www.justament.de, 7.9.2009: Irgendwas singen
Die neue Single von Element Of Crime macht Appetit aufs bald erscheinende Album
Thomas Claer
Na endlich! Die Lieblingsgruppe nicht nur vieler Strafrechtlerinnen und Strafrechtler setzt ihre sparsame Veröffentlichungspolitik mit der am 18. September erscheinenden neuen Platte „Immer da wo du bist bin ich nie“ fort, der ersten regulären CD seit vier Jahren. Als Vorgeschmack darauf gibt es jetzt schon eine Single gleichen Namens mit dem Titelsong und einer Coverversion des Andreas-Dorau-Klassikers “Blaumeise Yvonne”. Die Single erscheint wohlgemerkt nicht als CD, sondern lediglich als Download und als streng limitiertes kleines Vinyl. Aber macht Euch keine Hoffnungen, liebe Justament-Leserinnen und –leser! Nicht einmal mir ist es gelungen, eins der 500 Exemplare zu ergattern! Man kann es aber auch einfacher haben, indem man sich kurzerhand auf http://www.element-of-crime.de den Song anhört und das dazugehörige Musik-Video betrachtet.
Und das ist sehr vielversprechend, ein Ohrwurm geradezu. Ziemlich folkig, countrymäßig klingt das Ganze, weit weniger glattgebügelt als die letzten beiden (gleichwohl sehr starken) Alben, von der Songstruktur eine Mischung aus dem 1993er „Immer unter Strom“ und dem 2005er „Mittelpunkt der Welt“. Zum Text des Liedes ist zunächst zu sagen, dass es beckmesserisch wäre, an dieser Stelle die fehlende Kommasetzung in der Titelzeile zu monieren. Nur ein unverbesserlicher Pedant würde darauf insistieren, dass es sich hier um einen eingeschobenen Lokalsatz (als Sonderfall eines Adverbialsatzes) handelt, der durch Kommas vorne und hinten vom Hauptsatz abzutrennen wäre. Daher will ich auch gar nicht erst den Versuch unternehmen, darüber eine Diskussion zu beginnen, ob es nicht eigentlich „Immer da, wo du bist, bin ich nie“ heißen müsste. Vielleicht ist mir ja auch eine versteckte Doppeldeutigkeit des Titels entgangen, die erst durch diesen orthografische Mangel erreicht wird?
Es bleibt noch darauf hinzuweisen, dass jede Element Of Crime-Veröffentlichung mittlerweile ein Medienereignis geworden ist. Zahllose Interviews hat Sven Regener in diesen Tagen bereits gegeben, die sich leicht durch eine simple Google-Recherche finden lassen. Am erstaunlichsten aber fiel sein Statement aus, als er auf seine Songtexte angesprochen wurde: „Irgendwas muss man ja singen.“ Das muss man sich einmal vorstellen! Da gibt es inzwischen zahlreiche germanistische und literaturwissenschaftliche Arbeiten über die Lyrik von Element Of Crime, und er sagt dazu nur: „Irgendwas muss man ja singen.“
Nun gut. Wir erfreuen uns schon einmal an der Single und warten ungeduldig auf das Album, das gottlob auch als gute, alte Vinyl-Langspielplatte herauskommen wird. Ich meine, irgendwas muss man ja schreiben. Das Urteil lautet: vollbefriedigend (12 Punkte).
Element Of Crime
Immer da wo du bist bin ich nie
7’’ Vinyl-Single in limitierter Auflage (500 Stück) und Download-Single
Weitere Informationen auf: http://www.element-of-crime.de
Justament Okt. 2008: Warten aufs Album
Element Of Crime vertröstet uns vorläufig mit Filmmusik
Thomas Claer
“Je edler und vollkommener eine Sache ist”, so befand Arthur Schopenhauer in einem ansonsten überaus anrüchigen Text, “desto später und langsamer gelangt sie zur Reife.” Den Beweis für die Richtigkeit dieser Annahme liefert uns Element Of Crime, die wohl melancholischste deutsche Rockband aller Zeiten. Während es allgemein als ein Kennzeichen des schnelllebigen Genres Popmusik gelten kann, dass die Protagonisten jeweils rasch ihr kreatives Pulver verschossen haben, schießen – um in diesem Bild zu bleiben – die gereiften Elements auch nach 23 Bandjahren noch aus vollen Rohren. Zwar tun sie das längst nicht mehr so oft wie früher. Nur noch alle vier Jahre bringen die Mannen um Sänger und Texter Sven Regener ein Album heraus. Damit treffen sie dann aber zuverlässig und mit unerhörter Präzision direkt ins Herz ihrer Fans. Wer die den Ruhm der Gruppe begründenden Platten “Damals hinterm Mond” (1991) und “Weißes Papier” (1993) in ihrem poetischen Konzept für schlichtweg nicht mehr steigerbar hielt, wurde spätestens mit “Mittelpunkt der Welt” (2005) eines Besseren belehrt. Der “hohe Ton” der frühen Meisterwerke mit Anklängen ans Orchestrale und Pompöse ist inzwischen einer deutlich sparsamer verfahrenden schwermütigen Gelassenheit gewichen, die aus jeder Note und jeder Zeile in Regeners begnadeter Songlyrik spricht.
Nun haben Element Of Crime also wieder einmal Filmmusik gemacht – und erneut für eine Produktion des Regisseurs Leander Haußmann. Sieben Songs steuern sie zum offiziellen Soundtrack bei, zu dem daneben noch Künstler wie Vladimir Vissotski und Ed Csupkay beigetragen haben. Ein bisschen enttäuschend ist diese Art der Präsentation schon, denn neben drei reinen Instrumentalstücken liefern EoC nur vier “echte” Songs. Die sind dafür aber im wahrsten Sinne des Wortes “ganz großes Kino”. Vor allem “Ein Hotdog unten am Hafen”, das auch als Vinylsingle erhältlich ist, kann gefallen. Es ist nur so, dass die Lieder ohne den Film fast noch besser funktionieren… Das Gesamturteil lautet: voll befriedigend (11 Punkte).
Element Of Crime u.a.
Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe (Soundtrack)
Vertigo Be (Universal) 2008
Ca. EUR 17,00
ASIN: B001CLRCYS
Element Of Crime
Ein Hotdog unten am Hafen
Ltd. Edition Vinyl Single
Vertigo Be (Universal) 2008
Ca. EUR 7,00
ASIN: B001CGSPXK
