www.justament.de, 4.1.2016: Zum Tod von Lemmy Kilmister

Scheiben vor Gericht spezial

Thomas Claer

LONDON, UNITED KINGDOM - NOVEMBER 9: Portrait of musician Lemmy Kilmister from the band Motorhead,  backstage during the Classic Rock Roll of Honour Awards at The Roundhouse on November 9, 2011 in London. (Photo by Rob Monk/Classic Rock Magazine)  Lemmy Kilmister.CONTACT:Future Publishing Limited30 Monmouth St, Bath, UK, BA1 2BW+44 (0)1225 442244licensing@futurenet.comwww.futurelicensing.com, www.futureplc.com

Lemmy Kilmister

Nein, mit Heavy Metal hatte ich nie viel am Hut. Das rührt wahrscheinlich noch von ganz früher her. Zu meiner Schulzeit in den Achtzigern waren nämlich ungefähr die Hälfte der Jungs in meiner Klasse (aber kein einziges Mädchen, wohlgemerkt) begeisterte Heavy Metal/Hardrock-Fans und hörten auf ihren in die Schule und auch überall sonst hin mitgebrachten Mono-Kassettenrecordern, deren Batterien ständig der Saft ausging, dabei stets wild Luftgitarre spielend, Songs von Bands wie Bon Jovi, Scorpions und Iron Maiden.

Nun will ich keineswegs behaupten, dass ich damals, so mit 15 oder 16, einen besseren Musikgeschmack als jene Mitschüler gehabt hätte, dann wohl schon eher einen noch schlechteren. Aber wir hatten alle eine Entschuldigung: Wir waren im Osten und hatten somit kaum eine Chance, an bessere Musik zu kommen. Vor allem gab es in unserem Dorf aber auch niemanden weit und breit, der einem bessere Musik hätte nahebringen können. Auf popmusikaffine Lehrer sollte ich erst zwei Jahre später in einer anderen Welt treffen: auf einem Bremer Gymnasium, wo ich wahrscheinlich der einzige war, der diese antiautoritären Lehrkräfte unglaublich cool fand, denn in meinem bisherigen Leben hatte ich ja nur das absolute Kontrastprogramm erlebt…

Aber zurück zum Heavy Metal: Dass es auch bessere Spielarten dieser Genre-Musik gibt, ist mir erst viele Jahre später aufgegangen. Vor allem solche, die ohne dieses ewige Gejaule und das Hymnenhafte auskommen, die hart und schnell und ehrlich geradeaus spielen, so wie Motörhead. Dennoch hat es mich nie besonders interessiert, eher schon: Lemmy Kilmister als Stilikone. Als Motörhead besonders im vergangenen Jahrzehnt immer populärer wurden, hat man ja schon manchmal was von ihm aufgeschnappt, ein Interview hier, ein unverschämt lässiger Spruch dort. Lemmy Kilmister, der Ex-Junkie und Alkoholiker, der sich fortwährend darüber wundern konnte, überhaupt noch am Leben zu sein, der eine Explosion des Krematoriums bei seiner Einäscherung voraussagte, hatte sich dem Rock’n Roll als Lebenshaltung verschrieben. Und wer ihn jemals auf der Bühne erlebt hat, was auf YouTube ja leicht möglich ist, wie er mit seinen Bandkollegen ein überwiegend deutlich jüngeres Publikum in seinen Bann zieht, dem ist es dann auch egal, dass sich doch eigentlich jedes Lied fast wie das andere anhört. Diese hochenergetische Musik hat selbst dem bekennenden Metal-Banausen noch etwas zu sagen. Klar, Motörhead gehörten zu den Ersten ihrer Richtung und haben unzählige andere Bands beeinflusst, die nach ihnen kamen. Sie haben Speed-Metal, Trash-Metal und das ganze Zeug vorweggenommen. Doch blieben sie vor allem deshalb unerreicht, weil sie so einen großartigen Bandleader hatten.

Zuletzt mussten Motörhead mehrere Konzerte absagen, da ihr Frontman sich schlecht fühlte. Am vorigen Montag, vier Tage nach seinem 70. Geburtstag, ist Lemmy Kilmister für immer von der Rock’n Roll-Bühne abgetreten.

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