis“ gewidmet. Die gelungensten Beiträge hierzu aus 14 Jahren sind nun erstmals als Buch zusammengestellt, darunter die komplette Serie „Best of Jurastudium“ und alle Tagebücher mit den geheimen Aufzeichnungen der anonymen Rechtsreferendarinnen.

Inhalt:

Best of Jurastudium (2007-2009)
Thomas Claer – Wem gehört der Mond?
Pinar Karacinar – Was wäre, wenn…
Inessa Molitor – Nur in die Fresse
Jochen Barte – Deutschland sucht den Superjuristen
Thomas Claer – UFOs über Bielefeld
Inessa Molitor – Hauptsache voll

Tagebücher
Alexa (2003-2005)
Pinar (2007-2009)
Nina (2010-2011)
Alex (2012-2014)

Drum herum (2007-2013)
Thomas Claer – Kollegen Diktatoren. Wohin eine juristische Ausbildung auch führen kann
Jean-Claude Alexandre Ho – Der dicke Rote.  Die Geschichte hinter dem „Schönfelder”
Marc Nüßen – Zur Verfassungswidrigkeit des Richter-NC
Constantin Körner – Juristische Repetitorien.  Ein polarisierendes Stück Rechtsgeschichte
Katharina Stosno – Die eiskalte Akademie (bisher unveröffentlicht)
Patrick Mensel – Bachelor ante Portas Iustitiae
Arnd Wiebusch – Ein x-beliebiger Tag! Erlebnisbericht vom Praktikum in Brüssel
Jochen Barte – Juristische Auslegung als Geheimwissenschaft. Eine kleine Geschichte der Hermeneutik
Katharina Stosno – Drei Jahre dolce vita und dann die Ärmel hoch. Interview mit Juli Zeh
Marc Nüßen – Das fähige genehmigungs-bedürftige Vorhaben. Eine Sprachkritik unter Juristen
Oliver Niekiel – Anwalt der Herzen. Über die Kult-Serie „Liebling Kreuzberg“ (bisher unveröffentlicht)

Thomas Claer (Hrsg.)
Wem gehört der Mond? Texte rund um die Juristenausbildung aus 14 Jahren justament
Verlag BoD Norderstedt 2014
184 Seiten, 12,00 Euro
ISBN: 9783735737366

Kaufen kann man das Buch hier oder beim Buchhändler seines Vertrauens.

www.bargain-magazine.com, 1.6.2014: “Meistens irrt man sich, wenn man später denkt, man hätte sich geirrt”

Interview mit Buchautor Thomas Claer im Bargain Magazine

„Meistens irrt man sich, wenn man später denkt, man hätte sich geirrt“

am Juni 1, 2014 von Daniel

Bargain-Interview mit Börsen-Buchautor Thomas Claer

Dr. Thomas Claer ist Jurist und Publizist in Berlin, Chefredakteur der Zeitschrift Justament (www.justament.de), Autor des Buches „Auf eigene Faust: Aktiensparen für Kleinanleger“ sowie selbst leidenschaftlicher Anleger. Dem bargain-Magazine steht er nun für ein Interview über sein Buch und seinen langjährigen Erfahrungsschatz zur Verfügung, wofür wir ihm sehr dankbar sind.

b.m.

Thomas, Du beginnst Dein Werk mit der einleitenden Bemerkung, Aktien seien in den Augen von vielen Deutschen „Teufelszeug“ und weist zurecht auf viele Problemfälle wie den „Neuen Markt“ hin, die dazu führen, dass Neulinge sich regelmäßig die Finger verbrennen und anschließend der Börse gezeichnet fernbleiben. Wie beurteilst Du momentan die Lage? Hält sich der Deutsche nach wie vor von dem teuflischen Anlagevehikel fern oder entdeckt er angesichts eines von Höchststand zu Höchststand eilenden Leitindex langsam die Aktie wieder?

T.C.

Es gibt leider unverändert, und längst nicht nur bei uns in Deutschland, eine große Zahl an Kleinanlegern, die mit ihren Geldanlagen auf die Nase fallen. Diese Leute gehen häufig ohne grundlegende Kenntnisse der Kapitalmärkte in wenig lukrative oder zweifelhafte Anlagen, oft genug noch ermuntert von ihren provisionsgetriebenen Bankberatern.

Auf der anderen Seite steht die – glücklicherweise immer weiter wachsende – qualifizierte Minderheit der „aufgeklärten Kleinanleger“, die sich selbst um ihre Geldanlagen kümmert. Und die profitiert natürlich derzeit ganz stark von den Höchstständen in den Aktienindizes.

b.m.

Wie ließe sich dieser Mechanismus verändern – sprich: was kann man als Anleger machen, um sich nicht die Finger zu verbrennen?

T.C.

Wer zu dieser qualifizierten Minderheit der eigenverantwortlichen Selbstanleger gehören will, sollte sich zunächst aus unabhängigen Quellen über die grundlegenden Zusammenhänge informieren und sich dann schrittweise eine „Technik“ des überlegten Anlegens aneignen. Dazu gehört unbedingt eine wirksame Methode der Risikobegrenzung, womit ich aber gerade nicht das Setzen von Stopp Loss-Marken meine, sondern vielmehr eine breite Streuung durch Diversifizierung. Außerdem hat in meinen Augen das Liquiditätsmanagement eine überragende Bedeutung, d.h. wie gut sich ein Wertpapierdepot entwickelt, hängt entscheidend davon ab, nie voll investiert zu sein, sondern immer auch eine angemessene Cash-Reserve zurückzubehalten.

b.m.

Wieviel Zeit (auf Tages-, Wochen- oder Monatsbasis) ist Deiner Meinung nach mindestens erforderlich um sich sinnvollerweise selbst um seine Anlagen zu kümmern? Wie viel Zeit verwendest Du selbst dafür?

T.C.

Wenn man ganz neu anfängt, dann kostet es sicherlich eine Menge Zeit und Kraft, sich nach und nach ein ausgewogenes und vernünftiges Wertpapierdepot zusammenzustellen. Aber um es mal ganz krass zu sagen: Wer sich einmal mit Bedacht ein solches Depot aufgebaut hat, der braucht danach eigentlich nur noch alle paar Monate kurz nach dem Rechten zu sehen und sich gelegentlich über den Newsflow aus den Unternehmen auf dem Laufenden zu halten. Und einmal im Jahr, am besten im September, weil da oft ein temporäres Tief an den Märkten ausgebildet wird, kann man dann die Dividendeneinnahmen des laufenden Jahres sowie etwaige zusätzliche Mittel, die man dem Depot zugeführt hat, für Nachkäufe verwenden. Also sagen wir durchschnittlich einmal im Monat zehn Minuten zum Nachsehen im Depot, ein paar Stunden Recherche im September, welche Positionen aufgestockt werden sollten. Das würde theoretisch reichen, sofern man sich für solide Werte mit nachhaltigem Geschäftsmodell entschieden hat. Sollte es aber zwischenzeitlich an der Börse zu so heftigen Turbulenzen kommen, dass in den Fernsehnachrichten ausführlich darüber berichtet wird oder die Schlagzeilen auf den ersten Seiten der Zeitungen das Thema aufgreifen, dann könnte es sich lohnen, aktiv zu werden – natürlich auf der Kaufseite. Also in solchen Phasen noch ein paar Stunden Recherche für günstige Nachkäufe – das war’s. Umgekehrt darf man natürlich in Phasen irrationalen Überschwangs, wo sich die Märkte in absurden Höhen bewegen, auch mal an teilweise Gewinnmitnahmen denken. (Solche krassen Überbewertungen hatten wir aber zuletzt im Jahr 2000, heute kann davon – zumindest mit Blick auf den Gesamtmarkt – noch absolut keine Rede sein, wie übrigens auch nicht 2008 und 2011.) Dagegen macht alles Hin und Her, was über das Beschriebene hinausgeht, langfristig meistens doch nur die Taschen leer. Klar, man kann sich auch mal irren mit einem Investment, aber wenn man bei seinen Entscheidungen gründlich und überlegt vorgeht, dann kommt das nur selten vor. Meistens irrt man sich nämlich dann, wenn man später denkt, dass man sich beim Kauf geirrt habe. Aber wenn eine gute Aktie billiger wird, dann sollte man sie nicht verkaufen, sondern abwarten oder sogar nachkaufen.

Ich selbst mache es aber beim Zeitaufwand etwas anders. Ich verwende jeden Tag mindestens 15 Minuten, meistens etwas länger, um die Neuigkeiten der Unternehmen, in denen ich investiert bin, zu verfolgen und manchmal auch um die Meinungen bekannter Börsengurus über den Gesamtmarkt und über bestimmte Hintergründe zu lesen, zu hören oder anzusehen, die es ja alle frei im Internet gibt. Das mache ich aber in erster Linie, weil es mir Spaß macht, und nicht, weil es unbedingt nötig wäre.

b.m.

Du legst in Deinem Buch auch Kritikpunkte an aktiv gemanagten Fonds dar. Was hältst Du von Indexfonds und ETF`s, also von einer Anlagephilosophie a la John Bogle?

T.C.

Wer das will, kann das durchaus machen. Nur mit Indexfonds und ETF ist man zwar wegen der Gebühren immer ein wenig schlechter als der Gesamtmarkt, aber doch besser als 80 Prozent der aktiv gemanagten Fonds. Wer sich allerdings ein wenig mehr Arbeit macht und auf Einzeltitel setzt, hat gute Chancen, besser als der Markt abzuschneiden, schon weil man als Kleinanleger – anders als die Profis – völlig frei in seinen Entscheidungen ist und keinen Zwängen unterliegt.

b.m.

Freilich gehören Kostolanys 4 G`s (Geld, Gedanken, Geduld und Glück), die in Deinem Buch als Kapitelüberschriften dienen, untrennbar zusammen. Wenn Du einem Leser aber ein Kapitel aus Deinem Buch besonders ans Herz legen möchtest, welches wäre es dann? Und warum?

T.C.

Ich würde zwei Kapitel besonders hervorheben wollen, nämlich „Geld“ und „Geduld“. Die werden am meisten unterschätzt. Dass zum Börsenerfolg auch viel Glück gehört, wird niemanden überraschen. Dass man sich gleichwohl eine Menge Gedanken machen sollte, leuchtet auch jedem ein. (Manche Marktteilnehmer laufen sogar Gefahr, sich zu viele Gedanken über ihre Investments zu machen.) Mindestens die Hälfte des Börsenerfolgs hat aber mit Geld und Geduld zu tun.

Mit Geld meine ich ausdrücklich nicht, dass man an der Börse von vornherein über eine große Menge Geld verfügen sollte, die dann auf einen Schlag angelegt wird. Viel effektiver ist ein kontinuierliches Ansparen notfalls auch kleinerer Beträge und deren nur teilweise Investition. Vor allem ist wichtig, nie sein ganzes Pulver zu früh zu verschießen! Das nächste Schnäppchen kommt bestimmt.

Und schließlich kann man die wichtige Rolle der Geduld, des langen Atems gar nicht genug betonen. Wer stets zu schnell und voreilig entscheidet, dem nutzen auch die besten Gedanken nicht viel, der wird am Ende auch noch sein Glück verlieren.

b.m.

Stichwort Liquiditätsmanagement: mit welcher Cashquote bezogen auf das Gesamtportfolio fühlst Du Dich wohl?

T.C.

Es kommt immer auf die Marktsituation und die persönliche Situation an. Unmittelbar nach den Crashs 2000-2002, 2008/09 und 2011 waren die Märkte so billig, dass es ausnahmsweise angebracht war, zu annähernd 100 Prozent investiert zu sein. Inzwischen haben wir nach dem steilen Anstieg der letzten Jahre schon wieder so hohe Bewertungen, dass ein Viertel oder sogar ein Drittel Cash womöglich keine schlechte Idee wäre.

Ein junger Mensch, der ja noch viel Lebenszeit vor sich hat, sollte immer auf genug Cash in der Hinterhand achten, denn manche Chancen – so wie die genannten Crashs – kommen nur wenige Male im Leben. Wer da knapp bei Kasse ist, weil er schon voll investiert ist, hat wirklich etwas verpasst. Wer im mittleren Alter ist und idealerweise schon einiges Vermögen akkumuliert hat, kann es sich eher erlauben, die Liquidität niedrig und die Investitionsquote hoch zu halten, denn ihm bleiben ja immerhin die regelmäßigen stattlichen Dividendeneinnahmen, während sich die Kursschwankungen noch mühelos aussitzen lassen. Im noch weiter fortgeschrittenen Alter schließlich, wo man nicht mehr weiß, ob sich die Börsenschwankungen überhaupt noch aussitzen lassen und die Aufregung über Kursverluste auch zum gesundheitlichen Risiko werden kann, ist dann wieder eine höhere Liquiditätsquote angemessen.

Eine starre Regel für die Cashquote kann es also nicht geben. Es ist immer auch eine Frage der Situation und des Fingerspitzengefühls. Ich selbst habe im Moment nur zehn Prozent Liquidität im Depot, aber das hat vor allem persönliche Gründe.

b.m.

Stichwort Aktiensuche: Welche Methoden gefallen Dir besonders gut, um potenzielle Investmentkandidaten aus der schier endlosen Menge an börsennotierten Gesellschaften herauszufiltern?

T.C.

Man hört oder liest irgendwo von einem Unternehmen, z.B. in einem Börsenblog oder sogar im Wirtschaftsteil der Tageszeitung, dessen Geschäftsmodell man plausibel und vielversprechend findet. Dann sieht man sich im Internet die Kennzahlen näher an, um herauszufinden, ob es noch günstig bewertet ist. Aus der Entwicklung der Unternehmensgewinne der letzten zehn Jahre sieht man auch gleich, wohin der Trend geht. Besonders wichtig ist aber der Gesamteindruck hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Seriosität der Firma. Wenn da irgendwann früher schon mal unschöne oder intransparente Sachen gelaufen sind, lässt man besser die Finger davon. Ebenso bedenklich ist es, wenn ständig Gewinnwarnungen kommen, also das Management regelmäßig die selbstgesetzten Ziele verfehlt. Oft sehr wertvoll sind Börsenforen im Internet wie Wallstreet Online. Wenn da zu einem Wert schon zig Diskussionen parallel ablaufen, sollte man dort lieber nicht mehr einsteigen. Wenn es aber nur etwa fünf bis zehn qualifizierte Kommentare pro Monat gibt, könnte das auf eine gute Aktie hindeuten, die noch nicht von der breiten Masse entdeckt worden ist.

So habe ich bis vor etwa acht Jahren meine Investmentkandidaten ausgesucht. Seitdem beschränke ich mich im wesentlichen auf die Beobachtung der Unternehmen, die ich schon kenne und in denen ich früher mal investiert war oder es noch bin.

b.m.

Ideen „klauen“ ist ja grundsätzlich nicht verboten… welche in der Finanzwelt bekannten Investoren beeinflussen Dich besonders stark? Die Antwort „Warren Buffett“ zählt übrigens nicht… J

T.C.

Ich höre mir gerne an, was Heiko Thieme immer so erzählt. Ähnlich wie der alte Kostolany hat er ja auch etwas von einem Komiker und ist immer sehr unterhaltsam. Auch was Jens Ehrhard und Max Otte in ihren Kolumnen schreiben, ist immer sehr lesenswert. Ein ganz großer Börsendenker ist für mich Robert Rethfeld von http://www.wellenreiter.de. Der hat ein paar Jahre lang mit seiner Zyklentheorie und seinem Korrelationsansatz den Börsenverlauf ganz großartig vorausgesagt. Aber im vorigen Jahr lag er dann katastrophal daneben, so wie alle anderen, sofern sie Prognosen abgeben, sich ja auch recht häufig irren. Vorigen Sommer hat mich ein Freund, als der DAX bei über 8.000 Punkten stand, gefragt, ob man noch einsteigen könnte. Ich riet ihm, eine Korrektur auf 7.200 Punkte abzuwarten. Die ist aber nie gekommen. Jetzt stehen wir fast bei 10.000. Bei kurz- und mittelfristigen Vorhersagen ist der Glücksfaktor eben immer ziemlich hoch. Langfristig wird sich die Börse aber – unter heftigen Schwankungen – wahrscheinlich immer etwas besser als das Wirtschaftswachstum entwickeln. Du weißt ja, dass Kostolany das Verhältnis von Börse und Konjunktur mit dem zwischen einem Hund und seinem Herrchen beim Spaziergang verglichen hat. Mal läuft der Hund weit voraus, mal deutlich hinterher, aber er kommt irgendwann immer wieder zum Herrchen zurück. Und wenn man auf Unternehmen setzt, die auf lange Sicht kontinuierlich ihre Gewinne steigern können und deren Geschäftsmodell das auch für die Zukunft erwarten lässt, dann wird man dafür langfristig sehr wahrscheinlich auch durch steigende Aktienkurse und Dividendenausschüttungen belohnt.

b.m.

Du beziehst Dich im Hinblick auf die Problemstellung der Diversifizierung in Deinem Buch auf eine Untersuchung, wonach die Streuung bis zu ca. 15 Einzeltitel eine Verbesserung des Risikoprofiles bringen kann. Wieviele Titel hältst Du momentan?

T.C.

Ich kann mich genau daran erinnern, dass ich vor ein paar Jahren mal in einem Börsenblog von einer solchen Untersuchung gelesen habe, kann die Quelle aber jetzt leider nicht mehr finden. Man kann es sich aber auch denken: Je breiter man streut, desto weniger fällt ein Totalausfall, den man ja an der Börse nie ganz ausschließen kann, ins Gewicht. Aber wenn man so viele Einzelwerte hat, dass man kaum noch mit ihrer Beobachtung hinterher kommt, oder viel schlimmer: dass darunter die Sorgfalt bei ihrer Auswahl leidet, dann bringt die Streuung natürlich nichts.

Ich halte derzeit 11 Titel. Gottfried Heller, der mir auch immer sehr gefallen hat, sagt gerne: Ein gutes Depot muss aufgestellt sein wie eine Fußballmannschaft. Mit starker Defensive, die für Stabilität sorgt, einem breiten Mittelfeld und zwei bis drei Sturmspitzen. Die letzteren können viele Tore schießen, aber auch mal ein Totalausfall sein. 😉 Bei größeren Depotsummen halte ich etwa 20 Werte für perfekt, das wäre dann eine Fußballmannschaft mit allen Reservespielern.

b.m.

Als Jurist befragt: welche Implikationen hat Deiner Meinung nach die jüngste Kehrtwende des BGH in seiner Entscheidung am 8.10.2013 betreffend Delisting und Downlisting (Geschäftszahl II ZB 26/12)?

T.C.

Darauf bin ich auch erst durch Deinen Artikel aufmerksam geworden. Im Wertpapierrecht kenne ich mich aber zu wenig aus, um das fachjuristisch kommentieren zu können. Verfassungsrechtlich kann man das sicherlich als Eingriff in das Grundrecht auf Eigentum bedenklich finden. Andererseits sollte einem als Anleger schon klar sein, dass unseriöse Unternehmen immer einen Weg finden werden, wie sie ihre gutgläubigen Investoren über den Tisch ziehen können, ohne dass einen der Rechtsstaat vollständig davor schützen könnte. Deswegen sollte man besser nur in Firmen investieren, denen man vertraut, weil sie sich in der Vergangenheit auch immer als vertrauenswürdig erwiesen haben. Ein Restrisiko bleibt sicherlich immer, aber damit lässt sich leben.

b.m.

Schonungslose Ehrlichkeit erbeten: Wie oft gibst Du dem Impuls nach, auf Dein Portfolio zu schauen und seine Wertänderung zu verfolgen?

T.C.

Normalerweise einmal am Tag, immer abends. In Marktphasen, in denen die Kurse rasant steigen, gucke ich aber auch gerne mehrmals am Tag ins Depot und gönne mir die Freude. Es spricht ja nichts dagegen, sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Und was gibt es Angenehmeres als angenehme Gedanken? Im Gegensatz zu anderen angenehmen Dingen im Leben kosten die ja nichts!

In Marktphasen, in denen es rasant abwärts geht, sehe ich mir das Depot dafür manchmal tage- oder wochenlang nicht an. Warum sollte man sich auch über die schlechten Kurse ärgern? Wenn schon, dann sondiere ich in solchen Phasen intensiv die Märkte und suche nach Schnäppchen. Wenn man dafür aber keine Liqidität mehr hat, dann muss man die Schwächephase eben aussitzen.

b.m.

Wann hat für Dich das Interesse an Aktien begonnen? Was war die erste Aktie, die Du gekauft hast?

T.C.

Es ist immer ein großer Vorteil an der Börse, wenn man ein sparsamer Mensch ist, denn nur dann kann immer frisches Geld ins Depot fließen, auch wenn die Beträge noch so klein sind. Auf einer Klassenfahrt in der Schule habe ich mal als einziger mehr Geld wieder mit nach Hause gebracht, als ich mitgenommen hatte, weil ich nicht nur nichts ausgegeben, sondern zwischenzeitlich noch zwei unterwegs gefundene Pfandflaschen abgegeben hatte. Später im Zivildienst und im Studium habe ich immer einen Teil meiner Einkünfte zur Seite gelegt. Damals bekam man für Festgelder noch vier Prozent. Allerdings hab ich mich damals nie für Wirtschaft oder Börse interessiert. Dann kam der Börsenboom der späten 90er. Immer wieder hörte man von Kommilitonen, die mit kleinem Einsatz riesige Summen an der Börse verdient hatten. Und das waren oft gar nicht so die Hellsten… Ich ärgerte mich über mich selbst, dass ich so wenig Ahnung hatte und mit meinen vergleichsweise mickrigen Festgeldern Vorlieb nehmen musste. So begann ich, die Börse einige Monate lang zu beobachten. Auf einer Party prahlte ein Kommilitone, er habe gerade seine Telekom-Aktien für das Fünffache seines Einstandswertes verkauft. Da meinte eine Bekannte: „Mann, bist du blöd. Die hätte ich dir zu dem Preis aber sofort abgekauft.“ (Die Telekom-Aktie stand damals bei etwa 90 Euro.) Diese Bekannte riet mir auch, Deutsche Bank-Aktien zu kaufen. Die standen damals bei etwa 65 Euro. Mit denen könne man nun absolut nichts verkehrt machen. Und darüber hinaus sei die Commerzbank besonders zu empfehlen… Ich ließ mich bei meiner Bank beraten und investierte im April 2000 knapp ein Drittel meines damaligen Vermögens in verschiedene Aktien, darunter auch in solche der Deutschen Bank und des Neuen Marktes. Ein paar Monate später hatten sich die Kurse halbiert – und das sollte erst der Anfang sein.

Aus heutiger Sicht war das für mich eine sehr heilsame Erfahrung. Ein Soziologie-Professor in Speyer, wo ich Ende 2000 ein Semester an der Hochschule für Verwaltungswissenschaft verbrachte, erklärte uns sinngemäß, dass die Börse nur dazu gemacht sei, den kleinen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich hörte dort aber auch eine Einführungs-Vorlesung in Volkswirtschaft, wo der Professor sehr anschaulich erklärte, wie Märkte funktionieren und warum es immer Überinvestitionskrisen gibt u.s.w. Ich beschloss, mich näher mit Wirtschaft und Börse zu beschäftigen, um mir das in so kurzer Zeit verlorene Geld vielleicht irgendwann wieder zurückzuverdienen. Im Internet las ich auf einer Seite, die bald darauf eingestellt wurde, sehr viel über Value Investing und Unternehmensbewertung. Im Frühling 2001 verkaufte ich alle meine Positionen mit großem Verlust und kaufte stattdessen Werte, die ich mir selbst mit Verstand ausgesucht hatte: kleine aussichtsreiche deutsche Nebenwerte mit niedriger Bewertung. Als es dann bis März 2003 noch immer weiter abwärts ging, hielt ich durch (immerhin!), aber leider fehlte mir der Mut, auf diesem Niveau noch einmal richtig nachzukaufen. So dauerte es noch bis Ende 2004, bis ich meine Verluste wieder aufgeholt hatte. Erst dann kaufte ich wieder nach (natürlich schon wieder etwas zu teuer, aber langfristig gesehen war es noch in Ordnung). Beim nächsten Crash 2008/09 rutschte ich noch einmal vorübergehend ins Minus, aber da erkannte ich glücklicherweise, welche großartige Chance sich nun bot, und investierte alle Rücklagen, die ich hatte, in Qualitätsaktien zu Spottpreisen. Wahrscheinlich werden wir eine solche Gelegenheit wie Anfang 2009, als der DAX bei 3.300 Punkten notierte, in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr bekommen. Aber Rücksetzer und Korrekturen, in denen es sich lohnt, beherzt zuzugreifen, wird es immer geben.

b.m.

Zum Schluss noch: Welche Ziele hast Du Dir für Deine finanzielle Zukunft gesetzt?

T.C.

Ich bin ja nur ein kleiner, bescheidener Freiberufler mit niedriger Rentenerwartung. Daher ist mein erklärtes Ziel als Anleger die Sicherung meiner Unabhängigkeit von staatlichen Transferzahlungen bis ins hohe Alter. Kostolany hat immer gesagt: Nicht reich muss man sein, sondern unabhängig. Das finde ich auch. Er hat aber auch noch gesagt, er habe als Aktionär immer ein gutes Leben führen können, und er meine damit nicht „das gute Leben eines Schotten“. Doch genau dieses „gute Leben eines Schotten“ gefällt mir eigentlich ganz gut. Denn wie sagte Seneca: „Reich nenne ich den, der arm ist an Begierden.“

 

 

 

 

 

 

Börsen-Buchautor Thomas Claer

 

Justament März 2012: Pflichtlektüre für Kleinanleger

Thomas Claer erklärt das „Aktiensparen auf eigene Faust“

Benjamin Pinkerneil

14 LIT Benjamin - TC auf eigene faustMit „Auf eigene Faust“ ist Thomas Claer ein ebenso ungewöhnliches wie nutzbringendes Buch gelungen. Es verzichtet auf ausschweifende Marktanalysen und umständliche Einzeldepotbetrachtungen. Stattdessen gibt es wertvolle Handlungsrichtlinien, anhand derer jeder Kleinanleger sich ein individuelles Portfolio zusammenstellen kann. Insofern ist das Buch ein wohltuender Gegenentwurf zu manchen anderen Werken, die es mitunter bis in die angesehene Tages- und Boulevardpresse geschafft haben und deren Autoren doch nur schildern, wie sie ihr Geld mit bestimmten Einzelaktien gemehrt haben und dies als generell erfolgversprechend darstellen. Dass solche Strategien allenfalls eine kurze Lebenszeit haben, hat die Finanzkrise samt Ihren Folgen drastisch gezeigt. Strategien dieser Art erinnern an den legendären Affen einer amerikanischen Sonntagszeitung, der im Wettstreit mit Analysten per Filzstift seine Lieblingswerte im Dow Jones markiert – angeblich gewinnt durchaus auch mal der Affe. Mit „nachhaltiger“ Anlagestrategie haben solche Tipps à la Großmutters Hausrezept nichts zu tun.
Claer hingegen geht solide vor: Nach einer ausführlichen Einleitung, in der er internationale Börsenhistorie und -geschehen reflektiert sowie rationale Argumente zur Investition in Aktien liefert, geht er „in medias res“: Wann soll man kaufen, was soll man kaufen, wann soll man verkaufen? Dabei verzichtet er auf lächerliche Einzelwertempfehlungen, sondern gibt fundamentale, nachhaltige Ratschläge, z.B. „keine Pennystocks“, „auf transparente Informationspolitik der Unternehmen achten“, „Konjunkturresistenz berücksichtigen“. Er koppelt seine Empfehlungen hierbei oft mit Bonmots bekannter Börsengrößen wie André Kostolany oder Warren Buffet, die ihr Können hinlänglich bewiesen haben. Wohltuend ist zudem, dass Claer stets Warnungen mit einfließen lässt, die viele in Zeiten der Börseneuphorie gern ignorieren, u.a. nicht auf Pump zu spekulieren, sorgsam zu diversifizieren und stets auf Liquidität zu achten. Er lässt nie den Eindruck aufkommen, an der Börse sei der „schnelle Euro“ zu machen, sondern versucht der Komplexität der Märkte durch kluge Analysen und nachhaltige Empfehlungen gerecht zu werden.
Schließlich lässt er im Schlusskapitel auch ethische Überlegungen einfließen und erläutert, warum Börse nicht „per se“ unmoralisch ist und dass sich Börsenerfolg und Unternehmensmoral nicht ausschließen müssen. Ein rundum gelungenes Werk, das zur Pflichtlektüre von Kleinanlegern werden sollte, die sich dem „Wagnis Börse“ stellen möchten.

Thomas Claer
Auf eigene Faust. Aktiensparen für Kleinanleger
Verlag BoD Norderstedt 2012
132 Seiten, 10,00 €
ISBN-10: 3844818146

Jan. 2012: Auf eigene Faust. Aktiensparen für Kleinanleger (Leseprobe)

Cover TC Auf eigene FaustKlappentext
Aktien sind Teufelszeug. Das denken die meisten Deutschen bis heute. Vergleicht man aber die langfristige Wertentwicklung unterschiedlicher Anlageformen, wird schnell deutlich, worin der Vorzug der Aktie als klassischer Unternehmens­beteiligung gegenüber allen anderen Formen der Kapitalanlage liegt: in der deutlich höheren Rendite. Voraussetzung, um eine solche zu erzielen, sind jedoch, das wusste schon Invest­ment-Altmeister André Kostolany (1905-1999), die vier „Gs“: Geld, Gedanken, Geduld und Glück. Doch muss man kein steinreicher Wirtschafts- oder Finanzexperte sein, um an der Börse Erfolg zu haben. Auch mit niedrigem Kapi­taleinsatz, sofern er nur dauerhaft und kontinuierlich erfolgt, und gesundem Menschen­verstand lassen sich mitunter beträchtliche Gewinne erzielen. Dieses Buch soll zeigen, wie das gelingen kann, ohne in die Fänge der Banken, Versicherungen und Anlageberater zu geraten, die lediglich ihre – allein für sie selbst lukrativen – „Finanzprodukte“ verkaufen wollen.

Verlag: Books On Demand Norderstedt, 130 Seiten, 10 € (E-Book 8,50 €)

Inhalt

Einleitung: Wozu dieses Buch? (5)

Kapitel 1: Geld (19)

Kapitel 2: Gedanken (33)

  1. Investment oder Spekulation? (36)
  2. Welche Aktien soll man kaufen? (45)
  3. Der innere Wert einer Aktie (52)
  4. Welche Informationen braucht man und  wo findet man sie? (62)
  5. Wie gelingt die Diversifizierung? (73)
  6. Wann soll man kaufen?  (83)
  7. Wann soll man verkaufen? (101)
  8. Ethisch-moralische Überlegungen (109)

Kapitel 3: Geduld (117)

Kapitel 4: Glück (125)

Ausblick und Schluss (129)

Einleitung: Wozu dieses Buch?
Aktien sind Teufelszeug. Das denken die meisten Deutschen bis heute. Und in der Tat sind deutsche Kleinanleger nur zu oft gebrannte Kinder, haben sie doch vor zehn Jahren in großer Zahl viel Geld am „Neuen Markt“ und mit Volks­aktien wie der Deutschen Telekom verlo­ren. Seit dieser Zeit ist die Anzahl der Aktionäre in Deutschland kontinuierlich zurückgegangen. Gab es im Jahr 2001 noch 12,9 Millionen Bundes­bürger, die in Aktien oder Aktienfonds investiert hatten, waren es Ende 2010 nur noch 8,2 Millionen. Rechnet man nun noch die nur indirekt engagierten Fondssparer und die Beleg­schaftsaktionäre, die als Mitarbeiter Aktien ihres Unternehmens (oft zu Vorzugspreisen) erworben haben, heraus, so bleiben noch ganze 2,8 Millio­nen aktive Direkt-Aktionäre in Deutschland. 2,8 Millionen von 81,8 Millionen Einwohnern – fürwahr eine überschaubare Zahl!
Dabei erreichte das Geldvermögen der Bundes­bürger (Immobilien nicht mitgerechnet) mit inzwi­schen fast fünf Billionen Euro im Jahr 2010 einen neuen Höchststand. Das sind etwa 116.000 Euro je Haushalt – rund 5000 Euro mehr als im Vorjahr. Doch der relativ größte Anteil, nämlich 38 Prozent, lag auf Spar-, Festgeld- und Tagesgeld­konten oder wurde gleich als Bargeld aufbewahrt. Schon auf dem zweiten Platz mit 28 Prozent folgten die Versicherungs-Anlagen, ein­schließlich Pensionskassen, Pensionsfonds und Versorgungswerken. Etwa zwölf Prozent des deutschen Vermögens steckten in Investment­fonds, ca. acht Prozent in verzinslichen Wert­papieren (Anleihen) und nur knapp vier Prozent in Aktien.
Aber ist die Aktien-Skepsis der Anleger denn nicht vollkommen berechtigt? Lag der deutsche Leitindex DAX, der die Wertentwicklung der 30 wichtigsten börsennotierten Unternehmen abbil­det, vor über zwölf Jahren (April 2000) schon bei gut 8.000 Punkten, so hat er nach drei Crashs (2000-2003, 2008-2009 und im Au­gust/September 2011) dieses Niveau – nach einem kurzen Ausflug auf diesen Stand 2007 – bislang noch nicht wieder erreicht. (Am Jahres­ende 2011 steht er bei 5.900 Punkten). Wer also vor ca. zwölf Jahren einen bestimmten Betrag in den DAX investiert und bis heute durchgehalten hat, ist sogar nominal (also noch ohne Berücksichti­gung der Inflation) deutlich im Minus. Noch viel schlimmer ging es denen, die Ende 1989 Geld in den Japanischen NIKKEI-Index angelegt hatten, als dieser sein Allzeithoch von fast 39.000 Punkten erreichte. Heute, und das liegt keineswegs allein an Fukushima, steht er bei gerade einmal 8.500 Punkten. Dabei gilt es noch als vergleichsweise sicher, auf einen ganzen Index zu setzen. Um wie viel riskanter muss es dann wohl sein, stattdessen auf Einzel­werte zu wetten? Also Finger weg von Aktien? Ist diese Anlageform nicht insbesondere für Klein­anleger, womöglich noch zur Altersvor­sorge, wegen ihrer hohen Volatilität (Schwankungs­anfälligkeit) und ihres ungewissen Erfolgs gänzlich ungeeignet?
Nichts wäre falscher als diese Schlussfolgerung. Vergleicht man die langfristige Wertentwicklung unterschiedlicher Anlageformen, wird schnell deutlich, worin der Vorzug der Aktie als klassi­scher Unternehmensbeteiligung gegenüber allen anderen Formen der Kapitalanlage liegt. So brachten amerikanische Standardwerte seit 1801 eine jährliche reale Rendite (also nach Abzug der Inflationsrate) von über sechs Prozent ein, während Anleihen nur die Hälfte abwarfen und sich Gold mit weniger als einem Prozent rentierte. Schließlich konnten auch Festgelder, Sparkonten und Kapitallebensversicherungen, setzt man sie in Relation zur jährlichen Inflations­rate, kaum mehr als dem Kapitalerhalt dienen.
Der erstmals am 1. Juli 1988 berechnete deutsche Aktienindex DAX erreichte seitdem einen durch­schnittlichen jährlichen Nominalanstieg (also ohne Berücksichtigung der Inflationsrate) von 12,14 %. Selbst in den erwähnten summarisch schwachen Jahren zwischen 2000 und 2011 (in denen der DAX über zwanzig Prozent an Wert einbüßte) lag die durchschnittliche jährliche Per­formance (Wertentwicklung) bei immerhin 2,5 Prozent, also noch immer besser als die mancher anderen Assetklassen (Anlageklassen). Aber ist das nicht Hexerei? Nein, nur eine Art mathemati­sches Paradoxon, denn in jedem Jahr fängt die jährliche Wertentwicklung wieder bei Null an. Und das gilt eben auch für alle jeweils neu ange­legten Gelder. Wer also nicht große Summen auf einen Schlag, sondern regelmäßig nur Teilbe­träge investiert, fährt damit besser – darauf kom­men wir später noch zurück. Berücksichtigt man zudem noch den Zinseszins-Effekt, der sich aus der fortlaufenden Reinvestierung der Erträge ergibt, kann sich die Performance noch einmal ganz immens verbessern; je länger man das Geld arbeiten lässt, desto stärker.
Und die desaströse Wertentwicklung der japani­schen Aktien, das „Totschlag-Argument“ aller Aktien-Skeptiker? Zwischen 1990 und 2010 (der Wert des NIKKEI 225 sank um fast 75 Prozent) lag die jährliche Wertentwicklung im Durch­schnitt bei minus 3,62 Prozent. In einem auch nach Ländern diversifizierten Aktien-Depot (dazu später mehr), lässt sich so etwas kompen­sieren. Und wer sein Depot beispielsweise nach den Grundsätzen des Value Investing zusammen­stellte, hat um viele hoch bewertete japanische Aktien vermutlich ohnehin einen Bogen gemacht. Im übrigen stellt die Entwicklung in Japan einen Sonderfall dar, der  international ohne Beispiel ist, höchstens vergleichbar mit dem „Neuen Markt“ in Deutschland (1997-2003), der in den Jahren 2000 bis 2002 nicht weniger als 96 Pro­zent seines Wertes eingebüßt hat (und dann in Tec­DAX umbenannt wurde). So bleiben der japani­sche Aktienmarkt und der „Neue Markt“ eine ständige Warnung an alle Investoren davor, Aktien einfach auf gut Glück zu kaufen, ohne sie zuvor einer strengen Qualitätsprüfung unterzogen zu haben.
Wer aber sagt uns überhaupt, dass die Zukunft zumindest in etwa so wie die Vergangenheit verlau­fen wird? Kann es nicht sein, dass die Aktien­kurse weltweit und auf Dauer einbrechen werden, vielleicht weil unsere aggressiv Res­sourcen verbrauchende Wirtschaftsweise keine Zukunft mehr hat? Da ist sicherlich einiges dran, doch hilft hier ein Blick auf die Weltwirtschaft als ganzes: Wir befinden uns derzeit in einem Superzyklus, der vom äußerst dynamischen Auf- und langfristig wohl auch Überholprozess der heutigen und künftigen Schwellenländer gegen­über den Industrieländern geprägt ist. Dieser Pro­zess ist durchaus anfällig für Krisen und Rück­schläge verschiedenster Art, aber er ist alles in allem wohl unumkehrbar und wird noch für min­destens zwei bis drei Jahrzehnte ein beträcht­liches weltweites Wirtschaftswachstum gene­rieren, nicht zuletzt aber auch so export­orientierte Industrieländer wie Deutschland beflügeln. Und mit dem Wirtschaftswachstum und den Börsenkursen verhält es sich, so be­merkte einst der legendäre Börsenguru André Kostolany (1905-1999), wie mit einem Hunde­halter und seinem Hund, mit dem jener Gassi geht: Mal läuft das Herrchen vorneweg, mal der Hund, mal entfernen sie sich weiter voneinander und mal gehen sie dicht beieinander, aber immer bleiben sie miteinander verbunden. Sie werden sich niemals völlig voneinander abkoppeln. In dieser Erkenntnis liegen natürlich auch Invest­ment-Chancen, von denen noch die Rede sein wird.
Aber, so wird mancher einwenden, ist die Börse nicht etwas Anrüchiges, ein Glücksspiel, eine bloße Zockerei? Sollte man nicht besser selbst arbeiten, statt sein Geld für sich arbeiten zu las­sen? Nun, beides schließt sich ja nicht aus. Und gutes und erfolgreiches Investieren kann auch harte Arbeit sein, lässt sich aber viel besser als eine Kunst beschreiben, die erlernbar ist, und zwar auf durchaus unterschiedliche Weise. Außer­dem: Was machen denn die Banken, denen wir unser Geld so gerne anvertrauen, selbst ande­res, als damit zu „zocken“, und zwar oft auf viel kurzfristigere und riskantere Weise als es ein umsichtiger und vorsichtiger Privatinvestor jemals tun würde. Und statt der Gewinne aus ihrem Kapital erhalten die Kunden dafür Zinsen zumeist unterhalb der Inflationsrate. Da kann man als aufgeklärter Verbraucher sein Geld doch lieber selbst anlegen. Ähnliches wie über die Banken lässt sich über die Versicherungen sagen. Jeder Deutsche hat durchschnittlich mehr als eine Kapital-Lebensversicherung. Deren gesetzlich vorgeschriebene Mindestverzinsung liegt bei 2,25 Prozent pro Jahr, reduziert sich aber ab 2012 auf 1,75 Prozent. (Die jährliche Inflations­rate liegt derzeit bei 2,3 Prozent.) Nur dass die Versicherungen im Unterschied zu den Banken kaum in Aktien investieren (dürfen) und die Gel­der ihrer Kunden zum größten Teil in Staatsan­leihen anlegen. Und wie es um deren Sicherheit und Ausfallrisiko zum Teil bestellt ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben… Schließlich noch zum Einwand des Glücksspiels bei der Aktienanlage: Verglichen mit Glücks­spielen im eigentlichen Sinne wie dem Lotto- oder dem Automatenspiel ist das Chance-Risiko-Verhältnis an der Börse um ein Vielfaches günsti­ger. Selbst ein Investor ohne die geringste Sachkenntnis, der willkürlich beliebige Standard-Aktien kauft und verkauft, hätte eine wesentlich größere Erfolgswahrscheinlichkeit als jeder Lotto- oder Automatenspieler. Am ehesten lässt sich das Aktien-Investment noch mit dem Rou­lette-Spiel vergleichen, bei dem es ja immerhin eine nahezu 50 Prozent-Chance gibt. Im Unter­schied dazu kann man aber an der Börse sein Anlage-Glück zumindest teilweise durch eine geschickte Auswahl seiner Werte und ein gutes Timing beeinflussen, auch wenn genau hierin die große Schwierigkeit liegt.
Doch muss man sich wirklich die Mühe machen, auf viele Einzelaktien zu setzen, die man dann auch noch dauerhaft beobachten muss, wo man doch bequem Anteile an Aktienfonds erwerben kann, bei denen einem der Fondsmanager all das abnimmt? Das Problem dabei ist aber: Etwa 80 Prozent der Fonds schneiden schlechter ab als der Markt, d.h. der jeweilige Vergleichsindex (die „Benchmark“). Und wenn ein Fonds in einem Jahr einmal besser als seine Benchmark ist, dann ist er es im nächsten Jahr meistens nicht mehr. Nur ganz wenigen Fonds gelingt es, dauer­haft den Markt zu schlagen. Das liegt nicht unbe­dingt daran, dass die Fondsmanager nichts könn­ten, sondern sie haben gewisse, einer guten Ren­dite abträgliche Handicaps, die alle diejenigen nicht haben, die selbst ihre eigenen Fonds­manager sind. Zum einen wird beim Kauf eines Fonds ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Pro­zent fällig, in der Regel kommt noch eine jährli­che Gebühr dazu. Da muss der Fonds schon sehr gut „performen“, um das wieder „reinzuholen“. Zum anderen sind den meisten Fondsmanagern in vielen Situationen die Hände gebunden, weil ihr Fonds schlicht auf bestimmte Weise kon­struiert ist. Wenn der Fonds-Prospekt etwa einen bestimmten Anteil von Aktien einer Region oder Branche vorschreibt, darf der Fondsmanager daran nicht rütteln, während der Privatanleger, der sein Depot auf eigene Faust managt, völlig frei agieren kann. So überrascht es nicht, wenn Untersuchungen ergeben haben, dass viele Privat­anleger in ihren Depots eine bessere Wertent­wicklung erzielen können als professio­nelle Fondsmanager.

Noch ungünstiger ist die Bilanz bei Riester-Verträ­gen, also jenen Finanzprodukten, deren Abschluss von der Bundesregierung mit jährli­chen Zulagen als Baustein der Altersvorsorge gefördert wird. Üblicherweise verkauft ein priva­ter Vermittler dem Kunden den jeweiligen Aktien­fondssparplan oder die jeweilige Kapital­lebensversicherung gegen einen nicht unbeträcht­lichen Anteil der anzusparenden Summe als Provi­sion. Nach Abzug dieser und weiterer Bear­beitungsgebühren ist es mit der Rendite dann trotz der jährlichen staatlichen Zulagen nicht mehr weit her. (Allenfalls für sehr Kinderreiche könnte es sich lohnen, da für jedes Kind eine Extra-Zulage gezahlt wird.) Immerhin kann man mit Riester-Produkten nominal kein Geld verlie­ren (das ist gesetzlich garantiert), dafür aber auch nur sehr begrenzt welches gewinnen. Ihr viel­leicht größter Vorteil dürfte in ihrer disziplinie­renden Wirkung auf die Sparer liegen, überhaupt regelmäßig etwas auf die „hohe Kante“ zu legen.

Eine andere Möglichkeit, sich die mühsame Suche von Einzelwerten zu ersparen, ohne auf aktiv gemanagte Fonds zu setzen, sind seit eini­gen Jahren die Exchange-traded fund (ETF). Hier­bei handelt es sich um Aktien-Fonds, die im Verhältnis 1:1 einen Index (z.B. den DAX oder den EURO STOX 50) abbilden. Sie sind rein passive Konstrukte und brauchen keinen Fonds-Manager, weshalb sie deutlich kostengünstiger als herkömmliche Aktienfonds sind. Sofern sie sich auf einen Index beziehen, der für seine Berech­nung fortlaufend auch die ausgeschütteten Dividenden einpreist (so ist es z.B. beim DAX, nicht aber beim DOW JONES INDEX), partizi­pieren Anleger auch noch von letzteren. Da die ETF den Bankmitarbeitern keine Provisionen einbringen, werden sie von ihnen kaum ihren Kunden empfohlen. Jedoch haben die Medien zuletzt stark zur Popularisierung dieser Anlage­form beigetragen. Für die ETF spricht vieles (vor allem, wenn sukzessive und nicht auf einen Schlag in sie investiert wird). Gegen sie spricht vornehmlich, dass ihre Performance (Wertent­wicklung) infolge der Gebühren immer gering­fügig hinter ihrer Benchmark (dem abgebildeten Index) zurückbleibt und eine Outperformance mit ihnen daher nicht möglich ist.

Außerdem ist es schließlich denkbar, einen profes­sionellen Berater zu konsultieren, der einem gegen ein Honorar gezielte Anlagetipps gibt. Doch haben Untersuchungen ergeben, dass auf solche Weise beratene Anleger durchschnitt­lich keine höheren Renditen erzielen als Anleger ohne eine solche Beratung. Vielleicht liegt es ja ganz einfach daran, dass Anleger sich vor allem dann nicht beraten lassen, wenn sie sich für ausrei­chend kompetent halten, ihre Entschei­dungen selbst zu treffen. Und das mag dann häufig auch zutreffen. Denn so gut dürften nur die wenigsten Anlageberater sein, dass sie durch ihre Tipps ihren Kunden eine Mehrrendite erwirt­schaften, die über den Kosten ihrer Bera­tungstätigkeit liegt. Erinnert sei hier auch an die Feststellung des bereits oben zitierten Invest­ment-Altmeisters André Kostolany: „Wer’s kann, handelt an der Börse, wer’s nicht kann, berät andere.“ Wer über ein Grundverständnis der Zusammenhänge an der Börse sowie über einige wenige Grundvoraussetzungen zur Geldanlage verfügt, der kann auf einen Anlageberater gut verzichten. Welche Voraussetzungen aber sind das, die man haben sollte?
An der Börse braucht man, so sagte es wiederum André Kostolany (1905-1999), die vier „Gs“, nämlich Geld, Gedanken, Geduld und Glück. Daran hat sich bis heute nichts geändert und wird sich wohl auf absehbare Zeit auch nichts ändern. Deshalb sollen diese vier klassischen Vorausset­zungen des Erfolgs an der Börse auch als Kapitel­überschriften des vorliegenden kleinen Buches dienen. Kostolany selbst hatte einmal den Satz „Dieses Mal wird alles anders“ als den teuersten Satz der Börsengeschichte bezeichnet. Die bereits oben geschilderte Entwicklung am „Neuen Markt“, als die Bewertungen von Techno­logie-, Medien- und Biotech-Aktien bis zum Jahr 2000 Schwindel erregende Höhen er­reichten und dann jäh abstürzten, gab ihm Recht, auch wenn er die Erfüllung seiner Prophezeiung („Es wird ein Blutbad geben.“) nicht mehr erlebte. Der vielleicht einzige grundlegende Unter­schied zu früheren Börsenepochen ist die heute sehr fortgeschrittene Technisierung des Handels, aus der sich neuartige Chancen und Risiken ergeben, von denen noch die Rede sein wird. Anders als früher braucht heute jeder Inves­tor einen internetfähigen Computer. Zum einen, um für seine Geschäfte die wesentlich kostengünstigeren Online-Broker nutzen zu kön­nen, zum anderen, um gezielt das Informations­angebot des Internets zu nutzen.
Das Geld muss arbeiten! Daran führt kein Weg vorbei. Wer es zu Hause im Sparstrumpf liegen lässt, vernichtet mit der Zeit seinen Wert, weil er auf einen Inflationsausgleich verzichtet. Wer sein Geld aber den Banken und Versicherungen gibt, lässt es gegen einen kleinen Inflationsausgleich für andere arbeiten, ohne selbst die Früchte davon zu genießen. Doch muss man kein stein­reicher Wirtschafts- oder Finanzexperte sein, um an der Börse Erfolg zu haben. Auch mit nied­rigem Kapitaleinsatz, sofern er nur dauerhaft und kontinuierlich erfolgt, und gesundem Menschen­verstand lassen sich mitunter beträchtliche Gewinne erzielen. Dieses Buch soll zeigen, wie das gelingen kann.
An wen aber richtet sich dieses Buch? Eigentlich an alle, die ihr Glück in die eigenen Hände neh­men und sich nicht länger mit niedrigen Erträgen auf den Anlagemärkten abspeisen lassen wollen. Erfahrenen Anlegern mag es Anregungen zu vertieften Überlegungen, zur kritischen Refle­xion und zur Optimierung ihrer Strategie geben. Börsen-Neulingen mit wirtschaftlichem Vorver­ständnis (oder auch ohne ein solches) soll es Wege zu einer erfolgreichen Geldanlage in Aktien ebnen. Das Buch ist einfach und allgemein­verständlich abgefasst, verzichtet nach Möglichkeit auf komplizierte Fachsprache und unverständlichen Börsenjargon und sollte daher auch von (fast) jedem verstanden werden, der ein grundlegendes Interesse an der Thematik mit­bringt.

Das vollständige Buch gibt es unter:

http://www.amazon.de/Auf-eigene-Faust-Aktiensparen-Kleinanleger/dp/3844818146/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1391769012&sr=8-1&keywords=thomas+claer