www.justament.de, 20.4.2015: Schrilles Vergnügen

Recht cineastisch, Teil 22: Oskar Roehlers Berlin-Groteske „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!”

Thomas Claer

ddp_4.07425864Die Berlinale hat diesen Film abgelehnt. Sie hätte ihn nehmen sollen, denn „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ ist ein großer Spaß. Auch wenn er, wie alle Werke von Oskar Roehler, reichlich überkandidelt ist. Es beginnt in der westdeutschen Provinz in den frühen Achtzigern. Der junge Robert (Tom Schilling) hält es in Schule und Internat mit all den Friedensbewegungs- und Ökospießern nicht mehr aus. Er wird, na was schon?, Punk natürlich! Und er zieht, wohin schon? Klar, nach West-Berlin! Dort lebt sein Vater (Samuel Finzi), der frühere „Kassenwart der RAF“, als Lektor und Schriftsteller und hütet den Schatz der Terroristen, gut hunderttausend DM in Banknoten, die noch von einem Banküberfall mit Gudrun Ensslin stammen. Doch Robert, dem eine Laufbahn als Schriftsteller und Punkmusiker vorschwebt, sieht vom Vater zunächst keinen Pfennig. Stattdessen helfen ihm seine einzigen beiden Bekannten in Berlin auf die Sprünge: der Peepshow-Conférencier Schwarz (Wilson Gonzales Ochsenknecht) und der schwule Nazi und Bandleader Gries (Frederick Lau). Schwarz verschafft Robert seinen ersten Job im Erotik-Club am Bahnhof Zoo: Er muss die von den Kunden vollgespritzten Glasscheiben putzen und für die Striptease-Damen etwas zu essen herbeischaffen. Dabei macht er die intime Bekanntschaft gleich zweier blonder Sexbomben (Emilia Schüle und Anna-Maria Hirsch), die beide ungeheuer scharf auf ihn und später aufeinander eifersüchtig sind. Außerdem lässt Gries ihn noch in seiner Band Gitarre spielen. Als Wohnung dient Robert eine Art Kellerverschlag, an dessen Wand „No Future!“ gesprüht ist. Gemeinsam mit seinen Freunden stürzt er sich ins Berliner Nachtleben und begegnet dort neben anderen lebendigen Speed-Leichen den leibhaftigen Blixa Bargeld und Nick Cave, die hier als bizarre Witzfiguren auftreten. Und es passiert dann noch so viel Verrücktes, dass es hier nicht einmal ansatzweise wiedergegeben werden kann. Während man bei anderen Filmemachern mitunter einen Mangel an Ideen beklagen muss, leidet Oskar Roehler ganz eindeutig am Gegenteil davon: Über weite Strecken ist es bei ihm einfach zu viel des Guten! Doch Roehler kann nun einmal nicht anders. Bei ihm geht nur: schrill oder gar nicht. Amüsant ist das ganze aber allemal.

Tod den Hippies – Es lebe der Punk!
Deutschland 2015
Regie: Oskar Roehler
Drehbuch: Oskar Roehler
104 Minuten, FSK: 16
Darsteller: Tom Schilling, Frederick Lau, Wilson Gonzales Ochsenknecht, Hannelore Hoger, Samuel Finzi, Emilia Schüle, Anna-Maria Hirsch, Alexander Scheer u.v.a.

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