Justament Sept. 2008: Juristen als Literaten

Thomas Claer

Literatur Recht CoverSchriftstellernde Juristen gibt es zuhauf. Doch wenn zwei prominente und mit Preisen überhäufte Autoren über den Einfluss ihrer juristischen Ausbildung auf ihr literarisches Werk Auskunft geben, hört man gerne zu. Nachzulesen sind die Schilderungen von Juli Zeh, geboren 1974 in Bonn, und Martin Mosebach, geboren 1951 in Frankfurt am Main, auf einer Tagung namens “Literatur und Recht” in dem vorzüglichen Sammelband “Literatur, Recht, Musik”. Dieser harrte schon geraume Zeit auf dem Schreibtisch des Rezensenten einer Besprechung und erhielt nun endlich die ihm gebührende Aufmerksamkeit, auch wenn die erwähnte Tagung bereits 2005 stattgefunden hat.
Einserjuristin Juli Zeh wollte nach dem zweien Staatsexamen eigentlich Richterin werden, entschied sich aber dann “nach einigen schlaflosen Nächten” dagegen, weil sie sich nicht zutraute, nur nebenher Schriftstellerin zu sein, auf das Schreiben aber keinesfalls verzichten wollte. Seitdem begrenzt sie ihre juristische Tätigkeit auf ihre Dissertation im Völkerrecht, an der sie schon einige Jahre nebenher werkelt. Aktuell hat sie noch eine Verfassungsbeschwerde gegen den biometrischen Reisepass eingelegt. Außer ihren von der Literaturkritik zuletzt eher zwiespältig aufgenommenen Romanen verfasst sie vor allem Essays und mischt sich permanent und streitlustig in politische und sonstige Debatten ein. Ihre Bücher (“Adler und Engel”, “Spieltrieb”, “Schilf”) sind voll mit Bezügen zur Juristerei. Ihr künstlerisches Schaffen, so die Autorin, sähe völlig anders aus, wenn sie dem Recht nicht begegnet wäre: “Ich weiß noch nicht einmal, ob ich überhaupt in der Lage wäre, Romane zu schreiben, wenn ich nicht Jura studiert hätte.” Das Verfassen von Romanen erfordere strukturierte Denkvorgänge, und die juristische Ausbildung habe eine “ganz wertvolle Konstruktionsfähigkeit” in ihrem Denken geschaffen, die ihr dabei helfe, “große Formen und große Texte einfach zu verwalten”.
Martin Mosebach, Büchnerpreisträger von 2007, ist hingegen mit der Rechtswissenschaft nie recht warm geworden. Er habe großen Respekt vor Amtsrichtern oder Rechtsanwälten, die Romane schreiben, doch würde seine Vitalität für beides zugleich nicht hinreichen. Dafür sei das Romanschreiben für ihn zu anstrengend. Doch räumt er für sich “eine gewisse Zähmung und Erziehung durch die Jurisprudenz ein im Bedürfnis, Charaktere wahrscheinlich zu machen”. Er erkenne aber leider erst in großem zeitlichen Abstand, was für interessante Aspekte die Welt des Rechts in sich berge. In seinem umfangreichen literarischen Werk wirft er nur ein einziges Mal einen Blick auf das juristische Milieu, im Roman “Eine lange Nacht” (2000), der Geschichte eines verkrachten Juristen und schöngeistigen Taugenichts.

Hermann Weber (Hrsg.)
Literatur, Recht, Musik. Tagung im Nordkolleg Rendsburg
BWV Berliner Wissenschafts-Verlag 2007
224 Seiten, EUR 40,00
ISBN: 978-3-8305-1339-1

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