August 2012: Ahnenforschung, Teil 3

Ahnenforschung über die Familie Claer, Zwischenstand Sommer 2012

Hier ein aktuelles „Update“, das auf einigen neuen Fundstellen aus dem Internet, einer Anfrage bei der Deutschen Hugenottengesellschaft sowie Informationen des Internetnutzers „Spooky“ alias Andreas Z. (wohnhaft in Moritzburg bei Dresden) beruht, den ich kontaktiert habe und der sich wie erwartet als ein entfernter Verwandter erwiesen hat. Er sammelte diese seine Informationen in den letzten drei Jahren und fasste sie anlässlich des 90. Geburtstags seiner Oma in einem Text zusammen, den er mir dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat und aus dem ich im Folgenden zitieren werde.

1. Die Linie Claer / Clär / Clair in Ostpreußen, soweit sie sich zurückverfolgen lässt
Es gibt weitere Hinweise, die unsere Annahme unterstützen, dass der Jäger Friedrich Claer der Vater meines Ururgroßvaters Franz Claer (des Postschaffners) ist. Inzwischen ist nämlich das „Amtsblatt der preußischen Regierung zu Königsberg“ weitgehend digitalisiert und online verfügbar. Da heißt es u.a.:

„Dem invaliden Jäger Friedrich Claer ist die einstweilige Verwaltung der Försterstelle zu Eichenberg, Oberförsterei Drusksen, vom 1sten Oktober d. J. an übertragen.“  (1839) http://books.google.de/books?id=eg5PAAAAcAAJ&pg=PA304-IA6&lpg=PA304-IA6&dq=J%C3%A4ger+Friedrich+Claer+.&source=bl&ots=lZ5SQCyZHN&sig=LaY761NqZz3HrOcmMe_rqFRXpRE&hl=de&sa=X&ei=Kqz5T_urKIbYtAaW8dzpBQ&ved=0CE0Q6AEwAw#v=onepage&q=J%C3%A4ger%20Friedrich%20Claer%20.&f=false)

Später heißt es:

„Der invalide Jäger Friedrich Clär ist auf der Försterstelle zu Eichenberg I., Oberförsterei Drusken, definitiv als Förster bestätigt worden.“ (1840) (http://books.google.de/books?id=sg5PAAAAcAAJ&pg=PA146-IA3&lpg=PA146-IA3&dq=J%C3%A4ger+Friedrich+Cl%C3%A4r+definitiv.&source=bl&ots=ggTv_yj0pd&sig=zMUyhXuMVEoZYqnGPMIaNZrVkPA&hl=de&sa=X&ei=waz5T4GTGM_Isgbu5ImHBQ&ved=0CE0Q6AEwAA#v=onepage&q=J%C3%A4ger%20Friedrich%20Cl%C3%A4r%20definitiv.&f=false)

Zur Erinnerung: Mein Ururgroßvater Franz Claer wurde geboren am 27.9.1841 in Eichenberg/Wehlau (gest. am 16.10.1906 in Neidenburg). Folglich sollte nun kein Zweifel mehr bestehen, dass es sich beim Jäger Friedrich Claer um dessen Vater, also um meinen Urururgroßvater handelt. Dass aber selbst im Amtsblatt der preußischen Regierung ein und dieselbe Person unterschiedlich geschrieben wird, nämlich einmal „Claer“ und einmal „Clär“, zeigt, wie wenig Genauigkeit es bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in der Namens-Schreibweise gab. Man sollte die Untersuchungen also immer auch auf ähnliche abweichende Schreibweisen der Namen ausdehnen.
Ein weiterer Jäger, sogar Oberjäger!, des Namens Claer / Clär wird im „Amtsblatt der preußischen Regierung zu Königsberg“ bereits einige Jahre zuvor erwähnt:

„Die Försterstelle zu Klein-Fließ, Oberförsterei Leipen,  ist dem mit einem Forstversorgungs-Schein versehenen invaliden Oberjäger Johann Wilhelm Clär vom 1. November d.J. an interimistisch übertragen worden.“  (1837)

Und ein Jahr später heißt es dann:

„Der mit einem Forstversorgungs-Schein versehene invalide Oberjäger Johann Wilhelm Claer ist auf der Försterstelle zu Klein-Fließ, Oberförsterei Leipen, definitiv als Förster bestätigt worden.“ (1838) http://books.google.de/books?id=UA5PAAAAcAAJ&pg=PA186-IA5&lpg=PA186-IA5&dq=invaliden+Oberj%C3%A4ger+Johann+Wilhelm+Claer&source=bl&ots=VS11jW-Xgt&sig=1GzUBSAKtVlZlqHacAnAxmgNAfU&hl=de&sa=X&ei=yK35T6CnI47tsgak1L3cBQ&ved=0CD4Q6AEwAA#v=onepage&q=invaliden%20Oberj%C3%A4ger%20Johann%20Wilhelm%20Claer&f=false)

Der Forstversorgungs-Schein wurde z.B. Jägern ausgestellt, die im preußischen Garde-Jäger-Bataillon gedient hatten. Wikipedia weiß hierzu: „Seit Mitte des 19. Jahrhunderts rekrutierte sich das Bataillon überwiegend aus dem Bürgertum sowie Angehörigen der Forstwirtschaft. Seit 1871 wurde ihm die gleiche Zahl gelernter Jäger wie dem Garde-Jäger-Bataillon zugewiesen. Diese konnten nach zwölfjähriger (Unteroffiziere nach neunjähriger) Dienstzeit den „Forstversorgungsschein“ erwerben.“ (Er sicherte den betreffenden Personen offenbar den Anspruch auf eine öffentlich besoldete Försterstelle.) „Das preußische Garde-Jäger-Bataillon war 1814 errichtet worden. … Die Umgangs- und Kommandosprache war zunächst Französisch, erst ab 1816 durften mündliche und schriftliche Befehle nur noch auf Deutsch erteilt werden.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Garde-Sch%C3%BCtzen-Bataillon)

GSB_FWIVEs könnte sich beim Oberjäger Johann Wilhelm Claer folglich um einen Verwandten des Friedrich Claer, womöglich um seinen Bruder gehandelt haben. Dass Friedrich Claer zwei Jahre später als Johann Wilhelm ebenfalls eine (weitere neue?) Försterstelle erhielt, könnte er eventuell dessen Einfluss zu verdanken gehabt haben.
Darüber hinaus hat unser besagter Verwandter Andreas Z. im Rahmen seiner Recherchen Informationen aus dem Evangelischen Zentralarchiv (EZA) in Berlin-Kreuzberg und aus dem Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem angefordert und ausgewertet:
Im EZA fand sich die Trauungsurkunde von Friedrich Clair (geschrieben mit „“ai“; im Kirchenbuch stand er noch mit „ae“; im Amtsblatt später einmal mit „ä“) und Justina Knaebe (im Kirchenbuch stand sie als Justine mit „-e“; in unserem Fragebogen für die Reichsstelle für Sippenforschung stand sie als „Justine Knebel“) am 19.11.1824 in Germau (KB 364, S. 2, Nr. 14). Die Urkunde enthält ferner die Angaben über Friedrich Clair, dass er zur Zeit der Trauung 25 Jahre alt war und sein Geburtsort Ludwigswalde (Ostpreußen) ist. Folglich muss das Geburtsjahr von Friedrich Clair Ende 1798 oder 1799 gewesen sein. Sein Geburtsort Ludwigswalde ist ein kleiner Ort ca. acht Kilometer südlich von Königsberg (Germau und Corjeiten/Fischhausen liegen hingegen 25 bis 30 km westlich von Königsberg). Die Trauung erfolgte etwa vier Wochen nach der (formal unehelichen) Geburt von Friedrich Wilhelm Claer (geb. 23.10.1824 in Corjeiten), dem älteren Bruder unseres Vorfahren Franz Claer.
Im Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem fand sich zudem die Geburtsurkunde des bereits erwähnten Johan (hier mit einem „n“ geschrieben) Wilhelm Claer, geb. 10.6.1803, getauft am 15.6.1803. Als Vater ist angegeben: Unterförster Friedrich Wilhelm Claer; Mutter ist Susanna Claer, geborene Hoemke.
Auch Andreas Z. ist der Ansicht, dass es sich bei Johan Wilhelm Claer um einen Bruder unseres Vorfahren Friedrich Claer handeln könnte. Dafür gibt es aber noch keinen Beleg. Sollte unsere Vermutung zutreffen, wäre der Unterförster Friedrich Wilhelm Claer d. Ä. (nicht zu verwechseln mit Friedrich Wilhelm Claer d. J., dem ältesten Sohn des Friedrich Claer), der wahrscheinlich zwischen 1750 und 1780 geboren wurde, auch der Vater von Friedrich Claer und somit unser ältester bekannter direkter Vorfahre.
Bezüglich der Förstertradition der Familie ist noch daran zu erinnern, dass sich bei meiner Recherche im Verzeichnis der Forstbediensteten in Ostpreußen für die Jahre 1662-1743 des Obersts a.D. Georg v. Winterfeldt aus Potsdam in der Zeitschrift „Archiv für Sippenforschung“ (1936-1941) keinerlei Funde für „Claer/ Clair/ Clare“ ergaben. Die Förstertradition hätte demnach also maximal noch eine Generation hinter Friedrich Wilhelm Claer d.Ä. zurückgereicht.

Nach Einschätzung von Andreas Z. könnte eine genauere Recherche in beiden genannten Archiven möglicherweise noch weitere Funde bringen, jedoch hat er von dort auch die Auskunft bekommen, dass Kirchenbücher von vor 1800 dort nicht verfügbar seien. Es sei fraglich, ob sie überhaupt noch existieren.
Weiterhin  machte ich noch einen überraschenden Fund im Internet bezüglich unseres Vorfahren, des Jägers Friedrich Claer (geb. 1898/99). Im „Großherzoglich-Sachsen-Weimar-Eisenachischem Hof- und Staatshandbuch auf das Jahr 1819“ (inzwischen digitalisiert aus der Bayrischen Staatsbibliothek) erscheint:

– Friedrich Clair, Unterförster zu Krakendorf (http://books.google.de/books?id=B4MAAAAAcAAJ&pg=PA54&lpg=PA54&dq=Friedrich+Clair,+Unterf%C3%B6rster+zu+Krakendorf&source=bl&ots=C5KjJNrVvE&sig=FbhJfzYqceG_Z9WqeHMstzNu_Uc&hl=de&sa=X&ei=WP4bUP-JKs3htQaQ44BQ&ved=0CCgQ6AEwAA#v=onepage&q=Friedrich%20Clair%2C%20Unterf%C3%B6rster%20zu%20Krakendorf&f=false)

Krakendorf ist heute ein Ortsteil der Stadt Blankenhain im Landkreis Weimarer Land, Thüringen. Offenbar hatte der junge Friedrich Clair (im Alter von ca. 20 Jahren) eine Anstellung als Unterförster in Sachsen-Weimar (heute Thüringen). Bereits fünf Jahre später (1824) war er aber wieder in seiner ostpreußischen Heimat, nämlich in Corjeiten, und hat dort eine Familie gegründet.

Ferner ist zu erwähnen, dass sich im Adressbuch von Erfurt (etwa 25 km entfernt vom besagten Krakendorf) aus dem Jahr 1882 der Eintrag findet:
– Claer Dorothea Margarethe geb. Fischer, Wittwe, Weißfrauengasse 1
– Rosine geb. Mohnhaupt, Wwe., Schmidtstädterstraße 50
– Christine geb. Scherlitz, verw. Oekonom, Fleischgasse 9 (http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=42802&page=9)

Also gleich drei verwitwete Damen mit dem Namen Claer, der sonst in Mitteldeutschland zu dieser Zeit fast überhaupt nicht auftritt. Sollte hier unser Vorfahre Friedrich Claer/Clair bei seinem Aufenthalt in Thüringen über 60 Jahre zuvor in irgendeiner Weise Spuren hinterlassen haben?

Und im „Bürgerbuch der Stadt Erfurt 1761-1831“ findet sich der Eintrag:

– Claer, Christian Friedrich, ev., Fuhrmann, geb. 16.11.1802 in Siersleben bei Hettstedt (http://wiki-de.genealogy.net/B%C3%BCrgerbuch_der_Stadt_Erfurt_1761-1833/329)

Könnte das womöglich auf Verwandte hindeuten, der Friedrich Claers Aufenthalt in Thüringen erst veranlasst haben (ihm vielleicht die Försterstelle besorgt haben)?
An dieser Stelle ist noch einmal ergänzend auf die handschriftlichen Aufzeichnungen meines Großvaters Gerhard Claer hinzuweisen, wonach im Kirchenregister der ev. Kirche Judithen bei Neidenburg, Jahrgang 1828, Seite 451 Nr. 61 einige Male Clair mit „ai“ erscheint, nämlich: „Heinrich Clair, Förster; Otto C., Gendarm u.s.w., Franz u.s.w. Postbeamter// Geschwister Amelie (?) geb. Clair“. Er geht offenbar von einer Verwandtschaft aus und wertet die dem Französischen näher stehende Schreibweise als Indiz für die ursprünglich französische Herkunft der Familie.”
Also gab es auch noch den Förster Heinrich Clair, der ähnlich alt gewesen sein könnte wie Friedrich und Johan(n) Wilhelm, also u.U. ein weiterer Bruder oder Cousin. Vielleicht war Heinrich sogar der erste der Familie, der überhaupt die Königsberger Ecke in Richtung Neidenburg (einige zig km südwestwärts) verließ, denn er lebte dort schon (wie auch einige andere Clairs), als unsere direkten Vorfahren noch im Umland von Königsberg wohnhaft waren.
Schließlich ist noch ein weiterer möglicher Verwandter zu erwähnen, der sich im „Adreßbuch der Haupt- und Residenzstadt Königsberg i. Pr. und der Vororte 1888“ (S.40) findet:

Nachname:    Clär
Vorname:    L.
Beruf:    Arbeiter
Adresse:    Neuroßgärtsche Kirchenstr. 13 b
Ort:    Königsberg (Pr.) (http://adressbuecher.genealogy.net/entry/book/412?offset=16701&max=25&sort=firstname&order=asc)

2. Die Frage eines hugenottischen oder eines anglonormannischen Ursprungs
Es gibt widersprüchliche Hinweise hinsichtlich eines hugenottischen Ursprungs der ostpreußischen Familie Claer. Für einen solchen Ursprung spricht erst einmal die sowohl in unserem Familienzweig als auch in dem der Urgroßmutter des Andreas Z. (die eine geborene Claer war) erfolgte mündliche Überlieferung.
Zunächst hatte Andreas Z. im Rahmen seiner Forschungen eine Anfrage an Herrn Dierk Loyal gerichtet, einen Ahnenforscher, der sich auf die Geschichte der Hugenotten in Ostpreußen spezialisiert hat (und eine entsprechende Internetseite betreibt). Hier seine Auskunft:

Gesendet: Donnerstag, 9. Februar 2012
An: Andreas Z.
Hallo Herr Z.,
alle französischen Familien in Ostpreußen sind bekannt und bei Horst Kenkel (Franz. Schweizer u. Réfugiés als Siedler im nördlichen Ostpreußen (Litauen) 1710 – 1750, in: Sonderschrift des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e.V., Nr. 13, Hamburg 1970.) verzeichnet. Eine Familie Claer fehlt hier.
Die französischen Familiennamen in Ostpreußen haben sich allerdings stark verändert. So könnte der Familienname ursprünglich sich von Clerc (Clair, Claird, Clere, Claer, Clari, Klär etc). Es gibt auch die Familie Loclair. In den Kirchenbüchern kommt vereinzelt auch „Lo Claire“ vor.
Meiner Meinung nach dürfte hier aber wohl eine Herleitung von Clerc vorliegen. Dies müsste man aber allerdings durch Kirchenbucheintragungen nachweisen.
Der Ort Corjeiten liegt in dem Kirchenkreis Fischhausen. Die zuständige ev. Kirche war Germau. Die Kirchenbücher liegen heute im „Evangelischen Zentralarchiv“ in Berlin. Dort müssten Sie nach weiteren Vorfahren suchen. Ich vermute, dass die Vorfahren aus dem Kreis Gumbinnen kamen.
Stammvater der Familie Clerc war David Clerc, der aus St. Imier (Dieser kleine Ort liegt im Berner Land in der Schweiz, Anm. TC) stammte. Er wanderte 1712 ein und siedelte sich in Matzutkehmen an. Er heiratet in Judtschen 1718. Bereits 1724 heiratet die Witwe erneut. Kinder sind leider nicht bekannt. Dann gab es noch einen Jacob Clerc der ebenfalls in Matzutkehmen lebte. Kinder sind ebenfalls nicht bekannt. Ich vermute, dass bereits in dieser frühen Zeit die Familienmitglieder aus dem Kreis Gumbinnen abwanderten. Zumindest war Jacob Losgänger und besaß daher kein eigenes Land.
Dann gab es noch einen Christian Clerc, der 1719 in Stolp auf dem Weg nach Ostpreußen registriert wurde. Wo er sich in Ostpreußen ansiedelte, ist allerdings unbekannt.
In Berlin gibt es die Familie le Clerc. Es könnte sein, dass Familienmitglieder von dort nach Ostpreußen wanderten.
Gruß
Dierk Loyal

Mir wollte diese Clerc-Theorie zuerst nicht recht einleuchten, doch es gibt gewisse Anhaltspunkte, die sie stützen könnten.
Von der Deutschen Hugenottengesellschaft in Bad Karlshafen erhielt ich auf Anfrage einen Auszug aus ihrer immensen hugenottischen Datenbank, nämlich insgesamt 48, sich z. T. überschneidende Datensätze von nach Deutschland (oder in den deutschen Sprachraum) eingewanderten Hugenotten mit den Namen Clair, Claire, Le Clair, Le Claire und Clare aus dem frühen 18. Jahrhundert. In etlichen Fällen ist hinter den Namen Clair, Claire oder le Clair in Klammern der Zusatz „Le Clerc“ angegeben. Ich fand dann heraus, dass das hintere „c“ in Le Clerc bei korrekter französischer Aussprache tatsächlich stumm ist. (http://de.forvo.com/word/felix_leclerc/)
Die meisten hugenottischen Namensträger waren gem. den Datensätzen ansässig in der Schweiz (Bern, Lausanne) sowie in Süd-, Südwest- und Westdeutschland (Strasburg, Kassel, Köln, Zweibrücken, Hanau, Moers, Frankenthal /Pfalz); zwei Trägerinnen des Namens Clare gab es in  Holzappel-Charlottenberg (Rhein-Lahn-Kreis) und Hanau – eine Verbindung zum anglo-normannischen Zweig oder gar zum Bischof von Samland drängt sich aus geographischen Gründen nicht auf. Doch gab es eine Reihe von Clairs in Magdeburg, wo es sich um Nachkommen des Blaise Clair, ursprünglich Sergeant bei den alliierten Truppen in Piemont (Norditalien), handelte. Alle seine Kinder hießen dann Le Clair. Daneben gibt es vier Damen aus Berlin: Anne Francoise Clair (geb. 1734); Dlle. Marie le Clair (le Clerc, Cler), Patin am 27./31.7.1724 bei Abraham Jacques Louis; Susanne le Clair /le Clerc), Patin am 1.1.1727 bei Etienne Gedeon, am 3./5.1.1727 bei Jean Louis Matthieubei: Dlle. Dorothee Claire, Patin 1717 bei Paul Ravenel; und schließlich in Stettin eine Anne Susanne le Clair (le Clerc), am 10.4.1739 dort getraut mit dem 28-jährigen “droguiste” Jean Tournier.
In der Internet-Datenbank https://familysearch.org findet sich darüber hinaus noch ein in der reformierten Kirche (Die reformierten Kirchen gehen zurück auf die Kirchenreformer Calvin und Zwingli, deren Anhänger die Hugenotten waren.) Prenzlau getrauter (also hugenottischer) Johann Clair (Hochzeit am 16.11.1712, Eltern: Abraham Clair, Marienn Magdalene Bunie; Braut: Judith Pionnier). (https://familysearch.org/pal:/MM9.1.1/JHJC-T6X) In derselben Datenbank taucht auch ein weiterer Johann Clair auf mit den Zusätzen: geb. 1763, gestorben 1837 in Luisenstadt, Berlin. (https://familysearch.org/pal:/MM9.1.1/J4ZM-ZXD)
Eine Verbindung zwischen Friedrich Claer / Friedrich Wilhelm Claer und den hugenottischen Clairs /Le Clairs/ Le Clercs insbesondere aus Magdeburg oder Berlin (wo es ja auch noch den Sänften-v. Clair und den Übersetzer v. Clair gab; vgl. meine Infos von 2011) wäre denkbar, wenngleich alles andere als zwingend.

In diesem Zusammenhang ist auch noch einmal an die  Namensliste der Offiziere der „Alten preußischen Armee“ (also vor 1800) aus der „Familienchronik von Claer“ zu erinnern, die der preußische Offizier Otto v. Claer zusammengestellt hat, der sich als erster aus dem rheinischen Zweig der Familie in östlicheren Gefilden niederließ und dort auf etliche Offiziere ähnlichen Namens stieß.

Offiziere der alten preußischen Armee
(Zweite Hälfte des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts)
Die Namen sind, mit Ausnahme von Nr.1, durch Otto v. Claer, fwb. 1827, gest. 1909, aus preußischen Ranglisten ausgezogen.
1. v. Clar, Fähnrich im Rgt. Prinz von Preußen, 1758 in der Schlacht bei Zorndorf verwundet (s. „Helden-, Staats- und Lebensgeschichte Friedrichs des Anderen“, Teil V, S. 173.
2. v. Clair, Lieut. Im Regiment Krockow, 1765 ausgeschieden
3. v. Clair, Capt. Bei den Ingenieuren, 1779 ausgeschieden
4. v. Clair, 1785 jüngster Fähnrich im Garnison-Regt. V. Pirch
5. v. Claar, 1781 und 1793. Zuletzt Major im Regt. Kronprinz von Preußen, beim Depot-Btl. Oranienburg.
6. v. Clar, 1785 Capt. Im Rgt. Prinz v. Preußen zu Fuß (Potsdam)
7. v. Clar (v. Claar) Friedr. Wilh., 1789 Capt. Im Regt. Nr. 18, gest. 1805
8. v. Claar, P.C. (?) im Regt. Kronprinz v. Preußen, 1790 ausgeschieden
9. v. Clair, 1797 Sec. Lieut. im Regt. Herzog v. Holstein-Beek in Königsberg
10. v. Clair, 1797 oder 1798 vom Regt. 11 in das Regt. Courbiere (Goldap, Gumbinnen, Oletzko) versetzt, dort 1798-1800 als Stabs.Capt. geführt. 1801 in das Regt. Herzog v. Braunschweig versetzt, dort noch 1805 und 1806 geführt. 1809 aus Regt. 4 ausgeschieden.

Insbesondere im Falle der beiden letzten in Ostpreußen stationierten v. Clairs (Nr. 9 und 10) sowie beim unter 7. Genannten Friedrich Wilhelm v. Clar lässt sich über eine Verbindung zu den Förstern spekulieren, denn die räumliche Nähe war gegeben bzw. der Name Friedrich Wilhelm trat auch bei den Förstern gehäuft auf. In diesem Falle wäre sowohl ein hugenottischer Ursprung (wenn es sich um z.B. aus Berlin versetzte Offiziere gehandelt haben sollte) als auch ein anglo-normannischer, auf die Familie des Bischofs von Samland Johannes Clare zurückgehender Ursprung denkbar.
Überdies  noch ein interessanter Hinweis aus einem Web-Forum: Auf erneute Anfrage des Internetnutzers „Spooky“ alias Andreas Z. in mehreren Online-Foren, in welcher er noch einmal betont, dass der Name nach der Überlieferung seiner Oma seinen Ursprung im Umfeld der Hugenotten habe, antwortete ein anderer Forum-Nutzer namens  Fritz Loseries (der selbst eine Internetseite zur Ahnenfoschung in Ostpreußen betreibt und Zugang zu größeren Datenbanken hat):

„Das Adlig Gut Corjeiten im “Kreis” Fischhausen gehört zum Kirchspiel Germau. Zivilstandsregister gibt es erst ab 1875.Da es sich um Hugenotten handelt, solltest Du berücksichtigen, dass evtl. nicht im Kirchspiel Germau zu suchen ist, sondern in einer reformierten Kirche (z.B. in Königsberg). Außerdem ist der Name Clare (!) in der nachgearbeiteten Colonieliste 1699 von Königsberg, Preußen enthalten.“ (http://list.genealogy.net/mm/archiv/ow-preussen-l/2012-02/msg00162.html)

Bei der Colonieliste handelt es sich um eine Liste aller Hugenotten in einer bestimmten Stadt. Wenn nun ausgerechnet der Name „Clare“ (also in möglicherweise alter englischer, auf die Familie des Bischofs von Samland zurückgehender Schreibweise!) in dieser Liste von Königsberg 1699 auftaucht (was ich bislang nicht direkt überprüfen konnte), dann kann das vielerlei bedeuten:

Handelte es sich um Hugenotten, die ihre Namens-Schreibweise rein zufällig oder im Andenken an den Bischof vom Samland Johannes Clare (dessen Grab sich über die Jahrhunderte im Königsberger Dom befand) anglifizierten? Oder hatte sich in der seit dem 14. Jh. ostpreußischen Familie Clare die Überlieferung von ihrer anglo-normannischen Herkunft erhalten und diese sie deshalb im späten 17. Jh. in die weitläufig verwandte Hugenottische Community eintreten lassen? Erfolgte daher die vorübergehende Französierung der Namens-Schreibweise in „Clair“, woraus später die Eindeutschung in „Claer/Clär“ wurde?
Angesichts der langen Zeiträume wäre natürlich auch mit Überlieferungsfehlern oder falschen Schlussfolgerungen bzw. Zuordnungen zu rechnen.

Abschließend noch ein Blick auf die mögliche Namens-Variante Clerc / Le Clerc: Ein berühmter Träger dieses Namens war der  französischer Kaperkapitän des 16. Jahrhunderts François Le Clerc, genannt Jambe de Bois („Holzbein“) oder spanisch Pie de Palo (* Reville, Normandie; † 1563 vor den Azoren). Bei Wikipedia heißt es über ihn:

„Nachdem Le Clerc in einer Seeschlacht 1549 vor Guernsey ein Bein verloren hatte, wurde er als Jambe de Bois („Holzbein“) bekannt. Mit einem Kaperbrief des französischen Königs Heinrich II. griff Le Clerc 1552 zunächst Puerto Santo auf der portugiesischen Insel Madeira an und war damit der erste Pirat mit einem Holzbein, der urkundlich belegt ist. Im März 1553 begann Le Clerc mit acht Schiffen, deren Oberbefehl er hatte, die spanische Handelsflotte und amerikanische Siedlungen anzugreifen und überfiel zunächst San German auf Puerto Rico und dann systematisch die Häfen der Insel Hispaniola. Ihr Hauptquartier hatten Le Clerc und seine Männer auf der Insel St. Lucia. Von dort griffen sie vorbeisegelnde spanische Schiffe an. Bei einem Überfall auf Santiago de Cuba am 1. Juli 1554 zerstörten Le Clerc und seine Gefolgsleute die Stadt derart gründlich, dass sie sich lange nicht davon erholte. Bis 1555 gefährdete er den spanischen Schiffsverkehr zu den kanarischen Inseln. Als Hugenotte kämpfte er in den Anfängen der französischen Religionskriege mit, doch starb er bald auf See.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois_Le_Clerc)

Bild Le Clerc

Francois Le Clerc

Es gab also, wie wir sehen, auch Hugenotten aus der Normandie, womit sogar eine Synthese der Hugenotten- und der anglo-normannischen Ursprungstheorie möglich erscheint.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass wir den „Stammbaum“ zwar inzwischen bis ins späte 18. Jahrhundert zurückverfolgen können, es aber, was die Zeit davor angeht, eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt, die alle noch im Dunkeln liegen und bisher nur Gegenstand von Spekulationen sein können.

Fortsetzung folgt.

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