Scheiben Spezial: Vor 40 Jahren erschien das Live-Album “Bring on the Night” von Sting
Thomas Claer
Nur wenige Jahre, nämlich von 1977 bis 1984, bestand die einzigartige englische Band The Police, wenn man von zwei kurzzeitigen Wiedervereinigungen 1986 und 2007/08 absieht. Doch auch die sich daran ab 1985 anschließende Solokarriere ihres Sängers, Bassisten und Frontmans Gordon Matthew Sumner, genannt Sting, begann vielversprechend. Seinem furiosen Debüt “The Dream of the Blue Turtles” folgte schon im Jahr darauf, vor vierzig Jahren, das ebenfalls vielbeachtete Live-Album “Bring on the Night”. Dass seine Musik danach zusehends verflachen und später nie mehr das hohe Niveau aus den mittleren Achtzigern erreichen sollte, steht auf einem anderen Blatt.
Mehrere wirklich großartige Songs finden sich auf Stings Debüt, allen voran das rein instrumentelle Titelstück, das auf spielerisch jazzige Weise den surreal bis romantisch anmutenden Traum von blauen Schildkröten vertont. Überhaupt kann man “The Dream of the Blue Turtles” recht eigentlich als ein Jazz-Album ansehen, das die Reggae-Anfänge der Police-Zeit hinter sich gelassen, aber die glattgebügelte Poppigkeit von Stings späteren Veröffentlichungen noch vor sich hat. Weitere Höhepunkte sind das enorm groovende “Consider me Gone” und das betörende Vampirstück “Moon Over Bourbon Street” mit seiner hypnotischen Basslinie. Spuren von Pathos zeigen allerdings bereits die Hitsingles “We Work the Black Seam” und insbesondere “Russians”, das ein Thema von Sergej Prokofjew adaptiert. Der letztgenannte Song ist zwar nicht unbedingt musikalisch, aber ganz sicher textlich gut gealtert, denn seine anklagende Schlusszeile “What might save us me and you / Is if the Russians love their children too” ist ja leider wieder erschreckend aktuell geworden…
Das darauffolgende Live-Album “Bring on the Night” enthält die besten Stücke vom “Dream of the Blue Turtles” (weshalb auch “Russians” nicht dabei ist) sowie noch mehrere ältere Police-Stücke, die allerdings alle zu den weiniger bekannten der Band zählen, so wie das großartige Titelstück “Bring on the Night”, dessen Originalversion vom zweiten Police-Album “Regatta de Blanc” (1979) stammt. Durch die Bank ist auch “Bring on the Night” eine beinahe lupenreine Jazzplatte geworden, was natürlich auch an den erstklassigen Live-Musikern liegt, die Sting hier um sich geschart hat. Schon Stings nächste Patte “… Nothing Like the Sun” (1987) war dann längst nicht mehr so gut, enthielt aber immerhin noch die exzellenten Songs “Englishman in New York” und “We ‘ll be Together”.
Sting
The Dream of the Blue Turtles
A&M Records 1985
Sting
Bring on the Night
A&M Records 1986
