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Dezember 2017: Ahnenforschung Claer, Teil 9

Im zurückliegenden Jahr 2017 bin ich leider kaum zum „Ahnenforschen“ gekommen. Entsprechend dünn fällt mein diesjähriger Forschungsbericht aus. Aber ein paar interessante Zufallsfunde aus dem Netz sind dann doch zusammengekommen.

1. Treffen bei Jotzer
Zunächst entdeckte ich auf http://www.neidenburg.de/bildarchiv/neidenburg/neidenburg-handel/ dieses Foto mit der Beschriftung „Treffen bei Jotzer: um 1935, v.l.n.r. Pagenkopf, von Glinowiecki, unbek., Jotzer, Klucke, unbek., Siebierski, Freitag, Claer“.

 

 

 

 

 

Inzwischen habe ich keinen Zweifel mehr daran, dass der Herr mit den übereinander geschlagenen Beinen am rechten Bildrand mein Großvater Gerhard Claer (1905-1974) im Alter von etwa 30 Jahren ist. Zwar lässt sich sein Gesicht leider nur im Profil erkennen, aber ein Vergleich mit anderen Fotos von ihm aus jenen Jahren legt nahe, dass ich mich nicht täusche. Bemerkenswert ist vor allem, dass mein Opa offenbar an einem Schlagzeug sitzt und dabei sogar einen Trommelstock in den Händen hält. Zu welchem Zweck genau diese fröhliche Herrenrunde von Anzugträgern hier zusammenkam, ist unklar, doch konnte ich herausfinden, dass die Konditorei Robert Jotzer, Am Markt in Neidenburg, Inhaber: D. Jotzer, wohl seinerzeit eine beliebte Adresse gewesen sein muss.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Der Fleischer von Königsberg – und ein Klär mit K von der Post!
Ferner stieß ich in einem Forum für Ahnenforschung (http://forum.ahnenforschung.net/archive/index.php/t-31116.html)
unter den „Sterbefällen von Zivilpersonen Januar-März 1945“ in Pillau/Ostpreußen auf einen

– Johann Klär, geb. 23.9.1869, aus Königsberg (Pr), gest. Pillau 21.3.1945.

Diesen Johann Klär fand ich dann ebenfalls unter https://adressbuecher.genealogy.net/addressbook/54747b6e1e6272f5d19916ab?start=K&sort=firstName&offset=4400&max=25&order=desc
in den „Einträgen aus dem Einwohnerbuch von Königsberg und den Vororten 1935“:

– Klär Johann Fleischer Königsberg (Pr.) Schrötterstraße 174.

Demnach hat es also schon Klärs mit K und ä in Königsberg gegeben, bevor der Postsekretär Otto Albert Claer (1872-1931), der ältere Bruder meines Urgroßvaters Georg Claer (1877-1930), sich dort kurz nach 1900 niedergelassen hat. Ich meine sogar, mich außerdem an einen Arbeiter namens L. Klär in Königsberg zu erinnern, auf den ich vor einigen Jahren bei meinen Recherchen gestoßen bin, aber leider kann ich ihn trotz Suchmaschine weder in meinen Texten noch im Netz wiederfinden. Doch es wird noch interessanter, denn direkt unter dem Fleischer Johann Klär findet sich im besagten Königsberger Adressbuch von 1935:

– Klär, Joh. Oberpostschaffner i.R. Königsberg (Pr.) = Alter Garten 23

Das ist nun aber wirklich eine Überraschung! Ein Klär mit K und ä von der Post! Bisher glaubten wir, die Claers von der Post seien nur mein Ururgroßvater Franz Claer (1841-1906) und seine Söhne Otto (1872-1931), Georg (1877-1930) und Richard (1881-??) gewesen.
Darüber hinaus hatten wir nur noch den – sehr schwer lesbaren – Hinweis auf einen Postzöllner (Postschaffner? Postsekretär? Postemittent? Postillion? Postzusteller?) Otto Konrad Albert Claer, geboren 1840 in Alt-Löbgau,  Amt Wehlau, wohnhaft in Tapiau, gefunden, den wir bisher nicht so recht zuordnen konnten.
Dieser Oberpostschaffner Joh. Klär in Königsberg war 1935 also bereits im Ruhestand, d.h. er könnte ca. um 1870 herum geboren sein. Wer weiß, vielleicht war er ein Cousin „unserer“ drei Brüder von der Post. Mein Ururgroßvater Franz hatte ja zahlreiche ältere Brüder (alle bei ihrer Geburt in Juditten bzw. der älteste in Corjeiten noch Clair geschrieben), von denen vielleicht einer bedingt durch einen Ortswechsel irgendwann mit K und ä geschrieben wurde. Noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein war ja die individuelle Namensschreibweise nicht verbindlich festgelegt. Womöglich also war jener Oberpostschaffner Joh. Klär für den Postsekretär Otto Claer, den beruflich ambitioniertesten der drei Brüder Claer von der Post, sogar der Anlaufpunkt in Königsberg. Und der Fleischer Johann Klär könnte vom Alter her wiederum ein weiterer Cousin des Oberpostschaffners Johann Klär gewesen sein. Dass Brüder denselben Vornamen getragen haben könnten, erscheint selbst in der damaligen Zeit wenig wahrscheinlich. Was Vettern oder noch weitläufigere Verwandte angeht, gab es solche Skrupel offensichtlich weniger, was schon an den vielen Friedrich Claers, Wilhelm Claers und Otto Claers deutlich wird, auf die wir bei unseren Forschungen gestoßen sind.

Und schließlich konnte ich im Online-Archiv der Preußischen Allgemeine bzw. des Ostpreußenblatts
(http://archiv.preussische-allgemeine.de/1974/1974_12_07_49.pdf) noch einen weiteren Klär aus Königsberg finden – auch er mit dem Vornamen Johann!

 

 

 

 

 

Geboren worden sein muss dieser dritte Johann Klär aus Königsberg also um 1897. Damit käme er als Sohn entweder des Fleischers oder des Oberpostschaffners in Betracht.

 

3. Der Rentner von Norkitten
Und wir setzen noch eins drauf mit einem vierten Johann Claer – diesmal aber mit C und ae geschrieben – der auf der Seite
http://www.paradeningken.de/norkitten/gueter/norkitten/norkitten_bewohner.htm als Bewohner des Landguts Norkitten erwähnt wird:

– Claer, Johanne – Rentenempfänger, erwähnt 1927, Geburtsdatum: k.A., Geburtsjahr: k.A.

Dort steht wirklich „Johanne“. Vielleicht ist es ein s zu wenig oder ein e zu viel. Auch dieser Johann(es) Claer war also zur Zeit seiner Erwähnung Rentner, genau wie sein Namensvetter mit K und ä von der Post aus Königsberg. Das Geburtsdatum des Rentners von Norkitten könnte folglich um 1860 herum liegen.

Das Gut Norkitten liegt etwa auf halber Strecke zwischen Wehlau und Insterburg.

 

 

 

 

 

Und diese Gegend ist uns bereits aus früheren Forschungen bekannt:
– Zunächst wurde der oben erwähnte Postzöllner (Postschaffner? Postsekretär? Postemittent? Postillion? Postzusteller?) Otto Konrad Albert Claer, 1840 in Alt-Löbgau,  Amt Wehlau, geboren und war später wohnhaft in Tapiau, das auch im Kreis Wehlau lag.
– Aber auch mein Ururgroßvater Franz Claer von der Post (er war gelernter Schneider und hat später auf den Postdienst umgesattelt) ist 1841 in Eichenberg / Kreis Wehlau geboren worden. Ganz genau laut dem handschriftlichen Zusatz meines Großvaters im ausgefüllten Fragebogen der Reichsstelle für Sippenforschung in „Eichenberg I Jagt Plebischkainen“ oder ähnlich.
– Passend dazu hatten wir im Amtsblatt der preußischen Regierung von 1839 den Eintrag gefunden: „Dem invaliden Jäger Friedrich Claer ist die einstweilige Verwaltung der Försterstelle zu Eichenberg, Oberförsterei Drusken, vom 1sten Oktober d. J. an übertragen.“ Das war mein Urururgroßvater, der Vater meines Ururgroßvaters Franz Claer. Ein Jahr darauf, 1840, hieß es im Amtsblatt: „Der invalide Jäger Friedrich Clär ist auf der Försterstelle zu Eichenberg I., Oberförsterei Drusken, definitiv als Förster bestätigt worden.“ Ein weiteres Jahr später kam mein Ururgroßvater Franz Claer zur Welt.
– Und schließlich hat auch der Müller Hermann August (oder August Hermann) Claer, Jahrgang 1833, ein älterer Bruder meines Ururgroßvaters Franz Claer, in Geidlauken im Kreis Labiau eine Familie gegründet, der 1872 der spätere Fuhrmann Franz Richard Claer entstammte, der ins Rheinland auswanderte. Und Labiau ist der nördliche Nachbarkreis von Wehlau. Wir befinden uns im Gebiet östlich von Königsberg, westlich von Gumbinnen, wo ja vermutlich die ersten ostpreußischen Clercs/Clairs ab 1712 in der Schweizer Kolonie ansässig waren.
Johann(es) Claer, der Rentner von Norkitten, lebte also im Jahr 1927 nicht weit entfernt von all diesen genannten Claers. Auch ist an dieser Stelle an den Oberförster Johann Wilhelm Claer (geb. 1802 in Ludwigswalde) zu erinnern, den jüngeren Bruder meines Urururgroßvaters (Christian) Friedrich Claer. Er könnte der Namenspatron des Rentners von Norkitten gewesen sein, der um 1860 womöglich nach seinem Großvater oder Großonkel benannt worden ist. Vielleicht gab es auch noch einen weiteren Johann Claer in der dazwischenliegenden Generation, der dann ein Cousin meines Ururgroßvaters Franz Claer von der Post gewesen sein könnte. Und unter Umständen sind ja sogar die drei Königsberger Johann Klärs mit K und ä indirekt nach ihm benannt…

 

4. Die Wanderungen der ostpreußischen Claers in meiner Namenslinie
Die untenstehende Karte der ostpreußischen Kreise gibt einen guten Überblick über die Wanderbewegungen der ostpreußischen Claers in meiner (männlichen) Namenslinie:
– Einwanderung von Clercs/Clairs aus St. Imier (Französische Schweiz) in den Raum Gumbinnen um 1712; von dort irgendwann nach 1712 abgewandert
– der Unterförster Friedrich Wilhelm Clair (1770-1815), mein Ururururgroßvater, aufgetaucht Ende des 18. Jahrhunderts in Ludwigswalde, südlich von Königsberg
– der königlich-preußische Revierförster (Christian) Friedrich Clair, mein Urururgroßvater, geboren 1799 in Ludwigswalde, geheiratet in Corjeiten, Kreis Fischhausen, später ansässig in Juditten bei Königsberg, 1839 verzogen nach Eichenberg (Kreis Wehlau)
– der Postschaffner/Landbriefträger Franz Claer (1841-1906), mein Ururgroßvater, geboren in Eichenberg (Kreis Wehlau), geheiratet in Usdau bei Soldau (Kreis Neidenburg)
– der Postangestellte Georg Claer (1877-1930), mein Urgroßvater, geboren in Usdau (Kreis Neidenburg), später ansässig in Neidenburg
– der Kreisinspektor Gerhard Claer (1905-1974), mein Großvater, geboren in Neidenburg, gegen Ende des Krieges aus Ostpreußen geflüchtet
– der Arzt Dr. Joachim Claer (1933-2016), mein Vater, geboren in Neidenburg, vor Kriegsende aus Ostpreußen geflüchtet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Claers und Klaers im Ruhrgebiet – der Kleingärtner von Wanne-Eickel

Vor und nach Kriegsende sind viele Ostpreußen u.a. ins Ruhrgebiet geflohen. Nicht umsonst ist Bochum später zur Partnerstadt von Neidenburg geworden.

So fand ich dann etwa in den gesammelten Todesanzeigen des Ostpreußenblatts  

(https://ahnen-forscher.com/forums/Genealogy-Thema/das-ostpreussenblatt-jahrgang-14folge-14-vom-06-04-1963-3/) den Hinweis auf einen Fritz Klaer aus Bochum-Hamme:

„Plötzlich und unerwartet entriß uns der unerbittliche Tod unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Marie-Juliane Heir geb. Klaer früher Osterode – Gumbinnen im Alter von 76 Jahren. Ihr Leben war stets hilfsbereite Nächstenliebe. In tiefer Trauer Hans v. Redern und Frau Elisabeth, geb. Klaer, Annemarie, Christa und Hans Wilhelm v. Redern, Fritz Klaer Bochum-Hamme, Gahlensche Straße 143 Familie Hein
Duisburg, Tiergartenstraße 48, im März 1963“

Einen Fritz Klaer mit K hatte ich gerade vor einem Jahr auch in Neidenburg ausfindig gemacht, genau genommen sogar zwei:

„Neidenburg, 31.12.1913: Der Kaufmann Fritz Klaer, wohnhaft in Neidenburg Jarborstraße, evangelischer Religion, zeigt an, dass er von der Emma Klaer geborenen Olschenski, seiner Ehefrau, wohnhaft bei ihm, zu Neidenburg in der angezeigten Wohnung am 31.12.1913 vormittags um zwölfeinviertel Uhr ein Knabe geboren sei und dass das Kind den Namen Fritz Willy Theodor erhalten habe.“

Vielleicht ist dieser Neidenburger Kaufmannssohn Fritz Willy Theobald Klaer, Jahrgang 1913, also sogar identisch mit dem trauernden Fritz Klaer aus Bochum-Hamme 1963. Er wäre 1963 demnach 50 Jahre alt gewesen, was ja durchaus passen würde.

Darüber hinaus konnte ich sogar einen Dieter Claer mit C in Wanne-Eickel entdecken, nicht zu verwechseln mit meinem Onkel dritten Grades Dieter Claer, dem Auswanderer nach Kanada und jüngeren Bruder des Skandal-Schriftstellers „Moppel“ Claer. Jener Dieter Claer in Wanne-Eickel, der sich bisher noch nirgendwo zuordnen lässt, ist jedenfalls in einem Zeitungsartikel als Vorsitzender des Stadtverbandes der Kleingärtner aufgetreten:

http://www.nrz.de/staedte/herne-wanne-eickel/unwetterschaeden-versicherung-ist-am-zug-id8112855.html

Unwetterschäden: Versicherung ist am Zug

Redaktion

25.06.2013 – 15:02 Uhr
Wanne-Eickel.   Der Ärger über die Stadt ist nach den Unwetterschäden in der vergangenen Woche noch nicht verraucht. Im Raum steht auch die Frage, wer für die Kosten aufkommt, die durch die auf ein Laubendach gestürzte Birke entstanden ist.
Vor einer Woche stürzte eine entwurzelte Birke nach einem Unwetter aufs Dach der Laube des Kleingärtners Manfred Schwiderski (wir berichteten). Die Schäden sind beseitigt, doch der Ärger des Kleingärtners der Wanner Anlage „Erholung“ über die Stadt ist längst nicht verraucht. Und auch die Frage, wer für die entstandenen Schäden haftet, steht im Raum.
Versichert ist Manfred Schwiderski über den Stadtverband der Kleingärtner. „Der Schaden ist an die LVM nach Düsseldorf gemeldet, zusammen mit dem WAZ-Bericht über den Vorfall“, sagt Dieter Claer, Vorsitzender des Stadtverbandes der Kleingärtner, auf Anfrage. Es wird wohl zu klären sein, ob nun die Versicherung oder doch die Stadt zuständig ist. „Der Baum stand ja unter Stadtaufsicht“, so Claer.
„Sehr ärgerlich“ findet Manfred Schwiderski die Erklärungen der Stadt. Wie berichtet, hatte diese nach dem Unwetter jede Schuld von sich gewiesen. „Wenn ich solche Aussagen seitens der Stadt höre, könnte ich aus der Haut erfahren“, erklärt der 76-Jährige. Bereits vor etwa drei Jahren habe die jetzt aufs Dach gestürzte Birke nach einem Unwetter eine Neigung von rund 15 Prozent erfahren. Und: Auf seinem Grundstück seien regelmäßig abgestorbene Äste von besagter Birke gelandet.
Der Vorstand von „Erholung“ macht geltend, dass Stadtgrün bereits 2012 auf Schäden an dieser und anderen Birken im öffentlichen Bereich der Wanner Anlage hingewiesen worden sei. „Geht man heute durch diesen Bereich, sieht man noch andere Missstände“, so Schwiderski. Seine Botschaft an die Stadt: „Kommt ja nicht mit einer faulen Ausrede, wenn der erste Mensch durch einen umgestürzten Baum zu Schaden kommt.“

 

6. Weitere Namensträger als Literaten
In meiner umfangreichen Korrespondenz mit meiner Tante dritten Grades Lorelies, der Schwester des genannten Kanada-Auswanderers Dieter Claer sowie des Skandal-Schriftstellers „Moppel“ Claer, konnten wir uns nach intensivem Vergleich unserer Familienzweige auf drei gemeinsame Merkmale nahezu aller Claers einigen: die großen Nasen, die Lustigkeit/Witzigkeit und den guten Schreibstil. Insofern passt es ins Bild, dass ich noch drei weitere Namensträger entdecken konnte, die als Literaten in Erscheinung getreten sind.

a) John Clare – der romantische Naturdichter aus England

by William Hilton, oil on canvas, 1820

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zunächst ist hier der Engländer John Clare (1793-1864) zu nennen (Porträt von William Hilton 1820), auf den ich durch einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung aufmerksam geworden bin. Eine Verbindung zu unseren Claers ist eher fernliegend, aber wer weiß… Bei Wikipedia heißt es über ihn u.a.:
„John Clare (* 13. Juli 1793 in Helpston, Northamptonshire; † 19. Mai 1864) war ein englischer Naturdichter und bekannt als einer der besten Beschreiber des Landlebens. … John Clare wurde am 13. Juli 1793 in Helpstone als Sohn eines Tagelöhners geboren. Er entwickelte sich trotz sehr geringer Bildungsmittel glücklich und schnell. James Thomsons Seasons weckten sein poetisches Talent und begeisterten den 13-Jährigen zu dem Lied The morning walk und dessen Gegenstück The evening walk. John Turnill in Helpstone nahm sich seiner an und unterrichtete ihn im Schreiben und Rechnen. Seinen Unterhalt erwarb Clare sich durch Handarbeiten und Violinspiel, Gott und die Natur besang er alleine zum eigenen Vergnügen. 1818 kam sein Sonett auf die untergehende Sonne in die Hände des Buchhändlers Drury zu Hamford, und dieser veranlasste die Ausgabe einer Sammlung von Clares Poems descriptive of rural life and scenery, die allgemeine Teilnahme erregte. Eine andere, ebenso erfolgreiche Sammlung seiner Gedichte erschien unter dem Titel The village minstrel, and other poems. Hierdurch in den Besitz eines kleinen Vermögens gelangt, ließ sich Clare in Helpstone häuslich nieder, geriet aber durch unglückliche Landspekulation in Elend. Er starb am 19. Mai 1864 in einer psychiatrischen Klinik.“
In deutscher Sprache ist von ihm erschienen: Reise aus Essex und andere Selbstzeugnisse, übersetzt von Esther Linsky. Matthes und Seitz, Berlin 2017, ISBN 978-3-95757-327-8.
(https://de.wikipedia.org/wiki/John_Clare)

 

b) Carl Gottfried Klaehr – der Lustspieldichter aus Dresden

 

 

 

 

 

 

 

Schon eher könnte sich der nächste Schriftsteller unseres Namens, Carl Gottfried Klaehr (1773-1842) aus Dresden, als ein Verwandter erweisen. Eine Verbindung zu den Thüringischen oder Schlesischen Claers erscheint möglich. Wikipedia schreibt über ihn u.a.:

„Carl Gottfried Klaehr (geboren am 12. Mai 1773 in Dresden; als Geburtsjahr wird auch abweichend 1777 angegeben; gestorben am 16. Mai 1842 in Meißen) war ein deutscher Lustspieldichter und Porzellanmaler. …
Nachdem er sich selbst als Porzellanmaler ausgebildet hatte, trat Klaehr 1793 in die Porzellanmanufaktur Meißen ein, deren Angestellter er bis zu seiner Pensionierung 1828 blieb. 1810 verfasste er zum 100-jährigen Gründungsjubiläum der Manufaktur das Festgedicht Die Weihe des Danks. Daneben ist er Autor zahlreicher eher anspruchsloser Lustspiele, von denen 17 noch im Druck nachweisbar sind. Meist erschienen sie sowohl in Sammel- als auch in Einzelausgaben. Es handelt sich um konventionelle, oft mit kleinen Musikeinlagen dargebotene Gebrauchsstücke mit den üblichen Verwechslungen, Verkleidungen und Intrigen.“
(Bei den „eher anspruchslosen Lustspielen“ musste ich gleich wieder an meinen Onkel dritten Grades „Moppel“ Claer und seine Romane wie „Lass jucken, Kumpel“ denken… )
Als wichtige Werke des Carl Gottfried Klaehr, nach anderer Schreibweise auch Klähr und Klär geschrieben, nennt Wikipedia:
· Dramatische Ephemeren. Meißen 1809 (enthält: Die Lotterielisten, Die Rettung und Die geliebten Feinde).
· Die Friedens-Feyern. Meißen 1810.
· Die Weihe des Danks. Gedicht. Meißen 1810.
· Neue Lustspiele. Meißen 1814 (enthält: Das Wechselrecht oder das gestohlene Manuscript und Der Patriot oder die ungewisse Hochzeit)
· Blüthen der Natur. Meißen 1815.
· Theaterspiele. Meißen 1816 (enthält: Das Wachsfiguren-Kabinett, Die Theaternoth und Die Pfirschendiebe).
· Neue Theaterspiele. Meißen 1817 (enthält: Rache, oder Wer zuletzt lacht, lacht am besten, Röschens Hochzeit und Das moderne Paradies).
· Bühnenspiele. Meißen 1819 (enthält: Der Alchymist, Das seltene Wiedersehen).
· Zwei neue Lustspiele. Meißen 1834 (enthält: Von Sieben die Häßlichste und Wachtmantel und Schlafrock).
(https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gottfried_Klaehr

 

c) Der Bestseller-Clair von der Bundeswehr

 

 

 

 

 

 

 

Und schließlich habe ich noch einen zeitgenössischen Bestseller-Autor namens Johannes Clair (geb. 1985) entdeckt, der als vorübergehend in Afghanistan stationierter Bundeswehrsoldat durch die Schilderung seiner dortigen Erlebnisse in Buchform berühmt geworden ist. Allerdings stammt dieser Autor Clair aus Wiesbaden, was nicht unbedingt an eine Verbindung zu unseren ostpreußischen Claers und Clairs denken lässt. Der einzige Umstand, der dennoch für eine solche Verbindung sprechen könnte, ist seine schriftstellerische Begabung… Bei Wikipedia heißt es über ihn:

„Johannes „Joe“ Clair (* 16. Oktober 1985 in Wiesbaden) ist ein deutscher Autor und Oberstabsgefreiter der Fallschirmjägertruppe der Bundeswehr. Im Oktober 2012 veröffentlichte er sein erstes Buch Vier Tage im November über seinen Einsatz in Afghanistan. … Als Infanterist Spezielle Operationen nahm er vom Juni 2010 bis Januar 2011 am Afghanistan-Einsatz im Rahmen des ISAF-Mandates teil und erlebte den Strategiewechsel der NATO hautnah mit. Dort wurde er als G3ZF-Schütze eingesetzt und war Teil der ersten Gruppe des G-Zuges im Feldlager Kundus. Über seinen Einsatz und seine Teilnahme an der Operation Halmazag schrieb er das Buch Vier Tage im November (2012). Es war 2013 für 37 Wochen in der Spiegel-Bestsellerliste.

Nach dem Dienstzeitende begann er Sozialökonomie an der Universität Hamburg zu studieren und hält nebenbei Vorträge über seine Erfahrungen in ganz Deutschland. Im Zuge seines Engagements für mehr Bewusstsein für Bundeswehrsoldaten ist er regelmäßig im Fernsehen präsent. Zudem war er 2013 Protagonist in der Flüchtlingsdokumentation Auf der Flucht – Das Experiment, die im ZDF ausgestrahlt und für die Clair mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Clair schreibt außerdem für das JS-Magazin, einer Publikation der evangelischen Kirche für junge Soldaten. Zudem hat er ein Geleitwort für das im Oktober 2014 im Carola Hartmann Miles-Verlag erschienen Buch Armee im Aufbruch verfasst. Zur Bewältigung seiner Einsatzerlebnisse befindet sich Clair derzeit in einem Programm für traumatisierte Soldaten der Bundeswehr.

Clair engagiert sich ehrenamtlich in der Veteranenarbeit und ist zum stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes Deutscher EinsatzVeteranen (BDV) gewählt worden. Über diese Organisation versucht er, mehr Bewusstsein für Einsatzrückkehrer der Bundeswehr zu generieren und Betroffenen zu helfen.“

 

(https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Clair)

 

7. Einmal am Rhein – die Filmfigur „Elvira Claer“

Zu guter Letzt noch ein recht sonderbarer Fund: Im deutschen Kino-Klassiker „Einmal am Rhein“ aus dem Jahr 1952 von Regisseur Helmut Weiss (u.a. “Die Feuerzangenbowle”) lautet der Name der weiblichen Hauptfigur (nicht der Name der sie verkörpernden Schauspielerin!): Elvira Claer. Exakt so geschrieben!
„Witwer Damian Bacchus ist der Vater der hübschen Töchter Trautchen, Billa und Grietchen. Alle vier betreiben ein kleines Gasthaus. Doch das kann nicht alles sein. Damian kauft das viel größere Restaurant “Rheinschlösschen”. Elvira Claer, die Eigentümerin des “Grand Hotel” und einst in Damian verliebt, der sich dann aber für eine andere entschied, will ihm das “Rheinschlösschen” aus Rache abjagen… Mit Volksschauspielern wie Paul Henckels, Beppo Brem und Harald Paulsen. Mit vielen rheinischen Liedern von Willi Ostermann und seinem berühmtesten Stück “EINMAL AM RHEIN”!“
(https://www.spondo.de/einmal-am-rhein.html)

Was die Drehbuchautoren Richard Billinger und Werner Eplinius sich wohl bei dieser Namensgebung gedacht haben? Billinger war Österreicher, Eplinius hingegen stammte aus einem Vorort von Potsdam und war vorübergehend als Dramaturg an den Theatern in Potsdam und Neustrelitz/Mecklenburg tätig. Mein Vater Joachim und seine Schwester Renate Claer besuchten von 1947 bis 1951 bzw. 1946 bis 1950 die Oberschule in Teterow/Mecklenburg (wo sich auch meine Eltern kennengelernt haben). Meine Tante Renate, die für ihre überragenden Deutsch-Aufsätze berühmt und beim anderen Geschlecht extrem beliebt war, hatte schon als Schülerin ein starkes Interesse an Literatur. Und das von Teterow aus nächstgelegene Theater war das in Neustrelitz. Alles andere ist Spekulation…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausblick
Das war’s schon für diesmal. Im nächsten Jahr werde ich hoffentlich wieder intensiver und ausgiebiger forschen können.

Berlin, Dezember 2017

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