1. Januar 2011: Ahnenfoschung, Teil 1

Internet-Recherche zur Ahnenforschung über die Familie Claer

Thomas Claer

Ausgangspunkt ist der in der Familie Claer überlieferte Stammbaum, der bis auf meinen Ururgroßvater Franz Claer, geb. 1841 in Ostpreußen, zurückgeht. Bereits in der Anlage des Stammbaums äußert mein Großvater, Gerhard Claer, die Vermutung, dass die Vorfahren der Familie Hugenotten waren, die vor allem im 17. Jahrhundert, um religiös bedingter Verfolgung zu entgehen, aus Frankreich in den deutschen Sprachraum eingewandert sind. Weiterhin weist er in der genannten Anlage auch auf die abweichende, dem Französischen noch näher stehende Schreibweise „Clair“ hin, die in Ostpreußen ebenfalls auftritt. So ließen sich in Kirchenregistern des 19. Jh. in Ostpreußen einige Personen mit dieser Schreibweise des Namens finden, wobei als deren Berufsbezeichnung mehrmals Förster sowie Gendarm angegeben sei. Ferner wusste mein Großvater nach Aussage meines Onkels, Dr. Karl Scheibner, zu berichten, dass die Familie früher adelig war und „de Claer“ oder „de Clair“ hieß. Letzteres wurde aber von anderen Familienmitgliedern als Humbug abgetan.

Nunmehr eröffnet sich uns im digitalen Zeitalter aber die Möglichkeit, der Lösung des Rätsels auf relativ einfachem Wege näher zu kommen, nämlich durch eine simple Internet-Recherche, die ich also in diesen Tagen, zum Jahreswechsel 2010/2011, vorgenommen habe. Hier die Ergebnisse nebst meiner Interpretation:

Zunächst berichtet ein Nutzer eines Forums zur Ahnenforschung von einem seiner Vorfahren, Wilhelm Friedrich Claer, der 1824 in Corgeiten/Germau, Krs. Fischhausen/Ostpreussen, geboren und 1889 in Rahnkalwen /Dittlaken gestorben sei. Er sei „königlicher Forstaufseher, königlicher Förster“ gewesen. Sein Sohn Otto Wilhelm Claer, der am 28.12.1859 in Argenthal/Ostpreussen geboren worden sei, wäre „Revierförster, herrschaftlicher Förster“ gewesen und wohl in den 1890er Jahren nach Schlesien übergesiedelt. In der Familie sei „überliefert“, „dass in dem Namen wohl franz. Vorfahren verborgen liegen könnten“. (http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=19367)
Bezüglich der Familie „de Claer/de Clair“ wird man besonders fündig im Stadtarchiv Sankt Augustin (Rhein-Sieg-Kreis, NRW, Nähe Bonn). Dort heißt es unter Findbuch (SN 29 Familienarchiv von Claer): „Im Einzelnen enthält der Bestand 30 Archiveinheiten (AE) der Jahre 1652 bis 1978 … In der Familie von Clair/de Clair/de Clara lassen sich seit mehreren Jahrhunderten u.a. Personen nachweisen, die höhere Ränge in Verwaltung und Militär bekleidet haben. Die Familie siedelte sich im späten 17. Jahrhundert im Rheinland an und stellte mehrere kurkölnische Statthalter des Amtes Wolkenburg und der Burggrafschaft Drachenfels, mit Franz Bernhard de Claer (1785-1853) den zeitweiligen Adjutanten vom Landsturm im Siebengebirge, Stadtkommandeur in Bonn und Domänenrat sowie mit Eberhard von Claer (1871-1946) den langjährigen Bürgermeister des Amtes Menden (Rhld.).

Das Familienarchiv enthält Splitter aus dem privaten und beruflichen Leben einzelner Familienmitglieder zwischen 1652 und 1943. Der jeweilige Kontext erschließt sich häufig aus der 1929-1932 von Alexander von Claer verfassten Familiengeschichte (siehe Literatur).

Das Familienarchiv muss in früheren Jahren bedeutend umfangreicher gewesen sein und war zumindest in Teilen geordnet und nummeriert. Viele Einzelschreiben, die nicht mehr im Bestand vorliegen, sind in Alexander von Claers Familiengeschichte zitiert bzw. transkribiert. Offensichtlich wurden nach dem Zweiten Weltkrieg viele Schreiben des Archivs unter verschiedene Mitglieder der Familie von Claer/Trolldenier aufgeteilt.“ (http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp?archivNr=140&tektId=72&id=010&klassId=1)

Die älteste genannte Quelle ist: „1652 – Bewerbung des Bartholomäus de Clara beim Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg um eine Schöffenstelle in Rees (am Niederrhein, Anm. T.C.) samt urschriftlicher Antwort“.

Weiter heißt es: „Als Literatur zur Geschichte der Familie von Claer sind zu nennen:

J.J. Sluyter: Die rheinische Familie de Claer, in mehreren Ausgaben der Zeitschrift ’Niederrheinischer Geschichtsfreund’, Kempen 1882-1883 (mit zahlreichen handschriftlichen Ergänzungen im Bestand als SN 29/4).
Alexander von Claer: Familiengeschichte von Claer, München 1929-1932, Neuauflage Frankfurt/Main 1979 (im Bestand als „SN 29/1“ sowie in der Bibliothek des Stadtarchivs unter der Signatur „S06A Clae1“).“

Ebenfalls einiges zu bieten hat das Stadtarchiv Meckenheim (Rheinland, ebenfalls Rhein-Sieg-Kreis, südliches NRW): Dort findet sich auch Bildmaterial, darunter die Abbildung des Familienwappens. (http://www.stadtmuseum-meckenheim.de/geschichte.htm)

Johann Friedrich de Claer

Johann Friedrich de Claer


Wappen de Claer

Familienwappen de Claer

Außerdem findet sich ein Bericht in einer historischen Zeitschrift, wonach eine Kirche in Königswinter (ebenfalls in der besagten rheinischen Gegend belegen), nachdem sie durch einen verheerenden Brand vernichtet worden war, wiederaufgebaut wurde – und zwar mit den Geldern der Familie de Claer. „Zu ihrem Reichtum“, heißt es dort, „war die Familie de Claer im Geld- und Weingeschäft gekommen. Von 1711 bis 1755 war Philipp Heinrich de Claer Statthalter. Der vermögende Junggeselle wohnte in seinem repräsentativen Haus in der Haupt-Strasse – dem heutigen Haus Nr. 392.“ ( http://www.rheinkiesel.de/pdf/rk0508.pdf)

Die Namensänderung von „de Claer“ in „von Claer“, so weiß Wikipedia, erfolgte im späten 19. Jh.: „Eberhard war der Sohn des späteren Generalleutnants de Claer. Die Familie erhielt mit Genehmigung vom 28. April 1882 die Erlaubnis zur Führung des Namens von Claer.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_von_Claer_%28General%29)

Besonders erwähnenswerte Familienmitglieder sind schließlich:

1.    der bereits genannte Franz Bernhard de Claer (1785-1853). Er war Adjudant des 1813 gegründeten Freiwilligen Landsturms Banners des Siebengebirges zur Befreiung von der Franzosenherrschaft. Nach ihm wurde in Königswinter eine Straße benannt. (http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigswinter)
2.    der ebenfalls schon erwähnte Eberhard de Claer (1871-1946), langjähriger Bürgermeister des Amtes Menden und Privatgelehrter. Verfasser zahlreicher Beiträge in historischen Fachzeitschriften und Inhaber einer umfangreichen Sammlung von Abschriften aus Bonner Gerichtsakten der frühen Neuzeit (http://www.thomas-p-becker.de/TPB/Hexen/hexbonn.html)
3.    Bernhard Eberhard Theodor von Claer (07.12.1888 in Berlin –  29.03.1953 in Göttingen), General. (http://www.unithistories.com/officers/bio/german/HeerC.htm)

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4. Carl-Gideon von Claer (genannt „Atom-Claer“), Oberst der Reichswehr und später  Führungsstäbler der Bundeswehr für atomare Kampfführung sowie „militärischer Mitarbeiter“ des SPIEGEL und SPIEGEL-Autor. Verfasser einer SPIEGEL-Glosse am 13.2.1967 über adlige Seilschaften in der Bundeswehr („Das Monokel der Armee“). Wurde daraufhin aus Adelskreisen als „Nestbeschmutzer“ diffamiert, die ihm nahe legten, das „von“ aus seinem Namen zu streichen.  (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46369571.html, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46409541.html, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46394422.html)

5.    Eberhard von Claer (* 9. August 1856 in Lüben; † 28. April 1945 in Langensalza). Preußischer Offizier, zuletzt General der Infanterie im Ersten Weltkrieg. Am 25. August 1914 wurde er mit der Führung des neuaufzustellenden XXIV. Reserve-Korps beauftragt, bevor er am 12. September 1914 zum Kommandierenden General des VII. Armee-Korps (auch Westfälisches Korps) ernannt wurde. 1915 verlieh ihm der Kaiser in Anerkennung seiner Verdienste den Pour le mérite. (http://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_von_Claer_%28General%29)

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Grabplatte auf dem Invalidenfriedhof in Berlin

Eberhard_von_Claer_(_9._August_1856_in_Lüben;_28._April_1945_in_Langensalza)_in_1915

 

 

 

 

 

 

 

 

6.    Eberhard von Claer (* 9. Juni 1923 in Königsberg/Ostpreußen) ist ein deutscher Politiker (CDU). Während des Krieges zweimal verwundet und nach dem Krieg zu 90 Prozent schwerkriegsbeschädigt. Nach seiner Flucht 1945 aus Ostpreußen begann er in Göttingen sein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften. Zwischen 1949 und 1954 legte er sein juristisches Staatsexamen ab und war im Anschluss zwischen 1954 und 1960 in der Finanzverwaltung des Landes Niedersachsen beschäftigt. Vorsitzender des Landesverbandes Oldenburg der Union der Vertriebenen und Flüchtlinge in der CDU/CSU. 1976-1978 Mitglied des niedersächsischen Landtags. ( http://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_von_Claer)

7.  der auch bereits genannte Alexander Karl August von Claer (11.6.1862-11.8.1946). Major der Reichswehr, wird im Februar 1904 unter Beibehaltung seiner Stellung als Militärataché in China zum ersten deutschen militärischen Vertreter in Seoul ernannt (wenige Wochen vor Ausbruch des russisch-japanischen Krieges im Februar 1904). Wird genannt in der Liste „Germans in Korea prior to 1910“ Korea-Aufenthalte 04.03.1904 – 05.1905  und noch einmal 25.11.1906-27.11.1906 (Informationsreise). Verfasser der „Familiengeschichte von Claer“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_von_Claer) Verschickte mit anderen im Herbst 1880 ein Rundschreiben an die Alten Herren und den KSCV, um die Auswüchse und Mißbräuche der Kösener Sitten abzuschaffen. Die Zustimmung war groß. Unter den 4.077 Unterschriften der Beteiligungslisten waren die des Kronprinzen Wilhelm und des Fürsten Bismarck. (Zandersche Bewegung) (http://de.wikipedia.org/wiki/Corps)

Ferner gibt es die folgende Liste mit verstorbenen Trägern des Namens von Claer aus dem 20. Jh:

Claer, Christoph v., verunglückter Junge aus Kolberg
Claer, Erna v., Diakonisse in Rente aus Wiesbaden
Claer, Hans-Eberhard v., Fahnenjunker-Gefreiter aus München
Claer, Helmut v., Oberleutnant aus Vilich
Claer, Helmuth v., Leutnant aus Kolberg
Claer, Ilse v., geborene Schönian
Claer, Irmela v., geborene v.der Lancken, aus Frankfurt am Main
Claer, Otto v., Finanzgerichtspräsident ausser Diensten
Claer, Wichard v., Bundesbankdirektor ausser Diensten aus Frankfurt am Mai (Gedruckte Traueranzeigen des deutschen Adels 1912-2009 http://home.foni.net/~adelsforschung2/anzeig01.htm)

Bleibt nun aber noch die Frage, wie aus „de Clair/de Claer“ „Claer/Clair“ werden konnte. Zunächst ist, wie allen hier zusammengetragenen Belegen entnommen werden kann, auszuschließen, dass hier eine spätere Adelung einer ursprünglich nicht adeligen Familie vorliegt. Hier ist es genau anders herum. Die Namensvariante mit Adelstitel ist bis ins 17. Jahrhundert zurück zu verfolgen, die Variante ohne Adelstitel lediglich bis ca. 1830. Ein Teil der Familie muss also den Adelstitel verloren haben. Hierfür gibt es drei Möglichkeiten: 1. Aberkennung wegen schwerer Verfehlungen (Verbrechen etc.) – nicht sehr häufig aufgetreten, 2. freiwillige Ablegung aufgrund der politischen Einstellung (Sozialdemokraten, Kommunisten, später Grüne) – auch nicht so sehr häufig, 3.  Nachkommen von Adeligen durch Mesalliancen (nicht standesgemäße Verbindungen) oder Seitensprünge mit nachträglicher Legalisierung, in solchen Fällen wurde den Nachkommen oft das „von“ aberkannt, bzw. sie wurden aus dem Familienverband ausgeschlossen. – Das ist wohl die Ursache für viele Namensträger eines adligen Namens ohne “von”. (http://www.ahnen-und-wappen.de/forum/index.php?page=Thread&threadID=3991)

Aber wie kam die eher im Rheinischen angesiedelte Familie in Teilen nach Ostpreußen? Wohl nicht erst über den Vater des oben unter 6. erwähnten Lokalpolitikers Eberhard von Claer (* 9. Juni 1923 in Königsberg/Ostpreußen), nämlich Bernhard von Claer (wahrscheinlich ist es jener unter 3. genannte, also 07.12.1888 in Berlin –  29.03.1953 in Göttingen), der laut Wikipedia-Profil „im Militär tätig war“ und „häufig versetzt“ wurde. (http://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_von_Claer) Denn der Stammbaum der adelslosen Familie Claer in Ostpreußen reicht ja sogar bis ca.1830 zurück. Vielleicht wurden auch schon die preußischen Offiziere früherer Generationen mitunter in östliche Provinzen versetzt. Oder dem bereits aus der rheinischen Adelsfamilie de Claer ausgeschlossenen Vorfahren wurde zur Kaschierung der Familien-Schande eine Existenz als königlicher Förster weit draußen in Ostpreußen angeboten.

Aber all das ist bisher nur Spekulation…

Fortsetzung folgt.

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One response

  1. Its so wonderfull to now the family relations and relatives to.

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