www.justament.de, 27.10.2014: Nichts als Erinnerung

Judith Hermann mit ihrem ersten Roman „Aller Liebe Anfang“

Thomas Claer

judith-hermann-coverEs gab in den Neunzigern ein paar Bücher, die den damaligen Berlin-Hype ungemein befeuerten: „Russendisko“ von Wladimir Kaminer zum Beispiel, sicherlich auch „Herr Lehmann“ von Sven Regener. Ganz besonders galt dies aber für den schmalen Erzählungsband „Sommerhaus, später“, das Debüt der Autorin Judith Hermann, Jahrgang 1970, die nach einer euphorischen Besprechung ihres Erstlings durch Marcel Reich-Ranicki im „Literarischen Quartett“ gleichsam über Nacht zum Shooting-Star am deutschen Literaturhimmel aufstieg. Es dauerte nicht lange, da wurde Judith Hermann, deren karge, lakonische Short-Storys das Lebensgefühl junger Hauptstädter in den Jahren nach dem Mauerfall beschrieben, schon als Stimme einer neuen Schriftstellergeneration gehandelt. Doch merkte man der so Gefeierten bereits damals an, dass ihr eine solche Rolle keineswegs behagte. Und es spricht auch zunächst einmal uneingeschränkt für diese Autorin, dass sie sich in der Folge weitgehend rarmachte und nur noch in Abständen halber Jahrzehnte weitere Bücher publizierte. Auf die etwas zwiespältige Erzählungssammlung „Nichts als Gespenster“ folgte mit „Alice“ eine Art Vorstufe eines Romans: fünf miteinander in Zusammenhang stehende Erzählungen, die alle um die titelgebende Hauptfigur kreisten. Judith Hermann bewies hierin erneut ihre große Begabung dafür, Situationen mit wenigen treffenden Sätzen vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen. Vor allem aber erwies sie sich in diesen düsteren,  allesamt den Tod vertrauter Mitmenschen der Protagonistin behandelnden Kurzgeschichten als Meisterin der virtuosen Moll-Färbung.
Man sieht also, an Vorschusslorbeeren für Judith Hermanns ersten Roman „Aller Liebe Anfang“ besteht kein Mangel. Doch diesmal verstört bereits die Konstellation. Die Hauptfigur, eine 37-jährige Krankenpflegerin namens Stella, hat sich einen muskulösen Bauarbeiter geangelt, der mit ihr eine Tochter erzeugt und der jungen Familie ein Einfamilienhaus am Stadtrand gekauft hat. Dort sitzt Stella nun tagaus, tagein, bringt die Tochter morgens in den Kindergarten, holt sie am späten Nachmittag wieder ab, absolviert zwischenzeitlich mit dem Fahrrad Hausbesuche bei pflegebedürftigen Kunden in der Siedlung, macht allerlei Hausarbeiten und genießt es im Übrigen, regelmäßig auch Zeit für sich selbst zu haben, denn ihr Mann befindet sich zumeist tagelang auf irgendwelchen entfernten Baustellen. Ausgiebig telefoniert und schreibt sich Stella mit ihrer besten Freundin, die als Hausfrau und Mutter und freischaffende Künstlerin andernorts in einer ausgebauten Wassermühle lebt, während ihr Mann als Lehrer in einer Schule unterrichtet. Bis vor einigen Jahren haben die Freundinnen gemeinsam in einer WG in einem Szeneviertel einer Großstadt gelebt. Zumeist tauschen sie neben Fragen hinsichtlich der Kindererziehung nun Erinnerungen an ihre gemeinsamen alten Zeiten aus. Dieser im Buch sehr ausführlich geschilderte Alltagstrott wird durchbrochen, als Stella plötzlich und von da an täglich durch einem Stalker belästigt wird, der untypischerweise kein zurückgewiesener früherer Geliebter ist, sondern ein vereinsamter junger Mann aus der Nachbarschaft.
Viel mehr passiert nicht auf den 224 Seiten, nur dass sich die Dinge zum Ende hin noch etwas zuspitzen. Es entsteht weder eine nennenswerte Spannung beim Lesen, noch geschieht irgendetwas Überraschendes. Anders als in früheren Büchern der Autorin wird der Leser hier nicht in aufregende Welten entführt, sondern seitenlang mit dem Geschwätz von Stellas Patienten und Arbeitskolleginnen, den Albernheiten ihrer vierjährigen Tochter sowie den nicht sehr einfallsreichen Aktionen des durchgeknallten Stalkers Mr. Pfister malträtiert. Vielleicht war es ja einfach keine gute Idee, aus dem Stoff einen Roman zu machen. Möglicherweise wäre, eingedampft auf maximal ein Drittel des Umfangs, eine halbwegs passable Kurzgeschichte herausgekommen. Lag früher eine besondere Stärke Judith Hermanns in ihren punktgenauen Detailschilderungen, laufen diese jedenfalls diesmal völlig ins Leere. Wozu, so fragt man sich immer wieder, sollte man eigentlich so viel über diese Vorstadttristesse erfahren?
Nun muss man natürlich den Realitäten ins Auge sehen. Für eine Mehrheit der Deutschen, so sagen es aktuelle Umfragen, ist bis heute das Leben mit Familie und Auto in einem Einfamilienhaus am Stadtrand die bevorzugte oder angestrebte Lebensform. Immerhin kann man jener Klientel dieses Buch zum Zwecke der Abschreckung empfehlen. Alle anderen sollten besser zu „Sommerhaus, später“ oder „Alice“ greifen. Und Judith Hermann bitte künftig wieder Kurzgeschichten schreiben.

Judith Hermann
Aller Liebe Anfang. Roman
S. Fischer Verlag, 224 Seiten, 19,90 €
ISBN-13: 978-3-3100331830

www.justament.de, 20.10.2014: JUSTAMENT als Buch

NEU: “Wem gehört der Mond?” Höhepunkte aus 14 Jahren justament

img_1569So eine Juristenausbildung ist kein Lebensabschnitt wie jeder andere. Wer sie durchlaufen hat, der hat schon einiges erlebt. Die Zeitschrift justament hat sich neben ihrer fachlichen Seite auch immer wieder der „Juristenausbildung als innerem Erlebnis“ gewidmet. Die gelungensten Beiträge hierzu aus 14 Jahren sind nun erstmals als Buch zusammengestellt, darunter die komplette Serie „Best of Jurastudium“ und alle Tagebücher mit den geheimen Aufzeichnungen der anonymen Rechtsreferendarinnen.

Inhalt:

Best of Jurastudium (2007-2009)
Thomas Claer – Wem gehört der Mond?
Pinar Karacinar – Was wäre, wenn…
Inessa Molitor – Nur in die Fresse
Jochen Barte – Deutschland sucht den Superjuristen
Thomas Claer – UFOs über Bielefeld
Inessa Molitor – Hauptsache voll

Tagebücher
Alexa (2003-2005)
Pinar (2007-2009)
Nina (2010-2011)
Alex (2012-2014)

Drum herum (2007-2013)
Thomas Claer – Kollegen Diktatoren. Wohin eine juristische Ausbildung auch führen kann
Jean-Claude Alexandre Ho – Der dicke Rote.  Die Geschichte hinter dem „Schönfelder”
Marc Nüßen – Zur Verfassungswidrigkeit des Richter-NC
Constantin Körner – Juristische Repetitorien.  Ein polarisierendes Stück Rechtsgeschichte
Katharina Stosno – Die eiskalte Akademie (bisher unveröffentlicht)
Patrick Mensel – Bachelor ante Portas Iustitiae
Arnd Wiebusch – Ein x-beliebiger Tag! Erlebnisbericht vom Praktikum in Brüssel
Jochen Barte – Juristische Auslegung als Geheimwissenschaft. Eine kleine Geschichte der Hermeneutik
Katharina Stosno – Drei Jahre dolce vita und dann die Ärmel hoch. Interview mit Juli Zeh
Marc Nüßen – Das fähige genehmigungs-bedürftige Vorhaben. Eine Sprachkritik unter Juristen
Oliver Niekiel – Anwalt der Herzen. Über die Kult-Serie „Liebling Kreuzberg“ (bisher unveröffentlicht)

Thomas Claer (Hrsg.)
Wem gehört der Mond? Texte rund um die Juristenausbildung aus 14 Jahren justament
Verlag BoD Norderstedt 2014
184 Seiten, 12,00 Euro
ISBN: 9783735737366

Kaufen kann man das Buch hier oder beim Buchhändler seines Vertrauens.

www.justament.de, 29.9.2014: Lob der zynischen Vernunft

Pflichtlektüre: Peter Sloterdijks „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“

Thomas Claer

cover-sloterdijkPeter Sloterdijk war schon immer ein Philosoph, der es krachen ließ. Leisetreterei und Zurückhaltung sind ihm zeitlebens ebenso fremd geblieben wie trockenes Akademisieren. Unentwegt sucht er die Öffentlichkeit. Eckt er mit seinen Positionen irgendwo an, treibt er sie anschließend erst recht auf die Spitze. All das hat natürlich hohen Unterhaltungswert. So war er stets gefragt in allen Medien bis hin zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das ihn, den Philosophie-Professor, mehr als zehn Jahre lang eine eigene Talkshow ausrichten ließ. Dabei gelang ihm das Kunststück, diese Rolle mit Bravour und ohne größere Zugeständnisse an die seichte und verblödete Massenkultur auszufüllen. Im Gegenteil, Sloterdijk verlangte seinen Zuschauern (wie auch seinen Lesern) gedanklich stets eine Menge ab. Er ließe sich sogar als Musterbeispiel eines kritischen, sich jederzeit in gesellschaftliche Belange einmischenden Intellektuellen bezeichnen, hätte er nur nicht diesen starken Hang zur Provokation, zum geistigen Krawall, zu politisch unkorrekten Haltungen, der ihn insbesondere in den Augen seiner (immer auch etwas neidischen) Fachkollegen immerfort verdächtig macht.

Dass man ihm 2012 sein „Philosophisches Quartett“ wegnahm und seinen Sendeplatz stattdessen einem deutlich jüngeren Dünnbrettbohrer überließ, muss ihn tief gekränkt, aber auch herausgefordert haben. Waren seine Bücher in den letzten Jahren ohnehin zusehends packender und interessanter geworden, so präsentiert er sich nunmehr, zu Beginn seines gesetzlichen Rentenalters, in der schriftstellerischen Form seines Lebens. Nie war er, das lässt sich ohne Übertreibung sagen, als Buchautor so gut wie heute! Und mit den „Schrecklichen Kindern der Neuzeit“ liefert er einen kulturhistorisch-anthropologischen Paukenschlag, wie wir ihn lange nicht erlebt haben.

Zwar stimmt es schon, dass der reife Sloterdijk bevorzugt in die linke Ecke keilt, was mit dem Furor des Renegaten zu tun haben mag, dem es im angestammten linksalternativen Milieu irgendwann zu eng geworden ist. Doch in ihm einen „Autor für AfD-Wähler“ zu sehen, wie es SPIEGEL-Online-Rezensent Georg Diez in seiner Rezension dieses Werkes getan hat, lässt sich wohl nur als Folge ideologischer Voreingenommenheit des Kritikers oder einer allenfalls flüchtigen Buchlektüre erklären. Nein, Sloterdijk ist natürlich kein Autor für AfD-Wähler. Mit einem Wut-Bürgertum, das sich in platte Ressentiments flüchtet, hat dieser Autor nicht viel zu tun. Vielmehr erzählt er in seinem Buch die Menschheitsgeschichte noch einmal neu, indem er sie durch die Brille der menschlichen Generationenabfolgen betrachtet. Ähnlich wie einst Horkheimer und Adorno in ihrer legendären „Dialektik der Aufklärung“ führt er dem Leser dabei vor Augen, welch ein unerhörtes Wagnis die moderne Welt doch ist. Die – verglichen mit allen traditionellen Formen menschlichen Zusammenlebens – tiefen Umbrüche im Verhältnis zwischen Eltern und ihren Kindern in den vergangenen Jahrhunderten nennt er „das anti-genealogische Experiment der Moderne“.

Besonders interessant sind aber die Vorläufer dieses Experiments. Als erstes sind da die altgriechischen Philosophen mit Sokrates an der Spitze, der „völlig zu Recht“, wie Sloterdijk süffisant bemerkt, als ein „Verderber der Jugend“ zum Tode verurteilt wurde. Denn er setzte den jungen Leuten den Floh ins Ohr, sich eigene kritische Gedanken zu machen und die natürliche Autorität ihrer Eltern in Frage zu stellen, die doch – wie alle Elterngenerationen zuvor seit Menschengedenken – das Ziel verfolgten, den etwaigen eigenen Willen ihrer Kinder zu brechen und sie zur Übernehme des Lebensstils ihrer Eltern zu zwingen. Was heute Individualität und Innovation heißt, nannte man damals Sünde. Als zweiten und (was kann schon Aufklärung gegen Religion ausrichten?) natürlich viel bedeutsameren Vorläufer der schrecklichen Kinder der Neuzeit sieht Sloterdijk das Christentum, vor allem in der Person seines Begründers. Jesus von Nazareth war gewissermaßen ein schreckliches Kind, wie es im (heiligen) Buche steht. Die gut 30 Seiten über den „Bastard Gottes“ sind zweifellos der amüsante Höhepunkt in Sloterdijks Studie. In Sachen Blasphemie knüpft der Autor hier nahtlos an diesbezügliche Highlights wie den Monty-Python-Film „Das Leben des Bryan“ oder den Torfrock-Song „Rollos Taufe“ an. Sehr plausibel spekuliert er über den Tatsachen-Kern der Jesus-Legende, den er in einem zutiefst menschlichen Komplex des „seltsamen Wunderheilers“ aufgrund seiner ungeklärten Abstammung vermutet. Zwar distanziert sich Sloterdijk ausdrücklich von denjenigen, die im Christentum die Anfänge des modernen westlichen Universalismus erblicken. (Immerhin konnte bei den Urchristen jeder, der es wollte, mitmachen, doch verstanden sie sich fraglos als elitären Kreis der wenigen Gerechten, die allein dem drohenden Weltuntergang entkommen zu können glaubten.) Jedoch stiftete Jesus für seine Anhänger erstmals eine neue Art von Gemeinschaft als Alternativangebot zur jeweils eigenen Familientradition, worin Sloterdijk den Anfang einer schrittweisen Entwertung traditioneller Familienstrukturen sieht. In den folgenden Jahrhunderten, in denen sich die Kirche zur machtorientierten und –bewussten Großinstitution wandelte (auch diesen Weg zeichnet Sloterdijk eindrucksvoll nach), etablierte sich mit dem Klosterwesen im Mittelalter (der Autor verweist auch auf Parallelen im Buddhismus) eine noch weitaus umfassendere Gegenwelt zur weltlichen Familie. Wer aussteigen wollte aus dem Hamsterrad familiärer Erwartungen und  Zumutungen, der ging ins Kloster oder als Eremit in die Einsamkeit der Berge.

Mit der Moderne, die laut Sloterdijk so heißt, weil in ihr die Mode (durch jeweils angesagte zeitgenössische Vorbilder) Vorrang vor der Tradition hat (vor allem vor der Autorität der Vorfahren), brechen dann alle Dämme. Als erstes Gesetz der Moderne bezeichnet der Autor seine Beobachtung, dass sie stets größere Überschüsse an Verheißungen, Wünschen und Ambitionen produziert, als sich in der Folge noch unter Kontrolle bringen lassen. Daher die vielen Unfälle und Kollateralschäden in der modernen Welt, die in einem gesonderten Kapitel als „Drift ins Bodenlose“ beschrieben werden. Gibt man jedem Menschen eigene Rechte, dann weckt dies natürlich allerorts Begehrlichkeiten, und irgendwann treten alle mit allen in ständige Konkurrenz um Status, Macht und Anerkennung. Es muss in diesem Wettbewerb aber immer auch Verlierer geben, die sich dann mit aller Macht Genugtuung verschaffen wollen. (So gesehen wäre beispielsweise der IS, seiner mittelalterlichen Ideologie zum Trotz, ein typisches Produkt der Moderne, weil er die sozialen, wirtschaftlichen und Bildungsverlierer aus aller Welt zu einem monströsen kollektiven Rache-Feldzug gegen die Etablierten aller Länder rekrutiert.)

Wie man sieht, nimmt Peter Sloterdijk also in seiner großen Erzählung – was ihm seine Kritiker verübeln – nicht gerade die Perspektive eines Parteigängers des Fortschritts ein. Andererseits lässt er aber auch nicht den geringsten Zweifel daran, in welcher Hölle sich die Menschen in ihren traditionellen Milieus befunden haben und teils heute noch befinden. Dieser Autor hält der modernen Welt den Spiegel ihrer eigenen Abgründe vor und steht im Übrigen als notorischer Spötter am Rande des Geschehens. Als Nihilist, als Defätist, als ein Klugscheißer, der über alles lästert, ohne konstruktive Vorschläge zu unterbreiten, wie man es denn besser machen könnte. Unverantwortlich sei das, werfen ihm seine Gegner vor. Aber dieses Spotten gelingt Sloterdijk mit großer Treffsicherheit und in einer einzigartigen sprachlichen Brillanz. Da stört es dann auch nicht mehr, dass er in seinen, sagen wir, älteren Tagen wohl endgültig vom Kyniker zum Zyniker geworden ist, der den Glauben an die Verbesserbarkeit der Welt schon längst verloren hat. Zu einem von jenen, vor denen er seine Leser in der „Kritik der zynischen Vernunft“ (1983), seinem ersten großen Werk, noch inständig gewarnt hatte: „Die Frechheit hat die Seite gewechselt.“ Das kommt ja öfter vor: Die größten Kritiker der Elche werden später selber welche. War bei Goethe auch schon so. Alles geschenkt, solange er so gut schreibt.

Peter Sloterdijk
Die schrecklichen Kinder der Neuzeit. Über das anti-genealogische Experiment der Moderne
Suhrkamp Verlag Berlin 2014
489 Seiten, EUR 26,95
ISBN-13: 978-3518424353

www.justament.de, 22.9.2014: Pure Nostalgie

Element Of Crimes Vinyl-Maxi „Lieblingsfarben und Tiere“ macht schon mal Appetit auf das Album

Thomas Claer

eoc-lieblingsfarbenEinen besseren Appetitanreger aufs gleichnamige Album, das in wenigen Tagen erscheinen wird, hätten sich Element Of Crime gar nicht ausdenken können: Als 10 Inch-45 RPM-Vinylmaxi (und wunderbarerweise nur als solche! Nehmt das, all ihr Verächter der Schallplattenkultur!) gibt es neben dem Titelsong „Lieblingsfarben und Tiere“ noch drei Cover-Versionen recht betagter britischer und amerikanischer Popsongs, die nicht jedem geläufig sein dürften, als da wären: Medicine Man (die Originalversion stammt von John Mayall), If (eigentlich von Pink Floyd) und We Have All The Time In The World (ursprünglich gesungen von Louis Armstrong). Geschrieben wurden diese drei Lieder zwischen 1968 und 1970, also zu einer Zeit, als selbst so alte Säcke wie der Justament-Musikrezensent noch nicht auf der Welt waren, jedenfalls noch nicht ganz.
Aber der Reihe nach: Auf der A-Seite der Platte geht es los mit „Lieblingsfarben und Tiere“, bei dem ganz eindeutig die textliche Aussage im Vordergrund steht. Musikalisch ist dieses Lied schon hart an der Grenze zur Selbstgefälligkeit. Es geht um die selbstgewählte Unerreichbarkeit in medialer und technischer Hinsicht. Das lyrische Ich sagt zu jenem Zeitgenossen, der es so dringend auf allen nur denkbaren Wegen erreichen möchte, sinngemäß: „Du kannst mich mal!“ Ob das nun als kritischer Beitrag zur Debatte über die ständige Erreichbarkeit von Arbeitnehmern nach Feierabend zu verstehen ist oder schlicht als Der-Welt-den-Stinkefinger-Zeigen eines arroganten, weil etablierten, Popstars, das möge jeder Hörer selbst beurteilen. Interessanter sind die restlichen Songs.
„Medicine Man“ von John Mayall also. John Mayall – wer war denn das noch gleich? Ach ja, der „Vater des weißen Blues“. Sehr guter Mann, ist jetzt schon über achtzig. Und sein „Medicine Man“ ist ein Geniestreich ersten Ranges. Mit einfachsten Mitteln wird eine unerhörte Spannung erzeugt. Und die Umsetzung der Elements? Kongenial. Wie schon bei früheren anderen Cover-Versionen schaffen es Sven Regener und Co. auch bei diesem Song, ihn nicht nur stimmungsvoll zu adaptieren, sondern sogar mit eigenen Mitteln noch eins draufzusetzen. Sie haben bei der Darbietung fremder Stücke ein so gutes Händchen, dass man ihnen fast raten möchte, ihrem exzellenten Cover-Album „Fremde Federn“ (2010) irgendwann noch ein weiteres dieser Art folgen zu lassen; spätestens, wenn ihnen die Ideen für neue eigene Songs einmal ausgehen sollten. Aber so weit ist es, so viel lässt sich im Hinblick auf das neue Album schon vorwegnehmen, noch lange nicht.

Die B-Seite beginnt mit „If“ von Pink Floyd. Hm, von welcher Platte kann denn das gewesen sein? Beim Hören kommt es einem schon seltsam bekannt vor… Und wie heißt es so schön in einem bekannten deutschen Popsong: „…aber so hab ich‘s noch nie gehört“. Nein, das gibt es doch gar nicht: Es ist tatsächlich von “Atom Heart Mother“, der legendären Platte mit der Kuh auf dem Cover. Die hab ich seit mindestens zehn Jahren nicht mehr angehört und hole es auf der Stelle nach. Ein orchestrales Meisterwerk. Anfang der Neunziger lief sie bei mir ständig rauf und runter. Mein Mathe-Lehrer hatte sie mir ausdrücklich ans Herz gelegt. Und wie recht er damit hatte! Er nannte damals übrigens seine Lieblingsband liebevoll „Pink Flink“. Die Google-Recherche beweist: Kein Mensch sagt heute noch „Pink Flink“ zu „Pink Floyd“. (Sofern das überhaupt irgendjemand außer meinem Mathe-Lehrer jemals getan hat.) Wenn aber dieser Artikel online gestellt ist, wird es endlich einen Google-Treffer für „Pink Flink“ geben! Aber zurück zu „Atom Heart Mother“. Besonders hatte mich damals die übereinstimmende Metaphorik von Albumtitel, Plattencover und der Musik des Titelstücks tief beeindruckt. „Atom Heart Mother“ – was da alles drinsteckt und mitschwingt, so dachte ich zumindest damals. Nun lese ich auf Wikipedia über die Entstehungsgeschichte des Album-Titels: Die Platte sollte eigentlich „The Amazing Pudding“ heißen. Das fanden die Musiker aber irgendwie doof, und so schlug Roger Waters vor, man solle doch einfach aus einer im Aufnahmestudio herumliegenden Zeitung irgendeine der Überschriften nehmen. Mein Gott, wie banal! Das Internet kann einem aber auch die schönsten Illusionen rauben! „Die Titelgeschichte der Ausgabe handelte von einer schwangeren Frau, der ein neuartiger Herzschrittmacher mit Atombatterie implantiert werden sollte. Die Überschrift des Zeitungsartikels lautete „Atom Heart Mother“ (Atomherz-Mutter). Danach entschied sich die Band, den Titel auch für das komplette in Produktion befindliche Album zu verwenden“, weiß Wikipedia. Und das Cover mit der Kuh? Das hatte sich die Band schon vorher ausgesucht, weil sie sich nicht mehr länger auf ihr Spacerock-Image festlegen lassen wollte. Einfach mal so als Kontrapunkt ein Stück Natur also. Manchmal ist es vielleicht doch besser, nicht ganz so genau zu wissen, wie alles wirklich war…  Jetzt aber zu „If“. Dieser kleine feine Gitarrensong geht auf „Atom Heart Mother“ neben dem monumentalen Titelstück etwas unter. Element Of Crime haben das jetzt mit ihrer Version dieses Stücks wieder gerade gerückt.
Und zu guter Letzt „We Have All The Time In The World“, eigentlich gesungen von Louis Armstrong. Bei ihm muss ich immer an die 70er-Jahre-Parodie von Otto Waalkes denken, der alle möglichen Leute das deutsche Volkslied „Im Frühtau zu Berge“ singen ließ. Als Louis Armstrong klang das dann mit belegter und zugleich seltsam gepresster Stimme so: Wöwöwöwöwö – im- Fuih-tau zu Beg-ge-we go – falleraaaaaaaaah“ Sven Regener hingegen versucht erst gar nicht, den großen „Satchmo“ zu parodieren und singt „We Have All The Time In The World“, das einst in einem James-Bond-Film erklang, wie einen eigenen Song. Auch nicht schlecht. Das Gesamturteil lautet: voll befriedigend (12 Punkte).

Element Of Crime
Lieblingsfarben und Tiere
Vinyl
Vertigo Berlin (Universal Music) 2014
7,95 EUR
ASIN: B00LXLQMAW

www.justament.de, 8.9.2014: Geschwisterliebe

Recht cineastisch, Teil 19: „Die geliebten Schwestern“ von Dominik Graf

Thomas Claer

die-geliebten-schwesternWas ist denn das schon wieder für eine Männerphantasie? Ein noch wenig bekannter und in prekären finanziellen Verhältnissen lebender Dichter um die dreißig wird von zwei bildhübschen adeligen jungen Damen heiß begehrt, die noch dazu Schwestern sind und nicht nur alle ihre Geheimnisse, sondern auch ihre Leidenschaft für den jungen Mann miteinander teilen. Und es bleibt auch keineswegs beim bloßen Begehren, ganz ausdrücklich ist im Film von einer „Vertiefung“ der so vielfach bekundeten Freundschaft beider Mädchen mit dem Dichter die Rede, die dann auch noch jeweils ausgiebig vollzogen wird. Bemerkenswerterweise entsteht dadurch keinerlei Eifersucht zwischen den Beteiligten. Eine gelebte Utopie der freien Liebe gewissermaßen, und das 180 Jahre vor Rainer Langhans, Uschi Obermaier und der Kommune 1! Davon handelt „Die geliebten Schwestern“, der neue Kostümfilm von Dominik Graf, in dem die überaus pikante Menage-a-trois des späteren Großschriftstellers Friedrich Schiller (Florian Stetter) mit Caroline (Hannah Herzsprung) und Charlotte (Henriette Confurius) von Lengefeld geschildert wird. Ob sich die Dinge damals, in den Jahren 1787 ff., tatsächlich so abgespielt haben, ist zwar in der Schiller-Forschung noch nicht restlos geklärt, doch gibt es schwerwiegende Hinweise, die eine Deutung, wie der Film sie suggeriert, sehr nahelegen. Insbesondere existieren spärliche Überbleibsel des anscheinend äußerst regen Briefverkehrs zwischen den drei zentralen Gestalten: Seinerzeit schrieben sie sich, wann immer sie ihre Zeit nicht gemeinsam verbringen konnten, mehrmals täglich und meist ausführlich munter im Dreieck. Was allerdings feststeht, ist der Umstand, dass Friedrich Schiller die jüngere der Schwestern, Charlotte, 1790 ehelichte, wobei aber Grund zur Annahme besteht, dass er doch eigentlich eine Spur mehr Gefallen an der älteren, Caroline, gefunden hatte. Da diese aber ihrerseits bereits unglücklich verheiratet war (eine „Vernunftehe“ mit einem reichen Langweiler), übernahm die jüngere Charlotte den Part der Ehefrau, um ein dauerhaftes Beieinanderbleiben der drei Liebenden zu ermöglichen.
Natürlich konnte das nicht ewig gutgehen. Als nach ein paar Jahren Kinder ins Spiel kommen, deren Urheberschaft – zumindest in Carolines Fall – nicht eindeutig aufzuklären ist, bricht mit der Zeit erbitterte Feindschaft und rasende Eifersucht zwischen den einst so mustergültig miteinander harmonierenden Schwestern aus. Wüste Beschimpfungen werden ausgetauscht, Porzellan durchs Zimmer geworfen und zerbrochen. Kurz, sie verhalten sich dann doch noch wie ganz normale Menschen. Ein sehenswerter Filmgenuss mit einer umwerfenden Hannah Herzsprung.

Die geliebten Schwestern
Deutschland 2014
Regie: Dominik Graf
Drehbuch: Dominik Graf
170 Minuten, FSK: 6
Darsteller: Hannah Herzsprung, Florian Stetter, Henriette Confurius u.v.a.

www.justament.de, 1.9.2014: Licht und Schatten

Phillip Boa & the Voodooclub auf „Bleach House“

Thomas Claer

boa-coverFrüher war alles besser. So falsch dieser Satz zumeist ist, bei diesem Musiker hat er eine gewisse Berechtigung. Denn einem fulminanten Frühwerk, das seinen frühen Ruhm in den Achtzigerjahren begründete, ließ Phillip Boa, der über die Jahre immer wieder andere Instrumentalisten um sich scharte, die dann als Voodooclub firmierten, ein recht durchwachsenes Anschlusswerk folgen. Als Besitzer aller bislang 18 Boa-Studioalben fühle ich mich schon fast wie der Sesamstraßen-Mann, der mit sich selbst hadert, weil er unablässig ein bestimmtes Restaurant aufsucht, nur um sich dort immer wieder aufs Neue über den unfähigen Kellner Grobi aufzuregen, der ihm stets die falschen Gerichte bringt. Nun war zwar auch nicht alles schlecht an den Voodooclub-Veröffentlichungen der letzten 20 Jahre. Nur musste man sich als leidgeprüfter Fan zumeist mit ein bis zwei guten Songs pro Album bescheiden, während auf den ersten sieben Platten noch jeder einzelne Track eine Offenbarung war. Zuletzt war es aber gerade wieder etwas aufwärts gegangen bei Phillip Boa. Auf dem Vorgängeralbum „Loyalty“ von 2012, das mit Platz 13 in der Verkaufscharts auch einen überraschenden kommerziellen Erfolg erzielte, waren mit „Sunny When It Rains“ und „Til the Day We Are Both Forgotten“ zwei wirklich große Popsongs – und darüber hinaus sogar noch ein paar weitere brauchbare Lieder.
Nun also „Bleach House“, die erste Platte nach dem sehr bedauerlichen (und diesmal wohl endgültigen) Ausscheiden der bezaubernden Co-Lead-Sängerin Pia Lund. An ihre Stelle tritt eine junge Sängerin namens Pris, die sich ganz wacker schlägt, wenn auch ihrer Stimme in den meisten Songs eher weniger Präsenz eingeräumt wird. Insgesamt ist der Boa-Sound jetzt wieder rockiger und weniger elektronisch. Das anarchische Getrommel, besonders im Titelsong „Kill the Future“, erinnert sogar angenehm an die ganz frühen Jahre. Doch immer dann, wenn Phillip Boa den wilden Mann spielen zu müssen glaubt und mit betont wuchtigen Refrains aufwartet, ist er wenig überzeugend – und genau hier liegt das Problem schon seit zwei Jahrzehnten! Vielmehr waren es in jenen Jahren die leisen, melancholischen, manchmal auch verspielten Songs wie „Punch & Judy Club“, „Faking to Blend in“, „Emma“ oder „Jane Wyman“, die oftmals am Ende noch alles rausgerissen haben. Auf „Bleach House“ findet sich Vergleichbares nur in Ansätzen. „Standing Blinded on the Rooftops“ hat noch am ehesten Popsong-Qualität, doch ist ausgerechnet hier die Produktion um einiges zu glatt geraten. Gleich mehrere Stücke werden nach durchaus ansprechendem Strophen-Teil von den bombastischen Refrains regelrecht zerstört. Unter den lauteren Songs geht noch am ehesten „Ueberblendung“ in Ordnung, das den bemerkenswert selbstkritischen Text “I sold my soul in the nineties“ enthält. Vermutlich würde es die Qualität der Boa-Veröffentlichungen erheblich steigern, wenn der Meister nur noch höchstens alle fünf Jahre ein neues Album rausbrächte.
Klar, der wahre Boa-Fan braucht auch diese Platte, alle anderen sollten aber besser zu den frühen Scheiben aus den Achtzigern oder zu späteren Lichtblicken wie C90 (2003) oder Loyalty (2012) greifen. Oder  die Voodooclub-Konzerte besuchen, die heute übrigens besser sind als jemals zuvor; es hat sich mit der Zeit eben doch eine große Menge exzellenter Songs angesammelt. Was „Bleach House“ angeht, so lautet das Urteil: befriedigend (8 Punkte).

Phillip Boa & the Voodooclub
Bleach House
Cargo Records 2014
Ca. € 17,-
CARCD 141

August 2014: Ahnenforschung, Teil 6

Zur Namens- und Familiengeschichte Claer

Im vergangenen Jahr standen unsere Forschungen ganz im Zeichen der Auswertung der bis ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Kirchenbücher aus Ludwigswalde, die unser entfernter Verwandter Andreas Z. dankenswerterweise bei den Mormonen bestellt, in mühsamer Arbeit abfotografiert und in eine Online-Galerie eingestellt hat. Wir haben mehr gefunden, als wir zu hoffen gewagt hatten, wenn auch keineswegs immer gerade das, wonach wir gesucht haben. Im Anschluss an die Präsentation unserer bisherigen Kirchenbuch-Funde folgen noch einige aktuelle Funde aus meinen Online-Recherchen, aber zunächst geht es nach Ludwigswalde.

Ausgangspunkt unserer Betrachtungen ist der nun endlich gefundene Geburtseintrag meines Urururgroßvaters Friedrich Claer, geboren am 22. November 1799 als „Christian Friedrich Klaer“ in Ludwigswalde. Seine Eltern sind demnach der Unterförster Friedrich Wilhelm Klaer (Lebensdaten laut Eintrag in der Mundia-Datenbank: 1770-21.12.1815) und Susanne Hoemke. Folglich ist Christian Friedrich Klair ein Bruder des Johann Wilhelm Claer (Lebensdaten laut Eintrag in der Mundia-Datenbank: 10.7.1803-22.4.1880), welcher laut Geburtseintrag aus dem Geheimen Staatsarchiv die gleichen Eltern hat. Eine interessante Abweichung, auf die wir später noch zurückkommen werden, liegt darin, dass in der Mundia-Datenbank als Mutter von Johann Wilhelm nicht Susanne Hoemke, sondern eine Susanne Kopfhammer angegeben ist. (Das ist zwar offensichtlich unzutreffend, bringt uns aber auf eine neue Spur.)

1. Die Claers in Ludwigswalde

Bislang haben wir nur bzw. immerhin schon die Taufeinträge in Ludwigswalde von 1700 bis 1800 durchgesehen. (Es warten noch auf Auswertung: Taufen 1665-1700, Heiraten 1682-1814 und Tote 1682-1813.) Die Entzifferung der zumeist in Latein und Sütterlin gemischt geschriebenen Einträge war oft ein ziemliches Rätselraten, vieles ist sehr schlecht zu lesen, weshalb trotz aller Bemühungen eine gewisse Rest-Unsicherheit bleibt…

Hier zunächst unsere gesammelten Funde in chronologischer Reihenfolge beginnend mit den zeitlich jüngsten:

– S. 80-links-1 (1799):
Ludwigswalde / Christian Friedrich Klaer / 10 Eintrag des Jahres / Nov. 22. / Pater: Friedrich Wilhelm Klaer / Mater: Susanna Hoemke / Testes (Paten): 1. Frau ??? Gegenbein / 2. Friedrich Maz / 3. Gottlieb Maz zu Gottenf. / 4. Johann Christian Maz aus Pannerk / 5. H Herolz ??? unscharf…

klein S. 80 links 1 (1799)

 

 

– S. 71 links-2 und rechts-2 (1797):
Ludwigswalde / 10 / männlich, ehelich / dem königl. ???bergförster Johann Friedrich Clair ist von seiner Ehefrau Susanna Dorothea Liedmannin (also Liedmann) 9zehnten Februaris ein Söhnlein geboren welcher ejusdem (also hier in Ludwigswalde) getauft wurde Friedrich Wilhelm.
Pathen:
1. Christian Lupgeber (???), Knecht
2. Christoph Schultz, ”
3. Johann Podels ??

klein S.71 links2 (1797)klein Seite 71 rechts 2 (1797)

 

 

 

 

– S. 61 links-2 und rechts-2 (1794):
dem Johann (oder Jochen?) Christian Klaer. Aufquatier (oder Auf quatier?) vom Depots Batallion ist von seiner Ehefrau, Mar. Elisa Prangin, 8 km abge… (?) (abgelegen?) ein Töchterlein gebohren, welches achtzehnten April getauft nomina Cath. Elisabeth.
Taufpathen:
1. Stefan Schult (ist Knecht)
2. Charlotta Schuldmannin (?)
3. Löv. Drehen.. (?)
4. Charles Wirmilin
5. Bafellegsen
6. Schulzin
7. Möllershufen”

klein S. 61 links2 (1794)klein S. 61 rechts2 (1794)

 

 

 

 

– S. 57-links-1 und rechts-1 (1793):
dem Johann … (?) Kopfhammel Unterförster ist von seiner Ehefrau Susanna Dorothea Liedmanin … ein Töchterlein gebohren nomina Anna Louisa (?)

Außerdem zählt zu den Taufpaten auch eine Sophia Warnien. Der Name Warnien kommt auch noch in anderen Einträgen vor. Die spätere Ehefrau des Johann Wilhelm Claer (geb. 1803) war eine geborene Warnien. Auch der Name Hoemke findet sich noch an einigen Stellen.

– S. 42-links-1 und rechts-1 (1788): “dem Johann Samuel (?) Kopfhammer Unterförster ist von seiner Ehefrau Susanna Dorothea Liedmannin … ein Söhnlein gebohren nomina Georg Heinrich”

– S. 39-links-1 (1788):
obere Mitte der Seite, da steht bei den Taufpaten gleich unter 1. Christian Clair. Wobei man “Christian” sehr gut lesen kann, aber “Clair” sehr schlecht. Also es ist fraglich, ob es wirklich Clair heißt, aber es wäre möglich.

klein S. 39 links 1 (1788)

 

 

– S. 123 (1752):
Am 1. Oktober ist des Gottfried Klair, iun, militis. Weib, Julia Ruollin mit einer Tochter niedergekommen, selbige wurde Maria 4. … getaufet.

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– S.116 (1749):
Am 13. September ist des Gottfried Klair jun., Musquetiers vom Mountenfil … Regiment sein Weib mit einer Tochter niedergekommen, selbda wurde als dann 1.4. getauft nomine Louisa.

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– S.101 (1739):
Am 11. September ist des Johann ??? Schmids Cleer, Schultzen in Altenburg, Ehegattin mit einem jungen Sohn entbunden welcher am 14. Jujus getaufet und Johann Christoph genannt worden.

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– S. 95 links (1736):
3. February wird der (des?) Minhart Mil. (wohl Abkürzung für Miles = Soldat) Claer, Intimus von hier (könnte heißen: er ist hier gut bekannt), sein Töchterchen, welches ?? 30 (20?) January gegen Abend gebohren, zur Kirche gebracht, und ihm den Nahmen Regina gegeben.”

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Leider gibt es also keinen Geburtseintrag zum Vater „unseres“ Christian Friedrich, zum Unterförster Friedrich Wilhelm Claer d.Ä. (1770-21.12.1815) in Ludwigswalde. Er dürfte wohl zugewandert sein. Genaueres wird möglicherweise eine spätere Auswertung der Hochzeitseinträge ergeben. Doch hat es offenbar noch mehrere andere Claers in Ludwigswalde gegeben.

Zunächst springt der königliche Förster (wir lesen dort „königl. Vubergförster“, was aber keinen Sinn ergibt) Johann Friedrich Clair ins Auge, der 1797, also zwei Jahre vor der Geburt „unseres“ Christian Friedrich Klair, einen Sohn Friedrich Wilhelm d. J. bekommen hat. Demnach hat es 1797/1799 zwei Förster mit Namen Claer in Ludwigswalde gegeben, „unseren“ Unterförster Friedrich Wilhelm d.Ä. und den offenbar ranghöheren königlichen Förster Johann Friedrich. Es liegt natürlich nahe, in ihnen Brüder zu sehen, auch die Abfolge der Geburten ihrer Söhne kurz nacheinander spricht zumindest für ein ähnliches Alter der beiden Förster. Auch war es damals sehr verbreitet, die eigenen Kinder nach Onkeln oder Tanten zu benennen. Wegen der seinerzeit allgemein niedrigeren Lebensdauer stand die Gefahr von Namensverwechslungen bei gleichen Vornamen sicherlich weniger im Vordergrund als heute.

Spannend wird es, wenn wir die Ehefrau des königlichen Försters Johann Friedrich Clair unter die Lupe nehmen: Sie heißt Susanna Dorothea Liedmanin (also Liedmann). Im Jahr 1797 wird sie Mutter des jüngeren Friedrich Wilhelm Claer. Jedoch war ebendiese Susanna Dorothea Liedmann laut den Einträgen 1788 und 1793 noch mit dem Unterförster Johann Kopfhammer verheiratet und hat ihm einen Sohn und eine Tochter geboren. Da es mit Ehescheidungen in der damaligen Zeit nicht so einfach, die allgemeine Sterblichkeit aber recht hoch war, lässt sich annehmen, dass Johann Friedrich Clair irgendwann zwischen 1793 und 1798 die Witwe Dorothea Liedmann des mutmaßlich verstorbenen Försters Johann Kopfhammer geheiratet hat. (Es wäre sogar denkbar, dass hierin der Anfang der Försterdynastie Claer lag, denn die Ehelichung der Witwe könnte durchaus mit dem Antritt der Försterstelle des verblichenen Johann Kopfhammer verbunden gewesen sein, während wir über noch frühere Förster Clair bislang nichts wissen. Womöglich hat Johann Friedrich Clair in der Folge sein Amt und seine alsbaldige Beförderung zum königlichen Förster dazu genutzt, seinem mutmaßlichen jüngeren Bruder Friedrich Wilhelm eine zusätzliche Stelle als Unterförster einzurichten, woraufhin auch dieser in Ludwigswalde eine Familie gegründet hat.) Hinzu kommt nun aber, dass in der Mundia-Datenbank als Mutter des Johann Wilhelm Claer nicht (was zutreffend gewesen wäre) Susanne Hoemke, sondern Susanna Dorothea Kopfhammer eingetragen ist. Entweder handelt es sich hier schlicht um eine Verwechslung der Großtante mit der Großmutter – oder aber Susanna Dorothea Liedmann / Kopfhammer / Claer hat zu einem noch späteren Zeitpunkt, vielleicht nach dem Ableben ihres Mannes Johann Friedrich Claer auch noch dessen Bruder Friedrich Wilhelm Claer geheiratet, der dann aber seinerseits bereits verwitwet hätte sein müssen. In diesem Falle wäre die Dame nacheinander mit drei Förstern verheiratet gewesen!

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Bernhard Danckelmann 1896 in der Gala-Uniform eines königlich preußischen Oberforstmeisters. Reproduktion eines Gemäldes von Heinrich Lauenstein. (http://de.wikipedia.org/wiki/Oberf%C3%B6rster)

Es lassen sich zwar wie gesagt keine noch früheren Förster Claer in Ludwigswalde finden, dafür aber gleich drei Soldaten Claer/Klair, nämlich

– der Miles (also Soldat) Minhart Claer, dessen Tochter Regina 1736 in Ludwigswalde getauft wurde
– der Musketier/Milites Gottfried Klair, der 1749 und 1752 auch jeweils eine Tochter in Ludwigswalde hat taufen lassen (Louisa und Maria, die Mutter war Julia Ruollin)
– und Johann Christian Klaer auf Quartier vom Depots Batallion, 1794 ebenfalls Vater einer Tochter Cath. Elisabeth (Mutter war Elisa Prangin)

Was aber bedeutet „auf Quartier“? Ein zeitgenössisches Lexikon gibt Antwort.

Großes Universallexikon, verlegt von Heinrich Fedler, 30. Band, Leipzig und Halle 1741:

Quartier, heißt bei den Soldaten: 1) So viel als Gnade, Verschonung, daher sagt man: Quartier geben, wenn man dem überwundenen Feinde das Leben schenket, und ihn zu einem Kriegsgefangenen machet 2) Bedeutet es einen jeden Ort, wo die Truppen campiret stehen 3) Wird auch darunter verstanden, ihr Logis, worin sie sich in Friedenszeit aufzuhalten angewiesen worden. Wie sie sich nun daselbst aufzuführen haben, solches erhellet aus dem Artickel Ordinanz, im XXV. B. p. 1781 u. ff. (http://books.google.de/books?id=t1UhAQAAMAAJ&pg=PA124&lpg=PA124&dq=was+ist+ein+quartiermeister?&source=bl&ots=wVaWxKzbSJ&sig=zcRbpzrdfCdBN5R06JimyFkfJ9w&hl=de&sa=X&ei=C4_EUtSAC8LbswbYw4GQCw&ved=0CGcQ6AEwCQ#v=onepage&q=quartier&f=false)

In unserem Fall spricht eigentlich alles für die Bedeutung Nr.3. Während der Friedenszeit brauchte sich der Soldat Johann Christian Klaer offenbar nicht ständig im Depot Battallion aufzuhalten und war demnach auf Quartier bei seiner Braut, die ihm eine Tochter zur Welt brachte.

Vom Alter her könnte dieser Johann Christian (der seine Tochter 1794 bekam) ein weiterer Bruder der beiden Förster Johann Friedrich und Friedrich Wilhelm gewesen sein. Die anderen beiden Soldaten, Gottfried und Minhart (deren Kinder 1736, 1749 und 1752 zur Welt kamen), gehören wohl eher zu deren Großeltern-Generation. Doch wenn man bedenkt, dass wer damals gut schießen konnte, damit wohl schon fast als Förster qualifiziert war, dann führt die Spur ganz klar zum Militär. Womöglich gab es sogar eine Menge Claers beim Militär, von denen einige ihre Kinder im nahegelegenen Ludwigswalde taufen ließen und ein bis zwei andere von ihnen dann in dortige Försterfamilien einheirateten. Ich erinnere daran, dass Johann Wilhelm Claer (1803-1880), der Bruder unseres Christian Friedrich Claer (geb. 1799), Inhaber eines Forstversorgungsscheins war, d.h. aufgrund einer abgeleisteten Militärzeit erwarb er das Anrecht auf eine spätere Försterstelle (siehe meine früheren Aufzeichnungen).

Weiterhin hatten wir aber auch noch den Schmid (also Schmied) Johann ?? Cleer gefunden, der im Jahr 1739 offenbar nebenberuflich oder ehrenamtlich Schultze (d.h. Bürgermeister) von Altenberg war, einem kleinen Ort in der Nähe von Ludwigswalde, und Vater eines Sohnes Johann Christoph wurde. Er war offensichtlich vor den Förstern der einzige Claer, der in Ludwigswalde bzw. in der Umgebung fest ansässig war, die Soldaten entfernten sich ja nur kurz zur Kindstaufe von ihren Einheiten oder waren „auf Quartier“. Vielleicht sorgte dieser Schmied und Bürgermeister ja sogar dafür, dass seine mutmaßlich verwandten Soldaten zu ihren Kindstaufen nach Ludwigswalde kamen. Und doch lässt mich dieser Bürgermeister wieder an den Bischof Johannes Clare aus dem 14.Jh. denken, dessen Neffe Frowin Clare laut Wikipedia 1327 das Schulzenamt von Neuendorf bei Fischhausen antrat…

Noch ein Nachtrag zu Susanne Hoemke, der Ehefrau „unseres“ Unterförsters Friedrich Klair (1770-1815). In meinen Aufzeichnungen von 2013 hatte ich ja bereits auf meinen Fund hingewiesen, wonach eine Susanna Elfriede Hoemke in einer der genealogischen Datenbanken im Inernet (http://www.werelate.org/wiki/Person:Susanna_Hoemke_%281%29) erscheint und demnach bereits am 28.3.1779 in Neu Sorgem, Kreis Fischhausen/Ostpreußen, mit ihrem Mann Martin Braeuer einen Sohn namens Gottfried Breyer (Braeuer) bekommen hat. Vielleicht war das ja nicht „unsere“ Susanne Hoemke, sondern eine Verwandte (z.B. die Tante) von ihr, deren Vorfahren womöglich auch aus dem Kreis Fischhausen stammten. Und diese Verwandtschaft bzw. Verschwägerung könnte „unseren“ Christian Friedrich Clair später wieder nach Corjeiten (Kreis Fischhausen) geführt haben, wo er 1724 mit der Jägerstochter (sic!) Justine Knaebe eine Familie gegründet hat, aus der auch mein Ururgroßvater Franz Claer, der Postschaffner (1841-1906), hervorging.

Und noch eine kurze Ergänzung zu meiner Urururgroßmutter, der erwähnten Justine Knaebe (Knebe, Knebel). Eine Internetseite, die über die Einwanderung von Religionsflüchtlingen in den Jahren 1731/32 aus dem Salzburgischen nach Ostpreußen berichtet (http://salzburger.homepage.t-online.de/Fam-name.htm), führt eine Liste aller Familiennamen dieser Einwanderer mit zahlreichen Namensvariationen auf, die dem „Stammbuch der ostpreußischen Salzburger“ von Hermann Gollub entnommen sind.

Unter anderem findet sich dort auch der Name:

Knäbel, Knebel, Knöbl, Knäbl, Knabel, Knappel, Knobl, Knabe, Knäbe, Knebe, Knab

Demnach gehörten die Vorfahren von Justine Knaebe sehr wahrscheinlich zu dieser Gruppe von Einwanderern.

Flucht

 

Flüchtlinge aus dem Salzburgischen auf dem Weg nach Ostpreußen

Auf der Seite heißt es weiter:

„Rund 200 Jahre nach dem Beginn der Reformation durch den Anschlag der Thesen Martin Luthers war der evangelische Glaube tief in die Herzen vieler Salzburger gedrungen. Dies war von der herrschenden Geistlichkeit nicht gelitten, denn  Toleranz gegenüber Andersgläubigen war zu damaliger Zeit nicht angezeigt. Mit der Bekanntgabe des Emigrationspatents am Reformationstag 1731 war das Schicksal der Protestanten besiegelt. Das Land Salzburg verlor durch die Ausweisung ein Fünftel seiner Bevölkerung. Recht bald mussten die Unangesessenen, die nicht Besitzenden, das Land verlassen, Monate später auch die Angesessenen. Das Einladungspatent des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. gab ihnen eine neue Heimat: 15 000 kamen nach Ostpreußen.“

Und an anderer Stelle steht:

„Gut 200 Jahre war es den salzburgischen Emigranten und ihren Nachkommen vergönnt, in der Ferne eine neue Heimat zu finden und schließlich auch bodenständig zu werden. Wieder war es ein Herrschaftsregime, das Ihnen die Heimat nahm. Die totalitäre Führung der Nationalsozialisten, die Raum im Osten erzwingen wollte, führte in einen Weltkrieg, der nicht gewonnen werden konnte. Über 2 Mill. Ostpreußen, unter Ihnen fast jeder Dritte salzburgischer Abstammung, wie gesagt wird, mussten auf Anordnung des Gauleiters ihre Heimat vor dem Ansturm der russischen Truppen verlassen, flüchten oder wurden später ausgewiesen und kamen verstreut in das Gebiet der heutigen Bundesrepublik.“

226_Ankunft_der_Salzburger_Glaubensfluechtlinge_in_Ostp

 

 

 

Die meisten Salzburger kamen zu Schiff in Königsberg an. (http://www.preussenchronik.de/bild_jsp/key=bild_219.html)

Schließlich zitiert die Seite noch den berühmt-berüchtigten Dichter, Freiheitskämpfer und Nationalisten Ernst Moritz Arndt (1769-1860), der da sagte: “Es ist ein prächtiges deutsches Volk, die Preußen, besonders die Ostpreußen und was dort von den Salzburgern stammt.“

 

2. Spekulationen über die Herkunft: David Clerc, Christian Clerc, die Berliner Leclercs oder Johannes Clare?

An dieser Stelle kann die Spekulation über die Herkunft der Claers in eine neue Runde gehen. Ausgangspunkt ist wieder einmal die schon mehrfach zitierte Auskunft des ausgewiesenen Hugenottenforschers Dierk Loyal:

Von: Dierk.Loyal@T-Online
Gesendet: Donnerstag, 9. Februar 2012
An: Andreas Z.

Hallo Herr Z.,
alle französischen Familien in Ostpreußen sind bekannt und bei Horst Kenkel (Franz. Schweizer u. Réfugiés als Siedler im nördlichen Ostpreußen (Litauen) 1710 – 1750, in: Sonderschrift des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e.V., Nr. 13, Hamburg 1970.) verzeichnet. Eine Familie Claer fehlt hier.
Die französischen Familiennamen in Ostpreußen haben sich allerdings stark verändert. So könnte der Familienname ursprünglich sich von Clerc (Clair, Claird, Clere, Claer, Clari, Klär etc). Es gibt auch die Familie Loclair. In den Kirchenbüchern kommt vereinzelt auch „Lo Claire“ vor.
Meiner Meinung nach dürfte hier aber wohl eine Herleitung von Clerc vorliegen. Dies müsste man aber allerdings durch Kirchenbucheintragungen nachweisen.
Der Ort Corjeiten liegt in dem Kirchenkreis Fischhausen. Die zuständige ev. Kirche war Germau. Die Kirchenbücher liegen heute im „Evangelischen Zentralarchiv“ in Berlin. Dort müssten Sie nach weiteren Vorfahren suchen. Ich vermute, dass die Vorfahren aus dem Kreis Gumbinnen kamen.
Stammvater der Familie Clerc war David Clerc, der aus St. Imier (Dieser kleine Ort liegt im Berner Land in der Schweiz, Anm. TC) stammte. Er wanderte 1712 ein und siedelte sich in Matzutkehmen an. Er heiratet in Judtschen 1718. Bereits 1724 heiratet die Witwe erneut. Kinder sind leider nicht bekannt. Dann gab es noch einen Jacob Clerc der ebenfalls in Matzutkehmen lebte. Kinder sind ebenfalls nicht bekannt. Ich vermute, dass bereits in dieser frühen Zeit die Familienmitglieder aus dem Kreis Gumbinnen abwanderten. Zumindest war Jacob Losgänger und besaß daher kein eigenes Land.
Dann gab es noch einen Christian Clerc, der 1719 in Stolp auf dem Weg nach Ostpreußen registriert wurde. Wo er sich in Ostpreußen ansiedelte, ist allerdings unbekannt.
In Berlin gibt es die Familie le Clerc. Es könnte sein, dass Familienmitglieder von dort nach Ostpreußen wanderten.

Gruß

Dierk Loyal“

 

a) David Clerc aus Matzutkehmen

Da wir nunmehr den Namen Claer bis zurück ins Jahr 1736 in Ludwigswalde zurückverfolgen können (bis zum Soldaten Minhart Claer), erscheint zunächst eine Verbindung zur Familie des aus St. Imier in der Schweiz (Berner Land) eingewanderten David Clerc aus Matzutkehmen (Kreis Gumbinnen) denkbar, die dort immerhin bis zu Davids Tod kurz vor 1724 ansässig war. David oder noch eher sein Verwandter Jacob Clerc könnten Kinder gehabt haben (auch wenn davon nichts bekannt geworden ist), die später Soldaten geworden sind.
Wikipedia berichtet über Matzutkehmen:
Aufgrund seiner Lage direkt am Ufer des Wystiter Sees und damit an der Grenze zwischen dem damaligen Ostpreußen und Litauen wurde häufig Schmuggelware über den See transportiert. Im Rahmen des Zweiten Weltkrieges wurde das Dorf komplett zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Von Matzutkehmen (würde heute im äußersten Südosten der Oblast Kaliningrad liegen) bis Ludwigswalde (heute Lesnoje, im Westen der heutigen Oblast Kaliningrad, südlich von Königsberg) sind es etwa 120 Kilometer. Das ist zwar keineswegs eine unüberwindbare Entfernung. Eine Verbindung drängt sich aber angesichts der damaligen verkehrstechnischen Möglichkeiten auch nicht unbedingt auf.

Matzutkehmen

 

 

 

 

Wystiter See bei Matzutkehmen

 

b) Christian Clerc, der nach Preußen gehet

Dann gibt es noch den erwähnten Christian Clerc, der nach jetzigem Kenntnisstand vielleicht der heißeste und zugleich der rätselhafteste aller unserer „Kandidaten“ ist. Er befindet sich auf der Liste der „Reformierten Siedler auf dem Wege nach Ostpreußen und zurück 1714-1733“ (Quelle: Walther Eylert in: Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete, 12. Jahrgang, 1935), die online einsehbar ist unter

www.stolp.de/stolp…/stolp_deutsch_reformierte_gemeinde.html?…

Die Einträge stammen aus Aufzeichnungen in der Gemeinde Stolp in Pommern, die von vielen Siedlern auf dem Weg nach Ostpreußen, aber auch in entgegengesetzter Richtung passiert wurde. Die meisten waren, wie sich aus den Aufzeichnungen ergibt, gebürtige Schweizer, einige waren Franzosen. Ganz überwiegend waren die Menschen in Gruppen unterwegs (meistens in Familien), nur wenige reisten alleine. Noch seltener kam es vor, dass ein einzelner Reisender an einem Tage als einziger Siedler in die Liste eingetragen wurde. Bei Christian Clerc, der Stolp am 30.8.1719 durchreiste, war aber genau das der Fall. Sein Eintrag lautet schlicht „Christian Clerc, der nach Preußen gehet“ mit dem Zusatz, dass er „von Westen“ kommt. Bei vielen anderen Reisenden (man kann wohl sagen bei den meisten) findet sich in den Eintragen der Zusatz, dass sie „gut Zeugniß“ hätten. Bei Christian Clerc steht nichts davon.

Nun haben wir bereits öfter die weit verbreitete Tendenz in der damaligen Namensgebung erwähnt, bestimmte Vornamen innerhalb einer Familie oft zu wiederholen. Wenn Kinder nicht direkt nach den Eltern benannt wurden, dann oft nach Onkeln oder Tanten, Großeltern oder sonstigen Verwandten. Insofern könnte es von Bedeutung sein, dass sich in Ludwigswalde sowohl bei unserem Vorfahren Christian Friedrich Klaer (geb. 1799) als auch beim Soldaten auf Quartier Johann Christian Klair der Vorname Christian findet. Es könnte aber auch Zufall sein, denn der Name Christian war damals über lange Zeiträume hinweg, wie ich in den Taufeiträgen erkennen konnte, in Ludwigswalde (und sicherlich nicht nur dort) sehr verbreitet.

Kadettenhaus_Stolp

 

 

 

 

 

Kadettenhaus zu Stolp um 1793

Sicherlich kommt dieser Christian Clerc als Vorfahre „unserer“ Jäger und auch der Soldaten namens Klair in Betracht. Es bleiben aber auch Zweifel hinsichtlich der zeitlichen Abstände. Angenommen, Christian Clerc hätte gleich 1719 in Ostpreußen eine Familie gegründet, dann könnte der Soldat Minhart Claer, wenn er denn wirklich Christians Sohn wäre, im Jahr 1736, dem Jahr der Geburt seiner Tochter, erst 15 Jahre alt gewesen sein. Man kann sich das zur damaligen Zeit kaum vorstellen. Mit den anderen Soldaten und dem Schmied und Bürgermeister von Altenberg würde es zeitlich schon besser passen.

Nur am Rande sollen hier die „Menschenraube“ Erwähnung finden, die Friedrich der Große insbesondere in der Schweiz durchführen ließ, um Soldaten für seine Armee zu rekrutieren. Da Friedrich erst seit 1740 König von Preußen war, kann das jedenfalls die frühen Soldaten namens Claer noch nicht betroffen haben.

Woher genau aber könnte Christian Clerc gekommen sein, als er 1719 in Stolp auf der Durchreise von Westen nach Preußen registriert wurde? Vielleicht – wie so viele andere – aus der Schweiz, dann könnte er zur Familie des David Clerc aus St. Imier gehört haben oder auch nicht. Oder er kam aus Frankreich.
Oder er war ein womöglich illegitimer Abkömmling der hugenottischen Familie Leclerc aus Berlin.

 

c) Die Berliner Leclercs

Womit wir wieder bei der Berliner Familie Leclerc /Le Clerc / Leclair / Le Clair / v. Clair wären. Einige Zeit dachten wir ja, dass es eine Verbindung zu Wilhelm Theodor v. Clair (1767-1831), dem Hauptmann von Gumbinnen, gegeben haben könnte. Aber der war erst ca. 1798 nach Gumbinnen versetzt worden. Zu dieser Zeit gab es, wie wir jetzt wissen, ja schon so einige Claers in Ostpreußen. Aber immerhin könnten damals unsere Vorfahren von der Existenz der Adelsfamilie v. Clair in Gumbinnen erfahren haben, und das könnte wiederum möglicherweise Einfluss in die mündlich weitergegebene vage familiäre Überlieferung gefunden haben.

Ferner hatten wir eine Verbindung zum Vater des Wilhelm Theodor v. Clair, dem Ingenieurkapitän Gottlieb August le Clair (1730/1731 bis 1778/1779), begraben als Gottlieb August v. Clair auf dem Garnisonfriedhof in Berlin, für möglich gehalten. Auch den Berliner Portechaisen-Unternehmer Karl Heinrich v. Clair und den Ingenieurkpitän Friedrich Wilhelm le Clair hatten wir in unsere Überlegungen einbezogen. All das ist zwar weiterhin nicht völlig auszuschließen, ist aber deutlich unwahrscheinlicher geworden, seit wir von den Soldaten namens Claer in Ludwigswalde schon ab dem Jahr 1736 wissen.

Bleiben also die noch früheren Familienmitglieder der Leclercs / Le Clercs / Leclairs / Le Clairs. Zunächst ist zu betonen, dass es sich bei den Leclercs primär nicht um eine Adelsfamilie gehandelt hat. Das französische „le“ ist kein Adelstitel (eher ein unbedeutender Namenszusatz), das „de“ dagegen schon. Alles deutet darauf hin, dass Gottlieb August (1730/1731 bis 1778/1779) der erste in seiner Familie war, der den Adelstitel trug. In meinen früheren Aufzeichnungen habe ich ja viele Fundstellen über ihn zusammengetragen: Im früheren Lebensalter wurde er als Ingenieurkapitän le Clair bezeichnet, später als v. le Clair und schließlich nur noch als v. Clair. Die vereinzelte Bezeichnung de Clair geht, wie ich sehe, ausschließlich auf die Datenbankeinträge von Dr. Gerhard H. aus Australien zurück, einem direkten Nachkommen Gottlieb Augusts, mit dem ich in den letzten Monaten in Korrespondenz stand. Selbst wenn Gottlieb August tatsächlich vorübergehend auch de Clair genannt worden sein sollte, so scheint mir doch seine primäre Namensbezeichnung ganz eindeutig le Clair zu sein. Es ist davon auszugehen, dass ihm seine vermutlich großbürgerlich-hugenottische Herkunft in Verbindung mit seinen besonderen Fähigkeiten eine militärische Karriere in der preußischen Armee ermöglicht hat und er für seine besonderen Verdienste, u.a. bei der Urbarmachung des Warthe-Bruches und der Neumark sowie die Übersetzung eines Buches über die Kriegskunst Ludwig XIV. aus dem Französischen, von Friedrich dem Großen geadelt wurde.

Wer die direkten Vorfahren von Gottlieb August sind, wissen wir nicht, aber es liegt nahe, sie unter den zahlreichen Leclercs in Berlin zu suchen. In meinen Ausführungen von 2012 erwähnte ich den umfangreichen Datenbankauszug, den ich von der Deutschen Hugenottengesellschaft in Bad Karlshafen erhalten hatte. Ich schrieb zum Namen le Clair in Berlin:

„Daneben gibt es vier Damen aus Berlin: Anne Francoise Clair (geb. 1734); Dlle. Marie le Clair (le Clerc, Cler), Patin am 27./31.7.1724 bei Abraham Jacques Louis; Susanne le Clair /le Clerc), Patin am 1.1.1727 bei Etienne Gedeon, am 3./5.1.1727 bei Jean Louis Matthieubei: Dlle. Dorothee Claire, Patin 1717 bei Paul Ravenel; und schließlich in Stettin eine Anne Susanne le Clair (le Clerc), am 10.4.1739 dort getraut mit dem 28-jährigen “droguiste” Jean Tournier.“

Zwar sind die erste und die letzte dieser Damen, Anne Francoise und die Stettinerin Anna Susanne, viel zu spät geboren, um als Mütter des frühesten ostpreußischen Soldaten Minhart Claer, der 1736 eine Tochter bekam, infrage zu kommen. Die drei mittleren hingegen, Mari, Susanne und Dorothee, würden zumindest vom Alter her passen.

Außerdem schrieb ich in meinen früheren Aufzeichnungen:

„Sucht man aber nach „le Clerc“ in Berlin, so wird man fündig bei Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der Preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806/15. Dort ist aufgeführt:
Kammergerichtsrat Louis le Clerc (1733-1795)
Geb. Berlin 13.6.1733, gest. ebda. 27.1.1795, frz-reformiert; Vater: Jean Henri, 1713-1786, Hofrat; Mutter: Susanne, 1715-1776, e. geb. Gillet; Schule: besuchte d. Frz. Gymnasium in Berlin); Studium: schrieb sich am 27.4.1754 in Frankfurt/O. (für die Rechte) ein; Laufbahn: engagierte sich im preußischen Heer; machte als Auditeur im Infanterie-Regiment Prinz von Preußen den Siebenjährigen Krieg mit, etwa 1763 verabschiedet; im Frühjahr 1764 zum Kammergerichtsrat genannt, fungierte als solcher noch 1776, damals auch Revisionsrat beim Frz. Obergericht; seit Spätherbst 1782 Geh. Rat beim Frz. Oberdirectorium, rückte hier auf eigenen Wunsch für den verst. Segond de Hamchet ein, s.d.; 1795 gest.; Quellen: GStA, 1, Rep. 96 B, Nr. 160, Berlinische Nachrichten Nr. 48v. 21.4.1764 (Bestallung), Nr. 147 v. 7.12.1782, Adres-Calender Berlin, Matrikel; Archiv d. Frz. Kirche Berlin; (http://books.google.de/books?id=dwQ5XqLMxzMC&pg=PA558&lpg=PA558&dq=ingenieur+capitain+le+clerc&source=bl&ots=5W6eTukED1&sig=Nt8Qjimpzn4uojpO7jMaxD6aKPc&hl=de&sa=X&ei=IX4ZUbW2MZCRswav-oAI&ved=0CFsQ6AEwBw#v=snippet&q=le%20clerc&f=false)
Von den Lebensdaten ausgehend, könnte es sich beim Kammergerichtsrat Louis le Clerc (1733-1795) um einen Bruder oder Cousin des Gottlieb August le Clair / de Clair / v. Clair (1730/31-1778/79) handeln. (Nachkommen hat er offenbar keine hinterlassen noch war er verheiratet, denn anderenfalls wäre das, wie bei anderen Einträgen in diesem Handbuch auch, sicherlich vermerkt worden.) Die in der Datenbank genannte Anne Francoise Clair (geb. 1734) aus Berlin könnte eine Schwester oder Cousine der beiden gewesen sein. Hingegen gehören die gem. der hugenottischen Datenbank anderen drei in Berlin ansässigen Damen namens le Clair/Clair, die zwischen 1717 und 1727 diverse Patenschaften für Kinder übernommen haben, wahrscheinlich nicht einmal zur Generation der Eltern des Kammergerichtsrats Louis le Clerc (geb. 1733) und des Ingenieur-Capitains Gottlieb August le Clair / de Clair / v. Clair (geb. 1730/31), sondern zur Generation von deren Großeltern. Auch die Eltern des Kammergerichtsrats, nämlich Hofrat Jean Henri le Clerc (1713-1786) und seine Frau Susanne (1715-1776) waren offenbar deutlich jünger. Somit könnten die genannten drei Patentanten, so wie vermutlich die Eltern von Jean Henri le Clerc und seiner Frau, sogar der Einwandergeneration aus Frankreich entstammen, die wohl Ende des 17. Jahrhunderts nach Berlin gekommen sein muss.“

Könnten also die ostpreußischen Soldaten Minhart und Gottfried Claer illegitime Abkömmlinge des Berliner Hofrats Louis le Clerc oder verwandter Generationsgenossen von ihm gewesen sein? All das bleibt reichlich vage und unbestimmt…

Welche Bedeutung aber hat überhaupt der französische Name Clair / Le Clair, dessen ursprüngliche Schreibweise offensichtlich Clerc / Le Clerc ist?

In einem Online-Forum wurde diese Frage jüngst diskutiert. Am Ende einigte man sich auf: Schriftführer, Büroangestellter oder Geistlicher (ähnlich der englischen Variante Clerk), auch: Mönch, der vor allem in der Schriftführung tätig war. Vor allem in Nordwest-Frankreich soll der Name Clerc / Le Clerc verbreitet sein. (http://www.bedeutung-von-namen.de/forum/was-bedeutet-der-name-clerc)

 

d) Bischof Johannes Clare

Ebenfalls noch nicht ganz aus dem Rennen ist die in meinen ersten Aufzeichnungen zur Ahnenforschung mehrfach untersuchte Verbindung zum Erbauer des Königsberger Doms, dem Bischof Johannes Clare, dessen Neffe Frowin Clare wie gesagt laut Wikipedia 1327 das Schulzenamt von Neuendorf bei Fischhausen antrat. Diese theoretische Möglichkeit wird aber erst dann wieder ins Blickfeld rücken, wenn wir Claers in Ostpreußen in der Zeit vor den Einwanderungen der Hugenotten, also deutlich vor 1700, nachweisen können. Das ist bisher noch nicht gelungen. Der Umstand, dass sich zwischen 1700 und 1736 keine Claers in Ludwigswalde finden lassen, deutet eher auf eine hugenottische Herkunft hin, sei es aus der Schweiz oder aus Frankreich.

In der Folge nun noch einige Resultate aus meinen Online-Recherchen des letzten Jahres.

 

3. Die Claers von der Post

Die Claersche Försterdynastie währte, möglicherweise angefangen von Friedrich Wilhelm d.Ä. (1770-1815) und seinem mutmaßlichen Bruder Johann Friedrich, fortgesetzt von Christian Friedrich (geb. 1799) und seinem Bruder Johann Wilhelm (1803-1880), weitergeführt von Friedrich Wilhelm d.J. (1824-1889) und seinem Sohn, dem Schlesien-Auswanderer Otto Wilhelm (1859-1937), über mindestens vier Generationen. Vielleicht erstreckte sie sich sogar noch auf eine fünfte Generation, denn auf einer Internetseite mit alten Adressbüchern (http://adressbuecher.genealogy.net/entry/search) findet sich im schlesischen Oberleutmannsdorf im jahr 1929 ein Förster namens Otto Claer. Zwar könnte hiermit auch Otto Wilhelm Claer gemeint gewesen sein, doch wäre dieser 1929 schon 70 Jahre alt und möglicherweise nicht mehr berufstätig gewesen. Vielleicht hatte also Emma Marie Claer (1883-1985), die in Ober-Leutmannsdorf geborene Tochter des Otto Wilhelm und Urgroßmutter unseres Verwandten Andreas Z., noch einen Bruder namens Otto.

Doch hat sich schon nach der vermutlich zweiten Förstergeneration eine neue Dynastie abgespalten, zu der unsere unmittelbaren Vorfahren zählen: die Claers von der Post. Vielleicht war mein Ururgroßvater Franz Claer d.Ä. (1841-1906) noch aus Verlegenheit Postschaffner geworden, da schon sein deutlich älterer Bruder Friedrich Wilhelm d.J. den Försterberuf gewählt hatte und die Möglichkeiten, als solcher noch irgendwo unterzukommen, mit der Abholzung zahlreicher Wälder bedingt durch die voranschreitende Industrialisierung im 19. Jh. wahrscheinlich nachließen. Demgegenüber war der Fernverkehr, damals zunächst noch das Hauptgeschäftsfeld der Post, ein Wachstumsmarkt. Als später die Bahn der Post das Fernverkehrsmonopol abspenstig machte, verschob sich der Tätigkeitsschwerpunkt der Post in Richtung Brief- und Paketbeförderung. Hinzu kam, da es bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in breiten Bevölkerungsschichten unüblich war, ein Bankkonto zu führen, die vertrauensvolle Zustellung von Geldsendungen. Die Postbeamten waren somit qualifizierte staatliche Hoheitsträger und vielerorts auch Respektspersonen.

Bisher war mir nur bekannt, dass mein Urgroßvater Georg Claer (1877-1930), zweitältester Sohn des Postschaffners Franz Claer d.Ä. und in seiner Jugend Meldereiter in China während des Boxeraufstands (1900), Postassistent war. Konkret soll er als Briefträger gearbeitet haben. Von ihm und seiner Frau Wilhelmine Claer, geb. Petschinski (1876-1940) hat sich übrigens noch das folgende Bild angefunden:

Georg u. Wilhelmine Claer

 

 

 

 

 

 

 

Das Foto wurde vermutlich vor ihrem Neidenburger Haus aufgenommen. Er mit Zeitung, sie mit Buch – man sieht gleich, dass es belesene Leute waren…

Auch wurde manchmal von Georg Claers jüngerem Bruder Richard Claer, genannt „Richard von der Post“ berichtet. Laut der erwähnten Internetseite mit alten Adressbüchern war Richard Postschaffner (wie sein Vater Franz Claer d.Ä.) und wohnte im Jahr 1926 in Neidenburg in der Wasserstraße 100. Mein Urgroßvater Georg Claer ist dort als Postassistent und ebenfalls im Jahr 1926 als wohnhaft in der Wasserstraße 100 in Neidenburg aufgeführt.

Jedoch muss auch der älteste der drei Söhne meines Ururgroßvaters Franz Claer d.Ä., nämlich Franz Claer d.J., bei der Post tätig gewesen sein, und zwar in deutlich ambitionierterer Stellung. Auf der Internetseite mit den Adressbüchern ist nämlich seine Frau Emma Claer im Jahr 1935 als Postsekretärswitwe in Königsberg, wohnhaft in der Lutherstr. 4, aufgeführt. Demnach hat Franz d.J. vermutlich, anders als seine beiden jüngeren Brüder, die in Neidenburg blieben, Karriere in Königsberg gemacht, brachte es bis zum Postsekretär und ist dann relativ früh verstorben. Hier ist an die in meinen früheren Aufzeichnungen bereits erwähnte fragwürdige Autobiographie des Hans Henning „Moppel“ Claer zu erinnern, der ein Enkel von Franz d.J. und Emma Claer gewesen ist. In seinem Buch findet „Oma Emma“ mehrfach Erwähnung, allerdings als wohnhaft auf dem ostpreußischen Landgut Groeben, das sich „Moppels“ Vater Erich Claer, der einzige Sohn des Franz d.J., später gekauft hatte. Für den Verlust dieses Landguts hat „Moppel“ Claer laut eigener Aussage in seiner Autobiographie nach dem Krieg noch eine staatliche Entschädigung ausgezahlt bekommen.

 

4. Noch ein Friedrich Wilhelm Clair aus Ostpreußen und seine Nachkommen

Als ob es noch nicht genug Friedrich Wilhelms in unserer Familie gegeben hätte (bisher kamen wir auf drei), hat sich bei mir vor einigen Monaten ein Herr Michael Clair mit entfernten ostpreußischen familiären Wurzeln gemeldet und mir Teile seines Stammbaums übermittelt, der ausgerechnet einen weiteren Friedrich Wilhelm Clair enthält. Dieser wurde am 29.3.1852 in Klein-Bauma geboren und ist am 4.3.1923 in Schligaten gestorben. Seine Eltern waren Wilhelm Clair und Justine Clair geb. Naujok. Mit seiner Frau Henriette Clair, geb. Stascheit (1848-1911 Luschminken) hatte er die Kinder Gustav Clair (20.9.1884 Utzballen-6.11.1927 Borna), Ida und Anna Clair.

Von den genannten Orten ist lediglich Uszballen (Kreis Ragnit-Tilsit), ein Dorf im heutigen Litauen, zu identifizieren. Luschminken kommt bei Google als Geburtsort eines Offiziers in der preußischen Armee vor, ist aber nicht genauer zu bestimmen. Klein Bauma und Schligaten sind wohl zu klein, als dass man sie finden könnte. Dennoch deuten die wenigen brauchbaren örtlichen Informationen auf das östliche Ostpreußen hin, was im Großen und Ganzen ja auch ins Bild passen würde.

Der früheste Vorfahre dieser Linie, Wilhelm Clair, dürfte spätestens 1832 oder noch etwas eher geboren worden sein. Demnach käme er als weiterer Sohn sowohl von unserem Christian Friedrich (geb. 1799) als auch von dessen Bruder Johann Wilhelm (1803-1880) in Betracht. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass er ein Nachkomme von Friedrich Wilhelm (geb. 1797 in Ludwigswalde), dem Sohn des königl. Försters Johann Friedrich, ist.

Der Name Gustav Claer (1884-1927) könnte ein Indiz für eine Verbindung zu den Amerika-Auswanderern Gustav F. Claer (1832-1894) und Gustaf Claer (1849-1894) sein. Womöglich ist der jüngste Gusav nach einem seiner Onkel benannt worden.

 

5. Noch viele Friedrich Claers!

In meinen Forschungsergebnissen von 2013 war ich zur gewagten Auffassung gelangt, der Erfurter Chausseewächter Friedrich Claer (geb. 1800) müsse mit „unserem“ ostpreußischen Förster Friedrich Clair (geb. 22.11. 1799) identisch sein und folglich Pendler und Bigamist gewesen sein. Dafür sprach in meinen Augen auch der Umstand, dass im Jahr 1819

ein Förster Friedrich Clair im Weimarer Landkreis registriert war (den ich ebenfalls für „unseren“ Friedrich hielt) und der 1825 geborene Sohn des Erfurter Chausseewächters Friedrich Wilhelm Heinrich hieß (der 1824 in Corjeiten geborene Sohn „unseres“ Friedrich hieß Friedrich Wilhelm).

 

a) Wohl doch kein Pendler

Inzwischen wissen wir aber, dass „unser“ Friedrich Claer mit vollem Namen Christian Friedrich hieß. Hinzu kommt nun der irritierende Umstand, dass es auch in Erfurt einen Christian Friedrich Claer gab, der allerdings am 16.11. 1802 in Siersleben bei Hettstedt geboren wurde und später in Erfurt ein Fuhrunternehmen betrieb. Und jetzt kommt es: Dieser Fuhrmann Christian Friedrich Claer hat, wie eine alte Frachtrechnung seines Unternehmens aus dem Internet zeigt, mit „F. Claer“ unterschrieben. Das heißt, auch er nannte sich Friedrich Claer.

Frachtrechnung Fa. F. Claer

 

 

 

Frachtrechnung der Firma F. Claer aus Erfurt über 1 Taler 10 Silbergroschen für den Transport von 1 Ballen Hopfen (1 Zentner 3 Pfund) von Fürth nach Frankenhausen /12/

http://www.frankenhausen.info/brauwesen.htm

Ohne Datierung. Die drei nebenstehenden Frachtrechnungen sind datiert auf 1848-1855.
Im Begleittext heißt es u.a.: Sämtliche Transporte wurden nicht selbst durch eigene Fuhrwerke, sondern von anderen Unternehmen ausgeführt. So kam auch der Hopfen vornehmlich aus den fränkischen Städten Fürth und Altenkundstadt mit Pferdefuhrwerken nach Frankenhausen.

Es gab damals offensichtlich viel mehr Friedrich Claers, als wir uns bisher vorstellen konnten. Und es ist durchaus naheliegend, dass alle miteinander verwandt waren. Das heute wichtige Motiv der Namensgebung, Verwechslungen mit namensgleichen Verwandten zu vermeiden, hat damals – wohl auch angesichts weiter Entfernungen, bescheidener Verkehrstechnik und beschränkter Kommunikationsmöglichkeiten – wie gesagt offenbar kaum eine Rolle gespielt. Viel wichtiger war es allem Anschein nach, bestimmte Vornamen innerhalb einer Familie durch wiederholte Verwendung lebendig zu halten. Meine Vermutung geht sogar so weit, dass die Namen angesehener Familienmitglieder eine Art Markenzeichen wurden, das man gerne auf die Nachkommen übertragen hat, um sie später vom guten Ruf des Namens profitieren zu lassen.

Das wahrscheinlichste Szenario ist für mich nunmehr: Es gibt verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den ostpreußischen und den thüringischen Claers. Und beide beziehen sich in der Namensgebung ihrer Kinder auf gemeinsame Vorfahren. Welche das sein könnten, liegt aber noch völlig im Dunkeln.

 

b) Hannover, Mecklenburg, Amerika

In der Mundia-Datenbank und ergänzend auch in anderen Datenbanken habe ich noch einen weiteren Friedrich Klair, dessen gleichnamigen Vorfahren und seine zahlreiche Nachkommen entdeckt. Aus mehreren z.T. ähnlich lautenden, einander insgesamt gut ergänzenden Einträgen ergibt sich das folgende Gesamtbild:

Friedrich Johann Klair, genannt Fritz Klair, lebte vom 10. Juni 1826 bis zum 19. Oktober 1903. Geboren wurde er in Hannover. Er heiratete 1852 in Mecklenburg (es gibt leider keine genauere Ortsangabe) eine Anna Sophia Dähling (26 Feb 1829 – 1857). Sein 1854 geborener Sohn hieß kurioserweise Carl Heinrich Klever, dessen Kinder (die Töchter Alma und Bertha) schrieben sich dann Klewer. Bereits 1855, also nur drei Jahre nach der Eheschließung und ein Jahr nach der Geburt seines Sohnes, muss Fritz Klair sich aber aus dem Staub gemacht haben, denn ein anderer Eintrag führt den 15. Oktober 1855 als Datum seiner Emigration nach Amerika an. Unterdessen starb seine zurückgelassene Ehefrau in Mecklenburg im Jahr 1857, also zwei Jahre nach Fritzens Abschied. Fritz Klair heiratete später eine Margaretha (Margaret) Wiebusch (20.12.1842 Hannover Stadt – 25.5.1883 Belvidere, Godhue Minnesota), die er vermutlich noch aus Hannover kannte und mit der er womöglich gemeinsam ausgewandert war, und bekam mit ihr folgende Kinder: Johann Friedrich Heinrich (Fred) Klair 1866-1935 geboren: Hay Creek, Goodhue, Minnesota USA, gestorben: Red Wing, Goodhue, MN. Ehefrau: Margaretha (Margaret) Bremer 1869-1949 (Geboren: Goodhue Twp., Goodhue Co., MN, USA, gestorben: Red Wing, Goodhue, MN) und Maria Klair (8.10.1870-8.9.1871). Kinder von Fred und Margaret waren: Laura Klair (1892-??), Lilian Klair (1894-??), Arthut Klair (1896-??), Orrin Klair (1898-??), Raymond Louis Klair (1904-1993) (Geboren: Belvidere Twp., Goodhue Co., MN, USA, gestorben: Goodhue, Goodhue Co., MN, USA). Es gibt zahlreiche weitere Nachkommen.

In einer englischsprachigen Datenbank finden sich u.a. noch die folgenden Informationen:

1875 Census: Fred and his family are living in Belvidere township, Goodhue Co. MN. Their last name is listed as Claire (!)

Und an anderer Stelle heißt es:

1900 Census: Johann or known as Frederick Sr. in the census is living with his son Fred Henry in Belvidere township, Goodhue Co. Minnesota

Brisant ist, dass in einem Eintrag nur Friedrich Klairs Mecklenburger Familie enthalten ist, in mehreren anderen nur seine amerikanische und in einem weiteren (allerdings nur in Kurzform) alles zusammen.

Dieser Friedrich Johann (Fritz) Klair wurde also am 10. Juni 1826 in Hannover geboren. Nur eine (englischsprachige) Datenbank führt die Namen seiner Eltern an: Frederick and Magaret Clare (Klair). Neben Friedrich Johann (Fritz) wird noch ein Bruder von ihm genannt: Henry W. Clare (24.5.1830 Hannover-9.8.1929 Hyde Park Township, Wabasha Co. Minnesota; Henry wurde 99 Jahre alt!). Auch er ist also nach Amerika ausgewandert und hat dort zahlreiche Kinder bekommen mit Anna Mary Ripke und Dorothy Grieve (1838-1923): William Clare (1860-1914), John Clare (1861-??), Ida Catharine Clare (1867-1936), Freda Marie Clare (1870-1955), Frederick Clare (1871-1885), Hilda Clare (1874-??), Otto J. Clare (1879-1964). Es gibt viele weitere Nachkommen.

Stammvater aller dieser amerikanischen Clares (Klairs) ist also wiederum ein Frederick, d.h. ein Friedrich Klair, der 1826 in Hannover eine Familie gegründet hat. Es ist aber wohl nur ein Zufall, dass das kurz nach den Familiengründungen des Friedrich Clair in Corjeiten (1824) und des Friedrich Claer in Erfurt (1825) passiert ist…

 

6. Johann Gottlieb Klaer: aus der Neumark nach Australien

Und noch eine bemerkenswerte Auswanderungsgeschichte konnte ich in den Datenbanken Mundia und Gedbas Geneology finden.

Laut Mundia gab es einen Johann Gottlieb Klaer (18.9.1834 Blankfield/Prussia-23.12.1885 Lobethal/South Australia) mit der Ehefrau Anna Dorothea Pietsch / Puitch / Putsch (28.10.1839-3.1.1906), Heirat 25.6.1857 in Hahndorf/South Australia. Ihre Kinder sind Johann Wilhelm Hermann Klaer (1858-1890), verheiratet mit Emma Wilhelmina Maria Juers (1861-1944), Ida Meta Klaer (1868-1934) und Augusta Wilhelmine Klaer (1862-??, Heirat 1888).

Hinter Blankfield/Prussia verbirgt sich zweifellos der Ort Blankfeld, Kreis Züllichau-Schwiebus, Neumark, heute Błonie (Polen).

Ergänzend hierzu findet sich in der Gedbas-Datenbank der Eintrag:

Ernestine Wilhelmine Klaer, geb. 27. August 1827 Blankfeld, Kreis Züllichau-Schwiebus, getauft am 2. Sept. 1827 in Griesel, Kreis Crossen, Tod 1827 Griesel, Kreis Crossen / Soldin, Kreis Soldin)“ Als Eltern der Ernestine Wilhelmine sind angeführt: Gottlieb Klaer, Windmühlenbesitzer, und Dorothea Wunderlich.

Es liegt aufgrund der Übereinstimmung von Familiennamen und Geburtsort und dem relativ kurzen Abstand der Geburten sicherlich nahe, in Johann Gottlieb und Ernestine Wilhelmine Geschwister zu sehen, deren gemeinsame Eltern demnach der Windmühlenbesitzer Gottlieb Klaer und Dorothea Wunderlich waren.

An dieser Stelle ist daran zu erinnern, dass dies nicht der erste Müller Klaer ist, dem wir begegnet sind. In meinen Ausführungen von 2013 habe ich bereits über den Müller von Zielenzig berichtet:

„KLÄHR(KLAEHR,KLEHR,Claire) – Carl Friedrich KLÄHR, * wo (nicht Zielenzig) um 1790/91, + Zielenzig (Kr Oststernberg) 29.12.1850, Windmühlenbesitzer und Müllermeister aus Hugenottenfamilie stammend, oo Zielenzig 18.4.1817 Beate Louise AEHREND * Zielenzig 12.7.1792, Tochter des Johann Gottl Aehrend und der Anna HENSCHEL. Woher stammt Carl Friedrich KLÄHR? (evangelisch)“
„Sulęcin (deutsch: Zielenzig) ist eine polnische Kreisstadt in der Woiwodschaft Lebus mit etwa 10.000 Einwohnern sowie Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde. Zielenzig befindet sich im Gebiet der Lebuser Seenplatte, etwa 35 km nordöstlich von Frankfurt/Oder.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Zielenzig)

Räumlich dürften Zielenzig und Blankfeld nicht weit auseinander liegen. Möglicherweise haben wir es hier mit einer Müller- bzw. Windmühlenbesitzer-Dynastie Klaer in der preußischen Neumark zu tun, an deren Urbarmachung der Ingenieurkapitän Gottlieb August le Clair (1730/1731 bis 1778/1779) entscheidend mitgewirkt hat, wie auch der folgende Fund beweist:

Bibliothek der Brandenburgischen und preußischen Geschichte – Heinrich Kaak – Korporative Gutsherrschaft und Agrarinnovationen in Preußen – der Johanniterorden auf seinen neumärkischen Ämtern 1750-1811, BWV Berliner Wissenschafts-Verlag 2012

S.288: b Probleme bei den Vermessungen
Die Vermessung des Ordenswarthebruchs als Ganzes begann damit, dass Oberstleutnant Isaac Jacob von Petri meldete, er könne sie im April 1765 nicht von königlichen Ingenieuren durchführen lassen. Daraufhin ordnete der Herrenmeister an, der Landbaumeister von Pritz habe andere Vermessungsingenieure zu suchen. Den leitenden Vermesser fand man in dem Ingenieurkapitän Le Clair, der sich mit Energie ans Werk machte und, wie es in einem Bericht vom 27. September 1765 hieß, für die Arbeiten nur noch acht Wochen benötigen werde. (…) (http://books.google.de/books?id=o7KOnXdFizgC&pg=PP1&lpg=PP1&dq=Heinrich+Kaak+%E2%80%93+Korporative+Gutsherrschaft+und+Agrarinnovationen+in+Preu%C3%9Fen&source=bl&ots=c9iEywx5qm&sig=pPClPCSIUkRHZjJ5r7zlxZ3qRa4&hl=de&sa=X&ei=VCEBU_CdC4fWtQaJ2YCwBg&ved=0CEQQ6AEwBA#v=onepage&q=Heinrich%20Kaak%20%E2%80%93%20Korporative%20Gutsherrschaft%20und%20Agrarinnovationen%20in%20Preu%C3%9Fen&f=false)

Nun lässt sich sicherlich über eine Verbindung zwischen dem ersten Müller von Zielenzig, Carl Friedrich Klaer, dessen mutmaßliche Nachkommen den Namen Gottlieb trugen, und dem Ingenieurkapitän Gottlieb August Le Clair spekulieren. Auch der Berliner Portechaisen-Unternehmer Karl Heinrich v. Clair, der ein Sohn oder Neffe des Ingenieurkapitäns gewesen sein könnte, ließe sich hier einbeziehen.

Vielleicht entstammte der erste Müller, dessen Herkunft ungewiss ist, ja aus der Berliner Hugenottenfamilie Le Clerc / Le Clair. Vielleicht gibt es sogar eine Verbindung zu den ostpreußischen Förstern oder Soldaten.

 

7. Noch mehr Klaers in Schlesien

Und um die Unübersichtlichkeit noch zu steigern, soll auch noch einmal an den schlesischen Jäger Clair aus Möllendorf, den Wildschweinbezwinger (siehe meine Ausführungen von 2013) erinnert werden, der im Jahr 1759 geboren sein muss.

Wenn die Ludwigswalder Förster, Friedrich Wilhelm Claer d.Ä. (1770-1815) und Johann Friedrich Claer, wie wir zu vermuten geneigt sind, erst in den 1790er Jahren nach Ludwigswalde kamen und vielleicht dort erst zu Förstern wurden (und zuvor Soldaten waren), wie konnte dann der Wildschweinbezwinger Clair in Schlesien, der immerhin elf Jahre älter war als Friedrich Wilhelm, womöglich schon vorher als Jäger aktiv sein? Hat es eine noch frühere Verbindung zwischen den Claers in Ostpreußen und Schlesien gegeben, die dann später zur Auswanderung des Jägers Otto Wilhelm Claer (1859-1937) mit seiner Familie in den 1890er Jahren nach Ober-Leutmannsdorf (Kreis Schweidnitz) in Schlesien geführt hat?

Hier noch einmal meine Ausführungen von 2013:

„An dieser Stelle ist noch einmal daran zu erinnern, dass der Sohn des Jägers Friedrich Wilhelm d.J., der Jäger Otto Wilhelm Claer (1859-1937) mit seiner Familie in den 1890er Jahren nach Ober-Leutmannsdorf (Kreis Schweidnitz) in Schlesien ausgewandert ist.
Andreas Z. kommentierte den Fund sogleich mit den Worten: „Sagan liegt nicht weit von unserem Leutmannsdorf entfernt, in dem meine Oma geboren wurde.“ Er hatte ohnehin schon zuvor die Annahme geäußert, dass in der Gegend von Leutmannsdorf/Schlesien bereits verwandte Claers gewohnt hatten, als sein Urgroßvater Otto Wilhelm Claer aus Ostpreußen dorthin zog. Er hatte insbesondere eine Emma Claer im Auge, die wohl bei Ankunft der Familie des Otto Wilhelm bereits dort gelebt haben soll. Für sie hatte es aber bislang keine Zuordnung gegeben. Sie könnte ein Abkömmling des Wildschweinbezwingers sein.
Es lassen sich aber auch schon einige Jahrzehnte vor dem Wildschweinbezwinger Klärs in Schlesien nachweisen. Die folgenden Bauernlisten von Schirmke aus dem Staatsarchiv Breslau zeigen außerdem, wie sich die Namens-Schreibweise in jeder Zeit fast schon beliebig verändert hat:

“Bauernliste” 1723: … Adam KLÄR, Richter …
Quelle: Staatsarchiv Breslau, Akten 201c, Kath.-Arch.B.103 und 113 in “Chronik von Schirmke” von Josef Pawelke, Dortmund 1962

Bauern des Katasters 1743: … Jakob KLEER …

(http://wiki-de.genealogy.net/Schirmke)

Quelle: Staatsarchiv Breslau, Akten 201c, Kath.-Arch.B.103 und 113 in “Chronik von Schirmke” von Josef Pawelke, Dortmund 1962

Demnach könnte auch bereits in ganz früher Zeit, also vor 1723, schon eine Abwanderung z.B. aus Berlin nach Schlesien erfolgt sein, von dort vielleicht eine Migration in Teilen der Familie nach Ostpreußen und durch den besagten Otto Wilhelm Claer auch wieder zurück nach Schlesien.
Als ein Bindeglied zwischen Berlin und Schlesien oder auch alternativ als hugenottischer Einwanderer direkt nach Dresden (die es ja auch gegeben hat) könnte der in einem Ahnenforschungsforum diskutierte Oberst le Clair in Dresden im Jahr 1730 angesehen werden. Konkret äußert sich ein Internetnutzer namens Günter Claus am 12.2.2013 um 17.35 Uhr wie folgt:

Oberst le Clair ,Dresden, 1730 ,französisch reformiert. Hugenotte? (http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=82516)

Die beiden Antworten im Forum sind aber nicht weiterführend.“

Daran anknüpfend hier der Fund eines Capitainleutnants Le Clerc in der Schlacht um Breslau im Siebenjährigen Krieg:

Diarium der Belagerung von Breslau .. nebst einem Verzeichnis von Rahmen, derer Generals, Staabs-Officiers und andern Officiers, dann von Feldweber summariter derer kayserl. Königl. Trouppen, so den 21ten December 1757 zu Breslau in die Kriegsgefangenschaft verfallen, den welchen Regimentern sie stehen
Abgedruckt nach der Original-Liste, weöche der Oesterreichische Kommandant zu Breslau General von Sprecher übergeben
Berlin, 1758:

S.30: Benedict Daun. (steht in der Spalte: Dragoner) Capitainlieutenant le Clerc, Leutenant Duvien, Fähnrich von Kurna, Regimentsquartiermeister R.R., Vom Wachtmeister an: 14, Gesamt: 18. (http://books.google.de/books?id=EWk_AAAAcAAJ&pg=PA30&lpg=PA30&dq=le+Clerc+breslau+1757&source=bl&ots=HmLmXD7aJN&sig=56aBigK2Ul2XB-3DQgknBssy8_g&hl=de&sa=X&ei=HY3EUsuwLIrlswbV34G4Bg&ved=0CDEQ6AEwAA#v=onepage&q=le%20Clerc%20breslau%201757&f=false)

Über die geschichtlichen Hintergründe weiß Wikipedia:

„Während des Siebenjährigen Krieges kam es am 22. November 1757 zur Schlacht von Breslau, in der Karl Alexander von Lothringen mit rund 80.000 Mann die 28.000 preußischen Truppen unter dem Kommando des Herzogs von Braunschweig-Bevern angriff. Aufgrund der starken Überlegenheit der habsburgischen Truppen zogen sich die Preußen über Breslau nach Glogau zurück. Nach dem Sieg belagerten österreichische Verbände die Stadt, bis der preußische General Johann Georg von Lestwitz in der Nacht zum 25. November die Stadt übergab. Noch im selben Jahr begann die preußische Armee unter Friedrich II. nach ihrem Sieg über die zahlenmäßig weit überlegenen Österreicher in der Schlacht von Leuthen mit der Belagerung der Stadt, die zur Übergabe durch den Stadtkommandanten von Bernegg am 21. Dezember 1757 führte.
(Hervorhebung von mir) (http://de.wikipedia.org/wiki/Breslau)

Es wird in der Quelle nicht ganz deutlich, auf welcher Seite der Capitainleutnant le Clerc gekämpft hat. Sollte es auf preußischer Seite gewesen sein, dann könnte es sich bei ihm entweder um den jungen Gottlieb August Le Clair (1730/1731 bis 1778/1779) gehandelt haben, der sich hier die ersten militärischen Sporen verdient haben könnte, oder aber um den besagten Oberst le Clair aus Dresden genau 27 Jahre nach seiner obigen Erwähnung. Möglicherweise entstammte dieser ja auch der Berliner Hugenottenfamilie Le Clerc und war aufgrund militärischer Verpflichtungen nach Dresden gekommen.

Und schließlich fand ich, über die oben erwähnten schlesischen Klärs / Kleers von 1723 und 1743 hinaus, die sich ja noch als Hugenotten deuten ließen, einen Hinweis auf noch deutlich frühere Kleers in Schlesien:

Anna KLEER
* um 1628 in Wanowitz, Kr. Leobschütz

Bemerkungen:(notes)
Wohnort: 1653: Leobschütz, O/S

Eltern (parents) Geschwister (siblings)
Vater:
(father) Michael KLEER
* um 1599
Beruf: Renckshreiber, Wanowitz, Kr. Leobschütz (1653) (http://www.online-ofb.de/namelist.php?ofb=leobschuetz&u=yes&sort_by=zuname&lang=de)
Zu dieser Zeit dürfte es eigentlich noch keine Hugenotten in Schlesien oder Ostpreußen gegeben haben!

In derselben Quelle, dem eine große Menge an Namen enthaltenden Ortsfamilienbuch von Leobschütz, finden sich außerdem zahlreiche Träger des Nemens Kleer bis ins 19.. Jahrhundert hinein:

Karl KLEHR

Bemerkungen:(notes)

Familien (families) Kinder (children)
Keine Familie gefunden!
(No family found!) Keine Kinder gefunden!
(No children found!)
Eltern (parents) Geschwister (siblings)
Vater:
(father) Johann KLEHR
+ vor 16.11.1895 in Leobschütz, O/S Max KLEHR * um 1870 in Leobschütz, O/S
Anna KLEHR * um 1874 in Leobschütz, O/S
Richard KLEHR * 1874 in Ratibor, O/S
Franz KLEHR * um 1877 in Leobschütz, O/S
Magdalena KLEHR * um 1882 in Leobschütz, O/S
Mutter:
(mother) Anna NOWOTNY
* um 1844 in Leobschütz, O/S
+ 20.02.1919 in Leobschütz, O/S
Und auf der Seite mit den Historischen Adressbüchern (http://adressbuecher.genealogy.net/entry/search) findet man in Leobschütz auch Namensträger aus dem 20. Jahrhundert:
Klaer Fritz Zuschneider Leobschütz Kurze Gasse 11 1935
Klaer, Herrmann Schuhmacher Leobschütz Lange Str. 44 1935
Klaer, Hugo Disponent Leobschütz Lindenstr. 2 1935
Klaer, Josef Arbeiter Leobschütz Garnisonstr. 2 1935
Klaer, Josef Kohlenfahrer Leobschütz Garnisonstr. 2 1935
Klaer, Josef Rentner Leobschütz Hohenzollernplatz 10 1935
Klaer, Margarete Spulerin Leobschütz Lange Str. 44 1935
Klaer, Walter Tischlergeselle Leobschütz St.-Hedwig-Str. 17 1935

Der Landkreis Leobschütz war ein preußischer Landkreis in Schlesien, der von 1816 bis 1945 bestand. Seine historischen Wurzeln lagen im Herzogtum Leobschütz.
Sind das womöglich gänzlich andere Kleers oder gibt es hier eine Verbindung zu unseren Vorfahren? Und wieder stochern wir im Nebel…

 

8. Weitere verstreute Funde, deren Bedeutung noch nicht absehbar ist

Eine wahrlich beeindruckende Stammbaumtafel einer Familie Clerc, ursprünglich aus Belfort an der Burgundischen Pforte in Ostfrankreich nahe Schweiz, habe ich auf einer privaten Internetseite eines Hobbyforschers gefunden. (http://www.genealogiethann.org/genealogie%20thann/leimbach/genealogie%20claerr.htm) Noch ist unklar, ob sie uns einmal weiterhelfen kann.

Descendance de Huguenin CLERC (CLAERR )
Relevé par Albert EHRET et Denis INGOLD
ehret.albert@wanadoo.fr

1 Huguenin CLERC, N° 16384 + ../../1540 Belfort (90)
1 Boucher en 1496-98
…. 1-1 Thiebauld CLERC, N° 8192 + 24/02/1573
…. 1-1 Prévôt De L’Hôpital Ste.Barbe De Belfort V.1550, Escoffier
…. 1-1 x Claudette NOIROT + ../../1617 (centenaire )
…. …. 1-1.1 Pierre CLERC ° ../../1560 + 27/09/1624
…. …. 1-1.1 Curé De Porrentruy De 1592 A 1624
…. …. 1-1.2 Richard CLERC, N° 4096 ° ../../1566 + ../../1621
…. …. 1-1.2 Barbier,chirurgien Du Conseil De Belfort
…. …. 1-1.2 x Madeleine BESANCON
…. …. …. 1-1.2A.1 Jean Pierre CLER (CLERC), N° 2048 + ../../1634
…. …. …. 1-1.2A.1 Apothicaire,bourgeois De Guebwiller 1630, Conseiller
…. …. …. 1-1.2A.1 x Catherine SOLDNER x ../../1626 Roderen (68)
…. …. …. …. 1-1.2A.1.1 Jean Pierre CLER (CLÄR), N° 1024 ° 13/05/1628 Guebwiller (68) + ../../1694 Leimbach (inv.20.4.1694) (68)
…. …. …. …. 1-1.2A.1.1 Tonnelier,bourgeois De Leimbach
…. …. …. …. 1-1.2A.1.1 x Catherine BURGMANN x ../../1655
…. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1 Blaise CLÄRR, N° 512 + ../../1720 (inv.1728)
…. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1 Tonnelier
…. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1 x Anne Marie KIPPELEN
…. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.1 Anne Marie CLAERR
…. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.1 x Nicolas BRUCKERT x ../../1731 (cm)
…. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.1 Viticulteur
…. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.2 Odile CLAERR
…. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.2 x Jacques METZGER x 08/01/1740 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.3 Agathe CLAERR
…. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.3 x Georges MERIA (T) x ../../1728 (av)
…. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.4 Catherine CLAERR
…. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.4 x Mathias SCHLEGEL x 30/07/1737 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5 Jean Thiebaut CLAERR, N° 256 + 02/04/1760 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5 Tonnelier
…. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5 x Anne Marie GRAUNER x 11/11/1719 (CM)
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.1 Anne Marie CLAERR + 29/01/1777
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.1 x Jean Martin LEMBLE
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.1 x Jean GRIEN Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2 Jean Thiebaut CLAERR + 28/10/1782
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2 Tonnelier,maitre D’Ecole
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2 x Ursule STETTNER
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2 x Marie Anne LISCH ° ../../…. + 05/12/1795
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1 Antoine CLAERR + 27/06/1792
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1 x Anne Marie ANCKER x 05/07/1784
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.1 Marie Anne CLAERR ° ../../1785 Leimbach (68) + 11/01/1793 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2 Bernard CLAER ° 12/08/1789 + 29/11/1854
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2 Cultivateur A Steinbach
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2 x Anne Marie STRUB x 25/06/1820
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1 Morand CLAER ° 28/02/1820
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1 Tisserand
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1 x Anne Marie BECHELEN x 28/07/1847
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.1 Seraphin CLAER ° 23/12/1853 Steinbach (68) + 24/01/1942 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.1 Facteur A Thann
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.1 x Madeleine JOLLY ° ../../1853 Cernay (68) x 10/11/1877 Cernay (68) + 20/01/1911 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.1.1 Louis Marc CLAER ° 25/01/1877 + 08/01/1865 Strasbourg (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.1.2 Seraphin CLAER ° 24/09/1878 Cernay (68) + 25/04/1956 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.1.2 Fleuriste,dessinateur
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.1.2 x Augustine HAETTINGER ° ../../1885 Soultz (68) + 21/04/1911 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.1.2 x Anne Louise MEYER ° 07/02/1880 Thann (68) x 12/08/1911 Thann (68) + 27/04/1940 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.1.3 Marie Madeleine CLAER ° 14/04/1884 Cernay (68) + 17/03/1976 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.1.4 Anne CLAER ° 08/07/1886 Thann (68) + 20/05/1967 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.2 Nicolas CLAERR ° 27/11/1856 Steinbach (68) + 08/04/1940 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.2 Maçon
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.2 x Josephine Catherine BALL
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.2 x Frieda Minna MULLER ° 30/12/1874 Obergneus Allemagne + 27/02/1954 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.2B.1 Louise Marie CLAER ° 15/09/1905 Cernay (68) + 09/09/1946 Le Puy (43)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.2B.2 Emma Frieda CLAER ° 30/11/1908 Cernay (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.2B.2 x Armand PFLIEGER ° 26/02/1900 Mulhouse (68) x 12/09/1936 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.2B.2 Plombier
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.3 Emile CLAERR ° 02/01/1858
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.3 Cheminot
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.4 Marie CLAERR ° 13/09/1858
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.1.4 x Georges WILLIEN
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.2 Anne Marie CLAER ° 23/09/1826
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.2 x Jean Baptiste LUTTENAUER x 26/02/1851
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.3 Walburge CLAER ° 16/12/1836
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.2.3 x Augustin STRUB x 27/11/1860
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.3 Antoine CLAERR + 10/03/1791 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.1.4 Jean Antoine CLAERR ° 09/10/1792 Leimbach (68) + 08/10/1796 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2 Jean Thiebaut CLAERR ° ../../1752 + 10/08/1805
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2 Maitre D’Ecole Puis Tonnelier
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2 x Anne Marie FRIES ° ../../1764 Uffholtz (68) x 16/04/1782 + 25/12/1800 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.1 Marie Anne CLAERR ° 25/03/1783 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.1 x Georges SCHNIGG Haguenau (67) x 07/01/1809 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.1 Meunier
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.2 Jean Thiebaut CLAERR ° 29/05/1784
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.2 Tonnelier
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.2 x Anne Marguerite ERHARD x ../../1808 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.2.1 Marguerite CLAERR ° 19/03/1816 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.2.2 Martin CLAERR ° 21/07/1819 + 09/03/1855 Constantinople
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.3 Catherine CLAERR ° 15/03/1791 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.4 Bernard CLAERR ° 19/08/1792 Leimbach (68) + 04/08/1795 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.5 Anne Marie CLAERR ° 14/04/1795 Leimbach + 27/03/1859
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.5 x Pierre REINBOLD
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.5 Ébéniste A Thann
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.6 Madeleine CLAERR + 21/04/1788 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.7 Françoise CLAERR ° 24/12/1800 Leimbach (68) + 25/12/1800 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.2.8 Madeleine CLAERR + 18/05/1792 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.3 Elisabeth CLAERR ° ../../1756 + 08/02/1803
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.3 x Antoine LEMBLE
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.3 Vigneron
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4 Francois Joseph CLAERR ° ../../1757 + 10/01/1793
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4 Tonnelier,maire De Leimbach
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4 x Catherine GULLING x ../../1783
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4 x Françoise Cecile ANCKER x 10/05/1784
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.1 Françoise Cecile CLAERR ° 14/04/1785 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.1 x Joseph GERTISER Murg Seigneirie En Suabe x 04/05/1805 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.1 Journalier
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.2 Catherine CLAERR ° 14/05/1790 Leimbach (68-) + 13/03/1849
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.2 x Jacques FURGINE
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.2 x Laurent HERTZOG x 08/06/1843
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.3 François Joseph CLAERR ° 17/04/1792 Leimbach (68) + 02/09/1814
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.3 Boulanger A Steinbach
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.3 x Anne Catherine ARMSPACH x 20/02/1810
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.3.1 François Joseph CLAERR ° 16/10/1813 + 22/04/1882 Vieux Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.3.1 x Anne Marie EBERHARDT x 28/04/1836
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.3.1A.1 Suzanne CLAERR ° 12/02/1842
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.3.1A.1 x Auguste ZIEBELIN x 24/02/1868
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.3.1 x Anne Marie SCHIRCH x 23/11/1871
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.4B.3.1 x Anne Marie BUCHER
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.5 Thérèse CLAERR ° ../../1761 + 22/01/1793
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.5 x Jean STUCKERT x 07/01/1782
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.6 Ursule CLAERR ° 14/03/1778
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.7 Anne Marie CLAERR ° 03/05/1779 + 22/02/1853
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.7 x Jean KIEFFER ° 22/06/1774 x 08/02/1798
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.2B.7 Vigneron
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.3 Ursule CLAERR
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.3 x Léger LEMBLE ° 12/07/1731
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.3 Maître D’Ecole A Aspach Le Bas
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4 Jean CLAERR + 11/12/1781
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4 Tonnelier
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4 x Françoise Cécile UHLEN x ../../1764
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1 Jean CLAERR ° ../../1766 + 16/10/1832
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1 Tonnelier, Maire De Rammersmatt En 1803
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1 x Anne Marie KERN x 11/01/1790 + 16/11/1806
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1 x Marie Anne RIETH ° ../../1782 x 07/04/1807 Rammersmatt (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.1 Thérèse CLAERR + 02/02/1822
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.2 François Joseph CLAERR + 17/04/1838 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.2 x Elisabeth NEFF ° ../../1757 Leimbach (68) + 15/03/1829 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.2.1 Madeleine CLAERR ° 01/02/1795 Leimbach (68) + 27/12/1865 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.2.1 x Michel BRUCKERT ° 20/09/1789 Leimbach (68) x 26/05/1823 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.3 Anastase CLAERR ° 24/01/1808 Rammersmatt (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.4 Thiebaut CLAERR ° 20/11/1811
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.4 Tonnelier A (Thann,Paris)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.4 x Elisabeth KIRCHMEYER x 17/11/1834
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.4.1 Augustine CLAERR ° 28/04/1835
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.4.1 x LABBE Levallois Perret (92)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.4.2 Jean Thiebaut CLAERR ° 25/01/1837
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.4.3 Elisabeth CLAERR ° 31/05/1838
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.4.4 Frederic Leon CLAERR ° 21/02/1842
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.4.5 Joseph Eugène CLAERR ° 08/05/1844
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.4.6 Marie Celestine CLAERR ° 07/04/1846
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.4.6 x ORSI
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.1B.5 Marie Anne CLAERR ° 06/05/1823
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.2 Anne Marie CLAERR
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3 Augustin CLAERR ° ../../1769 + 17/09/1852
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3 Marechal Ferrant A Bretten
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3 x Marie Anne SUISSE x 28/05/1805
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1 François CLAIR ° 16/10/1801
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1 Marechal Ferrant
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1 x Marie Catherine SIBRE x 18/05/1841
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1 x Marie Barbe MASSON x 24/01/1843
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1 x Odile SOUTRE x 05/09/1849
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1C.1 François Antoine CLAIR ° 02/07/1850
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1C.1 Pretre A Orbey,professeur A Nancy
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1C.2 Antoine Auguste CLAIR ° 20/02/1852 + ../../1895
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1C.2 Maire
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1C.2 x Josephine COTLEUR x 13/05/1889
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1C.2.1 Jules CLAIR ° 28/02/1891
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1C.2.2 Louis CLAIR ° 14/09/1892 + ../../1914 (1918)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1C.3 Françoise Eleonore CLAIR ° 07/06/1853
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1C.3 x Jacques WADEL Gildwiller (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.1C.4 Jules Augustin CLAIR ° 09/08/1857
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.2 Marie Anne CLAIR ° 19/11/1806
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.2 x Louis GIRARD
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.3.2 Instituteur A Soppe-Le-Bas
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.4 Blaise CLAERR ° ../../1771
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.4 Charron A (Bernwille,Roderen,Galfingue)
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.4 x Christine BURNER ° ../../1773 Galfingue (68) x 21/01/1805 Roderen (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.4.1 Christine CLAERR
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.4.1 x Joseph CLAUS
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.4.2 Marie Anne CLAERR
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.4.2 x SCHLEGEL
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5 François Joseph CLAERR ° 10/06/1774
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5 Tonnelier A Thann
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5 x Marie Anne MONATH x 10/01/1800
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1 Jean Joseph CLAERR ° 24/06/1812 + 19/10/1860
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1 Cordonier,preparateur De Couleur,agent De Police (thann)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1 x Therese BASCHUNG ° ../../1809 x 13/07/1841 + 05/07/1897 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1 Jean Joseph CLAER ° 01/08/1842 + 09/07/1915 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1 Employe A La Marie De Thann
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1 x Marie Anne JAECKERT + 01/05/1923
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.1 Marie Josephine CLAER ° 27/06/1876 Willer (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.1 x Auguste HILLENWECK ° 04/08/1876 x 29/09/1905 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.2 Louis Georges CLAER ° 08/11/1878 Thann (68) + 04/08/1940 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.2 x Marie Claire STOLL ° 12/08/1887 Pfastatt (68) x 14/06/1913 Mulhouse (68) + 22/01/1978 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.2.1 Marie Louise CLAER ° 18/04/1921 Mulhouse (68) + 08/09/1924 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.2.2 Gerard Thiébaut Louis CLAER ° 27/11/1926 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.2.2 Cadre Commercial (presi. Du Cons. D’Admi. CMDP St.Marie)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.2.2 x Raymonde Marie Lina SPIESS ° 12/04/1926 Guebwiller (68) x 20/12/1949 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.3 Marie CLAER ° 23/06/1881 Thann (68) + 18/06/1973 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.4 Jean Thiebaut CLAER ° 28/12/1882 Thann (68) + 01/01/1954 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.4 Maitre Menuisier
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.4 x Eugenie STOLL ° 08/08/1884 Pfastatt (68) x 22/07/1910 Thann (68) + 19/12/1966 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.4.1 Louis Paul Joseph CLAER ° 20/03/1912 Mulhouse (68) + 06/08/1957 Pfastatt (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.4.1 Maitre Ebéniste
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.1.4.1 x Alice Richarde FLECK ° 01/06/1913 Mulhouse (68) x 22/06/1939 Mulhouse (68) + 15/03/1992 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.2 Thiebaut CLAER ° 09/07/1844 + 09/07/1844 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.2 Employe A L’Octroi
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5A.1.2 x Marie Anne GRAUNER x 22/05/1882
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.5 x Catherine KURTZ x ../../1827
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6 Jean Thiebaut CLAIR ° 17/05/1777 + 23/07/1854
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6 Voiturier A Fellering,aubergiste
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6 x Anne Marie MENY x 22/03/1801
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1 Jean Thiebaut CLAIR ° 29/05/1802 + 22/01/1880
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1 Ouvrier A Didenheim
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1 x Catherine SCHULLER
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1 Jean CLAIR ° ../../1827
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1 Ouvrier
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1 x Anastasie BURNER x 17/04/1854
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.1 Cyrille CLAIR ° 20/04/1855
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2 Gall CLAIR ° 31/07/1859 Didenheim (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2 Installateur Sanitaire
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2 x Marie Josephine RISACHER ° 24/03/1860 x 04/09/1882 Marschwiller Le Bas (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.1 Jules CLAIR ° 05/03/1883
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.1 x Rosalie Elise WEBER ° 14/12/1882 Magstatt Le Bas (68) x 05/11/1913 Mulhouse (68) + 14/04/1961 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.2 Camille CLAIR ° 11/04/1884 Morschwiller Le Bas (68) + 27/08/1961 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.2 Maitre Ferblantier
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.2 x Clothilde ARNOLD
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.3 Ernest CLAIR ° 03/01/1888 Mulhouse (68) + 24/01/1959 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.3 Installateur Sanitaire Restaurateur
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.3 x Marie Alice ROSENBLATT ° 29/06/1894 Mulhouse (68) x 19/06/1919 Mulhouse (68) + 07/06/1979 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.3 x Charlotte BASLER ° 11/01/1902 Mulhouse (68) x 10/10/1942 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.4 Jeanne Fanny CLAIR ° 26/12/1893 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.4 x Henri BASCHY ° 27/05/1894 Mulhouse (68) x 30/10/1919 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.4 Peintre
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.5 Alice Thérèse CLAIR ° 14/10/1900 Mulhouse (68) + 27/04/1981 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.5 x Alfred BECKER ° 30/03/1893 Mulhouse (68) x 19/11/1921 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.2.5 Monteur
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.3 Jean Augustin CLAIR ° 15/01/1861
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.1.4 Jean Augustin CLAIR ° 15/01/1861
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.2 Barthelemy CLAIR ° 23/08/1828 + 14/02/1872
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.2 Ouvrier
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.2 x Marie Caroline SCHMUCK x 22/08/1859
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.3 Thiebaut CLAIR ° 22/01/1839
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.3 x Catherine MEYER x 13/08/1867
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.3 x Eugenie SCHITTLY x 03/05/1884
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.4 Marie Anne CLAIR ° 17/02/1837
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.1.4 x Joseph ZISS x 16/06/1866
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.2 Marie Anne CLAIR ° 06/07/1810
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.2 x Paul MUNSCH x 10/02/1833
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.3 Therese CLAIR ° 07/12/1811
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.3 x François ABEL x 08/11/1837
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.4 Jean CLAIR ° 12/07/1813
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.4 Tonnelier Aus U.S.A
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.4 x Marie Victoire Anaïs ANDRE x 09/05/1842 USA
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5 Melchior CLAIR ° 04/08/1816 + 19/11/1861
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5 Chaudronnier A Dornach
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5 x Catherine KUPFER x 19/07/1845
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.1 Jacques CLAIR ° 26/05/1849
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.1 Chaudronnier
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.1 x Catherine HIMMELSPACH x 12/05/1872
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.1.1 Auguste CLAIR ° 25/11/1878 Dornach (68) + 31/03/1961 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.1.1 x Marie Julie HOHLER ° 09/10/1882 Mulhouse (68) + 20/08/1961 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.1.2 Charles CLAER ° 17/04/1880 Lutterbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.1.2 Contremaitre
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.1.2 x Augustine BIETH ° 05/02/1882 x 16/05/1904 Dornach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.1.2.1 Auguste René CLAER ° 13/05/1905 Dornach (68) + 02/09/1982 Lons Le Saunier (39)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.1.2.1 Maitre Facteur Et Constucteur De Pianos
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.1.2.1 x Jeanne Marie Catherine SCHULTZ ° 09/07/1906 Cernay (68) x 29/05/1928 Mulhouse (68) + 06/06/1973 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.1.2.1 x Cécile METZLEN ° 22/11/1923 Oderen (68) x 19/06/1976 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.2 Louise CLAIR ° 20/06/1850
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.2 x Leon FREY USA
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.3 Antoinette CLAIR ° 08/09/1851
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.3 x J.B Ernest BILLARDEY Paris
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5A.4 Eugenie CLAIR ° 16/06/1855
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6A.5 x Barbe KOENIG
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6 x Catherine ARNOLD x 04/08/1821
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6B.6 Catherine CLAIR ° 03/04/1822 + 29/10/1855
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6B.6 x Blaise WALTER x 17/01/1850
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6B.7 Christine CLAIR ° 13/02/1825
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6B.7 x Joseph MURA x 07/11/1850
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6B.8 Jacques CLAIR ° 12/12/1826
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.6 x Catherine WELTERLEN x 18/06/1834
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.7 Françoise CLAERR ° 01/01/1781
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.7 x François ZUBER x 29/11/1801
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.4.7 Marchand De Tabac
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.5 Elisabeth CLAERR
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.5 x Joseph BLECH x 06/08/1765 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6 François Joseph CLAERR, N° 128 Leimbach (68) + ../../1772 (INV.25.05)
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6 Tonnelier,laboureur
…. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6 x Marie Madeleine ANCKER x 02/11/1748 (CM)
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.1 Marie Anne CLAERR
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.1 x Sebastien ULRICH x 01/07/1779
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.2 Meinrad CLAERR + 05/01/1785
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.3 Therese CLAERR + 24/07/1777
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.4 François Joseph Apollinaire CLAERR ° ../../1755 Leimbach (68) + 17/04/1838
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.4 Voiturier
…. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.4 x Elisabeth NEFF ° ../../1757 Leimbach (68) x 10/01/1780 Leimbach (68) + 15/03/1829 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.4.1 François Joseph CLAERR ° 10/10/1784 Leimbach (68) + 25/04/1867 Mulhouse (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.4.1 Vigneron,voiturier
…. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.4.1 x Catherine KNIBIHLER x 24/01/1809 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.4.1.1 François Joseph CLAERR ° 06/09/1809 Leimbach (68) + 11/04/1869 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.4.1.1 Fileur
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.4.1.1 x Françoise FLORY ° 05/03/1809 Leimbach x 16/10/1834 Leimbach (68) + 19/02/1896 Thann (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.4.1.1.1 Caroline CLAERR ° 13/10/1842 Leimbach (68) + 29/10/1842 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.4.1.2 Catherine CLAERR ° 03/12/1810 Leimbach (68)
…. …. …. …. …. …. …. …. …. …. 1-1.2A.1.1.1.5.6.4.1.3 Gregoire CLAERR ° 23/02/1813 Lei

Und zu guter Letzt noch der Hinweis auf die Schauspielerin Vilma Kleer, abgebildet links oben auf der untenstehenden Abbildung, die zu den Hauptdarstellern des Friedrich-Wilhelmstädtischen Theaters in Berlin um 1900 gehörte.

Vilma Kleer

 

 

 

 

 

Rights: Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin (http://lbmv-cdm.gbv.de/cdm4/item_viewer.php?CISOROOT=%2Flbmv&CISOPTR=491&DMSCALE=50&DMWIDTH=600&DMHEIGHT=600&DMMODE=viewer&DMFULL=0&DMX=106&DMY=46&DMTEXT=%2520Kleer&DMTHUMB=1&REC=1&DMROTATE=0&x=80&y=123)

Fazit

So bleibt auch am Ende dieser Untersuchung nur festzuhalten, dass wir allenfalls mit kleinen Schritten vorankommen, aber aufgrund der sich zusehends weiter verbessernden Quellenverfügbarkeit künftig noch einiges zu erwarten haben.

Dr. Thomas Claer, August 2014

 

 

www.justament.de, 11.8.2014: Wo ist es cool?

Eine Studie ermittelt die angesagtesten Stadtviertel für junge Leute

Thomas Claer

Oranienstraße in Kreuzberg (Foto: TC)

Oranienstraße in Kreuzberg (Foto: TC)

Das ist doch mal eine gute Idee: Statt sich endlos weiter darüber zu streiten, ob nun Berlin-Friedrichshain der angesagteste Ort auf Erden ist oder doch eher der hippe Norden von Neukölln, hat die Research-Abteilung der GBI AG (das ist ein Immobilien-Projektentwickler, sic!) eine groß angelegte Untersuchung darüber durchgeführt, welche Gegenden unserer Großstädte aus welchem Grund von jungen Leuten bevorzugt werden. Es ist gewissermaßen der Versuch einer Objektivierung dessen, was sonst als reichlich subjektiv wahrgenommen wird. Grundlage dieser Studie sind jeweils 15 Faktoren von der demographischen Struktur über Zu- und Fortzüge bis zum Immobilien- oder Gastronomieangebot, anhand derer die Mikro-Wohnlagen der Städte Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf unter die Lupe genommen wurden. (Mikro-Wohnlagen, d.h. Wohnbereiche von 500 mal 500 Meter, deshalb, weil oft nur wenige Schritte über das „Hot or not“ der Wohnlage entscheiden.)
Im einzelnen flossen die WG-Nachfrage relativ zum Durchschnitt der Stadt (10%), die WG-Angebote relativ zum Durchschnitt der Stadt (2,5%), der Fluktuationsindex (5%), der Wanderungssaldo (7,5%), der prozentuale Anteil der 20-25-Jährigen im Stadtteil (5%), die absolute Anzahl der 20-25-Jährigen (5%), die 20-25-Jährigen in Relation zur Stadtteil-Fläche (2,5%), der Anteil der Ein-Personen-Haushalte (7,5%), die absolute Zahl der Einpersonenhaushalte (2,5%), der Anteil der Wohnungen in Mehrparteien-Gebäuden (10%), die Kneipendichte (10%), der preisliche WG-Nachfrage-Mittelwert (12,5%), der preisliche WG-Angebots-Mittelwert (10%) sowie der Preis der Angebotsmieten gem. Immobilienscout (5%) in die Gesamtberechnung ein. Die so theoretisch erreichbare Maximalpunktzahl eines Wohngebiets liegt bei 100 Punkten.

Für Berlin ergibt sich demnach auf der Ebene der Stadtbezirke bzw. größerer Stadtbezirksabschnitte folgendes Bild:

1. Kreuzberg (97)
2. Mitte (95)
3. Friedrichshain (92)
4. Schöneberg (87)
5. Wedding (82,5)
6. Prenzlauer Berg (81)
7. Charlottenburg (80,5)
8. Wilmersdorf (80)
9. Moabit (77,5)
10. Neukölln (72,5)
11. Tiergarten (70,5)
12. Gesundbrunnen (70)
13. Pankow (68,5)
14. Rummelsburg (63,5)
15. Hansaviertel (63)

Klar, die Kreuzberger Nächte sind inzwischen (mindestens!) wieder so lang wie in den 70ern und 80ern, als der Mythos des Bezirks geboren wurde. Und wer hätte das gedacht: Das aufstrebende Wedding liegt jetzt schon vor dem neubürgerlichen und zunehmend „wilmersdorfisierten“ Prenzlauer Berg! Noch vor ein paar Jahren wäre das völlig unvorstellbar gewesen. Aber dass das in den letzten Jahren von Hipstern aus aller Welt okkupierte Neukölln unattraktiver sein soll als das noch immer wenig glamouröse Moabit, mag man kaum glauben. Laut http://www.wg-gesucht.de, die immerhin nach Angaben der Seitenbetreiber auf monatlich 7 Millionen Besucher kommt, sind die derzeit beliebtesten Stadtteile Berlins für WG-Zimmer (Abruf 9.8.14, 18:44 Uhr): Neukölln (811) Friedrichshain (656) Kreuzberg (600) Wedding (549) Prenzlauer Berg (507) Mitte (465) Schöneberg (290) Charlottenburg (285) Lichtenberg (138) Tiergarten (120). Es ist also zu befürchten, dass auch diese aufwendige Studie aufgrund methodischer Schwächen keine abschließende Antwort auf die Frage nach dem coolsten Ort für junge Leute zu geben vermag.

Was wir den Verfassern der Untersuchung aber sofort abkaufen, sind die zehn uncoolsten Gegenden Berlins auf den Plätzen 87 bis 96:

87. Märkisches Viertel (28)
88. Heiligensee (27,5)
89. Dahlem (27)
90. Plänterwald (27)
91. Frohnau (26,5)
92. Kaulsdorf (25)
93. Wittenau (25)
94. Bohnsdorf (24,5)
95. Lübars (24,5)
96. Wannsee (24,5)

Wer als junger Mensch diese Gebiete meidet, hat vermutlich schon vieles richtig gemacht… Ansonsten aber gilt weiter, was schon Tocotronic in den 90ern wussten: „Es gibt nur cool und uncool und wie man sich fühlt.“

www.justament.de, 28.7.2014: Die schrecklichen Studies der Jetztzeit

Sehr witzig: Die Generationenkomödie „Wir sind die Neuen“ – Recht cineastisch, Teil 18

Thomas Claer

wir-sind-die-neuenWenn man neu in ein Mietshaus einzieht und dort ausgerechnet eine Studenten-WG über einem wohnt, denkt man vielleicht an ständiges Halli Galli und ausufernde Lärmbelästigung. Eine solche Erwartung haben in Ralf Westhoffs neuer Filmkomödie „Wir sind die Neuen“ jedenfalls Anne (Gisela Schneeberger), Eddi (Heiner Lauterbach) und Johannes (Michael Wittenborn), drei nicht mehr oder nur noch sporadisch berufstätige Münchener, die sich mit Anfang 60 nach 35 Jahren noch einmal zu einer Neuauflage ihrer eigenen früheren Studenten-WG zusammengefunden haben. (Letzteres ist natürlich nicht ganz freiwillig geschehen: Die Biologin Anne muss raus aus ihrer Wohnung und kann sich im teuren München keine Wohnung nur für sich allein mehr leisten. Doch auch der idealistisch-altlinke Anwalt Johannes, der vornehmlich klamme Bürgerbewegungen und sozial Schwache vertritt, und der ewige Schwerenöter Eddi sind finanziell nicht auf Rosen gebettet und lassen sich bereitwillig auf Annes verrückte Idee mit der Senioren-WG ein.) Als die drei also ihre Möbel nach oben tragen, sagt Anne noch mit Blick auf die jungen Leute: „Hoffentlich kiffen die nicht die ganze Zeit, das hab ich ja nun wirklich hinter mir.“ Doch weit gefehlt: Die jungen Leute sind so völlig anders, als es sich die drei Alt-68er vorgestellt haben. In der Studie-WG herrscht Ordnung, absolute Ruhe und disziplinierter Lerneifer. Schon beim Antrittsbesuch der neuen Mieter stellen die Studenten klar: „Um gar nicht erst falsche Erwartungen zu wecken: Wir können euch nicht helfen. Dafür haben wir keine Kapazitäten mehr.“ Katharina (Claudia Eisinger) und Thorsten (Patrick Güldenberg) stehen vor ihrem ersten juristischen Staatsexamen, Barbara (Karoline Schuch) schreibt gerade ihre Magisterarbeit in Kunstwissenschaft. „Wenn ihr damals etwas flotter studiert hättet, dann hätten wir heute nicht solche Probleme mit der Regelstudienzeit“, ergänzt Barbara noch. Während sich die Senioren sodann mit lauter Rockmusik und geräuschvollen Diskussionen in ihrem neuen Zuhause einrichten, kommen von den Studenten ständige Beschwerden wegen Ruhestörung und wird so manche unverschämte Bemerkung auf die neuen Nachbarn losgelassen. Mit der Zeit verhärten sich die Fronten immer weiter. Erst als die jungen Leute in diverse Nöte geraten und die rüstigen Nachbarn ihnen hilfsbereit unter die Arme greifen, kommt es zur überraschenden Annäherung.
Der Film erinnert etwas an „Männer“ von Doris Dörrie (1985), der auch auf heitere und bissige Weise das Leben in einer WG thematisiert, ebenfalls mit (dem damals noch ziemlich jungen) Heiner Lauterbach in einer der  Hauptrollen. Doch ist „Wir sind die Neuen“, das lässt sich ohne Übertreibung sagen, sogar noch eine Spur witziger. Der Film kommt völlig ohne Längen oder auch nur kleinere Hänger aus. Die Handlung ist von vorne bis hinten genau durchdacht. Ganz entscheidend lebt diese Komödie aber von ihren brillanten Dialogen. Kostprobe: Die drei Senioren befinden sich anfangs auf Wohnungssuche und nehmen an der Gruppenbesichtigung einer hübschen Altbauwohnung teil. Eine junge Frau fragt Eddi (Heiner Lauterbach): „Sind Sie der Vermieter?“ Darauf Eddi: „Nein, sehe ich aus wie ein Vermieter?“ Die junge Frau: „Ich dachte nur wegen des Alters und weil sie so … angezogen sind. Als Vermieter hat man es ja nicht so nötig…“ Der nachlässig gekleidete Eddi lächelnd: „Ich bin ein Konkurrent von Ihnen.“ Die Frau, ihn genau musternd: „Nein, das sind Sie nicht.“ Nur durch persönliche Beziehungen (eine frühere Geliebte von Eddi sitzt in einer Wohnungsverwaltung) kommen die Drei überhaupt an eine Wohnung in München.
Laut Wikipedia hat ein Kritiker dem Film Oberflächlichkeit vorgeworfen, weil er sich nicht tiefgehender mit dem Generationenkonflikt auseinandersetze. Mir scheint eher, dass sich der Film der Problematik sehr wohl bewusst ist, sich aber klugerweise auf deren diskrete Andeutung beschränkt. Abschließend noch ein herausragend komischer Spruch von Eddi: Als er die prall gefüllte Plastiktüte mit den leeren Weinflaschen seiner feierfreudigen Alten-WG zum Glascontainer bringt, trifft er auf die Studentin Barbara mit zwei Weinflaschen in der Hand und fragt sie: „Die sind wohl noch vom letzten Silvester, oder?“

Wir sind die Neuen
Deutschland 2014
Regie: Ralf Westhoff
Drehbuch: Ralf Westhoff
91 Minuten, FSK: 0
Darsteller: Gisela Schneeberger, Heiner Lauterbach, Michael Wittenborn, Claudia Eisinger u.v.a.

www.justament.de, 21.7.2014: (Fast) niemand vermisst sie

Das Buch „Leben hinter Mauern“ untersucht den Alltag der Stasi-Mitarbeiter in der DDR

Thomas Claer

leben-hinter-mauern-cover„Wie war das denn so, damals im Osten?“, bin ich in den vergangenen 25 Jahren manchmal von Westdeutschen oder Nachgeborenen gefragt worden. Ich versuche ihnen dann immer zu erklären, dass der normale Alltag als „Untertan“ in einer Diktatur oft ähnlich unspektakulär verläuft wie der als Bürger in freien Verhältnissen. Wie aber war es für jene, die selbst an den Hebeln der Macht saßen, die zum Kontroll- und Unterdrückungsapparat des Systems gehörten? Wie verlief der Alltag der hautberuflichen Stasi-Mitarbeiter?

Man ahnt natürlich schon vor der Lektüre der neuen Studie „Leben hinter Mauern. Arbeitsalltag und Privatleben hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR“ von Jenny Krämer und Benedikt Vallendar, dass der treffende Satz von Hannah Arendt über die „Banalität des Bösen“ für die Stasi-Leute nicht anders gilt – nur ein paar Nummern kleiner – als für die Schreibtischtäter des NS-Regimes. Anders aber als diese, die sich bei ihren Untaten ganz maßgeblich von der deutschen Tugend der Pflichterfüllung leiten ließen, saßen die Stasi-Schergen (vielleicht abgesehen von ein paar ganz hartgesottenen Zynikern) noch zusätzlich der Illusion auf, irgendwie auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen oder, wie es im Buch heißt, „eine Mission von welthistorischer Bedeutung zu erfüllen“.

Die praktische Umsetzung dieser Mission war indessen in vieler Hinsicht grotesk. Die Autoren beschreiben den ostdeutschen Sicherheitsdienst als eine in erster Linie gewaltige Selbstbeschäftigungsmaschinerie. „Zumeist bestand ihre alltägliche Arbeit im Recherchieren und Zusammenstellen von Informationen und in der mosaikweisen Ableitung möglicher Querverbindungen, was in der internetlosen Zeit … mit erheblichem Aufwand verbunden war.“ Aus heutiger Sicht betrachtet war all das natürlich eine ungeheure „Verschwendung von Menschen, Mitteln, Steuergeldern“.

Unzählige Kader- und Disziplinarakten haben die Autoren gelesen, zahlreiche Gespräche mit den früheren Akteuren geführt, um zum Ergebnis zu kommen, dass die Akten des MfS „Spiegelbilder einer gigantisch aufgeblähten Sicherheitsarchitektur“ sind, die am Ende „mehr preisgeben über ihre Verfasser als über ihre Opfer, von denen diese Berichte handeln“.

Positiv ist anzumerken, dass die Studie sich stets um Differenzierung bemüht, also auch ausdrücklich anerkennt, dass es in der Stasi – wie überall – Hardliner, aber auch Pragmatiker gegeben hat: „Nicht allerorts hat die Staatssicherheit gefoltert und gedemütigt. Nicht immer war sie damit beschäftigt, Angst in der Bevölkerung zu verbreiten. Und nicht immer ist es einfach, im Alltag der Stasi Komisches von Tragischem und Boshaftes von vermeintlich Gutgemeintem zu trennen.“ Es hat also manchmal auch eine Stasi mit regelrecht „menschlichem Antlitz“ gegeben. Und in der Tat stand in der Stasi-Akte über meinen Vater lediglich, seine „Einstellung zu unserer Gesellschaft“ sei „neutral“, er sei „politisch indifferent“ und „in der Beziehung zu seiner Frau wohl nicht der dominierende Teil“ gewesen. Das hat zweifellos jemand geschrieben, der ihn nicht „in die Pfanne hauen“ wollte. Denn die politischen Witze, die er vielerorts so gerne und oft erzählte, fanden keine Erwähnung.

Ob es wohl heute, fast 25 Jahre nach der Wende, noch jemanden gibt, der der Stasi nachtrauert? Neben einigen verbitterten Altkadern kommen hierfür ironischerweise vor allem die seinerzeit so aufwendig beschatteten oppositionellen und semioppositionellen Schriftsteller in Betracht, für die ihr eigener Bedeutungsverlust im neuen System nicht selten einer traumatischen Erfahrung gleichkam. Nie wieder, so klagten einige von ihnen schon in den 90er Jahren, würden sie so aufmerksame Leser finden wie damals unter den Stasi-Mitarbeitern. Und nach allem, was wir wissen, hält es heute nicht einmal mehr der amerikanische NSA für nötig, alle politischen Internet-Blogs mit der ihnen gebührenden Aufmerksamkeit zu studieren, sondern beschränkt sich auf die automatisierte Suche nach verdächtigen Schlagworten…

Zu den amüsanten Fußnoten in „Leben hinter Mauern“ gehört auch der Umstand, dass viele frühere hauptamtliche Stasi-Leute heute ausgerechnet in der Versicherungsbranche arbeiten. Dass die Stasi jedoch auch schon damals richtig witzig sein konnte, allerdings eher unfreiwillig, steht in diesem Buch nur am Rande und ist ja auch eigentlich ein anderes Thema. Aber als ich vor ein paar Jahren in der Süddeutschen Zeitung einen Bericht über die Offenlegung der Vorgangsakte der Abteilung für Staatssicherheit der Stadt Neubrandenburg über die örtliche „Breakdance-Szene“ (Anfang der 80er Jahre) las, da hat es mir wiederholt die Lachtränen in die Augen getrieben. Was da der Protokollant über die womöglich gefährliche neue Jugendmode aus dem Westen, den „Brechtanz“, schrieb, den eine Hand voll Jugendlicher an öffentlichen Plätzen der Stadt mittels seltsam abgehakter Bewegungen auszuüben pflegte, das war schon ganz große realsatirische Prosa…

Wer mehr über die alltäglich-banale Seite der einst so gefürchteten Krake Stasi erfahren möchte, der möge zu „Leben hinter Mauern“ greifen.

Jenny Krämer / Benedikt Vallendar
Leben hinter Mauern. Arbeitsalltag und Privatleben hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR
Klartext Verlag Essen 2014
253 S., 18,95 EUR
ISBN 978-3-8375-0959-5