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justament.de, 29.11.2021: Ihr siebter Streich

Carla Bruni auf ihrer aktuellen CD „Carla Bruni“

Thomas Claer

Es ist schon etwas länger her, dass wir in dieser Rubrik musikalische Veröffentlichungen von Carla Bruni besprochen haben. Seinerzeit, 2007 und 2008, umrahmten ihre dicht aufeinander folgenden CDs „No Promises“ und „Comme si de rien n’etait“ die spektakuläre Verbindung des früheren Fotomodells aus prominenter Familie mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy (der gegenwärtig eine Haftstrafe wegen illegaler Wahlkampffinanzierung absitzt, wenn auch nur von zu Hause aus mit elektronischer Fußfessel). Vorausgegangen war bereits 2002 Carla Brunis gefeiertes Debüt „Quelqu’un m’a dit“. Aber was sich schon damals herauskristallisierte, hat auch bis heute seine Gültigkeit behalten: Der viele Rummel um ihre Person hat der künstlerischen Qualität ihrer Werke nicht geschadet. Vor Jahresfrist hat Carla Bruni nun ihr mittlerweile siebtes Album herausgebracht, welches diesmal ohne eigenen Titel auskommt, was natürlich schon für sich genommen ein Statement ist.

Wollte man an dieser Platte etwas kritisieren, dann wäre es dies: Es fehlt das Neue, das Überraschende, die Lieder kommen einem zum großen Teil irgendwie bekannt vor. Aber ist das wirklich schlimm? Wer die charmant hingehauchten Gitarren-Songs ihrer früheren Alben mochte, der wird auch „Carla Bruni“ einiges abgewinnen können, wobei sich die stärkeren Lieder eher in der vorderen Hälfte der Platte befinden. Wer hingegen eine andere Seite von Carla Bruni entdecken will, dem sei das vier Jahre alte Vorgängeralbum „French Touch“ ans Herz gelegt, das ausschließlich Coverversionen diverser Pop-Klassiker – von ABBA bis zu den Rolling Stones – enthält, bei denen es sich um Carla Brunis persönliche Lieblingssongs handeln soll. Ein gelungenes Experiment, das auch Perlen wie „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode oder „Perfect Day“ von Lou Reed eine ganz eigene Wirkung verleiht. Kurzum, auch jenseits der Fünfzig beweist sich Carla Bruni als unvermindert betörende Chanteuse. Das Urteil lautet: voll befriedigend (10 Punkte).

Carla Bruni – Carla Bruni
Universal 2020
ASIN: B08GLP3YQY

Justament Dez. 2008: Madame zum Dritten

Carla Bruni auf ihrer gelungenen CD “Comme Si de Rien N’Etait”

Thomas Claer

16 SCHEIBEN Cover Carla BruniAls an dieser Stelle Carla Brunis zweite CD “No Promises” von 2006 besprochen wurde, konnte noch niemand ahnen, dass hier die künftige französische “premier madame” ihre Aufwartung machte. Mit der Unbefangenheit im Urteil ist es nun also vorbei. Man muss der medialen Betrachtung der Künstlerin als “absolut unmögliche Person” (Claus Koch) eingedenk sein, die angeblich “dünne Liedchen” (Alex Rühle) bei “Wetten, dass …” trällert. Und schließlich gibt die Bruni auch durch ihre in zahlreichen Interviews vorgeführte Laszivität und entsprechende Songtexte (von ihren 30 Liebhabern ist in “Je suis une enfant” die Rede) genug Anlass zur Skepsis. Ferner mag man das Coverfoto der CD, auf dem sie in damenhaftem Kostüm vor einem See stolziert, für diesmal wenig gelungen halten. Doch allen Unkenrufen zum Trotz muss klipp und klar gesagt werden: Auch das neue Album ist grandios! Und das verdient umso größere Beachtung, als hier unter äußerst erschwerten Bedingungen gearbeitet wurde. Wenn es stimmt, dass Carla ihren Gatten mitunter nachts weckt, um ihm die ihr gerade zugeflogenen neuen Melodien vorzuspielen, und der Präsident hierüber keineswegs erbost ist, sondern stets sehr angetan, dann ist Monsieur Sarkozy als ein wirklich ganz besonderer Förderer der Kunst zu würdigen…
“Comme Si de Rien N’Etait” (dt: “Als ob gar nichts geschehen wäre”) knüpft nach den Ausflügen der englischsprachigen Vorgänger-CD in Country- und Rockgefilde wieder an den Chanson-Stil des Erstlings “Quelqu’un M’a Dit” an, bereichert diesen aber durch allerhand Violinen-, Cello-, Flöten- und Keyboard-Klänge. Wenn auch der Zauber des kargen Debüts nicht ganz erreicht wird, überproduziert wirkt das Werk trotz dieser Opulenz keinesfalls, vielmehr durchweg sehr dezent und stimmig arrangiert. Carla Bruni stellt sich so in die Tradition der großen Chansonnieren Édith Piaf und Juliet Gréco, wobei ihre zarte und deutlich weniger voluminöse Stimme den Liedern nicht abträglich ist, sondern ihnen sogar einen besonderen Charme verleiht. So ganz aus dem Hut gezaubert ist das wunderbare Songwriting der Vierzigjährigen allerdings nicht: Sie genoss eine klassische musikalische Ausbildung und ihre Mutter war Konzertpianistin. Das Gesamturteil lautet: voll befriedigend (12 Punkte).

Carla Bruni
Comme Si de Rien N’Etait
Ministry O (edel) 2008
Ca. EUR 17,00
ASIN: B001AY2P26

Justament Okt. 2007: Anders schön

Carla Bruni überzeugt auch auf “No Promises”

Thomas Claer

Cover CarlaGegen Carla Bruni spricht einfach alles: Großindustriellentochter, früheres Partygirl an den Stränden der Cote d’ Azur, langbeiniges Supermodel, von dem schon 1996 ein Kaufvideo über seine angeblich rein privaten Seiten in der Serie “Die schönsten Frauen der Welt” erschienen ist – in einer Reihe mit den Damen Schiffer, Campbell und Co. Und nicht zuletzt kursieren von ihr vermutlich Hunderte äußerst freizügiger Fotos im Internet… All das würde hier nicht die Bohne interessieren, hätte sie nicht 2002 eine CD namens Quelqu’un M’a Dit veröffentlicht, auf der sie in kargen Arrangements, selbst akustische Gitarre spielend und nur von drei bis vier zurückhaltend agierenden Instrumentalisten begleitet, selbstverfasste französische Chansons vortrug. Und das so hinreißend stilsicher, so überwältigend schön, wie man es selten gehört hat. Es ist schon verrückt: Was fast alle anderen Musiker im ganzen Leben nicht zustande bringen, gelingt ausgerechnet einem Supermodel beim ersten Versuch. (Andererseits sei hier beiläufig daran erinnert, dass auch eine gewisse Nico als Fotomodell angefangen hatte, bevor sie 1966 entscheidend zu jener legendären Platte mit dem Bananencover beitrug, die heute nicht nur in unserer Redaktion als Maßstab für alles andere gilt.)
Nun also Carla Brunis Zweitling. Auf Englisch singt sie ihre Vertonungen teils jahrhundertealter Gedichte und bewegt sich dabei stilistisch eher in Contry-, Blues- und dezenten Rock-, denn in Chansongefilden. Das ist natürlich riskant, denn mit ihren Chansons war sie auf der sicheren Seite. Doch das Experiment gelingt. Ihre warme Stimme und ihr subtiles Gitarrenspiel machen das Album durchgängig hörenswert. Kann man ihr vorwerfen, die Klasse des Vorgängers nicht erreicht zu haben? Wohl kaum, denn dafür ist “No Promises” zu überzeugend und dazu noch bemerkenswert homogen. Es sind natürlich auch nur gut 34 Minuten auf der CD. Aber Frau Bruni weiß eben, was sie sich und ihrem Ruf als Musikerin schuldig ist und trifft eine strenge Qualitätsauswahl, statt die Fans mit überflüssigem Füllmaterial abzuspeisen. Und aus dem gleichen Grunde macht der Rezensent an dieser Stelle ebenfalls einen Punkt. Das Urteil lautet: vollbefriedigend (11 Punkte).

Carla Bruni
No Promises
Naive/ Ministry O (edel) 2006, CD, 34:47 Minuten
ca. EUR 15,00
ASIN: B000KG4AYG