August 2013: Ahnenforschung, Teil 5

Ahnenforschung über die Familie Claer, Neuigkeiten Sommer 2013

In den letzten Monaten hat es wieder eine ganze Menge neuer Funde und Erkenntnisse gegeben. Zwar warten wir noch immer auf den „großen Durchbruch“, die Entdeckung einer Verbindung zwischen den ostpreußischen Jägern und der hugenottischen Offiziersfamilie, doch sind auch die hier zusammengetragenen Neuigkeiten, so denke ich,  ihrerseits durchaus spektakulär. Große Erwartungen hatte ich in die Microfilm-Kopien der Kirchenbücher aus Ludwigswalde von vor 1800 gesetzt, die Andreas Z. von der Mormonischen Kirche aus den USA nach Görlitz bestellt hat, aber leider ließ, wie ich gehört habe, der gesundheitliche Zustand seiner 90-jährigen Großmutter Marianne E. (deren Mutter Emma Marie eine geborene Claer war) eine Auswertung der in Sütterlin-Schrift gemachten Eintragungen bislang nicht zu. Hier werden wir noch etwas Geduld aufbringen müssen.

1. Friedrich Claer und sein Vater
Ausgangspunkt ist auch diesmal unser bisher frühester gesicherter Vorfahre, der Jäger Friedrich Claer, mein Urururgroßvater, der 1824 in Corjeiten/Ostpreußen im Alter von 25 Jahren mit seiner Braut Justine Knaebe (geboren 1805 in Jouglauken) eine Familie gründete. Aus dem amtlichen Hochzeitseintrag, der vier Wochen nach dem Geburtseintrag des ältesten Sohns Friedrich Wilhelm Claer d.J. erfolgte, geht hervor, dass Friedrich Claer aus Ludwigswalde/Ostpreußen stammte. Es ist ferner noch einmal in Erinnerung zu rufen, dass sich im Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem zudem die Geburtsurkunde des bereits erwähnten Johan (hier mit einem „n“ geschrieben) Wilhelm Claer fand, geb. 10.6.1803, getauft am 15.6.1803, jeweils in Ludwigswalde. Als Vater ist angegeben: Unterförster Friedrich Wilhelm Claer; Mutter ist Susanna Claer, geborene Hoemke. Wir vermuteten daraufhin, dass Friedrich und Johan Wilhelm Brüder seien und Friedrich Wilhelm d.Ä. somit unser direkter Vorfahre, hatten dafür aber keinen Beweis.
Inzwischen konnten wir Einsicht in den gescannten Traueintrag von Friedrich Claer und Justine Knaebe nehmen. Unsere Entzifferung der handgeschriebenen Sütterlin-Schrift ergab:

14. Der königl. Revierjäger Friedrich Clair zu Ludwigswalde. des verstorbenen Unterförsters Friedrich Clair zu Ludwigswalde ältester Sohn. 25., Ja, Nein, Justina Knaebe, des verstorbenen Jägers Johann (n mit Strich drüber bedeutet Doppel-n!) Knaebe in Jouglauken jüngste Tochter., 21. Ja

–  Junggeselle  Joh. Wilhelm Knaebe in Corjeiten, des verstorbenen Jägers Johann Knaebe in Jouglauken ältester Sohn, Jungfer Laufe …

Demnach hätte es also in Ludwigswalde neben dem Unterförster Friedrich Wilhelm Claer d.Ä. (dem Vater des Johann Wilhelm Claer) auch noch den Unterförster Friedrich Clair d.Ä. (den Vater unseres Friedrich Clair d. J.) gegeben. Vielleicht war es aber doch ein und derselbe, und man hatte im Traueintrag nur das “Wilhelm” weggelassen (es herrschte auch durchaus Platzmangel auf dem Papier). Dass Friedrich demnach der älteste Sohn des Friedrich Wilhelm d.Ä. gewesen wäre, würde ja auch passen, denn Johann Wilhelm wurde erst vier Jahre nach ihm geboren. Ferner ist es eine berechtigte Frage, wie viele Unterförster es in Ludwigswalde zu jener Zeit wohl gegeben haben mag. Vermutlich wohl doch nur einen: Friedrich (Wilhelm) Claer/Clair d.Ä. Aber das ist lediglich eine begründete Vermutung und noch kein Beweis.

Gleich mehrere große Schritte nach vorne machte ich aber, als ich mich vor gut drei Monaten beim amerikanischen genealogischen Online-Netzwerk Mundia anmeldete, das sich glücklicherweise noch in einer Testphase befindet, weshalb die Anmeldung noch nichts kostet. Dort erscheint zunächst der Unterförster Friedrich Wilhelm Claer mit fast vollständigen Lebenssdaten: geboren 1770, gestorben am 21.12.1815. Als Ehefrau und Mutter seines einzigen hier aufgeführten Sohnes Johann Wilhelm Claer (10.7.1803-22.4.1880) ist angegeben: Susanne Dorothea Kopfhammer (ohne weitere Angaben).
Irritierend ist weniger, dass das genannte Geburtsdatum des Johann Wilhelm um einen Monat von dem aus seiner Geburtsurkunde abweicht (10.7. statt 10.6., ansonsten stimmt alles überein), als vielmehr, dass dessen Ehefrau Susanna/Susanne hier einen anderen Geburtsnamen trägt als dort: nämlich Kopfhammer statt Hoemke. Darauf kann ich mir einstweilen noch keinen Reim machen.
Es sind ferner angegeben: die Ehefrau des Johann Wilhelm Claer, Wilhelmine Henriette Warnien  (1807-1871) und deren gemeinsame Tochter Dorothea Wilhelmine Ludovica Claer (1.8.1838-9.7.1915). Deren Ehemann war Friedrich Hermann Hardt (1850-1907), „Schribrektor“. Der Sohn von Dorothea Wilhelmine und Friedrich Hermann Hardt war Paul Gustav Hardt (1880-1938), „superintendant of Lutheran Church“, dessen Ehefrau Gertrud Marie Luise Meyhöfer (1883-1949). Die Tochter von Paul Gustav Hardt und Gertrud Marie Luise wiederum war Dorothea Gertrud L. Hardt (1910 in Österreich? –    ), Ehemann: Friedrich Wilhelm Gotthold Wollschläger (1910 in Österreich-1942 in Ägypten). Hinzugefügt hat den gesamten Datensatz Frau Christine Clark, Chicago, Illinois.
Dass hier lediglich Johann Wilhelm Claer als Sohn des Friedrich Wilhelm Claer d.Ä. angegeben ist (und nicht auch Friedrich), hat wahrscheinlich nicht viel zu bedeuten, denn Geschwister tauchen in diesem Eintrag nur bei den zeitlich weniger lange zurückliegenden Personenangaben auf. Doch ist es schon bemerkenswert, wie uns weit entfernte Verwandte aus Amerika mit ihren überlieferten Stammbäumen auf die Sprünge helfen können. Und das ist noch längst nicht alles!

2. Friedrich Claer und seine Kinder
Auch Friedrich Claer taucht in der Mundia-Datenbank nämlich auf, aber an unerwarteter Stelle.
Im Sommer 2012 hatte ich geschrieben:

„Weiterhin  machte ich noch einen überraschenden Fund im Internet bezüglich unseres Vorfahren, des Jägers Friedrich Claer (geb. 1798/99). Im „Großherzoglich-Sachsen-Weimar-Eisenachischem Hof- und Staatshandbuch auf das Jahr 1819“ (inzwischen digitalisiert aus der Bayrischen Staatsbibliothek) erscheint:

– Friedrich Clair, Unterförster zu Krakendorf (http://books.google.de/books?id=B4MAAAAAcAAJ&pg=PA54&lpg=PA54&dq=Friedrich+Clair,+Unterf%C3%B6rster+zu+Krakendorf&source=bl&ots=C5KjJNrVvE&sig=FbhJfzYqceG_Z9WqeHMstzNu_Uc&hl=de&sa=X&ei=WP4bUP-JKs3htQaQ44BQ&ved=0CCgQ6AEwAA#v=onepage&q=Friedrich%20Clair%2C%20Unterf%C3%B6rster%20zu%20Krakendorf&f=false)

Krakendorf ist heute ein Ortsteil der Stadt Blankenhain im Landkreis Weimarer Land, Thüringen. Offenbar hatte der junge Friedrich Clair (im Alter von ca. 20 Jahren) eine Anstellung als Unterförster in Sachsen-Weimar (heute Thüringen). Bereits fünf Jahre später (1824) war er aber wieder in seiner ostpreußischen Heimat, nämlich in Corjeiten, und hat dort eine Familie gegründet.

Ferner ist zu erwähnen, dass sich im Adressbuch von Erfurt (etwa 25 km entfernt vom besagten Krakendorf) aus dem Jahr 1882 der Eintrag findet:

– Claer Dorothea Margarethe geb. Fischer, Wittwe, Weißfrauengasse 1
– Rosine geb. Mohnhaupt, Wwe., Schmidtstädterstraße 50
– Christine geb. Scherlitz, verw. Oekonom, Fleischgasse 9 (http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=42802&page=9)

Also gleich drei verwitwete Damen mit dem Namen Claer, der sonst in Mitteldeutschland zu dieser Zeit fast überhaupt nicht auftritt. Sollte hier unser Vorfahre Friedrich Claer/Clair bei seinem Aufenthalt in Thüringen über 60 Jahre zuvor in irgendeiner Weise Spuren hinterlassen haben?

Und im „Bürgerbuch der Stadt Erfurt 1761-1831“ findet sich der Eintrag:

– Claer, Christian Friedrich, ev., Fuhrmann, geb. 16.11.1802 in Siersleben bei Hettstedt (http://wiki-de.genealogy.net/B%C3%BCrgerbuch_der_Stadt_Erfurt_1761-1833/329+)

Könnte das womöglich auf Verwandte hindeuten, die Friedrich Claers Aufenthalt in Thüringen erst veranlasst haben (ihm vielleicht die Försterstelle besorgt haben)?“

Und nun lesen wir in der Mundia-Datenbank:

„Friedrich Claer (1800-…), Chausseewächter Zu Frienstedt.“

Frienstedt ist ein Ortsteil der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt. (http://de.wikipedia.org/wiki/Frienstedt) Friedrichs Ehefrau oder zumindest die Mutter seines Sohnes ist: Sophie Caterine Hofmann (1800-..). Als Sohn der beiden ist aufgeführt: Friedrich Wilhelm Heinrich Claer (1825 in Erfurt-…in Erfurt), Sattlermeister. Seine Ehefrau war: Barbara Rosine Mohnhaupt (1826-1889); Heirat am 18. Juli 1854 in Erfurt (Barbara Rosines Eltern haben am 14. Juli 1822 ebenfalls in Erfurt geheiratet). Eine Tochter von Friedrich Wilhelm Heinrich und Barbara Rosine ist: Eleonore Marie Claer (1861 in Erfurt-1906 in Erfurt); Ehemann: Julius Fickel (1854-1924), Bäckermeister. Als Tochter von Julius und Eleonore Fickel ist angegeben: Therese Karoline Fickel (1882 in Erfurt-1955 in Merane); Ehemann: Heinrich Wildenauer (1881 in Cham, Oberpfanz-1933 in Köln), Kaufmann. Deren Sohn ist u.a. Herbert Erich Wildenauer (1907 in Pfaffenhofen-1943 in Nikolskoje Starada/Russland), Wiegemeister, Obergefreiter der 2. Kompanie, Wohnort: Merane; dessen Ehefrau: Paula Gertrud Leopoöd (1904 in Zwickau-1985 in Merane), Knopfarbeiterin. Deren Sohn wiederum: Kurt Horst Heymer (1933 in Merane -1993 in Glauchau), und von dessen Sohn oder Enkel stammt der gesamte Eintrag.

Man könnte natürlich auch eine zufällige Namensgleichheit annehmen. Warum sollte „unser“ Friedrich Claer/Clair 1825 als Chausseewächter in Erfurt Vater eines Sohnes geworden sein, wo er doch erst 1824 in Corjeiten als Jäger Justine Knaebe geheiratet hatte? Und der Erfurter Chausseewächter Friedrich Claer war Jahrgang 1800, während der ostpreußische Jäger gleichen Namens Jahrgang 1799 war. Aber es gab nun einmal 1819 einen Jäger Friedrich Clair im thüringischen Krakendorf. Und auch die Namen der Söhne ähneln sich auffällig: Friedrich Wilhelm in Corjeiten, Friedrich Wilhelm Heinrich in Erfurt. Man mag hier nicht so ganz an Zufall glauben.
Aber konnte ein gelernter Jäger zwischenzeitlich zum Chausseewächter werden? Was war überhaupt ein Chausseewächter?

„Als Chausseen bezeichnete man gut ausgebaute, mit fester Fahrbahndecke versehene Fahrstraßen, die ingenieurmäßig geplant waren und daher deutlich geradliniger verliefen. Von der Landstraße unterscheidet sie, dass neben der Fahrbahndecke im Besonderen auch der Fahrdamm, also der Straßenunterbau, konstruiert ist. Entwickelt wurde diese Bauweise in den Niederlanden im 18. Jahrhundert. Es waren mit Backsteinen befestigte künstlichen Dämme.

Oft bestand die Chaussee aus einer festgewalzten Fahrbahn mit einer Deckschicht aus Sand und Lehm; ein Kiesbett bildete den Unterbau. Ein Begleitweg, für den Viehtrieb, verlief parallel zur eigentlichen Fahrbahn, der im Winter kaum genutzt werden konnte.

An den Straßenrändern gepflanzte Bäume bildeten herrliche Alleen, und boten den Reisenden Schutz vor Sonne und Wind. Um die Fahrzeit zu verringern, wählten die Baumeister bei der Trassenführung meist die kürzeste Entfernung zwischen zwei Orten. Sie schufen sanfte Steigungen mit weniger als fünf Prozent, und erhöhten damit den Reisekomfort. Zum Schutz vor Überschwemmungen, führten sie, in der Nähe von Flüssen und Gewässern, die Chausseen, über einen Fahrdamm.

Von 1795 an wurde an jeder Meile ein Chausseehaus errichtet. Es diente den Straßenwärtern als Unterkunft. In der Nähe des Hauses war eine Schranke oder Barriere über die Straße gelegt. An ihr stand der Chausseewächter, der die Schranke hob oder senkte, ganz wie es ihm gefiel. Er berechnete für die Ankömmlinge, federkäuend, die fälligen Gebühren. (Hervorhebung von mir) Viele Bürger segierten die hohen und komplexen Mauttarife. Die Beschwerden, versuchten die verantwortlichen Stellen mit der Begründung zu entkräften, dass diese Abgabe den Benutzern zugemutet werden könnte, da sie von der Güte der Wege durch Ersparung von Pferden, Wagen und Geschirren, Zeit und Zehrkosten unmittelbaren Gewinnst und Vortheil hätten.

Die neuen Wege sollten im guten Zustand bleiben. Neue Gesetze sollten sie schützen: Den Fuhrleuten drohte man nun Strafen an, wenn sie sich nicht an die Wege hielten und Äcker und Wiesen beschädigten oder durch ungeschicktes Fahren die Seitenränder der Straße zerstörten. Um Fahrspuren zu vermeiden, war das Fahren in der Spur des vorausgehenden Wagens, nicht erwünscht. Den Hirten war es untersagt, Vieh durch die Chausseegräben zu treiben oder gar dort zu hüten. Jeder, der einen Verstoß zur Anzeige brachte, erhielt fünf Reichstaler Belohnung.“ (http://pwz-news.de/cdo/aO1.html)

Also war es damals durchaus kein schlechter Job, Chausseewächter zu sein. Man kann sogar von einer relativ qualifizierten Tätigkeit ausgehen, da sie Kenntnisse des Lesens, Schreibens und Rechnens erforderte und es sicherlich auf Zuverlässigkeit, Pflichtbewusstsein und Genauigkeit ankam. Vor allem aber konnte es ein möglicher Job für einen jungen gelernten Jäger gewesen sein, den es der Liebe wegen vom Lande in die Stadt gezogen hatte. Und seinerzeit konnte ein „Pendler“ zwischen Ostpreußen und Thüringen, wie es der junge Friedrich Claer vermutlich war, auch durchaus – ähnlich etwa dem heutigen bayrischen Ministerpräsidenten – an beiden Orten eine Braut gehabt haben, ohne dass juristische Konsequenzen gedroht hätten, denn es gab damals gewiss keinen vollständigen Abgleich von Personendaten zwischen dem Thüringer Großherzogtum und dem Königreich Preußen. Aber was verschlug Friedrich Claer überhaupt nach Thüringen und dann wieder zurück nach Ostpreußen?
Folgendes Szenario wäre denkbar: Nach dem frühen Tod des Vaters Friedrich Wilhelm d.Ä. im Alter von 45 Jahren (1815) übernahm der 15- oder 16-jährige Friedrich als ältester Sohn den vakanten Posten des Unterförsters in Ludwigswalde. Als sein drei bis vier Jahre jüngerer Bruder Johann Wilhelm 1819 ebenfalls dieses Alter erreicht hatte, trat dieser – angelernt von seinem Bruder Friedrich – in dieses Amt ein, und der bereits berufserfahrene Friedrich wechselte selbst als Unterförster nach Thüringen, vermittelt von seinem dort lebenden Verwandten Christian Friedrich Claer, dem Fuhrmann. Beweggrund könnte, zumal in den Jahren unmittelbar nach den napoleonischen Kriegen, die nackte wirtschaftliche Not gewesen sein. Möglicherweise gab es noch mehrere jüngere Geschwister zu versorgen, von denen wir nichts wissen. Friedrich schickte vielleicht Geld nach Ostpreußen, um seine Familie zu unterstützen. Eine eheliche Verbindung mit der Jägerstochter Justine Knaebe könnte ihm die Bekleidung eines Försterpostens in der näheren ostpreußischen Umgebung ermöglicht haben. Dafür hat er dann womöglich seine thüringische Braut Sophie Caterine Hofmann in Erfurt „sitzen lassen“. Möglicherweise hat er sogar jahrelang ein Doppelleben als Pendler zwischen beiden Familien geführt. Es ist nicht einmal völlig auszuschließen, dass die unterschiedlichen Angaben zu seinem Alter bzw. Geburtsjahr sowie in der Namensschreibweise auf Friedrich selbst zurückgingen und der Verschleierung dienen sollten. Beide Söhne, den Corjeitener (1824) und den Erfurter (1825), benannte er nach seinem verstorbenen Vater Friedrich Wilhelm. Der zweitgeborene Erfurter bekam noch ein „Heinrich“ angehängt. Und vielleicht ist Friedrichs „Jugendsünde“ tatsächlich fast 200 Jahre lang nicht „aufgeflogen“ und erst jetzt, im Zeitalter des Internets, von uns entdeckt worden. Es könnte natürlich auch alles ganz anders gewesen sein, aber das werden wir vermutlich nie erfahren.
In welchem Verwandtschaftsverhältnis der Erfurter Fuhrmann Christian Friedrich Claer zu „unserem“ Friedrich stand, lässt sich noch nicht sagen. Doch wird er immerhin fünfmal genannt als „Fuhrmann Clär in Erfurt“ in der mittlerweile digitalisierten Enzyklopädie für Kaufleute und Fabrikanten, Leipzig 1838. (http://books.google.de/books?id=XIBQAAAAYAAJ&pg=PA167&lpg=PA167&dq=claer+erfurt&source=bl&ots=FxNXkjZbth&sig=dzxHgsUrTeutWGzNe1WoI-B9iho&hl=de&sa=X&ei=nNv2Ue7hN8q1tAaZhoHoAw&ved=0CFEQ6AEwBjgK#v=onepage&q=claer%20erfurt&f=false) Es geht dabei um die Durchführung bestimmter, durchaus umfangreicher Transporte.
Von männlichen Nachkommen des Sattlermeisters Friedrich Wilhelm Heinrich Claer in Erfurt, des Friedrichs Sohn in Thüringen, ist zwar im Stammbaum aus der Mundia-Datenbank nicht die Rede (nur von seiner Tochter Eleonore Marie). Doch es könnte sie oder solche des Fuhrmanns Christian Friedrich gegeben haben. Zum einen fehlt uns für zwei der drei Erfurter Witwen namens Claer aus dem Jahr 1882 noch die genaue Zuordnung, nur Rosine, geb. Mohnhaupt, lässt sich als Ehefrau des Friedrich Wilhelm Heinrich erkennen, der folglich im Jahr 1882 nicht mehr am Leben war, also maximal nur 57 Jahre alt geworden sein kann. Zum anderen gibt es den folgenden Eintrag im Erfurter Adressbuch 1948 (also ein Jahrhundert später!):

– Claer, Friedrich, Leder und Galanterie, Schmidtstedter Str. 50, T 20253, P Erf. 8466
– Wilh., Sattlermeister, Schmidtstedter Straße 50 (http://familie-thurm.de/images/dokumente/adressErfurt/Seite_0189.jpg)

Sollte der Sattlermeister Friedrich Wilhelm Heinrich Claer (geb. 1825), der Sohn unseres Friedrich, tatsächlich sein Handwerk über mehrere Generationen weitergegeben haben? Es sieht fast so aus, denn seine mutmaßlichen Nachkommen heißen ausgerechnet wieder Friedrich und Wilhelm!
Demnach sind uns bisher drei Kinder des Friedrich Claer bekannt: sein Thüringer Sohn Friedrich Wilhelm Heinrich (geb. 1925), sein erster ostpreußischer Sohn mit Justine Knaebe, Friedrich Wilhelm d.J. (geb. 1924) sowie unser direkter Vorfahre, mein Ururgroßvater Franz Claer d.Ä. (geb. 1841, Mutter ebenfalls Justine Knaebe). Gab es noch weitere Kinder mit Justine Knaebe?

Ich fand folgenden Eintrag in der „Kleine(n) Jäger/Försterdatei“ von
mitglied.multimania.de/kbbinder/kartei/foerster.xls‎:

Zufallsfunde von Jägern und Förster vor 1850     Stand Apr. 2013    Erstellt von kbbinder@gmx.de

Name    Vorname    Status   in    Quelle    Auftreten    Verehelicht    Bemerkung

Clair    Friedrich    Jä verml. Metgethen    KB Juditten    *1833    Knaebe Justine    20.1. Hermann Aug. geb.
Clair    Friedrich    Jä verml. Metgethen    KB Juditten    *1834        Pa bei Littmann oo Schwill
Zusätze:
20.1.1833 Hermann Aug. geb.
1834 Pate bei Hochzeit Littmann /Schwill (http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&ved=0CC8QFjAA&url=http%3A%2F%2Fmitglied.multimania.de%2Fkbbinder%2Fkartei%2Ffoerster.xls&ei=diLcUfy0COKn4ASMkoHoDQ&usg=AFQjCNHYu5fD0Z0C5pCEk322NrybFGrZzA&bvm=bv.48705608,d.bGE)

Ich würde es so verstehen, dass am 20.1.1833 ein Hermann August Clair als Sohn von Friedrich Clair, Jäger vermutlich in Metgethen, und Justine Knaebe geboren wurde. Außerdem fungierte Friedrich 1834 als Hochzeitspate des Paares Littmann/Schwill.
Wo aber liegt Metgethen? Laut Wikipedia ist es ein westlicher Vorort von Königsberg, nahe dem frischen Haff, und heißt heute Alexander-Kosmodemjanski-Siedlung von Kaliningrad. Bekannt geworden ist dieser Ort vor allem durch das sogenannte „Massaker von Metgethen“ im Februar 1945, bei dem Soldaten der Roten Armee deutsche und ukrainische Zivilpersonen in großer Zahl vergewaltigt, verstümmelt, geschlagen und getötet haben sollen. Man kann sich das, insbesondere angesichts der vorhergehenden deutschen Kriegsverbrechen, zwar gut vorstellen. Doch ist hier eine gewisse Vorsicht angebracht, da über das „Massaker von Metgethen“ vor allem in rechtsextremen Publikationen mit stark propagandistischer Absicht berichtet wurde. Der Wikipedia-Beitrag schließt mit den Worten: „Eine wissenschaftliche Untersuchung der Vorgänge in Metgethen steht bisher jedoch aus.“ ( http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Metgethen)

Battle_Of_Königsberg_BeginMetgethen in der Schlacht um Königsberg im April 1945

Folglich wäre also Friedrich Claer, bevor ihm als „invalidem Jäger“ 1839 im Alter von 40 Jahren die Verwaltung der Försterstelle zu Eichenberg, Oberförsterei Drusksen, übertragen wurde (wo zwei Jahre später unser Vorfahre Franz Claer d.Ä., der spätere Postschaffner, das Licht der Welt erblickte), Förster in Metgethen gewesen. Das Geburtsjahr seines Sohnes Hermann August (1833) liegt etwa in der Mitte zwischen dem seiner früheren Söhne (1824/25) und dem seines späten Sohnes Franz (1841). Es erscheint auch als durchaus denkbar, dass er noch weitere Kinder in die Welt gesetzt hat. Gleiches gilt aber auch für Friedrichs mutmaßlichen Bruder Johann Wilhelm, von dem wir bisher nur die Tochter Dorothea Wilhelmine Ludovica (1838-1915) kennen. Wir kommen später noch darauf zurück.

3. Die Claers in Amerika
Und noch einen dritten überraschenden Fund machte ich in der Mundia-Datenbank. Offensichtlich ist um 1883/84 ein Teil der ostpreußischen Familie Claer nach Texas/Amerika ausgewandert und hat dort zahlreiche Nachkommen hinterlassen. Es finden sich mehrere, teils etwas unübersichtliche und widersprüchliche Stammbaum-Stränge in der Datenbank, deren Zusammensetzung mir aber letztlich doch gelungen ist. Demnach ist der „Stammvater“ aller texanischen Claers ein Gustav F. Claer (man darf wohl vermuten: Gustav Friedrich!), der von 1832 bis 1894 gelebt hat. Es gibt keine Angaben über seinen Geburts- oder Herkunftsort. Es ist nur an anderer Stelle vermerkt, dass er in Archer County/Texas als „Bowman“ gearbeitet hat, das ist eine besondere Art von Matrose auf einem Schiff und wird auch als „Bugmann“ bezeichnet.  (http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=52355165) Seine Frau war Johanna Claer (geb. 1834, verstorben am 16.6.1926). Gustav Friedrich kommt sicherlich, allein schon durch sein Geburtsjahr, als ein weiterer Sohn von Friedrich oder von Johann Wilhelm Claer in Betracht.
In der Datenbank tauchen zwei Söhne von Gustav F. Claer auf, deren Geburtsjahre weit auseinanderliegen, weshalb hier noch eine gewisse Unsicherheit im Spiel ist. Zum einen Gustaf (mit –f) Claer (1849-1894). Das identische Todesjahr von Vater und Sohn spricht für eine gemeinsame Verunglückung, möglicherweise auf einem Schiff. Ehefrau vom jüngeren Gustaf war Wilhelmina bzw. Johanna Burber, geb. 1844 „in Deutschland“. Die gemeinsame Tochter vom jüngeren Gustaf und Wilhelmine/Johanna Burber war Johannah W. Claer, geb. am 10.9.1873 in Königsberg und verstorben am 28.4.1949 in Verhon/Texas. Sie ist als kleines Mädchen im Jahr 1884 in die Staaten eingewandert, wahrscheinlich im größeren Familienverbund. Ihr späterer Ehemann war Franz Gelhausen (1865-1923). Die Heirat erfolgte 1897, der Schwiegersohn Ed McIlhenny hat den Stammbaum eingestellt.
Der zweite (uns bekannte) Sohn von Gustav F. Claer war William Frederick Claer (in ihm lässt sich unschwer ein Wilhelm Friedrich erkennen!). Er wurde am 1.8.1870 in Koessburg geboren und ist am 16.6.1938 in Burkeburnette/Texas (nach anderer Quelle in Wichita Falls, Wichita, Texas, USA) gestorben. Aber wo liegt Koessburg? In ganz Deutschland gibt es keinen Ort dieses Namens. Man darf vermuten, dass es sich um Keßburg in Westpreußen handelt, was ja räumlich noch gut ins Bild passen würde.

Bild William F. ClaerWilliam Frederick Claer (1870-1938)

Über seine Immigration ist zu erfahren, dass er 1883 im Alter von 13 Jahren auf dem Schiff „The Wexler“ angekommen ist. (Vermutlich gemeinsam mit mehreren anderen Claers.) Er habe erst mit 57 Jahren die amerikanische Staatsbürgerschaft beantragt, sie aber nie erhalten, weil ein Feuer alle benötigten Formulare vernichtet habe. Sein Beruf war „Oilfield Laborer“ (http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=40615417), also Arbeiter auf einem Öl-Bohrfeld. Seine Ehefrau war Lena Elizabeth Ground (1878-1942). Die beiden hatten nicht weniger als sieben Kinder, nämlich Alice Johana Claer (1897-1994), Robert Gustav Claer (1898-1990), Margurette Lena Claer (1901-2005), Johnnie William Claer (1903-1975), Raymond Lewis Claer (1906-1976), Gertrude Claer (1909-1972) und schließlich Agnes Claer (1910-1983). Es gibt zahlreiche weitere Nachkommen auch von diesen. Vermutlich leben inzwischen nirgendwo so viele Claers wie in Texas.

Familie Claer

Familienfoto mit William Frederick und Lena in der ersten Reihe

Grabstein

Familiengrab von William Frederick und Lena Claer

Zu fragen bleibt allerdings, was Gustav F. Claer, seine Söhne Gustaf und William Frederick sowie deren Familien 1883/84 zur Auswanderung nach Amerika bewogen hat. Wie bei vielen anderen auch, die in jener Zeit diesen Weg gingen, dürfte es die Verlockung des amerikanischen Traums auf der einen und die anhaltende wirtschaftliche Not in der deutschen Heimat auf der anderen Seite gewesen sein. Man muss bedenken, dass auf die deutsche Reichsgründung im Jahr 1871 eine längere Phase wirtschaftlichen Niedergangs folgte, angefangen mit dem Gründerkrach 1873, der einen massiven Einbruch der Finanzmärkte brachte. Bei Wikipedia heißt es: „Die Volkswirtschaften der sich industrialisierenden Staaten gingen in eine Phase des verlangsamten Wachstums und der Deflation über, die bis in die 1890er-Jahre anhielt.“  (http://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCnderkrach) Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass in den 1890er Jahren auch der Sohn des Jägers Friedrich Wilhelm d.J., der Jäger Otto Wilhelm Claer (1859-1937), ein Enkel „unseres“ Friedrich Claer, mit seiner Familie nach Ober-Leutmannsdorf (Kreis Schweidnitz) in Schlesien ausgewandert ist. (Hierzu unten mehr.)

4. Der Sänften-Clair
An dieser Stelle soll nun ein Wechsel der Blickrichtung erfolgen, weg von den Nachkommen „unseres“ Friedrich Claer, hin zu seinen möglichen Vorfahren. (Ganz am Ende komme ich noch einmal auf die Nachkommen zurück.)
Vor einem halben Jahr hatte ich eine gewagte Spekulation über den Portechaise-Unternehmer v. Clair in Berlin, nennen wir ihn den Sänften-Clair, angestellt. Ich schrieb damals:

„Eine weitere Möglichkeit wäre, dass der Portechaisen-v. Clair, der mutmaßliche Sohn des Ingenieurscapitäns Gottlieb August v. Clair, durch eine allmähliche oder plötzliche Veränderung der verkehrstechnischen Vorlieben der damaligen Bewohner Berlins im Jahr der Französischen Revolution zur Geschäftsaufgabe gezwungen wurde. Womöglich hatte er dabei sein gesamtes Kapital verloren und sogar Kredite aufgenommen, die er nun nicht mehr bedienen konnte. Als Bankrotteur in jener vorkapitalistischen Zeit blieb ihm vielleicht nur ein vergleichsweise bescheidener Neuanfang unter Verlust des Adelstitels und seiner bürgerlichen Reputation als Unterförster in Ostpreußen, möglicherweise gerade in jenen dem preußischen Staat damals frisch einverleibten vormals polnischen Ländereien. Auch beim Portechaisen-v. Clair könnte es sich also um Friedrich Wilhelm Clair/Claer d.Ä. gehandelt haben, zumal es vom Alter her ebenfalls passen würde: Wenn der Portechaisen-v. Clair zur Zeit seiner Unternehmensgründung 1779 vielleicht 20 bis 30 Jahre alt war, käme er ohne weiteres noch als Vater von Friedrich und/oder Johan(n) Wilhelm Clair/Claer 1798/99 und 1803 in Betracht. Doch ist diese Variante mangels näherer Indizien für sie ziemlich aus der Luft gegriffen. Anders wäre es erst, wenn sich herausstellen sollte, dass der Portechaisen-v. Clair tatsächlich den Vornamen Friedrich Wilhelm getragen hat.“

Nun gibt es sie, die detaillierten Informationen über den Sänften-Claer, und das gleich aus zwei unterschiedlichen Quellen:
Zum einen: Friedrich Nicolai – „Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend“, Zweyter Band, Berlin 1786, S.976
(Bayrische Staatsbibliothek):

Im Jahr 1779 legte Hr. von Clair , Sänften an, die an gewissen Plätzen der Stadt ausgestellet werden. Das Polizeydirektorium setzte ihnen nachstehende Tare:
1) Bey Tage für eine Tour in demselben Viertel 2 Gr. Für eine Tour durch mehrere Viertel 4 Gr. Für die Rücktour 4 Gr. Muß die Sänfte warten, an Wartegeld für jede Viertelstunde 1 Gr.
2) Bey Nacht. Für eine Tour in demselben Viertel 3 Gr. Rücktour 3 Gr. Durch mehrere Vierter 5 Gr. Rücktour 5 Gr.Wartegeld für jede Viertelstunde 1 Gr. 3 Pf. Für ganze Tage muß man sich des Preises wegen mit den Trägern einverständigen.
Im Jahr 1783 kaufte davon einen Theil der Kaufmann Gottlieb Friedrich Aschenborn, und den andern die Clairschen Kreditoren. Diese haben sie wieder an die Träger verpachtet. Man findet sie am Berlinischen Rathhause, Wolkenmarkt, an der Ecke des neuen Markts, unterm Schloß, unter den Linden, am Dönhofschen Platz, und auf dem Friedrichstädtischen Markte. (http://books.google.de/books?id=uS4CAAAAcAAJ&pg=PA977&lpg=PA977&dq=s%C3%A4nften+berlin+v.+clair&source=bl&ots=Kg0jEkOwVt&sig=xodZr3HB1ziPqE_hYMt0nQgwIRs&hl=de&sa=X&ei=ZeVhUf-9PMnRsgaCw4HIAQ&ved=0CC4Q6AEwAA#v=onepage&q=clair&f=false)

Und zum anderen:  Anton Balthasar König – Versuch einer historischen Schilderung der Hauptveränderungen, der Residenzstadt Berlin, Theil 5, Berlin 1800, S.385f.
(Bayrische Staatsbibliothek):

„Der Gebrauch der Sänften (oder Portechaisen) war zwar in Berlin nichts Neues, wie ich solches in der Geschichte der Residenz unter der Regierung König Friedrich des I. gezeigt habe, indem man damals den französischen Flüchtlingen erlaubte, durch Einführung derselben sich Unterhalt zu verschaffen. Da sie aber seitdem fast außer Gebrauch gekommen waren, so fand sich in diesem Jahr ein Projektmacher, Namens Karl Heinrich von Clair (Hervorhebung von mir) ein, der den Vorschlag zur Bequemlichkeit der hiesigen Einwohner machte, solche wieder einzuführen. Die Sache ward dadurch neu, und was neu ist, lockt bekanntlich auf einige Zeit raschen Beifall ab. So erging es auch den Sänften. In allen Vierteln der Stadt wurden dergleichen Tragekutschen ausgestellt, mit Trägern in besonderer Montur versehen, und anfänglich ließen sich wirklich viele Menschen, nicht zur Bequemlichkeit, sondern mehr aus Neugierde, umhertragen. Als diese aber befriedigt war, gerieth das Unternehmen bald wieder in Stecken, und am Ende blieben, wie zuvor, nur noch einige Sänften übrig, die überdem wenig zu thun hatten, und bloß in Nothfällen gebraucht wurden.” (http://books.google.de/books?id=odcAAAAAcAAJ&pg=PA385&lpg=PA385&dq=s%C3%A4nften+berlin+v.+clair&source=bl&ots=t9Egoa-pBV&sig=NEgsReHWWlInr_c77Q25vHTU9UU&hl=de&sa=X&ei=fOxhUczuA4jpswaQ7ICwAw&ved=0CDMQ6AEwATgo#v=onepage&q=s%C3%A4nften%20berlin%20v.%20clair&f=false)

Wir sehen also, dass die Überlegung mit der Geschäftsaufgabe und womöglich auch dem Bankrott wahrscheinlich nicht ganz unzutreffend war. Doch ein Friedrich Wilhelm, der dann Förster wurde, war der Sänften-Clair namens Karl Heinrich mitnichten.

5. Mögliche Verbindungen
Allenfalls als späterer Jäger in Möllendorf mit dem Geburtsjahrgang 1759 käme der Sänften-Clair noch in Betracht. Dann wäre er zur Zeit der Unternehmensgründung 1779 gerade mal 20 Jahre alt gewesen und hätte die väterliche Erbschaft zur Geschäftsgründung genutzt. Ferner könnte er als möglicher späterer Bankrotteur mit Aberkennung seines Adelstitels auch der Vater des Müllers von Zielenzig (geb. 1791/92) gewesen sein, der ganz ähnlich hieß, nämlich Carl Friedrich Klähr (Klehr, Claire) und aus einer Hugenottenfamilie stammte.
Aber welche Beziehung könnte dann zu „unserem“ Ludwigswalder Unterförster Friedrich Wilhelm d.Ä. (1770-1815) bestehen? Um den Friedrich-Wilhelm v. Clar aus den militärischen Ranglisten kann es sich bei ihm nicht handeln, denn dieser ist bereits 1805 verstorben. Jedoch könnte dieser mit dem Friedrich Wilhelm v. le Clair, dem anderen Ingenieurkapitän neben Gottlieb August le (bzw. de bzw. von) Clair, identisch sein. Doch das bringt uns leider nicht weiter, was „unseren“ Unterförster Friedrich Wilhelm betrifft. So scheint es mir doch naheliegender zu sein, in ihm entweder einen „Fehltritt“ des Gottlieb August (1730-1778) im Alter von vierzig Jahren mit einer Hausangestellten auf den Ländereien seiner Frau, der mutmaßlichen polnischen Gräfin Anna Rosine von Dobrakowska, zu vermuten. Oder „unser“ Friedrich Wilhelm ist ein unehelicher Abkömmling einer der hugenottischen Demoiselles le Clair, die im frühen bis mittleren 18. Jahrhundert in Berlin lebten.

Bei Wikipedia heißt es:
„Das uneheliche Kind führt meist den Familiennamen der Mutter; war die Mutter in historischer Zeit adelig, dann ohne Adelsprädikat, doch sind die Fälle nicht selten, dass es nach Anerkennung der Vaterschaft den Familiennamen des Vaters annimmt (oder diesen durch spätere Eheschließung der Eltern erhält). Aber auch nach dieser Legitimation kam es in vergangenen Jahrhunderten vor, dass das auf den Namen der Mutter getaufte Kind deren Geburtsnamen beibehielt.
Bei sehr ungleichem sozialen Stand legitimierten die Väter ihre unehelichen Kinder nicht selten durch Eheschließung auf dem Sterbebett oder durch eine Ehelichkeitserklärung.
In der Genealogie werden Uneheliche auch illegitime Kinder (wörtlich: ‚unrechtmäßig‘) genannt und sind mit ihren wenigen Personalangaben, auch bezüglich der Mutter, oft sogenannte Tote Punkte. Nach dem Willen Josephs II. sollten im Habsburgerreich Väter von unehelichen Kindern ab 1784 nur auf eigenen Wunsch in den Matriken eingetragen werden. Viele Pfarren, die hier von 1784 bis 1938 Standesamtsfunktion hatten, legten jedoch eine eigene Liste für die Väter an.[8] Für Pfarrer war eine zu frühe Geburt früher gelegentlich Anlass, nachträglich das Wort „Jungfrau“ im Traubuch zu streichen. Waren die Schwängerung bzw. der voreheliche Geschlechtsverkehr bereits bei der Trauung bekannt, so fand die Hochzeit in der Regel „in der Stille“ und „ohne Sang und Klang“ statt. Wegen der größeren Kindersterblichkeit bei den vom Milieu häufig benachteiligten Unehelichen sind sie in Ahnenlisten weit seltener vertreten, als man auf Grund dieser Prozentzahlen erwarten könnte.
Im 18. Jahrhundert betrug der Anteil der unehelichen Geburten auf dem Land oft mehrere Prozent, dort, wo die Heirat dem Bauern vorbehalten war und Dienstboten prinzipiell nur unehelich zeugen konnten.
In Württemberg wurde 1807 die Freiheit der Eheschließung verkündet, in Bayern 1808 ein liberaleres System der Ehekonzessionierung eingeführt. Auf Druck der Kommunen, da mit der Ehe das Bürgerrecht und die Unterstützung im Falle der Armut eng verbunden war, und in Eindruck der Pariser Julirevolution von 1830 wurden wieder restriktive Verehelichungsbeschränkungen geschaffen und nach der Revolution von 1848 nochmals verschärft. Vor der Reichsgründung gab es nur in Preußen, in Abstrichen auch in Sachsen, der linksrheinischen Pfalz und einigen Duodezfürstentümern weitgehende Ehefreiheit. In Württemberg mussten Vermählungswillige vor der Reichsgründung 1871 ein gemeinsames Vermögen von 1000 Gulden nachweisen. Eine Verehelichungs-Kommission prüfte dies, aber auch das Verhalten und die „Aufführung“ der Brautleute. Dem Gesuch musste ein Zeugnis des Arbeitgebers beigelegt werden, aus dem die Verdiensthöhe, die Sicherheit des Arbeitsplatzes und das allgemeine Betragen hervorgehen sollte. Durch solche Hemmnisse wurden in Württemberg vor 1871 17 % aller Kinder unehelich geboren, in Bayern 25 %. Nach Einführung der Ehefreiheit halbierten sich die Zahlen innerhalb weniger Jahre.
Um 1900 erreichte der Anteil der unehelichen Geburten in Städten wie Leipzig und Dresden fast 20 Prozent. Seit den 1950er-Jahren steigen die Unehelichkeitsraten wieder enorm an, was mit der Abnahme der Ausgrenzung von Mutter und Kind einherging, und erreichen regional wieder Werte um 50 %.
Je nach kulturellem und sozialem Umfeld galten und gelten uneheliche Geburten als Schande für die Mutter und das Kind. Uneheliche Kinder hatten zeitweise Sanktionen zu tragen, beispielsweise nicht in die Handwerkergilden aufgenommen zu werden. Begründung war die Leute damit von fleischlichen Verbrechen abzuhalten, da sie wissen mussten, dass auch ihre dadurch gezeugten Söhne bestraft werden.
Auch kirchliche Weihen konnten sie nicht empfangen. In der römisch-katholischen Kirche galt die uneheliche Geburt bis 1983 als Weihehindernis für die Priesterweihe.
Ab dem 12. Jahrhundert besannen sich die Herrscher auf Regelungen aus dem römischen Recht. Die illegitimen konnten mit kirchlichen Dispensen und herrschaftlichen Legitimierungen teilweise behelfen.
Einige Heimatfilme der 1950er und 1960er Jahre nahmen sich des Themas der unehelichen Kinder an. Bis in die 1970er Jahre hinein war es üblich, zwischen „ehelichen”, „scheinehelichen” und „unehelichen” Kindern zu unterscheiden. Veraltete, heute beleidigende Bezeichnungen für uneheliche Kinder sind Bastard und Bankert. Auch die Redewendung Kind und Kegel bezieht sich auf eheliche und uneheliche Kinder.“

6. Der Ingenieurkapitän le Clair
Noch einige interessante Details konnte ich über das Leben des Ingenierkapitäns Gottlieb August v. le Clair in Erfahrung bringen:
Zunächst spielte er offenbar eine Rolle bei der Urbarmachung und insbesondere der Karthographierung des Wartebruchs in der Neumark, die zwischen 1767 und 1782 erfolgte.

„Das Warthebruch ist eine Sumpf- und Moorlandschaft in der ehemaligen Brandenburger Neumark, heute in der Woiwodschaft Lebus, Polen. … Der preußische König Friedrich II. beauftragte Franz Balthasar Schönberg von Brenkenhoff mit der Trockenlegung und Urbarmachung der Region zwischen den Städten Küstrin und Landsberg (Warthe). Die Trockenlegung fand 1763 bis 1767 analog zu der Trockenlegung des Netzebruches und ähnlich dem des Oderbruches statt. Hierdurch konnte für den preußischen Staat 95.201 Morgen urbares Land geschaffen werden.“ ( http://de.wikipedia.org/wiki/Warthebruch)

Der Ingenieurkapitän le Clair findet sowohl Erwähnung auf S.7 im Aufsatz von Paul Schwartz, „Die Urbarmachung des Warthebruchs in den Jahren 1767-1782“ in: Die Neumark. Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Neumark, Heft 6, 1929 (http://wiki-de.genealogy.net/Jahrbuch_Die_Neumark_06_%28Namensindex%29) als auch im Aufsatz von E.Schwandt „Die Karthographie der Neumark in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (S.1-83) in: Die Neumark. Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Neumark, Heft 10, 1935, S.1-83, gleich viermal auf S. 12, 14, 64 und 77 (http://wiki-de.genealogy.net/NeumarkDB_reg_nm10).

Außerdem gibt es noch zwei ausführliche Schreiben Friedrich des Großen an seinen Etats-Minister von Zedlitz, in welchen der Ingenieur-Capitän le Clair, also vermutlich wieder Gottlieb August, jeweils einmal erwähnt wird. Wir finden Sie wieder in Anton Balthasar König – Versuch einer historischen Schilderung der Hauptveränderungen, der Residenzstadt Berlin, Theil 5, Berlin 1800 auf S.347 ff.:

Brief von König Friedrich II.:
Mein lieber Etats-Minister von Zedlitz!
Da Ich für gut befunden, den Professor Marsson in meine Dienste zu nehmen, um ihn zu Berlin, zum doppelten Gebrauch dergestalt zu bestellen, als Erstens, daß er die jungen Offiziers, von der dortigen Garnison, welche bisher bei dem Kapitän, Le Clair gelernet (Hervorhebung von mir), in der Fortifikationsbaukunst, unterrichten, und zweytens seine übrige Stunden dergestalt einrichten soll, daß er auch an junge Leute bürgerlichen Standes, von Genie, Lektiones geben kann, da er denn in zwei Klassen unterscheiden soll, nehmlich zu der ersten Klasse, solche Leute die ein vorzügliches Genie, und Verstand zeigen, und zu der Fortifikations-Baukunst, mehr incliniren, und zu der anderen Klasse, dergleichen Subjekte, die mehr Lust haben, zu Kondukteurs und Ingenieurs für die Kammern, sich zu appliciren, welchen letztern er denn, besonders in dem Nivellement recht gründliche Anweisung geben soll; So habe ich Euch solches hierdurch bekannt machen, und Euch zugleich aufgeben wollen, diese Sache mit dem Professor Marsson gehörig zu arrangieren, und vorzüglich darauf zu sehen, daß zu denen, so die Geometrie erlernen wollen, Leute bürgerlichen Standes, von Begriffen und Verstand, und die noch jung, von 7 und 8 Jahren sind, ausgesuchet werden. Im übrigen werde ich dem Marsson wohl ein besonderes Trakrement anweisen, und solchergestalt den Meister bezahlen. Es gehen mich aber die übrigen etwa erforderlichen Kosten nichts an, sondern solche müssen die jungen Leute, so Lust haben, was zu erlernen, selbst über sich nehmen. Ihr habt euch demnach mit dem Professor Marsson über alles näher zu concertiren, und eine ordentliche Einrichtung zu treffen, und hiernächst wie die Sache reguliret worden, Euren Bericht zu erstatten. Ich bin Euer wohl affectionierter König.
Potsdam den 20. October 1775.
Friedrich.

Maarsson fertigte darauf einen Plan von dieser neuen Ekole de Genie an, worinnen er die drey französischen Etablissements, nemlich die Ekole de Genie, de Mezieres, die Akademie d‘ Architecture, und die Ekole des Inspecteurs de Pons et Chaussees zu vereinigen wünschte, und dem zur Folge denen Offiziers täglich zwei Stunden, denen jungen Leuten bürgerlichen Standes aber, zwei bis vier Stunden geben, und mit ihnen alle Theile der angewandten Mathematik, als Optik, Mechanik, Hydrostatik und Hydraulik durchgehen wollte. Der Minister aber schlug übrigens die Kosten zu dieser neuen Anstalt, wobei auch ein Zeichenmeister angestellt werden sollte, das Gehalt für den Marsson mit einbegriffen, auf vier bis fünf tausend Thaler an.

(Der Etat wird in allen Einzelheiten aufgeführt.)

Der Monarch aber nahm diesen Etat nicht an, und musste der Minister folgendes für Schlosser- und Tischlerarbeit, in den nachmals auf dem Schlosse angewiesenen Zimmern, die Kosten aus seiner Tasche bezahlen. Uebrigens erhielt derselbe im November d.J. folgendes Kabinetsschreiben.

„Mein lieber Staats-Minister Freyherr von Zedlirt. Auf Eurem gestrigen Bericht, wegen der daselbst zu errichtenden Sale de Genie, will ich Euch nachstehendes zur vorläufigen Direktion nicht verhalten. Zuförderst finde ich nicht nöthig, eine besondere Wohnung dazu zu miethen. Mein Ingenier-Capitän le Clair (Hervorhebung von mir), hat zur Unterweisung der Offiziers im dortigen Fürstenhause, einige Zimmer inne gehabt; und diese können nunmehr den Marsson, zu dieser Sale de Genie angewiesen werden. Hiernach muß , zu denen Eleven, eine sehr behutsame Auswahl getroffen werden. Tumme Teufels müssen sich darunter eben so wenig, als Windbeutels einschleichen. Nur offenen Köpfen, und jungen Leuten von Application, und guter Erziehung, soll der Zugang dazu offen stehen. Ich glaube dahero, daß man sich, auf Berlin, wo die Erziehung größtenteils schlecht ist, nicht einschränken, sondern aus denen Provinzen, dergleichen junge Leute aussuchen muß. Ich rechne auf jeden, etwa Einhundert Rtl. Jährlich, und denke, diese Summe wird hinlänglich seyn…
Ich bin Euer wohl affectionierter König.
Potsdam den 18. Novemb. 1775
Friedrich“

Bei so eingeschränkten Aussichten, mußte sich der Minister so gut helfen, als möglich. Es kam dahin, daß Marsson, auf dem königlichen Schlosse, wo ihm ein Zimmer eingeräumt wurde, Unterricht gab, und wenn der König im Winter zum Karnaval nach Berlin kam, mußten ihm die in dieser Schule befindliche Offiziere, wozu auch einige aus fremden Garnisonen gezogen wurden, ihre Ausarbeitungen und Zeichnungen vorlegen, und sprach sie auch wohl selbst. Dies währete bis zum Tod des Monarchen. (1786; Anm. d.Verf.) Sein Nachfolger legte die Ekole de Genie in Potsdam an, wozu der Major von Scheel aus dänischen Diensten, berufen wurde, um darüber die Aufsicht zu führen. Marsson kam anfänglich auch dahin, überwarf sich aber, und ging nach Berlin zurück, wo er seine Pension, ohne dafür zu arbeiten, verzehrte. Dieser Mann war ein geborener Franzose, sein Körper verwachsen, und kaum drei Fuß hoch, glich einem Aesop, und hatte nur ein Auge. Demohnerachtet war er äußerst lebhaft und witzig. Ob er sein Fach verstanden hat, kann ich nicht entscheiden; so viel ist gewiß, daß er durch seinen Unterricht keine Beispiele gegeben hat, daß daraus großer Nutzen entstanden wäre. Nach seinem Tode ward sein Gehalt zu der neuen Schule gezogen, welche der Obrist von Tempelhof für die Artillerie anlegte. – Der jetzige Major des Ingenieurkorps, Müller, ließt auf königlichen Befehl gegenwärtig Kollegia, für eine Auswahl von Officieren, von denen in Berlin und in der Churmark Brandenburg garnisonirenden Infanterieregimenter, wodurch bereits wesentlicher Nutzen für die Armee gestiftet, und mancher Kopf von Anlagen, für den Dienst des Königs mit Vortheil ausgebildet worden ist. (http://books.google.de/books?id=odcAAAAAcAAJ&pg=PA385&lpg=PA385&dq=s%C3%A4nften+berlin+v.+clair&source=bl&ots=t9Egoa-pBV&sig=NEgsReHWWlInr_c77Q25vHTU9UU&hl=de&sa=X&ei=fOxhUczuA4jpswaQ7ICwAw&ved=0CDMQ6AEwATgo#v=onepage&q=%20clair&f=false)

Es bleibt natürlich zu fragen, warum Gottlieb August le Clair seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Ausbilder der jungen preußischen Offiziere im Jahr 1775 im Alter von 45 Jahren, drei Jahre vor seinem frühen Tod, abbrach oder abbrechen musste. Zwangen ihn gesundheitliche Gründe dazu? Musste er sich anderen Aufgaben widmen? War etwas vorgefallen, das ihn in königliche Ungnade hatte fallen lassen? Doch kann zumindest eines als sicher gelten: Etwaige Seitensprünge oder uneheliche Kinder dürften hierbei kaum eine Rolle gespielt haben, denn unter König Friedrich herrschte in dieser Hinsicht in Preußen eine große Liberatität.
Schließlich wird G.A. v. Clair auch noch als Übersetzer eines weiteren Buches aus dem Französischen „auf höchsten Befehl“ angeführt, nämlich von: Marsch. V. Vauban: Abh. v. d. Vertheid. d. Festungen. (http://books.google.de/books?id=cjYPAAAAYAAJ&pg=RA2-PA41&dq=%22v.+Clair%22+-st.&hl=de&sa=X&ei=4UJjUbTeKMHQtQb914CIBQ&ved=0CDQQ6AEwAA#v=onepage&q=%22v.%20Clair%22%20-st.&f=false) Daneben hatte er ein Buch über die Kriegskunst Ludwigs XIV. aus dem Französischen ins Deutsche übertragen.

7. Die Clairs in Schlesien
Bleibt noch der Jäger Clair (Jahrgang 1759) aus dem ominösen Möllendorf, der Wildschweinbezwinger. Vor einigen Monaten scheiterten wir noch an der räumlichen Zuordnung Möllendorfs. Mittlerweise hat Kathi, die Freundin bzw. Frau unseres entfernten Verwandten Andreas Z., zwei benachbarte winzige Orte namens Möllendorf in Schlesien entdeckt, so wie es im Zeitungsbericht auch angegeben war. Im „Güteradressbuch Schlesien 1873/Sagan“ finden sich:

Möllendorf, Ober-
Größe
378 Morgen (davon 325 Acker, 48 Wiesen , 5 Wald )
Grundsteuer
338
Besitzer
Louis Napoleon Herzog von Sagan und Valency in Valency und Sagan
Pächter
Amtmann Fischer in

Möllendorf, Unter-
Grundsteuer
333
Besitzer
Louis Napoleon Herzog von Sagan und Valency in Valency und Sagan
Pächter
Amtmann Fischer in (http://wiki-de.genealogy.net/G%C3%BCteradressbuch_Schlesien_1873/Sagan#M.C3.B6llendorf.2C_Ober-)

 

An dieser Stelle ist noch einmal daran zu erinnern, dass der Sohn des Jägers Friedrich Wilhelm d.J., der Jäger Otto Wilhelm Claer (1859-1937) mit seiner Familie in den 1890er Jahren nach Ober-Leutmannsdorf (Kreis Schweidnitz) in Schlesien ausgewandert ist.
Andreas Z. kommentierte den Fund sogleich mit den Worten: „Sagan liegt nicht weit von unserem Leutmannsdorf entfernt, in dem meine Oma geboren wurde.“ Er hatte ohnehin schon zuvor die Annahme geäußert, dass in der Gegend von Leutmannsdorf/Schlesien bereits verwandte Claers gewohnt hatten, als sein Urgroßvater Otto Wilhelm Claer aus Ostpreußen dorthin zog. Er hatte insbesondere eine Emma Claer im Auge, die wohl bei Ankunft der Familie des Otto Wilhelm bereits dort gelebt haben soll. Für sie hatte es aber bislang keine Zuordnung gegeben. Sie könnte ein Abkömmling des Wildschweinbezwingers sein.

Es lassen sich aber auch schon einige Jahrzehnte  vor dem Wildschweinbezwinger Klärs in Schlesien nachweisen. Die folgenden Bauernlisten von Schirmke aus dem Staatsarchiv Breslau zeigen außerdem, wie sich die Namens-Schreibweise in jeder Zeit fast schon beliebig verändert hat:

“Bauernliste” 1723 (http://wiki-de.genealogy.net/Schirmke)
§    Adam KLÄR, Richter (Hervorhebung von mir)
§    Thomas HERDE
§    Hannes FÜLBIER
§    Georg FÜLBIER (MASE)
§    Marianne FÜLBIER (Franzepold)
§    Thomas GRUHMANN (Richard FÜLB[IER])
§    Lorenz ROTHER (Selmes und Josefes)
§    Martin ALBERT (ALKER)
§    Michael BROSCHE
§    Georg Kretschmer FÜLBIER (Ernstes)
§    George MELTZER (ALBRECHT)
§    Martin FÜLBIER (KLEHR Gustav)
§    Lorentz OTHO (PAWELKE)
§    Martin FÜLBIER (WILLISCH)
§    Valentin HAMPEL [1712 aus Zauchwitz]
§    Georg NÖLSCHER (FÜLBIER Leo)
Quelle: Staatsarchiv Breslau, Akten 201c, Kath.-Arch.B.103 und 113 in “Chronik von Schirmke” von Josef Pawelke, Dortmund 1962

Bauern des Katasters 1743 (Ebd.)
§    Jakob KLEER (Hervorhebung von mir)
§    Juditha HERDIN
§    Anna FÜLBIERin
§    Marie FÜLBIERin
§    Marting FÜLBIER olim Marianne
§    Martin GRUHMANN olim Thomas
§    Lorentz ROTHER
§    Eva ALBERTin olim Martin
§    Juditha FÜLBIERin olim George
§    Jakob BROSCHE olim Miachael
§    George MELTZER
§    Martin FÜLBIER
§    Martin WIRTH olim Lorenz OTTO
§    Franz FÜLBIER olim Martin
§    Valentin HAMPEL
§    Georg NÖLSCHER, Richter
§    Georg LAMICH
Quelle: Staatsarchiv Breslau, Akten 201c, Kath.-Arch.B.103 und 113 in “Chronik von Schirmke” von Josef Pawelke, Dortmund 1962

Demnach könnte auch bereits in ganz früher Zeit, also vor 1723, schon eine Abwanderung z.B. aus Berlin nach Schlesien erfolgt sein, von dort vielleicht eine Migration in Teilen der Familie nach Ostpreußen und durch den besagten Otto Wilhelm Claer auch wieder zurück nach Schlesien.
Als ein Bindeglied zwischen Berlin und Schlesien oder auch alternativ als hugenottischer Einwanderer direkt nach Dresden (die es ja auch gegeben hat) könnte der in einem Ahnenforschungsforum diskutierte Oberst le Clair in Dresden im Jahr 1730 angesehen werden. Konkret äußert sich ein Internetnutzer namens Günter Claus am 12.2.2013 um 17.35 Uhr wie folgt:

Oberst le Clair ,Dresden, 1730 ,französisch reformiert. Hugenotte? (http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=82516)

Die beiden Antworten im Forum sind aber nicht weiterführend.
Außerdem habe ich noch zwei aus Schlesien stammende Personen mit dem Namen Klehr gefunden, die aber wenn, dann eher eine wenig schmeichelhafte Verwandtschaft wären.
Zum einen ist da Josef Klehr (* 17. Oktober 1904 in Langenau, Oberschlesien; † 23. August 1988 in Leiferde). Er war ein deutscher SS-Oberscharführer und SS-Sanitätsdienstgrad (SDG) im KZ Auschwitz I. (http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Klehr) Weiter heißt es bei Wikipedia:

„Josef Klehr wurde als Sohn eines Erziehers geboren. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er das Tischlerhandwerk. Bis 1934 arbeitete er als Tischlergeselle. Ende 1934 (nach einem vergeblichen Versuch, als Erzieher in der gleichen Anstalt, in der sein Vater tätig war, unterzukommen) wurde er Pfleger in der Heil- und Pflegeanstalt in Lebus. Ab 1938 übernahm er eine Stelle als Hilfswachtmeister im Zuchthaus Wehlau.
Bereits im Herbst 1932 war Klehr der SS und der NSDAP beigetreten. Im August 1939 wurde er zur Waffen-SS eingezogen. Er kam zur Wachmannschaft des KZ Buchenwald. 1940 wurde Klehr als SS-Sanitäter ins KZ Dachau versetzt, wo er sowohl im Häftlingskrankenbau als auch im SS-Revier tätig war. Im Oktober 1941 wurde er zum SS-Unterscharführer befördert und ins KZ Auschwitz abkommandiert. Dort wurde er zunächst im Häftlingskrankenbau des Stammlagers als leitender Sanitäter eingesetzt. (…)
Klehr war berüchtigt für sein „Abspritzen“ (Mord durch Phenolinjektion in den Herzmuskel) von Häftlingen. (…)
Klehr liebte es, nach der Untersuchung der kranken Häftlinge durch den Lagerarzt weitere Häftlinge in den Krankensälen des Häftlingskrankenbaus für die Tötung durch Phenol auszusuchen, sowie der Lagerarzt das Lager verlassen hatte. Dabei ging er durch die Krankenblocks und wählte willkürlich jüdische Häftlinge aus […] [Er] hatte eine Vorliebe für gerade Zahlen. Er wollte die Zahl der durch den Lagerarzt zur Tötung ausgewählten Häftlinge ‚nach oben aufrunden‘.“
Klehr war, ab Frühjahr 1943 als Leiter des Desinfektionskommandos, an den Massenmorden in den Gaskammern direkt beteiligt. In einer Reihe von Fällen hatte er das Zyklon B in die Gaskammern hineingeschüttet, nachdem „jüdische Menschen, die mit einem Reichssicherheitshauptamt-Transport kamen, dort eingeschlossen waren.“[1]
Am 20. April 1943 wurde Klehr für seine „Verdienste“ mit dem Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet. Ab Juli 1944 leitete er den Häftlingskrankenbau im Nebenlager Gleiwitz I und war für den sanitären Bereich der Nebenlager Gleiwitz I bis IV verantwortlich. Im Rahmen der Evakuierung des KZ Auschwitz, zwischen dem 17. Januar und dem 23. Januar 1945, bewachte Klehr eine Häftlingskolonne und begleitete diese in das KZ Groß-Rosen. Dort wurde er einem SS-Kampfverband angeschlossen und kam gegen Kriegsende über die Tschechoslowakei nach Österreich.

In Österreich geriet Klehr im Mai 1945 in amerikanische Gefangenschaft. Er wurde ins Kriegsgefangenenlager nach Böblingen verbracht und von einem Lagergericht wegen Zugehörigkeit zur SS zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt.
Im März 1948 wurde er aus dem Arbeitslager nach Braunschweig entlassen. Dort arbeitete er bis zu seiner erneuten Verhaftung im September 1960 als Tischler. Zu diesem Zeitpunkt war er verheiratet und hatte zwei Kinder.
Im 1. Auschwitzprozess, der am 20. Dezember 1963 vor dem Schwurgericht in Frankfurt am Main aufgenommen wurde, wurde er im August 1965 zu lebenslangem Zuchthaus und weiteren 15 Jahren Zuchthaus wegen Mordes in „allermindestens 475 Fällen“ und Beihilfe zum Mord in mehreren Tausend Fällen verurteilt. Zudem verlor er die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Am 25. Januar 1988 wurde die Strafvollstreckung wegen Vollzugsuntauglichkeit ausgesetzt, am 10. Juni 1988 wurde dann der Strafrest zur Bewährung ausgesetzt. Klehr starb wenige Monate später.“ (Ebd.)
Auch im Theaterstück „Die Ermittlung“ von Peter Weiß heißt einer der Nazi-Aufseher in Auschwitz Klehr. Es ist anzunehmen, dass Josef Klehr hier Vorbild gestanden hat.

Der andere Klehr aus Schlesien ist  Nikolaus Walther Klehr (* 1944 in Breslau), ein Dermatologe mit Praxen in München und Salzburg. Er ist wegen einer fragwürdigen Therapieform für Krebserkrankungen, deren Wirksamkeit nicht belegt ist, umstritten. (http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Klehr)

Weier heißt es bei Wikipedia: „Nikolaus Walther Klehr wurde 1944 in Breslau als Sohn der Eheleute Walter und Agnes Klehr geboren. Er absolvierte ein Studium der Humanmedizin und Biologie an den Universitäten Heidelberg und Frankfurt am Main. Seinen von einer peruanischen Universität verliehenen Professorentitel darf er nach einem Urteil des Landgerichts München nicht mehr führen.“ (Ebd.)
Berühmt bzw. berüchtigt ist die umstrittene „Krebstherapie nach Klehr“. „Klehr ließ 1991 eine Eigenbluttherapie unter der Bezeichnung Autologe Target Cytokine, kurz ATC, patentieren…. Die Behandlung in Klehrs Salzburger Praxis mit täglichen Infusionen kostet, nach Angaben von Patientenangehörigen, zwischen 13.000 und 35.000 Euro. Die Übernahme der Kosten für die Autologe Target Cytokine-Behandlung nach Klehr durch die deutschen gesetzlichen Krankenkassen ist in der Anlage II der Richtlinie Methoden in der ärztlichen Versorgung des Gemeinsamen Bundesausschuss ausgeschlossen.
Wissenschaftler der Deutschen Krebshilfe fanden keinerlei Nachweis für die behauptete Wirksamkeit von Klehrs „Wundermittel“. … Hans Hege, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, bezeichnete 1998 Klehr als einen „Scharlatan, der mit der Hoffnung von Krebskranken Geld macht“. (Ebd.)

8. Die Klärs, Le Clercs und Le Clairs in der Neumark und der Uckermark
Doch nicht nur in Schlesien, auch in anderen ehemals preußischen Gebieten finden sich Hinweise auf Hugenotten mit Namen Clair in diversen Schreibweisen, die auf eine frühe Abwanderung einzelner Familienmitglieder aus Berlin hindeuten. Vom Müller Carl Friedrich Klähr (Klehr, Claire), geb. 1791/92, aus Zielenzig war bereits mehrfach die Rede.
Im Tauf- und Trauregister 1581-1827 von Königsberg (Neumark) (Nicht zu verwechseln mit der preußischen Metropole Königsberg, heute Kaliningrad. Die Kleinstadt Königsberg/Neumark heißt heute Chojna und liegt direkt hinter der deutsch-polnischen Grenze in Westpolen.) gibt es den Eintrag:

Klär; 1749; 1813 (http://wiki-de.genealogy.net/K%C3%B6nigsberg_%28Neumark%29/Tauf-_und_Trauregister_1581-1827_%28Namen%29)

Wenn die Geburt dieses Namensträgers nicht schon im Jahr 1749 und somit bereits anderthalb Jahrzehnte vor Beginn der Trockenlegung des Warthebruchs erfolgt wäre, hätte man auf den Gedanken verfallen können, dass der Ingenieurkapitän Gottlieb August le Clair hier seine Hand im Spiel gehabt haben könnte.
In Strasburg in der Uckermark, der heute einzigen uckermärkischen Ortschaft im Bundesland  Mecklenburg-Vorpommern, hat es zu verschiedenen Zeiten Einwohner des Namens Le Clerc / Le Clair gegeben.

Strasburg

„Im 17. Jahrhundert wurde die Einwohnerzahl der Stadt durch den Dreißigjährigen Krieg, Stadtbrände und die Pest zeitweise auf 200 dezimiert. Mit der Ansiedlung von 244 Glaubensflüchtlingen aus Frankreich, den Hugenotten, Ende des 17. Jahrhunderts begann die wirtschaftliche Erholung Strasburgs.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Strasburg_%28Uckermark%29)

Im digitalisierten Buch: „Französische Ackerbauern aus der Pfalz und der Uckermark in Ostpreußen“ von Dr. Siegfried Maire, Berlin 1939, Verlag des Deutschen Hugenottenvereins, stellt der Verfasser die Kolonistenlisten von Strasburg aus den Jahren 1691 und 1700 vor. Sie enthalten die Namen de Frenne, Dubois, Galle, Gobare, L’Allemand, Legrand, Rogé für das Jahr 1691 und  Defrene, Goubart, Leclair (Hervorhebung von mir), Roger für das Jahr 1700. Der Autor versucht anhand von Namensähnlichkeiten der Einwohner von Warnehlen, Groß-Berschkurren, Bibehlen und Guddatschen in Ostpreußen aus den Jahren 1717 ff. den Nachweis, dass es zu jener Zeit eine Auswanderungswelle aus Strasburg nach Ostpreußen gegeben habe. Allerdings finden sich in den genannten ostpreußischen Orten nur die Namen Jean Leauclair, Joh. Leauclair, Heinrich Laucklair, Isaac Leauclair, Abr. Lauclair und Hans Lauclair. (http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2006/3544/pdf/A008723060.pdf) Ob sich aber Leauclair, Laucklair und später Lockler wirklich ursprünglich von Le Clair ableiten lassen, ist schon deshahlb äußerst fraglich, weil die französischen Namen bei ihrer Eindeutschung eigentlich immer vereinfacht, aber niemals verkompliziert worden sind.  (So auch die Forum-Kommentare unter http://forum.ahnenforschung.net/archive/index.php/t-27612.html.) Darüber hinaus leitet sich die Familie Loclair in Ostpreußen ausschließlich vom Schweizer Einwanderer Abraham Loclair ab, dessen Genealogie noch in der Schweiz bis zu seinem Großvater Jean Loclair, geb. ca. 1624, zurückgeht. (Ebd.)

Am 21. November 1723 heirateten in Strasburg in der Uckermark Sara und Jean Wendel Kaufmann, letzterer ein Sohn des Jacob Kaufmann und seiner Mutter Anne Clair. (http://www.hugenotten-uckermark.de/genealogyen/efieret/eFIg03.htm)

Am 4. Januar 1761 wurde in Strasburg in der Uckermark eine Susanne Le Cerc als Tochter von Jacques Le Clerc und seiner Frau Marie Magdelaine Travernier geboren. Am 15. April 1967 folgte ihre Schwester Marie Le Clerc. Susanne Le Clerc starb am 5. März 1835 ebenfalls in Strasburg in der Uckermark. ( http://www.hugenotten-uckermark.de/Genealogiedt/defrenne/DEFg06.htm#3333)

In den Kirchenbüchern/Seelenlisten für Strasburg in der Uckermark von 1785 erscheint schließlich ein Jacob le Clair, Beruf: Ackermann.

Und zu guter Letzt noch ein Zitat aus dem Buch von Martin Düspohl, „Kleine Kreuzberggeschichte“, Berlin-Story Verlag:

„Die Besetzung Berlins durch Napoleon war für die Berliner Hugenotten sogar ein Anlass, ihre französische Identität abzustreifen und sich als Preußen zu definieren. Ein Henri Lejeune nannte sich plötzlich Heinrich Junge, Francois Chanalle Franz Schnalle und Charles Leclerc Karl Klericke (Hervorhebung von mir).“ (http://www.kreuzberger-chronik.de/chroniken/2009/november/geschichten.html)

9. „Moppel“ Claer – unsere peinliche Verwandtschaft?
Als abschließende „Krönung“ dieser Ausführungen kommen wir nun zu Hans Henning Claer (1931-2002), Spitzname: „Moppel“ Claer, dem Sohn des Erich Claer, eines Vetters meines Großvaters Gerhard Claer.
Auch wenn er wohl überwiegend als „schwarzes Schaf“ der Familie angesehen worden sein dürfte, so handelt es sich bei ihm doch um einen echten Prominenten, denn er ist immerhin der Einzige aus der preußisch-hugenottischen Linie unserer Familie, über den es einen Wikipedia-Eintrag gibt. (Bei den beiden schlesischen Klehrs, dem KZ-Massenmörder und dem Scharlatan-Krebsarzt, ist die Verwandtschaft – glücklicherweise – unsicher, siehe oben.)
Wikipedia stellt ihn wie folgt vor: „Hans Henning Claer, auch bekannt als Moppel Claer (* 30. Dezember 1931 in Berlin; † Dezember 2002 in Bergkamen), war ein deutscher Schriftsteller. Leben: Ursprünglich Boxer, Bergmann und Polizist, wurde Claer in den frühen 1970er Jahren bekannt durch seine derben Romane, die das Milieu des Ruhrgebiets zum Hintergrund haben und das Bild eines auf Maloche (Arbeit), Sex und Alkoholkonsum reduzierten Lebens in den Zechensiedlungen zeichnen. (…)
Claers Bücher dienten als lockere Vorlage für die Laß jucken, Kumpel-Reihe von insgesamt sechs Sexfilmen, die in den Jahren 1972 bis 1975 und 1981 entstanden und in denen er selbst mitspielte. Er verstarb im Dezember 2002, nachdem er als Folge eines Schlaganfalls nahezu 15 Jahre lang bettlägerig und gegen Ende seines Lebens ein Pflegefall gewesen war. Werke: Autobiografie: Bulle, Schläger, Nuttenjäger. Rowohlt, Reinbek 1987, ISBN 3-499-15892-2. Romane: Laß jucken, Kumpel. März Verlag, Frankfurt/M. 1971, ISBN 3-499-15048-4. Das Bullenkloster. März Verlag, Frankfurt/M. 1972, DNB 720097053. Bei Oma brennt noch Licht. März Verlag, Frankfurt/M. 1979, DNB 800751485.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Henning_Claer)

Foto Hans-Henning-ClaerHans Henning Claer mit seinem handgeschrieben Manuskript und dem Buch “Lass jucken Kumpel” Foto: Ulrich Bonke

Ich war natürlich bereits vor etlichen Jahren im Internet auf ihn gestoßen, hielt aber eine Verbindung zu unserer Familie damals für völlig ausgeschlossen. Doch als ich vor einigen Wochen einen indirekten Hinweis auf einen ostpreußischen Hintergrund bei ihm fand, konnte ich nicht mehr länger die Augen davor verschließen.
Es ist nämlich mittlerweile die Einwohnerliste von Groeben, Kreis Osterode/Ostpreußen des Jahres 1945 digitalisiert. Dort heißt es:
Laut vorliegenden Aufzeichnungen wohnten in dieser Gemeinde noch nachstehende Personen bzw. Familien (Stand 1945):

… Claer, Erich, Berliner Kaufmann (Zweitwohnsitz) … (http://files.bildarchiv-ostpreussen.de/files/fotoalbum/dokumente/orte/Groeben.pdf)

Nach dem mir vorliegenden Stammbaum unserer Familie hatte mein Urgroßvater Georg Claer (6.5.1877-2.5.1930), der um 1900 zur Zeit des Boxeraufstands Meldereiter in China gewesen war, fünf Geschwister: neben seinem jüngeren Bruder Richard von der Post und den drei jüngeren Schwestern Armanda, Martha und Hedwig nämlich auch einen älteren Bruder, Franz Claer, verheiratet mit Emma Claer. Dieser Franz Claer d.J. war der älteste Sohn meines Ururgroßvaters Franz Claer d.Ä., des Postschaffners, der ein spätgeborener Sohn des Jägers (und vorübergehenden Chausseewächters) Friedrich Claer war. Und Franz Claer d.J. hatte mit seiner Frau Emma gem. unserem Stammbaum drei Kinder: den Sohn Erich Claer sowie die Töchter Margarete und Hildegard. Über sie gibt es im Stammbaum keine weiteren Angaben.
Nun wissen wir also, dass Erich Claer Kaufmann in Berlin war und seinen Zweitwohnsitz in Groeben/Ostpreußen hatte. Da ist die Vermutung natürlich naheliegend, dass der 1931 in Berlin geborene „Moppel“ Claer der Sohn des Erich Claer war. Zur Überprüfung dieser Annahme besorgte ich mir bei Ebay die Autobiographie von „Moppel“ Claer, „Bulle, Schläger, Nuttenjäger“ (Kostenpunkt: ein Euro plus Porto) und fand meine Vermutung voll bestätigt.
Die Lektüre dieses Buches kostet zunächst etwas Überwindung, denn auf der Rückseite steht geschrieben: „Was ist noch schärfer als Hans Henning Claers aufgeregt diskutierte Ruhrpott-Romane ‚Lass jucken, Kumpel‘ und ‚Bei Oma brennt noch Licht‘? Seine unverblümt erzählte Lebensgeschichte!“ Auch durch die Abbildung auf der Vorderseite macht das Buch einen eher zweifelhaften Eindruck, so dass man es sich eigentlich nicht so gerne ins Regal stellen möchte. Doch glücklicherweise schildert der Autor darin nicht nur sehr ausführlich und detailliert sein ungeheuer opulentes Liebesleben, sondern auch ebenso ausgiebig seinen familiären und biographischen Hintergrund.
Sein Vater Erich Claer wurde am 6.1.1901 geboren. Er wurde leicht zornig, sein Zorn verrauchte aber auch schnell wieder. Vor dem Krieg war er Treuhandrevisor (eine Art Wirtschaftsprüfer) bei der Deutschen Bank und fuhr einen „Steyer Super 200“ mit roten Ledersitzen. Seine Frau, „Moppels“ Mutter, war eine ostpreußische Großbauerntochter. Die Familie, die außerdem aus „Moppels“ drei jüngeren Geschwistern Dieter, Lorelies und Heiner bestand, lebte in Berlin-Steglitz in einer 6-Zimmer-Wohnung, Am Fenn 14, direkt am Teltow-Kanal und am Stadtpark Steglitz. Außerdem hatte Vater Erich Claer „in Ostpreußen im Kreis Osterode eine Landwirtschaft erworben.“
Die Flucht der Familie aus Ostpreußen schildert der Verfasser wie folgt:
„ In Berlin ausgebombt, lebten wir in Ostpreußen bis zu unserer Flucht wie die Maden im Speck. … Oma Emma war zu der Zeit nicht mehr in Gröben … Meine Kaninchen trug ich auf den Heuboden, damit sie Futter hatten. … Die beiden Schäferhunde … wurden abgeknallt. Hinter dem unendlich langen Treck flüchteten Menschen per pedes. In ihrem Rücken das ewige Jaulen der Stalinorgel. Die meisten Wagen flüchteten in Richtung Frisches Haff. Sie sollten in ihr Verderben fahren. Wir entschlossen uns, nach Westpreußen weiterzuziehen. Papa war nämlich vor einem Jahr Soldat geworden und lag zuletzt bei einer Pioniereinheit in Dirschau, war inzwischen Fahnenjunker-Feldwebel. Tatsächlich trafen wir ihn an. Er, der dem Kriegsgeschehen immer skeptisch gegenübergestanden hatte, zeigte sich als wahrer Optimist, seit er den Soldatenrock trug. Fahnenflucht? Kein Gedanke! Winkend stand er hinter unserem Leiterwagen mit der Zeltplane und rief uns nach: ‚Der Iwan kommt höchstens noch bis zu uns, dann kriegt er aber Zunder…‘ In Pommern holte er, der Iwan, uns dann ein. Papa hatte es nicht geschafft, den Krieg zu unseren Gunsten zu entscheiden. … Dieter und ich drückten uns die Nasen an der Fensterscheibe platt und heulten wie die Irren. … Lorelies und Heiner, unsere beiden Kleinen, konnten das wahre Ausmaß der Katastrophe noch nicht erfassen. Unsere zarte Mutter war nun die einzige Erwachsene in der Claerschen Runde. Ich kutschierte jetzt. Trotz der eisigen Kälte hatten wir durch unsere Schafspelze genügend Schutz, und wenn ich heutzutage ein Stück Schinken und ein trockenes Brot aus der Hand esse, denke ich immer an unser gefrorenes Brot und den geräucherten, hartgewordenen Schinken auf dem Treck. Aber in Altschlawe, wo uns der Russe eingeholt hatte, verloren wir unsere letzte Habe. … In Güterwagons gepfercht lagen wir… Dieter war zäher, konnte stehen und gehen, war aber geistig weg. Arme Mama. Sie musste uns Großen helfen und hatte dabei noch die Kleinen. … Wieder hielt der Zug auf freier Strecke, wieder polnische Plünderer. … Berlin hatten wir nach vier Tagen erreicht, die Verwandten lebten.“
Später heißt es: „Wir bezogen eine Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung in der Steglitzer Presselstraße gegenüber von Tante Else, die Mamas Schwester ist… „

Steyr_200

Ein Steyer Super 200, wie er von Erich Claer vor dem Krieg gefahren wurde.

Ein weiterer Verwandter von Hans Henning Claer in Berlin war sein Onkel Max Sakrezewski, ein Bruder seiner ostpreußischen Oma Emma. (Von seinem Opa Franz Claer d.J. ist aber nirgendwo die Rede, wahrscheinlich lebte er nicht mehr.) Onkel Max besaß ein Konfektionsgeschäft in der Steglitzer Bergstraße. Vor dem Krieg hatte er in Neukölln gelebt, nach dem Krieg betrieb er zusätzlich noch eine Bekleidungsfabrik und lebte in einer Villa in Steglitz.
Vater Erich Claer kam abgerissen und abgezehrt und müde lächelnd aus der Kriegsgefangenschaft im Ural zurück. Bald wurde er Personalchef bei der Fa. Meyer & Co. Er war oft in der Sauna, „aus reiner Eitelkeit, weil er mit seinen einsachtzig keinen Bauchansatz zeigen wollte.“ Im Dezember 1950 holte er sich an einem nasskalten Tag eine Lungenentzündung, zuvor war er in der Sauna gewesen.
„Onkel Max sagte zu Dr. Kramer (im Krankenhaus): ‚Tun sie alles, um diesen Mann zu retten, und wenn es mich Tausende kostet.‘ Max wusste, dass seine Geschäftsführer ihn nie bescheißen konnten, wenn Papa die Hand über die Bücher hielt.“
Doch Erich Claer war nicht mehr zu retten. „Herzwasser. Rußland. Zur Lungenentzündung war ein Herzkollaps gekommen. Er überwand ihn nicht. Es wurde ein schreckliches Weihnachtsfest 1950. Am 6. Januar `51 wäre Papa fünfzig Jahre als geworden.“
So wurde Hans Henning Claer zur Halbwaise. Noch zu Lebzeiten seines Vaters, der ihn begeistert zu allen Wettkämpfen begleitete, hatte er eine steile Karriere als Boxer hingelegt. Seine Gewichtsklasse war das Fliegengewicht. Bei einer Größe von 1,72 wog er als junger Mann lediglich 64 kg. (In späterem Alter wurde er jedoch übergewichtig.) Als Boxer erreichte er im damaligen West-Berlin eine große regionale Popularität und sollte es später bis zum Deutschen Polizeimeister im Halbweltergewicht bringen.
Er legte sein Abitur auf einem Steglitzer Oberrealgymnasium ab, ließ sich das aber, ähnlich wie heute etwa Dieter Bohlen, künftig nicht mehr anmerken. Schon als junger Mann entwickelte er eine starke Neigung zum Alkohol, heute würde man sagen: zum Komasaufen. Nach eigener Auskunft verkehrte er fortan bevorzugt in Kneipen und „Bumslokalen“. Das Nachtleben im damaligen Westen Berlins in den frühen 50er Jahren schildert er in den buntesten Farben. Insbesondere seien damals große Mengen an DDR-Bürgern nach West-Berlin gekommen, um sich dort zu amüsieren. (Auf einem späteren Berlin-Besuch in den 70er Jahren musste er allerdings feststellen, dass inzwischen längst nicht mehr so viel los sei wie damals zu seiner Zeit.)
Seine besondere Vorliebe galt den Frauen. Minutiös berichtet er von unzähligen erotischen Abenteuern, die er damals in Berlin erlebt habe. Seine bevorzugte Masche, mit den Damen ins Gespräch zu kommen, sei ein Spruch gewesen, den er sich aus einem seinerzeit populären Film geborgt habe: „Entschuldigen Sie, meine Dame, darf ich Sie auf etwas Wichtiges aufmerksam machen?“ „Wieso, worauf denn?“ „Auf mich.“ Mehrfach betont „Moppel“ Claer den unbedingten Wahrheitsgehalt seiner Geschichten. Er sei nun einmal kein Aufschneider. Beispielsweise habe er die Länge seines Zeugungsorgans immer und überall korrekt mit 16 cm angegeben. „Andere hätten 20 gesagt.“ Aber er bleibe nun einmal immer bei der Wahrheit.

Nach dem Abitur tritt er in den Dienst bei der Polizei ein. Sein damals noch lebender Vater habe ihm davon abgeraten, aber er habe es trotzdem gewollt. Einerseits lobt er später den „leichten Dienst auf der Registratur“, der ihm viel Zeit und Kraft für seine amourösen Eskapaden lässt. Andererseits beklagt er aber auch sein „mieses Polizistengehalt“, mit dem er kaum seinen aufwendigen Lebensstil bestreiten kann. Die Lage bessert sich jedoch für ihn, als er eine langjährige Liebesbeziehung zu einer jungen Frau namens Eva beginnt, die in der Bellermannstraße in Wedding wohnt und einen kleinen, aber sehr gut gehenden Laden am Bahnhof Gesundbrunnen betreibt. Dort verkauft sie insbesondere Süßigkeiten an Besucher aus dem Ostsektor Berlins und der DDR. Eva verdient dabei so gut, dass sie sich schon bald ein Auto kaufen kann. Ihren Freund „Moppel“ unterstützt sie finanziell so großzügig, dass dieser weiter auf großem Fuß leben kann.
Doch immer wieder bekommt Hans Henning Claer Schwierigkeiten auf seinem Polizeidienst sowohl wegen seiner Frauengeschichten (u.a. auch Anzeigen wegen Verführung Minderjähriger) als auch wegen seines Alkoholkonsums. Als er eines Tages von seiner Mutter vor die Tür gesetzt wird und auch seine Freundin Eva ihm den Laufpass gibt, bewohnt er ein billiges Zimmer in der Steglitzer Lothar-Buchner-Straße (30 Mark im Souterrain). „Ein Zimmer, auf dessen Wänden die Tapeten Wellen schlugen.“ Als er einmal mit Grippe im Bett liegt, kommt der scharfe Zugführer vom E-Kommando zu Besuch, um nach dem Rechten zu sehen. „Das ist aber keine Wohnung für einen Beamten, Herr Claer“, spricht er entrüstet, als er die billige Einrichtung des kleinen Zimmers betrachtet.
Im November 1956 verlässt er sein „heißgeliebtes Berlin“ nach seiner „Entlassung aus der Polente“ (Grund soll der Alkohol gewesen sein), da der Lingener BC einen Boxtrainer sucht. Unter 25 Bewerbern wird er ausgewählt, später wird er Bergmann im Ruhrgebiet und kommt nach Bergkamen. In den 60er Jahren gibt es auch in Westdeutschland politische Kampagnen, die Arbeiter zum Schreiben von Literatur anregen wollen. Hans Henning Claer fühlt sich sogleich davon angesprochen und schreibt einen Roman über das angeblich bumsfidele erotische Leben der Bergkamener Bergleute und landet mit „Laß jucken, Kumpel“ einen Riesenerfolg.
Nach der anschließenden Verfilmung, die mit über 4 Millionen Besuchern ein gewaltiger Kassenschlager wird, posiert er gemeinsam mit seiner Frau Brigitte, die angeblich „immer scharf“ ist, nackt in Boulevardzeitungen. „Die Claers“ werden vorübergehend zum Skandalpaar der deutschen Filmbranche. Die Kumpel-Filme werden sogar bei den Filmfestspielen in Cannes aufgeführt, allerdings außer Konkurrenz.
Als er seine erste gemeinsame Wohnung mit seiner Frau Brigitte bezieht, heißt es: „Endlich kam von Papas Klitsche in Gröben auch der Lastenausgleich.“ So konnte er auf einen Schlag einen Kobold-Staubsauger, eine Waschmaschine und einen neuen Anzug bezahlen.
Gemeinsam mit Brigitte hat er zwei Kinder, Alwin und Regine. Sein Bruder Dieter Claer wandert nach Kanada aus und lebt heute in Florida. (http://www.mylife.com/dieterclaer) Der jüngste Bruder Heiner lebt in Düsseldorf. (http://telefonbuch-suche.com/heiner-claer-worringer-stra%C3%9Fe-40211-d%C3%BCsseldorf) Der letzte Satz seiner Autobiographie lautet: „Gott sei Dank bin ich wirtschaftlich und sozial abgesichert.“ Wie der folgende aktuelle Text aus dem Internet über Hans Henning Claer beweist, lässt sich sein Werk in erster Linie als Zeitgeistphänomen verstehen, als typisches Produkt der 70er Jahre. „Moppel“ Claer gehörte zu den wichtigsten Protagonisten der damaligen sexuellen Revolution.

claer und biggi

Hans Henning Claer mit seiner Frau Brigitte

Heinrich Peuckmann liest im Internet “Lass jucken Kumpel”
21. März 2013 |

Der wohl erfolgreichste Bergkamener Schriftsteller heißt Hans Henning Claer. Jedenfalls was die Zahlen seiner verkauften Bücher betrifft. Heute kennt kaum noch jemand diesen Namen.
Heinrich Peuckmann hat jetzt etwas daran getan, dass sein Schriftstellerkollege, den er auch persönlich kannte, nicht ganz in Vergessenheit gerät. Er hat nicht nur einen Text über Moppel Claer, wie ihn damals seine Freunde nannten, geschrieben. Er liest ihn auch vor. Das kann sich jeder zu jederzeit über  eine  MP3-Datei auf der Internetseite http://www.reviercast.de / anhören. Dort befindet sein Text „Lass jucken Kumpel“. Das ist auch der Titel von Claers erstem Roman, der Anfang der 1970er Jahre verfilmt wurde. Einige Szenen wurden damals in Bergkamen gedreht.
Hans Henning Claer lebte zunächst in Berlin. Er war dort Polizist und Boxer. Nachdem er nach Bergkamen umgezogen war, wechselte er den Beruf. Auf Grimberg 3/4 fuhr er als Bergmann ein. Vermutlich wäre das handgeschriebene Manuskript seines Erstlingsromans sofort wieder in der Versenkung verschwunden, wenn Hans Henning Claer es nicht zum Melzer-Verlag geschickt hätte. Dort landete das Werk auf dem Schreibtisch von Jörg Schröder, der wenig später den legendären März-Verlag gründete.
Schröder empfand, dass Hans Hennig Claer in der „Protokollsprache eines Polizeiwachtmeisters, der sich zum Schriftsteller berufen fühlte”, geschrieben habe. Er schickte ihm aber einen Brief mit der Aufforderung: „Lassen Sie doch diese gestelzte Sprache. Schreiben Sie, wie die Leute reden, die Leser wollen etwas vom Leben erfahren und nicht, ob Sie die Mittlere Reife geschafft haben.” (Kalender, 2008)
Ein halbes Jahr später lieferte der Bergkamener die korrigierte Fassung. Zu diesem Zeitpunkt trug das Werk noch den Titel „Glück Auf, Kumpel”. Schröder änderte den Titel in die bekannte Fassung. Er war wild entschlossen, den Roman zu veröffentlichen, und zwar so, wie ihn Claer geschrieben hatte. Der Grund: Er wollte damals die Kulturredakteure der großen Tageszeitungen, aber auch die Schriftsteller provozieren, die sich vor 40 Jahren der sogenannten Arbeiterliteratur verschrieben hatten.
Jörg Schröders Rechnung ging auf. Zur offiziellen Buchpräsentation in Dortmund 1971 hatten sich nicht nur Medienvertreter angekündigt, sondern auch Schriftsteller, die Hans Henning Claers Roman „auseinandernehmen” wollten. Doch dazu kam es nicht, wie Schröder sich erinnert. Er bat den Autor, zu dieser Pressekonferenz gleich zehn seiner Kumpel mitzubringen. Diese rissen sofort die Diskussion an sich und sprachen über die Menschen vor Ort statt über die Romanfiguren. Dazu gab es Freibier.
Film für 4 Millionen Besucher ausgezeichnet
Noch peinlicher für die Kulturwelt war dann der Film. Mit betretenen Gesichtern haben die offiziellen Besucher aus Bergkamen der Premiere im Sommer 1972 das Kino in Unna verlassen. Während man in dem Buch mit sehr viel gutem Willen noch Elemente einer Sozialreportage entdecken konnte, so wurde aus „Lass jucken, Kumpel” auf Zelluloid ein Softpornofilm.
Während sich viele Bergkamener irgendwie ein bisschen schämten, war „Lass jucken, Kumpel”, in dem Hans Henning Claer auch als Filmschauspieler debütierte, in der Bundesrepublik ein Kassenschlager. Über vier Millionen Menschen haben ihn gesehen. Er wurde deshalb sogar mit der „Goldenen Leinwand” ausgezeichnet. „Lass jucken, Kumpel” war der Start einer Serie von Softpornofilmen. In einem führte die dürftige Handlung die Kumpel aus dem Ruhrpott in die sündigen bayrischen Alpen. Auch hier befand sich der Name Hans Henning Claer auf der Besetzungsliste. Claer schrieb weitere Romane wie „Das Bullenkloster” oder „Bei Oma brennt noch Licht”. Wer sie heute kaufen möchte, muss in Antiquariaten suchen. Die Filme gibt es hingegen noch auf DVD als „Neuware”. Interessierte Kunden müssen aber nachweisen, dass sie mindestens 18 Jahre alt sind.
Zu den schärfsten Kritikern Hans Hennig Claers und seines Erstlingsromans „Lass jucken Kumpel“ gehörte der Schriftsteller Max von der Grün. „Claers Buch ist gefährlich – gefährlich volksverdummend, weil es einer Verniedlichung der Arbeitswelt dient“, schäumte der Autor in einem Beitrag für das Hamburger Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ (Grün, Der Arbeiter als Hanswurst, 1971). „Arbeitsprobleme lösen sich da mit einem steifen Penis, die Überwindung der Ausbeutung hängt davon ab, ob man die Frau des anderen beschlafen kann; der Obersteiger ist impotent, der Reviersteiger geil, so werden innerbetriebliche Schikanen auf Orgasmus-Probleme reduziert.“

Foto Hans-Henning-Claer-rechts Hans Henning Claer (rechts) in “Zwei Kumpel auf der Alm” (1974)

Nachtrag  am 6.10.2013
Unser Verwandter Andreas Z. hat inzwischen den Film mit den Taufen von 1774-1800 vollständig abfotografiert und online bei Flickr eingestellt.

http://www.flickr.com/photos/siouxphotos/sets/72157635114774687/

Zu einer Kirchenbuchseite gehören jeweils 2 Fotos.

Bisherige Funde (mit Lesehilfe durch einen kundigen Forum-Benutzer):

1799
Ludwigswalde / Christian Friedrich Klaer / 10 Eintrag des Jahres / Nov. 22. / Pater: Friedrich Wilhelm Klaer / Mater: Susanna Ademke (?) / Testes (Paten): 1. Frau ??? Gegenbein / 2. Friedrich Maz / 3. Gottlieb Maz zu Gottenf. / 4. Johann Christian Maz aus Pannerk / 5. H Herolz ??? unscharf…

1797
Ludwigswalde / 10 / männlich, ehelich / Der Haupt ??? Johann Friedrich _Clair_ ist von seiner Ehefrau Susanna
Dorothea Liedmannin (also Liedmann) – oder ähnlich – 9zehnten Februaris ein Söhnlein geboren welcher
ejusdem (also hier in Ludwigswalde) getauft wurde _Friedrich Wilhelm_.
Pathen:
1. Christian Lupgeber (???), Knecht
2. Christoph Schultz, ”
3. Johann Podels, (zwei Worte, die den Stand oder Beruf angeben; kann ich aber nicht lesen, da Flikr keine Vergrößerung zuläßt und ein Screenshot zu pixelig wird)

Die früheren Jahre sind noch nicht vollständig durchsucht.

Die folgenden Filme liegen noch „bei den Mormonen“ und werden von Andreas Z. nach und nach abfotografiert und ins Netz gestellt:
Taufen 1665-1773, Heiraten 1682-1814,Tote 1682-1813

Vorläufige Schlussfolgerung:
„Unser“ Friedrich Claer/Clair wurde geboren am 22. November 1799 als „Christian Friedrich Klaer“ in Ludwigswalde. Eltern: Friedrich Wilhelm Klaer und Susanne Hoemke. Folglich ist er ein Bruder des Johann Wilhelm Claer.
Es gab in Ludwigswalde noch mindestens einen weiteren, uns bisher unbekannten Claer, nämlich Johann Friedrich Clair (vermutlich ein Bruder des Unterförsters Friedrich Wilhelm d. Ä.), Beruf: Haupt ?, Ehefrau: Susanna Dorothea Liedmann. Deren gemeinsamer Sohn ist ein weiterer Friedrich Wilhelm Clair (nun schon der dritte), geboren am 19.2.1797.
Außerdem gab es in Ludwigswalde zu jener Zeit ausweislich der Tauflisten auch den Namen Boxhammer, allerdings nicht als Ehefrau des Friedrich Wilhelm d.Ä. Susanna Boxhammer, wie der Eintrag in der Mundia-Datenbank nahelegt.

Fortsetzung folgt.

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