Stephan Remmler zum Achtzigsten
Thomas Claer
Vor einigen Jahren berichtete der Moderator Markus Lanz dem in seiner Talkshow sitzenden Musiker Stephan Remmler davon, dass seine Mutter in ihm, Remmler, “den Untergang des Abendlandes” gesehen habe. Damals, als dieser als Sänger der Band “Trio” in der ZDF-Hitparade aufgetreten sei. Eine ganz ähnliche Reaktion hat jener Fernsehauftritt in den frühen Achtzigern auch bei meinem Vater ausgelöst. Ich erinnere mich noch genau, wie er Remmlers Outfit im weißen labberigen T-Shirt tadelte: “Kann der sich nicht mal was Ordentliches anziehen, wenn er im Fernsehen ist?!” Noch schlimmer fand er, dass Remmler dabei fortwährend Kaugummi kaute (“Ein unmöglicher Typ!”). Kurz gesagt, für sogenannte normale Leute war Stephan Remmler in jenen Jahren eine einzige Provokation, was aber, wie Remmler Jahrzehnte danach bei Markus Lanz verriet, so eigentlich gar nicht beabsichtigt gewesen sei. Es hätte Markus Lanz’ Mutter und meinen Vater auch sicherlich überrascht, wenn sie damals gehört hätten, dass ihr Gottseibeiuns zu jener Zeit verbeamteter Lehrer für Deutsch und Geographie gewesen ist.
Nach ein paar überaus erfolgreichen Jahren mit “Trio”, startete Remmler schon 40-jährig eine nicht minder erfolgreiche Solokarriere, indem er dem minimalistischen Garagenrock den Rücken kehrte und fortan auf eher schlagerhafte Klänge setzte, die er aber mit viel Raffinesse ironisierte und dekonstruierte. Neben karnevalstauglichen Hits wie “Keine Sterne in Athen” und “Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei” enthielt sein Solo-Debüt mit “Vogel der Nacht” jedoch auch einen richtig großen Popsong. Ein besonderes Glanzstück gelang ihm schließlich 1991 mit “Projekt F. – Auf der Suche nach dem Schatz der verlorenen Gefühle”, einem Album, das nur aus Coverversionen alter Seemanns-Schlager von Freddy Quinn bestand.
Seine beiden “Trio”-Kollegen sind schon lange nichtg mehr am Leben. Allein Stephan Remmler hält noch die Fahne des Dadaismus hoch. Ihm alles Gute zum Achtzigsten!
