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Jahresende 2025: Ahnenforschung Claer, Teil 17

Um es kurz zu machen: Mein diesjähriger „Forschungsbericht“ muss leider schmal ausfallen, da ich zum einen im zurückliegenden Jahr aus verschiedenen Gründen kaum zum „Ahnenforschen“gekommen bin und zum anderen zwar nicht viel neues Material, aber doch immerhin mehr als nichts habe, sodass es mir nun doch vertretbar erscheint, meinen eigentlich angedachten Rückgriff auf die Flucht- und Übersiedlungsgeschichte meiner Eltern und mir aus der DDR noch um ein Jahr zu verschieben. Denn dann wird die Republikflucht meines Vaters zum Jahresende 1986, mit der es begann, genau 40 Jahre zurückliegen. Und mir wird, wenn ich denn rechtzeitig anfangen kann, auch mehr Zeit dafür bleiben, als sie mir jetzt noch bis zum Jahresende zur Verfügung steht…

1. Neues aus Ludwigswalde: Todeseintrag von Unterförster Friedrich Wilhelm Claere gefunden!

Nun haben wir ihn also doch noch entdeckt: den Todeseintrag unseres bislang ältesten gesicherten Vorfahren, meines Ururururgroßvaters, des Unterförsters Friedrich Wilhelm Klair/Clair in Ludwigswalde. Dort ist er 1799 als Vater „unseres“ Christian Friedrich Klair/Clair und 1802 als Vater von dessen jüngerem Bruder Johann Wilhelm Claer in Erscheinung getreten. Bislang kannten wir von ihm nur aus der Mundia-Datenbank, die ich früher mal einsehen konnte, dessen Lebensdaten: 1770-1815 – entnommen aus dem Stammbaum einer Familie Hart aus den USA, die vom Ludwigswalder Förster Johann Wilhelm Claer abstammt, also dem erwähnten jüngeren Bruder unseres Christian Friedrich.

Als ich vor mehr als einem Jahrzehnt die Ludwigswalder Kirchenbücher durchgesehen hatte, konnte ich Friedrich Wilhelms Todeseintrag um 1815 dort nicht finden, dafür aber viele andere Claers, die dann letztendlich – nachdem ein Schriftsachverständiger einmal drübergesehen hatte – alle keine waren. Nun hat mein Neffe 5. Grades Andreas Z. aber verdienstvollerweise mittels seines Ancestry-Datenbank-Zugangs doch noch den so lange gesuchten Todeseintrag gefunden.

Dort steht also im Feld des 1. Januars 1816 unter „gestorben in Ludwigswalde“:

Friedrich Claere Unterförster 46 Jahre alt“

Mehr nicht. Bemerkenswert ist zunächst die Schreibweise: Claere hatten wir bisher noch nicht. Dies zeigt aber einmal mehr, wie willkürlich vor der Einrichtung von Standesämtern ab 1871 in Deutschland die Namen in den Kirchenbüchern geschrieben wurden.


Was geschah in der Silvesternacht 1815/16?

Außerdem springt aber das Todesdatum 1.1.1816 ins Auge. Im Mundia-Eintrag war es 1815. Diese Abweichung ließe sich noch erklären, denn so genau konnte damals sicherlich keiner feststellen, ob der Tod erst am 1.1.1816 oder bereits kurz zuvor am 31.12.1815 eingetreten ist. Doch schreibt mir Andreas Z.auch noch, dass in seinem Genealogieprogramm das Sterbedatum 21.12.1815 für Friedrich Wilhelm hinterlegt ist, und er nicht mehr weiß, wie es dort reingekommen ist. Könnte es vielleicht sein, dass Friedrich Wilhelm erst am Jahresende gefunden wurde, aber schon mehr als eine Woche zuvor gestorben ist, was womöglich in der Familie überliefert worden ist? Oder dass der Pastor wegen seiner vielfältigen Verpflichtungen um Weihnachen herum erst am Neujahrstag den Todeseintrag vornehmen konnte? (In der Regel, so sagt es mir meine KI Perplexity, hat im 18. und 19. Jahrhundert in Deutschland tatsächlich der Pastor selbst die Einträge in die Kirchenbücher vorgenommen, oft mit Unterstützung des Küsters oder eines Kirchenschreibers. In vielen Gemeinden schrieb der Pastor die Einträge selbst; in größeren oder wohlhabenderen Gemeinden konnte ein Küster oder Kirchenschreiber nach Vorgabe des Pastors schreiben, der Pastor blieb aber verantwortlich und unterschrieb bzw. zeichnete mit seinem Namen.)

Aber woran könnte Friedrich Wilhelm mit erst 46 Jahren wohl gestorben sein? Sicher ist nur, dass es seinerzeit in Deutschland und Ostpreußen noch kein Silvester-Feuerwerk gegeben hat und auch noch keine Straßenschlachten von Randalierern mit der Polizei (nicht einmal in Berlin-Neukölln). Ausgelassene Feiern zum Jahreswechsel mit Alkoholika wie dem berühmten ostpreußischen „Bärenfang“ dürfte es aber sehr wohl gegeben haben…

Bleibt noch Friedrich Wilhelms Geburtsjahr, das in der Mundia-Datenbank 1770 lautet. Doch wenn man genau rechnet, müsste es, wenn das Todesdatum 1.1.1816 stimmen sollte und er im Alter von 46 Jahren gestorben ist, eigentlich 1769 sein.

Bleibt noch anzumerken, dass laut Kirchenbuch – siehe meine früheren Berichte – 1797 der Unterförster Johann Friedrich Claer, der mutmaßliche Bruder „unseres“ Friedrich Wilhelm, sein nur wenige Wochen altes Söhnlein Friedrich Wilhelm, das offenbar nach seinem Onkel benannt war, begraben musste. Und dass wir jenen Förster Johann Friedrich Claer – siehe meinen vorigen Bericht – im Verdacht haben, später Ludwigswalde und Ostpreußen den Rücken gekehrt und 1802 in Siersleben die Dynastie der Erfurter Claers begründet zu haben…

2. Ein Förster und Administrator Klaer heiratet in Berlin

Von unserer langjährigen Forscherkollegin Monika Klaer mit K. aus Teltow erhielt ich dankenswerterweise die folgende Heiratsurkunde aus dem Jahr1886, die es in sich hat:

Mit erheblicher Hilfe von Tante Lorelies konnte ich sie wie folgt entziffern:

Berlin, den 14. September 1886

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute zum Zweck der Eheschließung:

  1. der Förster und Administrator Adolph, Friedrich, Heinrich Klaer,

der Persönlichkeit nach aufgrund des ausgewiesenen Taufscheins anerkannt, evangelischer Religion, geboren den 1. Oktober des Jahres 1857 zu Wolfsburg, Amt Fallersleben, wohnhaft zu Fahrenhorst, Amt Isenhagen, Sohn des zu Wolfsburg verstorbenen Lehrers Carl August Klaer und dessen Witwe Friedrike, Albertine, Henriette, geborenen Henneke, wohnhaft zu Fahrenhorst

  1. die Clara, Agnes, Elisabeth Hennicke, ohne besonderen Beruf, der Persönlichkeit nach aufgrund es ausgewiesenen Taufscheins anerkannt, evangelischer Religion, geboren den 27. Februar des Jahres 1859 zu Stettin, wohnhaft zu Berlin, Invalidenstraße Nr. 27/29. Tochter des Stationsvorstehers I. Claße Carl, August, Gottfried Hennicke und dessen Ehefrau Wilhelmine, Charlotte, Auguste geb. Kropnick, beide wohnhaft Berlin, Invalidenstraße

Nun haben wir also erstmals einen Förster Claer, in diesem Fall Klaer geschrieben, außerhalb Ostpreußens, Schlesiens oder Thüringens und Umgebung gefunden. Zwar hat Adolph Friedrich Heinrich Klaer, geb. 1857, in Berlin geheiratet, doch stammt er aus dem ostniedersächsischen Wolfsburg, heute bekannt für VW und Fußball, genau genommen aus dem Ortsteil Fallersleben, nach welchem auch der Texter der deutschen Nationalhymne benannt wurde, der ebenfalls dort das Licht der Welt erblickte – allerdings bereits 1798. So ehrenvoll seine Herkunft aus diesem prominenten Ort auch für uns wäre, gibt es doch leider kaum Indizien, die auf eine Verbindung zu “unseren” ostpreußischen Claers hindeuten würden.Allenfalls eine Abkunft von den Thüringer Claers, die sich bis 1802 zurückverfolgen lassen (siehe meinen vorigen Bericht), wäre denkbar, denn von Erfurt bis Wolfsburg sind es nicht mehr als 243 km – eine Distanz, die überwindbar wäre, wenn man die traditionell hohe Mobilität in der Berufsgruppe der Förster berücksichtigt. 

Noch dazu war Friedrich Heinrich Klaer nicht nur Förster, sondern laut seinem Heiratseintrag ein “Förster und Administrator”. Laut der KI Perplexity bezeichnet ein solcher um 1886 herum 

sehr wahrscheinlich einen Forstbeamten, der nicht nur praktisch im Wald tätig war, sondern auch die Verwaltungs‑ und Kassenführung eines Forst- oder Gutsbezirkes übernommen hat. Der Zusatz „Administrator“ erklärt sich also daraus, dass es nicht nur um Jagd- und Holzaufsicht ging, sondern um die kaufmännische und rechtliche Verwaltung des Besitzes.

​Der Förster überwachte Grenzen, Holzschläge, Jagd und Waldordnung und hatte polizeiliche Aufgaben im Revier.Er wies etwa Brennholzschläge zu, achtete auf unerlaubte Holzentnahmen und setzte forstliche Vorschriften durch.

„Administrator“ bezeichnete im 19. Jahrhundert oft denjenigen, der ein Gut oder einen größeren Besitz (z.B. Forsten eines Adligen oder einer Kirche) verwaltete: Einnahmen, Ausgaben, Pacht, Holzverkauf, Personal.

​Ein Förster konnte zugleich Verwalter des gesamten Forstvermögens sein, also z.B. die Forstkasse führen, Nutzungspläne ausarbeiten und Berichte an den Eigentümer oder eine Behörde erstellen. Die Doppelbezeichnung soll deutlich machen, dass die Person nicht nur technischer Forstmann, sondern auch leitender Verwaltungsbeamter für diesen Forst- oder Gutsbezirk war. Besonders bei größeren Privatforsten oder Standesherrschaften wurden solche Kombinationsstellen häufig an gebildete Fachleute vergeben, die sowohl forstliche Ausbildung als auch Verwaltungserfahrung hatten.

Angesichts dieser herausgehobenen Stellung Friedrich Heinrich Klaers, ist es nicht verwunderlich, dass er in eine durchaus gehobene Berliner Familie einheiraten konnte, was schon deren Wohnadresse Invalidenstraße 27-29 beweist, heute nahe dem Hauptbahnhof gelegen und eine absolute Toplage in Berlin-Mitte. Noch dazu war sein Schwiegervater laut Heiratsurkunde Stationsvorsteher I. Klasse.

Laut Perplexity war dies 

um 1886 der höchste örtliche Bahnhofsbeamte an einem wichtigeren Bahnhof, also der verantwortliche Leiter der Station mit erweitertem Verantwortungsbereich. Die Angabe „I. Klasse“ bezieht sich nicht auf die Wagenklasse, sondern auf die Rangstufe der Dienststelle bzw. des Dienstpostens innerhalb der Eisenbahnverwaltung.

Der Stationsvorstehers trug die Gesamtverantwortung für den Betrieb am Bahnhof: Zugmeldungen, Abfertigung von Personen- und Güterzügen, Sicherheit im Zugverkehr. Zudem hatte er die Dienstaufsicht über das übrige Stationspersonal (Aufseher, Assistenten, Weichenwärter usw.) und war Vertreter der Bahnverwaltung gegenüber Öffentlichkeit und Behörden.

Bahnhöfe und ihre Vorsteher wurden nach Bedeutung des Verkehrs in Klassen eingeteilt; 1. Klasse stand für einen besonders bedeutenden oder stark frequentierten Bahnhof. Ein Stationsvorsteher I. Klasse hatte entsprechend höheren Rang, höhere Besoldung und meist einen größeren Stab unterstellt als Vorsteher niedriger Klassen.

Womöglich trug also Friedrich Heinrich Klaers Schwiegervater sogar die Verantwortung für den nahe seiner Wohnadresse gelegenen Lehrter Bahnhof, dem heutigen Hauptbahnhof. Der Lehrter Bahnhof in Berlin wurde zwischen 1869 und 1871 erbaut und 1871 eröffnet, d.h. 15 Jahre vor der besagten Eheschließung.  

Hier sollte mein diesjähriger Bericht eigentlich enden, doch überraschte mich mein Neffe 5. Grades Andreas Z. soeben noch mit einigen weiteren Funden.

3. Hermann Augusts zweite Hochzeit

Am 21.7.1872 hat Hermann August Clair/Claer, geb. 1833, Sohn des oben bereits erwähnten Christian Friedrich Claer (geb. 1799) und seiner Frau Justine Knaebe, ein zweites Mal geheiratet. Laut Kirchenbuch Petersdorf, Kr. Wehlau, hat er Wilhelmine Hill, geb. Mahnke, geehelicht. Aufgebot des Ehemannes in Laukischken, Kreis Labiau, seine Frau in Petersdorf. 

Hermann August ist – siehe meine früheren Berichte – sehr wahrscheinlich der Ururgroßvater meines Vetters 4. Grades Manfred Claer aus der “Fuhrmann-Linie”. Manfreds Urgroßvater Franz Richard Claer, geb. am 16.3.1872 in Geidlauken, hat, wie wir wissen, als Fuhrmann Ostpreußen verlassen und ins Rheinland geheiratet. 

Nach unserer bisherigen Kenntnis war Franz Richards Vater, Hermann August, (zunächst) mit Henriette Wilhelmine Mettschul verheiratet, und beide haben am 16.3.1872 ihren Sohn Franz Richard, Manfreds Urgroßvater, bekommen.  

Wie wir schon früher herausgefunden haben, hatte Hermann August in die Müllersfamilie Metschul eingeheiratet und eine Mühle betrieben. Die Müller waren ja zumeist recht wohlhabend und hatten viele Kinder, daher die besonders weite Verbreitung dieses Familiennamens in Deutschland. (Vgl. auch die wohlgenährte Figur des Meisters Müller in “Max und Moritz” von Wilhelm Busch aus dem Jahr 1865 – vor allem im Vergleich zu den oftmals abgemagerten Gestalten der anderen Dorfbewohner.) 

So könnte auch Müller Hermann August Claer eine gute Partie für seine zweite Ehefrau gewesen sein, nachdem allem Anschein nach seine erste Frau Henriette Wilhelmine Mettschul bei der Geburt von Franz Richard verstorben ist. Jedenfalls liegen zwischen Franz Richards Geburt am 16.3.1872 und der Wiederheirat seines Vaters Hermann August am 21.7.1872 gerade einmal vier Monate. 

4. Sonstige Funde

Abschließend hier noch weitere Funde bezüglich uns bisher unbekannter ostpreußischer Claers, die Andreas Z. dankenswerterweise vom Ahnenforscher Patrick P. zur Verfügung gestellt bekam: 

Bieberswalde Clär (Klär, Klaehr) 

– Wilhelm Clär (Klaehr) 

– Wilhelmine Ludowike* ca. 1840 °° 14.2.1867 mit Friedrich Wilhelm Schwermer V: Förster – Ida Amalie * ca. 1847 + 30.12.1856 Försterei Biberswalde Försterstochter, Nervenfieber (9 J., 7 M.) 

– Dorothea Klär heiratet Johann Lenk und lebt 1859 in Biberswalde 

Fischhhausen II 

Klaer

– Ludwig Ernst Klaer (Kaufmann) °° Marie Margarete Gertrud Kiepert 

* Fritz Hubertus Theodor* 15.11.1932 Fischhausen Groß Legitten 

Klehr 

Mr. Klehr 1696 Nedau Schneider

5. Ausblick

Soviel also für dieses Jahr – und vielleicht werden wir 2026 einen Termin für unser angedachtes zweites Ahnenforschungstreffen in Erfurt finden. 

wertpapier-forum.de, 12.7.2024: Rezension des Buchs “Auf eigene Faust. Aktiensparen für Kleinanleger” von Thomas Claer

Habe zufällig entdeckt, dass ein gewisser John Silver auf der Seite wertpapier-forum.de neben vielen anderen Börsenbüchern auch mein im Jahr 2012 erschienenes kleines Werk rezensiert hat.

https://www.wertpapier-forum.de/topic/56820-rezensionen-von-b%C3%B6rsen-und-wirtschaftsb%C3%BCchern/page/5/

Hier seine Rezension im Wortlaut:

Auf Seite 4 des Buchs erfährt man ein paar Details über den Autor. Thomas Claer freier Journalist, Privatlehrer und Rechtsanwalt. „Als Kapital-Anleger ist er Autodidakt und seit über 12 Jahren ein ständiger Beobachter der Märkte.“ (S. 4).

Einleitung: Wozu dieses Buch?

Ziel ist es, den Leuten das Thema Aktie näher zu bringen. Leider sind im Vorwort ein paar merkwürdige Beispiele die für die Börse sprechen sollen. So spricht Claer über den Nikkei, dessen Höchststände bis 2012 noch lange nicht wieder erreicht wurden (jetzt aktuell in etwa schon) und des Weiteren schreibt Claer, dass man die Börse am ehesten noch mit dem Roulettespiel vergleichen kann (S. 11). Irgendwie finde ich das für einen Neuanleger nicht gerade ermutigend.

In der Einleitung erläutert Claer aber auch den Aufbau des Buchs. Er orientiert sich an den „vier Gs“ von Kostolany: Geld, Gedanken, Geduld und Glück (S. 15).

Kapitel 1: Geld

Claer empfiehlt allen zu sparen, um an der Börse anzulegen, außer Hartz4-Empfängern, denn für die würde es sich nicht lohnen, da sie ab einem gewissen Grad ihren Hartz4-Anspruch verlieren würden (S. 19-20). Toller Tipp. Etwas ähnliches schreibt er auch auf Seite 31. Wäre es nicht der bessere Tipp, sich aus der staatlichen Abhängigkeit zu befreien und dann an der Börse zu investieren?

Der nächste Tipp ist es, nie 100% anzulegen, „weil ja immer die Möglichkeit besteht, dass sich durch unvorhergesehene Ereignisse plötzlich ungeahnte Möglichkeiten ergeben…“ (S. 21). Mal ehrlich, wie oft kamen diese „ungeahnten Möglichkeiten“ und wie oft kamen sie nicht und wieviel Zinsen und andere Erträge hat man während dieser Wartezeit verschenkt? Und wenn die Möglichkeiten wirklich so ungeahnt sind, warum verkauft man dann nicht einfach etwas anderes dafür?

„Ganz besonders lohnt sich eine hohe Liquiditäts-Quote in schweren, dramatischen Krisen.“ (S. 22). Diese Krisen treten, grob gesagt, aber nur alle 10 oder 20 Jahre auf und gerade dann stellt sich die Frage, wann man kauft. Denn wenn man etwas zu früh oder etwas zu spät kauft, kann man die ganze Performance der Krise auch nicht mitnehmen.

Grundsätzlich empfiehlt Claer keine Beträge aus dem Depot für den Konsum zu entnehmen, weil das auf die lange Sicht Rendite kostet (S. 27) und auch das Spekulieren auf Kredit ist für den Privatanleger tabu (S. 30).

Schön ist der von Claer genannte „Dreisatz“ als „wundersamer Effekt … beim Vermögensaufbau“: Lebensmittel vom Discounter, Bücher vom Flohmarkt, CDs von Ebay (S. 30).

Kapitel 2: Gedanken

„Dieses Kapitel ist das längste des Buches…“ (S. 33) und das meiner Meinung nach zurecht, ist doch das Nachdenken das wichtigste für einen Anleger.

Als eine Gefahr für den Investor macht Claer die wahre Flut an Nachrichten aus, die sich heute auf den Anleger ergießt (S. 35). Ich denke aber, dass Claer hier zum falschen Schluss kommt, denn er meint, leichter hat es derjenige, welcher Aktien aus der 2. und 3. Reihe hat, weil dort die Informationen überschaubar seien. Ich vermute, dass Claer eher weniger in Small-Caps investiert, sonst würde er wissen, dass dies gerade ein wesentlicher Nachteil denn ein Vorteil für den Investor von Small-Caps ist (S. 35).

Die Frage „Investment oder Spekulation?“ (S. 36) löst Claer, indem er eine Zwei-Depot-Lösung empfiehlt, eines für Investments und eines für spekulative Käufe. Diese sollten strikt getrennt werden, auch um den Erfolg jeweils besser zu sehen. Das halte ich für vernünftig, damit der Anleger selber sieht, mit welcher Strategie er welches Risiko und welchen Ertrag generiert (S. 39).

Konkret zur Aktie Facebook gab Claer 2012 den Tipp, „Finger weg“, weil die Bewertung seiner Meinung nach zu hoch sei (S. 47). Heute weiss man, wie sehr er falsch lag. Dagegen empfiehlt Claer das ganze Buch hindurch die Aktie der Maschinenfabrik Berthold Hermle AG (Auch wenn Claer das ganze Buch über von „Bertram Hermle“ spricht, denke ich doch, dass er die Berthold Hermle AG meint). Diese hat sich zwar ordentlich entwickelt, liegt aber Meilen hinter Facebook zurück.

Es ist insgesamt etwas merkwürdig, dass Claer auf den Seiten 47 – 51 konkrete Aktien empfiehlt. Auch wenn er am Anfang des Buchs schreibt, das Buch hat den „Stand 31.12.2011“, muss er doch selber wissen, wie schnell solche Tipps veraltern.

Im Unterkapitel 2.3 stehen auf den Seiten 52 – 61 die gängigsten Kennzahlen im Mittelpunkt. Insbesondere das KGV hat es ihm angetan. Und Waren Buffet. Es vergehen gefühlt keine 3 Seiten, in denen nicht Buffet irgendwo erwähnt werden muss.

Im Folgeunterkapitel 2.4 widmet sich Claer auf den Seiten 62 – 73 der Informationsbeschaffung über Aktien.

Gut gestreut, nie gereut. Und deshalb steht im Unterkapitel 2.5 die Diversifikation im Mittelpunkt. Der Anfang des Unterkapitels mit den Keynes Zitaten hat mir gut gefallen (S. 73). Keynes Meinung ist, im Gegensatz zum heutigen Mainstream, dass man sich lieber sehr sehr wenige Werte kaufen und diese dafür sehr sehr gut kennen sollte.

Überrascht hat mich der Tipp von Claer zu Einzelwerten. Hier empfiehlt er europäische anstatt US- oder Japan-Werten (S. 80 – 81). Das ist durchaus ungewöhnlich.

Merkwürdig fand ich auch die Ausführungen von Claer zu langen Zyklen mit Hinweisen auf die ersten bzw. zweiten Dekaden eines Jahrhunderts (S. 91- 93). Als ob eine Aktie weiß, welches Jahr wir gerade schreiben und als ob dies eine Bedeutung für eine Aktie hätte.

Die Seiten 91 – 97 befassen sich mit der Charttechnik. „Unter Value-Anhängern sorgen die Chartanalysen mancher Experten oft für Heiterkeit … wenn ihre Anhänger [der Charttechnik] auch mitunter erstaunliche Erfolge vorweisen können.“ (S. 97 – 98).

Claer ist der Meinung, dass die Börse manisch-depressiv ist und immer zu Übertreibungen in beide Richtungen neigt (S. 100). Claer zitiert dazu Prof. Max Otte: „Die Finanzmärkte sind irrational, ineffizient und prozyklisch, also von einem ins andere Extrem fallend.“ (S. 100).

Die Pro und Contra zum Setzen von Stop-Loss-Marken führt Claer sehr schön aus (S. 104 – 107). Fakt ist, dass es gute Gründe und gute Gründe dagegen gibt. Die meisten Autoren legen sich meistens auf eine Seite fest und negieren die andere Seite. Das ist hier, positiv, nicht der Fall.

Gut gefallen hat mir auch das Zitat von Kostolany das Claer auf S. 109 anführt: „Wenn die Börsenspekulation leicht wäre, gäbe es keine Bergarbeiter, Holzfäller und andere Schwerarbeiter. Jeder wäre Spekulant.“

Kapitel 3: Geduld

Warum Geduld an der Börse wichtig sein könnte, kann sich vermute ich so mancher denken. Warum aber Claer zusätzlich noch „Diskretion“ (S. 122 – 123) als Tugend anführt, gemeint ist die Diskretion über die eigenen Börsengeschäfte Dritten gegenüber, kann ich nicht so richtig nachvollziehen. Gerade die gemeinsame Analyse von Börsenerfolgen und insbesondere von -misserfolgen, bringt einen doch weiter und bringt Erkenntnisgewinn? Warum man mit der alleinigen Analyse erfolgreicher sein soll, kann ich nicht verstehen.

Kapitel 4: Glück

Nach ein paar Worten zur Wichtigkeit von Glück im Börsengeschehen, schließt das Buch mit einem Ausblick und Schluss.

Fazit:

Ein nettes durchschnittliches Buch zur Börse, bei dem ich aber das Gefühl hatte, dass es mehr von einem Hobbybörsianer und Theorie-Börsianer, als von einem Vollblut-Spekulanten geschrieben wurde.

Claer, Thomas, „Auf eigene Faust – Aktiensparen für Kleinanleger“, BoD – Books on Demand, Norderstedt, 2012, 132 Seiten

Anmerkung: Ich danke dem Rezensienten für seine interessante Besprechung und beschränke mich auf die Feststellung, dass sowohl mein Buch als auch seine Rezension zahlreiche Irrtümer enthalten. Aber das ist nicht weiter tragisch, denn wie sagte Kostolany: “Ich habe zu 49 Prozent falsch gelegen und zu 51 Prozent richtig. Die zwei Prozent Unterschied waren mein Erfolg.”

Jahresende 2023: Ahnenforschung Claer, Teil 15

Während ich vor einem Jahr, zum Jahreswechsel 2022/23, meinen letzten Forschungsbericht finalisierte, erreichten mich noch weitere interessante News von unserem eifrig forschenden Verwandten Andreas Z., die ich damals aber nicht mehr mit aufnehmen konnte. Nun stehen sie im Mittelpunkt des diesjährigen Berichts. Hinzu kommt noch ein gleichfalls spektakulärer Fund von Andreas Z., der mich Mitte des Jahres erreichte. Allerdings bin ich in den zurückliegenden Monaten aus verschiedenen Gründen leider zu gar nichts mehr gekommen, sodass es diesmal nolens volens nur zu einem schmalen Bericht gereicht hat. Dennoch sind die neuen Funde so bedeutsam und im anderen Falle zugleich auch ernüchternd, dass sie unseren Forschungen in mancher Hinsicht eine neue Richtung geben könnten…

1. Die Claers in Bieberswalde – doppelt rätselhaft

Zunächst einmal gilt es, an das Kapitel “Die Claers in Bieberswalde” aus dem letzten Bericht anzuknüpfen. Nachdem ich vor mehr als einem Jahr über Google den Eintrag aus einem Jahrbuch über die Versetzung des Försters Clair aus der Försterei Lebkoyen/Drusken nach Bieberswalde im Jahr 1855 gefunden hatte, war mir gleich wieder eingefallen, dass Tante Lorelies auf ihrer Ostpreußenreise vor 20 Jahren auf dem Friedhof in Bieberswalde bei Liebemühl eine Tafel mit der Aufschrift „Ruhestätte der Familie Claer“ gefunden hatte. Ich schlussfolgerte daraus also, dass mein Urururgroßvater, der Förster Friedrich Clair (1799-18??) mitsamt seiner Frau Justine (1803-18??), meiner Urururgroßmutter, und seinem mutmaßlich jüngsten Sohn, meinem Ururgroßvater Franz Claer (1841-1906), und womöglich auch noch weiteren Nachkommen 1855 von Drusken nach Bieberswalde bei Liebemühl gezogen war. Doch nun steht genau dies wieder infrage.

Zum einen konnte ich bei meiner Durchsicht der Bieberswalder/Liebemühlener Standesamts-Urkunden seit 1872 keinen einzigen Namensträger entdecken, so wie auch Tante Lorelies bei ihren Recherchen in den Kirchenbüchern aus der Zeit zuvor erfolglos geblieben war. Zum anderen überraschte uns Andreas Z. mit einem Fund aus einem anderen, aber ebenfalls in Ostpreußen, nämlich bei Tapiau, gelegenen Bieberswalde. Dort heißt es im Kirchenbuch von 1867 (entziffert von Tante Lorelies):

“Materialwaren Gründer Herr Joh. Friedrich Wilhelm Schwermer, Wittwer seit 6 Monaten 1 Kind – Schxxx v. Gericht liegt vor – 36 Jahre – mit Jungfer Ludovica Wilhelmine Claer, jüngste T. des königl. Förster xxx Clair im Forsthaus Bieberswalde bei Tapiau (in Klammern u.U. ein Ort mit G ) 28 J. alt – Trauung in Tapiau xxx Aufb. nicht (das “nicht” ist wieder ausgestrichen) bezahlt.” (Also soll wahrscheinlich heißen: Aufgebot bezahlt.) Am Rand ist der Eintrag mit einer Klammer versehen: “entheften Proclamation xxx auf Tapiau”
(Ich habe Stunden mit dieser Eintragung verbracht. Das war die konfuseste Eintragung, die ich bisher hatte. Vor allem, dass ich nicht rausbekam, was dem Gericht vorliegt, ist seltsam. Und dass zwischen Förster und Clair was klein Geschriebenes steht, aber kein Vorname.)

Dieser Eintrag erklärt nun zwar einiges, wirft dafür aber auch viele neue Fragen auf und macht die Faktenlage am Ende nur noch rätselhafter. Es spricht nun alles dafür, dass die Versetzung des Försters Clair im Jahr 1855 von Drusken aus nicht nach Bieberswalde bei Liebemühl, sondern nach Bieberswalde bei Tapiau erfolgt ist. Letzteres liegt auch viel dichter an seiner vorherigen Wirkungsstätte Drusken, allerdings weit entfernt von der Gegend um Neidenburg, in die es meinen Ururgroßvater Franz Claer später verschlagen sollte. Aber was hat es dann mit dem Familiengrab Claer im anderen Bieberswalde bei Liebemühl auf sich?? Und wie ist mein Ururgroßvater Franz Claer schließlich von Bieberswalde bei Tapiau in die Gegend des anderen Bieberswalde bei Liebemühl gekommen? Vielleicht ja, wie ich bereits ursprünglich vermutet hatte, im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit als Postschaffner.

Sollte es sich beim Förster Clair von Bieberswalde bei Tapiau, ehemals Förster in Drusken, tatsächlich um meinen Urururgroßvater Friedrich Clair, geboren 1799 in Ludwigswalde, verheiratet 1824 in Corjeiten und lange Jahre wohnhaft in Juditten bei Königsberg, handeln, was ich weiterhin für wahrscheinlich halte, dann wäre seinen zahlreichen uns bereits bekannten Kindern nun also auch noch seine jüngste Tochter Ludovica Wilhelmine hinzuzufügen. Sie war im Jahr 1867 ausweislich des Kirchenbucheintrags 28 Jahre alt, sollte also demnach 1838 oder 1839 geboren sein, d.h. kurz vor meinem Ururgroßvater Franz 1941. Seit 1839 war Friedrich Clair Förster in Drusken, also könnte seine jüngste Tochter Ludovica Wilhelmine bereits dort geboren worden sein oder aber noch zuvor in Juditten. Doch da sie dort im Kirchenbuch, was ich bereits vor vielen Jahren ausgewertet habe, nicht auftaucht, dürfte sie eher schon in Drusken geboren worden sein.
Folgende Kinder von Friedrich und Justine Clair sind uns somit bisher bekannt:

Kinder von Friedrich (1799-18??) und Justine Clair/Claer, geb. Knaebe/Knebel (ca. 1803-18??)
– 1824 Wilhelm Friedrich (23. Oktober) in Corjeiten – verstorben 15.6.1889 in Rahnkalwen/Dittlaken
– 1826 Heinrich Julius (17. Dezember) in Juditten
– 1828 Amalia Dorothea (??. November) in Juditten
– 1830 Albert Eduard (14. November) in Juditten
– 1833 Herrmann August (8. Januar) in Juditten
– 1835 Justina Wilhelmine (??. Februar) in Juditten
– 1837 Auguste Ernestine (11. März) in Juditten
– 1839 Otto Conrad (14. April) in Juditten
– ca. 1839 Ludovica Wilhelmine in Eichenberg/Drusken (?)
– 1841 Franz Claer (27. September) in Eichenberg/Drusken, Kr. Wehlau – verstorben 16.10.1906 in Neidenburg

Als problematisch erscheint nun allerdings, dass im April 1839 noch in Juditten Otto Conrad zur Welt kam, sodass Mutter Justine aus biologisch-mathematischen Gründen eigentlich erst allerfrühestens Anfang 1840 wieder ein Kind hätte bekommen können. Das wäre dann 1867 aber erst höchstens 27 Jahre alt gewesen und nicht, wie es im Kirchenbuch von Bieberswalde bei Tapiau hinsichtlich Ludovica Wilhelmines heißt, bereits 28. Allerdings beruhten die Altersangaben über die Braut im Kirchenbuch vermutlich nur auf den Aussagen der Beteiligten, was gewisse Ungenauigkeiten denkbar erscheinen lässt. Ebenso wäre auch ein geringfügiger Rechenfehler vorstellbar, so dass hier grundsätzlich noch alles ins Bild passt.

Ferner könnte aber auch noch ein Abgleich mit den handschriftlichen Notizen meines Großvaters Gerhard Claer hilfreich sein. Ich zitiere aus einem meiner früheren Berichte:

„An dieser Stelle ist ergänzend auf die handschriftlichen Aufzeichnungen meines Großvaters Gerhard Claer hinzuweisen, wonach im Kirchenregister der ev. Kirche Judithen bei Neidenburg, Jahrgang 1828, Seite 451 Nr. 61 einige Male Clair mit „ai“ erscheint, nämlich: „Heinrich Clair, Förster; Otto C., Gendarm u.s.w., Franz u.s.w. Postbeamter// Geschwister Amelie (?) geb. Clair“. Er geht offenbar von einer Verwandtschaft aus und wertet die dem Französischen näherstehende Schreibweise als Indiz für die ursprünglich französische Herkunft der Familie… Die vollständige Notiz meines Opas Gerhard enthielt außerdem noch den Zusatz: 9 Knaben, 3 Mädchen. Sollte dies die Anzahl der Kinder von Friedrich Claer und Justine Knaebe sein?”

Nun wären wir einschließlich Ludovica Wilhelmine aber schon bei vier Mädchen (und nur sechs Jungs), was doch schon eine signifikante Abweichung darstellt…
Was auch noch möglich wäre: Dass Friedrich und Justines zweitältester Sohn Heinrich Julius Clair, geboren 1826 in Juditten und laut meinem Großvater Gerhard – siehe oben – ebenfalls von Beruf Förster, seinem Vater Friedrich irgendwann nach 1839 auf die Försterstelle in Drusken gefolgt ist und dass er es war (und nicht sein Vater Friedrich), der 1855 von Drusken nach Bieberswalde bei Tapiau versetzt wurde. Denn einen Vornamen des Försters Clair enthält weder der Eintrag aus dem Jahrbuch über die Versetzung nach Bieberswalde im Jahr 1955 noch der Eintrag im Kirchenbuch von Bieberswalde bei Tapiau aus dem Jahr 1867.

Sicher auszuschließen ist allein, dass der älteste Sohn Friedrichs und Justines, Wilhelm Friedrich Clair, geboren 1824 in Corjeiten (und ein direkter Vorfahre von Andreas Z.), auch er von Beruf Jäger, von Drusken nach Bieberswalde bei Tapiau versetzt wurde, denn sein Leben an verschiedenen Wirkungsstätten ist mittlerweile hinreichend dokumentiert, siehe meine früheren Berichte.
Doch es könnte nach 1839 ebenso gut auch noch ein Neffe Friedrichs, etwa ein Sohn von Friedrichs jüngerem Bruder, dem Oberförster Johann Wilhelm Clair (geb. 1802 in Ludwigswalde,) eine Anstellung als Jäger in Drusken gefunden haben und 1855 von dort nach Bieberswalde versetzt worden sein. Oder sogar Johann Wilhelm selbst. Kurz gesagt: Es bleibt unübersichtlich und vieles ist möglich.

Bemerkenswert am Bieberswalder Kirchenbucheintrag ist aber schließlich noch die divergierende Namensschreibweise von Vater und Tochter: Ludovica Wilhelmine Claer wird schon mit ae geschrieben, ihr Vater nur eine Zeile darunter aber noch mit ai.

2. Neues von den Claers in Thüringen

Lange Jahre hatten wir keine neuen Erkenntnisse mehr über die Claers in Thüringen und ihre etwaige Verbindung zu unseren ostpreußischen Claers gewinnen können. Nun endlich kommt aber wieder Bewegung in die Sache.

a) Bisheriger Kenntnisstand
Bisher wussten wir nur vom überregional operierenden Erfurter Fuhrunternehmer Christoph Friedrich Claer (1802-1860), der in seiner Jugend bis 1826 zunächst als Chausseewächter in Frienstedt (Vorort von Erfurt) aufgetreten ist. Von 1836 bis 1846 war er Frachtfuhrmann in Erfurt, ab 1849 dann Fuhrherr und Spediteur ebendort. Er war zweimal verheiratet, zuerst mit Sophie Catharina Hof(f)mann, nach deren frühen Tod um 1826 mit Christiane Marie Scherlitz. Seiner ersten Ehe entstammt sein Sohn Friedrich Wilhelm Heinrich Claer, geb. 1825 in Frienstedt.

Gemäß Friedrich Christophs Geburtseintrag aus Siersleben im Südharz vom 16.11.1802 war sein Vater der Feldjäger (und wohl doch nicht Feldscher, wie es zuerst entziffert wurde) Johann Friedrich Klaer, der wiederum als “der jüngste Sohn des hochehrwürdigen Herrn (unleserlich, ev. Jäger oder Förster) Christian Friedrich Klaer aus Wettin/Wollin/Wittin (o.ä., so lasen die Experten es damals)” bezeichnet wurde. Tante Lorelies liest nun als Ortsangabe hier “eindeutig Wittiz. Wahrscheinlich heißt der Ort Wittitz, hat der Schreiber vielleicht nicht gewusst.”

Es soll einmal einen kleinen Ort namens Wittiz bei Kamenz gegeben haben. Ferner gibt es ein Wittitz (Vitice) in Böhmen, gut 40 km östlich von Prag. Die Entfernung von Siersleben nach Kamenz beträgt 234 km, nach Wittitz bei Prag 377 km; die Entfernung von Siersleben nach Ludwigswalde bei Königsberg in Ostpreußen sogar 901 km.

Als wir uns vor etwa einem Jahrzehnt damit beschäftigten, rätselten wir, ob es trotz der großen Entfernung eine Verbindung zu “unseren” Claers in Ostpreußen geben könnte, denn die Übereinstimmungen bei den Vornamen (alle heißen Friedrich mit unterschiedlichen Zusätzen wie Johann, Christian, Christoph oder Heinrich) und den Berufen (alle sind Förster/Jäger außer dem Fuhrunternehmer) sind schon sehr auffällig. Insbesondere gab es ja in Ludwigswalde neben “unserem” Friedrich Wilhelm Clair (laut Mundia-Datenbank-Eintrag 1770-1813, Vater des im 1.Kapitel behandelten (Christian) Friedrich Clair (1799-18??)) auch dessen mutmaßlichen Bruder, den Unterförster Johann Friedrich Clair. Und dieser ist namensidentisch und berufsgleich mit dem Vater des Fuhrunternehmers, dem Feldjäger Johann Friedrich Klaer, der 1802 in Siersleben geheiratet hat. Laut dem damals zitierten Experten war die örtliche Mobilität der Förster damals einerseits sehr hoch, andererseits hielt er die Entfernung von Ostpreußen nach Thüringen für doch zu groß, um darauf zu spekulieren.

Neben den genannten Claers in Erfurt hatten wir damals noch den Google-Suchtreffer eines Försters namens Clair im thüringischen Krakendorf im Jahr 1816:

Als solcher war er aufgeführt im “Großherzoglich-Sachsen-Weimar-Eisenachischen Hof- und Staatshandbuch. Darinzustehen war schon eine große Ehre, zumal in diesem Buch auch kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe als Minister dieses Großherzogtums Erwähnung findet. Doch konnten wir für diesen Förster von Krakendorf, das gut 30 km südöstlich von Erfurt liegt, bisher noch keine Verbindung zu den Claers aus Erfurt finden. Die Betonung liegt auf bisher…

b) Neue Funde
Nun hat Andreas Z. in alten Kirchenbüchern aus Erfurt gleich vier Volltreffer gelandet (Entzifferung jeweils von Tante Lorelies):

1849: Friedrich August Clar (hier wird schräg über l und a das e raufgetupft. Daraus ist später dann sicher Clär entstannden, ich habe auch erst ä gelesen) vormals Unterförster in Königl.Peuß. Dienst, Fleischgasse Nr.1452 Ehemann. Wagenwärter, 72, hinterließ mehrere maj. Kinder, wie auch seine Ehefrau, Freitag 9. März, Nachmittag 4.. Altersschwäche

1843: Wilhelmine Charlotte Rosalie Clar (e drauf) Freitag, den 10.März, abends halb 12 Uhr, ehelich, Vater Herr Friedrich Christoph Claer, Bürger und Frachtfuhrmann, Mutter Frau Christiane Marie, geb. Scholtz (Schultz, Schulitz?) Fleischgasse Nr.1452 Dom October den 19ten März, Taufzeugin Jungfrau Wilhelmine Charlotte Rosalie Franz, Steuerbeamtin zu Nordhausen, Tochter

1858: Claer, Friederike, Sophie, geb. Hoffmann nachgelassen, Witwe des Chaussee-Aufsehers Friedrich August Claer, Schmidtstädterstr. No 509, 69, 2 majorenne Kinder, 15. Februar, 2 1/2 3 Uhr früh, Schlagfluß, vom Leichenbestatter von Rhein gemeldet 17. Februar , daselbst No 433 A

1854: Cramer, gen. Krämer, Johann Georg, Bürger und Gärtner…? zu Unter…?? 6 Eltern: Johann Andreas Cramer zu Grüningen, Frau Martha geb. Köhler. Alter des Bräutigams 55/4 Wittwer. Braut: Claer, Jungfrau, Dorothea Friederike, ev. , Am Anger. Eltern der Braut : Friedrich August Claer, gen.. Ortsbürger und Förster zu Krakendorf im Eisen… und Frau Anna …Elisabeth, geb. Hoffmann. Alter der Braut : 34, ledig, Aufgebot in der Lohfüßer Kirche

c) Einordnung dieser Funde:
Nun wissen wir also, dass der vormalige Förster von Krakendorf, Friedrich August Claer, geboren um 1776 und verstorben 72-jährig an Altersschwäche am 09.03.1849 in Erfurt, dort in der Fleischgasse Nr.1452 gewohnt hat. (Übrigens beste Innenstadtlage in der Erfurter Altstadt.) Genau diese Wohnadresse hatte aber auch der Fuhrunternehmer Christoph Friedrich Claer mit seiner Familie im Jahr 1843. Da Friedrich August, Jahrgang 1776, wie wir wissen, nicht der Vater von Christoph Friedrich, Jahrgang 1802, war, fragt sich, in welchem Verwandtschaftsverhältnis sie gestanden haben könnten. Am naheliegendsten wäre wohl die Vermutung, dass Friedrich August der Onkel von Christoph Friedrich war, mithin der Bruder von Christoph Friedrichs Vater Johann Friedrich (Geburtseintrag von Siersleben, siehe oben). Wären sie noch entferntere Verwandte gewesen, hätten sie vielleicht nicht unbedingt im selben Haus gewohnt…

Fleischgasse 14 in Erfurt heute

Noch dazu war Friedrich August Claer, wie es in seinem Todeseintrag heißt, bis zuletzt noch als Wagenwärter tätig (vielleicht sogar in Christoph Friedrichs Firma, was ja naheliegend gewesen wäre) und zuvor offenbar auch noch als Chaussee-Aufseher, wie es im Todes-Eintrag seiner Witwe erwähnt wird. Als „Chaussee-Wächter“ in Frienstedt hat übrigens auch sein mutmaßlicher Neffe Christoph Friedrich Claer angefangen. Das war vermutlich von seinem Großvater mütterlicherseits vermittelt, der aus dieser Branche kam, hatten wir früher mal rausgefunden.
Interessant ist ferner der Umstand, dass Friedrich August Claer, der Förster von Krakendorf, als “Unterförster in Königl. Preuß. Dienst” bezeichnet wird. Tatsächlich waren die Stadt Erfurt und Umgebung seit 1802 preußisch geworden, allerdings die Gemeinde Krakendorf offenbar schon nicht mehr, denn sonst hätte es ja nicht den besagten Eintrag im Jahrbuch des Großherzogtums Sachsen-Weimar gegeben.

Könnte es nicht sein, dass der preußische Staat ab 1802 loyale Beamte aus seinen bisherigen Provinzen in die neu erworbenen Gebiete beordert hat? So könnten doch Friedrich August (Jahrgang 1776) und sein jüngerer Bruder Johann Friedrich (der jüngste Sohn seines Vaters laut oben angeführtem Sierslebener Geburtseintrag) aus diesem Grund von Ostpreußen nach Thüringen bzw. in die Mansfelder Grafschaft (zu der Siersleben gehörte) gekommen sein, während ihr älterer Bruder, nämlich “unser” Friedrich Wilhelm (Jahrgang 1770) in Ludwigswalde und später woanders in Ostpreußen verblieben ist.

Aus den Einträgen in den Erfurter Kirchenbüchern ergeben sich darüber hinaus noch weitere spannende Erkenntnisse: Anscheinend war Fuhrunternehmer Christoph Friedrich Claer in fortgeschrittenem Alter sogar noch ein drittes Mal verheiratet, nämlich mit Christiane Marie, geb. Scholtz (Schultz, Schulitz?). Mit ihr hat er 1843, also mit immerhin schon 41 Jahren, noch die Tochter Wilhelmine Charlotte Rosalie bekommen. (Er war ja als erfolgreicher “Ökonom”, wie es in einem Eintrag heißt, den wir schon früher einmal gefunden hatten, zweifellos eine gute Partie.)
Ferner erfahren wir, dass der oben erwähnte Friedrich August Claer, der frühere Förster von Krakendorf, mit Friederike Sophie, geb. Hoffmann, verheiratet war, die erst 1858, also zehn Jahre nach seinem Tod, 69-jährig verstorben ist. Sie war folglich Jahrgang 1888 oder 1889, also 12 oder 13 Jahre jünger als ihr Mann. Außerdem hat sie zu dieser Zeit nicht mehr in der Fleischgasse gewohnt, sondern in der Schmidtstädterstr. No 509, 69. Vielleicht hat ja der Platz in Christoph Friedrichs Haus nicht mehr für seine Tante gereicht, oder sie hat es von sich aus vorgezogen, woanders zu wohnen. Jedenfalls hat sie bei ihrem Tod laut Eintrag zwei erwachsene Töchter hinterlassen. Eine davon, nämlich Dorothea Friederike, hat 1854 im Alter von 34 Jahren erstmals geheiratet, und zwar einen 55-jährigen Witwer, Bürger und Gärtner. Damit war Dorothea Friederike übrigens nur fünf Jahre älter als der 1825 geborene Sohn Friedrich Wilhelm Heinrich ihres mutmaßlichen Cousins Christoph Friedrich.

Doch noch einmal zurück zu den Förstern Friedrich Wilhelm Clair (geb. 1770), Friedrich August Clair (geb. 1776) und Johann Friedrich Clair (geb. nach 1776). Sollte meine gewagte Theorie – siehe oben – stimmen, wären sie Brüder gewesen und stammten alle drei aus Ostpreußen. Von Johann Friedrich wissen wir aus dem Geburtseintrag in Siersleben, dass er der “jüngste Sohn des hochehrwürdigen Herrn (unleserlich, ev. Jäger oder Förster) Christian Friedrich Klaer aus vermutlich Wittiz oder Wittitz war. Zwar gibt es kein Wittiz oder Wittitz in Ostpreußen, doch könnte Vater Christian Friedrich Klaer dorthin (wo auch immer es sich befindet) natürlich auch erst später versetzt worden sein, womöglich ja ebenfalls wegen der preußischen Gebietszuwächse und des Bedarfs an loyalen preußischen Beamten…

Nun trägt auch mein im ersten Kapitel ausführlich gewürdigter Urururgroßvater Friedrich Clair, geboren 1799 in Ludwigswalde als Sohn des Unterförsters Friedrich Wilhelm Clair, den ersten Vornamen Christian. Denkbar wäre es folglich, dass “unser” Christian Friedrich Clair nach seinem mutmaßlichen Großvater, dem “hochehrwürdige Christian Friedrich Klaer”, benannt worden ist, zumal der Zusatz „Filius“ zu seinem Namen in seinem Geburtseintrag 1799 ja auch nahelegt, dass es neben ihm noch einen älteren Christian Friedrich Clair gegeben hat.

Dass bei einem Namenseintrag im Kirchenbuch das Adjektiv “hochehrwürdig” dem Namen vorangestellt wird, wie es im Kirchenbuch von Siersleben bei besagtem Christian Friedrich Klair aus Wittiz oder Wittitz geschehen ist, gilt – wie es uns vor einem Jahrzehnt auch von Experten bestätigt wurde – als sehr ungewöhnlich. Dieser Christian Friedrich muss sich also durch irgendetwas Besonders hervorgetan haben. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass alle seine Söhne ebenfalls Friedrich heißen (was wohl sein Rufname gewesen sein dürfte). Der ältere Christian Friedrich könnte zwischen 1740 und 1750 geboren worden sein und die spätere „Marke“ Förster Friedrich Clair etabliert haben. Vielleicht gibt es sogar eine Verbindung zu Friedrich dem Großen, der 1740-1786 preußischer König war. Und der erste Name Christian verweist möglicherweise auf „Christian Clerc, der nach Preußen gehet“, der 1719 in Stolp auf dem Weg nach Ostpreußen registriert wurde, mutmaßlich unterwegs zu seinen Verwandten David, Jakob und Abraham Clerc/Clair in der Schweizer Kolonie in Gumbinnen (seit 1712), wo ja noch 1734 Elisabeth Clair, die Tochter des Jacob Clair, geheiratet hat. Kurzum, der ältere Christian Friedrich könnte zur zweiten oder dritten Einwanderergeneration der aus St. Imier stammenden ostpreußischen Clairs gehört haben.

Natürlich sind meine Ausführungen der letzten drei Absätze weitgehend spekulativer Natur, wenn auch, wie ich zumindest hoffe, nicht völlig aus der Luft gegriffen…

3. Ausblick

So viel also für dieses Jahr. Ob wir in der besonders schwierigen Frage des Lückenschlusses zwischen den Clairs in der Schweizer Kolonie in Gumbinnen ab 1712 und “unseren” Förstern in Ludwigswalde bei Königsberg im späten 18. Jahrhundert jemals entscheidend weiterkommen werden, steht nach wie vor in den Sternen. Doch gibt es darüber hinaus und drum herum gewiss auch weiterhin so viele spannende und immer wieder überraschende Entdeckungen zu machen, dass unser Forschungseifer auch in Zukunft nicht erlahmen sollte…

justament.de, 8.5.2023: Wie mein Urgroßvater 22.000 Reichsmark verlor

Recht historisch: Vor 100 Jahre tobte die Hyperinflation in Deutschland

Thomas Claer

Anna und Heinrich Nützmann mit ihrem ältestem Sohn Hermann (1909)

Heinrich Friedrich Christian Nützmann (1873-1926), mein Urgroßvater von der väterlichen Seite meiner Mutter, war Schäfermeister im mecklenburgischen Groß Lunow in mindestens dritter Generation. Wie auch über meine anderen Urgroßeltern weiß ich nicht gerade viel über ihn. Doch ist mir oftmals, und stets mit warnendem Unterton, von meiner Mutter berichtet worden, wie ihr sieben Jahre vor ihrer Geburt verstorbener Großvater in der Hyperinflation im Jahr 1923 seine gesamten Ersparnisse verlorenen hat. Es soll sich um eine Summe von 22.000 Reichsmark gehandelt haben, was für einen Schäfermeister in der damaligen Zeit ein außergewöhnlich hoher Betrag gewesen sein muss. Mein Urgroßvater wird also in seinem Beruf nicht schlecht verdient, sparsam gewirtschaftet und vielleicht auch etwas von seinen Eltern geerbt haben. Doch hat er seine bemerkenswerten Ersparnisse leider nicht in Sachwerten angelegt, sondern das Geld stattdessen seinen Vettern geliehen, die damit Häuser für sich gebaut haben. Als dann schließlich ein Brot mehrere Millionen Reichsmark kostete, legten ihm die frechen Cousins die nun beinahe wertlos gewordenen Geldbündel auf den Tisch: “Hier, Heinrich, hast du dein Geld zurück.” Von diesem Missgeschick hat sich mein Urgroßvater offenbar nie mehr richtig erholt, denn kaum drei Jahre darauf hat ihn die Tuberkulose hinweggerafft. Er war erst 52 Jahre alt.

Auch mein anderer Urgroßvater von der väterlichen Seite meines Vaters – Todesjahr 1930 – ist nur 53 Jahre alt geworden. Bei ihm ist nicht einmal die Todesursache überliefert, ja vermutlich damals gar nicht erst genauer ermittelt worden. Seinerzeit galt es als keineswegs ungewöhnlich, wenn jemand bereits mit Anfang fünfzig den Löffel abgab. Für uns Heutige fühlt sich ein solches Alter – toi, toi, toi – eher nach Lebensmitte an. Es ist schon ein nicht zu unterschätzendes Privileg, in Zeiten mit exzellenter medizinischer Versorgung leben zu dürfen.

Nur ein einziges Mal hat meine Mutter die Geschichte vom Reinfall ihres Opas in der Hyperinflation von ihren Eltern erzählt bekommen, als diese sich während einer Auseinandersetzung in höchster Erregung befanden. Es war ihnen wohl auch irgendwie peinlich, ein solches Desaster ihres Vaters und Schwiegervaters zuzugeben, das er schließlich durch sein unkluges Verhalten maßgeblich selbst mit herbeigeführt hatte. Aber wie sollte ein Schäfermeister, mutmaßlich ohne tiefere Einblicke in die weltökonomischen Zusammenhänge, in Fragen von Kriegskrediten, Reparationsforderungen der Siegermächte nach dem verlorenen Weltkrieg und die abenteuerliche Finanzpolitik der Reichsregierung, denn ahnen können, dass sich der Wert seiner langjährigen Ersparnisse so einfach von heute auf morgen in Luft auflösen könnte? Vielleicht war mein Urgroßvater auch zu gutmütig, sah für sich selbst und seine Familie (noch) nicht die Notwendigkeit eines Hausbaus oder Immobilienerwerbs, da sie bereits gut und kostengünstig untergebracht waren, während ihn seine Vettern womöglich flehentlich um Kredit für ihre Projekte baten.

Nur ein einziger konkreterer Hinweis auf die Wesenszüge meines Urgroßvaters ist überliefert. Meine Mutter berichtete mir, wie sie als kleines Mädchen von einem Nachbarn namens Bauch angesprochen wurde, der überall nur auf Plattdeutsch “Bauch mit dat een Pierd” genannt wurde, weil er genau ein Pferd besessen haben soll. Herr Bauch also sagte zu ihr: “Din Grotvadder, den hef ick ok kennt. Dat is’n gaanz muulfuuln Minschen wast.” (Hochdeutsch in etwa: “Deinen Großvater habe ich auch gekannt. Das ist ein gaaanz maulfauler Mensch gewesen.”) Mein unglückseliger Urgroßvater war also, wenn man den Aussagen von “Bauch mit dat een Pierd” trauen kann, schweigsam und introvertiert.

Seine Ehefrau hingegen, meine Urgroßmutter Anna Nützmann, geborene Riedler, genannt nach ihrem Geburts- und langjährigen Wohnort Oma Lunow, ist stets als energisch und resolut beschrieben worden. Sie war 15 Jahre jünger als mein Uropa und hat ihn nach dessen Tod noch um 45 Jahre überlebt. Sie starb erst wenige Monate vor meiner Geburt 1971, nachdem sie wohl schon lange Jahre im Haus meiner Großeltern gelebt hatte. Allerdings galt sie als sehr in traditionellen Geschlechtervorstellungen verhaftet. Wenn mein Vater, so hat er es mir später oft erzählt, nach dem Essen bei seinen Schwiegereltern den Tisch mit abdecken wollte, wies ihn Oma Lunow stets mit ihrem Stock in Richtung Sofa und sagte zu ihm: “Do lech di hin!” (Also: “Du leg dich hin!”) Sie war der Meinung, dass Männer sich am besten von jeder Hausarbeit fernhalten sollten. Meine Mutter berichtete mir oftmals, wie sie als junges Mädchen gerne auf den Dachboden ging, wo interessante Bücher lagen. Doch ihre Großmutter, Oma Lunow, schimpfte dann immer: “Is se all wedder bi de Bäukers?” (Also: “Ist sie schon wieder bei den Büchern?”) Nach ihrer Ansicht sollte ein junges Mädchen nämlich lieber Hausarbeiten verrichten, als Bücher zu lesen. Dennoch hat sich meine Mutter später nicht davon abhalten lassen, Medizin zu studieren.

Fünf Kinder hatten Heinrich und Anna Nützmann, von denen jedoch vier schon mehr oder weniger früh verstarben. Nur mein Großvater Erich Nützmann (1910-1985) konnte eine Familie gründen. Zwei seiner Geschwister haben bereits das frühe Kindesalter nicht überlebt. Sein ein Jahr älterer Bruder Hermann hat sich Anfang 1933 im Alter von 24 Jahren selbst eine Kugel in den Kopf geschossen, weil er mit einer jungen Dame verlobt war, aber dann eine andere junge Dame geschwängert hatte. Eine solche Schande war für ihn so unerträglich, dass er seinem jungen Leben ein Ende setzte. Der zehn Jahre jüngere Bruder meines Opas, Werner, blieb hingegen im Krieg in der Sowjetunion verschollen und wurde schließlich für tot erklärt.

Ich habe meinen Opa mütterlicherseits noch gut kennengelernt, denn als er 1985 starb, war ich schon 13 Jahre alt. Unvergesslich sind mir seine zornigen kraftvollen Faustschläge entweder auf den Fernseher, wenn das Bild flackerte, oder auf den Tisch, wenn ich irgendetwas nicht essen mochte. Als ich dann auf seine Ermahnung “Was auf den Tisch kommt, wird gegessen!” mit der unverfrorenen Frage reagierte, ob ich denn auch die Teller und Tassen und Bestecke essen solle, die kämen doch schließlich auch auf den Tisch, wurde er wütend und drohte mir Schläge an, was er aber, anders als meine Mutter, niemals umgesetzt hat. Sah er hingegen, wie ich am Abendbrotstisch die überstehenden Enden der Wurst- und Käsescheiben auf meinen Broten zurechtschnitt, um sie exakt der Form des geschnittenen Brotes anzupassen, dann freute er sich darüber sehr und sagte: “Dat hätt hei von mir.” (“Das hat er von mir.”) Dabei hatte ich es mir wahrscheinlich gleichermaßen von meinen Eltern abgeschaut…

Mein Opa (auf dem obenstehenden Foto neben meiner Oma), der sein Leben lang ein begeisterter Kleingärtner war, hatte keine hohe Schulbildung genossen, war gelernter Stellmacher, d.h. er baute Wagenräder aus Holz, und wurde später nach der Verdrängung der Pferdewagen durch das Automobil zum Tischler umgeschult. Dennoch hat er zeitlebens viel gelesen. Immer, wenn er nicht gerade fernsah, sah ich ihn lesend im Sessel sitzen, entweder den Lokalteil der Tageszeitung “Freie Erde”, die auf ihren vorderen Seiten genauso unleserlich war wie alle anderen DDR-Zeitungen auch, oder die “Wochenpost”, zu deren glücklichen Abonnenten meine Großeltern gehörten. Diese Zeitschrift, die damals im Osten als allseits begehrte “Bückware” galt, enthielt zwar keine offen systemkritischen, aber doch mitunter doppeldeutige und manchmal sogar ironische Texte und Reportagen über den tristen DDR-Alltag, dazu auch anspruchsvolle Kulturberichte. Mein Opa las jede Ausgabe der Wochenpost komplett von vorne bis hinten, manchmal aber auch ganze Bücher. Sein ´Lieblingswerk waren “Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk” von Jaroslav Hasek, die ihn wohl an seine eigenen Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg erinnert haben. Dort war er lange Jahre in sowjetischer Gefangenschaft geblieben, wohl auch, weil er zu einer Kompanie gehörte, die an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sein soll. Niemals hat er darüber gesprochen, überhaupt hat er so gut wie nichts von früher erzählt. Und schon gar nicht von seinem Vater, der in der Hyperinflation 22.000 Reichsmark verloren hat. Mein Opa war damals 13 Jahre alt, muss also schon eine Menge davon mitbekommen haben. Wie wäre sein Leben verlaufen, wenn sein Vater, der Alleinernährer der Familie, nicht so früh gestorben wäre? Wenn es für ihn keinen wirtschaftlichen Druck gegeben hätte, so früh die Schule zu verlassen und einen Beruf zu erlernen? Wenn die 22.000 Reichsmark (oder womöglich sogar noch viel mehr) am Ende bei ihm als Alleinerben gelandet wären? Hätte er damit etwas anfangen können?

Ich habe meinen Opa nur schwerhörig erlebt, was von seinem langjährigen Job im Sägewerk herrührte. Sein großes Glück waren seine immer auf maximale Lautstärke gestellten Kopfhörer, mit denen er fernsah, denn nur mit ihrer Hilfe konnte er alles verstehen, was dort gesagt wurde. Bestimmt hätte er auch gerne mal Westfernsehen geguckt, aber dafür war der Empfang zu schlecht. So musste er mit dem äußerst langweiligen DDR-Fernsehen vorliebnehmen und hat sich dennoch nie darüber beklagt. Sein Sohn, der ältere Bruder meiner Mutter, der nur ein paar Häuser weiter wohnte, empfing dank einer riesigen Antenne auf dem Dach gestochen scharfes Westfernseher, am Ende sogar in Farbe. Aber um so etwas auch zu bekommen, hätte mein Opa seinen Sohn darum bitten müssen, dies für ihn zu organisieren. Und das wäre meinem Opa, der sehr stur war, nie in den Sinn gekommen, denn er hatte zu seinem Sohn kein besonders gutes Verhältnis. Meine Mutter meinte, mein Opa sei eifersüchtig gewesen auf seinen eigenen Sohn, weil meine Oma vor allem ihren Sohn und weniger ihren Mann, meinen Opa, so angehimmelt hätte…

Politisch hatte mein Opa keine bestimmte Meinung. Er war nur der Ansicht, mit ihm und den kleinen Leuten könnten die Regierenden, egal in welchem System, es ja machen. Ihn habe nie jemand gefragt, wie er etwas finde. Da seien die DDR-Politiker nicht besser als die früheren oder die ganz früheren, und dass die im Westen besser sein könnten, das konnte er sich auch nicht vorstellen…
Mein Opa hing sehr an meiner Oma. Als sie schon mit Mitte 60 dement wurde und bald niemanden mehr erkannte, wurde mein Opa trübsinnig und begann immer mehr zu trinken. Im Stall hinter seinem Haus türmten sich die von ihm geleerten Schnapsflaschen. Jedes Mal, wenn meine Eltern und ich meine Großeltern besuchten, nahmen wir eine große Kofferraumladung leere Schnapsflaschen mit nach Hause, wo wir sie dann zum Altstoffhandel brachten und ich die Quittungen mit in die Schule nehmen konnte. Es gab ja in der DDR immer den großen Schülerwettbewerb, wer am meisten Altstoffe, also hauptsächlich alte Flaschen, Gläser und Zeitungen, gesammelt hatte. Viele meiner Mitschüler zogen dafür von Haus zu Haus und erbaten sich die Altstoffe ihrer Nachbarn. Das hatte ich nicht nötig, weil ich von meinem Opa stets mit so vielen leeren Schnapsflaschen versorgt wurde, dass ich in diesem Wettbewerb mehrmals Spitzenplätze belegte…

Als meine Oma gestorben war, verließ meinen Opa vollkommen der Lebensmut. Nur wenige Monate später wurde er, der bis dahin als kerngesund galt, mit einer leichten Infektion ins Krankenhaus gebracht, wo er dann kurz darauf 75-jährig verstarb. Seine drei Enkelkinder, also meine beiden Cousinen und ich, haben den Fehler seines Vaters, unseres Urgroßvaters, vermieden und den größten Teil unserer jeweiligen Vermögen in Sachwerten angelegt.

Jahresende 2022: Ahnenforschung Claer, Teil 14

In diesem Jahr bleibt mein “Forschungsbericht” zwar von seinem Umfang her hinter denen der letzten Jahre zurück. Was aber viel wichtiger ist: Inhaltlich ist uns erfreulicherweise ein großer Schritt nach vorne gelungen! Würden sich nicht militärische Metaphern in diesen Zeiten verbieten, könnte man mit Fug und Recht von einem Volltreffer sprechen… Und hinzu kommen weiter hinten sogar noch weitere spektakuläre Entdeckungen von einem anderen Forschenden.

1. Die Claers in Bieberswalde 

“Es gibt so viele Puzzleteile”, hatte mir vor einigen Jahren mein Vetter vierten Grades Manfred Claer geschrieben, “und nur bei uns passen sie zusammen.” Diese Aussage bezog sich auf die Entdeckung, dass sein Ururgroßvater August Hermann Claer (1833-????) und mein Ururgroßvater Franz Claer (1841-1906) Brüder waren. Nun passen wieder zwei Puzzleteile zusammen: ein schon vor zwei Jahrzehnten und ein erst vor einigen Monaten gefundenes.

a) Zufallsfund 1: Ein Familiengrab auf dem Friedhof 

Vor mehr als zwanzig Jahren besuchte meine Tante dritten Grades Lorelies Claer-Fischer gemeinsam mit einer Freundin das frühere Ostpreußen, beide auf der Suche nach Spuren ihrer Vorfahren. Auf dem Friedhof von Bieberswalde, das seit 1945 den polnischen Namen Liwa trägt, wurde zwar nicht die an diesem Ort etwas suchende Freundin fündig, dafür aber ganz unerwartet Tante Lorelies, die dort auf eine Steintafel mit der Aufschrift “Ruhestätte der Familie Claer” stieß, siehe Foto.

Über ihre anschließende Recherche berichtete mir Tante Lorelies wie folgt:

“Ich war seinerzeit, das war 2004, bei den Mormonen und habe dort nur Kirchenbücher durchgesehen, bis Mitte 1700 sogar, die jedoch sehr unordentlich geschrieben waren, so dass ich kaum etwas entziffern konnte. Verlaufene Tinte, Sütterlin. Ich weiß nicht mehr, mit welchem Jahrgang ich anfangen konnte.”

Die Suche blieb also vorerst ergebnislos. Die Claers in Bieberswalde waren damals – und blieben auch noch später – nicht zuzuordnen.

b) Wie kam Franz Claer (1841-1906) von Eichenberg nach Usdau? 

In meinem letzten Forschungsbericht vor einem Jahr widmete sich ein Kapitel dem Wirken meines besagten Ururgroßvaters Franz Claer (dem Urgroßvater von Tante Lorelies) als Postangestellter in Usdau. Und ich warf die Frage auf:

“Aber wie ist Franz, der als jüngster Sohn meines Urururgroßvaters, des Jägers Friedrich Claer (1799-18??) in Eichenberg/Drusken, Amt Wehlau (gelegen einige Kilometer östlich von Königsberg) geboren wurde, ins relativ weit entfernte Usdau gekommen bzw. wie konnte er meine dort lebende Ururgroßmutter Henriette überhaupt kennenlernen? Laut Google Maps beträgt die Entfernung zwischen dem heute russischen Snamensk (dem früheren Wehlau) und Uzdowo (Usdau) mindestens 224 Kilometer, was einer heutigen Fahrzeit mit dem Auto von mehr als drei Stunden entspricht.”

Sodann spekulierte ich auf berufsbedingte Gründe:

“Bevor Franz Claer sich also mit Anfang dreißig in Usdau niedergelassen und als Landbriefträger verdingt hat, seine Frau Henriette geheiratet und mit ihr seine ersten beiden Söhne Otto und Georg bekommen hat (denen später noch der dritte Sohn Richard sowie die Töchter Amelia/Armanda, Martha und Hedwig folgen sollten), war er als Postschaffner tätig und ist als solcher vermutlich viel herumgereist.”

Doch nun lässt ein weiterer Fund alles in neuem Licht erscheinen.

c) Zufallsfund 2: Friedrich Claers Versetzung nach Bieberswalde 

Vor einigen Monaten fand ich, als ich bei Google “Clair Bieberswalde” eingab, im mittlerweile digitalisierten und online verfügbaren Namens- und Ortsregister des Amtsblatts der Königl. Regierung zu Königsberg für das Jahr 1855” den Eintrag: “Clär s. Förster in Bieberswalde S.26”

Und auf S.26 dann die Notiz: “Der Förster Clair ist von der Försterei Lebkoyen, Oberförsterei Drusken, nach der Försterei Bieberswalde, Oberförsterei Gauleben, versetzt worden.”

So war das also! Mein Urururgroßvater Friedrich Clair/Clär/Claer (1799-18??) war demnach 1855, im Alter von 56 Jahren, ein weiteres Mal auf eine andere Försterstelle versetzt worden, und zwar von Eichenberg/Drusken, Kreis Wehlau, nach Bieberswalde. Seine laut Hochzeitsurkunde vier Jahre jüngere Frau Justine Claer, geb. Knaebe/Knebe/Knebel, die er 1824 in Corjeiten geheiratet hatte (und deren Todesjahr wir ebenfalls nicht kennen), war sicherlich ebenso mit dabei wie zumindest sein mutmaßlich jüngster Sohn Franz, damals 13- oder 14-jährig, mein Ururgroßvater.

Die Entfernung vom Kreis Wehlau, dem heute russischen Snamensk, nach Bieberswalde, dem heute polnischen Liwa, beträgt laut Google Maps immerhin 188 Kilometer.

Dieser Ortswechsel macht auch plausibler, wie mein Ururgroßvater Franz nach Usdau kommen konnte, denn von Bieberswalde (Liwa) bis nach Usdau (Uzdowo) sind es nach Google Maps gerade einmal 56,8 km.

Bei einer weiteren Google-Recherche stieß ich sogar noch auf ein Foto vom alten Forsthaus in Bieberswalde. Ob hier tatsächlich die Försterfamilie Claer gewohnt hat?! 

d) Urkunden aus Biberswalde digitalisiert im Netz 

Wie ich bereits vor einem Jahr in meinem vorigen Bericht geschildert habe, gibt es seit 1874, infolge der deutschen Reichsgründung drei Jahre zuvor, in ganz Deutschland einheitliche Standesämter mit Urkundsstellen, die durch Ausstellung von Geburts-, Sterbe- und Heiratsurkunden die zuvor maßgeblichen Kirchenbücher abgelöst haben. Verbunden war dies auch mit einer seitdem in der Regel einheitlichen Namensschreibweise, was bis dahin oftmals von Ort zu Ort recht unterschiedlich gehandhabt worden war. Und glücklicherweise sind diese standesamtlichen Urkunden von Bieberswalde ab 1874 neben vielen weiteren Dokumenten aus dem Kreis Allenstein (seit 1945 Olsztyn) mittlerweile vollständig digitalisiert im Netz verfügbar unter

https://olsztyn.ap.gov.pl/baza/wynik.php

Nur leider gibt es dort kein Namenregister und keine Suchfunktion, so dass man als Interessent in mühsamer Kleinarbeit Urkunde für Urkunde durchzusehen hat. Hinzu kommt, dass Friedrich und Justine im Jahr 1874, sofern sie noch gelebt haben, schon 75 und 71 Jahre alt hätten sein müssen, was in den damaligen, von früher Sterblichkeit geprägten Zeiten schon eine sportliche Annahme wäre. (Und mit jedem Jahr, das man sich in den Urkunden chronologisch nach vorne arbeitet, sinkt die Wahrscheinlichkeit, noch auf ihre Sterbeeinträge zu stoßen.) Doch zumindest hat Tante Lorelies sie in den Kirchenbüchern vor 1874 nicht gefunden. Und die “modernere” Namensschreibweise Claer auf der Steintafel des Familiengrabs (verglichen mit Clair und Clär in den Einträgen von 1855, siehe oben) deutet auch auf eine eher spätere Errichtung der Familienruhestätte. Hinzu kommt, dass es, sofern die Einrichtung eines Familiengrabes einen Sinn gehabt hat, auch noch weitere Familienangehörige gegeben haben muss, die auf dem Bieberswalder Friedhof neben Friedrich und Justine bestattet wurden. Und dass die Tafel mit der Aufschrift zumindest vor 20 Jahren noch erkennbar und vorhanden war könnte ebenfalls für deren eher späteres Entstehungsdatum, also nach 1874, sprechen.

Allein, meine bisherige Suche in den Urkunden ab 1874 verlief leider ergebnislos. Bislang konnte ich nur die Sterbeurkunden von 1874 bis 1882 und die Heiratsurkunden von 1874 bis 1877 komplett durchsehen, leider ohne Treffer. Es ist daher wohl zu vermuten, dass Friedrich und Justine doch bereits vor 1874 verstorben sind, was eine erneute Recherche in den Bieberswalder Kirchenbüchern von 1855 bis 1873 nahelegen würde. Dennoch werde ich im kommenden Jahr zunächst weiter die standesamtlichen Urkunden durchsehen in der Hoffnung, darin vielleicht doch noch auf weitere Familienangehörige zu stoßen…

e) Die kinderreiche Jägerfamilie Claer 

Die Frage ist nur, wer das sein könnte. Friedrich Clairs Vater Friedrich Wilhelm war bereits 1815 in Ludwigswalde (?) gestorben. Friedrichs mutmaßlicher Onkel Johann Friedrich Clair und Friedrichs jüngerer Bruder Johann Wilhelm Clair drängen sich als etwaige Mitbewohner in Bieberswalde nicht so recht auf. Da kommen schon eher die zahlreichen Kinder von Friedrich und Justine in Betracht. Hier noch einmal eine Auflistung jener, von denen wir wissen:

Kinder von Friedrich (1799-18??) und Justine Clair/Claer, geb. Knaebe/Knebel (ca. 1803-18??)  

– 1824 Wilhelm Friedrich (23. Oktober) in Corjeiten – verstorben 15.6.1889 in Rahnkalwen/Dittlaken 

– 1826 Heinrich Julius (17. Dezember) in Juditten  

– 1828 Amalia Dorothea (??. November) in Juditten 

– 1830 Albert Eduard (14. November) in Juditten 

– 1833 Herrmann August (8. Januar) in Juditten 

– 1835 Justina Wilhelmine (??. Februar) in Juditten 

– 1837 Auguste Ernestine (11. März) in Juditten 

– 1839 Otto Conrad (14. April) in Juditten 

– 1841 Franz Claer (27. September) in Eichenberg/Drusken, Kr. Wehlau – verstorben 16.10.1906 in Neidenburg 

In einem meiner früheren Berichte schrieb ich hierzu:

„An dieser Stelle ist ergänzend auf die handschriftlichen Aufzeichnungen meines Großvaters Gerhard Claer hinzuweisen, wonach im Kirchenregister der ev. Kirche Judithen bei Neidenburg, Jahrgang 1828, Seite 451 Nr. 61 einige Male Clair mit „ai“ erscheint, nämlich: „Heinrich Clair, Förster; Otto C., Gendarm u.s.w., Franz u.s.w. Postbeamter// Geschwister Amelie (?) geb. Clair“. Er geht offenbar von einer Verwandtschaft aus und wertet die dem Französischen näher stehende Schreibweise als Indiz für die ursprünglich französische Herkunft der Familie… Die vollständige Notiz meines Opas Gerhard enthielt außerdem noch den Zusatz: 9 Knaben, 3 Mädchen. Sollte dies die Anzahl der Kinder von Friedrich Claer und Justine Knaebe sein?”

Wenn das mit den neun Knaben und drei Mädchen stimmte, dann gäbe es noch drei weitere Brüder. Wann könnten die zur Welt gekommen sein, wenn nicht erst nach 1841? In diesem Fall wäre mein Urururgroßvater Franz entgegen meiner bisherigen Annahme also gar nicht der jüngste Sohn seiner Eltern gewesen. Bei weiterer Einhaltung eines jeweils zweijährigen Abstands zwischen den Geburten, siehe oben, kämen als Geburtsjahre folglich 1843, 1845 und 1847 in Betracht (jeweils in Eichenberg/Drusken). Dann hätte meine Urururgroßmutter Justine bei deren Geburten aber schon 40, 42 und 44 Jahre alt gewesen sein müssen. Aus heutiger Sicht gut vorstellbar, nach damaligen Maßstäben vielleicht ambitioniert. Aber warum nicht? Diese eventuellen jüngeren Brüder (nach deren Geburtseinträgen man in den Kirchenbüchern von Drusken bzw. dem Kreis Wehlau noch recherchieren könnte) wären zur Zeit des Ortswechsels der Familie nach Bieberswalde im Jahr 1855 demnach 11/12, 9/10 und 7/8 Jahre alt gewesen und könnten, wie möglicherweise auch das eine oder andere ältere Geschwister, siehe oben, auch nach dem Tod der Eltern in Bieberswalde geblieben sein, was die Einrichtung eines Familiengrabes dort nachvollziehbar erscheinen ließe.

Allerdings könnte es auch ganz anders gewesen sein. Da im Amtsblatt der Königl. Regierung für den Förster Clair kein Vorname angegeben ist, wäre es auch denkbar, dass gar nicht Friedrich die Försterstelle in Bieberswalde angetreten hat, zumal dieser bereits bei seiner Berufung nach Drusken 1840 im Amtsblatt als “invalider Jäger” bezeichnet worden war. Womöglich hatte mittlerweile auch einer seiner Söhne eine weitere Försterstelle in Drusken angetreten und war dann nach Bierberswalde versetzt worden. Laut Aufzeichnung meines Großvaters Gerhard, siehe oben, war ja – neben dem Erstgeborenen Friedrich Wilhelm, über dessen späteren Werdegang wir relativ gut Bescheid wissen – zumindest auch der zweitälteste Sohn Heinrich Clair, geb. 1826, wie sein Vater und Großvater Jäger geworden.

Doch könnte darüber nur ein Fund in den weiteren Urkunden in Bieberswalde Aufschluss geben, die ich also – wie bereits erwähnt – weiter untersuchen werde.

f) Das Familiengrab im 19. Jahrhundert

Doch wie war das überhaupt mit Familiengräbern zu jener Zeit? Seit wann gab es so etwas und welche Bedeutung und Funktion kam diesen zu? Hierzu fand ich im Netz einen sehr erhellenden fachhistorischen Aufsatz (Archiv für Sozialgeschichte 55, 2015, S. 19 ff.: Anna-Maria Götz – Zwischen Status, Prestige und Distinktion. Das bürgerliche Familiengrab und der Wandel des Bestattungswesens im 19. Jahrhundert), aus dem ich im Folgenden die wichtigsten Passagen zitiere:  

“Das 19. Jahrhundert ist in der Sozialgeschichte auch als das bürgerliche Zeitalter bekannt und eben dieses Bürgertum differenzierte sich in seinen ideellen Vorstellungen sowie im sozialen Habitus bis zur Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert immer weiter aus. Was in den Jahrzehnten nach der Französischen Revolution und der Aufklärung als egalitär proklamiert wurde, offenbarte sich im Alltagsleben nicht selten auf elitäre Weise. Diesen Paradigmenwechsel finden wir auf den Friedhöfen der Jahrhundertwende mit einer weiten Bandbreite an bürgerlichen Grabanlagen mit monumentalem Grabschmuck, mehrdeutigen Bildschöpfungen und kostspieligen Materialen. Hier lässt sich im Sinne Pierre Bourdieus ein vielschichtiges Geflecht der sogenannten feinen Unterschiede erahnen, das es im Folgenden näher zu untersuchen gilt.” (S.19) 

Die Verfasserin betont das

“Phänomen, das historische Friedhöfe als Accessoirelandschaften des bürgerlichen Habitus erscheinen lässt. Erst ab dem 19. Jahrhundert bot sich mit der Einrichtung kommunaler Zentralfriedhöfe ausreichend Platz, um die früheren Massen- und Schichtgräber durch individuelle Einzelgräber abzulösen. Die Professionalisierung des Bestattungswesens im späten 19. Jahrhundert sowie das Aufkommen von Gewerbezweigen rund um Beisetzung, Verabschiedung und Grabgestaltung lassen vermuten, dass die Bestattungs- und Grabmalkultur zu diesem Zeitpunkt immer weiter ausdifferenziert wurde. Insbesondere die monumentalen, dauerhaft angelegten Gräber bürgerlicher Familien veranschaulichen facettenreich, dass sich das Andenken um die Verstorbenen auf repräsentative und äußerst individuelle Weise in Szene setzen ließ.” (S.19)

Und weiter heißt es, dass

“Friedhöfe eine überregionale Reputation hatten. All diese Aspekte lassen vermuten, dass hier im Laufe des 19. Jahrhunderts Bedingungen gegeben waren, unter denen sich bürgerliche Kreise gegenüber anderen sozialen Gruppen zu behaupten versuchten und ein spezifisch bürgerliches Bestattungswesen und Andenken kultivierten.” (S.21) 

“Neben Lage und Größte konnten auch Materialien Mittel zu sozialer Statusbekundung und schichtspezifischer Abgrenzung sein. An die physische Beschaffenheit und den materiellen, ökonomischen Wert bestimmter Werkstoffe war eine soziokulturelle Codierung gekoppelt: »Materialien sind Indikatoren gesellschaftlicher Empfindlichkeiten, denn an ihnen lagert sich die Geschichte ihrer Verwendungsweisen an.«28 Als besonders hochwertig galten Materialien wie Sandstein, Marmor, Granit oder auch Bronze, da sie bis zum 19. Jahrhundert den Repräsentanzbauten des Adels und der Kirchen vorbehalten waren. Während derart exklusive Materialien entlang der Hauptalleen gewissermaßen in Reinform zu finden waren, zeigen sich in den zweiten und dritten Reihen auch Grabstätten in Form von Amalgamen. Eine kostengünstigere Variante war es beispielsweise, auf einen Sandsteinsockel aus der Region eine Plastik aus importiertem Marmor in Szene zu setzen. Ebenfalls von Bedeutung für die Reputation eines Grabs war die Art der Fertigung als 
Unikat, als Reproduktion oder als serielle Katalogware. (S.31) 

“Bürgerliche Familiengräber des 19. Jahrhunderts wurden für die Ewigkeit angelegt, oder genauer: für die Hoffnung auf Erinnerung der Hinterbliebenen in Ewigkeit.” (S.35) 

Das Bürgertum ist dabei als eine heterogene Gruppe von Akteuren zu verstehen, die durch erkämpfte Rechte und erarbeiteten Status diskursprägend war und sich gegenüber aufstrebenden Schichten als vorbildlich erachtete. Allein der Umstand, dass sich viele bürgerliche Familien ein Familiengrab mit monumentaler Grabanlage finanzieren konnten, grenzt diese Gruppe der Grabbesitzer von unteren sozialen Schichten ab. Der Friedhofsraum spielte dabei die Rolle eines Spielfelds der sozialen Ordnung. Die Einrichtung der Grabstätte fungierte dabei als eine Art Seismograf bürgerlicher Identität (S.36) 

“Offensichtlich ist jedoch, dass allein die Dauerhaftigkeit und Monumentalität der vorgestellten Grabanlagen einen ausgeprägten Wunsch demonstrieren, das Andenken an die Toten im Diesseits repräsentativ auszustatten.” (S.37) 

Was folgt daraus nun für unsere Betrachtungen? Zwar kann bei der Försterfamilie Claer nicht unbedingt von großbürgerlichem Habitus und elitärer Renommiersucht auf dem Friedhof ausgegangen werden. Die Steintafel ist auch vergleichsweise schlicht gehalten, und von der damaligen Ausstattung der eigentlichen Grabstätte wissen wir nichts. Doch war zu jener Zeit – noch vor den Bismarckschen Sozialreformen mitsamt Einführung einer Rentenversicherung – eine Existenz als königlicher Förster, also quasi im sicheren Staatsdienst, mit mindestens sechs, vielleicht sogar neun männlichen Nachkommen, die womöglich allesamt ihrerseits sicher in Lohn und Brot standen, keine schlechte Voraussetzung für die Errichtung einer zumindest dezent repräsentativen Familiengrabstätte im von den Friedhofs-Bodenpreisen her sicherlich noch kostengünstigen ländlichen Raum.

Im nächsten Forschungsbericht in einem Jahr, vielleicht mit Funden aus den Bieberswalder Urkunden, könnten wir Genaueres wissen…

2. Die Claers in Gerdauen 1872 

Einen weiteren kleinen Treffer landete ich auf der Internetseite Portal-Ostpreußen:

Demnach wurden in Gerdauen, Kirchspiel Muldzen, in den jahren 1871 und 1872 die Kinder Anna Johanna Claer (24.6.1871) und Max Friedrich Claer (24.11.1872) geboren. Die Eltern waren jeweils ein Herrmann Claer und seine Frau Anna Gutzki.

Besonders interessant ist ferner, dass als Geburtsort im Falle von Anna Johanna “Ilmsdorf Forsthaus” angegeben wird. Dies deutet auf eine weitere Försterfamilie Claer hin, von der wir bisher noch nichts wussten!

Gerdauen liegt etwas südlich von Wehlau und südöstlich von Königsberg, also ziemlich dicht an Eichenberg/Drusken, wo – wie oben geschildert – die Förster-Familie von Friedrich Clair bis zur Versetzung nach Bieberswalde 1855 gelebt hat. Auch deren frühere Wohnorte Juditten und Corjeiten sowie Friedrichs Geburtsort Ludwigswalde sind nicht weit.

Wie aber lassen sich diese Claers in Gerdauen nun einordenen? Der Name des Vaters Herrmann erinnert natürlich gleich an Hermann August Clair, Friedrich und Justines viertältesten Sohn, geboren 1833 in Juditten, den Ururgroßvater meines anfangs erwähnten Cousins vierten Grades Manfred Claer. Der mutmaßliche Förster Herrmann Claer aus Gerdauen könnte bei der Geburt seiner Kinder 1871/72 (rein statistisch betrachtet) ca. 20 bis 30 Jahre alt gewesen sein, womit sein Geburtsdatum zwischen 1841 und 1851 liegen könnte. Unter Berücksichtigung der damals weit verbreiteten Gepflogenheit, den ältesten Sohn einer Familie nach dem Vater und die weiteren Söhne nach dessen Brüdern, also ihren Onkeln, zu benennen, könnte der Gerdauer Herrmann folglich der älteste Sohn oder ein Neffe von Manfreds Ururgroßvater Hermann August gewesen sein.

Da Manfreds Ururgroßvater Hermann August (geb. 1833 in Juditten) aber laut Geburtsurkunde von Manfreds Urgroßvater Franz Richard Claer (geb. 1872 in Geidlauken) Müller war – er hatte in die Müllerfamilie seiner Frau Henriette Mettschul eingeheiratet –, hätte vermutlich der älteste Sohn die Mühle übernommen und wäre nicht Jäger geworden. (So wie es ja auch naheliegend ist, dass Franz Richard als vermutlich erst spät geborener, weiterer Sohn seines Vaters neue berufliche Wege ging bzw. fuhr, denn er wurde Fuhrmann und verliebte sich während eines Frachttransports im Rheinland, wo er dann hängenblieb, siehe meine früheren Berichte.) Demnach dürfte der Gerdauer Jäger Herrmann Claer eher ein Neffe des Müllers Hermann August gewesen sein, der nach diesem benannt wurde. Und falls Herrmanns Vater, wofür vieles spricht, auch Jäger gewesen sein sollte, könnte er der Jäger Heinrich Julius Clair (geb. 1826 in Juditten) oder auch Albert Eduard Clair (geb. 1830 in Juditten), dessen Beruf wir nicht kennen, gewesen sein; aber eher nicht Otto Conrad Clair (geb. 1839 in Juditten), denn der soll ja laut meinem Opa Gerhard Gendarm gewesen sein. Genauso denkbar wäre aber auch, dass der Gerdauer Jäger Herrmann Claer aus der Linie von Friedrichs Bruder, dem Oberförster Johann Wilhelm Clair, geb. 1802 in Ludwigswalde, stammt; oder von noch woanders…

Noch dazu spricht für die Neffen-These, dass Gerdauen nur überschaubare 50 km von Geidlauken entfernt ist. Noch dichter liegt übrigens Geidlauken an Eichenberg/Drusken, und auch Ludwigswalde und Juditten und Gumbinnen (wo sich die ersten Clairs 1712 aus St. Imier in der Schweiz kommend angesiedelt haben) sind nicht weit. Demnach haben sich die Clairs lange Zeit im nördlichen Ostpreußen aufgehalten – bis zur Versetzung von Friedrich nach Bieberswalde im Jahr 1855!

3. Wie es Förster Otto Wilhelm Claer 1890 von Ostpreußen nach Schlesien verschlug

Um einen Ortswechsel noch viel größeren Ausmaßes geht es nun in den folgenden Ausführungen, die mir mein Neffe vierten Grades Andreas Z. aus Moritzburg bei Dresden dankenswerterweise zur Verwendung überlassen hat. Sein Ururgroßvater, der Förster Otto Wilhelm Claer (1859-1937), Sohn des Försters Wilhelm Friedrich Claer (1824-1889), welcher wiederum der älteste Sohn von unseren besagten Friedrich Cair (geb. 1799) und Justine Knaebe (geb. ca. 1803) ist, siedelte offenbar der Liebe wegen 1890 von Ostpreußen nach Schlesien um. Die folgenden Passagen von Andreas Z. bringen nun erstmals Licht in die näheren Begleitumstände, wobei bedauerlicherweise seine Großmutter, deren Mutter selbst eine geborene Claer war, diese Entdeckungen nicht mehr miterleben kann, da sie vor wenigen Jahren hochbetagt verstorben ist…

Noch dazu hat mir Andreas dieses großartige Foto des Försters Otto Wilhelm Claer (1859-1937) in Dienstkleidung zur Verfügung gestellt:

“Unsere und Omis große Frage war ja, weshalb ihr Opa Otto Wilhelm Claer, geb. 1859 in Argenthal/Ostpreußen, nach Schlesien übergesiedelt ist. Diese Frage hatte Omi sich gestellt und nicht beantworten können. Sie hat sie auch nie ihrem Opa gestellt. Wir haben das Rätsel nun lüften können. 🙂 

Nur zur kurzen Einordnung. Der Vater von Otto Wilhelm Claer war Friedrich Wilhelm Claer, geb. 1824 in Corjeiten, Kreis Fischhausen/Ostpreußen. Das war uns ja bereits bekannt. 

– Otto Wilhelm Claer hat 1890 im schlesischen Leutmannsdorf eine Minna Klara Hübner geheiratet. Sie ist die Tochter des Friedrich Wilhem Hübner. …der Name war Friedrich Wilhelm Programm 🙂 Hier entstand die Frage, weshalb er in Ostpreußen geboren wurde, dort Förster wurde und in Schlesien dann geheiratet hat. Er war auch bereits 31 Jahre. Weshalb ist er nach Schlesien? Nun, er war Förster und es wäre denkbar, dass er in Schlesien eine Stelle angetreten hat, weil möglicherweise in Schlesien eine Försterstelle ausgeschrieben war. Nicht undenkbar, allerdings für uns eher unwahrscheinlich, denn die Claers waren in Ostpreußen ja schon lange Förster und es war eine waldreiche Region. Weshalb also die lange „Fahrt“ und einen Umzug antreten? Es war zu dieser Zeit ja sicher nicht wie heute, in der ein Umzug für eine Stelle über mehrere 100km kein Problem und eher normal ist. Also diese Försterstellentheorie war für uns eher nicht so griffig. Da musste noch mehr sein 🙂 

Hier kommt die Entdeckung! Wir haben eine Geburtsurkunde aus Ostpreußen entdeckt, in der der Förster Friedrich Wilhelm Claer anzeigt, dass seine Tochter 1879 eine Tochter zur Welt gebracht hat. Viel wichtiger ist jedoch die handschriftliche Ergänzung auf der linken Seite. Wir haben diese entschlüsselt:  

“Der Revierförster Richard Hübner, evangelischer Religion, wohnhaft in Ludwigsdorf, Landkreis Schweidnitz hat laut Heiratsurkunde Nr. 4 des Standesamtes zu Eschenbruch vom 5. September 1879 mit Emma Marianne Claer der Mutter des nebenbezeichneten Kindes, die Ehe geschlossen und in einer unterm 28. September 1903 vor dem königlichen Notar Ludwig Kottman in Schweidnitz errichteten Urkunde die Vaterschaft zu dem nebenbezeichneten Kinde anerkannt 

Didlaken, den 1. Oktober 1903.  

Der Standesbeamte in Insterburg Dekars 

hier nachträglich eingetragen Insterburg, den 7. Oktober 1903“ 

 ALSO: Ein Richard Hübner aus Schlesien, aus dem Landkreis Schweidnitz hat in Ostpreußen ein uneheliches Kind mit der Tochter des Friedrich Wilhelm Claer (geb. 1824) gezeugt. Richard Hübner, selbst Förster, war zu dieser Zeit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in Ostpreußen stationiert. Wir wissen ja, dass viele Förster einige Zeit im Militär gedient haben. So ist es sicher zu erklären, dass Richard Hübner in Ostpreußen war und dort die sicherlich überaus bezaubernde Emma Marianne Claer getroffen hat und ein Kindelein entstanden ist 🙂  Und es ist sehr naheliegend, dass Omis Opa, Otto Wilhelm Claer, mit Richard Hübners Familie in Kontakt kam und die Schwester von Richard Hübner kennengelernt hat…und dann 1890 die Schwester von Richard Hübner geheiratet hat. Das ist also die Verbindung, die wir immer gesucht haben. Otto Wilhelm hat aufgrund der Verbindung zwischen seiner Schwester und Richard Hübner den Kontakt nach Schlesien gehabt. Da er und Richard Förster waren, ist die Vermittlung einer Försterstelle in Schlesien sicher einfacher gewesen und Otto Wilhelm ist dann seiner Schwester nach Schlesien gefolgt.  

Wir sind über die Eintragung in der Geburtsurkunde so glücklich und entzückt. Omi hätte sich sicher so gefreut diese Antwort zu bekommen.” 

Allerdings ist an dieser Stelle noch einmal darauf hinzuweisen, dass es auch schon zuvor in Schlesien Clairs gegeben hat, die vermutlich aus Ostpreußen stammten. Es sei hier nur an den Förster Clair in Mellendorf erinnert, der dort 61-jährig im Jahr 1822 ein Wildschwein im Kampf von Angesicht zu Angesicht bezwungen hat, worüber dann mehrere Zeitungen, darunter auch Fachzeitschriften für Jägerei berichteten, siehe meine früheren Texte.

4. Heiratseintrag der Elisabeth Clair (Tochter des Jacob Clair), Gumbinnen 1834 – auf Französisch! 

Und noch ein weiterer spektakulärer Fund ist Andreas Z. gelungen. Hier ist der französischsprachige Heiratseintrag von 1734 der Elisabeth Clair, der Tochter des Jacob Clair aus Gumbinnen, der gemeinsam mit David Clair und weiteren Angehörigen 1712 aus St. Imier in der Schweiz neben vielen weiteren französischsprachigen Zuwanderern nach Gumbinnen in die “Schweizer Kolonie” gekommen war, siehe meine früheren Texte.

Inhaltlich war uns das aber schon bekannt. Neu für uns ist die Ansicht des Eintrags. Wirklich schade, dass wir  die “Lücke” zwischen den Clairs in Gumbinnen und den Förstern in Ludwigswalde um 1800 bisher nicht schließen konnten, wobei das Geburtsjahr “unseres” Friedrich Wilhelm Klaer, der wohl erst in den 1790ern nach Ludwigswalde gekommen ist, nach einem (ungesicherten) Datenbankeintrag 1770 gewesen sein soll, siehe meine früheren Texte. 

5. Weitere Fotos von Erich Claer (1901-1950)

Abschließend noch ein Zeitsprung um zwei Jahrhunderte nach vorne. Tante Lorelies hatte mir freundlicherweise noch weitere Bilder ihres Vaters Erich Claer (1901-1950) zur Verfügung gestellt, meines Großonkels zweiten Grades, über den wir dank der Kondolenzbriefe und zahlreicher weiterer Unterlagen (siehe meine Berichte aus den letzten beiden Jahren) schon ziemlich gut Bescheid wissen. Hier also sind die Fotos (teilweise mit Erichs Söhnen Hans-Henning “Moppel” und Dieter), jeweils mit den Erklärungen von Tante Lorelies:

Bild 1: Vor dem Krieg in Gröben mit Frido Finno Fitz von der Niederlausitz, unserem Schäferhund, der auf der Flucht verschollen ist. 

2: Das Foto hatte meine Mutter auf der Flucht bei sich, ein Russenbengel zerriss es vor ihren Augen und klaute alles, was sie in ihre Kleider eingenäht hatte.

3: Juni 1947, erstes Foto nach der Gefangenschaft.

4: 1949 im Stadtpark Steglitz, wo Moppel auch immer trainierte zwischen 4 Bäumen, mit einem Seil drum (rechts im Bild Dieter).

5: Bei einer Festveranstaltung der Fa. Meyer, wo er Personalchef war, neben ihm Dieter, der mit durfte.

6: Das letzte Passbild 1950.

6. Ausblick

Damit endet mein Bericht in diesem Jahr. Die Fortsetzung folgt wie immer in 12 Monaten.

justament.de, 14.2.2022: Intellektueller Tausendsassa

Zum 90. Geburtstag von Alexander Kluge

Thomas Claer

„Ein Jurist, der nicht mehr ist als ein Jurist, ist ein arm Ding“, wusste schon Martin Luther. Und genauso hat es wohl auch der am 14. Februar 1932, heute vor neunzig Jahren, als noch niemand den Valentinstag auf dem Schirm hatte, in Halberstadt im Harz geborene Alexander Kluge gesehen. Denn nach seinem Jura-Studium in Freiburg, Marburg und Frankfurt am Main zog es ihn Mitte der Fünfzigerjahre sogleich zur berühmten und ebendort ansässigen „Schule“, um beim Justitiar des „Instituts für Sozialforschung“ eine Station seines Referendariats abzuleisten. Dort hat ihn dann Theodor W. Adorno höchstselbst zum Filmregisseur Fitz Lang geschickt, der ihn von seinen literarischen Bestrebungen abbringen sollte, da er die Literatur für ein „abgeschlossenes Gebiet“ hielt. Hat aber alles nichts genutzt, ganz im Gegenteil: Kluge avancierte nicht nur zum Schriftsteller im Umfeld der Gruppe 47, sondern auch zum gefeierten Autorenfilmer, der bereits 1962 bei den 8. Westdeutschen Kurzfilmtagen zu den Initiatoren des „Oberhausener Manifests“ gehörte, die die Abkehr vom „alten deutschen Film“ forderten. Und so wurde Alexander Kluge mit Filmen wie „Abschied von gestern“ (1966) konsequenterweise ein wichtiger Repräsentant des „Neuen Deutschen Films“.
Parallel dazu hatte er sich bereits nach dem Bestehen seines Assessorexamens 1958, wozu war er schließlich Volljurist, in West-Berlin und später in München als Rechtsanwalt niedergelassen. Ab 1963 lehrte er als Professor an der Hochschule für Gestaltung Ulm und leitete mit Edgar Reitz die Abteilung für Filmgestaltung. Im selben Jahr betätigte er sich auch erstmals unternehmerisch und gründete seine eigene Produktionsfirma Kairos-Film. 1973 wurde er Honorarprofessor an der Universität Frankfurt am Main. Es folgten beinahe 50 Bücher und mehr als 30 Filme, theoretisch-sozialwissenschaftliche Werke mit seinem Kumpel, dem Soziologen Oskar Negt, Essays und Kurzgeschichten, Hörspiele und Features.
Sein vielleicht größter Geniestreich aber war sein Wirken als Fernsehproduzent. Mit Gründung der dctp (Development Company for Television Program) und als deren Gesellschafter mit 37,5%igem Anteil schaffte er 1987 erstmalig eine Plattform für unabhängige Programme im deutschen Privatfernsehen und befüllte sie seitdem, „um das Fernsehen offen zu halten für das, was außerhalb des Fernsehens stattfindet“, mit großartigen selbstproduzierten Kulturmagazinen im Nachtprogramm von RTL, SAT1 und Vox wie „10 vor 11“, „Prime Time Spätausgabe“ und „News & Stories“. Dabei gelang es ihm spielend, seinen Freund Hans Magnus Enzensberger zu widerlegen, der das Fernsehen zum „Null-Medium“ erklärt hatte. Man kann wohl sagen, dass Kluges nächtliche Kultursendungen zum Interessantesten gehörten, was das Medium Fernsehen jemals hervorgebracht hat. Hier eine besonders gelungene Sendung mit dem Goethe- und Asienkenner Dr. Manfred Osten über die Opiumkriege zwischen England und China Mitte des 19. Jahrhunderts:

Wir wünschen alles Gute zum 90. Geburtstag!

justament.de, 5.7.2021: Loch in der Tasche

Scheiben vor Gericht Spezial: Vor 40 Jahren erschien „Stinker“ von Marius Müller-Westernhagen, der Schlusspunkt seiner Pfefferminz-Trilogie

Thomas Claer

Wer den Sänger Marius Müller-Westernhagen, heute 72, in den Neunzigern und Nullern erlebt hat, als er regelmäßig große Stadien füllte und mit manchmal ziemlich doofen Mitgröl-Hymnen beschallte, vergisst leicht, dass dieser Rock-Musiker auch ein durchaus interessantes Frühwerk und insbesondere eine grandiose „klassische Phase“ um das Jahr 1980 herum vorzuweisen hat, von der im Folgenden die Rede sein soll. Nach seinen stilistisch noch etwas orientierungslosen Anfängen in den mittleren Siebzigern gelang ihm nämlich der Durchbruch auf „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ (1978) und den beiden ähnlich gestrickten Nachfolgern „Sekt oder Selters“ (1980) und „Stinker“ (1981). In dieser Trilogie hat MMW seinen eigenen Stil gefunden: Gitarre, Bass, Schlagzeug, flotte Rockmusik mit witzigen deutschen Texten, geschult am drei Jahre älteren Kollegen und WG-Mitbewohner Udo Lindenberg, hier gewissermaßen in der rheinischen Variante. Später allerdings hat Westernhagen sich vorübergehend auf Synthesizer-Irrwegen verrannt, bevor er dann nach 1989 in den Stadion-Rock abgedriftet ist…
Doch von ihm bleiben wird die Pfefferminz-Trilogie mit ihren leichthändigen Songs, die allesamt kleine Alltags-Geschichten aus dem verwanzten und abgerissenen Großstadt-Milieu erzählen. Von „Willi Wucher“ etwa, dem dubiosen Antiquitäten-Händler, oder im Zuhältersong „Oh Margarethe, gib mir die Knete“. Über eine Prostituierte heißt es: „Sie hatte ‘nen Gang, den du dich nie traust, und rote Haare auch unten.“ Auf „Stinker“ wird die Musik dann noch einmal deutlich schneller und härter und die Texte mitunter noch krasser. Im Lied „Sex“ geht es offenbar um Gruppen-Vergnügungen. Und frenetisch wird der damalige neueste Stand der Technik bejubelt: „‘nen Videorekorder hab ich mir bestellt mit so schweinische Filme… Was kostet die Welt?“ Natürlich kann man diesen Texten, zumal aus heutiger Sicht, ihr testosterongetriebenes männliches Draufgängertum vorhalten, etwa im Eröffnungs-Lied „Ladykiller“. Aber na wenn schon! Den Gangsterrappern unserer Tage lässt man schließlich noch ganz andere Sachen durchgehen…
Der stärkste Song des Albums aber kommt erst ganz am Ende der Platte: Wer hat jemals einen überzeugenderen und schmutzigeren Blues in deutscher Sprache gehört als „Ich hab ein Loch in meiner Tasche“? Allein dafür kann man diesen Deutschrock-Pionier doch gar nicht genug rühmen!

Marius Müller-Westernhagen
Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz
WEA (Warner) 1978
ASIN: B0000517G8

Marius Müller-Westernhagen
Sekt oder Selters
WEA (Warner) 1980
ASIN: ‎B00000ARDI

Marius Müller-Westernhagen
Stinker
WEA (Warner) 1981
ASIN: ‎B0000517FY

justament.de, 4.1.2021: Nostalgie ist ihre Strategie

Scheiben Spezial: Element Of Crime machen einen 17-teiligen Podcast über jede ihrer Platten

Thomas Claer

Das wirklich wahre Leben ist, wie jeder Proustianer weiß, das Schwelgen in den eigenen Erinnerungen. Das dachten sich offenbar auch unsere Lieblings-Helden von Element Of Crime und haben für sich selbst und alle ihre Fans gesprächsweise noch einmal die guten alten Zeiten wieder aufleben lassen. 17 Teile – für jede Platte einen – umfasst ihre neue und zugleich erste Podcast-Serie. Es funktioniert ganz einfach: Man muss nur auf den folgenden Link klicken:

und landet dann, ohne sich noch umständlich irgendwo anmelden zu müssen, direkt in diesen bedeutsamen Männer-Gesprächen. Tatsächlich sind es einfach nur Worte, nichts als Worte, die Sven Regener, Jakob Ilja und Richard Pappik hier zum Besten geben. Doch wie könnte es anders sein: Schon nach den ersten beiden Folgen fühlt man sich als alter EOC-Fan reichlich beschenkt. Die 39 Minuten über ihr Debüt “Basically Sad” (1986) und mehr noch die 1 Stunde und 22 Minuten über den Nachfolger “Try To Be Mensch” vergehen wie im Fluge. Die Entstehungsgeschichte beinahe jedes einzelnen Songs und wie sich die Band überhaupt zusammengefunden (und zwischenzeitlich auch immer wieder zerstritten) hat, die prekäre wirtschaftliche Lage der Musiker in den ersten Jahren… Will man das alles wirklich so genau wissen? Die klare und erschöpfende Antwort darauf lautet: ja! Und was dann selbstredend auch noch dazukommt: Vor dem inneren Auge des Hörers werden dabei auch jene entrückten Momente wieder lebendig, als man diese Musik seinerzeit selbst zum ersten Mal und später dann immer wieder gehört hat… Das Urteil lautet: Spitze!

justament.de, 23.11.2020: Voll retro

“Die Heiterkeit”-Frontfrau Stella Sommer auf ihrer zweiten Solo-Platte “Northern Dancer”

Thomas Claer

Stella Sommer, die singende, musizierende, komponierende und textende examinierte Juristin, deren Veröffentlichungen mit ihrer Band “Die Heiterkeit” wir an dieser Stelle schon mehrfach mit Lob überschüttet haben, hat auch noch eine andere, lange Zeit verborgen gebliebene Seite. Und die lebt sie seit 2018 als Solo-Künstlerin aus. Wobei man einschränkend hinzufügen muss, dass sich die nominale Unterscheidung zwischen Band und Solo-Projekt wohl nicht jedem ihrer Hörer sogleich erschließen wird, da auf den “Heiterkeit”-Platten ja auch nur Stella Sommer mit wechselnden Begleitmusikerinnen agierte, während auf ihrer ersten “Soloveröffentlichung, der grandiosen Platte “13 Kinds of Happiness”, u.a. auch zwei frühere Bandkolleginnen von der “Heiterkeit” mitwirkten. Doch kommt es auf solche Feinheiten natürlich überhaupt nicht an. Und fest steht immerhin, dass sie auf ihren “Heiterkeit”-Alben deutsch singt und es manchmal auch indiegitarrenrockmäßig krachen lässt, wohingegen ihre Solo-Scheiben sich am Stil der Sechzigerjahre orientieren und (mit bislang einer Ausnahme: dem letzten Song der ersten CD) englisch besungen sind.

Es liegt nahe, dass Stella Sommer durch die vielen Nico (ex-Velvet Underground)-Vergleiche der Musikkritiker in all den Jahren auf den Trichter gekommen ist, selbst einmal eine Platte wie ihr stimmliches Leitbild, die frühe Nico, einzuspielen. Und dieser inzwischen schon mehr als zwei Jahre zurückliegende Versuch ist ihr so gut gelungen, dass sie nun mit dem Album “Northern Dancer” noch einmal nachgelegt hat. Abermals werden wir musikalisch und instrumental, auch optisch und was die ganze Inszenierung angeht (man betrachte nur das Video zum Song “A Lover Alone”, das mutmaßlich in einem englischen Park spielt!), in die frühen bis mittleren Sechziger zurückversetzt. Nur die Songtexte tanzen hier manchmal ein wenig aus der Reihe, denn die sind mitunter gewagter, als es seinerzeit (vor 1968!) opportun gewesen wäre. Das für mich schönste Lied der Platte, “Lights on the Water”, nicht ohne Grund effektvoll als “Hidden Track” ganz am Ende der CD platziert, beginnt mit den Worten: “Over this body I have limited control”. Da denkt man unwillkürlich an den alten Tocotronic-Song “Über Sex kann man nur auf Englisch singen”. Wäre ja sonst auch wirklich zu peinlich… Aber man erkennt auch, dass der an sich erfreuliche weigehende Wegfall sittlichkeitsgeleiteter Zensur heutzutage das Texten nicht unbedingt einfacher gemacht hat. Jedoch zieht sich Stella Sommer auch in dieser Hinsicht noch immer sehr achtbar aus der Affäre…

Alles in allem liefert “Northern Dancer” also, ähnlich wie sein Vorgänger, wieder ausnehmend stimmungsvolle Musik, die sich – passend zum aktuellen Corona-Lockdown – am besten alleine oder zu zweit genießen lässt. Wobei “Northern Dancer” die überwältigende düstere Eindringlichkeit von “13 Kinds of Happiness” dann allerdings doch nicht ganz erreichen kann. Das Urteil lautet: voll befriedigend (12 Punkte).

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Stella Sommer

13 Kinds of Happiness

Affairs of the Heart / Indigo 2018

ASIN: B07CPMDQ16

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Stella Sommer

Northern Dancer

Northern Dancer Records (Membran) 2020

ASIN: B08H4WQXMS

Oktober 2019: In eigener Sache

“Auf eigene Faust. Aktiensparen für Kleinanleger” von Thomas Claer demnächst nicht mehr als Buch erhältlich – aber dafür bald auf dieser Seite!

Am 30. November 2019 wird das Buch “Auf eigene Faust. Aktiensparen für Kleinanleger” (BoD 2012) vom Markt genommen und ist dann nicht mehr in gedruckter Form und als E-Book erhältlich. Wer sich also zum Preis von 10,00 Euro noch ein Print-Exemplar sichern möchte, zum Beispiel hier, hat dazu letztmalig bis Ende November die Gelegenheit. Wer aber nur am Inhalt interessiert ist, sollte sich noch etwas gedulden und dann gelegentlich diese Seite besuchen, denn ab Anfang 2020 wird das Buch mit aktuellen Kommentierungen versehen nach und nach auf thomas-claer.de erscheinen. Eine spätere Neuauflage als gedrucktes Buch ist nicht unbedingt beabsichtigt, aber auch nicht völlig ausgeschlossen.

Das im Sommer 2011 entstandene Buch konnte sich ohne besondere Werbeaktionen (außer einer kleinen Anzeigenserie in der Zeitschrift Justament, siehe Abbildung) bis heute immerhin 652-mal verkaufen, was bei Kleinauflagen dieser Art beinahe schon als “kleiner Bestseller” gilt. Allen, die es erworben haben, sei hiermit herzlich gedankt! Möglicherweise kann es künftig ohne “Bezahlschranke” ja sogar noch mehr Interessenten erreichen.