Tag Archives: Jurist

www.justament.de, 7.8.2017: Ein Divan ist kein Möbelstück oder Wie Goethe die Digitalisierung antizipierte

Eine Entdeckung: Manfred Ostens YouTube-Videos zur Zeitdiagnostik

Thomas Claer

Promovierter Jurist (mit einer Diss über das Naturrecht bei Schelling), nebenher noch Philosphie, Literatur und Musik studiert, langjähriger Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes in Frankreich, Kamerun, Tschad, Ungarn, Australien und Japan, Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung, Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze – der heute 79-jährige Manfred Osten kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Vor allem aber hat er sich als Goethe-, Japan- und Napoleon-Kenner einen Namen gemacht und als solcher an 30 der vielgerühmten feinen Kultursendungen von Alexander Kluge im spätabendlichen TV-Programm mitgewirkt. Erstmals ist er mir Anfang der 1990er Jahre im Fernsehen begegnet, beim Durchzappen zu später Stunde. Damals als Abiturient (oder war ich schon im Zivildienst?) konnte ich zunächst gar nicht glauben, dass ausgerechnet auf dem eher bildungsfernen Sender SAT1 Gespräche solcher Art geführt wurden, noch dazu – wie ich später erfahren sollte – von zwei Juristen über einen dritten (den Geheimrat aus Weimar), ohne dass es vorrangig um Fragen des Rechts gegangen wäre. Besonders mochte ich Manfred Ostens lebendige Art zu erzählen, die mir von Anbeginn seltsam vertraut vorkam. Erst Jahre später hörte ich, dass er wie ich aus Mecklenburg stammt, nämlich aus Ludwigslust bei Schwerin, und noch dazu ein Vetter eines guten Freundes meines Vaters ist, des Medizin-Professors Bernd Osten, dessen Stimme und Sprechweise tatsächlich eine frappierende Ähnlichkeit mit der seines Cousins aufweist…
Nun, ein Vierteljahrhundert später, bin ich also zufällig auf das grandiose dreiteilige YouTube-Video „Zeitdiagnostik Ende 2015“ gestoßen, in dem Manfred Osten ausführlich seine Sicht auf die aktuellen Weltläufe darlegt. Wie so oft greift er auch darin bevorzugt auf Goethe zurück, um die existentiellen Probleme unserer Gegenwart verständlich zu machen, denn jener habe sie schließlich zum großen Teil bereits in seinen Werken antizipiert, so das schwierige Verhältnis zwischen westlicher und muslimischer Welt im „West-östlichen Divan“ (wobei ein Divan ein Gespräch zwischen weisen Männern ist) und sogar bestimmte Vorstufen der Digitalisierung im Faust II. Im ersten Teil der „Zeitdiagnostik“ berichtet Manfred Osten über seinen eigenen Werdegang, im zweiten dreht sich alles um Goethe. Im dritten Teil schließlich werden aktuelle Herausforderungen wie die Flüchtlingskrise und Aspekte der Globalisierung thematisiert. Wer hier nicht hin klickt, ist selber schuld:

https://www.youtube.com/watch?v=dFI77UxeDCg
https://www.youtube.com/watch?v=cFp_0RZwB9k
https://www.youtube.com/watch?v=Co-A59gYUYI

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www.justament.de, 1.8.2011: Beruf Schriftsteller

Dem schreibenden Juristen Wolfgang Bittner eine Rezension zum 70. Geburtstag

Thomas Claer

lit-tc-empfiehlt-bittner-coverDas muss der schönste Beruf der Welt sein, denkt man: Bücher schreiben, sich dabei seine Zeit frei einteilen können, unabhängig und nur sich selbst verantwortlich sein. Das dachte sich vor einigen Jahrzehnten auch der junge Jurist Wolfgang Bittner, dessen Abneigung gegen die Justiz sich während seines Referendariats stetig gesteigert hatte. „Aus Gründen der Selbstbestätigung“ erwarb er noch den Doktortitel, fuhr anschließend für einige Jahre mehrgleisig – und dann war für ihn Schluss mit Jura. Doch hat die Freiheit eines Schriftstellers ihre Grenzen immer in den ökonomischen Zwängen, denen er unterworfen ist. Bittner, ein Flüchtlingskind aus einfachen Verhältnissen, entschied sich bewusst gegen einen parallel ausgeübten „Brotjob“. Sein Anspruch war es, vom Schreiben leben zu können, und zwar „ohne sich zu prostituieren“. Leicht ist so etwas nie – aber bei ihm hat es funktioniert. Wie, das erklärt er in seinem stark autobiographisch geprägten Ratgeber „Beruf: Schriftsteller. Was man wissen muss, wenn man vom Schreiben leben will.“ Vor allem braucht es enormen Fleiß und ein hohes Arbeitspensum. Etwa 50 Bücher hat Bittner in dreieinhalb Jahrzehnten veröffentlicht, darunter vier Romane für Erwachsene, neun Kinder- und Jugendromane und 15 Bilderbücher.

Zunächst geht „Beruf: Schriftsteller“ auf einige handwerkliche Aspekte des Schreibens ein, auch auf die mentale Seite des Schreibvorgangs. Erst nach der Diskussion so abstrakter Fragen wie der Rolle des Schriftstellers als moralisches Gewissen unserer Gesellschaft – wohl nicht für jeden angehenden Schriftsteller vordergründig – kommt die eigentliche Crux des Autorentums, seine Finanzierbarkeit, zu ihrem Recht. Zu den nun offerierten harten Fakten zählen Muster-Verlagshonorarverträge (mit Vorschuss-Vereinbarungen), Auflistungen der (mitunter nicht ganz unerheblichen) laufenden Kosten eines Literaten und empfohlene Honorarsätze für Autorenlesungen in Schulen. Relativ wenig erfährt man über mögliche Wege, die eigenen Werke überhaupt erst einmal bei einem Verlag unterzubringen, worin aber das praktische Haupthindernis für unzählige publikationswillige Autoren liegen dürfte. Entscheidend ist, so liest man zwischen den Zeilen, wie so oft das Netzwerkertum, die Unterhaltung und Pflege der richtigen „Kontakte“.

Das Buch ist schon seit ein paar Jahren auf dem Markt, und das ist ihm gelegentlich auch anzumerken. Nur wenige Lebensbereiche sind von der sich zusehends beschleunigenden digitalen Revolution so sehr betroffen wie das Entstehen und Herausbringen von Büchern. Was Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte lang grundlegend und unverzichtbar war, verdampft gerade vor unseren Augen. Inzwischen kann man wohl sagen, dass es zwar niemals so leicht war wie heute, eigene Texte zu publizieren, also einer großen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. (Davon kann sich jeder leicht im Internet überzeugen.) Doch ausschließlich davon leben zu können, das wird schon angesichts der sich abzeichnenden Marginalisierung des Buch- (genau wie des Zeitungs-) Drucks mit der Zeit immer unwahrscheinlicher. Was sich aber bis heute im Grundsatz nicht verändert hat, ja wenn der Augenschein nicht trügt, sogar noch deutlich zugenommen hat, ist der Antrieb vieler Menschen zum Schreiben. Sicherlich würden inzwischen zahllose Hobby-Autoren und Blogger den Satz Wolfgang Bittners auch für sich reklamieren: „Schreiben ist ein Weg für mich, mit dem Leben besser fertig zu werden.“ Oder wie es Johannes R. Becher sagte: „Man schreibt, um zu sich selbst zu kommen.“  Nur: Wer soll das alles lesen und wer soll das alles drucken? So glauben wir dem Verfasser am Ende zwar gerne, dass man all die nützlichen Dinge, die in seinem Buch stehen, wissen muss, wenn man vom Schreiben leben will. Man sollte aber vernünftigerweise lieber nicht daran glauben, dass Letzteres unter den heutigen Umständen auch gelingen kann. Außer einem gelingt ein ganz großer Wurf – oder man prostituiert sich.

Wolfgang Bittner
Beruf: Schriftsteller. Was man wissen muss, wenn man vom Schreiben leben will
Überarbeitete Neuausgabe Allitera Verlag München 2006
148 Seiten, EUR 19,90
ISBN 3-86520-197-0

www.justament.de, 26.7.2010: Gefangen im Selbstzitat

Die neue Yello-CD lädt ein zur nostalgischen Zeitreise

Thomas Claer

Yello CoverWer in den achtziger Jahren, sofern er da schon auf der Welt war, einmal einen Bravo-Kalender besaß, dem ist vielleicht unter den vielen qietschbunten Gestalten darin ein einsamer Krawatten- und Anzugträger aufgefallen: Das war Dieter Meier von der Schweizer Elektro-Avantgarde-Band Yello. Irgendwie war er dort ein Fremdkörper (ähnlich wie damals auch Otto Schily bei den Grünen), zumal auch seine Band-Kollegen verwegen koloriert oder gar mit freiem Oberkörper posierten. Nun muss man aber wissen, dass es sich bei Dieter Meier, Jahrgang 1945, um den einzigen internationalen Popstar mit abgeschlossener juristischer Ausbildung handelt (Justament 5-2007, S.22 berichtete), abgesehen vom italienischen singenden Rechtsanwalt Paolo Conte.

Dieter Meier und Yello schrieben also seit ihrem Debüt-Album „Solid Pleasure“ (1980) Popgeschichte. Jedes ihrer Alben aus den Achtzigern klang anders, immer aufregend und erfrischend, wenn auch ein allmählicher Trend zum Glatten und Gefälligen nicht zu überhören war. Doch seit nunmehr zwanzig Jahren bestehen ihre Platten vornehmlich aus der Neukombination des Altbekannten. Und das gilt erst recht für das hier zu besprechende „Touch Yello“: Der Opener „The Expert“ ist eine Mischung aus „The Race“ und „Tied up“ von 1988 sowie dem „Rubberbandman“ von 1991. Der zweite Song „You Better Hide“ erinnert am Anfang an „Blue Green“ von 1980, dann an „The Rhythm Divine“ von 1986. Das dritte Lied klingt etwas nach „Goldrush“ von 1986 und nach „Jungle Bill“ von 1991. Beim vierten Track handelt es sich um einen – immerhin ehrlicherweise auch als solchen bezeichneten – Remix ihrer legendären Prä-Techno-Nummer „Bostich“ (1980). Und so geht es munter weiter. Sie plündern den eigenen Back-Katalog nach Belieben. Das allein wäre zwar noch nicht weiter schlimm, doch ist schmerzhaft zu bemerken, wie sehr die sparsam eingesetzten Neuerungen hinter ihren früheren klanglichen Kabinettstücken zurückbleiben.

Dabei ist längst nicht alles schlecht auf „Touch Yello“. Vor allem wer noch nie eine andere Yello-Platte gehört hat, kann an der CD durchaus seine Freude haben. Die insgesamt etwas dunklere, jazzigere, ja smoothigere Note kann man auch gut finden. Und im besagten „You Better Hide“ ist mit der Schweizerin Heidi Happy eine junge, hoffnungsvolle Sängerin sehr eindrucksvoll zu vernehmen. Das ist übrigens bis heute eine Stärke von Yello geblieben: die Untermalung von lasziven Frauenstimmen. Diese Dame sollte man im Auge behalten. Das Urteil lautet: befriedigend (8 Punkte).

Yello
Touch Yello
Polydor (Universal) 2009
Ca. € 17,-
ASIN: B002N9MK86

www.justament.de, 21.9.2009: Der Unverfrorene

Foto Koch

Roland Koch (Foto: Wikipedia)

Herbstserie: Juristen in der Politik. Eine Stilkritik

Teil 4: Roland Koch

Thomas Claer

„Lieber Roland Kotz … äh Koch“ – das war Angela Merkels Versprecher des Jahres 2008, und er sollte Eingang finden in alle Lehrbücher der Psychoanalyse als Musterbeispiel einer Freudschen Fehlleistung. Roland Koch ist und bleibt Deutschlands einziger Rechtspopulist – ein Landesvater, dem es nichts ausmacht, von niemandem geliebt zu werden und bei vielen verhasst zu sein. Wenn oft das fehlende Profil in unserer politischen Klasse beklagt wird – bei ihm kann davon keine Rede sein. Jeder weiß, wofür er steht und wogegen: Erstmals Hessischer Ministerpräsident wurde Koch 1999 mit einer Unterschriftenaktion gegen die damals von der rot-grünen Koalition in Berlin geplante Reform des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts. An den CDU-Wahlständen fragten damals viele interessierte Leute, wo man denn hier „gegen die Ausländer“ unterschreiben könne. Solche tief im Volke schlummernden Empfindungen müssen erst einmal geweckt werden – und das kann derzeit keiner besser als Roland Koch. Im Wahlkampf zur Hessischen Landtagswahl 2008 warb er in einer Plakataktion mit dem Slogan: „Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen!“und erklärte zu den Münchner U-Bahn-Schlägern: „Es gibt zu viele kriminelle Ausländer in Deutschland!“ (Die S-Bahn-Totschläger von voriger Woche hatten allerdings keinerlei Migrationshintergrund. Warum sagt jetzt eigentlich niemand: „Es gibt zu viele kriminelle Deutsche in Deutschland?“). Ähnlich wie vor Jahrzehnten der selige Franz Josef Strauß überstand auch Roland Koch zahlreiche Spenden-, Schwarzgeld- und sonstige Affären unbeschadet im Amt und gewann durch seine Unverfrorenheit bei seinen Wählern sogar noch an Wertschätzung.
Ein Überflieger war Koch schon in jungen Jahren. 1982 absolvierte er mit nur 24 Jahren sein erstes juristisches Staatsexamen. Nach dem „Zweiten“ wurde er 1985 Rechtsanwalt und praktizierte vor allem im Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht in einer Eschborner Kanzlei, bis er dazu seit 1999 als Ministerpräsident keine Zeit mehr fand. Um hier kein einseitiges Bild zu zeichnen, ist noch Roland Kochs langjährige enge Freundschaft mit dem Dalai Lama zu erwähnen, den er auf buddhistische Weise Stirn an Stirn zu begrüßen pflegt. Vielleicht ist diese Verbrüderung aber weniger verwunderlich, wenn man bedenkt, dass auch Tibet ein vom Dalai Lama oft beklagtes „Überfremdungsproblem“ hat, nämlich mit den Chinesen. Für seine Verdienste um Volk und Vaterland wurde Roland Koch 2007 mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband ausgezeichnet.

Ein sehr lustiger Spot der Satirendung Extra3 über Roland Koch:

www.justament.de, 22.6.2009: Der Eloquente

Foto Guttenberg

KT zu Guttenberg (Foto: Wikipedia)

Sommer-Serie: Juristen in der Politik. Eine Stilkritik

Teil 1: Karl-Theodor zu Guttenberg

Thomas Claer

Er ist der mediale Senkrechstarter schlechthin. Vor ein paar Monaten noch war er der breiten Öffentlichkeit völlig unbekannt, nun liegt der bisher jüngste Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland (37) laut Politbarometer bereits gleichauf mit unserer Bundeskanzlerin an der Spitze der demoskopisch ermittelbaren Beliebtheit.
Wie kommt das? Zunächst einmal macht Minister zu Guttenberg in den Interviews der Fernseh-Nachrichtensendungen eine ausnehmend gute Figur. Und Politiker im Medienzeitalter müssen vor allem das: eine gute Figur machen, Vertrauen einflößen, glaubhaft den Eindruck erwecken, man habe die Lage im Griff. Ein Politiker, der das nicht kann, ist kein guter Politiker, mag er fachlich noch so brillant sein. Doch nicht nur das: Zusätzlich verfügt der junge zu Guttenberg über die heute so selten gewordene Gabe einer Redegewandtheit, die sich nicht in den immergleichen Floskeln und Sprachschablonensätzen erschöpft, was ihn wohltuend etwa von unserer Bundeskanzlerin oder unserem Außenminister unterscheidet, die stets „der festen Überzeugung sind“ und dergleichen mehr Worthülsen aneinanderreihen. Nicht, dass zu Guttenberg das Phrasendreschen völlig fremd wäre, doch  verfügt er – anders als die überwältigende Mehrheit seiner Kolleginnen und Kollegen im Politikbetrieb – über eine eigene Sprache, kann sich vielfältig, präzise und dazu noch allgemeinverständlich ausdrücken.
Hat er diese Eloquenz in seiner juristischen Ausbildung erworben? Man kann es sich kaum vorstellen, wenngleich ihm diese Fähigkeiten, wie Prädikatsexamen und Summa-cum-laude-Dissertation beweisen, offensichtlich nicht zu sehr geschadet haben. (Eine Spur zu auftrumpfend, vor allem für seine Maßstäbe, ist es allerdings, die guten Noten überhaupt auf seiner Homepage zu erwähnen, aber er tut dies vermutlich, um dem gegen ihn gerne erhobenen Vorwurf der Unerfahrenheit und fehlenden Kompetenz zu begegnen.) Nein, das Entscheidende wurde ihm ohne Zweifel von zu Hause mitgegeben: Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg entstammt einem traditionsreichen und begüterten fränkischen Adelsgeschlecht, sein Vater ist ein berühmter Dirigent.
Und wie es vielfach bei blaublütigen Politikern zu beobachten ist, ihr Politikstil ist einfach ein anderer. Wie all die Dohnanyis, Weizsäckers und von Beusts zeigt auch zu Guttenberg wenig Neigung, auf den politischen Gegner einzuschlagen. Für den Wahlkampf im Bierzelt der CSU wäre er wohl nicht unbedingt der Richtige. Immer wieder ermahnt er zur Sachlichkeit und fordert – wie in der Frage einer Arcandor-Rettung –, den Parteienstreit auf dem Rücken der Betroffenen zu unterlassen. Das geht nun manchmal fast schon zu weit, denn dazu gibt es schließlich unterschiedliche Parteien: damit sie auch über ihre unterschiedlichen politischen Konzepte streiten. Allein, er kommt damit überwiegend gut an, weil viele Wähler einfach genervt sind von den immergleichen ritualisierten Hahnenkämpfen der Politiker über Nichtigkeiten.
Dennoch hat sich Karl-Theodor zu Guttenberg, wenn nötig, als ausgesprochen schlagfertig erwiesen. Den Anwurf, es fehle ihm für das Amt des Wirtschaftsministers an der erforderlichen Sachkenntnis, konterte er mit den wohlgesetzten  Worten: „Tun wir nicht alle gut daran, jeden Tag etwas dazuzulernen?“ Einem gewissen jugendlichen Überschwang geschuldet war allerdings sein Bild mit ausgebreiteten Armen in New York auf dem Times Square. Durch diese unbedachte Geste wurde er zumindest angreifbar. Doch gehen ihm die vulgären Attitüden einer neureichen europäischen Politikerkaste – man denke nur an den unsäglichen italienischen Ministerpräsidenten – völlig ab. Auch wenn es für ein abschließendes Urteil noch viel zu früh ist: Hier haben wir einen Politiker mit großer Begabung, hohem Potential und bereits jetzt beachtlichem Format. Irgendwann kann er vielleicht Kanzler.