Februar 2013: Ahnenforschung, Teil 4

Neues zur Ahnenforschung über die Familie Claer

Hier ein paar neue Erkenntnisse, Überlegungen und Spekulationen zur Ahnenforschung über unsere Familie, die weniger auf neu verfügbaren Informationen basieren als vielmehr auf einer noch intensiveren und genaueren Auswertung des bislang schon Vorhandenen, auf dessen punktueller Weiterverfolgung im Internet und vor allem auf gedanklicher Puzzlearbeit.
Als sicher kann nach allen bisherigen Forschungen nur gelten, dass unser ältester nachweislicher direkter Vorfahre der Jäger Friedrich Clair/Claer/Clär (geb. Ende 1798/1799 in Ludwigswalde, 8 km südlich von Königsberg) ist. Sollte aber der am 10.6.1803 geborene Jäger Johan(n) Wilhelm Claer sein Bruder sein, was zu vermuten ist, dann wäre dessen Vater, der Unterförster Friedrich Wilhelm Claer d.Ä., auch der Vater unseres Friedrich Claer, also damit unser ältester bekannter direkter Vorfahre. Friedrich Wilhelm Claer d.Ä. selbst könnte, nach den Geburtsjahren seiner Söhne zu schließen, zwischen 1750 und 1780 geboren worden sein.

1. Die preußischen Offiziere

Ausgangspunkt der nun folgenden Betrachtungen sollen die schon mehrfach erwähnten Offiziere namens von Clair und von Cla(a)r aus der „alten preußischen Armee“ (also jener vor 1806) sein, deren Namen der preußische Offizier Otto de Claer (1827-1909), der als erster der rheinischen Familie de Claer dauerhaft das Rheinland verließ und in Berlin verstarb, aus alten Ranglisten entnommen hat. Es bestand laut der „Familiengeschichte von Claer“ keine (oder zumindest keine feststellbare) Verbindung zwischen ihnen und der rheinischen Familie de Claer.

Offiziere der alten preußischen Armee
Die Namen sind, mit Ausnahme von Nr.1, durch Otto v. Claer, fwb. 1827, gest. 1909, aus preußischen Ranglisten ausgezogen.
1. v. Clar, Fähnrich im Rgt. Prinz von Preußen, 1758 in der Schlacht bei Zorndorf verwundet (s. „Helden-, Staats- und Lebensgeschichte Friedrichs des Anderen“, Teil V, S. 173.
2. v. Clair, Lieut. Im Regiment Krockow, 1765 ausgeschieden
3. v. Clair, Capt. Bei den Ingenieuren, 1779 ausgeschieden
4. v. Clair, 1785 jüngster Fähnrich im Garnison-Regt. V. Pirch
5. v. Claar, 1781 und 1793. Zuletzt Major im Regt. Kronprinz von Preußen, beim Depot-Btl. Oranienburg.
6. v. Clar, 1785 Capt. Im Rgt. Prinz v. Preußen zu Fuß (Potsdam)
7. v. Clar (v. Claar) Friedr. Wilh., 1789 Capt. Im Regt. Nr. 18, gest. 1805
8. v. Claar, P.C. (?) im Regt. Kronprinz v. Preußen, 1790 ausgeschieden
9. v. Clair, 1797 Sec. Lieut. im Regt. Herzog v. Holstein-Beek in Königsberg
10. v. Clair, 1797 oder 1798 vom Regt. 11 in das Regt. Courbiere (Goldap, Gumbinnen, Oletzko) versetzt, dort 1798-1800 als Stabs.Capt. geführt. 1801 in das Regt. Herzog v. Braunschweig versetzt, dort noch 1805 und 1806 geführt. 1809 aus Regt. 4 ausgeschieden.

Ich schrieb hierzu vor einem halben Jahr:
„Insbesondere im Falle der beiden letzten in Ostpreußen stationierten v. Clairs (Nr. 9 und 10) sowie beim unter 7. Genannten Friedrich Wilhelm v. Clar lässt sich über eine Verbindung zu den Förstern spekulieren, denn die räumliche Nähe war gegeben bzw. der Name Friedrich Wilhelm trat auch bei den Förstern gehäuft auf. In diesem Falle wäre sowohl ein hugenottischer Ursprung (wenn es sich um z.B. aus Berlin versetzte Offiziere gehandelt haben sollte) als auch ein anglo-normannischer, auf die Familie des Bischofs von Samland Johannes Clare zurückgehender Ursprung denkbar.“

Bereits in meinen Aufzeichnungen von Ende 2011 hatte ich hierzu folgende Internetfundstellen ergänzt:
– „Neuer Nekrolog der Deutschen. Neunter Jahrgang 1831, Ersther Teil, Ilmenau 1831, Register zum 9. Jahrgang 1831: … v. Clair, Hauptm. zu Gumbinnen 668 (http://books.google.de/books?id=cO0SAAAAYAAJ&pg=PR24&lpg=PR24&dq=%22v.+clair%22+k%C3%B6nigsberg&source=bl&ots=fnGUwARkZ2&sig=b6v5C8CAQyUDIozIu67a_mVYURU&hl=de&ei=TyDQTsGVD8PHswaJsNitDA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CCUQ6AEwAg#v=onepage&q=%22v.%20clair%22%20k%C3%B6nigsberg&f=false)
– „Vaterländisches Archiv für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Agrikultur, oder Preußische Provinzial-Blätter, 22. Band, Königsberg 1839: S.68 ff (74): Zur Erinnerung an das fröhliche Litthauische Musikfest zu Gumbinnen am 12. und 13. Juni 1838… Sänger-Chor … Alto: … v. Clair, … (http://books.google.de/books?id=r94OAAAAYAAJ&pg=PA74&lpg=PA74&dq=%22v.+clair%22+k%C3%B6nigsberg&source=bl&ots=ooU4Tl_cMK sig=8TQlGHrwzst55rvlwktHwQdlgQM&hl=de&ei=TyDQTsGVD8PHswaJsNitDA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CCEQ6AEwAA#v=onepage&q=%22v.%20clair%22%20k%C3%B6nigsberg&f=false)(Die Stadt Gumbinnen war mit drei großen Kasernen eine bedeutende Garnison der preußischen Armee.) (http://de.wikipedia.org/wiki/Gumbinnen)
– Abgegangene und versetzte Kgl. Preußische Offiziere 1801: u.a. Clair, Stabscapitän v. (http://home.foni.net/~adelsforschung/rang20.htm)

Und ich kommentierte sie damals so:
„Daraus folgt, dass es sehr wohl denkbar wäre, dass ein abgegangener preußischer Offizier namens v. Clair oder v. Clar (die uneinheitlichen Schreibweisen der Personennamen in den Ranglisten der preußischen Armee waren berüchtigt) zwischen 1744 und 1824 zum Förster in Ostpreußen werden konnte. Aber diese Überlegung ist rein spekulativ.“

Als weitere einschlägige Fundstelle kommt hinzu das „Amtsblatt der Königl. Litthauischen Regierung 1813“, das für den Kreis Gumbinnen einen „Kalkulator Kapitain von Clair“ nennt. (http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=45048&page=10)

Zunächst ist unklar, um wie viele unterschiedliche Personen es sich bei der Liste der preußischen Offiziere und den übrigen Fundstellen überhaupt handelt. Am wenigsten Aufschluss hierüber können die genannten Dienstgrade geben, denn diese können sich natürlich im Verlauf einer militärischen Karriere durchaus (in der Regel aufsteigend) verändert haben. Doch gibt es glücklicherweise einen umfassenden Eintrag in einer genealogischen Internetdatenbank über den Hauptmann v. Clair zu Gumbinnen.

II. Der Hauptmann von Gumbinnen und seine Töchter

Es handelt sich hier nach Auskunft dieser englischsprachigen Datenbank (http://gedbas.genealogy.net/person/show/1025778960) – den Datensatz erstellte ein Herr Gerhard Hofmann aus Brisbane (Queensland in Australien, gerhard.hofmann@bigpond.com) am 18.2.2008 – um Wilhelm Theodor von Clair, geboren am 1.12.1767 und gestorben am 15.3.1831. Er wird dem Infanterieregiment 21 zugordnet. (Dieses wird bei Wikipedia als „Regiment zu Fuß (1713)“ bezeichnet. Als Standorte sind Halberstadt und Quedlinburg angegeben/http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Infanterieregimenter_der_altpreu%C3%9Fischen_Armee) Seine Frau, die er 1802 in Gumbinnen ehelichte, hieß Henriette Leopoldine Reichardt (deren Eltern waren: Heinrich Leopold Reichardt und Regina Wilhelmine Klodt oder Klost). (Über Heinrich Leopold Reichardt heißt es in: Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806/15, Teil 1 Biographien A-L, München 2009: „KD-rat Heinrich Leopold Reichardt 1748-1812, geb. in Frankfurt/o., gest. in Gumbinnen, hinterließ seine Frau Wilhelmine, geb. Kloth und seine Tochter Leopodine, verh. V. Clair und den Sohn Otto/ http://books.google.de/books?id=dwQ5XqLMxzMC&pg=PA787&lpg=PA787&dq=heinrich+leopold+reichardt&source=bl&ots=5W6eTyhHB0&sig=9sbJpDkrZoCscFXZ-YqoXbo7DOQ&hl=de&sa=X&ei=wQ8aUbrcBZHLtAbpgIFw&ved=0CC4Q6AEwAA#v=onepage&q=heinrich%20leopold%20reichardt&f=false)
Das Ehepaar hatte demnach sechs Kinder, von denen allerdings fünf schon im frühen Kindesalter verstarben, nämlich Leopold Otto Wilhelm von Clair (6.3.1820-4.4.1820 in Gumbinnen), Wilhelmine Auguste Leopoldine Agnes von Clair (1803-6.5.1803 in Halberstadt), Ottilie Henriette Auguste von Clair (7.10.1807-14.10.1807 in Gumbinnen), Auguste Therese Adolphine von Clair (1.8.1816-22.8.1816 in Gumbinnen) und Johanne Adolphine Wilhelmine von Clair (13.4.1818-5.5.1818 in Gumbinnen). Ihre Kindheit überlebte allein Wilhelmine Henriette Leopoldine von Clair (geb. 5.10.1811 in Gumbinnen, gest. 3.1.1863 in Königsberg). Sie heiratete im Jahr 1840 August Heinrich Janert und bekam mit ihm sieben Kinder. Es sind Nachkommen nebst Stammbaum bis ins 20. Jahrhundert aufgeführt.
Bereits aus diesen Angaben lässt sich leicht schlussfolgern, dass Hauptmann Wilhelm Theodor von Clair mindestens zeitweise ein – in heutigen Worten ausgedrückt – Pendler gewesen sein muss, der sich abwechselnd an seinem zumindest vorübergehenden beruflichen Einsatzort in Halberstadt und bei seiner Familie in Gumbinnen aufgehalten hat. Darüber hinaus wird beim oben genannten Offizier v. Clair Nr. 10, der 1797 oder 1798 nach Gumbinnen versetzt wurde, von einer Versetzung „1801 in das Rgt. Herzog von Braunschweig“ berichtet, in dem er noch 1805 und 1806 geführt wurde. Dieses Regiment, so weiß z.B. ein mit dem „Marsch vom Regiment Herzog von Braunschweig“ unterlegtes YouTube-Video,

http://www.youtube.com/watch?v=1BsOTOQA_fs

stand tatsächlich in Halberstadt. Demnach kann an der Identität des Offiziers Nr. 10 unserer Liste (dem „Stabs.Capt.“) mit dem späteren Hauptmann zu Gumbinnen kein Zweifel mehr bestehen. Das „Regiment 11“, aus dem er 1797 oder 1798 nach Gumbinnen versetzt wurde, auch genannt das „Regiment Herzog von Holstein-Beck“, war in Königsberg stationiert und hatte auch einen eigenen Marsch, der auf YouTube zu vernehmen ist.

http://www.youtube.com/watch?v=0JFrgqahMow

Somit dürfte sich also auch hinter dem „Sec. Lieut.“ im Regiment Herzog von Holstein-Beck im Jahr 1797, unserem Offizier Nr. 9, niemand anders als der damals 30-jährige Wilhelm Theodor von Clair verbergen. Ausgeschieden ist er schließlich im Jahr 1809, also im Alter von 42 Jahren, aus dem „Regiment 4“, das seit 1773 in Elbing/Ostpreißen stationiert war (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Infanterieregimenter_der_altpreu%C3%9Fischen_Armee), was auch gut ins Bild passt. Elbing liegt an der Ostseeküste, einige Kilometer südwestlich von Königsberg. Danach dürfte er „Kalkulator Kapitain“ im Kreis Gumbinnen (laut „Amtsblatt der Königl. Litthauischen Regierung“ war er es 1913) und später „Hauptmann zu Gumbinnen“ geworden sein, als welcher er 1831, in seinem Todesjahr, im „Neuen Nekrolog der Deutschen“ erwähnt wird. (Ein Nekrolog ist eine Liste kürzlich verstorbener Persönlichkeiten. Es passt also alles zusammen.)

Fahne_11_InfRgt_18th_century

Fahne des preußischen Infanterie-Regiments Nr. 11 in Königsberg

Außerdem könnte auch mit dem Offizier Nr. 4, dem „1785 jüngsten Fähnrich im Garnison-Rgt. V. Pirch“ Wilhelm Theodor von Clair gemeint gewesen sein, denn dieser war damals 18 Jahre alt. Das „Garnison-Regiment V. Pirch“ muss das preußische Garnisonregiment No. II gewesen sein, das ab 1777 von Georg Lorenz von Pirch befehligt wurde. (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Infanterieregimenter_der_altpreu%C3%9Fischen_Armee) Die Garnisonregimenter waren laut Wikipedia „in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts als Batallione gegründet und nur funktionsmäßig von den Feldregimentern abgegrenzt“ und wurden „Einheiten für Soldaten geringer Größe und Strafversetzte. Auch Offiziere waren strafversetzt, zusammen mit Halbinvaliden und Bürgerlichen.“ (Ebd.) Über den Standort dieses Garnison-Regiments No. II ist immerhin soviel zu erfahren, dass es sich vor und nach dem „Siebenjährigen Krieg“ (1756-1763) „in Pillau, Fischhausen und Friedrichsburg in Ostpreußen“ befunden hat. (http://www.figuren-modellbau.de/preussen-garnison-regiment-II-von-sydow-1756.html)

Auch in dieser Quelle heißt es: „Die Regimenter der Garnison-Infanterie nahmen Rekruten auf, die wegen geringer Körpergröße das Gewehr der Infanterie nicht schnell genug laden konnten und deshalb für den Felddienst untauglich waren. Offiziere kamen durch Strafversetzung zur Garnison-Infantrie, besonders aber wenn Sie in Folge von Verwundung oder mangelnder Fähigkeit für die Karriere in einem Feldregiment nicht mehr tüchtig genug waren. Im Siebenjährigen Krieg standen Garnison-Regimenter besonders gegen Kriegsende auf dem Feldetat der Armee.“ (Ebd.) Sollte tatsächlich Wilhelm Theodor von Clair 1785 der jüngste Fähnrich in diesem Garnisonregiment gewesen sein, dann hat er es gut als Karrieresprungbrett nutzen können.

Allerdings wird noch eine Person namens v. Clair – siehe oben – auf dem „fröhlichen Litthauischen Musikfest zu Gumbinnen am 12. und 13. Juni 1838“ erwähnt, also sieben Jahre nach dem Ableben des Hauptmanns. Da diese Person aber im Sängerchor als „Alto“ bezeichnet wird, was eine Frauenstimme ist, dürfte es sich entweder um die Frau des Hauptmanns, Henriette Leopoldine v. Claer, gehandelt haben, deren Lebensdaten nicht bekannt sind, oder um deren und des Hauptmanns Tochter Wilhelmine Henriette Leopoldine von Clair, die damals 26 Jahre alt war und erst zwei Jahre später heiratete.
Ferner wird jedoch in einer anderen englischsprachigen genealogischen Datenbank noch eine weitere Person namens v. Clair in Gumbinnen erwähnt, nämlich eine Louise von Clair, die am 10.3.1830 gestorben ist. (http://gw3.geneanet.org/pmlhennings?lang=en;pz=peter;nz=hennings;ocz=0;p=louise;n=von+clair) Am „fröhlichen Litthauischen Musikfest zu Gumbinnen am 12. und 13. Juni 1838“ kann sie also nicht mehr teilgenommen haben. Sie hat am 14.5.2024 in Gumbinnen einen Karl Heinrich von Aweyden geheiratet, der am 21. August 1787 in Groß Juckeln geboren wurde und am 3.6.1848 in Juckeln gestorben ist. Er war „Premierlieutenant“ und zuletzt in Gumbinnen im „Landw. Reg.“ Seine Eltern waren Friedrich Albert Ernst von Aweyden (1747-1827) und Louise Henriette Hallensleben (1750-1807). Louise bekam mit ihrem Mann in fünf Jahren Ehe fünf Kinder, dann starb sie. Es sind ferner direkte Nachkommen von ihr nebst einem Stammbaum bis immerhin ins späte 19. Jahrhundert angegeben. (Ebd.)

Wer aber war diese Louise von Clair? Vom Alter her könnte sie eine weitere Tochter des Wilhelm Theodor von Clair gewesen sein, aber sie ist in der oben angeführten Quelle nicht unter seinen Kindern mit aufgeführt. Da sie offensichtlich sehr standesgemäß geheiratet hat, könnte es sich bei ihr womöglich um eine Tochter des Wilhelm Theodor von Clair aus etwaiger erster Ehe (vielleicht mit einer adeligen Dame) handeln. (Die frühe Sterblichkeit der Frauen und Kinder jener Zeit resultierte nicht zuletzt aus dem fehlenden medizinischen Knowhow vor allem bei den Geburten. Und zur Zeit seiner Hochzeit mit Henriette Leopoldine Reichardt 1802 war Wilhelm Theodor von Clair bereits 35 Jahre alt. Da Louise von Clair im Jahr 1824 geheiratet hat, könnte sie durchaus auch schon vor 1802 geboren worden sein.) Oder aber es gab zu jener Zeit noch andere verwandte v. Clairs in Gumbinnen, zu denen Louise zählte.

Allerdings sind keinerlei Hinweise auf solche zu finden. Allenfalls die Erwähnung eines „Adjutanten v. Clair“ im Einsatz in der Türkei im Jahr 1829 während des russisch-türkischen Krieges (1828-1829) ließe sich auf den ersten Blick so interpretieren. In der Regensburger Zeitung, gedruckt und verlegt von Friedrich Heinrich Neubauer, Sonnabend, den 5. September 1829, heißt es:

Türkei: Der Courrier de Smyrne vom 2. August sagt: „Einige Briefe aus Konstantinopel sprechen von der nahen Abberufung eines der Botschafter einer europäischen Macht.“ Aus Konstantinopel meldet dasselbe Blatt vom 28. Jul., es scheine gewiß, daß der Pascha von Trapezunt zum Seradier der Armee in Asten ernannt sey. Die russische Eskadre liegt vor Trapezunt und beschieße es; auch bereite sie einen Angriff auf Inada. – Kud Smyrna vom 1. Aug.: „Am 25. Jul. Nachmittags kam der preußische Generallieutenant Baron v. Müffling, in Begleitung des Majors v. Küster und seines Adjutanten, v. Clair, in Smyrna an, und stieg am 26. Morgens bei dem preußischen Konsul Pezzer ab. Am nemlichen Tage, um 4 Uhr Nachmittags, ging der Adjutant des Generals nach Konstantinopel ab, wohin ihm am 27. Morgens der General selbst mit dem Major v. Küster und dem älteren Sohne des preußischen Konsuls folgte. General Müffling verließ Berlin mehrere Tage nach der Zusammenkunft II. MM. des Königs von Preußen und des Kaisers von Rußland. Mehrere Personen hörten aus seinem Munde, dass er von Seite des Kaisers der Ueberbringer der für die Pforte ehrenvollsten Friedensvorschläge sey; Europa wünsche den Frieden, und der Kaiser selbst wolle ihn, und sei zu Opfern bereit, um ihn hergestellt zu sehen…“ (Hervorhebungen von mir) (http://books.google.de/books?id=6uxDAAAAcAAJ&pg=PT275&lpg=PT275&dq=%22v.+clair%22+berlin&source=bl&ots=t4z6O0Xrwu&sig=C4b7ijpjTw2BzeoszcI7Yt8B5U4&hl=de&sa=X&ei=_XoXUeaTF4aVswbPiID4Bw&ved=0CDYQ6AEwAjgK#v=onepage&q=%22v.%20clair%22%20berlin&f=false)

Über den in Rede stehenden General Philipp Friedrich Carl Ferdinand Freiherr von Müfffling genannt Weiß heißt es bei Wikipedia: „Als Generalleutnant erhielt er 1829 eine Mission nach Konstantinopel, um die Pforte für den Frieden mit Russland geneigt zu machen…“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_von_M%C3%BCffling_genannt_Wei%C3%9F) Als „die Pforte“ oder „die hohe Pforte“ wurde damals der Sultanspalast in Istanbul als Synonym für den Sitz der osmanischen Regierung bezeichnet. (http://de.wikipedia.org/wiki/Hohe_Pforte) Mit dem „Kaiser“ ist der russische Zar Nikolaus I. gemeint. Die Ankunft der preußischen Gesandtschaft in der Stadt Stadt Smyrne (Izmir) an der Ägäis könnte per Schiff erfolgt sein.

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Generalleutnant von Müffling (1775-1851), den Hauptmann Wilhelm Theodor v. Clair am 26./27.8.1829 als Adjutant auf Friedensmission an den Bosporus begleitete.

Es handelt sich hier also um den wahrscheinlich zeitlich letzten Auftritt eines nicht dem rheinischen Familienzweig entstammenden v. Clair in der preußischen Armee. Zwar ist ein Adjutant laut Wikipedia „ein dem Truppenbefehlshaber zur Unterstützung beigegebener Offizier“, der den ranghöheren Offizier bei den verwaltungstechnischen Aufgaben zu unterstützen hat. (http://de.wikipedia.org/wiki/Adjutant) Doch fand hier offenbar keineswegs ein militärischer Einsatz statt, bei dem es auf jugendliche Körperkraft und Energie angekommen wäre, sondern vielmehr eine politisch-diplomatische Mission, die einen erfahrenen Strategen wie den damals 62-jährigen Wilhelm Theodor v. Clair, den Hauptmann zu Gumbinnen, verlangte, der in Konstantinopel offensichtlich eine späte berufliche Sternstunde erleben durfte. Wäre mit dem „Adjutanten v. Clair“, dem man im Jahr 1829 diese politisch so bedeutsame Aufgabe anvertraut hat, ein anderer Offizier namens v. Clair als Wilhelm Theodor gemeint gewesen, dann hätte dieser auch anderweitige Spuren hinterlassen müssen, was aber, soweit ich sehe, nicht geschehen ist. Es ist folglich davon auszugehen, dass es Hauptmann Wilhelm Theodor v. Clair zu Gumbinnen gewesen ist, der  am 26./27. August 1829 als Adjutant des Generals v. Müffling in Friedensmission in Konstantinopel zum Friedensschluss am Bosporus beitragen hat. Die damals lange (sicherlich mehrwöchige) und beschwerliche Reise in die Türkei könnte jedoch unter Umständen einen ungünstigen Einfluss auf die Gesundheit des 62-jährigen Hauptmanns genommen haben, denn nur knapp zwei Jahre darauf verstarb er.

Den weiteren Verlauf des Russisch-Türkischen Krieges schildert Wikipedia wie folgt: „Am 28. August standen die Russen bereits in Edirne, 60 km vor Konstantinopel. Auf den Straßen der osmanischen Hauptstadt brach Panik aus. Der Sultan hatte keine andere Wahl, als um Frieden zu ersuchen. Der Friedensvertrag wurde in Edirne am 14. September 1829 unterzeichnet. (http://de.wikipedia.org/wiki/Russisch-T%C3%BCrkischer_Krieg_%281828%E2%80%931829%29)

Boevoj_epizod_1828-1829

Russische Soldaten in Erwartung eines türkischen Angriffs

Über das hingegen wenig spektakuläre Leben des Militärs zu jener Zeit in der Stadt Gumbinnen, die – wie bereits erwähnt – mit drei großen Kasernen eine bedeutende Garnison der preußischen Armee war, weiß eine Quelle Folgendes zu berichten:

„Das Garnisonsleben vor 200 Jahren war natürlich nicht mit dem späteren Soldatenleben zu vergleichen. Im allgemeinen ließ sich der Dienst damals wohl ertragen. Im Jahr hatte der Soldat nur drei Monate Exerzierzeit, die übrigen neun Monate wurde die Mannschaft im weitgehenden Maße beurlaubt. Nur die Wachen mussten dauernd besetzt sein, und bei der täglichen Wachtparade in Gegenwart sämtlicher Offiziere wurde jedes Mal das ganze Exerzieren einschließlich Laden und Feuern durchgeführt.“ (http://www.kreis-gumbinnen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=123&Itemid=109)

Doch es gab auch Schattenseiten für die Offiziere:
„Längeren Urlaub — selbst zum Besuch eigener Güter — zu erhalten, war sehr schwierig. Wollte der Offizier länger als ein bis zwei Nächte fortbleiben, so musste das Gesuch über alle Dienststellen nach Berlin an den König gehen, „damit durch die nächste abgehende Post Sr. Königl. Majestät Allerhöchste Ordre und Permission dazu ergehen könnte”. Wie lange mag es trotz aller Beschleunigung bei den damaligen Postverhältnissen wohl gedauert haben, bis die Antwort eintraf! (9 Tage und 9 Nächte dauerte damals die Fahrt mit der Postkutsche von Gumbinnen nach Berlin!)“ (Ebd.)

Aber immerhin wird auch berichtet:
Gumbinnen muss damals geradezu als Großstadt im Verhältnis zu den kleinen masurischen Garnisonsstädten angesehen worden sein, denn ein Oberleutnant von Wedell schrieb zu jener Zeit an seine Braut: „Unsere Offiziere in Gumbinnen leben herrlich und in Freuden. Eine Komödie haben sie schon gegeben, und am Neujahrstag führen sie wieder eine auf.” (Ebd.)

Und weiter heißt es:
Von 1796-1811 standen hier einzelne Kompanien des Infanterie-Regiments Wildau, dessen Chef wohl als recht seltenes Original gelten kann. An jedem Markttage begab er sich in voller, reichbestickter Generalsuniform, auf dem Haupt den mit der Straußenfederkante geschmückten Dreispitz, in das Gewühl des ‘Wochenmarktes. In der Hand trug er wie eine brave Hausfrau das Marktnetz, das sehr wenig zu seiner sonstigen soldatischen Erscheinung passte…Wie so mancher preußische Offizier jener Tage war von Wildau Ausländer, wohl in Österreich geboren, aber innerlich sehr bald Preuße geworden. Wenngleich seine Bildung manche Lücke aufwies, konnte man ihn doch keineswegs als unbedeutenden Menschen bezeichnen; er war durchaus eine Persönlichkeit, ein vortrefflicher Soldat, der in vielen Anschauungen seiner Zeit weit vorauseilte. So führte er z. B. zum Erstaunen der damaligen militärischen Welt eine fast neuzeitlich anmutende Behandlung der Mannschaft ein.” (Ebd.)

Einen wirklich glücklichen Umstand darf man es aber nennen, dass in der genealogischen Datenbank auch die Eltern des Hauptmanns Wilhelm Theodor v. Clair genannt werden. Es sind Gottlieb August de Clair und Anna Rosine von Dobrakowska (http://gedbas.genealogy.net/person/show/1025778960) (nach anderen Quellen hieß die letztgenannte: Rosalie Anna Theresia de Clair, geb. Von Dobrokowska/http://www.myheritage.de/research?action=query&formId=1&formMode=0&qname=Name+fnmo.2+fnmsvos.1+fnmsmi.1+ln.Von%2F3Dobrakowska+lnmo.4+lnmsdm.1+lnmsmf3.1+lnmsrs.1&path=&rlmode=1).

III. Der Ingenieurscapitän aus Berlin
Dieser Gottlieb August de Clair, der laut den Angaben in dieser Datenbank am 29.7.1779 gestorben ist und dessen Name den Zusatz „Field Regiment 41“ trägt, ist für uns kein Unbekannter. In meinen Aufzeichnungen von Ende 2011 schrieb ich:

Zum anderen gab es einen Übersetzer und Königl. Preuß. Ingenieur-Capitain namens G.A. v. Clair, der u.a. 1771 auf „Allerhöchsten Königlichen Befehl“ ein Werk des Französischen Königs Ludwigs XIV. zur Kriegskunst und -geschichte aus dem Französischen ins Deutsche übertrug:
„353-1 Der Titel des Werkes lautet: Auszug derer gegen das Ende des verwichenen und im Anfange des gegenwärtigen Seculi angegriffenen und vertheidigten Städte, nebst einigen Lehrsätzen und Unterricht in der Kriegskunst, durch 16 Tabellen erläutert und mit nöthigen Kupfern versehen. Aus der Kriegsgeschichte Ludewigs XIV., die der Herr Marquis de Quincy 1726 beschrieben, auf Allerhöchsten Königlichen Befehl ins Deutsche übersetzt durch G. A. v. Clair, Königl. Preuß. Ingenieur-Capitain (Berlin, 1771). Der erste Teil behandelt die Lehre vom Angriff und der Verteidigung fester Plätze, der zweite bringt 9 Belagerungen aus den Jahren 1677 bis 1713 zur Darstellung. Der König ließ den Auszug 1772 den Regimentern zum Studium durch die Offiziere zugehen. Vgl. S. 38 und 293 f.“ (http://books.google.de/books?id=C-kaAQAAMAAJ&pg=PA643&lpg=PA643&dq=%22v.+clair%22+berlin&source=bl&ots=xitE8Iw_dF&sig=g6CCFhbofxH2GkRuRRxcsGn6I7Q&hl=de&ei=Zm7RTrrBHY_Mswa73vjGBQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CCoQ6AEwAg#v=onepage&q=%22v.%20clair%22%20berlin&f=false)

Und meine Schlussfolgerung über ihn und einen weiteren v. Clair in Berlin, der sich als Betreiber eines Portechaisen-Geschäfts von 1779-1789 hervortat, lautete damals:

„Der Portechaisen-Geschäftserwecker in Berlin bewegte sich in einer den Hugenotten bevorzugt vorbehaltenen Branche; der Übersetzer könnte sein zur Übertragung eines so komplexen Werkes erforderliches Sprachniveau im Französischen und Deutschen wohl gut als Einwanderer der zweiten oder dritten Generation erlangt haben. Doch bleibt eine Verbindung zu unserer Familie natürlich auch bei diesen Personen höchst fraglich.“

Dieser Königl. Preuß. Ingenieur-Capitain G.A. v. Clair ist also offensichtlich identisch mit Gottlieb August de Clair, dem Vater des Hauptmanns Wilhelm Theodor v. Clair. In einer weiteren englischsprachigen genealogischen Datenbank findet sich das Geburtsdatum eines „Aug. gottlieb De Clair“: 1731. (http://www.myheritage.de/research?formId=master&formMode=&action=query&qname=Name%20fn.gottlieb%2F3august%20fnmo.2%20fnmsvos.1%20fnmsmi.1%20ln.de%2F3clair%20lnmo.4%20lnmsdm.1%20lnmsmf3.1%20lnmsrs.1) Und schließlich erscheint im „Verzeichnis der in den Grüften der Berliner Garnisonskirche zwischen 1703 und 1829 beigesetzten Personen auch der Eintrag: 1778 1730 Clair Gottlieb August von Ingenieur-Kapitän (http://www.garnisonfriedhof-berlin.de/112.html).
Über die Berliner Garnisonskirche und den Garnisonsfriedhof heißt es bei Wikipedia: „Der Alte Garnisonfriedhof ist ein denkmalgeschützter ehemaliger Friedhof im Berliner Stadtteil Mitte. Er liegt in der Nähe des U-Bahnhofs Rosenthaler Platz an der Kleinen Rosenthaler Straße, Ecke Linienstraße, und beherbergt mehrere erhaltenswerte Grabmäler vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert, darunter Gräber einiger bis heute bekannter Persönlichkeiten vor allem aus der preußischen Militärgeschichte. … Er wurde um 1706 gegründet, wobei die genauen Zeitangaben hierzu nicht überliefert sind. Damals erhielt die schon 1655 gegründete evangelische Garnisongemeinde Berlins auf Anweisung des Königs Friedrich I. für die Bestattung ihrer Toten ein Grundstück am damaligen Stadtrand, zwischen dem Rosenthaler und dem Schönhauser Tor. Dieses Grundstück war wesentlich größer als der heute erhaltene Friedhof, da er auch das Gelände östlich der heutigen Gormannstraße beinhaltete. Dieser längst bebaute östliche Teil war für Bestattungen von Soldaten bestimmt, während der westliche Teil an der Kleinen Rosenthaler Straße vornehmlich als Begräbnisstätte für Offiziere des preußisch-deutschen Heeres genutzt wurde. Ebenfalls Anfang des 18. Jahrhunderts wurde in der Nähe des Friedhofs die Kirche der Garnisongemeinde errichtet. 1722 wurde sie wiederaufgebaut, nachdem sie bei einer Explosion des Berliner Pulverturmes zerstört worden war; die Zahl 1722 am Eingangsportal des Garnisonfriedhofs weist bis heute auf das Jahr ihrer Einweihung hin. … Unter den zahlreichen ranghohen Militärs, die im 19. Jahrhundert auf dem Alten Garnisonfriedhof beigesetzt wurden, sind auch viele bekannte Namen aus der deutschen Militärgeschichte zu finden. Auch einige prominente Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft liegen hier begraben.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Alter_Garnisonfriedhof)

 Garnisonfriedhof-alt-01

Eingangstor zum Garnisonsfriedhof

Angesichts der leicht voneinander abweichenden Angaben zu den Lebensdaten des Gottlieb August (oder auch August Gottlieb) de (später: v.) Clair ist festzuhalten, dass er wohl von 1730/1731 bis 1778/1779 gelebt hat.
An dieser Stelle ist daran zu erinnern, dass Otto de Claer (1827-1909), dem Spross der rheinischen Familie de Claer, der als preußischer Offizier als erster des rheinischen Familienzweiges in östliche Gefilde aufbrach und in Berlin verstarb, erst Ende des 19. Jh. vom deutschen Kaiser die Erlaubnis erteilt wurde, seinen Namen und den seiner Familie in „von Claer“ zu ändern. Möglicherweise war in ihm ja, als er die Namen der v. Clairs aus den Offizierslisten der alten preußischen Armee ausgezogen hatte, der Wunsch entstanden „Das will ich auch!“ Doch während die Namensgebung und erst recht die Namensschreibweise im 18. Jahrhundert noch weitegehend frei gehandhabt werden konnte, war das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schon nicht mehr der Fall. Es ist somit anzunehmen, dass Gottlieb August de Clair bei seinem Namenswechsel vom „de“ zum „von“, sofern dieser überhaupt formal stattgefunden hat, keine großen rechtlichen Hürden zu überwinden hatte.

Außerdem ist noch einmal auf die oben angeführten Offiziersliste zurückzukommen: Deren Nr.3 war: „v. Clair, Capt. Bei den Ingenieuren, 1779 ausgeschieden“ Da Gottlieb August von Clair nur 48 Jahre alt wurde, ist er also offensichtlich im Jahr 1779 durch seinen Tod oder durch eine diesem vorausgehende Krankheit aus seinem Militärdienst ausgeschieden. Mit „Capt. bei den Ingenieuren“ ist wohl in etwa das gleiche gemeint wie mit der Bezeichnung „Königl. Preuß. Ingenieur-Capitain“. Auch der Offizier Nr. 3 unserer Liste wäre also somit erkannt.
Darüber hinaus könnte sich auch hinter dem Offizier Nr. 2: „v. Clair, Lieut. Im Regiment Krockow, 1765 ausgeschieden“ Gottlieb August von Clair verbergen. Zu jener Zeit war er 34 Jahre alt und könnte schlicht das Regiment gewechselt haben. Doch genauso gut könnte sich auch ein anderer Verwandter hinter dem Offizier Nr. 2 verbergen. Das „Regiment von Krockow“ muss das Dragonerregiment D II gewesen sein, das von 1759 bis 1778 von Anton von Krockow („Jung-Krockow“) befehligt wurde. (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kavallerieregimenter_der_altpreu%C3%9Fischen_Armee) Dessen Standort lässt sich allein durch Netzrecherche nicht ermitteln.
Demnach handelt es sich bei den Offizieren namens v. Clair auf unserer Liste um lediglich zwei, maximal um drei unterschiedliche Personen, nämlich wahrscheinlich nur um Wilhelm Theodor v. Claer (Nr. 4, 9 und 10) und seinen Vater Gottlieb August de Clair (Nr. 2 und 3). Die anderen genannten Offiziere namens v. Cla(a)r (Nr. 1,5,6,7,8) sind – wie es aussieht – zumindest nicht mit jenen identisch. Ob sie überhaupt etwas mit der Familie v. Clair zu tun haben, ist eher fraglich, allerdings ist es auch nicht auszuschließen.

Zurück zu Gottlieb August de Clair, dem königlich preußischen Ingenieurscapitän. Was ist überhaupt ein Ingenieurscapitän? Auskunft gibt sehr detailliert eine Quelle aus dem Internet:
Das Ingenieurcorps bestand ausschließlich aus hochspezialisierten Offizieren, die – so würden wir heute sagen – als Bauingenieure für die „Architectura Militaris“ ausgebildet waren. Ende des 18. Jahrhunderts waren jedoch die Berufe der Baumeister, Handwerke, Architekten und Ingenieure nicht so scharf abgegrenzt wie heute.
Seit 1775 wurden Ingenieure in einer eigener Akademie, getrennt von den zivilen Bauingenieuren, ausgebildet. Es ist der erste Versuch, eine gleichartig ausgebildete Ingenieurtruppe zu schaffen. Zur der mehrjährigen Ausbildung gehörten Mathematik (Darunter dürfen wird uns vornehmlich Geometrie und Zeichenlehre vorstellen) , Grundlagen der Physik, Theorie der Artillerie- und Mineurkunst, Topographie, Vermessungswesen, Feldbefestigung, Lagerkunst, „große Kriegsbaukunst“, Civil- und Wasserbau. Ob eine praktische Ausbildung als Handwerker mit zur Ausbildung gehörte, ist dem Autor nicht bekannt. Über die erreichten Qualifikationen wissen wir wenig. Diese Akademie wurde 1807 nach dem verlorenen Krieg aufgelöst und erst 1816 als „Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule“ wiedererrichtet.
Das Ingenieurcorps war in drei verschiedene Brigaden eingeteilt, die für die verschiedenen Festungen zuständig waren. Diese Brigaden wurden kommandiert von einem Oberbrigadiers und mehreren
Unterbrigadieren. Im Jahre 1806 umfaßt das Ingenieurcorps unter Generalleutnant v. Geusen ca. 70 Offiziere und Eleven. Die Aufgaben eines „Ingenieur de la Place“ einer Festung, rangmäßig meist ein Premierlieutnant oder Capitaine, waren in Friedenszeiten die Planung und Bauleitung ziviler und militärischer Bauten in den Landesfestungen. Vielfach wurden die Ingenieure auch als Kartographen eingesetzt, aus denen sich später die Ingenieur-Kartographen hervorgehen sollten. Er wickelte auch die finanziellen Transaktionen ab, galt mithin auch als anfällig für Korruption. Sein Dienst war im „Reglement für das königlich preußische Ingenieur Corps“ von 1790 festgeschrieben.
Im Kriege leitete er die förmlichen Belagerung von Festungen, die Verteidigung derselben (nach dem Kommandanten) und ließ Feldbefestigungen anlegen. Hierzu arbeitete er mit den Mineuren (gebildet aus Bergleuten) und Sappeuren (in der Regel Deichbauer) zusammen, die in eigenen Kompanien organisiert waren. Der Brückenbau oblag den Zimmerleuten, den Pontonniers, die der Artillerie zugeordnet waren. Gelegenheit für einige Ingenieure, das Handwerk der förmlichen Belagerung vor dem Krieg von 1806 zu erlernen, dürfte sich nur bei der Belagerungen von Metz und Longwy (beide 1792) sowie Mainz und Königstein/Taunus (beide 1793) ergeben haben. Mithin darf man also wenig praktische Erfahrung auf der Seite der preußischen Ingenieure vermuten, weil zudem auch die Bautätigkeiten in allen Landesfestungen seit dem Tode Friedrichs II stagnierten.
Mit der Demission Walraves 1748 hatte das Ingenieurcorps die Reputation eingebüßt. Die Reorganisation der Armee unter Friedrich-Wilhelm II hatte daran nur wenig geändert. Ingenieure wurden von den traditionellen Standes- und Bildungseliten eher gering geschätzt, zumal die meisten Offiziere bürgerlicher Herkunft waren. Ingenieuroffiziere hatten z.B. keine Burschen, also das Statussymbol der anderen Offiziere. Die Chancen für das Avancement waren gering.
Das Ingenieurcorps galt als zunftmäßig, da dessen Mitglieder mit Lineal und Dreieck in der Hand eigentlich nur Baumeister in Uniform gewesen seien und das Wesentliche ihres Berufes in rein
äußerlicher Nachahmung ihrer Vorbilder wie Pagan, Vauban und Coehorn erblickt hätten (Major Pullett vom Ingenieurcorps, 1807). Und weiter: Die unter Friedrich mehrenteils siegreichen aktiven Kräfte, welche die Defensive nie entscheidende Gelegenheit gaben, … sind eine der Hauptveranlassungen unserer vernachlässigten Festungsdefensive und des mit ihr innig verwebten Ingenieurcorps. Die Montur (siehe Abbildung) war typisch für das ‘Ancien Régime’ und glich der der Infanterie (Merta). Die Abzeichenfarbe am Kragen, Rabatten und Ärmelaufschlägen war aus schwarzem Manchester (Samt). Westen und Hosen waren weiterhin weiß. Dazu wurden scharze Schaftstiefel und Hüte mit schwarzgewurzelten Federbüschen getragen. Die silbernen Besatzmuster auf dem dunkelblauen Rock wurden nur auf dem Paraderock getragen. (http://www.ingenieurgeograph.de/Publikationen_/Ingenieure_1806.pdf)

Ramm_Ingenieuroffizier_1803xxIngenieur_1760_Menzel_offizierxJugel_Wolff_Ingenieuroffizier_1813xx

Und was hat es mit dem „Regiment 41“ auf sich, in dem Gottlieb August de Clair laut den Angaben in der Datenbank gedient hat, wahrscheinlich zwischen 1765 (Versetzung aus dem Dragonerregiment) und seinem Tod 1779? Es handelt sich um „das frühere Füsilier-Regiments Neuwied“, das zu jener Zeit von Matthias Ludwig von Lossow (1717-1783) befehligt wurde. Der Standort war allerdings Minden in Westfalen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Infanterieregimenter_der_altpreu%C3%9Fischen_Armee)

Das erstaunt zunächst, denn schließlich ist der königlich preußische Ingenieurscapitän Gottlieb August v. Clair in Berlin in der Garnisonkirche begraben worden, und in Berlin ist immerhin auch im Jahre 1771 das von ihm „im allerhöchsten königlichen Auftrag“ aus dem Französischen übersetzte Buch über die Kriegskunst Ludwigs XIV. erschienen (wobei letzteres nicht viel bedeuten muss). Doch wäre es gut vorstellbar, dass Gottlieb August v. Clair zur Übersetzung dieses offenbar für den preußischen König so brisanten Werkes von seinen militärischen Aufgaben freigestellt worden war und zumindest vor 1771 längere Zeit in Berlin mit seinen bedeutenden Bibliotheken verbracht hat.

Hier ist noch kurz zu ergänzen, dass der preußische König, der Gottlieb August v. Clair diesen Auftrag erteilte, Friedrich II. (1712-1786) war, auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt. Unter ihm konnte Preußen sechs Jahre zuvor im Siebenjährigen Krieg (1758-1765) durch die Einverleibung Schlesiens zur europäischen Großmacht aufsteigen, und er bereitete offenbar schon die nächste territoriale Ausdehnung vor: die erste Teilung Polens im Jahr 1772. Womöglich hat ihm und seinen Offizieren das von Gottlieb August v. Clair 1771 übersetzte Buch über die Kriegskunst Ludwigs XIV. dazu Anregungen gegeben.

Partitions_of_Poland_german

Karte Polens vor und nach seinen drei Teilungen 1772, 1793 und 1795. Man erkennt, dass Ostpreußen, insbesondere das Gebiet um Königsberg, zwischen 1660 und 1772 eine preußische Exklave innerhalb Polens war.

Somit kann immerhin eines als sehr wahrscheinlich gelten: Bei der preußischen Offiziersfamilie de Clair / v. Clair, die keine feststellbaren Verbindungen zur rheinischen Familie de Claer / von Claer aufweist, handelt es sich um Hugenotten, also um französische Glaubensflüchtlinge, die im späten 17. Jahrhundert Aufnahme in Preußen fanden. Dafür sprechen sowohl die hohe Anzahl von Hugenotten unter preußischen Offizieren jener Zeit als auch der französisch anmutende Name als auch die deutsch-französische Sprachkompetenz des als Übersetzer im höchsten königlichen Auftrag tätigen Gottlieb August v. Clair, die typisch für Angehörige einer zweiten bis dritten Einwanderergeneration ist. Außerdem hat – wie gesagt – ein weiterer „Berliner Bürger namens v. Clair“ im Jahr 1779 in Berlin ein bis 1789 nachweisbares Portechaisen-Geschäft betrieben, was ein für Hugenotten in Berlin typisches Geschäftsfeld gewesen sein soll. Womöglich ist dieser „Bürger v. Clair“ ein weiterer Sohn des Gottlieb August v. Clair gewesen, der in dessen Todesjahr 1779 das väterliche Erbe als Startkapital für sein Portechaisen-Unternehmen genutzt hat. Er wäre dann ein älterer Bruder des späteren Hauptmanns zu Gumbinnen Wilhelm Theodor v. Clair (1767-1831) gewesen und käme auch als Vater der oben genannten Louise v. Clair in Betracht.

Fraglich bleibt aber der Wohnsitz des Gottlieb August v. Clair. Vieles spricht – siehe oben – für Berlin. Es deutet zumindest nichts darauf hin, dass er in Ostpreußen gelebt haben könnte. Sein Sohn Wilhelm Theodor (1767-1831) war hingegen spätestens ab 1797 in Königsberg stationiert und heiratete 1802 in Gumbinnen, wo er seit 1798 stationiert war und wo seine Familie, vermutlich auch während seiner Versetzung nach Halberstadt, fortan lebte.

Welche Rolle spielte die Ehefrau des Gottlieb August v. Clair und Mutter des Wilhelm Theodor v. Clair, die den klangvollen Namen Anna Rosine von Dobrakowska (oder auch Rosalie Anna Theresia von Dobrokowska) trug? War sie, worauf der Name schließen lässt, eine polnische Gräfin? Hatte Wilhelm Theodor v. Clair nach dem frühen Tod seines Vaters Ländereien im Osten geerbt, die ihn erst in östlichen Gefilden sesshaft werden ließen? (Nach damaligem Recht durften Frauen bekanntlich selbst keine Grundeigentumsrechte innehaben.)

IV. Mögliche Verbindungen
Nun sind wir am entscheidenden Punkt angelangt, dem einer möglichen Verbindung zwischen den ostpreußischen Jägern Clair/Claer und der preußisch-hugenottischen Offiziersfamilie de Clair/von Clair.
Ganz zu Beginn meiner Untersuchungen, Ende 2010, schrieb ich am Anfang meiner Aufzeichnungen:

Ausgangspunkt ist der in der Familie Claer überlieferte Stammbaum, der bis auf meinen Ururgroßvater Franz Claer, geb. 1841 in Ostpreußen, zurückgeht. Bereits in der Anlage des Stammbaums äußert mein Großvater, Gerhard Claer, die Vermutung, dass die Vorfahren der Familie Hugenotten waren, die vor allem im 17. Jahrhundert, um religiös bedingter Verfolgung zu entgehen, aus Frankreich in den deutschen Sprachraum eingewandert sind. Weiterhin weist er in der genannten Anlage auch auf die abweichende, dem Französischen noch näher stehende Schreibweise „Clair“ hin, die in Ostpreußen ebenfalls auftritt. So ließen sich in Kirchenregistern des 19. Jh. in Ostpreußen einige Personen mit dieser Schreibweise des Namens finden, wobei als deren Berufsbezeichnung mehrmals Förster sowie Beamter angegeben sei. Ferner wusste mein Großvater nach Aussage meines Onkels, Dr. Karl Scheibner, zu berichten, dass die Familie früher adelig war und „de Claer“ oder „de Clair“ hieß. Letzteres wurde aber von anderen Familienmitgliedern als Humbug abgetan.“

Es würde also alles gut zusammenpassen, wenn es eine solche Verbindung gäbe. Wir können sie allerdings (noch) nicht nachweisen und haben auch nicht einmal vage Hinweise darauf, wie sie ausgesehen haben könnte. Es lässt sich an diesem Punkt also ausschließlich spekulieren.
Zunächst könnte der Offizier Nr. 7 unserer Liste einen Anhaltspunkt liefern: „ v. Clar (v. Claar) Friedr. Wilh., 1789 Capt. Im Regt. Nr. 18, gest. 1805“. Von den Lebensdaten her könnte es sich durchaus um den Vater von Friedrich Clair (geb. 1798/99) und/oder Johann Wilhelm Claer (geb. 1803) handeln, und der Vorname Friedrich Wilhelm würde ja auch passen. Dann müsste man aber seinen Familiennamen in der preußischen Namensliste verfälscht haben (was immerhin denkbar wäre), und vor allem müsste er sein „von“ verloren haben und später Jäger geworden sein. All das klingt unwahrscheinlich genug. Vor allem hätte er dann aber wohl eher nicht als „von“ und mit Sterbedatum in der Liste gestanden. Außerdem war das Regiment, in dem dieser Friedrich Wilhelm v. Cla(a)r stationiert war, das Infanterieregiment Nr. 18, das 1742 bis 1786 „Prinz von Preußen“ hieß (weshalb es sich vermutlich bei den Offizieren Nr.1,5,6 und 8 unserer Liste ebenfalls um diesen Friedrich Wilhelm handelt), in Bernau, Köpenick, Oranienburg und Potsdam stationiert (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Infanterieregimenter_der_altpreu%C3%9Fischen_Armee), was noch nicht auf eine Verbindung nach Ostpreußen schließen lässt. Zwar ist diese Variante nicht auszuschließen, es spricht aber wohl mehr dagegen als dafür.
Eine weitere Möglichkeit wäre, dass der Portechaisen-v. Clair, der mutmaßliche Sohn des Ingenieurscapitäns Gottlieb August v. Clair, durch eine allmähliche oder plötzliche Veränderung der verkehrstechnischen Vorlieben der damaligen Bewohner Berlins im Jahr der Französischen Revolution zur Geschäftsaufgabe gezwungen wurde. Womöglich hatte er dabei sein gesamtes Kapital verloren und sogar Kredite aufgenommen, die er nun nicht mehr bedienen konnte. Als Bankrotteur in jener vorkapitalistischen Zeit blieb ihm vielleicht nur ein vergleichsweise bescheidener Neuanfang unter Verlust des Adelstitels und seiner bürgerlichen Reputation als Unterförster in Ostpreußen, möglicherweise gerade in jenen dem preußischen Staat damals frisch einverleibten vormals polnischen Ländereien. Auch beim Portechaisen-v. Clair könnte es sich also um Friedrich Wilhelm Clair/Claer d.Ä. gehandelt haben, zumal es vom Alter her ebenfalls passen würde: Wenn der Portechaisen-v. Clair zur Zeit seiner Unternehmensgründung 1779 vielleicht 20 bis 30 Jahre alt war, käme er ohne weiteres noch als Vater von Friedrich und/oder Johan(n) Wilhelm Clair/Claer 1798/99 und 1803 in Betracht. Doch ist diese Variante mangels näherer Indizien für sie ziemlich aus der Luft gegriffen. Anders wäre es erst, wenn sich herausstellen sollte, dass der Portechaisen-v. Clair tatsächlich den Vornamen Friedrich Wilhelm getragen hat.
Oder der spätere Jäger Friedrich Wilhelm Clair/Claer d.Ä. (geboren vermutlich zwischen 1750 und 1779, siehe oben) war ein Fehltritt des Gottlieb August de Clair (1731-1779), den man womöglich durch Vermittlung der auf Skandalvermeidung bedachten Ehefrau Anna Rosine auf eines ihrer Güter im Osten und später auf eine Stelle als Unterförster komplimentierte. Es war, wie bereits erwähnt, durchaus üblich, dass die unehelichen Kinder von Adligen, sofern diese sie anerkannten, deren Namen ohne das Adelsprädikat trugen. Noch plausibler wäre vielleicht das Szenario, dass Gottlieb August de Clair beim Besuch eines der östlichen Landgüter seiner Frau, der mutmaßlichen polnischen Gräfin Anna Rosine von Dobrakowska, mit einer „Niedergestellten“, etwa einer Köchin oder Magd, einen Sohn erzeugte, der dann den Namen Friedrich Wilhelm Claer trug, dort aufwuchs und später Unterförster wurde.
Auch die Möglichkeit einer Mesalliance, einer nicht standesgemäßen Verbindung, die zur Aberkennung des Adelstitels führen konnte, habe ich in meinen früheren Aufzeichnungen bereits angesprochen. Vielleicht wurde es Friedrich Wilhelm von seiner Familie ja verübelt, dass er die womöglich nicht standesgemäße Susanna Hoemke ehelichte (vgl. meine Aufzeichnungen von 2012). Übrigens erscheint auch eine Susanna Elfriede Hoemke in einer der genealogischen Datenbanken im Inernet. (http://www.werelate.org/wiki/Person:Susanna_Hoemke_%281%29) Allerdings hat sie demnach bereits am 28.3.1779 in Neu Sorgem, Kreis Fischhausen/Ostpreußen, mit ihrem Mann Martin Braeuer einen Sohn namens Gottfried Breyer (Braeuer) bekommen, der wiederum als „Lohnhofmann, Kämmerer, Dragoner“ arbeitete und am 2.10.1804 in Germau, Kreis Fischhausen/Ostpreußen eine Susanna Loysa Kleinfeld (geb. 1773) heiratete. (http://www.werelate.org/wiki/Person:Gottfried_Breyer_%281%29) Als deren Tochter ist Henriette Breyer (1814-1875) vermerkt, deren Nachkommen nebst Stammbaum dort bis in die Gegenwart angegeben sind. Sollte es sich tatsächlich um dieselbe Susanna Hoemke handeln, dann hätte sie bemerkenswerterweise 24 Jahre nach ihrem ersten Kind (1779) im Jahr 1803 Johan(n) Wilhelm Claer geboren (und vielleicht ja auch schon 1798/99 Friedrich Clair/Claer). Womöglich liegt hier ein Skandal verborgen, der zur Aberkennung des Adelstitels des Friedrich Wilhelm geführt hat.
Gibt es noch andere Möglichkeiten, wie es gewesen sein könnte? Durchaus. Vielleicht war das mit der angeblichen Verbindung zur Adelsfamilie de Clair auch nur das Wunschdenken bestimmter Angehöriger unserer Familie, und in Wirklichkeit geht die Familie, wie es der Hugenotten-Forscher Dierk Loyal vermutet hat, vielmehr auf David Clerc aus St. Imier im Berner Land zurück, der 1712 nach Ostpreußen einwanderte, sich in Matzutkehmen ansiedelte und in Judtschen bei Gumbinnen 1718 heiratete. Allerdings heiratete seine Witwe bereits 1724 erneut, und Kinder von ihm sind nicht bekannt. Auch von den anderen beiden in Ostpreußen registrierten Clercs ist nicht bekannt geworden, dass sie Kinder gehabt hätten. (Siehe meine Aufzeichnungen von 2012).
Ferner gab es, worauf Dierk Loyal auch hingewiesen hat, in Gumbinnen bzw. Bibehlen im Kreis Gumbinnen seit 1711 die Familie L’eauclair (Locklair, Loclair), die – wie es in einem Internet-Blog heißt, aus Montval in der französischen Schweiz stammt und sich bis 1624 zurückverfolgen lässt. (http://forum.ahnenforschung.net/archive/index.php/t-27612.html) Noch heute gibt es namenstragende Nachkommen dieser Familie Loclair in bzw. bei Berlin wie Dr. Holger Loclair, den Geschäftsführer der Firma Orafol Europe in Oranienburg, die sich unter seiner Verantwortung „zu einem der Weltmarktführer im Bereich der Spezialfolien und Klebesysteme entwickelt“ hat.  (http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/961058) In einem Zeitungsbericht über ihn heißt es: „Manche sagen, er könnte diesen gesunden Unternehmergeist von seinen hugenottischen Vorfahren geerbt haben, die es im 17. Jahrhundert nach Ostpreußen verschlagen hatte.“ (Ebd.) Doch gibt es außer einer gewissen Namensähnlichkeit keinerlei andere Hinweise darauf, dass sich von der Familie Loclair eine Linie Clair/Claer abgespalten haben könnte. Allerdings schließt Dierk Loyal seine Auskunft mit den Worten: „In Berlin gibt es die Familie le Clerc. Es könnte sein, dass Familienmitglieder von dort nach Ostpreußen wanderten.“
Und noch ein Umstand könnte neben der familiären Überlieferung, auf die auch unser entfernter Verwandter Andreas Z. hinweist (siehe meine Aufzeichnungen von 2012), ein kleines Indiz für hugenottische Wurzeln der Familie darstellen. Wie ich ebenfalls in meinen Ausführungen von 2012 dargestellt habe, war der „mit einem Forstversorgungsschein versehene invalide Oberjäger Johann Wilhelm Claer“ 1838 auf seiner Försterstelle bestätigt worden. Ich schrieb dazu damals:
Der Forstversorgungs-Schein wurde z.B. Jägern ausgestellt, die im preußischen Garde-Jäger-Bataillon gedient hatten. Wikipedia weiß hierzu: „Seit Mitte des 19. Jahrhunderts rekrutierte sich das Bataillon überwiegend aus dem Bürgertum sowie Angehörigen der Forstwirtschaft. Seit 1871 wurde ihm die gleiche Zahl gelernter Jäger wie dem Garde-Jäger-Bataillon zugewiesen. Diese konnten nach zwölfjähriger (Unteroffiziere nach neunjähriger) Dienstzeit den „Forstversorgungsschein“ erwerben.“ (Er sicherte den betreffenden Personen offenbar den Anspruch auf eine öffentlich besoldete Försterstelle.) „Das preußische Garde-Jäger-Bataillon war 1814 errichtet worden. … Die Umgangs- und Kommandosprache war zunächst Französisch, erst ab 1816 durften mündliche und schriftliche Befehle nur noch auf Deutsch erteilt werden.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Garde-Sch%C3%BCtzen-Bataillon) Johann Wilhelm Claer war also vermutlich in einer zunächst bevorzugt französisch sprechenden Armee-Einheit. Und überhaupt schien es damals einige Verbindungen zwischen Armee und Förstern gegeben zu haben, die über den jeweiligen Schusswaffengebrauch hinausgingen.
Aber ist denn jetzt wenigstens der anglo-normannische Hintergrund vom Tisch? Auch das nicht unbedingt, wobei mir allerdings nunmehr eine Verbindung zum Bischof vom Samland Johannes Clare doch allein aufgrund der enorm langen Zeit bis zurück ins 14. Jahrhundert als noch  unwahrscheinlicher erscheint als eine Verbindung zur hugenottischen Offiziersfamilie. Und schließlich könnten die Wurzeln der hugenottischen Offiziersfamilie ja durchaus in der Normandie liegen und ihrerseits auf Rollo den Wikinger zurückgehen.
Möglicherweise sind wir jetzt ans Ende unserer Forschungen gekommen, da sich die entscheidenden Details heute vielleicht schlichtweg nicht mehr feststellen lassen. Dennoch sollte es sich lohnen, weiter Ausschau nach Indizien zu halten, die noch etwas mehr Licht ins Dunkel bringen könnten.

(10.2.2013)

V. Nachtrag: Die hugenottische Familie le Clair / le Clerc in Berlin

Es ist gar nicht einfach, einen vorläufigen Schlussstrich unter die Forschungen zu ziehen, denn immer wieder ergeben sich neue Ansatzpunkte, deren Verfolgung sich als ergiebig erweist. Die folgenden Funde zur hugenottischen Familie le Clair / le Clerc in Berlin, auf die ich noch gestoßen bin, kann ich aus Zeitgründen nicht mehr in den vorhergehenden Text einarbeiten. Aber sie sind doch so bedeutend, dass sie nicht unter den Tisch fallen sollten und es daher verdienen, noch abschließend angefügt zu werden.
In meinen Ausführungen von 2012 erwähnte ich den umfangreichen Datenbankauszug, den ich von der Deutschen Hugenottengesellschaft in Bad Karlshafen erhalten hatte. Ich schrieb zum Namen le Clair in Berlin:
Daneben gibt es vier Damen aus Berlin: Anne Francoise Clair (geb. 1734); Dlle. Marie le Clair (le Clerc, Cler), Patin am 27./31.7.1724 bei Abraham Jacques Louis; Susanne le Clair /le Clerc), Patin am 1.1.1727 bei Etienne Gedeon, am 3./5.1.1727 bei Jean Louis Matthieubei: Dlle. Dorothee Claire, Patin 1717 bei Paul Ravenel; und schließlich in Stettin eine Anne Susanne le Clair (le Clerc), am 10.4.1739 dort getraut mit dem 28-jährigen “droguiste” Jean Tournier.

Und ich schloss damals daraus:
Eine Verbindung zwischen Friedrich Claer / Friedrich Wilhelm Claer und den hugenottischen Clairs /Le Clairs/ Le Clercs insbesondere aus Magdeburg oder Berlin (wo es ja auch noch den Sänften-v. Clair und den Übersetzer v. Clair gab; vgl. meine Infos von 2011) wäre denkbar, wenngleich alles andere als zwingend.

Nun wird tatsächlich der oben ausführlich beschriebene Ingenierscapitän Gottlieb August de Clair / v. Clair (1730/1731 bis 1778/1779) in anderen Quellen auch als Gottlieb August le Clair genannt.
In „Karlheinz Gerlach, Die Freimaurer im Alten Preußen 1738-1806. Die Logen zwischen mittlerer Oder und Niederrhein, Teil 1, Studienverlag Innsbruck 2007“ werden unter 3.18 die „Mitglieder der Logen De la sagesse, Zur Weisheit und Zur Standhaftigkeit“ aufgeführt. Auf S.78 heißt es:

… Heinze, Magdeleine (Madeleine) Touros Gf. d’, Chevalier Seigneur de Millon266 (1729 Paris-7.12.1810 Luckenwalde), kath., 1741 franz. Dienste, 1742-1749 Feldzug gegen Österreich: Belagerung von Mons (verwundet), Maastricht (verschüttet), 1746 Leutn., 1749 Kapt. im IngKorps, 1760 Major im franz. IngKorps,
14.2.1768 Oberstleutn. im pr. IngKorps, 1768 kartograph. Aufnahme d. Festung Kolberg (mit Ingenieurkapt. Le Clair), 1773 Marienburg mit bes. Auftrag für 79 d. Festungsbau in Westpr., 1778/79 Feldzug, 1787 Oberst, Brigadier für Pr. u. Pomm. im 4. Departement d. Oberkriegskollegiums, 1793 Generalmajor, Oberbrigadier d. Ingenieurs in Pr. u. Pomm., 31.12.1796 dim., begabter Ingenieur, in erster Linie Theoretiker, heir. 1. Julie Elisabeth Charlotte de Colonet de Lignières, geschieden, 2. Magdalene Fury de la Tour de Vigny; aff. 29.10.1777, 1782 3… (Hervorhebung von mir) (https://fedora.e-book.fwf.ac.at/fedora/get/o:56/bdef:Content/get)

Es kann kein wohl Zweifel daran bestehen, dass hier Gottlieb August de Clair / v. Clair gemeint ist. Aber es kommt noch besser. Folgenden Eintrag fand ich in der „Politischen Korrespondenz“ Friedrichs des Großen, welche komplett digitalisiert bei der Universität Trier abrufbar ist:

OEuvres de Frédéric le Grand – Werke Friedrich des Großen
Digitale Ausgabe der Universitätsbibliothek Trier
Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, 38. Band:
Nr. 25140. An der Kammerdirector von Gaudi znd die Ingenieur-Capitans Le Clair
Schreiber: Friedrich (Preußen, König II.)
Empfänger: Gaudi, Karl Friedrich Ludwig von
Empfänger: Le Clair, Friedrich Wilhelm von
Ort: Potsdam
Datum: Potsdam, 19. November 1776

25140. An den Kammerdirector von Gaudi und die Ingenieur-Capitains Le Clair
Potsdam, 19. November 1776.
Se. Königl. Majestät lassen Dero Geheimen Rath von Gaudi und Dero Ingenieur-Capitains Le Clair auf die Berichte vom 11. Dieses hierdurch zu erkennen geben, dass, sobald Höchstdieselben die Ratification von der République Polen haben, alsdenn auch die Garnisons aus denen abgetretenen Städten weggezogen werden sollen; (FN: Die polnischen Commissare forderten die unverzügliche Räumung der Ortschaften der Woywodschaft Gnesen, sobald der Grenzzug festgesetzt sei.) aber erst muss die Ratification da sein, eher gehet das nicht an. (FN: Am 23. November unterrichtet der König Gaudi, er sei „nunmehr entschlossen“, dem Wunsche der polnischen Commissare gemäss, „sobald der Grenzzug überall völlig zu Stand gebracht worden sein wird, alsdann, ohne die Ratification desselben abzuwarten“, seine Truppen aus allen zurückzugebenden Ortschaften und Städten zurückzuziehen. Gaudi kann „solches denen polnischen Commissarien vorläufig bekannt machen, um sie dadurch zu fernerer Fortsetzung des Grenzzugs desto williger zu machen“.) Wornach Sie sich also zu achten und ferner dahin zu sehen haben, um Sr. Königl. Majestät allerhöchstes Interersse bei der Grenzregulirung möglichst zu beobachten.
Nach dem Concept.           Friderich (http://friedrich.uni-trier.de/de/politKorr/38/428/)
(Hervorhebungen von mir.)

Nun ist also plötzlich von „Dero Ingenieur-Capitains Le Clair“ die Rede. Wenn ich richtig verstehe, ist das die Pluralform. Gab es also sogar zwei Ingenieur-Capitaine Le Clair? Im Archivierungstext des Briefes (jedoch nicht in diesem selbst; vielleicht aber auf dem Briefumschlag?) steht nun allerdings nicht „Gottlieb August“, sondern „Friedrich Wilhelm von Le Clair“.
War das der mutmaßliche Sohn des Gottlieb August, der Portechaise-Unternehmer? War das immerhin auch technischen Sachverstand erfordernde Portechaisen-Geschäft eine Art Gesellenstück des jungen Ingenieurs Friedrich Wilhelm von Le Clair? Aber konnte man in so jungem Alter schon Ingenieurs-Capitain sein? Vielleicht war es doch eher ein Bruder oder Cousin des Gottlieb August? Sollte dieser Friedrich Wilhelm aber doch der Sohn des Gottlieb August gewesen sein, dann käme er rein altersmäßig und auch, was den Vornamen betrifft, als Vater des Johan(n) Wilhelm Clair/Claer (geb. 1803) und vielleicht auch unseres Vorfahren Friedrich Clair (geb. 1798/99) in Betracht. Als Sohn des Gottlieb August de Clair / v. Clair (1730/1731 bis 1778/1779) könnte Friedrich Wilhelm zwischen 1750 und 1755 geboren worden sein, wäre dann im Jahr des Briefes von Friedrich dem Großen, 1776, ein junger Erwachsener gewesen und hätte drei Jahre später, 1979, nach dem Tod des Gottlieb August, auch ein Portechaisen-Geschäft eröffnet haben können. Und schließlich hätte er dann im Alter von Mitte 40 bis Anfang 50 noch als Unterförster in Ostpreußen mit der ebenfalls nicht mehr ganz jugendlichen Susanna Hoemke (siehe oben) eine Familie gründen können. Nur müsste er dazu noch sein „von“ und seinen Titel eines „Ingenieurs-Capitäns“ verloren haben, vielleicht, indem er bei ihrer Majestät, dem preußischen König, in Ungnade gefallen ist. Das wäre immerhin eine Möglichkeit neben vielen anderen…

Als weiterer Beleg für die Identität des Ingenieur-Capitäns de Clair/von Clair mit „le Clair“ kann die folgende „Kabinets-Ordre“ des Friedrich II. zur Verteilung des von diesem übersetzten Buches über die Kriegskunst Ludwigs XIV. an seine Offiziere gelten:

Von Taysen zitiert aus der Kabinets-Ordre, “mittelst welcher der König die Vertheilung einer Anzahl Exemplare der Uebersetzung and die Truppentheile verfügt hat” […]:
‘Mein lieber General-Major von Anhalt. Ich gebe Euch hiermit auf, daß Ihr die 159 Exemplaria des von dem Capitain le Clair auf Meine Ordre übersetzten Werkes denen General-Inspekteurs nach Maasgabe Eures hierbei zurückkommenden Aufsatzes zufertigen und selbigen zugleich von meinetwegen bekanntmachen sollet, dieses auch denen Regimentern unter der Auflage zuzuschicken, daß selbige die Officiers zu dessen fleißiger Lesung, besonders auf denen Wachten, wo sie gemeiniglich ihre Zeit sehr unnütz zuzubringen pflegen, gehörig anweisen und anhalten sollen. Ich bin etc.
Potsdam, den 7. Februarii 1772 Friedrich.'” (“Militärische Schriften” Friedrichs des Großen, hrsg. von Adalbert von Taysen, Berlin 1882, S. 315-316 [Militärische Klassiker des In- und Auslandes]). http://friedrich.uni-trier.de/de/oeuvres/29/id/003000000/meta/)

Nun wurden aber, wie sich an den eingangs dieses Kapitels zitierten Auszügen aus der hugenottischen Datenbank erkennen lässt, häufig die Namensschreibweisen le Clair und le Clerc synonym benutzt: „Dlle. Marie le Clair (le Clerc, Cler)“; “Susanne le Clair /le Clerc)”; Anne Susanne le Clair (le Clerc). Auch hat der Hugenottenforscher Dierk Loyal ausdrücklich von einer Familie le Clerc in Berlin gesprochen, aus der Angehörige nach Ostpreußen gezogen sein könnten, von denen womöglich die ostpreußische Familie Claer abstamme.
Sucht man aber nach „le Clerc“ in Berlin, so wird man fündig bei Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der Preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806/15. Dort ist aufgeführt:

Kammergerichtsrat Louis le Clerc (1733-1795)
Geb. Berlin 13.6.1733, gest. ebda. 27.1.1795, frz-reformiert; Vater: Jean Henri, 1713-1786, Hofrat; Mutter: Susanne, 1715-1776, e. geb. Gillet; Schule: besuchte d. Frz. Gymnasium in Berlin); Studium: schrieb sich am 27.4.1754 in Frankfurt/O. (für die Rechte) ein; Laufbahn: engagierte sich im preußischen Heer; machte als Auditeur im Infanterie-Regiment Prinz von Preußen den Siebenjährigen Krieg mit, etwa 1763 verabschiedet; im Frühjahr 1764 zum Kammergerichtsrat genannt, fungierte als solcher noch 1776, damals auch Revisionsrat beim Frz. Obergericht; seit Spätherbst 1782 Geh. Rat beim Frz. Oberdirectorium, rückte hier auf eigenen Wunsch für den verst. Segond de Hamchet ein, s.d.; 1795 gest.; Quellen: GStA, 1, Rep. 96 B, Nr. 160, Berlinische Nachrichten Nr. 48v. 21.4.1764 (Bestallung), Nr. 147 v. 7.12.1782, Adres-Calender Berlin, Matrikel; Archiv d. Frz. Kirche Berlin; (http://books.google.de/books?id=dwQ5XqLMxzMC&pg=PA558&lpg=PA558&dq=ingenieur+capitain+le+clerc&source=bl&ots=5W6eTukED1&sig=Nt8Qjimpzn4uojpO7jMaxD6aKPc&hl=de&sa=X&ei=IX4ZUbW2MZCRswav-oAI&ved=0CFsQ6AEwBw#v=snippet&q=le%20clerc&f=false)

Von den Lebensdaten ausgehend, könnte es sich beim Kammergerichtsrat Louis le Clerc (1733-1795) um einen Bruder oder Cousin des Gottlieb August le Clair / de Clair / v. Clair (1730/31-1778/79) handeln. (Nachkommen hat er offenbar keine hinterlassen noch war er verheiratet, denn anderenfalls wäre das, wie bei anderen Einträgen in diesem Handbuch auch, sicherlich vermerkt worden.)  Die in der Datenbank genannte Anne Francoise Clair (geb. 1734) aus Berlin könnte eine Schwester oder Cousine der beiden gewesen sein. Hingegen gehören die gem. der hugenottischen Datenbank anderen drei in Berlin ansässigen Damen namens le Clair/Clair, die zwischen 1717 und 1727 diverse Patenschaften für Kinder übernommen haben, wahrscheinlich nicht einmal zur Generation der Eltern des Kammergerichtsrats Louis le Clerc (geb. 1733) und des Ingenieur-Capitains Gottlieb August le Clair / de Clair / v. Clair (geb. 1730/31), sondern zur Generation von deren Großeltern. Auch die Eltern des Kammergerichtsrats, nämlich Hofrat Jean Henri le Clerc (1713-1786) und seine Frau Susanne (1715-1776) waren offenbar deutlich jünger. Somit könnten die genannten drei Patentanten, so wie vermutlich die Eltern von Jean Henri le Clerc und seiner Frau, sogar der Einwandergeneration aus Frankreich entstammen, die wohl Ende des 17. Jahrhunderts nach Berlin gekommen sein muss.
Zu guter Letzt ist noch darauf zu verweisen, dass in der wissenschaftlichen Studie „The Berlin refuge, 1680-1780: learning and science in European context“ von Sandra Pott, Martin Mulsow und Lutz Danneberg, die das intellektuelle Leben der Berliner Hugenotten thematisiert, unter den „Directoren und Autoren“ ausgewählter Journale im 17. Jahrhundert/um 1700 ein J. Le Clerc dem Titel „Nouvelles de la République des lettres“ zugeordnet wird. (http://books.google.de/books?id=0YBRb0LPHzAC&pg=PA178&lpg=PA178&dq=Jean+Henri+le+clerc+berlin&source=bl&ots=KJACahsX_8&sig=pmh5nZ0oUrm0qje3O1DRG1i0Hlw&hl=de&sa=X&ei=X4UZUb3qMsbBswbyo4CYCg&ved=0CF4Q6AEwCDgK#v=onepage&q=Jean%20Henri%20le%20clerc%20berlin&f=false) Vielleicht war das der Vater oder Großvater von Kammergerichtsrat Jean Henri le Clerc…

VI. Zweiter Nachtrag: Der Jäger Clair im Kampf mit einem Keiler und ein Müller in Zielenzig

Der „Newsflow“ reißt nicht ab. Hier die Jagdgeschichte über den Jäger Clair zu Möllendorf im winterlichen Kampf mit einem Keiler im Jahr 1820 in drei Versionen:

Version 1:
Allgemeines Forst- und Jagd-Archiv, Band 6, Seite 2239:
Der beherzte Jäger
Am 21sten Nov. 1820. ging der 61jährige Jäger Clair aus Möllendorf, in Schlesien, in den Forst, und spürte bey dem frisch gefallenen Schnee ein starkes wildes Schwein. Auf der Fährte folgend fand er dasselbe bald, und schoß es mit einer Kugel auf das Blatt. Nach dem Schuß verfolgte es der Hund, und stellte es in einiger Entfernung. – Clair, der unterdessen sein Gewehr wieder geladen hatte, kam dem Schweine so nahe, daß er nochmals schießen konnte. Zum Unglücke versagte ihm aber die Büchse. Der Keiler nahm ihn hierauf an, schlug ihm den Schenkel bis auf den Knochen durch und warf den alten Mann zu Boden. – Dieser faßte nun das Schwein beim Gebreche (Rüssel) und zerrte sich mit dem ergrimmten Keiler so lange herum, bis der Hund dem Schweine das Kurzwildbrat fast ganz zersetzt hatte; worauf der Keiler flüchtig wurde.
Clair, obgleich ihm die bedeutende Verwundung am Schenkel sehr schmerzte, und mehrere Finger zerquetscht waren, suchte sich das in den Schnee gefallene Gewehr wieder auf, setzte dasselbe in gehörigen Stand, verfolgte das Schwein, und schoß ihm, als es ihn wieder annahm, auf den Kopf.
Nachdem Clair das Schwein mit vieler Anstrengung aufgebrochen hatte, eilte er nach Haus, wo er wegen des großen Blutverlustes ohnmächtig wurde und mit Heilung der Wunden lange zubrachte. (http://books.google.de/books?id=A307AAAAcAAJ&pg=PA239&dq=j%C3%A4ger+clair&hl=de&sa=X&ei=0WcqUcq9FsT1sga95oD4Aw&ved=0CDcQ6AEwAQ#v=onepage&q=j%C3%A4ger%20clair&f=false)

Version 2:
Der Wanderer auf das Jahr 1821, Erster Band (Jänner bis Ende Juny), Wien 1821, Seite 7:
Donnerstag, 4. Januar 1821:
Königreich Preußen
Für Jagdliebhaber setzen wir hier folgendes Schreiben aus Berlin her: Zu Wahrnehmung seines Berufs, ging am 21. Nov. Der 61jährige Heideläufer Clair aus Möllendorf (einem Gutsbesitzer im Zauchschen Kreise gehörig) in die Haide. Bey dem stark gefallenen Schnee spürte er ein Schwein, fand dasselbe auf, und traf es mit der Kugel ins Blatt, doch ward es erst eine bedeutende Strecke weit durch seinen Hund gestellt. Der Clair, welcher unterdeß seine Flinte wieder geladen hatte, ging dem Schweine nach, doch versagte ihm bald das Gewehr, worauf der Keiler ihn annahm, und ihm den Hinterschenkel buis auf den Knochen aufschlitzte. Der jährige (?) Keiler, wüthend, hieb den Jäger einigemahl mit den Gewehren (Zähnen), doch schützte ihn seine Jagdtasche gegen bedeutende Verwundungen. Clair packte sogleich den Keiler ins Gebrech (Rachen), und wiegte sich so eine Weile mit dem Thiere herum, bis endlich sein Hund demselben das Kurzwildpret so zerrissen, daß der Keiler vor Schmerz, den Jäger abermahls mit umreißend, sich seiner Gewalt entzog. Clair, obgleich ihm außer der bedeutenden Schenkelverwundung das Fleisch der Finger durch Schärfe der Gewehre (Zähne des Keilers) theilweise abgelöst, und die Nägel ganz zerquetscht waren, griff wieder zum Gewehre, (welches im Schnee verloren gegangen, ganz naß geworden war), setzte dasselbe in Stand, und suchte abermahls den Keiler auf. Derselbe, wiederum auf ihn losfahrend, ward jedoch durch einen Schuß zwischen die Lichter (Augen) zur Erde gestürzt. Nachdem er verendet, brach ihn der alte Mann noch auf, warf ihn auf, und ging nun erst seiner Wohnung zu, wo er durch den starken Blutverlust sogleich ohnmächtig darnieder fiel.                                         E.v.T.
(Wer die Gefahren der Schweinsjagd und die Wuth dieser Thierart auch nur vom Hörensagen kennt, der wird die von einem 61jährigen Mann bewiesene Unerschrockenheit, Geistesgegenwart und Ausdauer zu würdigen wissen. Was gehört nicht schon allein bloß dazu, den so bedeutenden Verwundungen, als der gewaltige Jäger Clair erlitten hatte, ein nass gewordenes Gewehr in schußfertigen Stand zu setzen!) (http://books.google.de/books?id=sHFMAAAAcAAJ&pg=PA7&lpg=PA7&dq=heidel%C3%A4ufer+clair&source=bl&ots=XnW38B2hME&sig=F_5EXQVhJ4ILe0H9Ii72SRr3Br0&hl=de&sa=X&ei=Bo0qUaO7DYnTsgb_s4HYCg&ved=0CC4Q6AEwAA#v=onepage&q=heidel%C3%A4ufer%20clair&f=false)
Der Name Heideläufer ist vergleichbar mit einem niederen Forstbediensteten, der sein Waldrevier untersuchend begeht. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts wurde mit Forstordnungen die Nutzung der Wälder bestimmt. Heideläufer, auch Unterförster genannt, wurden für kleinere Forstreviere eingesetzt und waren tätig im Auftrag einer Forst- oder Finanzverwaltung. Der Stabschläger ist eine alte Bezeichnung für den Holzfäller bzw. den Wald/ Forstarbeiter. (http://www.bruchwitz.com/Chronik/Internet/chron01_allx.pdf)

Version 3:
Allgemeine Forst- und Jagd-Zeitung. Unterhaltungsblatt, Sonnabend den 5. Juli 1828, S.323:
Der Jäger Clair zu Möllendorf im Kampfe mit einem Keuler.
(Wahre Anekdote.)

Bei tiefem Schnee und einer Reu‘
Ging Jäger Clair zu Forste,
Er war nicht vom Vermuthen frei,
Daß in dem dicken Horste
Ein starker Keiler kesselt dreist,
Der im November noch sehr feist.
Und deshelb ging mit Freude
Der alte Clair zur Haide.

So wie gedacht, so sah‘ er bald
Des Schwarzrock’s starke Fährte,
D’rauf sieht er ihn, sein Rohr erknallt,
Der Keuler stürz’t zur Erde;
Doch wieder rafft er schnell sich auf,
Dort grunz’t er hin im vollen Lauf‘,
Allein die Kräfte schwinden,
Er sitzt und läßt sich finden.

Indeß ein Dachshund mutig stellt,
Wird schnell das Rohr geladen,
Doch wem ein traurig Loos nun fällt,
Ist nicht so schlecht zu rathen.
Die Kugel sitzt zwar auf dem Blatt‘,
Doch ist der Keuler gar nicht matt,
Er klappert bei der Sache,
Und ist voll wilder Rache.

So wie der Jäger schießen will,
Versagt’s ihm, denkt den Schrecken,
Nun sitzt der Keuler nicht mehr still,
Er läßt sich nicht viel necken.
Er nimmt den Waidmann an mit Wuth,
Nun geht’s dem alten Clair nicht gut,
Der hat sich schlecht gebettet,
Er ist allein, wer rettet?

Der Keuler kommt nun schnaubend an,
Und haut mit dem Gewehre
Den Schenkel unsers Jägersmann
Auf bis zur Knochenröhre,
In Schnee fällt drauf der Jäger hin,
Der Keuler hat nichts Gut’s im Sinn‘,
Er will den Waidmann töthen.
Der ist in großen Nöthen.

Doch Muth und Geistesgegenwart
Wurd‘ stets für gut befunden,
Und wie der Keuler grob und hart
Den alten Clair hat unten,
So greift der Letzte meisterlich,
– Diana ließ ihn nicht im Stich‘ –
Dem Keuler in die Waffen,
Und macht ihm viel zu schaffen.

Der Dachshund kam nun auch herbei,
Den Keuler zu bekriegen,
Er riß das Kurzwild ihm entzwei
Weil er den Herrn sah‘ liegen;
Da dies dem Schwarzen schmerzlich ist,
So rannt‘ er fort nun ohne Frist;
Denn Clair könnt‘ nicht mehr halten,
Er ließ das Schicksal walten.

Vor Tritten von des Keulers Wuth,
Mit Aftern und den Schalen
War Clair geschützt so ziemlich gut,
– Die Scene wär‘ zu malen –
Denn nur der Holster schützte hier
Vor Wunden von dem wilden Thier‘,
Das mit den starken Läufen
Dieselben weiß zu häufen.

Der Hände Leder ist nun zwar
Auf lange Zeit zerrissen,
Auch wird der Jäger manches Jahr
Die Stellen nicht vermissen,
Wo ihm der Keuler Flecken schlug,
Und deren sind gewiß genug,
Die blau sich präsentiren,
Doch leicht sind zu kuriren.

Bei vielem Schmerz‘ und manchem Weh‘,
Das unser Held empfunden,
Sucht er dennoch aus tiefem Schnee,
Und zwar ganz unverbunden,
Sein Rohr hervor, das durchaus naß:
– Dies war wahrhaftig gar kein Spaß –
Denn Stümper würden’s lassen,
Hierauf was anzufassen.

Doch Clair, der wischt die Flinte rein,
Und sucht auch seine Mütze,
Er rhumt darauf noch Pulver ein,
Und schwört bei Frost und Hitze:
„Wie einst am Harz der Hackelberg,
So will ich, gegen ihn ein Zwerg,
Den Keuler noch erlegen,
Herr, schenk‘ mir Deinen Segen!“

Und wo der Schwarze klappernd haus’t,
hinkt Clair hin sonder Weisen,
Denkt: eh‘ der Aufbruch ist verschmaus’t,
Wird alles wieder heilen;
Doch sieht der Eber Clairen kaum,
So kommt er an, den Wurf voll Schaum,
Er hat es stark im Willen,
Noch seine Wut zu stillen.

Indeß er war kaum schußweit da,
– Man denk‘ des Jägers Lage –
Alls schon der Keuler nicht mehr sah
Am hellen lichten Tage:
Denn in dem Kopf da saß der Schuß,
Es waren noch zum Ueberfluß
Die Lichter ganz zerschossen
Und Clair nicht mehr verdrossen.

Mit Heiterkeit bei wunder Hand
Brach Clair noch auf den Eber,
Es hatt‘ die Schmerzen weggebannt
Der Vorgeschmack der Leber,
Ja mit fast jugendlicher Lust,
Sang brummend er aus guter Brust,
Nach alter Jäger Weise
Sein Stückchen hin ganz leise.

Und nun bedenkt, der Jägersmann
Zählt achtundsechzig Jahre,
Er opfert gern, wo er nur kann,
An Delias Altare;
Er weis so manches Jägerstück,
Erzählt so viel vom Waidmannsglück,
Und sagt: Die höchste Freude
Gewährt die Jagd noch heute!

F.B. Frömbling
Redakteur: Forstmeister St. Behlen. – Verlag von Wilhelm Ludwig Wescha. (http://books.google.de/books?id=UmkWAQAAIAAJ&pg=PA323&lpg=PA323&dq=j%C3%A4ger+clair&source=bl&ots=0xMkOXGfOh&sig=xUPkLRRP1-OcRESMJo58saQdONE&hl=de&sa=X&ei=zzsqUeuvGcPFtQa2zoGYAw&ved=0CEUQ6AEwAw#v=onepage&q=j%C3%A4ger%20clair&f=false)

Der Hintergrund der Textzeile „Wie einst am Harz der Hackelberg“ ist laut Wikipedia Folgender:

„Hanns von Hackelberg (auch Hackelnberg; * angeblich 1521 in Wolfenbüttel; † angeblich 1581 in Wülperode bei Vienenburg) war nach norddeutscher Begebenheit der Wilde Jäger. Sein Name leitet sich vom Herkunftsort seiner Eltern, dem Hakel, ab. Hackelberg stand im Dienst des Herzog Julius von Braunschweig und war Braunschweiger Oberjägermeister. Er genoss bei seinen Vorgesetzten und Waidgesellen großes Ansehen. Er bereitete Hof- und Gesellschaftsjagden vor und leitete diese.
In der Wülperoder Gegend stand unweit der Oker im so genannten Steinfeld der 1672 wieder erbaute „Klöpperkrug“. In dessen Garten soll sich ein Friedhof befunden haben. Auf seinem Grabstein wird ein Bildnis von Hackelberg gezeigt: ein auf einem Pferd reitender Mann mit einem „Hohen Hut“ und wehendem Mantel, der in der Rechten eine Armbrust, in der Linken die Zügel hält. Zwei Hunde laufen frei nebenher.
Der Legende nach träumte Hackelberg in der Nacht vor der Jagd, dass er von einem starken Keiler angegriffen und schwer verletzt würde. Die anderen Jäger rieten ihm deshalb von der Teilnahme an der Jagd ab. Er missachtete die Warnung und nahm an der Jagd teil. Der Traum erfüllte sich: Ein blutender Keiler griff ihn an, ein Treffer aus der Armbrust schien dem Tier nichts anhaben zu können. Mit Hilfe einer Saufeder und eines Hirschfängers gelang es Hackelberg, das Tier zu erlegen. Wieder erholt, ging man am Abend auf der Harzburg zum gemütlichen Teil über. Bei diesem Fest stand selbstverständlich der Keiler im Mittelpunkt und das Haupt des starken Keilers wurde gesondert bei Eichenlaub und Kerzenschein aufgebahrt. Hackelberg verspottete das erlegte Tier und hob das Haupt vom Tische mit einer Hand auf, hielt das Haupt am ausgestreckten Arm zur Festgesellschaft und sprach die überlieferten Worte: „Nun hast du mir doch nichts anhaben können.“ Hiernach glitt ihm das Haupt aus der Hand und fiel mit dem Hauer voran auf seinen Fuß. Der messerscharfe und spitze Hauer durchdrang den Stiefel sofort und durchbohrte seinen rechten Fuß bis zur Sohle. Er schenkte der anfänglich für seine Verhältnisse geringfügigen Verwundung kaum Beachtung. Doch schon am nächsten Tag hatte sich die Wunde entzündet. Auf der Rückreise nach Wolfenbüttel entlang der Oker musste Rast eingelegt werden. Hier bot sich der Klepperkrug (Klöpperkrug) vor Wülperode an der Landstraße von Vienenburg nach Schladen an. Hackelberg starb noch am selben Abend an seiner Verwundung. Aber Ruhe fand er nicht, er verfluchte sich vor seinem Tod selbst und jagt bei Sturm mit seinem Ross und seinen Hunden „okerauf und okerab“. Man beerdigte den Leichnam im Garten des Gasthauses und deckte dies später mit einer Grabplatte aus Sandstein ab.
Die Legende ist in vielfach variierter Form in der Harzgegend, am Solling und an weiteren Orten Norddeutschlands bekannt. Ihr physischer Ursprung liegt möglicherweise im tosenden Sturmwind. Die Person des Wilden Jägers hat Ähnlichkeit mit dem Windgott Wodan.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_von_Hackelberg)

Aber wo liegt das besagte Möllendorf, in dem der Jäger Clair, dessen Vornamen uns leider alle drei Quellen schuldig bleiben, sein Wirkungsfeld hatte? Wikipedia kennt fünf Orte dieses Namens. Ein schlesischer, wie es das Allgemeine Forst- und Jagd-Archiv (Quelle 1)  suggeriert, ist allerdings nicht darunter. Die Zeitschrift „Der Wanderer“ (Quelle 2) verortet das Geschehen offenbar im Königreich Preußen, aber das hilft uns nicht viel weiter, denn hierzu gehörte seinerzeit neben Brandenburg, Pommern und Ostpreußen – dank König Friedrichs Eroberungsdrang – auch Schlesien. Aber immerhin lagen alle fünf genannten Orte im damaligen Preußen:
·    Ortsteil der Stadt Sonnenwalde im Landkreis Elbe-Elster, Brandenburg
·    Möllendorf (Goldbeck), Ortsteil der Gemeinde Goldbeck im Landkreis Stendal, Sachsen-Anhalt
·    Möllendorf (Mansfeld) Ortsteil der Stadt Mansfeld im Landkreis Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt
·    Möllendorf (Wendisch Rietz) Ortsteil der Gemeinde Wendisch-Rietz im Landkreis Oder-Spree, Brandenburg
·    Ort in der ehemaligen Provinz Posen, heute Wymyslowice in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern (http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6llendorf)

Eine örtliche Nähe zu Schlesien und damit die Gefahr eines geographischen Zuordnungsfehlers besteht am ehesten beim heutigen Wymyslowice in der damaligen Provinz Posen, heute Poznan. Andererseits wird in der Zeitschrift „Der Wanderer“ (Quelle 2) Möllendorf als „einem Gutsbesitzer im Zauchschen Kreise gehörig“ beschrieben. Als „Zauchscher Kreis“ oder auch „Zauche“ wird wiederum die Gegend westlich von Berlin bis etwa zur Stadt Brandenburg bezeichnet. (http://de.wikipedia.org/wiki/Zauche) Zwar muss der Gutsbesitzer „aus dem Zauchschen Kreis“ nicht zwangsläufig in unmittelbarer Nähe seiner Länderei Möllendorf gewohnt haben, doch liegen die Möllendorfs Nr.1 bis 4 jeweils in einer Entfernung vom Zauchschen Kreis, die eine solche Konstellation denkbar erscheinen lassen, wohingegen die Provinz Posen (Möllendorf Nr.5) vom „Zauchschen Kreis“ doch ziemlich weit entfernt ist. Doch das gilt noch viel mehr für Schlesien. Die Bezugnahme auf den „wilden Jäger“ Hackelberg könnte auf das Möllendorf im Mansfeld (Nr.3) hindeuten, der beschriebene strenge Winter im November aber eher wieder auf die viel östlicher gelegene Provinz Posen. So bleibt das mysteriöse Möllendorf des Unterförsters Clair vorerst nicht näher geographisch bestimmbar.
Sehr wohl bestimmbar ist jedoch das Geburtsjahr dieses Jägers Clair: Da er am 21.11.1820 61 Jahre alt war und am 5.7.1828, wie die Allgemeine Forst- und Jagdzeitung berichtet, 68 Jahre, muss er zwischen dem 6.7. und dem 20.11.1759 geboren worden sein.
Nun ist zu fragen, in welchem Zusammenhang der in Rede stehende Jäger Clair zu unserer Familie steht. Eine Verwandtschaft erscheint hier sehr wahrscheinlich, denn die räumliche Entfernung zu den ostpreußischen Jägern ist zwar nicht unwesentlich gering (außer das Möllendorf lag in der Provinz Posen), aber doch so, dass sie noch überbrückbar erschiene. Die bei allen Möllendorfs bestehende relative Nähe zu Berlin könnte überdies unsere Vermutung einer Beziehung zur Berliner hugenottischen Familie le Clerc/le Clair/de Clair/v. Clair stützen. Vom Alter her könnte der Wildschweinbezwinger Clair (Jahrgang 1759) der Vater sowohl unseres Vorfahren Friedrich Clair/Claer (geb. 1798/99) als auch seines mutmaßlichen Bruders Johan(n) Wilhelm Clair/Claer (geb. 1803) sein. Auch das Alter der Mutter des Johan(n) Wilhelm, Susanne Hoemke, die ihr erstes Kind bereits 1779 mit einem anderen Mann bekam, würde gut zum relativ fortgeschrittenen Alter ihres Mannes Friedrich Wilhelm (wenn er denn tatsächlich der Wildschweinbezwinger sein sollte) passen. Allerdings ließe diese Variante unsere Spekulation unwahrscheinlicher erscheinen, dass Friedrich Wilhelm (bzw. der Wildschweinbezwinger Clair) identisch mit dem jüngeren der Berliner Ingenieurcapitäne mit gleichem Vornamen (eventuell der Portechaisen-Clair) sein könnte, denn das hätte in den Berichten über das Jagdabenteuer sicherlich Erwähnung gefunden.

Nun ist abschließend noch ein weiterer Fund zu vermelden. In einem Blogeintrag vom 16.8.2010 schreibt der Internetnutzer Woddy:

„In den Jahren vor 1945 wurden Suchanfragen in schriftlicher Form gestellt und veröffentlicht.
Ein solches waren das Suchblatt für alle Fragen der Sippenforscher. Diese wurden dann nach Jahrgängen in einen Buch zusammengefasst und gedruckt.
Ich habe die Anzeigen für die Region Brandenburg mal rausgezogen.
Vielleicht ergibt sich für den oder anderen noch ein Hinweis wo er die Forschung ansetzen kann.

Die Quelle ist das Buch Praktische Forschungshilfe 1932 bis 1935

Peter Woddow“ (http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?p=336949)

Und neben vielen anderen Namen findet sich auch der folgende:
„KLÄHR(KLAEHR,KLEHR,Claire) – Carl Friedrich KLÄHR, * wo (nicht Zielenzig) um 1790/91, + Zielenzig (Kr Oststernberg) 29.12.1850, Windmühlenbesitzer und Müllermeister aus Hugenottenfamilie stammend, oo Zielenzig 18.4.1817 Beate Louise AEHREND * Zielenzig 12.7.1792, Tochter des Johann Gottl Aehrend und der Anna HENSCHEL. Woher stammt Carl Friedrich KLÄHR? (evangelisch)“ (http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?p=336949)
Und diesmal ist die Örtlichkeit klar ersichtlich. Bei Wikipedia heißt es:
„Sulęcin (deutsch: Zielenzig) ist eine polnische Kreisstadt in der Woiwodschaft Lebus mit etwa 10.000 Einwohnern sowie Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde. Zielenzig befindet sich im Gebiet der Lebuser Seenplatte, etwa 35 km nordöstlich von Frankfurt/Oder.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Zielenzig)

Zielenzig1905

Zielenzig um 1900 (Ebd.)

Jetzt kommt also noch ein Müller mit anderer Schreibweise, aber hugenottischer Abstammung ins Spiel. Die räumliche Lage von Zielenzig zwischen Berlin und Ostpreußen könnte ein Indiz für eine Verbindung zwischen den ostpreußischen Förstern und der Berliner Hugenottenfamilie sein. Vom Alter her könnte Carl Friedrich (geb. 1791/92) ein Sohn oder Neffe des Wildschweinbezwingers (geb. 1759) sein.

Fortsetzung folgt.

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