www.justament.de, 6.3.2012: Kuriert auf der Couch

Recht cineastisch, Teil 12: Eine dunkle Begierde

Thomas Claer

Kinostarts - «Eine dunkle Begierde»Zürich im Jahr 1904. Der damals junge und ambitionierte Psychiater Carl Gustav Jung (1875-1961, gespielt von Michael Fassbender) ist Oberarzt in einem Hospital, in das die damals noch jüngere und natürlich sehr attraktive russische Jüdin Sabina Spielrein (1885-1942, gespielt von Keira Knightley) eingewiesen wird, welche unter hysterischen Anfällen leidet. Zu jener Zeit war dieses heute fast völlig vergessene Krankheitsbild weit verbreitet, vor allem unter halbwüchsigen Töchtern „aus gutem Hause“. Es gelingt C.G. Jung, der bald darauf als Begründer der analytischen Psychologie groß herauskommen wird, seine Patientin mit der seinerzeit revolutionären Methode der Psychoanalyse vollständig zu heilen. Deren wissenschaftlicher Begründer, der mit Jung zunächst nur in Briefkontakt stehende Wiener Arzt Sigmund Freud (1856-1939, gespielt von Viggo Mortensen) berät den jungen Kollegen auch im Fall Sabina Spielrein. Seine Ferndiagnose lautet: Nymphomanie. Und in der Tat scheint es einen positiven Einfluss auf den Genesungsprozess der Patientin zu haben, dass sich Dr. Jung – völlig entgegen seinen sonstigen Prinzipien – zu einer amourösen Affäre mit ihr hinreißen lässt (von der seine Ehefrau nichts merken darf). Besonders genießt Sabina es dabei, von ihrem Liebhaber kräftig mit einem Stock auf ihr entblößtes Hinterteil geschlagen zu werden. Man sieht: Dieser Stoff, der – wie es heißt – wahren Begebenheiten nachgebildet wurde, ist wie geschaffen für eine filmische Umsetzung. Doch neben allen sinnlichen Extravaganzen kommt auch der wissenschaftliche Disput zwischen Freud und Jung, den beiden großen und bis heute umstrittenen Pionieren der menschlichen „Seelenzergliederung“, in diesem Film nicht zu kurz. Geschlagene 13 Stunden ohne Unterbrechung debattieren sie miteinander bei ihrem ersten Aufeinandertreffen in Wien, berichteten einander ausführlich ihre Träume und deuten diese aus. Schon hier zeigt sich aber der Keim zu jener Meinungsverschiedenheit, die später zum völligen Zerwürfnis zwischen beiden führen wird: Freud ist nach Jungs Geschmack zu einseitig auf die Sexualität fixiert, Jung hingegen findet Freuds Missbilligung wegen seiner starken Hinwendung zu Parapsychologie und Okkultismus. Derweil studiert Sabina Spielrein in Zürich erfolgreich Medizin und wird am Ende selbst Psychoanalytikerin. 1911 promoviert sie als erste Frau mit einem dezidiert psychoanalytischen Thema in Zürich zum Dr.med. Ein rundum sehenswerter Filmgenuss.

Eine dunkle Begierde
Großbritannien/ Deutschland/ Kanada/ Schweiz 2011
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Christopher Hampton
99 Minuten, FSK: 16
Darsteller: Keira Knightley, Michael Fassbender, Viggo Mortensen u.v.a.

Jan. 2012: Auf eigene Faust. Aktiensparen für Kleinanleger (Leseprobe)

Cover TC Auf eigene FaustKlappentext
Aktien sind Teufelszeug. Das denken die meisten Deutschen bis heute. Vergleicht man aber die langfristige Wertentwicklung unterschiedlicher Anlageformen, wird schnell deutlich, worin der Vorzug der Aktie als klassischer Unternehmens­beteiligung gegenüber allen anderen Formen der Kapitalanlage liegt: in der deutlich höheren Rendite. Voraussetzung, um eine solche zu erzielen, sind jedoch, das wusste schon Invest­ment-Altmeister André Kostolany (1905-1999), die vier „Gs“: Geld, Gedanken, Geduld und Glück. Doch muss man kein steinreicher Wirtschafts- oder Finanzexperte sein, um an der Börse Erfolg zu haben. Auch mit niedrigem Kapi­taleinsatz, sofern er nur dauerhaft und kontinuierlich erfolgt, und gesundem Menschen­verstand lassen sich mitunter beträchtliche Gewinne erzielen. Dieses Buch soll zeigen, wie das gelingen kann, ohne in die Fänge der Banken, Versicherungen und Anlageberater zu geraten, die lediglich ihre – allein für sie selbst lukrativen – „Finanzprodukte“ verkaufen wollen.

Verlag: Books On Demand Norderstedt, 130 Seiten, 10 € (E-Book 8,50 €)

Inhalt

Einleitung: Wozu dieses Buch? (5)

Kapitel 1: Geld (19)

Kapitel 2: Gedanken (33)

  1. Investment oder Spekulation? (36)
  2. Welche Aktien soll man kaufen? (45)
  3. Der innere Wert einer Aktie (52)
  4. Welche Informationen braucht man und  wo findet man sie? (62)
  5. Wie gelingt die Diversifizierung? (73)
  6. Wann soll man kaufen?  (83)
  7. Wann soll man verkaufen? (101)
  8. Ethisch-moralische Überlegungen (109)

Kapitel 3: Geduld (117)

Kapitel 4: Glück (125)

Ausblick und Schluss (129)

Einleitung: Wozu dieses Buch?
Aktien sind Teufelszeug. Das denken die meisten Deutschen bis heute. Und in der Tat sind deutsche Kleinanleger nur zu oft gebrannte Kinder, haben sie doch vor zehn Jahren in großer Zahl viel Geld am „Neuen Markt“ und mit Volks­aktien wie der Deutschen Telekom verlo­ren. Seit dieser Zeit ist die Anzahl der Aktionäre in Deutschland kontinuierlich zurückgegangen. Gab es im Jahr 2001 noch 12,9 Millionen Bundes­bürger, die in Aktien oder Aktienfonds investiert hatten, waren es Ende 2010 nur noch 8,2 Millionen. Rechnet man nun noch die nur indirekt engagierten Fondssparer und die Beleg­schaftsaktionäre, die als Mitarbeiter Aktien ihres Unternehmens (oft zu Vorzugspreisen) erworben haben, heraus, so bleiben noch ganze 2,8 Millio­nen aktive Direkt-Aktionäre in Deutschland. 2,8 Millionen von 81,8 Millionen Einwohnern – fürwahr eine überschaubare Zahl!
Dabei erreichte das Geldvermögen der Bundes­bürger (Immobilien nicht mitgerechnet) mit inzwi­schen fast fünf Billionen Euro im Jahr 2010 einen neuen Höchststand. Das sind etwa 116.000 Euro je Haushalt – rund 5000 Euro mehr als im Vorjahr. Doch der relativ größte Anteil, nämlich 38 Prozent, lag auf Spar-, Festgeld- und Tagesgeld­konten oder wurde gleich als Bargeld aufbewahrt. Schon auf dem zweiten Platz mit 28 Prozent folgten die Versicherungs-Anlagen, ein­schließlich Pensionskassen, Pensionsfonds und Versorgungswerken. Etwa zwölf Prozent des deutschen Vermögens steckten in Investment­fonds, ca. acht Prozent in verzinslichen Wert­papieren (Anleihen) und nur knapp vier Prozent in Aktien.
Aber ist die Aktien-Skepsis der Anleger denn nicht vollkommen berechtigt? Lag der deutsche Leitindex DAX, der die Wertentwicklung der 30 wichtigsten börsennotierten Unternehmen abbil­det, vor über zwölf Jahren (April 2000) schon bei gut 8.000 Punkten, so hat er nach drei Crashs (2000-2003, 2008-2009 und im Au­gust/September 2011) dieses Niveau – nach einem kurzen Ausflug auf diesen Stand 2007 – bislang noch nicht wieder erreicht. (Am Jahres­ende 2011 steht er bei 5.900 Punkten). Wer also vor ca. zwölf Jahren einen bestimmten Betrag in den DAX investiert und bis heute durchgehalten hat, ist sogar nominal (also noch ohne Berücksichti­gung der Inflation) deutlich im Minus. Noch viel schlimmer ging es denen, die Ende 1989 Geld in den Japanischen NIKKEI-Index angelegt hatten, als dieser sein Allzeithoch von fast 39.000 Punkten erreichte. Heute, und das liegt keineswegs allein an Fukushima, steht er bei gerade einmal 8.500 Punkten. Dabei gilt es noch als vergleichsweise sicher, auf einen ganzen Index zu setzen. Um wie viel riskanter muss es dann wohl sein, stattdessen auf Einzel­werte zu wetten? Also Finger weg von Aktien? Ist diese Anlageform nicht insbesondere für Klein­anleger, womöglich noch zur Altersvor­sorge, wegen ihrer hohen Volatilität (Schwankungs­anfälligkeit) und ihres ungewissen Erfolgs gänzlich ungeeignet?
Nichts wäre falscher als diese Schlussfolgerung. Vergleicht man die langfristige Wertentwicklung unterschiedlicher Anlageformen, wird schnell deutlich, worin der Vorzug der Aktie als klassi­scher Unternehmensbeteiligung gegenüber allen anderen Formen der Kapitalanlage liegt. So brachten amerikanische Standardwerte seit 1801 eine jährliche reale Rendite (also nach Abzug der Inflationsrate) von über sechs Prozent ein, während Anleihen nur die Hälfte abwarfen und sich Gold mit weniger als einem Prozent rentierte. Schließlich konnten auch Festgelder, Sparkonten und Kapitallebensversicherungen, setzt man sie in Relation zur jährlichen Inflations­rate, kaum mehr als dem Kapitalerhalt dienen.
Der erstmals am 1. Juli 1988 berechnete deutsche Aktienindex DAX erreichte seitdem einen durch­schnittlichen jährlichen Nominalanstieg (also ohne Berücksichtigung der Inflationsrate) von 12,14 %. Selbst in den erwähnten summarisch schwachen Jahren zwischen 2000 und 2011 (in denen der DAX über zwanzig Prozent an Wert einbüßte) lag die durchschnittliche jährliche Per­formance (Wertentwicklung) bei immerhin 2,5 Prozent, also noch immer besser als die mancher anderen Assetklassen (Anlageklassen). Aber ist das nicht Hexerei? Nein, nur eine Art mathemati­sches Paradoxon, denn in jedem Jahr fängt die jährliche Wertentwicklung wieder bei Null an. Und das gilt eben auch für alle jeweils neu ange­legten Gelder. Wer also nicht große Summen auf einen Schlag, sondern regelmäßig nur Teilbe­träge investiert, fährt damit besser – darauf kom­men wir später noch zurück. Berücksichtigt man zudem noch den Zinseszins-Effekt, der sich aus der fortlaufenden Reinvestierung der Erträge ergibt, kann sich die Performance noch einmal ganz immens verbessern; je länger man das Geld arbeiten lässt, desto stärker.
Und die desaströse Wertentwicklung der japani­schen Aktien, das „Totschlag-Argument“ aller Aktien-Skeptiker? Zwischen 1990 und 2010 (der Wert des NIKKEI 225 sank um fast 75 Prozent) lag die jährliche Wertentwicklung im Durch­schnitt bei minus 3,62 Prozent. In einem auch nach Ländern diversifizierten Aktien-Depot (dazu später mehr), lässt sich so etwas kompen­sieren. Und wer sein Depot beispielsweise nach den Grundsätzen des Value Investing zusammen­stellte, hat um viele hoch bewertete japanische Aktien vermutlich ohnehin einen Bogen gemacht. Im übrigen stellt die Entwicklung in Japan einen Sonderfall dar, der  international ohne Beispiel ist, höchstens vergleichbar mit dem „Neuen Markt“ in Deutschland (1997-2003), der in den Jahren 2000 bis 2002 nicht weniger als 96 Pro­zent seines Wertes eingebüßt hat (und dann in Tec­DAX umbenannt wurde). So bleiben der japani­sche Aktienmarkt und der „Neue Markt“ eine ständige Warnung an alle Investoren davor, Aktien einfach auf gut Glück zu kaufen, ohne sie zuvor einer strengen Qualitätsprüfung unterzogen zu haben.
Wer aber sagt uns überhaupt, dass die Zukunft zumindest in etwa so wie die Vergangenheit verlau­fen wird? Kann es nicht sein, dass die Aktien­kurse weltweit und auf Dauer einbrechen werden, vielleicht weil unsere aggressiv Res­sourcen verbrauchende Wirtschaftsweise keine Zukunft mehr hat? Da ist sicherlich einiges dran, doch hilft hier ein Blick auf die Weltwirtschaft als ganzes: Wir befinden uns derzeit in einem Superzyklus, der vom äußerst dynamischen Auf- und langfristig wohl auch Überholprozess der heutigen und künftigen Schwellenländer gegen­über den Industrieländern geprägt ist. Dieser Pro­zess ist durchaus anfällig für Krisen und Rück­schläge verschiedenster Art, aber er ist alles in allem wohl unumkehrbar und wird noch für min­destens zwei bis drei Jahrzehnte ein beträcht­liches weltweites Wirtschaftswachstum gene­rieren, nicht zuletzt aber auch so export­orientierte Industrieländer wie Deutschland beflügeln. Und mit dem Wirtschaftswachstum und den Börsenkursen verhält es sich, so be­merkte einst der legendäre Börsenguru André Kostolany (1905-1999), wie mit einem Hunde­halter und seinem Hund, mit dem jener Gassi geht: Mal läuft das Herrchen vorneweg, mal der Hund, mal entfernen sie sich weiter voneinander und mal gehen sie dicht beieinander, aber immer bleiben sie miteinander verbunden. Sie werden sich niemals völlig voneinander abkoppeln. In dieser Erkenntnis liegen natürlich auch Invest­ment-Chancen, von denen noch die Rede sein wird.
Aber, so wird mancher einwenden, ist die Börse nicht etwas Anrüchiges, ein Glücksspiel, eine bloße Zockerei? Sollte man nicht besser selbst arbeiten, statt sein Geld für sich arbeiten zu las­sen? Nun, beides schließt sich ja nicht aus. Und gutes und erfolgreiches Investieren kann auch harte Arbeit sein, lässt sich aber viel besser als eine Kunst beschreiben, die erlernbar ist, und zwar auf durchaus unterschiedliche Weise. Außer­dem: Was machen denn die Banken, denen wir unser Geld so gerne anvertrauen, selbst ande­res, als damit zu „zocken“, und zwar oft auf viel kurzfristigere und riskantere Weise als es ein umsichtiger und vorsichtiger Privatinvestor jemals tun würde. Und statt der Gewinne aus ihrem Kapital erhalten die Kunden dafür Zinsen zumeist unterhalb der Inflationsrate. Da kann man als aufgeklärter Verbraucher sein Geld doch lieber selbst anlegen. Ähnliches wie über die Banken lässt sich über die Versicherungen sagen. Jeder Deutsche hat durchschnittlich mehr als eine Kapital-Lebensversicherung. Deren gesetzlich vorgeschriebene Mindestverzinsung liegt bei 2,25 Prozent pro Jahr, reduziert sich aber ab 2012 auf 1,75 Prozent. (Die jährliche Inflations­rate liegt derzeit bei 2,3 Prozent.) Nur dass die Versicherungen im Unterschied zu den Banken kaum in Aktien investieren (dürfen) und die Gel­der ihrer Kunden zum größten Teil in Staatsan­leihen anlegen. Und wie es um deren Sicherheit und Ausfallrisiko zum Teil bestellt ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben… Schließlich noch zum Einwand des Glücksspiels bei der Aktienanlage: Verglichen mit Glücks­spielen im eigentlichen Sinne wie dem Lotto- oder dem Automatenspiel ist das Chance-Risiko-Verhältnis an der Börse um ein Vielfaches günsti­ger. Selbst ein Investor ohne die geringste Sachkenntnis, der willkürlich beliebige Standard-Aktien kauft und verkauft, hätte eine wesentlich größere Erfolgswahrscheinlichkeit als jeder Lotto- oder Automatenspieler. Am ehesten lässt sich das Aktien-Investment noch mit dem Rou­lette-Spiel vergleichen, bei dem es ja immerhin eine nahezu 50 Prozent-Chance gibt. Im Unter­schied dazu kann man aber an der Börse sein Anlage-Glück zumindest teilweise durch eine geschickte Auswahl seiner Werte und ein gutes Timing beeinflussen, auch wenn genau hierin die große Schwierigkeit liegt.
Doch muss man sich wirklich die Mühe machen, auf viele Einzelaktien zu setzen, die man dann auch noch dauerhaft beobachten muss, wo man doch bequem Anteile an Aktienfonds erwerben kann, bei denen einem der Fondsmanager all das abnimmt? Das Problem dabei ist aber: Etwa 80 Prozent der Fonds schneiden schlechter ab als der Markt, d.h. der jeweilige Vergleichsindex (die „Benchmark“). Und wenn ein Fonds in einem Jahr einmal besser als seine Benchmark ist, dann ist er es im nächsten Jahr meistens nicht mehr. Nur ganz wenigen Fonds gelingt es, dauer­haft den Markt zu schlagen. Das liegt nicht unbe­dingt daran, dass die Fondsmanager nichts könn­ten, sondern sie haben gewisse, einer guten Ren­dite abträgliche Handicaps, die alle diejenigen nicht haben, die selbst ihre eigenen Fonds­manager sind. Zum einen wird beim Kauf eines Fonds ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Pro­zent fällig, in der Regel kommt noch eine jährli­che Gebühr dazu. Da muss der Fonds schon sehr gut „performen“, um das wieder „reinzuholen“. Zum anderen sind den meisten Fondsmanagern in vielen Situationen die Hände gebunden, weil ihr Fonds schlicht auf bestimmte Weise kon­struiert ist. Wenn der Fonds-Prospekt etwa einen bestimmten Anteil von Aktien einer Region oder Branche vorschreibt, darf der Fondsmanager daran nicht rütteln, während der Privatanleger, der sein Depot auf eigene Faust managt, völlig frei agieren kann. So überrascht es nicht, wenn Untersuchungen ergeben haben, dass viele Privat­anleger in ihren Depots eine bessere Wertent­wicklung erzielen können als professio­nelle Fondsmanager.

Noch ungünstiger ist die Bilanz bei Riester-Verträ­gen, also jenen Finanzprodukten, deren Abschluss von der Bundesregierung mit jährli­chen Zulagen als Baustein der Altersvorsorge gefördert wird. Üblicherweise verkauft ein priva­ter Vermittler dem Kunden den jeweiligen Aktien­fondssparplan oder die jeweilige Kapital­lebensversicherung gegen einen nicht unbeträcht­lichen Anteil der anzusparenden Summe als Provi­sion. Nach Abzug dieser und weiterer Bear­beitungsgebühren ist es mit der Rendite dann trotz der jährlichen staatlichen Zulagen nicht mehr weit her. (Allenfalls für sehr Kinderreiche könnte es sich lohnen, da für jedes Kind eine Extra-Zulage gezahlt wird.) Immerhin kann man mit Riester-Produkten nominal kein Geld verlie­ren (das ist gesetzlich garantiert), dafür aber auch nur sehr begrenzt welches gewinnen. Ihr viel­leicht größter Vorteil dürfte in ihrer disziplinie­renden Wirkung auf die Sparer liegen, überhaupt regelmäßig etwas auf die „hohe Kante“ zu legen.

Eine andere Möglichkeit, sich die mühsame Suche von Einzelwerten zu ersparen, ohne auf aktiv gemanagte Fonds zu setzen, sind seit eini­gen Jahren die Exchange-traded fund (ETF). Hier­bei handelt es sich um Aktien-Fonds, die im Verhältnis 1:1 einen Index (z.B. den DAX oder den EURO STOX 50) abbilden. Sie sind rein passive Konstrukte und brauchen keinen Fonds-Manager, weshalb sie deutlich kostengünstiger als herkömmliche Aktienfonds sind. Sofern sie sich auf einen Index beziehen, der für seine Berech­nung fortlaufend auch die ausgeschütteten Dividenden einpreist (so ist es z.B. beim DAX, nicht aber beim DOW JONES INDEX), partizi­pieren Anleger auch noch von letzteren. Da die ETF den Bankmitarbeitern keine Provisionen einbringen, werden sie von ihnen kaum ihren Kunden empfohlen. Jedoch haben die Medien zuletzt stark zur Popularisierung dieser Anlage­form beigetragen. Für die ETF spricht vieles (vor allem, wenn sukzessive und nicht auf einen Schlag in sie investiert wird). Gegen sie spricht vornehmlich, dass ihre Performance (Wertent­wicklung) infolge der Gebühren immer gering­fügig hinter ihrer Benchmark (dem abgebildeten Index) zurückbleibt und eine Outperformance mit ihnen daher nicht möglich ist.

Außerdem ist es schließlich denkbar, einen profes­sionellen Berater zu konsultieren, der einem gegen ein Honorar gezielte Anlagetipps gibt. Doch haben Untersuchungen ergeben, dass auf solche Weise beratene Anleger durchschnitt­lich keine höheren Renditen erzielen als Anleger ohne eine solche Beratung. Vielleicht liegt es ja ganz einfach daran, dass Anleger sich vor allem dann nicht beraten lassen, wenn sie sich für ausrei­chend kompetent halten, ihre Entschei­dungen selbst zu treffen. Und das mag dann häufig auch zutreffen. Denn so gut dürften nur die wenigsten Anlageberater sein, dass sie durch ihre Tipps ihren Kunden eine Mehrrendite erwirt­schaften, die über den Kosten ihrer Bera­tungstätigkeit liegt. Erinnert sei hier auch an die Feststellung des bereits oben zitierten Invest­ment-Altmeisters André Kostolany: „Wer’s kann, handelt an der Börse, wer’s nicht kann, berät andere.“ Wer über ein Grundverständnis der Zusammenhänge an der Börse sowie über einige wenige Grundvoraussetzungen zur Geldanlage verfügt, der kann auf einen Anlageberater gut verzichten. Welche Voraussetzungen aber sind das, die man haben sollte?
An der Börse braucht man, so sagte es wiederum André Kostolany (1905-1999), die vier „Gs“, nämlich Geld, Gedanken, Geduld und Glück. Daran hat sich bis heute nichts geändert und wird sich wohl auf absehbare Zeit auch nichts ändern. Deshalb sollen diese vier klassischen Vorausset­zungen des Erfolgs an der Börse auch als Kapitel­überschriften des vorliegenden kleinen Buches dienen. Kostolany selbst hatte einmal den Satz „Dieses Mal wird alles anders“ als den teuersten Satz der Börsengeschichte bezeichnet. Die bereits oben geschilderte Entwicklung am „Neuen Markt“, als die Bewertungen von Techno­logie-, Medien- und Biotech-Aktien bis zum Jahr 2000 Schwindel erregende Höhen er­reichten und dann jäh abstürzten, gab ihm Recht, auch wenn er die Erfüllung seiner Prophezeiung („Es wird ein Blutbad geben.“) nicht mehr erlebte. Der vielleicht einzige grundlegende Unter­schied zu früheren Börsenepochen ist die heute sehr fortgeschrittene Technisierung des Handels, aus der sich neuartige Chancen und Risiken ergeben, von denen noch die Rede sein wird. Anders als früher braucht heute jeder Inves­tor einen internetfähigen Computer. Zum einen, um für seine Geschäfte die wesentlich kostengünstigeren Online-Broker nutzen zu kön­nen, zum anderen, um gezielt das Informations­angebot des Internets zu nutzen.
Das Geld muss arbeiten! Daran führt kein Weg vorbei. Wer es zu Hause im Sparstrumpf liegen lässt, vernichtet mit der Zeit seinen Wert, weil er auf einen Inflationsausgleich verzichtet. Wer sein Geld aber den Banken und Versicherungen gibt, lässt es gegen einen kleinen Inflationsausgleich für andere arbeiten, ohne selbst die Früchte davon zu genießen. Doch muss man kein stein­reicher Wirtschafts- oder Finanzexperte sein, um an der Börse Erfolg zu haben. Auch mit nied­rigem Kapitaleinsatz, sofern er nur dauerhaft und kontinuierlich erfolgt, und gesundem Menschen­verstand lassen sich mitunter beträchtliche Gewinne erzielen. Dieses Buch soll zeigen, wie das gelingen kann.
An wen aber richtet sich dieses Buch? Eigentlich an alle, die ihr Glück in die eigenen Hände neh­men und sich nicht länger mit niedrigen Erträgen auf den Anlagemärkten abspeisen lassen wollen. Erfahrenen Anlegern mag es Anregungen zu vertieften Überlegungen, zur kritischen Refle­xion und zur Optimierung ihrer Strategie geben. Börsen-Neulingen mit wirtschaftlichem Vorver­ständnis (oder auch ohne ein solches) soll es Wege zu einer erfolgreichen Geldanlage in Aktien ebnen. Das Buch ist einfach und allgemein­verständlich abgefasst, verzichtet nach Möglichkeit auf komplizierte Fachsprache und unverständlichen Börsenjargon und sollte daher auch von (fast) jedem verstanden werden, der ein grundlegendes Interesse an der Thematik mit­bringt.

Das vollständige Buch gibt es unter:

http://www.amazon.de/Auf-eigene-Faust-Aktiensparen-Kleinanleger/dp/3844818146/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1391769012&sr=8-1&keywords=thomas+claer

1.1.2012: Ahnenforschung, Teil 2

Zur Ahnenforschung über die Familie Claer. Neue Erkenntnisse

Thomas Claer

Hier einige Ergebnisse der weiteren Recherchen zur Familienforschung, die ich im zurückliegenden Jahr gelegentlich unternommen habe:

1. Ausdehnung des Stammbaums

Als unser ältester gesicherter namenstragender Vorfahre kann nunmehr der Jäger Friedrich Claer gelten, der mit großer Wahrscheinlichkeit der Vater des Postschaffners Franz Claer (27.9.1841 in Eichenberg/ Wehlau bis 16.10.1906 in Neidenburg), meines Ururgroßvaters, gewesen ist. Franz Claer war verheiratet mit Henriette Stryjewski (28.11.1845-21.1.1931) in Usdau. Die Lebensdaten des Friedrich Claer sind uns (noch) nicht bekannt. Doch ergibt sich aus der Antwort der Frau Heidrun Meller (geb.1940 in Königsberg) (http://list.genealogy.net/mm/archiv/ow-preussen-l/2011-01/msg00366.html), welche Einsicht in einschlägige Kirchenbücher genommen hat, in einem Internetforum auf die Anfrage des Benutzers Spooky die Geburt des königlichen Forstaufsehers/ königlichen Försters Friedrich Wilhelm Claer am 23.10.1824 in Corjeiten, Kreis Fischhausen. Demnach waren die Eltern „der Jäger Friedrich Claer“ und Justine Knaebe, welche 1805 in Jouglauken geboren wurde. (Letztere wird im Kirchenbuch als „seine Braut“ bezeichnet, da die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht verheiratet waren.)
Unter „Urgroßeltern väterlicherseits“ ist in unserem Stammbaum (Fragebogen der Reichsstelle für Sippenforschung, ausgefüllt von Gerhard Claer) als einzige eingetragen (mit Bleistift): Knebel, Justine. Die große Namensähnlichkeit lässt unter Berücksichtigung der damals oft uneinheitlichen Namens-Schreibweisen auf eine Identität der Personen schließen. Justine Knaebe/ Knebel war also offensichtlich die Mutter von Friedrich Wilhelm Claer (geb.1824) – wie auch von Franz Claer (geb. 1841). Das heißt: Der ältere Bruder von Franz Claer war wohl der königliche Forstaufseher/ königliche Förster Friedrich Wilhelm Claer (geb. 23.10.1824 in Corjeiten, gest. 15.6.1889 in Rahnkalwen /Dittlaken, Kreis Insterburg). Der Vater von beiden war somit wohl der „Jäger“ Friedrich Claer, der Ehemann von Justine Knaebe/ Knebel.
Ferner findet sich nach Auskunft von Frau Heidrun Meller im Kirchenbuch „bei Friedrich Wilhelm“ … „ein nachträglich eingetragenes Datum 2.10.1841 leider schlecht zu entziffern was es bedeutet“.  Vielleicht ist das ein Hinweis auf Franz Claer, aber das lässt sich nicht mit Gewissheit sagen… Schließlich ergibt sich noch aus den Aussagen von Spooky und Frau Meller, dass der Sohn von Friedrich Wilhelm Claer und Neffe von Franz Claer (und Vetter von Franz Claers Sohn Georg Claer) der Revierförster/herrschaftliche Förster Otto-Wilhelm Claer war, der am 28.12.1859 in Argenthal/Ostpreussen geboren wurde und vermutlich in den 1890er Jahren nach Schlesien übergesiedelt ist. Zu dessen Nachkommen könnte der 1937 in Fischbach/Niederschlesien nachweisbare Ober-Bahnassistent Julius Claer zählen.
Auf meine E-Mail-Anfrage antwortete mir Frau Heidrun Meller, dass in den von ihr herangezogenen Kirchenbüchern der Name Claer nur dieses eine Mal bei den Geburten vorkomme. Sie empfiehlt weitere Nachforschungen im evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg, wo sich sämtliche Kirchenbücher der ehemaligen deutschen Ostgebiete befinden.

An dieser Stelle ist ergänzend auf die handschriftlichen Aufzeichnungen meines Großvaters Gerhard Claer hinzuweisen, wonach im Kirchenregister der ev. Kirche Judithen bei Neidenburg, Jahrgang 1828, Seite 451 Nr. 61 einige Male Clair mit „ai“ erscheint, nämlich: „Heinrich Clair, Förster; Otto C., Gendarm u.s.w., Franz u.s.w. Postbeamter// Geschwister Amelie (?) geb. Clair“. Er geht offenbar von einer Verwandtschaft aus und wertet die dem Französischen näher stehende Schreibweise als Indiz für die ursprünglich französische Herkunft der Familie. Auch laut Angaben von Spooky, dessen Urururgroßvater Friedrich Wilhelm Claer war, sind aufgrund des Namens französische Vorfahren „in der Familie überliefert“.
Es bleibt also festzuhalten, dass der Jäger Friedrich Claer 1824 in Corjeiten, Kreis Fischhausen (20 km westlich von Königsberg an der Kurischen Nehrung gelegen), gelebt und eine Famile gegründet hat.

2.  Die rheinische Familie de Claer/ von Claer

Auf den ersten Blick weitaus imposanter nimmt sich das Bild der Famile de Claer/von Claer aus, wie es sich in der über 400 Seiten umfassenden Familiengeschichte, verfasst von Alexander von Claer 1929-1932, darstellt. Diese habe ich dem Stadtarchiv St. Augustin entliehen und für einige Familienmitglieder Kopien angefertigt. Sämtliche mehr oder weniger prominente Träger des Namens de Claer und später von Claer (auch in anderer Schreibweise, v.a. de Clair, de Clare und de Clara) lassen sich dieser Familie zuordnen. Ende des 19. Jh. erteilte der deutsche Kaiser die Erlaubnis zur Namensänderung in „von Claer“. Allerdings ist in dieser Familie von einer französisch-hugenottischen Abstammung keineswegs die Rede. Vielmehr geht die gesicherte Herkunft der Familie bis auf das Jahr 1501/1502 zurück, in welchem ein Derick de Claer Schöffe in Nymwegen/ Niederlande war. Sein Vater Lambert de Claer wird als der älteste urkundlich nachweisbare Claer bezeichnet. Im Jahr 1652 tritt Bartholomäus de Claer eine Schöffenstelle in Rees am Niederrhein ein. In der Folge ist die Familie im Rheinland ansässig, ab ca. 1680 im kurköllnischen Königswinter als Burgherren der Burg Drachenfels. Erst Otto de Claer (1827-1909) verließ als preußischer Offizier dauerhaft das Rheinland und verstarb in Berlin. Seine fünf Kinder wurden in Lüben (Niederschlesien), Haynau (Niederschlesien) und Danzig geboren. Doch kann er sich erst ab Mitte des 19. Jh. in östlicheren Gefilden aufgehalten haben, was eine Verbindung zu unserer Familie, die sich bis mindestens 1824 in Ostpreußen zurückverfolgen lässt, als kaum möglich erscheinen läst.

Jedoch hat sich, so heißt es in der Familiengeschichte von Claer,  „durch die Jahrhunderte in der Familie die Überlieferung von einer anglo-normannischen bzw. anglo-irischen Abstammung erhalten“. Ausführlich wird Franz Bernhard de Claer (1785-1853) hierzu in der Familiengeschichte zitiert. „Urkunden aus dieser frühen Zeit“ sollen mit anderen nicht unbedeutenden Familienpapieren „bei der Invasion der französisch-republikanischen Heere auf das rechte Rheinufer im Jahre 1795/96“ verloren gegangen sein. Franz Bernhardt nimmt an, dass unter den verschiedenen Schreibweisen des Familiennamens „ursprünglich Clare, englisch Clär ausgesprochen, die richtige Schreibart war, dass man aber nach der Übersiedlung nach Holland und Deutschland den Namen Clare in Claer umgeändert hat, damit nach deutschem Sprachgebrauch die alte Pronunciation beibehalten werde“.
Weiter führt er aus: „Seit der Eroberung Englands durch die Normannen im Jahre 1066 bis in das 14. Jahrhundert hat das Geschlecht der Clare in der englischen wie in der irischen Geschichte eine bedeutende Rolle gespielt. Richard von Orbec und Bien-Faite war unter den Baronen, die mit Herzog Wilhelm von der Normandie in der Versammlung von Lillebonne die Eroberung Englands beschlossen. Er zeichnete sich  in der Schlacht bei Hastings aus und wurde zum Lohne mit der Grafschaft Clare belehnt, deren Namen er annahm. Name und Wappen eines späteren Richard Earl of Clare und seines Sohnes Gilbert de Clare finden sich auf der „Magna Charta“ unter den „Baronial Securities“, d.h. den Bürgschaften für die Gültigkeit der Magna Charta von 1215, welche die Unterzeichner gegen König Johann ohne Land durchsetzten. Der Wappenschild der Clare zeigt drei rote Sparren – vertikal gestellt – im goldenen Felde. Man unterscheidet zwischen einer englischen und einer irischen Linie des Geschlechts. Die englische starb schon 1316 im Mannesstamme aus. In Irland, wo die an der Eroberung führend beteiligten de Clare den Titel: Grafen von Gloucester annahmen, wird das Geschlecht nach einer glanzvollen Geschichte seit dem 14. Jahrhundert unter den ersten Namen nicht mehr erwähnt. Ebensowenig ist aber sein Aussterben überliefert, so dass es sich möglicherweise nur um ein Herabgleiten von der einstigen Höhe handelt.“

Diese Ausführungen des Franz Bernhard de Claer über die anglo-normannische und anglo-irische Familie de Clare finden ihre volle inhaltliche Bestätigung nebst umfassenden Stammbäumen und Abstammungstafeln auf zahlreichen enzyklopädischen Internet-Seiten. (http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_de_Clare,_2._Earl_of_Pembroke, http://www.castlewales.com/clares.html, http://www.renderplus.com/hartgen/htm/de-claire.htm)

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The de Clare Family

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Gilbert de Clare from a stained glass window at Tewkesbury Abbey

Wikipedia bezeichnet die Clares als eine der mächtigsten Familien Englands. (http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_de_Bienfaite) Im Wikipedia- Eintrag unter „Clare (Familie)“ heißt es: „Die Clares sind ein anglonormannisches Adelsgeschlecht, das von den Herzögen der Normandie aus dem Haus der Rolloniden abstammt.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Clare_%28Familie%29) Die Rolloniden wiederum sind die Familie der normannischen Grafen und Herzöge der Normandie ab dem Beginn des 10. Jahrhunderts, die von Rollo dem Wikinger (wohl geb. 846, † 931) abstammt, dem Grafen von Rouen und Gründer der Normandie im Jahre 911. (http://de.wikipedia.org/wiki/Rolloniden) (Er bekam vom westfränkischen König Karl dem Einfältigen im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte die Normandie als Lehen zugesprochen.) Man soll ihn auch „Rollo der Wanderer“ genannt haben, weil er angeblich immer nur zu Fuß ging, was darin begründet lag, dass er zu groß gewesen sein soll, um auf einem Pferd reiten zu können. Angeblich ist Rollo, der aus Dänemark (nach anderen Quellen aus Norwegen) stammen soll, den gesamten Landweg von Skandinavien bis Frankreich zu Fuß gegangen. Die Forschung sieht diesen Bericht aber als Übertreibung an. (http://de.wikipedia.org/wiki/Rollo_%28Normandie%29) Die norddeutsche Rockband Torfrock verwendet die Figur „Rollo der Wikinger“ seit 1977 in ihren Liedern.

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Rollo-Statue in Rouen

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Grab Rollos in Rouen

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Wikinger im 10. Jahrhundert

Rollo Verhandlung

Illustration aus dem 14. Jahrhundert, die die Verhandlung des Bischofs von Rouen mit Rollo darstellt. Aus der Onlinebibliothek von Toulouse.

Rollos Taufe

llustration aus dem 14. Jahrhundert, die die Taufe Rollos durch den Erzbischof von Rouen darstellt, aus der Onlinebibliothek von Toulouse.

Doch bleibt auch in den Augen der Familie de Claer/ von Claer als Unsicherheitsfaktor ihrer anglo-normannischen/ anglo-irischen Herkunft die Übersiedlung von den britischen Inseln in die Niederlande. Unklar ist hier vor allem der Zeitpunkt.

Franz Bernhardt de Clare schreibt hierzu: „Dass Angehörige des alten Geschlechts der Clare aus England oder Irland auf das Festland übergetreten sind, dafür liegen die folgenden Anzeichen vor:“ Zunächst erwähnt er Osbert von Clare, der im Jahre 1115 als Hausgenosse des Papstes Paschal II.von diesem zum Abte von S. Saba in Rom eingesetzt wurde. Noch viel interessanter ist aber der zweite Hinweis: „Im Dom zu Königsberg in Ostpreußen ist der Bischof von Samland Johannes Clare beigesetzt. Auf der Grabplatte stehen die Worte: ‚Johannes Clare, fest. 1344’. Der reichhaltigen Literatur über ihn lässt sich entnehmen, dass er 1310 vom samländischen Kapitel in Königsberg zum Bischof gewählt wurde. Infolge von Streitigkeiten zwischen dem Deutschritter-Orden, dessen Oberherrschaft die Diözese Samland unterstand, und dem Metropoliten, dem Erzbischof von Riga, konnte er von letzterem die Bestätigung nicht erlangen. Er reiste darauf zu Papst Clemens V. nach Avignon, wo er erst 1319 unter dessen Nachfolger Papst Johann XXII. bestätigt und geweiht wurde. (Zwischen 1309 und 1377 residierten insgesamt sieben Päpste im südfranzösoschen Avignon, woran sich 1378 das große abendländische Schisma anschloss (http://de.wikipedia.org/wiki/Avignonesisches_Papsttum); Anmerkung T.C.) Nach seiner Rückkehr entfaltete er bis zu seinem Tode (5. Mai 1344) eine rühmliche Wirksamkeit in seiner Diözese, die sich unter ihm von den Schäden erholte, die sie durch die Nachgiebigkeit seiner Amtsvorgänger dem Deutschorden gegenüber erlitten hatte. Johannes Clare ist auch der Begründer des Königsberger Doms, dessen Grundsteinlegung 1333 erfolgte.
Die Herkunft des Bischofs steht nicht sicher fest. Er soll aus Thorn stammen und um 1260-65 geboren sein. Wie urkundlich feststeht, stammten die ersten Bewohner der ein Menschenalter zuvor (1231) gegründeten Stadt aus dem Westen Deutschlands. Vermutlich wird auch des Bischofs Vorfahr – mit dem üblichen Generationsabstand wohl der Großvater – zu den Einwanderern und Mitbegründern der Stadt gehört haben. Der englisch klingende Name lässt die Einwanderung der Voreltern des Bischofs aus England in den deutschen Westen, zu welchem damals auch die Niederlande gehörten, möglich erscheinen.“

Alexander von Claer schreibt in der „Familiengeschichte von Claer“, nachdem er die Ausführungen Franz Bernhards zitiert hat:“Für einen möglichen Übertritt von England-Irland nach den Niederlanden käme mithin eine frühere Zeit, wohl das 14. oder der Anfang des 15. Jahrhunderts in Frage.“

Das mag für den späteren rheinischen Zweig der Familie stimmen. Doch spricht eben auch einiges für eine Übersiedlung anderer Familienmitglieder nach Ostpreußen bereits im frühen 13. Jahrhundert, zumal zu dieser Zeit der englische Zweig der Familie noch nicht „im Mannesstamme ausgestorben“ war, was nach den Angaben Franz Bernhards erst 1316 geschehen ist. (Auch bei Wikipedia heißt es: „Mit Gilbert de Clare, 10. Earl of Clare (1291–1314), starb der männliche Stamm der Familie Clare aus… Elisabeth de Clare (um 1291–1360) ist die Gründerin vom Clare College an der renommierten University of Cambridge. (http://de.wikipedia.org/wiki/Clare_%28Familie%29)) Hinzu kommt der Umstand, dass wohl auch immer wieder Söhne der englischen Familie de Clare Besitzungen in der Normandie erhielten, welche bis 1087, von 1106 bis 1144 und von 1154 bis 1204 ein Teil Englands war und später von 1346 bis 1360 und nochmal von 1415 bis 1450 von englischen Truppen besetz war. (http://de.wikipedia.org/wiki/Normandie) So heißt es im Wikipedia-Eintrag über Richard de Bienfaite (* vor 1035; † April 1090), auch genannt Richard of Tonbridge, Richard de Clare oder Richard Fitz Gilbert: „Wie in den meisten Erbfällen der ersten anglonormannischen Generation folgte ihm sein ältester Sohn Roger in den Besitzungen in der Normandie, während der jüngere Gilbert de Clare den englischen Besitz erhielt.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_de_Bienfaite)

3. Mögliche Verbindungen

Könnte nun also eine Verbindung zwischen der ostpreußischen Familie Claer und dem anglo-normannischen Geschlecht der Clare bestehen? Vor allem die Person des erwähnten Bischofs von Samland lässt das möglich erscheinen. Der Wikipedia-Eintrag über Johannes Clare bestätigt nicht nur die über 150 Jahre alten Ausführungen des Franz Bernhard de Claer, sondern bemerkt eingangs darüber hinaus: „Johann Clare stammte aus einer Bürgerfamilie der Thorner Altstadt. Sein Neffe Johann Clare ist 1325 als Karwansmeister des Bischofs bezeugt. Einem zweiten Neffen, Frowin Clare, übertrug er 1327 das Schulzenamt von Neuendorf bei Fischhausen.“

Und just im Kreis Fischhausen an der Kurischen Nehrung liegt der Ort Corjeiten, in welchem 1824 der Jäger Friedrich Claer gelebt und eine Familie gegründet hat.

Saml

Historische Landkarte des Samlands mit Fischhausen (im unteren linken Segment rechts oben)

Sollte also die Familie 500 Jahre lang in dieser Gegend gelebt haben? Möglich wäre das wohl, denn die Mobilität der Menschen war in den vergangenen Jahrhunderten in aller Regel deutlich niedriger als heute. Insofern erscheint die Migrationsneigung der Familie im Übrigen (von Norwegen/ Dänemark über Nordfrankreich, England, Irland, Niederlande, Westdeutschland bis in die früheren deutschen Ostgebiete) als für damalige Verhältnisse eher ungewöhnlich, knüpft aber an die Reiselust der alten Wikinger an… Gewiss nicht gegen ein 500 Jahre langes Verweilen an der Kurischen Nehrung spricht die unterschiedliche Schreibweise des Namens: Clare/ Clair/ Claer. Gerade auch die Schreibweise von Eigennamen wurde im deutschen Sprachraum in der Zeit vor 1800 nicht besonders genau genommen. Die wenigen Personen, die damals des Schreibens kundig waren (auch die in den Kirchenämtern), schrieben die Namen eben so, wie sie es jeweils für richtig hielten. Zudem könnten sich die unterschiedlichen Schreibweisen auch aus Erinnerungen an die Etappen der zu vermutenden Herkunft der Familie ergeben. Sollte der Übertritt nach Samland tatsächlich schon im 13. Jahrhundert erfolgt sein, wäre auch dem Fehlen des Adelstprädikats „de“ keine größere Bedeutung beizumessen, da dies – wie es in der „Familiengeschichte von Claer“ heißt – gerade in so frühen Zeiten durchaus uneinheitlich gehandhabt wurde. Erst ab dem 18. Jahrhundert kam es hier langsam zu einer größeren Strenge und Genauigkeit wie bei der Namensschreibweise im Allgemeinen.

Doch bleibt als ein schwerwiegender Einwand die Überlieferung in unserer Familie, die ausdrücklich eine französische Herkunft annimmt, im Falle meines Großvaters Gerhard Claer sogar die Abstammung von Hugenotten, die erst im 17. Jahrhundert aus Frankreich geflohen sind. (Am 18. Oktober 1685 erfolgte die Aufhebung des Toleranzediktes von Nantes durch den französischen König Ludwig XIV., und es kam zur Flucht von 200.000 bis 250.000 Hugenotten in alle Welt. Am 29. Oktober 1685 erging das Aufnahmeedikt von Potsdam durch den Großen Kurfürsten. (http://de.wikipedia.org/wiki/Hugenotten)) Nun schließt eine normannische Herkunft eine französische ja nicht aus, gehörte doch die Normandie zunächst seit ihrem Bestehen zum Westfrankenreich (dem späteren Frankreich), später zu England, aber seit dem frühen 13. Jahrhundert und bis heute wieder zu Frankreich. Doch steht zumindest der Zeitpunkt des Übertritts der Hugenotten im 17. Jh. im Widerspruch zu einer nöglichen Verbindung mit der Familie des Bischofs Johannes Clare, die bereits im 13. Jahrhundert nach Thorn und bald darauf ins Samland gekommen war.

Aufschluss könnte zunächst eine weitere Zurückverfolgung der Jäger/ Forstbediensteten in Ostpreußen vor 1824 geben, denn angesichts der Häufung von Förstern in der Familie während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts läge es nahe, dass eine solche auch länger zrückreicht. Im Forst- und Jagdkalender für Preußen, Bd. 4 aus dem Jahr 1854 finden sich die Einträge: „Forstinspektion Königsberg II – a) Oberförsterei Drusken; Schutzbezirke: Löbkojen: Frst. Claer …c) Oberförsterei Neu-Sternberg; Schutzbezirke: … Gr-Baum: Frst. Claer.“ Hier dürfte es sich wahrscheinlich um Friedrich Wilhelm Claer (geb. 1824-1889) und seinen Vater Friedrich Claer handeln. Jedoch ergaben sich bei meiner Recherche im Verzeichnis der Forstbediensteten in Ostpreußen für die Jahre 1662-1743 des Obersts a.D. Georg v. Winterfeldt aus Potsdam in der Zeitschrift „Archiv für Sippenforschung“ (1936-1941) keinerlei Funde für „Claer/ Clair/ Clare“, dafür aber einige interessante Hintergrundinformationen. So schreibt Oberst a.D. Winterfeldt im Band von 1941, S.11: „Die in nachstehenden Listen Genannten sind vermutlich fast ausschließlich geborene Ostpreußen. Nur in seltenen Fällen kommen Versetzungen aus der Mitte der Monarchie nach Ostpreußen vor. Die Unterförster haben nebenher Landwirtschaft oder Imkerei betrieben, sie sind vermutlich teilweise Bauern.“ Doch in der Liste des Jahres 1743 findet sich auch der Eintrag: „Amt Johannisburg: Förster Friedrich von Dahlen, Johannisburg, 2.1.1740, nachdem er vorher 20 Jahre als Offizier gedient.“ Zumindest ausnahmsweise wurden also auch ehemalige preußische Offiziere als Förster in Ostpreußen eingesetzt. (Darüber hinaus teilt Oberst a.D. Winterfeldt u.a. noch mit, dass alle Listen aus dem Geheimen Preußischen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem aus den Akten des Forstdepartments stammen und dass erst ab 28.7. 1739 durch die Kabinettsordre von Friedrich Wilhelm I. die Forstbediensteten in Preußen einheitlich „Königliche Förster“ heißen und nicht mehr Heidereuther oder Wildnußbereiter.)
Weiterhin ist zu erwähnen, dass der preußische Offizier Otto de Claer (1827-1909), der als erster der rheinischen Familie de Claer dauerhaft das Rheinland verließ und in Berlin verstarb, in der „alten preußischen Armee“ (also jener vor 1806) etliche Offiziere mit Namen von Clair und von Clar entdeckte, die in keiner näheren Verbindung zur rheinischen Familie standen. Er legte nach den damaligen preußischen Ranglisten das folgende Verzeichnis an, das der „Familiengeschichte von Claer“ entnommen ist:

Offiziere der alten preußischen Armee
(Zweite Hälfte des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts)
Die Namen sind, mit Ausnahme von Nr.1, durch Otto v. Claer, fwb. 1827, gest. 1909, aus preußischen Ranglisten ausgezogen.
1. v. Clar, Fähnrich im Rgt. Prinz von Preußen, 1758 in der Schlacht bei Zorndorf verwundet (s. „Helden-, Staats- und Lebensgeschichte Friedrichs des Anderen“, Teil V, S. 173.
2. v. Clair, Lieut. Im Regiment Krockow, 1765 ausgeschieden
3. v. Clair, Capt. Bei den Ingenieuren, 1779 ausgeschieden
4. v. Clair, 1785 jüngster Fähnrich im Garnison-Regt. V. Pirch
5. v. Claar, 1781 und 1793. Zuletzt Major im Regt. Kronprinz von Preußen, beim Depot-Btl. Oranienburg.
6. v. Clar, 1785 Capt. Im Rgt. Prinz v. Preußen zu Fuß (Potsdam)
7. v. Clar (v. Claar) Friedr. Wilh., 1789 Capt. Im Regt. Nr. 18, gest. 1805
8. v. Claar, P.C. (?) im Regt. Kronprinz v. Preußen, 1790 ausgeschieden
9. v. Clair, 1797 Sec. Lieut. im Regt. Herzog v. Holstein-Beek in Königsberg
10. v. Clair, 1797 oder 1798 vom Regt. 11 in das Regt. Courbiere (Goldap, Gumbinnen, Oletzko) versetzt, dort 1798-1800 als Stabs.Capt. geführt. 1801 in das Regt. Herzog v. Braunschweig versetzt, dort noch 1805 und 1806 geführt. 1809 aus Regt. 4 ausgeschieden.

Diese Liste aus der „Familiengeschichte von Claer“ lässt sich ergänzen mit weiteren Fundstellen aus dem Internet:

– „Neuer Nekrolog der Deutschen. Neunter Jahrgang 1831, Ersther Teil, Ilmenau 1831, Register zum 9. Jahrgang 1831: … v. Clair, Hauptm. zu Gumbinnen 668 (http://books.google.de/books?id=cO0SAAAAYAAJ&pg=PR24&lpg=PR24&dq=%22v.+clair%22+k%C3%B6nigsberg&source=bl&ots=fnGUwARkZ2&sig=b6v5C8CAQyUDIozIu67a_mVYURU&hl=de&ei=TyDQTsGVD8PHswaJsNitDA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CCUQ6AEwAg#v=onepage&q=%22v.%20clair%22%20k%C3%B6nigsberg&f=false)
– „Vaterländisches Archiv für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Agrikultur, oder Preußische Provinzial-Blätter, 22. Band, Königsberg 1839: S.68 ff (74): Zur Erinnerung an das fröhliche Litthauische Musikfest zu Gumbinnen am 12. und 13. Juni 1838… Sänger-Chor … Alto: … v. Clair, … (http://books.google.de/books?id=r94OAAAAYAAJ&pg=PA74&lpg=PA74&dq=%22v.+clair%22+k%C3%B6nigsberg&source=bl&ots=ooU4Tl_cMK&sig=8TQlGHrwzst55rvlwktHwQdlgQM&hl=de&ei=TyDQTsGVD8PHswaJsNitDA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CCEQ6AEwAA#v=onepage&q=%22v.%20clair%22%20k%C3%B6nigsberg&f=false) (Die Stadt Gumbinnen war mit drei großen Kasernen eine bedeutende Garnison der preußischen Armee.(http://de.wikipedia.org/wiki/Gumbinnen))
– Abgegangene und versetzte Kgl. Preußische Offiziere 1801: u.a. Clair, Stabscapitän v. (http://home.foni.net/~adelsforschung/rang20.htm)
Daraus folgt, dass es sehr wohl denkbar wäre, dass ein abgegangener preußischer Offizier namens v. Clair oder v. Clar (die uneinheitlichen Schreibweisen der Personennamen in den Ranglisten der preußischen Armee waren berüchtigt) zwischen 1744 und 1824 zum Förster in Ostpreußen werden konnte. Aber diese Überlegung ist rein spekulativ.
Gründe für ein Ausscheiden aus der preußischen Armee gab es vielfache (Die folgende Auflistung nach: http://home.foni.net/~adelsforschung/ind03.htm):

I. Ehrenhafte Abgangsarten aus preußischem Militärdienst:
·    an den Blattern gestorben,
·    am Fieber gestorben,
·    hat sich erschossen (Premierleutnant v.Neuhoff 1753 aus dem Wolffersdorfschen Rgt),
·    wurde totgeschossen,
·    melancholisch geworden,
·    versetzt, verabschiedet, dimmitiert,
·    an der Blessur gestorben,
·    ein Rgt erhalten,
·    im Irrenhaus wg Krankehit gestorben (Sekondeleutnant Wilhelmy vom Zietenschen Hus.-Rgt. 1765),
·    wegen Unvermögenheit als Salzfaktor eingesetzt,
·    reducirt (zurückgesetzt),
·    vor XYZ geblieben (gefallen),
·    Landrat geworden,
·    in der Gefangenschaft verstorben,
·    wegen blödem Gesicht entlassen (Leutnant Marschall v.Bieberstein 1779 aus dem Rgt. Scholten),
·    mit Pension entlassen,
·    hat sich unvorsichtiger Weise erschossen (Unfall, Fähnrich v.Tettow, 1789 im Rgt. Scholten),
·    wg. Epilespie verabschiedet (Sekondeleutnant Heinrich Baron v.der Goltz vom Schulenburgischen Hus.-Rgt. 1784),
·    hat quittiert,
·    von Verstand gekommen (Fähnrich v.Mahrenholtz aus dem 1740 gestifteten Hagerschen Rgt.),
·    auf seine Güter gegangen.

II. Unehrenhafte Abgangsarten aus preußischem Militärdienst:
·    desertiert,
·    dimmittiert, “weil er zum Dienst unlustig gewesen” (Corporal Friedrich v.Podewils, 20 Jahre alt, nach 4 Jahren und 6 Monaten Dienstzeit, aus dem Platenschen Dragoner-Regiment),
·    kassiert, weil er sich die Fahne hat nehmen lasen (Major v.Auerswald 1779),
·    wegen schlechter Conduite entlassen (Fähnrich v.Eichler 1798 aus dem  Rgt. v.Steinkeller),
·    vom Urlaub ausgeblieben,
·    wegen unanständigen Betragens entlassen (Leutnant v.Briesen 1783 vom Rgt. v.Scholten),
·    wegen übler Conduite dimmittiert,
·    ohne Abschied weggegangen (Leutnant v.Reichmann vom Rgt. v.Lossow 1745),
·    “blieb auf der Werbung aus”.

Doch ließe sich, selbst wenn tatsächlich ein Offizier v. Clair zum Jäger geworden wäre (was keinesfalls feststeht), noch längst nicht auf eine hugenottische Herkunft schließen, denn ebenso gut könnten es Nachkommen der Familie des Bischofs Johannes Clare gewesen sein, die in den Dienst der preußischen Armee getreten waren.
Doch immerhin war der Anteil der Hugenotten vor allem in der alten preußischen Armee recht hoch: 1686 gehörten zu den rund 1.000 brandenburgischen Offizieren 300 Franzosen, und die hugenottischen Flüchtlinge waren hochwillkommen. (http://www.preussenweb.de/armee1.htm) Über die soziale Zusammensetzung des Offizierkorps heißt es: „Der 1713 zwar bereits mit längerer kurbrandenburgischer Tradition behaftete Truppenkörper weist beim Tode des ersten Königs in Preußen Friedrich I. in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts noch einen großen Anteil von Ausländern, namentlich von  französischer Namen auf, die verhältnismäßig häufig vertreten sind. Hierbei dürfte es sich durchweg um religionspolitisch verfolgte Hugenotten handeln, die nicht selten in der preußischen Armee durch Fleiß höchste Ehrenstellen erreichten wie die Varenne, de Bondely, du Clos oder die St.Sauveur. Andererseits waren hier auch viele Männer vertreten, die dem späteren preußischen Ehrenkodex eines Offiziers in keiner Weise entsprachen, zweifelhafte Gestalten und Draufgänger. (http://home.foni.net/~adelsforschung/rang1707.htm) Der preußische König Friedrich der Große (1712-1786) wird mit den Worten über die Hugenotten zitiert: „Die Réfugiés beschleunigten den Fortschritt des Landes um mehr als ein halbes Jahrhundert.“(www.preussen.org/media/Maiziere-Rede-Medien.pdf)

Laut Lothar de Maiziere wurden die folgenden Eigenschaften der Hugenotten gerühmt:

– Bescheidenheit
– Sparsamkeit
– Schlichtheit
– Einfachheit ihrer Sitten
– Gottesfürchtigkeit
– Solidarität untereinander
– Barmherzigkeit gegenüber Schwachen, Armen und Bedrängten. (www.preussen.org/media/Maiziere-Rede-Medien.pdf)

Tatsächlich lassen sich per Internet-Recherche mindestens zwei Personen in Preußen im 18. Jahrhundert mit dem Namen von Clair ermitteln, bei denen eine hugenottische Herkunft wahrscheinlich ist: Zum einen handelt es sich um einen „Privatmann namens von Clair“, der seit 1779 das eingeschlafene Geschäft der Portechaisen (Sänften; eine adelige Mobilitätsform der frühen Neuzeit) in Berlin wieder zum Leben erweckte, was aber nur etwa bis zur Französischen Revolution von 1789 gehalten zu haben schien. (http://home.foni.net/~adelsforschung2/portechaise.htm) Bei Wikipedia heißt es: „Seit dem 17. Jahrhundert waren in größeren Städten auch öffentliche Sänften als Vorläufer der heutigen Taxis in Gebrauch. Diese so genannten Portechaisen wurden ab 1617 in Paris und ab 1688 in Berlin eingesetzt. In Berlin waren zunächst die Hugenotten als Sänftenträger privilegiert. Das Leipziger Regiment (Sänftenträger seit 1703) und das Berliner Reglement von 1688 für die dortigen Sänftenträger waren die ersten gesetzlichen Regelungen des ÖPNV überhaupt. Rechtlich war für sie der Fahrweg (nicht der Bürgersteig) vorgesehen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Portechaise)

Sänfte

Portechaise

Zum anderen gab es einen Übersetzer und Königl. Preuß. Ingenieur-Capitain namens G.A. v. Clair, der u.a. 1771 auf „Allerhöchsten Königlichen Befehl“ ein Werk des Französischen Königs Ludwigs XIV. zur Kriegskunst und -geschichte aus dem Französischen ins Deutsche übertrug:
„353-1 Der Titel des Werkes lautet: Auszug derer gegen das Ende des verwichenen und im Anfange des gegenwärtigen Seculi angegriffenen und vertheidigten Städte, nebst einigen Lehrsätzen und Unterricht in der Kriegskunst, durch 16 Tabellen erläutert und mit nöthigen Kupfern versehen. Aus der Kriegsgeschichte Ludewigs XIV., die der Herr Marquis de Quincy 1726 beschrieben, auf Allerhöchsten Königlichen Befehl ins Deutsche übersetzt durch G. A. v. Clair, Königl. Preuß. Ingenieur-Capitain (Berlin, 1771). Der erste Teil behandelt die Lehre vom Angriff und der Verteidigung fester Plätze, der zweite bringt 9 Belagerungen aus den Jahren 1677 bis 1713 zur Darstellung. Der König ließ den Auszug 1772 den Regimentern zum Studium durch die Offiziere zugehen. Vgl. S. 38 und 293 f.“ (http://books.google.de/books?id=C-kaAQAAMAAJ&pg=PA643&lpg=PA643&dq=%22v.+clair%22+berlin&source=bl&ots=xitE8Iw_dF&sig=g6CCFhbofxH2GkRuRRxcsGn6I7Q&hl=de&ei=Zm7RTrrBHY_Mswa73vjGBQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CCoQ6AEwAg#v=onepage&q=%22v.%20clair%22%20berlin&f=false)
Der Portechaisen-Geschäftserwecker in Berlin bewegte sich in einer den Hugenotten bevorzugt vorbehaltenen Branche; der Übersetzer könnte sein zur Übertragung eines so komplexen Werkes erforderliches Sprachniveau im Französischen und Deuschen wohl gut als Einwanderer der zweiten oder dritten Generation erlangt haben. Doch bleibt eine Verbindung zu unserer Familie natürlich auch bei diesen Personen höchst fraglich.

Noch viel spekulativer und daher hier nur kurz am Ende vermerkt wäre die Annahme einer etwaigen Verbindung zum schottischen Clan der Sinclairs, deren ursprüngliche französische Schreibweise St. Clair gewesen ist. Auch der Sinclair-Clan soll auf Rollo den Wikinger zurückgehen und ist im Gefolge von Wilhelm dem Eroberer 1066 auf die britischen Inseln gelangt. William St. Clair konnte sich in der Schlacht bei Hastings auszeichnen und schlug sich später auf die Seite der schottischen Könige. Unter David I. (1082-1153) erhielt die Familie die Ländereien Roslin und Pentland, wurde so zu einflußreichen Landbesitzern und zählte zum schottischen Hochadel. (http://graildiary.blog.de/2006/06/21/st_clair_und_sinclair_zwei_namen_eine_ge~898945/)

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Wappen des Sinclair-Clans
Quelle: Clan Sinclair Girnigoe

Brisant ist am schottischen Clan der Sinclairs, dass er in der einschlägigen Literatur schon des öfteren mit dem Gralsmythos und den Templern in Verbindung gebracht worden ist. So sollen die sterblichen Überreste von William St Clair (einem gleichnamigen Urenkel des oben Genannten) in der Kirche Rosslyn Chapel nach Templerart bestattet worden sein.

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Grabstein William St Clairs – ein Templer?
Quelle: K. Gourlay, From St Clair to Sinclair – the family who built Rosslyn, 12.05.2000.

Nicht minder umstritten ist die angebliche Seereise in die „Neue Welt“ durch Henry St. Clair 1275-1336), den Vater des Letztgenannten. (http://graildiary.blog.de/2006/06/21/st_clair_und_sinclair_zwei_namen_eine_ge~898945/)
Zu erwähnen ist noch der deutsche Schriftsteller und Diplomat Isaac von Sinclair (1775-1815), ein enger Freund des Dichters Friedrich Hölderlin. Bei Wikipedia heißt es über ihn u.a.: „Unter dem Anagramm „Crisalin“ schrieb er 1806/1807 eine Dramentrilogie zum „Cevennenkrieg“, in der er den Aufstand der Hugenotten gegen die französische Zentralgewalt als Beispiel für die eigenen Unternehmungen gegen Napoléon Bonaparte darstellte – eine Thematik, die später durch Ludwig Tieck wieder aufgegriffen wurde. Sinclair schrieb auch zwei umfangreiche philosophische Werke („Wahrheit und Gewißheit“, 1811 bis 1813, und „Versuch einer durch Metaphysik begründeten Physik“, 1813). (http://de.wikipedia.org/wiki/Isaac_von_Sinclair)

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Isaac von Sinclair

Abschließend ist noch darauf hinzuweisen, dass der Name Claer (ohne „de“ oder „von“) in bereits online verfügbaren preußischen Kirchenbüchern seit dem  17. Jahrhundert insgesamt 25 mal vorkommt, jedoch ausschließlich in den Rheinprovinzen und niemals in östlicheren Gebieten.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass es vorerst noch keine zwingenden Hinweise weder auf eine anglo-normannische noch auf eine hugenottische Herkunft unserer Familie gibt  geschweige denn, dass ein Nachweis für das eine oder andere zu erbringen wäre. Doch sind in beiden Richtungen gewisse Anhaltspunkte zu erkennen, wobei alles in allem mehr für eine anglo-normannische Provenienz zu sprechen scheint.
Der nächste, für das kommende Jahr 2012 anvisierte Schritt ist eine Recherche in den Kirchenbüchern der ehemaligen deutschen Ostgebiete im evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg. Wegen des großen Andrangs von Hobby-Ahnenforschern beträgt dort die Wartezeit allerdings einige Monate. Generell schreitet die Digitalisierung und Verfügbarmachung alter Buchbestände über das Internet aber derzeit so rasant voran, dass es sich sicherlich lohnen dürfte, auch hier weiter am Ball zu bleiben.

 

Fortsetzung folgt.

www.justament.de, 28.11.2011: Davon geht die Welt doch unter

Recht cineastisch, Teil 11: Lars von Triers „Melancholia“

Thomas Claer

drum-herum-tc-recht-cineastisch-melancholiaWas soll man von einem Filmregisseur halten, der auf einer Pressekonferenz der Welt erklärt, dass er Verständnis für Adolf Hitler aufbringe und sogar ein Stück weit mit ihm sympathisiere, um angesichts der entsetzten Blicke der Anwesenden noch eins draufzusetzen mit den Worten: „O.K., ich bin ein Nazi.“? Obwohl noch am selben Tag das Dementi folgte mit dem Nachschub,  alles sei nur ein Scherz gewesen, hat das ganze jetzt auch ein juristisches Nachspiel. Hat also Lars von Trier, der mit seinen grobkörnig verwackelten Dogma-Filmen in den Neunzigern nicht weniger als eine neue Filmästhetik begründete, inzwischen den Verstand verloren? Wer sein neuestes Werk „Melancholia“ gesehen hat, wird alle Zweifel an ihm begraben. Auch wenn er heute natürlich längst mit deutlich größerem Budget arbeitet als seinerzeit und in seinen Filmen Darsteller von Rang aufbieten kann, so ist er seinem radikal ästhetischen Konzept doch mehr als treu geblieben. Unter pathetischen Wagner-Klängen, die angesichts des sich anbahnenden schaurig-schönen Weltuntergangs in der kosmischen Katastrophe hier ausnahmsweise ihre Berechtigung haben, treffen wir zunächst auf eine scheinbar rundum glückliche Hochzeits-Gesellschaft. Doch wie immer ist bei Lars von Trier nichts so, wie es scheint. Der betörend schönen, aber schwer depressiven Braut Justine (umwerfend gespielt von Kirsten Dunst, die sonst in hochkommerziellen Hollywood-Machwerken wie „Spiderman“ zu sehen ist) platzt der Kragen, als ihr ebenfalls auf der Hochzeit weilender Chef aus der Marketing-Firma mit üblen Personal-Spielchen aufwartet. Schließlich kann sie auch ihre exzentrische Mutter und ihren mediokren Bräutigam nicht mehr länger ertragen und lässt alles platzen. Zurückgezogen, von Job und Mann befreit, erholt sich Justine sodann mit Schwester, Schwager und kleinem Neffen von ihrem Zusammenbruch, während sich der von der Mehrzahl der Protagonisten zunächst hartnäckig geleugnete, dann aber nicht mehr länger verdrängbare vagabundierende Planet Melancholia unaufhaltsam der Erde nähert und letztlich mit ihr kollidiert. Der Film bietet dabei ein Spektakel wundervoll-schrecklicher Bilder, so auch wenn sich Justine frivolerweise im hellen Schein des Schreckens-Planeten in voller Pracht nackt auf einem Felsen räkelt. Mag sein, dass da auch ein wenig Leni Riefenstahl mitschwingt. Seine politische Haltung hat Lars von Trier jedoch in den vergangenen Jahren unmissverständlich und zur Genüge nicht nur in seinen Filmen, sondern auch durch sein Engagement gegen die rechtspopulistische Dänische Volkspartei dokumentiert. Und das drohende Gerichtsverfahren? Wir plädieren in seinem Fall für äußerste Milde. Weil er es ist.

Melancholia
Dänemark / Schweden / Frankreich / Deutschland 2011
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier
130 Minuten
Darsteller: Kirsten Dunst, Alexander Skarsgård, Kiefer Sutherland, Charlotte Gainsbourg, Charlotte Rampling u.v.a.

Justament Nov. 2011: Plim-plim und Geknatter

Björk enttäuscht auf „Biophilia“

Thomas Claer

Cover BjörkWas haben wir Björk geliebt in all den Jahren – und nicht nur ihre musikalische Wandlungsfähigkeit vom Chaos-Punk ihrer Mädchenband Kukl, die 1986 als Vorgruppe der Einstürzenden Neubauten in West-Berlin zu sehen war, über den College-Pop der Sugarcubes bis hin zu den grandiosen Solo-Platten wie „Post“ (1995) oder „Homogenic“ (1997). Vor allem auch waren es die mit dem Erscheinen ihrer Alben jeweils verbundenen optischen Neuinszenierungen mit all den verrückten Kleidern und Kostümen, die uns immer wieder so entzückten. Björk, so läst sich heute sagen, ist Islands wirkungsmächtigster Kulturexport seit Brünhilde mit dem Temperament eines Eyjafjallajökull. (Unvergesslich, wie sie vor Jahren eine Journalistin malträtierte, die sich auf einem Flughafen ihrem Sohn genähert hatte.) Doch auch die reiferen Platten der heute 46-jährigen, deren Erscheinungsintervalle sich vernünftigerweise mit der Zeit etwas vergrößerten, hatten ihre Qualitäten. So konnte noch ihr Vorgängeralbum „Volta“ in seiner melodiösen und rastlosen Zugänglichkeit rundweg überzeugen (Justament 4-2007 berichtete). Und nun also das technisch beispiellos hochgerüstete „Biophilia“, ihr siebtes Solo-Studioalbum, „das von einem Multimediapaket aus Apps, Installationen, Live-Shows, Workshops, speziell angefertigten Instrumenten, einer Filmdokumentation und einer Website mit 3D-Animationen begleitet wird“, weiß Wikipedia. Aber so klingt die Platte dann leider auch über weite Strecken – nach steriler Multimedia. Viel Plim-Plim und Techno-Gewummer, dazwischen wieder Chorgesänge (die schon ihr 2001er Album „Vespertine“ nach unten gezogen haben) und seltsame Sphärenklänge. Gut wird es eigentlich nur dann, wenn Björks noch immer kraftvolle Stimme da mal durchdringt. Und in einigen besseren Momenten stellt sich auf „Biophilia“ auch beinahe wieder der alte Zauber ein. Doch ganz überwiegend geraten die leisen Klänge larmoyant, und die kräftigeren werden zum stumpfen Geknatter. Dazu passt leider auch Björks Outfit. Viel ist nicht von ihr zu erkennen unter einer überdimensionierten grellroten Perücke und einem metallischen Kleid. Wie konnte ihr nur die Stilsicherheit vergangener Tage so abhanden kommen? Das Gesamturteil lautet: befriedigend (8 Punkte).

Björk
Biophilia
Vertigo Be (Universal) 2010
Ca. € 17,-
ASIN: B00425DMO0

Justament, Nov. 2011: Odin für alle!

Torfrock haben eine neue Best-of-CD-Box, werden von der rechten Szene vereinnahmt und wehren sich

Thomas Claer

Cover TorfrockDie beinharte Bagaluten-Band Torfrock (gegründet 1977) hat – vordergründig betrachtet – textlich und musikalisch so manches im Gepäck, was rechten Kameraden gefallen könnte. Mehrere ältere Lieder der Spaß-Combo handeln von Rollo dem Wikinger, der mit seinen Gefolgsleuten nach altgermanischem Brauch in großen Mengen Met in sich hineinschüttet, um dann zahlreiche Eigentums-, Sittlichkeits- und Körperverletzungsdelikte zu begehen. Auch beten die Mannen aus der Wikingersiedlung Haitabu – und ihre Frauen wie die „volle Granate“ Renate – regelmäßig zum Germanengott Odin (auch bekannt als Votan). Alle diese Informationen hat nach früheren Verlautbarungen der Band ein gewisser Willi Wühlkelle, Leiter des Amtes für Altertumsforschung im fiktiven Torfstecherdorf Torfmoorholm, ausgerechnet einem Runenstein in eben jenem Torfmoorholm entnommen. Und musikalisch sorgt insbesondere das pfiffige Flöten- und Krummhornspiel von Bandleader Klaus Büchner, heute 62, in diesen Songs für die Anmutung: So könnte die Musik der alten Wikinger einst geklungen haben.
Aber natürlich ist das Unsinn! Nicht nur, weil Klaus Büchners wichtigste Flöte in Wirklichkeit aus Südamerika stammt, sondern weil das ganze, auch die entsprechende Bühnenshow mit den Plastik-Wikingerhelmen und den Odin-Rufen in den Konzerten, nur ein eklektizistisch verfahrender Folklore-Klamauk ist. Aber einer von großer musikalischer Eingängigkeit und überwätligender textlicher Komik. Und Torfrock, deren wichtigste Schaffensphase von 1977 bis 1980 währte, sind immer noch ziemlich aktiv, bevorzugt mit Live-Auftritten im norddeutschen ländlichen und kleinstädtischen Raum. So kommt es wohl, dass manche Blut- und Boden-Dumpfbacken das in den falschen Hals kriegen und auf YouTube unter den Torfrock-Songs (und unter Torfrock-Covern rechtsradikaler Bands) ihre scheußliche Propaganda posten. Da bleibt den guten Torfmoorholmern nur die schärfste Abgrenzung. Auf ihrer Homepage http://www.torfrock.de heißt es inzwischen im liebenswert holprigen und grammatikalisch stets unsauberen Torfrock-Sprech: „Wir daddeln für alle Welt, schwarz oder weiss- und labern kein Rassisten-Scheiss!“ Das komplette Frühwerk der Band, nämlich sämtliche Songs ihrer ersten beiden Platten „…dat matscht so schön“ (1977) und „Ratta-Ta-Zong“ (1978), sowie einige bessere Stücke aus späteren Jahren finden sich jetzt auf einem umfangreichen Sampler mit dem etwas irreführenden Namen „Neues aus Torfmoorholm“. Das Urteil lautet: gut (14 Punkte).

Torfrock
Neues aus Torfmoorholm (3CDs)
Sony Music 2010
Ca. € 10,-
ASIN: B003XIO8LI

Justament, Nov. 2011: Intoleranter Buddhist

„Senilia. Gedanken im Alter“ aus dem Nachlass des Philosophen Arthur Schopenhauer

Thomas Claer

14 LIT TC empfiehlt SchopenhauerAls Typ war der olle Schopenhauer (1788-1860) natürlich unübertroffen: führte ein Leben als Privatgelehrter, ließ sich von niemandem etwas sagen, lebte von den eigenhändig erwirtschafteten Kapitalerträgen aus seinem früh erworbenen väterlichen Erbe und beschränkte sich mit seinen Veröffentlichungen auf das Wesentliche, was er zu sagen hatte, wollte um Himmels willen kein „Vielschreiber“ sein. Daher ist es auch nicht unbedingt ihm anzulasten, wenn aus dem handschriftlichen Nachlass neben manchen Schätzen auch so allerhand redundantes Zeug zum Vorschein kommt. Dies betrifft vor allem Teile seiner hier zu besprechenden, von ihm selbst mit „Senilia“ betitelten Aufzeichnungen der letzten Lebensjahre. Im Alter verstärken sich ja bei vielen Menschen vor allem ihre weniger angenehmen Eigenschaften. Was sich aber der greise Schopenhauer in ausdauernder Pedanterie an angeblichen „Verhunzungen“ der deutschen Sprache notierte (und sich darüber in Schimpftiraden erging), sucht wahrlich seines gleichen. So sei es etwa aus sprachhistorischen Gründen völlig falsch, von „Dänemark“, „Briten“ oder der „italienischen“ Sprache zu reden, nein, es müsse zwingend „Dännemark“, „Britten“ und „italiänisch“ heißen. Das zweite Leitmotiv seiner Notizen bildet die anhaltende Klage und Wut über die jahrzehntelange Nichtbeachtung seiner Lehren, obgleich er doch andernorts die einem Philosophen weitaus angemessenere Feststellung getroffen hatte, dass die Meinung anderer Menschen über uns gemeinhin völlig überschätzt werde. Sollten ausgerechnet die freie Existenz dieses Denkers und der damit verbundene ständige Rechtfertigungsdruck dazu beigetragen haben, dass er am Ende in seinen Zeitgenossen, vor allem den Rezensenten und Universitätsprofessoren, die er verächtlich „Brodschreiber“ und „Brodphilosophen“ nannte, nur noch Schwachköpfe erblickte, die sich allesamt gegen ihn verschworen hatten? Mitunter gerät der Verfasser in den „Senilia“ so in Rage, dass man ihn sich als eine Art Gernot Hassknecht aus der heute-Show vorzustellen geneigt ist. Dabei hatte Schopenhauer durchaus Humor und war mitunter sogar fähig zur Selbstironie, weshalb ihn der ebenfalls zu köstlichen Schimpftiraden und Wiederholungen neigende Schriftsteller Thomas Bernhard (1931-1989) einst als Spaß-Philosophen bezeichnete, was für Bernhard das höchste vorstellbare Lob war (während Schopenhauer selbst mit diesem Begriff seine verhassten Kollegen Hegel und Schelling abgekanzelt hatte). So sieht Schopenhauer es als Folge der „erbärmlichen Subjektivität der Menschen“ an, dass sie „Alles auf sich beziehen und von jedem Gedanken sogleich in gerader Linie auf sich zurückgehen“. Geht man aber über seine kollektiven Verächtlichmachungen auch „des Pöbels“ („Wer kein Latein versteht, gehört zum Volke…“), „der Weiber“ („Das Wort ist ganz unschuldig…Wenn ihm eine unangenehme Bedeutung anklebte; so könnte dies nur am Bezeichneten liegen.“) und sogar „der Juden“ („Mein auserwähltes Volk sind sie nicht.“) hinweg, kann man in diesem Buch noch eine Menge Bedenkenswertes und inhaltlich wie sprachlich Brillantes entdecken: „Die Werke sind die Quinteßenz eines Geistes. Sie werden daher … stets ungleich gehaltreicher sein, als sein Umgang.“ Das glauben wir gerne, besonders ihm. Und noch ein Nachtrag zur „Welt als Wille und Vorstellung“: „So gut wie im Traum in allen uns erscheinenden Personen wir selbst stecken, so gut ist es im Wachen der Fall, wenn auch nicht so leicht einzusehen. Aber tat-twam asi.“ Vielleicht war Arthur Schopenhauer ja der intoleranteste Buddhist aller Zeiten.

Arthur Schopenhauer
Senilia. Gedanken im Alter
Verlag C.H. Beck München 2010
374 Seiten, EUR 29,95
ISBN 978-3-406-59645-2

www.justament.de, 26.9.2011: Rehabilitierung der Mimosen

Recht cineastisch, Teil 10: Die anonymen Romantiker

Thomas Claer

die-anonymen-Romantiker-211x300Schwer zu sagen, ob „Die anonymen Romantiker“ wirklich ein guter Film ist, aber auf alle Fälle ist er ein sehr wichtiger Film, rührt er doch an einem Tabu in unserer modernen Gesellschaft. Es geht, anders als es der etwas irreführende deutsche Titel suggeriert, nicht unbedingt um Romantik (die erst zum Ende hin und eher unfreiwillig entsteht), sondern um zwei von schätzungsweise 10 bis 15 Prozent aller Menschen, die im Film als „hochsensibel“ bezeichnet werden. Die überaus begabte, aber kontaktscheue Schokoladen-Herstellerin Angélique tritt ihre neue Stelle in einer kleinen Schokoladenmanufaktur an und trifft dort bereits im Bewerbungsgespräch auf den ebenfalls hochsensiblen, sich aber hinter einer Maske aus Übellaunigkeit und Strenge verbergenden Chef Jean-René. Angélique, Ende 30, hat u.a. das Problem, dass sie, sobald sich die Aufmerksamkeit mehrerer Menschen auf sie richtet, errötet oder in Ohnmacht fällt. Jean-René, Mitte 40, hingegen bekommt u.a. Panik und Schweißausbrüche, sobald er sich in Gegenwart einer Frau befindet oder andere Menschen berühren muss. Doch beide arbeiten an ihren Leiden, Angélique in einer Selbsthilfegruppe und Jean-René auf der Couch eines Therapeuten, der ihm zur Bewältigung seiner Phobien immer neue Aufgaben stellt. Beim ersten Rendez-vous der beiden im Restaurant (eine Aufgabe für Jean-René von seinem Therapeuten), liest Angélique Konversationsfragen von Kärtchen ab, während Jean-René alle paar Minuten seine nassgeschwitzten Hemden wechselt. In den vielen kleinen Missverständnissen der Hauptfiguren sowohl untereinander als auch im Kontakt zu ihrer Umgebung entfaltet sich die mitunter beträchtliche Komik des Films, die in ihren stärksten Momenten an die besten Loriot-Sketche erinnert. Leider wird aber auch gelegentlich, im Verlaufe der Handlung noch zunehmend, die Schwelle zur Albernheit überschritten. Am Ende schlagen die Protagonisten ihren Ängsten jedoch ein Schnippchen, kommen mit der Schokoladenmanufaktur ganz groß raus und finden schließlich auch privat zueinander.
Was sagt uns nun dieser Film? Hochsensible, extrem schüchterne und an Sozialphobien leidende Menschen (die Übergänge sind fließend) passen auch bei bester fachlicher Kompetenz nur sehr bedingt ins heutige Erwerbsleben, das vielerlei Torturen für sie bereithält. Nur selten würden sie ein Bewerbungsgespräch, nie ein Assessmentcenter überstehen. Ihr immenses, oft und vor allem auch kreatives Potential kann die Gesellschaft nur in den seltensten Fällen nutzen. Es bleibt die Frage, wie sich moderne Volkswirtschaften nur ein solches Marktversagen, eine so gewaltige Verschwendung an Ressourcen leisten können.

Die anonymen Romantiker  (Les émotifs anonymes)
Frankreich/ Belgien 2010
Regie: Jean-Pierre Améris
Drehbuch: Benedek Fliegauf
78 Minuten, FSK: 0
Darsteller: Isabelle Carré, Benoît Poelvoorde, Lorella Cravotta u.v.a.

Justament Sept. 2011: Im Lichte des Grundgesetzes

Ein Jahr nach Deutschlands Abschaffung: Anmerkungen zur Integrations-Debatte

Thomas Claer

In diesen Tagen jährt sich zum ersten Mal das Erscheinen des inzwischen meistverkauften deutschen Sachbuchs seit dem zweiten Weltkrieg: Mit sage und schreibe anderthalb Millionen abgesetzten Exemplaren landete der sich auf 464 Seiten um die drohende Abschaffung Deutschlands sorgende SPD-Politiker Thilo Sarrazin einen Bestseller sondergleichen. Ein ähnlicher Publikumserfolg war hierzulande wohl zuletzt, nun ja, einem kampfeswütigen Gefreiten aus Braunau beschieden, der sein schriftstellerisches Hauptwerk seinerzeit stolze 10 Millionen Male an den deutschen Mann und an die deutsche Frau bringen konnte. Doch reicht selbst dieser Verkaufsschlager nicht an jenen gespenstischen Longseller eines rheinländischen Autorenduos heran, der seit der 1848er Erstauflage sogar 500 Millionen Male – allerdings weltweit – über die Ladentische ging. Das ist zwar seltener als die Bibel (2 bis 3 Milliarden Verkäufe), aber doch häufiger als der Koran (schlappe 200 Millionen) – womit wir wieder beim Thema wären.

Die Muslime, sagt Thilo Sarrazin sinngemäß, sind Deutschlands Unglück, womit er endlich einmal ausgesprochen hat, was unzählige Deutsche sich wohl schon immer gedacht, aber nur noch nicht laut zu sagen getraut haben: “Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zum großen Teil muslimisch ist, dass dort über weite Strecken Türkisch und Arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird… Ich möchte nicht, dass wir zu Fremden im eigenen Land werden, auch regional nicht.” So schreibt er in “Deutschland schafft sich ab”. Das sind wohlüberlegte Sätze. Seine Frau hat alles dutzendfach Korrektur gelesen. Aber was meint er bloß mit diesem “Wir”? Und was mit dem “eigenen Land”? Gehören zum Beispiel unsere niedersächsische und unsere baden-württembergische Integrationsministerin oder unser grüner Parteivorsitzender auch zum Sarrazinschen “Wir”? Oder besteht dieses “Wir” nur aus der christlichen oder atheistischen “autochthonen” deutschen Mehrheitsbevölkerung? Schließlich bröckelt diese zusehends, denn inzwischen haben schon über 20 Prozent aller in Deutschland lebenden Menschen einen Migrationshintergrund. Gehört “unser Land” nun also auch ihnen? Oder doch nur seinen christlich-atheistischen Staatsbürgern bzw. Einwohnern? Unsere (unsere!) Verfassung spricht hier eine deutliche Sprache: Nach Artikel 4 Abs. 1 gilt in Deutschland die Freiheit des religiösen Bekenntnisses, gem. Art. 4 Abs. 2 auch die Freiheit der Religionsausübung, und nach Art. 3 Abs. 3 darf niemand wegen seines Glaubens benachteiligt oder bevorzugt werden. (Wegen seiner Abstammung oder Sprache übrigens auch nicht.) So einfach ist das. Wer also in Deutschland die Verbreitung bestimmter Religionen verhindern möchte, steht jedenfalls ebenso wenig auf dem Boden des Grundgesetzes wie die Hassprediger in manchen Moscheen. (Kleiner Tipp für unseren Verfassungsschutz!) Vielleicht werden sich Sarrazins Enkel ja eines Tages wie der Sohn Helmut Kohls oder der baden-württembergische Wirtschaftsminister Nils Schmitt mit türkischstämmigen Frauen vermählen (oder seine Enkelinnen mit arabischstämmigen Männern). Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn inzwischen gibt es in Deutschland weitaus mehr deutsch-türkische Eheschließungen als solche zwischen Ost- und Westdeutschen. Dann würden Sarrazins Urenkel womöglich ganz selbstverständlich die Moschee besuchen, sobald der Muezzin ruft. Eine schreckliche Vorstellung – jedenfalls für Thilo Sarrazin.

In der letzten Zeit hat er sich aber moderater geäußert, um seinen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Als jemand aus dem Publikum auf seiner Lesung fragt, wie man es schaffen könne, die Türken in Deutschland wieder in ihre Heimat zu schicken, damit sie den Deutschen nicht auf der Tasche lägen, antwortet Sarrazin: “Ich habe nichts gegen türkische Menschen. Wenn sie gut Deutsch sprechen, einen ordentlichen Beruf ausüben, unsere Gesetze achten und sich an unsere Sitten und Gebräuche anpassen, ist nichts gegen sie einzuwenden.” (zitiert nach SZ Mag. V. 29.7.2011, S. 10). Das heißt natürlich umgekehrt, dass er eine Menge einzuwenden hat gegen alle, die nicht gut Deutsch sprechen, keinen ordentlichen Beruf ausüben, unsere Gesetze nicht achten und sich nicht an unsere (unsere?) Sitten und Gebräuche anpassen. In der Tat sind solche Parallelgesellschaften sehr gefährlich, nicht nur die türkischen. Zum Beispiel die in einem Hochhaus in Frankfurt am Main: Da hat der Chef so einen Schweizer Akzent und stand schon öfter vor Gericht. Sein designierter Nachfolger kommt aus Indien und kann überhaupt kein Deutsch. Der Beruf, den sie ausüben, steht im Ansehen der Deutschen ganz weit unten, sogar noch unter den Politikern. Immer wieder haben Angehörige dieser Hochhaus-Clique deutsche Kommunen über den Tisch gezogen, indem sie ihnen windige Zertifikate andrehten. Auch werfen ihr Kritiker vor, mit ihrer anvisierten jährlichen Eigenkapitalrendite von 25 Prozent gegen die guten Sitten zu verstoßen. Aber eines kann man ihr nicht vorwerfen: dass sie vom Staate lebte. Das tun zwar viele andere Hochhaus-Gangs, die immer wieder mit Steuergeldern gerettet werden müssen, aber der mit dem Schweizer Akzent würde sich schämen, sagt er, wenn er Staatsgelder annehmen müsste. Der Inder mit dem Rucksack sorgt schon für das nötige Kleingeld.

Justament Sept. 2011: Reduziert bis opulent

Nina Nastasia klingt auf “Ootlaster” überraschend vielschichtig

Thomas Claer

27 SCHEIBEN Nina Nastasia Cover OutlasterEin vielleicht ewiger Geheimtipp ist sie: die ausgerechnet aus Hollywood (andere Quellen sagen: aus Los Angeles) stammende US-amerikanische Sängerin und Songwriterin Nina Nastasia. Anfang der Neunziger soll es sie nach New York verschlagen haben, wo sie sich, glaubt man http://www.laut.de, zunächst als Kellnerin verdingt hat, dabei aber so unglücklich war, dass sie schon bald darauf Musik zu machen begann. Seitdem gilt Nina Nastasia als die zumeist traurige Frau mit der akustischen Gitarre, deren Songs bevorzugt als “freudlos” oder auch “bittersüß” beschrieben werden. Entdeckt wurde sie damals vom Doyen aller Indie-Produzenten, Steve Albini, der schon den Pixies, PJ Harvey und Nirvana die rechten Aufnahme- und Einspielungswege wies und das fortan auch bei Nina Nastasia tat. Ihr 2000er Debüt “Dogs” gehörte dabei zu seinen ganz großen Favoriten. Und auch der selige BBC-DJ John Peel zählte zu Ninas Fans. Nun hatten aber ihre vier folgenden Alben, um es wohlwollend zu sagen, einen großen Wiedererkennungswert. Zwar erweiterte sich mit der Instrumentierung allmählich auch das musikalische Spektrum: Das sehr feine “Run to Ruin” (2003) enthielt ausschließlich Streichinstrumente, die Co-Produktion “You Follow Me” (2007) mit Jack White von den Dirty Three wurde auch maßgeblich von dessen Schlagzeug bestimmt. Doch erst auf dem aktuellen Album “Outlaster” ist Nina Nastasia mit ungeheurer Wucht über sich und ihre früheren Veröffentlichungen hinausgewachsen. Viel gewagt hat sie, so muss man befinden, und noch mehr gewonnen! Unmöglich zu benennen, wie viele unterschiedlichste musikalische Einflüsse hier zusammenkommen: Ein Tango fehlt ebenso wenig wie Streichorchesterklänge – bis hin zu orientalisch anmutendem Gesang. Aber dieser Eklektizismus funktioniert großartig, und das nicht zuletzt, weil die Klangpoetin aus Wildwest dies alles stimmlich mit bemerkenswerter Souveränität bewältigt. Allenfalls das eine oder andere Vibrato hätte sie besser ausgespart, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt.
Unterstützend wirkt sich freilich auch die Präsenz des Multiinstrumentalisten Paul Bryan und weiterer hochkarätiger Gastmusiker aus. In der Summe erleben wir auf “Outlaster” die leidenschaftlichste Nina Nastasia, die wir je hatten. Das Urteil lautet: voll befriedigend (11 Punkte).

Nina Nastasia – Outlaster
Outlaster
Fat Cat (rough trade) 2010
Ca. € 17,-
ASIN: B00009NH6K