Justament Sept. 2007: Feuer und Flamme

Mit “Volta” liefert Björk wieder einmal einen großen Wurf

Thomas Claer

Björk CoverEine neue Björk-Platte ist immer ein Ereignis. So ist das eigentlich schon seit 1993, als die isländische Pop-Diva mit “Debut” ihren ersten großen kommerziellen Erfolg feiern konnte. (Zuvor sang sie in Formationen wie Sugarcubes, Tappi Tikaras und Kukl, die nur Kennern ein Begriff waren.) Und so ist es auch diesmal, fünf Alben später. Zunächst sehen wir: Sie brennt. Das Booklet zeigt Fotos einer in lodernden Flammen stehenden Björk in einem vermutlich traditionellen indonesischen Kostüm, das Gesicht viotett-grün-gelb-rot geschminkt, einem seltsamen Muster folgend. Entsprechend klingt die Platte: Ein Feuerwerk aus Percussion, für die Björk eigens die Underground-Noise bzw. Jazz-Perkussionisten Chris Corsano und Brian Chippendale engagiert hat. Dazu umrahmen eine überaus schräge zehnköpfige Bläsertruppe aus Island, ein malischer Kora-Spieler und eine chinesische Pipa-Spielerin Björks wie gewohnt eindringlichen und leidenschaftlichen Gesang. Mark Bells knarzende und wummernde Techno-Versatzstücke tun ihr übriges. Welch ein Kontrast zum Vorgängeralbum Medulla (2005), auf dem Björk und ihre Mitstreiter noch rein stimmlich, ohne jede Zuhilfenahme von Instrumenten brillierten! Immer wieder gelingt es dem “Gesamtkunstbjörk”, wie ein Kollege vom Musikexpress einst witzelte, sich selbst auf überraschende Weise neu zu erfinden. Und dass die elfengleiche Stimmakrobatin ihre Schäflein wirtschaftlich längst im Trocknen hat, hat sie nun, mit über vierzig, nicht selbstzufrieden, sondern nur noch experimentierfreudiger, ja -wütiger gemacht. Ganz besonders können die schnelleren Stücke überzeugen, etwa der fulminante Opener “Earth Intruders”, das technoide “Innocence” oder das grandios lärmende “Declare Independence”. Etwas ab fällt hingegen der Gesang des männlichen Duettpartners Antony. Und auch fragwürdig ist, wie des Öfteren bei Björk, die textliche Ebene. Was sie dort und in Interviews an mitunter kruden Messages transportiert, von Sympathien für palästinensische Selbstmordattentäter bis zu “Protect your country!”-Parolen, will man besser gar nicht so genau wissen. Erfreuen wir uns lieber an der fabelhaften Musik dieser Ausnahmekünstlerin! Das Urteil lautet: gut (13 Punkte).

Björk
Volta
Polydor / Universal Music Berlin 2007, CD, 51:07 Minuten
ca. EUR 15,00
ASIN: B000P0IJ1M

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